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Sehenswertes Neuried


Der Historiker Ruppert nennt einmal Altenheim "jedenfalls eines der ältesten Pfarrdörfer in der Mortenau". Vorausgesetzt, das der in jener Urkunde König Arnulfs vom Jahr 888 genannte Ort Baldanheim mit dem heutigen Altenheim wirklich identisch ist, gebührt ihm auch in der Tat dieses Lob aus berufenem Munde. Denn das reiche Dorf erscheint erheblich früher in der Geschichte als die umliegenden Siedlungen. Lassen wir deshalb zunächst die äußere und innere Geschichte des Ortes an uns vorüberziehen, wobei auch die Flurnamen und der Versuch zu ihrer Erklärung uns manchen wertvollen Fingerzeig geben sollen, um im zweiten Teil dieser Ausführungen alsbald die historische Entwicklung der Pfarrei und der Schule daselbst zu betrachten.

Reichlich fließen die geschichtlichen Mitteilungen über Altenheim während des ganzen folgenden 14., 15. und 16. Jahrhunderts. Ums Jahr 1360 waren der Altenheimer Kirchensatz und Zehnten, vermutlich als bischöflich straßburgisches Lehen, in den Händen der Herren von Schopfheim, deren Geschlecht indessen schon bald darauf erlosch, woraus Kirchensatz und Zehnt daselbst an das Stift Straßburg zurückfielen. Erkenbold, Heinrich und Werner, der damals Pfarr-Rektor zu Altenheim war, waren die Letzten ihres Stammes.


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Heimatmuseum Neuried


heimatmuseumDas heutige Heimatmuseum war ursprünglich 1777 als Schulhaus für Altenheim erbaut worden, da für die steigenden Schülerzahlen größere Räumlichkeiten nötig wurden. Zuvor stand an selber Stelle schon das alte Schulhaus, ein einfacher Bau, mit einem damals üblich strohgedeckten Dach und Fenstern, die mit ölgetränktem Papier versehen waren. Im neuen Schulgebäude befand sich im unteren Bereich der Schulraum, darüber Wohnräume für den Lehrer.

Aus den Gemeinderechnungen des Jahres 1777 ist zum Bau folgendes belegt:

Bereits am 13. Januar 1777 wurden im Rohrburger Wald 27 Eichen und am 3. März im Altenheimer Wald 10 Eichen angewiesen. Am 8. März nahmen auf oberamtlichen Befehl, der Schultheiß David Rinkel, der Heimburger Adam Büttner und die Gerichtsmänner den Platz in Augenschein und pfählten mit dem Mauer das Fundament aus. Das alte Schulhaus wurde am 15. März versteigert und am 20. – 22. März abgerissen. Während die Maurer und Zimmerleute an dem Gebäude arbeiteten, schaffte die Gemeinde das ganze Material herbei, z.B. eine Tanne aus "Tiersberg", Dielen und Holz von "Sonsweier", 20 Wagen Riegelsteine vom alten Schloss in Rohrburg, Ziegel und Kalk aus Dinglingen, Sand aus Kehl, Bretter von der Flösserzunft in Neumühl, Leimen und "Wücklen" aus Rohrburg und 100 Bosen Stroh aus der Pfarrscheuer.

Am 2. u. 3. Mai konnte das neue Schulhaus aufgeschlagen und am 23. Mai mit 40 Mann gedeckt werden. Bereits am 17. Dezember 1777 mussten die Frohnweiber das Haus putzen und aufräumen, "weil alle Handwerksarbeit" fertig war. Das Gebäude diente gerade 60 Jahre, von 1777 – 1837, als Schulgebäude. Für immer weiter steigende Schülerzahlen wurde wieder ein größeres Schulgebäude errichtet.

Wo die Steine für's Schulhaus herkamen arrowRight

Ab April 1952 diente das Gebäude bis 1968 der Spaarkasse als Schalter- und Büroraum. Danach wurden die es von der Gemeinde als Wohnraum vermietet. Die rückwärtige Scheune und die Ställe wurde Mitte des 19 Jahrhunderts für die Farrenhaltung errichtet. Seit 1987 befindet sich nun in dem Gebäude das Heimatmuseum Neuried.

