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Achern - Ortenau


Achern ist eine Stadt im Westen Baden-Württembergs, etwa 18 km südwestlich von Baden-Baden bzw. 19 km nordöstlich von Offenburg. Sie ist nach der Kreisstadt Offenburg und den Städten Lahr/Schwarzwald und Kehl die viertgrößte Stadt des Ortenaukreises und bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden.
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In der Illenau - früheres Verwaltungsgebäude
In der Illenau - früheres Verwaltungsgebäude

Geschichte der psychiatrischen der Heil- und Pflegeanstalt Illenau

Die badische Psychiatrie hat, da sie sich des huldvollen Zuspruchs des großherzoglich badischen Hauses versichern durfte - dieses Adelsgeschlecht verfügte seinerzeit selbst über einige psychisch Kranke - im 19. Jahrhundert einen einmaligen und damit richtungsweisenden Weg beschritten.

Nachdem die psychisch kranken Menschen zunächst im sogenannten "Zucht-, Irren-, Siechen-, Toll- und Waisenhaus" in Pforzheim verwahrt wurden, erwog man schon 1806, eine "Universitäts-Irrenklinik" in Freiburg einzurichten. Doch dieser Plan wurde nicht weiterverfolgt und man entschied sich vielmehr, die "relativ verbundene Heil- und Pflegeanstalt" Illenau (bei Achern) in der Mitte Badens auf der grünen Wiese zu bauen und 1842 zu eröffnen.

Der erste Direktor Christian Friedrich Wilhelm Roller (1802-1878), dem im Vorfeld erlaubt worden war, sich zwei Jahre in ganz Europa Psychiatrien anzuschauen und der selbst das Buch "Die Irrenanstalt nach allen ihren Beziehungen" vorgelegt hatte, realisierte diese Musteranstalt.

Heilungsagens bildete die ideal vorgelebte Ersatzfamilie in ländlicher Atmosphäre. Notwendig war dabei der Anschluss an eine Stadt mit guter Infrastruktur, aber im gebührenden Abstand zu dieser Stadt, eine Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, Schulen und Pfarreien beider Konfessionen in der Nähe, eine leicht sicherzustellende Nahrungsmittelversorgung und ein geschlossenes Terrain.

Um möglichst viele Patienten am sog. "Illenauer Geist" partizipieren zu lassen, war ein Baustil im Korridorsystem erforderlich, um so weite Einsichtsmöglichkeiten zu gewährleisten. Mit der Abgeschiedenheit und Einbindung aller Patienten in diesen Anstaltsgeist ließ sich zugleich der ordnungsstaatliche Anspruch erfüllen, der die Separierung und Überwachung psychisch Erkrankter verlangte.

Die heilbaren Patienten sollten dabei von den "unheilbar" Kranken nur innerhalb der Räumlichkeiten getrennt werden, separiert allerdings andererseits durch die sog. Geschlechterachse: Frauen rechts, Männer links. Diese Großanstalt Illenau wurde im vorletzten Jahrhundert derartig vorbildlich und richtungsweisend, dass - wie eine Forscherin aus den USA darlegt - Psychiatrien in Amerika und auf der anderen Seite bis nach Kasachstan nach diesem Modell gestaltet wurden.

Die therapeutischen Bemühungen seitens der Illenau und ihrer Direktoren Christian Roller (Direktor 1842-1878), Karl Hergt (1878-1890), Heinrich Schüle (1890-1916), Ernst Thoma (1917-1928) und Hans Roemer (1928-1940) orientierten sich dabei immer an den aktuell modernsten Behandlungs- ansätzen, wobei die Illenau während ihrer fast hundertjährigen Existenz immer einen Zwitterstatus zwischen Universitätsklinik und Landesklinik einnahm - ein einmaliger Status in Deutschland. So legte Schüle als Anstaltsleiter, und nicht ein Ordinarius für Psychiatrie, mit seinem Buch: " Klinische Psychiatrie" ein Werk vor, das das Fachgebiet zusammenfasste und alle neuesten Erkenntnisse mit einbezog. Auf eine solche Veröffentlichung hatte die Fachwelt schon mehrere Jahrzehnte warten müssen.

Kein designierter Anstaltsdirektor, der Vorschläge für seine neu zu erbauende Anstalt machen sollte, kam an der Illenau vorbei. Im Anstaltstourismus des 19.Jahrhunderts war die Illenau ein absolutes " Muss". Viele Anstaltspsychiater bewarben sich, über ihre Besuche hinaus, um die Ausbildung in der Illenau, so z.B. Bernhard von Gudden, Ludwig Kirn und Richard von Krafft-Ebing.

Auch im 20. Jahrhundert erhielt die Illenau ihren mustergültigen Ruf. So konstatierte Max Fischer noch 1921: "Rollers Schöpfung Illenau war eine einzig dastehende Großtat, nicht nur für die Heilwissenschaften im allgemeinen und für die Seelenkunde im besonderen, sondern weit darüber hinaus für die ganze Kulturwelt; sie war in ihrer Art eine kosmopolitische Neuerung ohne Vorbild".

