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Achern - Ortenau


Achern ist eine Stadt im Westen Baden-Württembergs, etwa 18 km südwestlich von Baden-Baden bzw. 19 km nordöstlich von Offenburg. Sie ist nach der Kreisstadt Offenburg und den Städten Lahr/Schwarzwald und Kehl die viertgrößte Stadt des Ortenaukreises und bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden.
Lage im Ortenaukreis - Symbol anklicken: Lageplan Gemeinde Achern


Geschichte der Stadt Achern

Zeittafel

  • um 1090 Erstnennung im Hirsauer Codex

  • 13. Jh. Sitz des Gerichtes Achern in der Landvogtei Ortenau

  • 1351 unter Herrschaft des Bistums Straßburg

  • 1405 Pfalzgraf bei Rhein und Bischöfe von Straßburg herrschen über den Gerichtsbezirk Achern

  • 1415 ältestes belegtes Siegel des Gerichts Achern

  • 1452 Bau der Liebfrauenkapelle (Vorgängerbau der kath. Kirche)

  • 1495 (Nieder-)Achern brennt vollständig nieder

  • 1504 Graf Wolfgang von Fürstenberg erhält den hälftigen pfälzischen Anteil an der Landvogtei Ortenau

  • 1535 Übertragung der Pfarrrechte von der St. Johanneskirche in Oberachern auf die Liebfrauenkapelle

  • 1551 König Ferdinand I. (Habsburger) erhält die fürstenbergische Pfandhälfte der Landvogtei Ortenau

  • 1557 Straßburger Bischöfe verkaufen ihre Hälfte der Ortenau an König Ferdinand I., damit gehört Achern insgesamt zu Vorderösterreich

  • 1637 - 1648 während des dreißigjährigen Krieges war Achern unbewohnt

  • 1701 - 1771 Achern unter der Herrschaft der Markgrafschaft Baden

  • 1771 - 1805 Zugehörigkeit zu Vorderösterreich

  • 1805 Achern fällt an das Großherzogtum Baden; zunächst mit Oberamt, später Bezirksamt Achern

  • 14.06.1808 Stadtrechte

  • 1824 Neubau der katholischen Kirche

  • 1842 Einweihung der Heil- und Pflegeanstalt Illenau

  • 1844 Eisenbahnanschluss

  • 02.04.1848 Volksversammlung der Revolutionäre im Gasthaus "zur Hoffnung"

  • 1877 Gründung der Höheren Bürgerschule

  • 1908 Neubau der evangelischen Kirche

  • 1924 Aufhebung des Bezirksamtes Achern

  • 1940 Auflösung der Heil- und Pflegeanstalt Illenau

  • 07.01.1945 Fliegerangriffe auf Achern

  • 01.01.1971 Eingemeindung von Oberachern

  • 01.01.1973 Kreisreform: Geburtsstunde des neuen Ortenaukreises, Eingemeindungen

  • 01.01.1974 Große Kreisstadt Achern


  • Erstnennung

    Achern wird erstmals im Schenkungsbuch des Klosters Hirsau erwähnt (Codex Hirsaugiensis). Da dieses Schenkungsbuch erst im 16. Jh. angelegt wurde, kann man nicht eindeutig auf ein bestimmtes Datum zurückgreifen, konnte aber durch die Nennung mehrerer Personen die Zeit eingrenzen. Graf Berthold von Staufenberg schenkte dem Kloster Hirsau seinen Anteil am Kirchensatz sowie Grundbesitz zu "acchara" -Achern. Mit dieser Erstnennung fing Achern natürlich nicht an zu bestehen.

    Römer

    Als die Römer um 70 n.Chr. mit dem Bau strategischer Straßen in der Ortenau begannen, führte eine dieser Neubaumaßnahmen in Nord-Süd-Richtung von Baden-Baden nach Straßburg durch das heutige Achern, was entsprechende Funde belegen - neben Straßenpflaster stieß man auch auf Fundamente eines ausgedehnten römischen Gutshofes (in der Nähe des heutigen Friedhofes) und auf Teile einer Fußbodenheizung.

    die Nikolauskapelle
    Nikolauskapelle
    Nikolaus-Kapelle

    Um bei den ältesten Zeugnissen der Stadt zu bleiben, sei hier noch die Nikolaus-Kapelle, im Volksmund "Klauskirchl" genannt, erwähnt. Sie steht heute in zentraler Lage an der Bundesstraße 3 nahe der Acherbrücke. Der erste Kapellenbau dürfte im 9./10. Jh. als Andachtstätte gegen Überschwemmungen errichtet worden sein, weswegen auch als Schutzheiliger der Heilige Nikolaus, Bischof von Myra, gewählt wurde. Die nahegelegenen Acher trat in früheren Zeiten oft über die Ufer und dabei rissen Wassermassen Brücke und Stege weg und beschädigten die meist leicht gebauten Häuser. Von solch unheilvollen Überschwemmungen war Achern auch in den folgenden Jahrhunderten unter anderem in den Jahren 1570, 1716, 1778 und 1824 heimgesucht.