Schon allein das 200 Jahre alte, schöne Fachwerkhaus bei der Kirche, in dem sich das Heimatmuseum befindet, hat eine wechselvolle Geschichte. Viel Wissenswertes über die Lebens- und Arbeitsgewohnheiten unserer Vorfahren entdeckt und erfährt man in den verschiedenen Ausstellungsräumen. Themenbereiche der Dauerausstellungen sind ländliches Kulturgut und Trachten des Rieds, Rheinfischerei, Landwirtschaft und altes Handwerk, um nur einen Teil zu nennen. Außerdem werden von Zeit zu Zeit interessante Sonderausstellungen gezeigt. Unternehmen Sie doch einen Ausflug in die Vergangenheit und frischen
Sie Ihre Erinnerungen auf oder zeigen Sie doch mal Ihren Kindern und Enkeln, wie man früher gelebt und gearbeitet hat.

(Aus der Webseite des Heimatmuseums Neuried - ohne Autor / sinngem. auch in Baden Online - 29.06.2010 - "Ein Gebäude mit Geschichte")

Ort: Neuried-Altenheim, Kirchstraße 32

Öffnungszeiten:
Sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet
geschlossen im Juli und August, an kirchlichen und gesetzlichen Feiertagen sowie Muttertag

Infos unter: 07807/957330

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Ottenweier Hof - Ichenheim / Schutterzell


ottenweierhof
Friedrich Schwärzel: Abgegangene Siedlungen im Landkreis (Geroldsecker Land, Heft 6 - 1963 / 64) - Seite ff. [Auszug]

Hottenwilr

Der Ottenweierhof, im südöstlichen Teil der Gemarkung Ichenheim gelegen, ist eine Restsiedlung. Nach dem Renovationsbuch des Klosters Schuttern vom Jahre 1368 (GLA 66 / 7804) wohnten im damaligen "Hottenwilr" 13 Familien, darunter Hans Kenler und sein Sohn Henslin Kenler von Hundsfeld, einem später abgegangenen Dorf südlich von Kehl. Zu dem benachbarten Dorf Zelle, dem heutigen Schutterzell, das 21 Familien zählte, gehörten auch die Besitzer der "Kenlmühle" an der Schutter von der Sippe der "Kenler", nämlich Cunrat und Obrecht (Albrecht) Kenler. Weiter unten stand noch eine "Holzmühle", also eine Sägmühle.

Hottenwilr zählte zum Zehntbezirk Ichenheim und mußte, wie die Siedlungen Blankenmoos, Rode und Vastolzwilr den Frucht-, Heu- und Holzzehnten, aber auch den Lämmerzehnten für das Kloster Gengenbach entrichten. Nach dessen Verzeichnis von 1424 erhielt der Abt zwei Drittel und der Kirchherr zu Ichenheim ein Drittel. Der damalige Meier hieß Oberlin Wasener; es ist daher anzunehmen, daß ein Teil der Bewohner in die benachbarten Dörfer gezogen war. Mit Ritter Konrad von Yberg wurde Hottenwilr 1442 ein adeliges Lehen. Von 1572 bis 1575 hatte es Friedrich Marquart von Hausen inne. Da er dem Kloster Gengenbach den großen und kleinen Zehnten für diese Zeit schuldig blieb, wurde er von ihm bei dem kaiserlichen Hofgericht zu Rottweil verklagt, starb jedoch vor seiner Verurteilung. Die Schulden und das Lehen übernahm der Amtmann Jakob von Endingen in Lahr. Der letzte dieses Stammes, Friedrich Reinhard von Endingen, starb 1650. Das erledigte Lehen erwarb Philipp Jakob Hüffel im Jahre 1653 für 1525 Gulden von Friedrich Casimir Graf zu Hanau und Lichtenberg. Das Gut war während des 30jährigen Krieges verödet, und das kleine Backhaus mußte als Wohnung dienen. Es wurde nun von einem Pächter bewirtschaftet. Als es dann am 16. Juli 1720 um den Betrag von 6000 Gulden Reichswährung und 50 Species Louisdor von Friedrich Johann Hüffel auf Windeck an den Landvogt Otto Wilhelm von Dungern überging, waren Wohnhaus, Ställe und Scheunen wieder aufgebaut, die umgebenden Gärten in bestem Zustand und die Felder und Matten als "Bühnen" eingezäunt. Dazu gehörte ein Eichenwald, in den zum Eckerich (Eichelmast) gut hundert Schweine getrieben werden konnten.

