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Einzelbildnachweise Klosterruine Allerheiligen

In diesen Jahren könnte das Prämonstratenserkloster Allerheiligen im Schwarzwald (Gemeinde Oppenau, Ortenaukreis) die 800jährige Feier seiner Gründung begehen Auch wenn das exakte Gründungsjahr aufgrund der Überlieferung im Zeitraum zwischen 1191 und 1196 einzugrenzen ist, gibt dies doch Anlaß, die Überreste des Klosters auch aus denkmalpflegerischer Sicht zu würdigen  Gehörten die Ruinen in der Mitte des 19. Jahrhunderts doch zu den Objekten, welche die besondere Aufmerksamkeit der Großherzoglichen Altertümerkommission in Karlsruhe auf sich zogen, aus deren Tätigkeit letztendlich die Institution der staatlichen Denkmalpflege hervorgegangen ist Das vor 1196 von der Herzogin Uta von Schauenburg gestifete Kloster Allerheiligen liegt dreißig Kilometer östlich von Straßburg in einem der abgelegensten und schroffsten Gebiete des Schwarzwalds Die auf 620 m Höhe im Lierbachtal gelegene Klosterlichtung war nur schwer zugänglich, verunmöglichten doch imposante Wasserfälle eine direkte Wegführung entlang des Baches Für die uns im folgenden interessierende Entwicklung des einstigen Klosters im 19. Jahrhundert sind diese Wasserfälle von einiger Wichtigkeit Nach gut 600jähriger Geschichte wurde das Kloster Allerheiligen am 29. November 1802 durch den Markgrafen und späteren Kurfürsten Karl Friedrich von Baden aufgehoben Sämtlicher Besitz wurde sofort eingezogen, die zuletzt noch 28 Chorherren hatten nach Ablauf des Schuljahres das Waldtal für immer zu verlassen Zum interimistischen Verwalter wurde der frühere Klosterarzt und Apotheker Karl Vernerand Heim eingesetzt Seinem Einsatz ist es auch zu verdanken, daß nach einem Blitzschlag im Sommer 1804 - seltsamerweise am Festtag des Ordensstifters Norbert - nicht alle Gebäude ein Raub der Flammen wurden Auf Anordnung des Karlsruher Baudirektors Weinbrenner wurde nach dem Brand für die Kirche sofort ein Notdach aus Ziegeln in Angriff genommen die Klausurgebäude dagegen wurden nur notdürftig gesichert, war Weinbrenner doch der Meinung, 'daß die beiden Seitenflügel an der Kirche ganz zu demolieren (...) sein möchten' Der ursprüngliche Plan, das Kloster als 'Korrektionsanstalt' für Kleriker zu verwenden, ließ sich jedenfalls nicht mehr verwirklichen Das Abteigebäude diente in der Folge als Dienstwohnung für den Förster, dem auch gestattet war, die ehemalige Klosterwirtschaft weiter zu betreiben Die übrigen Gebäude sollten auf Beschluß des kurfürstlichen Hofrates in Karlsruhe gewerblich genutzt werden Die Enrichtung einer Wollmanufaktur durch den Fabrikanten Brenneisen aus Iffezheim, der den Grindenbach als Energiequelle zum Betrieb seiner Maschinen nutzen wollte, war aufgrund der Lage und der schlechten Verkehrswege von vornherein ein fragwürdiges Unternehmen wurde aber von der Regierung massiv gefördert, so durch die Versetzung von Brenneisens Bruder als Förster nach Allerheiligen Das einstige Kloster scheint aber zunehmend 'Iiederliches Volk angezogen' zu haben, so daß Heim, der sich weiterhin um die Gebäude bemühte, feststellen mußte 'jeder Lump (...) glaubt (..) einen Zufluchtsort gefunden zu haben, wo er, weil ihm jetzt gar nichts gewehrt wird, jeden Unfug treiben darf' Brenneisen dürfte diese Entwicklung gefördet, sich gar selber am Kirchengebäude vergriffen haben, nachdem er die Vertreibung des ihm unbequemen Heim durchgesetzt hatte  Aber bereits 1806 hatte Brenneisen endgültig abgewirtschaftet, worauf die Gebäude zum Abbruch freigegeben werden sollten Dazu kam es freilich erst 1816, nachdem noch bis 1814 gelegentlich Gottesdienste in der Kirche gefeiert worden waren Nun war außer der Kirchenruine einzig noch der zur Gastwirtschaft umgestaltete Westflügel erhalten, die dem Förster ein eher schlechtes denn rechtes Einkommen sicherte Hatte die Regierung aufgrund des desolaten Zustandes der Kirche noch 1821 und 1824 deren Verwendung als Steinbruch erlaubt, so markierte das Jahr 1840 einen grundlegenden Wandel nun stand der Schutz der Ruine im Zentrum der Bemühungen Das Ministerium des Innern in Karlsruhe wies den in Allerheiligen wohnenden Waldhüter Mittenmaier an, dafür zu sorgen, 'daß an der Klosterruine nicht weiter gewaltätig, wie dies mitunter früher der Fall war'  ruiniert und namentlich keine Hausteine mehr von dem Mauerwerk herausgebrochen und gestohlen werden Vermutlich erfolgte diese Weisung auf Betreiben von Mittenmaier selber, der damit begonnen hatte, die inzwischen zugewachsenen Gebäulichkeiten und die verkommene barocke Gartenanlage von 'Baum und Strauchwerk' zu befreien  und 'ansehnlich' zu machen Über das Forstamt führte er einen Kampf um die Erhaltung der Ruine und der wenigen noch erhaltenen Gebäude wofür schließlich