    Der älteste Bauabschnitt des heute noch zu sehenden Mauerwerkes fällt in die Zeit nach 1100. Dieser romanische Bau wurde in gotischer Zeit verändert - man setzt um 1270 für diesen Umbau an. Weitere Umbauten folgten. Örtlicher Überlieferung zufolge sollen 1675 die Eingeweide des französischen Marschalls Turenne beigesetzt worden sein. Turenne war in der Schlacht bei Sasbach gegen den kaiserlichen General Montecuccoli gefallen. Gefunden wurden die Eingeweide allerdings nie. Einer zweiten Sage nach hätten Acherner den Kupferkessel mit denselben bald nach der Beisetzung wieder ausgegraben.

    Katholische Kirche - Pfarrkirche zu Unserer Lieben Frau

    Ursprung der kath. Pfarrei ist die ehemalige Kirche St. Johannes in Oberachern, die im Jahre 1306 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Der 1452 als Vorgängerbau errichteten Liebfrauenkapelle wurden erst während der Reformation 1535 die Pfarrechte von der "Mutterpfarrei" St. Johannes übertragen. Bis zum Neubau 1824, für den Baumaterialien der Oberacherner Johanneskirche und der Klosterkirche Allerheiligen verwendet wurden, erfolgten eine Reihe weiterer Baumaßnahmen, die einen neuen Taufstein (1576), Erhöhung des Kirchturms (1581/82) und Ausstattung mit Turmuhr und Glocken, steil zulaufender Spitzhelm (1604), Abriss und Neubau auf den alten Fundamenten (1608), Ausbesserung des Kirchturms (1687) beinhalteten. Im Turm befinden sich sechs Glocken, davon zwei alte von 1599 bzw. 1751, die übrigen von 1949/50.

    Evangelische Kirche - Christuskirche

    Keimzelle für die heutige evanglische Kirchengemeinde war die Gründung der Großherzoglich Badischen Heil- und Pflegeanstalt Illenau. Am 11.12.1842 wurde hier der erste ev. Gottesdienst von Anstaltspfarrer Ernst Friedrich Fink gehalten. 1843 wurde die Kirche für den ev. Gottesdienst, 1844 nach katholischem Ritus geweiht. Im Jahr 1892 kam es zur Schaffung einer eigenen ev. "Stadt-Gemeinde" neben der "Illenau-Gemeinde", was schließlich am 03.05.1908 zur Grundsteinlegung und ein Jahr später am 12.09.1909 zur Einweihung der im neoromanischen Stil erbauten Christuskirche führte (Baupläne von Baurat Burkhardt, Ev. Kirchenbauinspektion in Karlsruhe). Zwei Glocken wurden vom Direktor der Glashütte, Dr. Severin, gestiftet, die dritte von Großherzog Friedrich II. von Baden. Erster Pfarrer war von 1909 bis 1924 Karl Spitzer, der zuvor als Vikar in der Heil- und Pflegeanstalt Illenau tätig war.