Das Hofgut wechselte 1814 wieder seinen Besitzer, als es der Tabakfabrikant Carl Freiherr von Lotzbeck in Lahr erwarb. Im Jahre 1910 verkaufte es Reichsrat Freiherr Eugen von Lotzbeck in München an die Gemeinde Ichenheim mit einer Gesamtfläche von 108 ha 14 a. Das zweistöckige Wohnhaus wird heute von feinigen Familien aus Ichenheim bewohnt, die Felder und Wiesen sind an die Bürger der Gemeinde verpachtet. So ist diese Siedlung bis auf unsere Zeit erhalten geblieben.

Die Ortenau 68 / 1988 - Dieter Kauß - Arbeitskreis Denkmalpflege

Am 1. Juli 1987 suchte man ein Objekt auf, das man vor Ort besichtigen und besprechen wollte. Es war der Ottenweierhof bei Neuried-Ichenheim. Das große Gehöft, abseits gelegen, in verwahrlostem Zustand und ohne Zukunft, wurde dennoch von einem Liebhaber gekauft, der die wahre Bedeutung wohl eher geahnt als gekannt hat: Jürgen Seitz. Er hat seitdem unbeirrt, mit großer Ausdauer und enormem Aufwand an Zeit und Geld, dieses Projekt vorangetrieben, obwohl es oft als aussichtslos, fast als "verrückt" galt.

Inzwischen hat sich ein Mann vom Fach, der Archivar der Stadt Lahr, Dr. Joachim Sturm, um die Geschichte der Anlage gekümmert und ihre Entstehung bis in ihre frühmittelalterlichen Anfänge zurückverfolgt. Über dreizehn Jahrhunderte hinweg gehörte das gleiche große Gebiet zum Hof, und zwar wohl stammend aus ehemaligem fränkischen Königsgut, das vom achten Jahrhundert an kolonisiert und besiedelt wurde. Die Namen der Eigentümer oder Pächter spiegeln die ganze Geschichte der Ortenau wieder:

Bistum Bamberg (um 1000), Straßburg (1263), die Geroldsecker sowohl vom Schwarzwald wie von den Vogesen, Moers-Saarwerden, dann ein Baron von Dungern, der es an Carl von Lotzbeck verkaufte, der es bis 1910 besaß. Der Ottenweierhof trägt seinen Namen nach einem benachbarten Dorf. Den Dreißigjährigen Krieg hat er als einzige Siedlung rings um Ichenheim überstanden. Aus dieser Zeit stammt noch das Backhaus ,das damals als Notwohnung dienen mußte. Das Hauptgebäude hat Lotzbeck 1817 neu erbauen lassen. Baumeister war wohl der Weinbrennerschüler und Sohn des Homer-Übersetzers Voß, Bezirksbaumeister Heinrich Voß, der die Kirchen in Kehl und Ichenheim errichtete.

Historie des Ottenweier Hofes arrowRight

Von den baulichen Problemen des Hofes, der über eine Tabaktrocknung und große Ställe verfügt, seien nur die Ziegelsteingewölbe genannt, die zwar eine bautechnische Besonderheit darstellen, deren Einsturz aber kaum aufzuhalten ist.