Die Nationalsozialisten machten allerdings vor den Toren Illenaus nicht Halt. Trotz ihres weltweiten Ruhmes als nach wie vor moderne Klinik, noch dazu als Privatklinik für die begüterten Gesellschafts- schichten, wurde sie als "Heil- und Pflegeanstalt", anders als die Universitätskliniken, in die " Euthanasie" miteinbezogen und viele ihrer Patienten wurden, nach direkter oder indirekter Deportation ü ber Zwischenanstalten, in den Gaskammern ermordet. Im Oktober 1940 wurde die Illenau schließlich geschlossen.

G. Richter - Illenauer Stiftungen Deichelweiherweg 1 79102 Freiburg Telefon / Telefax: 0761 8885158 eMail: mail@illenauerstiftungen.de

Illenauer Stiftungen

In der Illenau - Sanatorium
In der Illenau - Sanatorium

Umwandlung der Illenau zu einer Wohnlandschaft

baden-online schreibt am 06.06.2008:

Erste Bewohner ziehen in Illenau

20 von 54 Wohnungen im Nordtrakt sind einzugsbereit / Bauarbeiten noch im B- und C-Teil

Moderne Bäder und Küchen, wo einst lange Flure waren, geflieste Böden und Parkett wie im Neubau: Der Nordflügel der Illenau hat sich gemausert. Die ersten Bewohner ziehen gerade ein.

Neuer alter Farbton: Die Illenau erhält wieder den rötlichen Ockerton (links).

Achern. Am augenscheinlichsten von außen ist die neue Fassadenfarbe in der Illenau. Es ist genau genommen eine alte, denn der rötliche Ockerton war im 19. Jahrhundert schon einmal tonangebend in der ganzen Illenau. So soll es wieder werden, haben Landesdenkmalamt und untere Denkmalbehörde bestimmt. Die Falk Immobilien GmbH hat damit eine Vorreiterrolle gespielt und einem Teil des historischen Ensembles denkmalgerecht neues Leben eingehaucht. Von den 55 Wohnungen, die in die einst langen Flure und ungezählten Räume hineingeplant wurden, sind 54 verkauft. Die ersten 20 können in diesem Monat bezogen werden - zwei Monate später als geplant. "Dafür haben die Käufer Verständnis. Die meisten kommen aus der Region und beobachten den Baufortschritt selbst", so Karlheinz Falk, Geschäftsführer und Verantwortlicher für den Vertrieb beim Investor Falk Immobilien aus Offenburg. Blick auf Baustelle

Von den neuen Balkonen in Richtung Innenhof werden die ersten Bewohner vorerst noch auf eine Baustelle blicken, denn die Bauarbeiten im B- und C-Teil des Nordflügels laufen noch auf Hochtouren. Im hinteren Bereich müssen teilweise noch die groben Arbeiten erledigt werden. Die Abstimmungsgespräche mit dem Landesdenkmalamt finden nach wie vor alle 14 Tage statt. "Vieles wurde bereits im A-Teil geklärt, die offenen Fragen werden deutlich weniger", kann Karlheinz Falk verkünden

Er sieht das Ergebnis der großen Anstrengungen der vergangenen eineinhalb Jahre mit zufriedenem Gesicht. Böden, Decken und Heizungen sind erneuert und sogar die Fenster entsprechen Neubaustandard.

Das Dach wurde mit naturroten Tonziegeln neu gedeckt, die Betonziegel haben hier ausgedient. Die Sockel werden etwas dunkler gestrichen als die Fassade, die Sandsteineinfassungen der Fenster sind hellgrau. Das wird der Maßstab sein, den alle anderen Investoren in der Illenau ebenfalls anlegen müssen. Für viele Bereiche fehlen noch die nötigen Geldgeber, doch für die ehemalige "Direction Central" würde Falk Immobilien ganz gern Geld ausgeben. Der Investor will natürlich auch dieses Nebengebäude gegenüber der alten Druckerei in neuen Wohnraum verwandeln. Doch noch ist ungewiss, ob dies aus Sicht des Denkmalschutzes möglich sein wird. "Wir haben unsere Pläne eingereicht und warten jetzt auf eine Stellungnahme des Regierungspräsidiums", so Karlheinz Falk. Die Entscheidung, ob seine Firma auch diesen Bau - derzeit im Besitz des Bundes - kauft, soll in diesen Tagen gefällt werden.

Bis die Fenster in den Wohnbereichen der Illenau ausgetauscht werden durften, war es ein langer Weg, erinnert sich Karlheinz Falk. Lange sei der Erhalt der alten Fenster vom Denkmalschutz favorisiert worden. Ende November 2007 schließlich kam das grüne Licht für mehr als 400 neue, grau gestrichene Sprossenfenster aus Holz im Stil der Glanzzeit der Illenau. Ein Fensterbauer aus Leipzig bekam den Großauftrag. Jetzt strahlt die Illenau zumindest teilweise in neuem Glanz und man ahnt bereits den Flair, den die Anlage nach dem Ende der Bauarbeiten haben wird.

Michaela Gabriel

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