    Herrschaftliche/ politische Entwicklung

    Im 13. Jh. erhielt Achern den Sitz des Gerichtes Achern mit dem Nebengericht Ottersweier - so teilte Achern immer auch das Schicksal der Reichslandvogtei Ortenau. 1351 fiel Achern unter bischöflich-straßburgische Herrschaft. 1405 musste der Straßburger Bischof aufgrund seiner finanziellen Situation einen Teil der Reichslandvogtei Ortenau an den damaligen König Ruprecht, einen Pfalzgrafen, verkaufen. Damit herrschten die Pfalzgrafen bei Rhein und die Bischöfe von Straßburg gemeinsam über den Gerichtsbezirk Achern und die Untertanen mussten zwei Landesherren huldigen. Aus dieser Zeit stammt auch das älteste belegte Siegel des Gerichtes Achern (1415) - es zeigt einen Krummstab (wegen des Bistums Straßburg) und einen halben Adler (wegen der dem Bistum verpfändeten Kaiserlichen Landvogtei Ortenau). Der halbe Adler ist bis heute im Wappen der Stadt verblieben. 1504 entzog König Maximilian I. nach dem bayerisch-pfälzischen Erbfolgekrieg Pfalzgraf Ruprecht seinen hälftigen Anteil an der Ortenau und übertrug ihn seinem Parteigänger Graf Wolfgang von Fürstenberg. Dieser Teil wurde 1551 durch den Habsburger König Ferdinand I. eingelöst. Die Straßburger Bischöfe konnten ihre Hälfte an der Ortenau noch bis 1557 halten, erhielten dann aber 2.000 Gulden von König Ferdinand I. und entbanden daraufhin die Ortenauer Untertanen von ihren Pflichten an die Straßburger Bischöfe. Für die neuen "Reichs-Untertanen" gab es dafür zwei Mal Wein - ein Mal für den Abgang der Fürstenberger und zum Einstand in die unmittelbare Verwaltung des Reiches (zwei Mal zwischen 750 und 950 Liter Wein). Da zu diesen Zeiten die Habsburger die deutschen Könige und Kaiser stellten, gehörte Achern zu Vorderösterreich und zwar bis zum Jahr 1701. Die Reichslandvogtei Ortenau, und damit Achern, wurde in der Zeitspanne 1701 bis 1771 der Markgrafschaft Baden zugesprochen; der damalige Markgraf Ludwig von Baden (Türkenlouis) erhielt die Ortenau bei seiner Ernennung zum obersten Befehlshaber der Rheinarmee im Spanischen Erbfolgekrieg als Lehen zugesprochen.

    Doch als 1771 die Baden-Badener Linie der Markgrafen von Baden ausstarb fiel Achern wieder an die Habsburger und damit an Vorderösterreich. Mit der Neuordnung des Deutschen Reiches fiel 1805 Achern an das Großherzogtum Baden. Das Landgericht blieb als Oberamt und später als Bezirksamt Achern bestehen - bis es 1924 dem Bezirksamt Bühl zugeteilt wurde. Am 14.06.1808 erhielt Achern von Großherzog Karl Friedrich von Baden die Stadtrechte verliehen und zwar "in Rücksicht auf dessen ansehnliche Bevölkerung, den Gewerbefleiß und die Betriebsamkeit seiner Einwohner, sowie mit Rücksicht auf die demselben schon zustehenden Marktgerechtsamen und den dahin bestimmten Oberamtssitz."

    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Mai/Juni 1945 die Landesverwaltungen für Baden gebildet. Achern, als Teil der französischen Besatzungszone, blieb zunächst noch rein badisch. In Südwestdeutschland stand die Neugliederungsfrage im Vordergrund des politischen Lebens. Am 15.09.1946 fanden Kommunalwahlen für (Süd-)Baden statt. Entscheidend war dann aber die Volksabstimmung über einen Südweststaat am 09.12.1951. Zwar votierten 62 % der Südbadener für das alte Land Baden, doch die übrigen Landesteile (Nordwürttemberg, Nordbaden und Südwürttemberg-Hohenzollern) entschieden sich mit 69,7 % für die Bildung des neuen Südweststaates. Nun waren die Weichen gestellt für die Wahl der Verfassunggebenden Landesversammlung Baden-Württemberg am 09.03.1952, die am 11.11.1953 in der Verabschiedung der Verfassung für Baden-Württemberg gipfelte. Nachdem der Volksentscheid zum Fortbestehen des Bundeslandes Baden-Württemberg am 07.06.1970 dieses bestätigte, war der Weg frei für die kommende Kreisreform. Am 01.01.1973 wurde der neue Ortenaukreis gebildet. Acht der umliegenden Gemeinden (Fautenbach, Gamshurst, Großweier, Mösbach, Oberachern (bereits seit 01.01.1971) eingemeindet), Önsbach, Sasbachried und Wagshurst) gaben ihre Selbständigkeit auf und vereinigten sich mit der Stadt Achern. Am 01.01.1974 wurde die Stadt Achern zur Großen Kreisstadt erklärt.