Der Arbeitskreis konnte sich hier am praktischen Fall mit denkmalpflegerischen Fragen vertraut machen, auch Fragen der Bewertung, der Erhaltungswürdigkeit und der Nutzung. Der lokal- und regionalgeschichtliche sowie der kulturgeschichtliche Wert der Anlage ist nicht zu bezweifeln, und für die künftige Nutzung wird an den Aufbau einer Art von Landwirtschaftsmuseum gedacht. Im Hauptgebäude, das einerseits noch die Spuren von Verwahrlosung erkennen läßt, zeichnet sich hoffnungsvoll ein Neuanfang ab. Jürgen Seitz will hier in diesem Jahr schon Konzerte geben.

Zum Glück für ein so risikovolles Unternehmen der Denkmalpflege wurde soeben die "Europäische Kampagne für den ländlichen Raum 1987/88" eröffnet, die die Erhaltung solcher Kultur- und Baudenkmäler fördern will.

Ell, Emil: Für den Lahrer Carl Lotzbeck unbefriedigend: Die Grenzziehung entlang des Ottenweyrer Hofgutes - Lahrs Schnupftabakkönige befürchteten Landverlust durch Verschiebung des Abzugsgrabens (Der Altvater, 9.10.1982 - 81 - 82)

Im Jahre 1813, als Napoleon gestürzt und dessen Zollschranken zerbröckelt waren, meldete das Lahrer Haus der Gebrüder Lotzbeck einen Jahrsumsatz von 1 130 000 Pfund Schnupftabak. Trotz diesem Erfolg schien ein in das Ried zwischen Ichenheim und Schutterzell gestellter Schuh zu drücken. Der Sohn des Schnupftabakfabrikanten Carl Ludwig Lotzbeck (1813 noch nicht geadelt), der die selben Vornamen seines Vaters trug, befruchtete für die Ottenweyrer Hof Landverlust durch Abdrücken des in vielen Krümmungen verlaufenden Abzuggrabens längs den Kahrmatten und dem Schutterzeller Bann, und so beantragte Carl Ludwig (in den Akten nur mit dem Vornamen Carl ausgewiesen) im Jahre 1813 eine Neuaussteinung ab Stein 39 bis 41.

Die 1813 von Lotzbeck gegebene Begründung: "... diese Begrenzung allein, besonders mittelst des Abzuggrabens, ist in heutigen Zeiten nicht bestimmt genug, da von den Schutterzeller, Ichenheimer und anderen Mattenbesitzern der Graben niemals aufgehoben wird und also gegen das Ottenweyrer Hofgut gedrückt werden kann. So wie überall um das Hofgut herum, gehört dieser Abzuggraben zu sechs Fuß Breite (etwa 1,80 Meter) zum Ottenweyrer Hofgut."

Die Endverhandlungen wurden im Mai 1814 geführt. Als Bedingungen waren ausgehandelt worden:

1. Die Steine werden von Carl Lotzbeck beschafft.

2. Alle Steinseiten werden nach dem neuen badischen Mittelmaß aufgemessen.

3. Für jeden Verhandlungsteil wird eine richtige March(Mark)beschreibung gefertigt, von den Verhandlungspartnern unterschrieben und vom Badischen Bezirksamt Lahr bestätigt.

Den Vertrag unterzeichneten der Hofbesitzer Carl Lotzbeck und dessen Meier Sebastian Reidiger einerseits, für Schutterzell der Vogt Michael Kopf, der Gerichtsmann (Gemeinderat) Sebastian Kurz und die Ausschußmänner und Steinsetzer Conrad Egerter und Anton Geppert.

Lochenbeschreibung 1747

Dem neuen Steinsetzungsbeschrieb ging eine Darstellung des Lochenvorgangs des Jahres 1747 voraus. Also war zu lesen (oder zu enträtseln):

"Dieses große Hofgut ist beinahe wuchtig umkränzt (umgrenzt) und mit hohen Steinen umgeben, worüber von dem Oberamt Mahlberg mit Datum 21. Januar und 18. Februar 1750 und laut Extrakt vom 4. Juli 1747 Lochungsbescheinigungen vorliegen; von dem 39. Stein an aber ist in diesen Beschreibungen nur folgendes gesagt..."