Mittel aus verschiedenen staatlichen Kassen, darunter sogar der Spielbank Baden-Baden, zur Verfügung gestellt wurden Typisch für die Zeit war, daß mit dem Interesse für die Ruine auch dasjenige für die umgebende Natur einherging Zusammen mit seinem Vorgesetzten, Forstmeister Eichrodt, begann Mittenmaier 1840 die Wasserfälle zu erschließen und sie begehbar zu machen War es zu Beginn ein 1-2 Fuß breiter Weg, der innerhalb der Felsabbrüche, über die der Lierbach in die sieben Aus der Bauernwirtschaft entwickelte Mittenmaier allmählich einen Touristen- und Sommerfrischebetrieb, der zum obligaten Tagesausflug der Kurgäste Baden-Badens wurde 1853 hatte Baedeker die Örtlichkeit besucht und nahm im folgenden Jahr Allerheiligen 'mit prächtigen Wasserfällen, Klosterruine und besuchenswerter Gastwirtschaft inmitten ausgedehnter Hochwaldungen' in seinen Reiseführer auf, was natürlich wesentlich zum Bekanntwerden des Ortes beitrug, so daß bereits 1871 und 1887 Hotelneubauten entstanden Bald nach seiner Gründung im Jahr 1844 nahm sich in Würdigung der Verdienste Mittenmaiers der Altertumsverein für das Großherzogtum Baden als erste öffentliche Institution der Ruinen in Allerheiligen an Bereits im 1846 erschienenen ersten Jahrgang seiner 'Schriften' wurde auf S. 141. flüchtig mitgeteilt, daß vom Vereinsdirektor (und nachmaligen ersten Konservator von Baden) August von Bayer Reisen nach Lautenbach, Allerheiligen und Sinsheim unternommen worden seien, um an Ort und Stelle Aufnahmen und Vermessungen der Baudenkmale für die Vereinshefte vorzubereiten Doch ausgerechnet die Aufnahmen von Allerheiligen wurden nicht publiziert; die wertvollen Beobachtungen von Bayers gingen verloren und galten seither als verschollen Erst im Laufe unserer Recherchen wurden sie wieder entdeckt In einer Meldung vom 23. Juni 1850 beschrieb die Rhein-Zeitung die Arbeiten von Bayers und berichtete von 'ebenso großartigen, als malerischen Resten der Kirche von Kloster Allerheiligen' die bisher in chaotischen Trümmern lagen (...) Berichte, Rechnungsunterlagen, Materiallisten, eine kurze Beschreibung sowie die wieder aufgefundenen Originalzeichnungen ermöglichten eine Rekonstruktion der ausgeführten Arbeiten Neben Ausgrabungen sind es vor allem Sicherungsarbeiten am Mauerwerk, wie Stützmauern, Einzüge von Holzbögen, Notdächern und Drainagen, die schließlich solche Summen verschlangen, daß die Behörden von Bayer durch einen Extraboten 'eine momentane Einstellung sämtlicher Arbeiten hiermit anordnen (...) zu müssen' glaubten Doch von Bayer verteidigte sein Projekt vehement; seine Hartnäckigkeit führte zu einem längeren Briefwechsel, dessen vorläufigen Höhepunkt das Finanzministerium lieferte 'Als Kunstdenkmal hat dieselbe (Kirche) keine besondere Bedeutung;' 'auch ist uns keine Anzeige bekannt, daß dort an geschichtlichen Denkmälern etwas Erhebliches zu suchen wäre' Eine solche Argumentation konnte von Bayer kaum zum Aufgeben bewegen; vielmehr gelang es ihm, Punkt für Punkt die Gründe für die ablehnende Haltung der Ämter zu widerlegen und schließlich sein Wunschprogramm durchzusetzen  Für die Vorhalle beispielsweise bedeutete dies (in den Worten Baurat Fischers): 'Das Gewölbe soll ausgebessert werden und mit einem wasserdichten Mörtel versehen, auch mit Erde bedeckt und angepflanzt werden' Es sei weiterhin 'diese Gewölbefläche samt dem Stirnbogen auszuschiefern und zu verkeilen oben und unten, sodann die Fugen zu bestechen' 'Die Widerlager beiderseits des Stirnbogens müssen verbessert werden (...) mit gutem Verband mit dem übrigen Mauerwerk nach besonderer Angabe mit den vorhandenen Steinen' 'da der frisch mit Moosmauerwerk aufgeführte Zugang keinen schönen Anblick bietet.' Nach Wegbruch des genannten Zugang sollte das Terrain in einem Halbzirkel mit Böschung (...) angelegt werden 'damit der Anblick gegen das sogenannte Vorzeichen offener und der Zugang ungezwungener aussieht' Da ein Schlußbericht der Unternehmung fehlt, kann nur aus verschiedenen Indizien, vor allem der zunehmenden Präzision der Kostenvoranschläge und dem Fehlen jeglichen Hinweises auf Differenzen zwischen Planung und Ausführung, geschlossen werden, daß wohl sämtiche von von Bayer geplanten Arbeiten auch ausgeführt wurden In den folgenden Jahren ist einzig ein Bittbrief des Schmiedemeisters und einer Handvoll Mitbürger aus Ottenhöfen erwähnenswert, in dem diese 1862 'seine königliche Hoheit den Großherzog' ersuchen nach in Allerheiligen vermuteten 'noch geheimen Gewölben, worin sich auch werthvolle Gegenstände befinden was ihnen schließlich gegen eine 'Caution von 200 Gulden' für eventuell verursachte Schäden gewährt wurde. Über den weiteren Verlauf der Aktion ist in den Akten nichts ersichtlich
 
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