    Kriege / wirtschaftl. Entwicklung seit 1500

    Die Kriege der Neuzeit setzten Achern sehr zu - wie der Bauernkrieg 1525, der Dreißigjährige Krieg 1618-1648, die späteren Türkenkriege. Unsägliche Heeresdurchmärsche und zu erbringende Leistungen oder Lebensmittellieferungen beeinträchtigten das Leben sehr. Beispielsweise musste Achern während des Dreißigjährigen Krieges 1622 zum Teil täglich 6.000 Brote in umliegende Heereslager liefern und soll ab dem 1637 nach einem Brand sogar 11 Jahre lang unbewohnbar gewesen sein. Als 1789 revolutionäre Umtriebe von Frankreich auch in den Acherner Raum schwappten, konnte die vorderösterreichische Regierung in Wien gerade noch besänftigt werden, die schon 6.000 Mann in die Ortenau beordern wollte, nachdem ein Protestzug von 2-3.000 Mann von Achern aus in Richtung Offenburg losgezogen war. Einem Vermittler gelang es jedoch, die Gemüter zu beruhigen, so dass sich der Protestzug auflöste.

    19. Jh. - Illenau

    Die 1842 eingeweihte Heil- und Pflegeanstalt Illenau entwickelte sich als eigentlicher Wirtschaftsmagnet für die Stadt Achern. Dem 1. Anstaltsleiter Christian Roller und damit der ganzen Anstalt gelang es aufgrund einer völlig neuen Konzeption der Unterbringung psychisch Kranker zum Mittelpunkt damaliger Behandlungsmethoden zu werden. Das sollte der Heil- und Pflegeanstalt Illenau nicht nur viele wohlhabende, sondern auch ausländische Patienten bescheren (um die Jahrhundertwende waren um 650 Patienten die Regel). Beispielhaft sei hier, wegen seines Bekanntheitsgrades als Kinderbuchautor, die Verbindung zwischen Roller und dem Verfasser des Struwwelpeter, Dr. Heinrich Hoffmann, erwähnt. Hoffmann, wie Roller Psychiater, folgte bei seiner Anstaltsgründung in Frankfurt getreulich dem architektonischen Vorbild der Illenau. Fast im gesamten 19. Jh. mit seinem häufigen Wechsel von Behandlungsarten und zahlreichen Anstaltsneugründungen gab es einen lebhaften psychiatrischen Anstaltstourismus und Illenau war von Anfang an ein absolutes "Muss". Mit ihren Betrieben (Wäscherei, Bäckerei, Küche, landwirtschaftl. Betriebe) stellte die Illenau einen nicht zu unterschätzender Arbeitgeber dar. Die Einwohnerzahl Acherns wurde auch deutlich erhöht durch den Zuzug von Ärzten, Beamten und Angestellten. Als Heil- und Pflegeanstalt bestand die Illenau bis zum Jahr 1940 - die Euthanasiemaßnahmen der Nationalsozialisten machten auch hier nicht halt. Ein Teil der Patienten wurde in die Heil- und Pflegeanstalt nach Emmendingen verbracht, andere wurden mit den "grauen Bussen" nach Grafeneck in die Gaskammern gefahren.

    Im Oktober 1940 wurde eine Reichsschule für Volksdeutsche in der Illenau eingerichtet, insbesondere für Mädchen aus Südtirol, deren Eltern sich zum Deutschtum bekannten. Eine sog. "Napola", also eine NS-Eliteschule, wurde im Frühjahr 1941 für Mädchen eröffnet. Sie bestand bis zum Frühjahr 1943. Anschließend wurde im Herbst eine "Napola" für Jungen gegründet, die bis zum Kriegsende mit etwa 100 Schülern Bestand hatte. Von 1942 bis 1943 waren auch etwa 40 Polenmädchen in der Illenau untergebracht, wovon die meisten nach dem Krieg wieder nach Polen zurückkehrten. Nach dem Einmarsch der Franzosen 1945 wies die französische Besatzungsmacht polnischen und russischen Kriegsgefangenen die Illenau als Unterkunft zu. Von dieser Zeit an wurde der gesamte Komplex bis zum Jahr 1999 durch französische Streitkräfte genutzt - und sieht seit diesem Zeitpunkt einer neuen Nutzung entgegen.

    Eisenbahn

    Einen eigenen Eisenbahnanschluss erhielt Achern bereits 1844, als die Linie Baden-Baden - Offenburg eröffnet wurde.

    Revolution 1848

    Weite Teile der Bevölkerung waren aber in der Landwirtschaft tätig und damit von den Missernten der 1840er Jahre besonders betroffen. Weswegen in unserem Raum die revolutionären Umtriebe der 1848er Jahre besonders fruchteten. Am 2. April 1848 fand im Acherner Gasthaus "zur Hoffnung" eine Volksversammlung statt, die richtungsweisend für die gesamte badische Revolution wurde.