Beginnen wir mit dem 39. Stein: Ein rauher, kleiner, mit einem Kreuz (+) gezeichnete Stein; er ist der letzte an dem Blankenmoos. Die Entfernung zu Stein 38 beträgt 81 Klafter 4 Schuh; das sind etwa 147 Meter.

Der 40. Stein steht in 6 Klafter 3 Schuh Entfernung. Auch dieser Stein ist ganz rauh und oben mit einem + gezeichnet. Dieser Stein, an der Unditz stehend, scheidet den Ichenheimer, Schutterzeller und Ottenweyrer Bann. Von Stein 40 an wurde an der Unditz hinaufgemessen und nach 78 Klafter 2 Schuh der Abzuggraben erreicht, der, vom Schutterzeller Herrschaftswald herüber und die Matten herabkam, an dieser Stelle in die Unditz mündet. An diesem Abzuggraben, der den Schutterzeller Bann und das Ottenweyrer Hofgut scheidet, wurde 270 Klafter weiterhinauf gemessen und der ...

41. Stein erreicht, der vom Ende des Abzuggrabens gesehen, der weitest entfernte Stein ist.

Von Stein 41 ab weiterzumessen, fand die Kommission unnötig, weil erst 1747 bis an den Kürzeller Bann neu gelocht und Steine gesetzt worden waren.

20 neue Steine

Um die weite Strecke entlang den unsicheren Krümmungen des Abzuggrabens korrekt abzugrenzen, war die Setzung von 20 neuen Steinen notwendig.

1. Stein: Er wurde auf der untersten Spitze der Matte des Ichenheimer Hans Fähnrichs, zwischen den Abzuggraben und der Unditz, also auf der östlichen Seite des Abzuggrabens gesetzt und als Zeugen drei Ziegelstücke unterlegt. Der neue Stein ist 2,5 Fuß hoch (75 cm) und auf der Seite gegen das Hofgut hin mit !der Jahreszahl 1814 versehen. Der Stein weist die östliche Seite des Grabens hinauf gegen Südost.

2. Stein: Er steht 7 Ruthen, 7 Schuh 8 Zoll von Stein 1 entfernt, und zwar an der Matte der Adam Schnebels Erben von Schutterzell, auf der östlichen Seite des Grabens, hart am Ufer plaziert. Der Stein weist vom östlichen Grabenufer aufwärts und es zieht die Grenzlinie zwischen der Kahrmatte und dem Schutterzeller Bann hindurch gegen Südost. In 10 Ruthen 8 Schuh 3 Zoll Entfernung steht der

3. Stein: Er ist auf der östlichen Seite des Abzuggrabens, an Jakob Häs' von

Ottenheim Matte plaziert und weist ebenfalls gegen Südost und dem östlichen Grabenufer entlang. Der

5. [sic!] Stein wird nach 7 Ruthen 5 Schuh 1 Zoll erreicht. Er steht an der östlichen Seite des Abzuggrabens und weist gegen Südost. Nach 9 Ruthen 4 Schuh 2 Zoll findet sich der

6. Stein: Er steht an der östlichen Seite des Abzuggrabens, an Hans Roth des Jungen von Ichenheim Matte, und weist gegen Südost. Nach 4 Ruthen 9 Schuh findet sich der

7. Stein: Er steht östlich des Grabens in der Scheidlinie der Matten des Hans Roth jung von Ichenheim und des Martin Fäßlers Witwe von Ichenheim und weist gegen Mittag (Süden).

8. Stein: Er wird nach 7 Ruthen 7 Schuh 1 Zoll erreicht und steht östlich des Abzuggrabens in der Scheidlinie des Michael Lehmann von Ichenheim und der Schutterzeller Gemeindematte und weist gegen Mittag.

9. Stein: Entfernung 10 Ruthen 9 Schuh 4 Zoll, steht östlich des Grabens an der Schutterzeller Gemeindematte und weist nach Südwest.

10. Stein: Entfernung 4 Ruthen 7 Schuh, steht auf der südlichen Seite des Abzuggrabens an der Matte des Ichenheimer Joseph Arnold und weist gegen Südwest.

11. Stein: Entfernung 7 Ruthen 3 Schuh 9 Zoll, steht südlich des Abzuggrabens an der Matte der Witwe des Georg Weißer von Schutterzell. Der Stein weist gegen Mittag.

12. Stein: Entfernung 10 Ruthen 5 Schuh, steht südlich des Abzuggrabens an der Matte des Vogt Michael Kopf, und weist nach Südwest.

13. Stein: Entfernung 7 Ruthen 1 Schuh 3 Zoll, steht in der Scheidlinie der Matten des Theobald Schäfer und des Hans Kopf, des Schulzen Sohn, von Schutterzell.

14. Stein: Entfernung 6 Ruthen 4 Schuh, steht an Johannes Kopf, des Schulzen Sohn, Matte und weist gegen Südwest.

15. Stein: Entfernung 3 Ruthen 2 Schuh 8 Zoll, steht südlich des Abzuggrabens an der Matte des Georg Biegert, Theobald Sohns, von Ichenheim; der Stein weist gegen Südwest.

16. Stein: Entfernung 13 Ruthen 6 Schuh, steht südlich des Grabens an der Matte des Joseph Klein von Kürzell; weist nach Südwest.

17. Stein: Entfernung 10 Ruthen 5 Schuh 6 Zoll, steht an der Matte der Witwe Klausen von Ichenheim; weist nach Südwest.

18. Stein: Entfernung 10 Ruthen 9 Schuh 4 Zoll, steht südlich des Abzuggrabens in der Scheidlinie der Matten der Witwe Klausen von Ichenheim und des Daniels Dolch von Dundenheim Südwestrichtung.

19. Stein: Entfernung 7 Ruthen 2 Schuh 8 Zoll, steht an der Matte des Daniel Dolch von Dundenheim und weist gegen Südwest.

20. Stein: Entfernung 12 Ruthen 6 Schuh 1 Zoll, steht südwestlich des Grabens an der Matte des Daniel Dolch von Dundenheim. Der Stein weist vollends hinauf gegen Mittag.

Nach 2 .Ruthen 6 Schuh 1 Zoll ist Stein 41 erreicht, der in der Lochenbeschreibung des Jahres 1747 angegeben ist. Dieser Stein ist mit dem Markgräflich-badischen Wappen, den Buchstaben MB und der Jahreszahl 1747 auf der südlichen Seite bezeichnet. Ferner trägt der Stein ein + und ein Winkelmaß. Bei Stein 41 wurde die Ausmarkung beendet, da nach Meinung der Kommission und mit Zustimmung des Carl Lotzbeck die weitere Grenzlinie gut markiert ist.

Zum Abschluß wurden noch einmal die Unterschriften gegeben und - das ist anzunehmen - auf dem Ottenweyrerhof ein Trunk genommen, bei dem Schnupftabakkönig Carl Lotzbeck die Schnupfdose herumgereicht haben dürfte.



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Mühle Schutterzell


muehle schutterzell 17Ell, Emil: Alte Schuttermühle in grüner Au - Die Schutterzeller Mühle hat eine traditionsreiche Vergangenheit (Der Altvater, 3.10.1959)

Wiesen, alte Akazien, knorrige Weidenstöcke und das träge Wasser der Schutter ist alles, was rund um das weitläufige Gebäude der Schutterzeller Mühle zu finden ist. Und doch strahlt all das zusammen mit dem Gegacker der Hühner, dem Gequietsche der Schweine, dem monotonen Gebrumm der Mahlgänge und dem kreischenden Geräusch der Sägegatter so viel Romantik aus, daß auf das Schaufelrad verzichtet werden kann, das sich einst auch hier drehte, doch der Technik der Zeit weichen mußte.