    Bürgerschule

    Bereits 1877 gründete Achern eine Höhere Bürgerschule, im benachbarten Bezirksamt Bühl gelang dies erst 1893.

    Rennbahn

    Aus den rein landwirtschaftlichen "Bauernrennen" des 1880 gegründeten Rennvereins entwickelte sich ein richtiger Rennbetrieb. Über das Gelände des heutigen Überlandwerkes hinaus befanden sich die Rennwiesen. Zu Zeiten vor dem 1. Weltkrieg reisten auch Straßburger Offiziere in ihren schmucken Uniformen an und nahmen als sog. Herrenreiter teil. Tage vor dem Rennen waren Pferde und Reiter Stadtgespräch - die Zuschauer kamen aus einem weiten Umfeld, bis hin zu den Rheindörfern. Selbst außerhalb Badens war in Sportkreisen das Acherner Pferderennen Ende Juni ein Begriff.

    Glashütte

    Durch den günstigen Eisenbahnanschluss kam es in den Folgejahren zu Industrieansiedlungen. Hier ist vor allem die heute noch bestehende Glashütte zu nennen. Georg Boehringer begann im Februar 1886 mit den Bauarbeiten und am 21. September 1886 wurde die erste Flasche geblasen - eine Champagnerflasche - die Fabrik hieß damals "Champagnerflaschenfabrik Achern" - und zählt damit zu den ältesten Glashütten im süddeutschen Raum. Als ein Jahr später (1887) ein zweiter Ofen in Betrieb genommen wurde, zogen aus allen Teilen Deutschlands Glasmacher nach Achern. In den 1890er Jahren war ein dritter Ofen errichtet und es wurden Bier-, Wein- und Wasserflaschen hergestellt. 1900 begann die maschinelle Fabrikation leichter Flaschen auf den neuen Automaten (weltweit das erste Modell), während die Champagnerflaschen weiterhin im Mundblasverfahren hergestellt wurden.

    Sensenwerke

    1852 gründete der Franzose Jaques Kadé die Sensenwerke Achern. Eine mit Wasserkraft angetriebene Ölmühle diente als Fabrik für Sensen, Sicheln Baumsägen, Schaufeln u.ä. 1883 übernahmen zwei jüdische Geschäftsleute aus Bühl die Firma. Um die Jahrhundertwende lag die gesamte Fabrikation bei einer Kapazität von etwa 125.000 Sensen. Bis in das Jahr 1933 konnten die jüdischen Besitzer die Leistungsfähigkeit der Sensenwerke auch durch große Exportgeschäfte nach Übersee ausbauen, wurden allerdings 1938 durch die Nationalsozialisten gezwungen das Unternehmen zu veräußern. Die Fabrikgebäude erwarb Franz John, die Grundstücke gingen an die Stadt Achern über.

    Luftangriffe 1945

    Einen herben Rückschlag erlitt die Stadt durch die Luftangriffe des 07.01.1945. Über 60 Bürger fanden den Tod, als die gesamte Innenstadt durch Spreng- und Brandbomben zerstört wurde. 108 Gebäude wurden total zerstört, 69 schwer und 315 leicht beschädigt. Die Nachkriegsjahre waren gekennzeichnet von den Aufräumungsarbeiten und einem allmählichen Wiederaufbau der Stadt.

    Nach 1945

    Die ehemalige Heil- und Pflegeanstalt "Illenau", die nach dem Krieg einer französischen Militäreinheit diente, ist bereits seit Ende September 1994 freigegeben. Mit einer Veranstaltungsreihe der Bürgerinitiative Illenau und der Stadt Achern vom 22. bis 25. September 1992 wurde das 150jährige Jubiläum der Illenau begangen mit dem Ziel, über die Geschichte und die Bedeutung der Illenau zu informieren sowie Erkenntnisse über eine mögliche spätere Nutzung des Illenaugeländes nach Abzug der stationierten französischen Einheit zu gewinnen. Für das "Objekt für Visionen" sind mittlerweile Initiativen für die zukünftige Nutzung angelaufen. Nach einem gescheiterten Versuch des Bundes das Gelände der Illenau an einen privaten Investor zu veräußern, wurde das Gesamtgelände der Illenau mit ihren historischern Gebäuden von der Stadt erworben.

    Nach erfolgreichen Abschluss des begrenzt offenen Realisierungswettbewerbes zur Schaffung eines Kulturforums in den historischen Räumlichkeiten geht es derzeit in den Beratungen der Ausschüsse bzw. des Gemeinderates um die Entscheidung für ein Plankonzept und anschließend um dessen Umsetzung. Geschaffen werden sollen zum einen zwei Veranstaltungsräume mit einer Kapazität von bis zu 500/600 Personen sowie Räumlichkeiten für die Ansiedelung der Stadtbücherei und der Musikschule.

    Erfreulich ist, dass weite Teile der Illenau der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung stehen, so dass der freigegebene Teil der Illenau mit dem Eiskellerwald in das Naherholungsgebiet einbezogen werden konnte.

    Stadtteile:

    Auch die Stadtteile haben eine lange Geschichte. Sie kamen alle 1805 an Baden und gehörten meist zum Amtsbezirk Achern. Mösbach gehörte zunächst zum Amt Oberkirch und kam erst 1859 zum Bezirksamt Achern. Wagshurst gehörte zunächst zum Amtsbezirk Appenweier und kam 1819 zum Amtsbezirk Achern. Bei der Auflösung des Amtsbezirks Achern 1924 kamen alle Gemeinden zum Bezirksamt Bühl sowie 1939 zum Landkreis Bühl, lediglich Wagshurst kam zum Landkreis Kehl.

    Wappen Fautenbach Fautenbach wurde als Vultenbach um 1100 erstmals erwähnt. über das Kloster Hirsau kam es in den Besitz von Großweier und Schauenburg. Dann gehörte es zum Gericht Achern und teile die Geschicke Acherns.
    Wappen Gamshurst Gamshurst wurde 961 als Gameneshurst erstmals erwähnt. Es war eine Ausbausiedlung auf Sasbacher Mark und gehörte zum Gericht Achern.
    Wappen Großweier Großweier wurde um 1115 als "Crosvvilare" erstmals erwähnt. Es wurde noch bis ins 19. Jahrhundert Croschweier genannt. Wie Gamshurst war es ein Ausbauort Sasbachs. In Großweier gab es eine Burg, nach der sich eine Familie benannte. Sie hatten den Ort von den Markgrafen von Baden zu Lehen. Nach dem Aussterben der Familie kam Großweier an die Herren von Seldeneck, deren Erben es schließlich 1583 wieder an Baden verkauften. Das Wasserschloss war danach Sitz des badischen Amts bzw. Vogtes, bis das Schloss 1689 zerstört wurde. Dann wurde Bühl Sitz des Amtes.
    Wappen Mösbach Mösbach wurde 1386 als Mestbach erstmals erwähnt. Es gehörte zu Straßburg und war dem Oberamt Oberkirche unterstellt, bevor es an Baden kam.
    Wappen Oberachern Oberachern wurde 1347 als Obernacher erstmals erwähnt. Frühere Nennungen unterscheiden nicht zwischen Ober- und Niederachern. Doch gehörte der Ort schon um 1100 den Herren von Staufenberg, Teile dem Klosters Hirsau. Vor 1130 gehörte Oberachern dem Kloster St. Georgen. Im 12. Jahrhundert nannte sich ein edelfreies Geschlecht nach Achern, die wohl zugleich Vögte von Achern waren. Sie residierten in einem Wasserschloss, dessen Reste beim Turmbau der Stephanuskirche Oberachern verwendet wurden. Oberachern gehörte zum Gericht Achern und teilte die Geschicke Achern, war jedoch stets eine eigenständige Gemeinde bis zur Eingemeindung 1971.
    Wappen Önsbach Önsbach wurde im 13. Jahrhundert als Ongisbach erstmals erwähnt. Grundbesitz hatten die Klöster Honau, Ettenheim und Allerheiligen. Der Ort gehörte zum Gericht Achern und teilte die Geschicke Acherns.
    Wappen Sasbachried Sasbachried wurde 1697 als "aus dem Rieth" erstmals erwähnt. Es wurde von Sasbach aus aufgesiedelt und teilte daher auch dessen Geschicke, gehörte also zum Oberamt Oberkirch der Herrschaft Straßburg. Im 19. Jahrhundert wurde Sasbachried als eigenständige Gemeinde von Sasbach getrennt.
    Wappen Wagshurst Wagshurst wurde 1136 als Wageshurst erstmals erwähnt. Es gehörte zur straßburgischen Herrschaft Oberkirch und war dem Gericht Ulm unterstellt.


    Unserer Lieben Frau
    Unserer Lieben Frau
    Aufnahme: Siddhartha Finner
    Auch kritische Worte finden bei uns Gehör:

    Gewiss war Achern einst ein malerischer Flecken, alleine davon ist heute nicht mehr viel zu sichten. Achern besitzt wohl einige Größe, Schönheit jedoch nirgendwo. Achern wurde ein nur allzu williges Opfer des Modernismus. Sicher, es waren nur beste Vorsätze, doch begab man sich in die Hände eines trügerischen Stiles, welcher immer mit rhetorischem Geschick zwar, mehr aber leider nicht.

    Mir jedenfalls wurde die Besichtigung des Ortes, gefurcht auch noch von vielbefahrenen Straßen, recht bald sauer. Immerhin aber darf sich Achern zweier zweifellos sehr schöner Bauwerke rühmen. Tröste sich damit wer kann.

    Zum einen die Nikolauskapelle, ein uraltes Bauwerk vermutlich aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, fußend auf einem Vorgängerbau, der hier bereits im 9., spätestens im 10. Jahrhundert in die Höhe spross. Wir bewundern hier noch den gotischen Stil, vor allem in Gestalt des spitzbogigen Einganges und der Strebepfeiler an den Gebäudeecken. Am schönsten kommt freilich der wie eingesteckt wirkende Rundturm von ungemein reizvoller, schlanker Proportion. Die Kapelle steht an der Hauptstraße und wirkt zwischen den vielen belanglosen Gebäuden nicht anders wie vom Himmel gefallen. Es spricht aus ihm ein Geist, der dem 20./21. Jahrhundert längst fremd geworden, und in seiner seltenen Schönheit zeigt er auf`s deutlichste wer die wahren Worte besitzt.

    Auch das zweite Gebäude ist ein Gotteshaus, wiederum eine Schönheit besonderer Natur. Das Besondere der Kirche "Unserer lieben Frau" liegt in der Verquickung von mittelalterlicher Gotik und neuzeitlichem Klassizismus. Der Turm, auf der Vorderseite befindlich, zeigt bis auf die Spitze gotische Details. Er stammt aus dem Jahre 1452. Die Spitze und auch das Schiff stammen bei klassizistischem Stil (1825) vom Weinbrenner-Schüler Vierordt. Zwischen den beiden Maßnahmen liegen fast vier Jahrhunderte!

    Verschmelzungen zwischen Gotik und Klassizismus findet sich in Baden gleich mehrfach. Die Acherner Kirche zeigt hierbei das wohl beste Zusammenspiel. Wie in den anderen Fällen auch findet man in der Zusammenführung der beiden einander eigentlich fremden Bauepochen keinerlei Widersprüchlichkeit. Doch das nimmt uns nicht mehr Wunder. Die echten Stile bis hin zum Klassizismus und Romantizismus entstammen dem selben grundsätzlichen Geiste, dem Wunsche in stets neuschöpferischer Weise das Gebaute einem künstlerischen, einem schönen Eindruck zuzuführen. Dieser Geist war die große Kontinuität, waltend über Jahrtausende. Dieser Geist war die Baukunst selbst, wohl die unterschiedlichsten Äste und Zweige treibend, alle jedoch aus ein und dem selben Stamme entlassend.

    Das 20. Jahrhundert hat diesen Stamm bewusst wie frech gefällt - die Konsequenzen lassen sich auch in Achern billig "bewundern". Und wir? Wir schauen blöde und hilflos drein.

    Dipl. Ing. Architekt Siddhartha Finner's "Badische Wanderungen"




    Die Illenau

    die Illenau
    Die Illenau bei Achern war ursprünglich als Heil- und Pflegeanstalt konzipiert und 1842 erbaut. Geistiger Vater dieser Irrenanstalt war der badische Arzt Dr. Christian Friedrich Wilhelm Roller.

    Der Gebäudekomplex wurde von Hans Voß, Sohn von Johann Heinrich Voß und Schüler von Friedrich Weinbrenner nach den Ideen von C.F.W. Roller geplant. Die Bauarbeiten begann mit der Grundsteinlegung am 9. Juni 1839. Nach 3-jähriger Dauer wurde die Illenau am 23. September 1842 eröffnet.

    1939 wurde ein Teil der Patienten in die NS-Tötungsanstalt Grafeneck gebracht, wo sie getötet und eingeäschert wurden. Die Anstaltsleitung entließ darauf hin viele der verbliebenen Patienten als "geheilt", um sie vor dem sicheren Tod zu retten.

    Von Oktober 1940 bis 1944 war die Anstalt Reichsschule für Volksdeutsche und vom Frühjahr 1941 bis Frühjahr 1943 eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt für Mädchen, danach bis 1944 eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt für Jungen.

    Nach Ende des zweiten Weltkrieges 1945 zog die alliierte Siegermacht Frankreich in den Gebäudekomplex und nutzte ihn bis 1999 als Kaserne.

    Weiteres - Illenau heute

    Waldfriedhof Illenau
    Der Waldfriedhof in Illenau

    Einer der ältesten Waldfriedhöfe Deutschlands - Am östlichen Rande der Stadt Achern, neben der Straße nach Sasbachwalden, liegt in einem Hochwald von über 100jährigen Eichen der fast vergessene Gottesacker der ehemaligen Großherzoglichen Badischen Heil- und Pflegeanstalt Illenau. Schon im letzten Jahrhundert beschrieben: "Von Eichen und Tannen umrauscht, darf er sich wohl zu den schönsten zählen".

    Heute ein Waldfriedhof von historischer Bedeutung, der schöner wohl kaum anders zu finden ist. Alte, von langer Zeit bearbeitete Grabdenkmäler mit interessanten Inschriften erinnern an einen 100jährigen Zeitablauf, in der viele hier begrabene Anstaltsinsassen versuchten, aus der geistigen Dunkelheit ans Licht zu gelangen. Berühmte Leute, Ärzte und Patienten von internationalem Rang aus der damaligen, segensreichen Zeit der einstigen großen europäischen Anstalt haben hier ihren Ruheplatz ausgesucht.

    Diese Stätte gibt Zeugnis einer Epoche, in der Achern durch die Großherzogliche Heil- und Pflegeanstalt in ganz Europa bekannt war und dadurch zum wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung der Stadt beitrug. Ein weithin bekannter Friedhof, auf dem 2520 ehemalige Kranke der Anstalt, zusammen mit Anstaltspersonal und ihren Angehörigen, liegen.

    Arm und Reich liegen hier im Schatten hoher und schöner Bäume begraben. Adelige aus ganz Europa, die in der Anstalt Heilung suchten, fanden in diesem Friedhofsgarten ihre ewige Ruhe.

    Nach Eröffnung der Heilanstalt 1842 bis 1858 wurden die Verstorbenen auf dem städtischen Friedhof in Achern beigesetzt. Die Notwendigkeit eines anstaltseigenen Friedhofs in der Nähe der Heilstätte ließ 1857 bis 1858 diesen Waldfriedhof im Lange Forchte Wald, dem heutigen Illenauer Wäldele, entstehen. Zunächst auf 2/3 der heutigen Größe angelegt, dann 1860 schon nach Osten erweitert zu dem über 1 ha großen, verträumten und versteckten Gottesacker. Die kirchliche Einweihung fand 1859 statt.

    Nach der Auflösung der Anstalt im Dezember 1940 fanden keine Beerdigungen mehr statt. Erst 1951 durften wieder Angestellte der ehemaligen Anstalt sich einen Grabplatz auf diesem stillen Waldfriedhof aussuchen.

    Nach der Betreuung durch die Illenauer Stiftungen von 1940 bis 1956 übernahm 1957 die Stadt Achern den Friedhof. Das große, kunstvoll ausgearbeitete Friedhofstor, verankert in 4 schmuckvoll ausgehauene Sandsteineinfassungen mit schönen Kapitellen, Grabmälern in schlichter Form, eigenwillige Grabsteine. Meisterwerke in verschiedenen Stil- und Gesteinsarten und Figuren aus Carrara-Marmor verleihen den Eindruck eines würdevollen Gottesackers. Neben den schönen, oft merkwürdig gestalteten Grabsteinen und Kreuzen, geben die exotischen Pflanzen aus Amerika, Afrika und Asien, die hohen, pyramidenförmigen, urweltartig anmutenden Bäume diesem abgelegenen Waldfriedhof ein malerisches und stimmungsvolles Aussehen, das viele Friedhofsbesucher zum Verweilen einlädt.

    Um diese einmalige Kulturstätte der Nachwelt zu erhalten, wurde der Friedhof mit seinem schmiedeeisernen Tor samt den Grabsteinen, Figuren und dem exotischen Pflanzenbestand 1971 unter Denkmalschutz gestellt.

    Waldfriedhof: Hugo Huber, Achern

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