Im Dreieck der Orte Schutterzell, Ichenheim und Niederschopfheim, weitab vom lärmenden Verkehr, haben die Schutterzeller Müller seit "fürdenklichen Zeiten" ihren Sitz. Niemand weiß genau, wann der erste Stein gesetzt, das wuchtige Gebälk errichtet wurde. Doch das weiß der Chronist, daß die Mühle im Zusammenhang mit anderen Mühlengründungen durch das Kloster Schuttern erfolgte und kaum älter ist wie das Dorf Schutterzell. Zwar weist ein am Mühlengiebel zwischen dem Gebälk eingemauertes Steinbild neben zwei Engelköpfen und den "Buchstaben FDM die Jahreszahl 1639 auf, doch dürfte diese Zahl nicht auf den Ursprung der Mühle, sondern auf einen Wiederaufbau hinweisen. Liegt doch die Zeit um 1639 noch mitten im 30jährigen Krieg, der keinen Neubau, höchstens eine Renovierung riskieren ließ. War doch das Gebäude inmitten von Feld und Flur für vorbeiziehende Kriegsscharen mehr als nur Rastplatz. Der Ottenweierer Hof bei Ichenheim und die Dundenheimer Mühle weisen in ihrer Chronik Fälle genug auf, wo nach tüchtigem Zechen und Randalieren Ställe und Schöpfe in Flammen aufgingen und das Vieh in Richtung Biwak abgetrieben wurde.

Hermann Schilli über die Hausformen der Ortenau arrowRight

So darf wohl angenommen werden, daß die Schutterzeller Mühle während des 30jährigen Krieges mehrmals von Kriegshorden heimgesucht und dabei auch zerstört wurde. Das gleiche Schicksal dürfte die Mühle in den Kriegs wirren nach der Französischen Revolution und während der napoleonischen Zeit erfahren haben. Eine Jahreszahl über der Eingangstür weist auf einen Wiederaufbau im Jahre 1826 hin.

Mehrmals wechselte die Mühle ihre Besitzer und wechselte ebenso ihr Aeußeres. Anbauten, Erneuerungen, Einrichtung einer Sägemühle und anderes mehr wurde im Laufe der Jahrhunderte vorgenommen. Was geblieben ist, ist die Art der Menschen und die Gemütlichkeit der Gaststube. Es sind nicht mehr die vielen Wanderer, die der Gaststube ein besonderes Gepräge gaben. Heute kommen Menschen zu Gast, die fern der Hast sich zu einer gemütlichen Tischrunde oder einem Spielchen treffen. Doch auch die "Zaungäste" sind interessant. Zur Erntezeit sind es die Mähder und Drescher, die auf einen Sprung vorbeikommen, im Spätjahr tauchen die Jäger auf, um tüchtig in Latein zu machen und - wie man sich so in "eingeweihten" Kreisen erzählt - in den Wintermonaten ziehen die Bauern es vor, statt das Bett der Schutter zu reinigen, sich am mollig-warmen Kachelofen zu freuen.

Bald wird das Band der Autobahn unweit der Mühle vorbeiziehen. Es wird nicht zu verhüten sein, daß von dort ein Schatten über die Mühle fällt. Doch solange es Menschen gibt, die herzlich und gemütlich sein können, ist das Idyll der Mühle gewahrt.


Die Schutterzeller Mühle

In den Grundbüchern der Gemeinde Schutterzell befinden sich Güterbeschreibungen aus dem Jahre 1812, die Auskunft geben über die Schutterzeller Mühle. Als Besitzer ist der Müller Anton Lorber eingetragen. Für die Topographie galt: Die Mühle liegt in der Gemarkung Schutterzell, etwa dreiviertel Stunden vom Ort entfernt. Landauf auf den eigenen Garten stoßend, landab auf Jakob Schäfers Feld, gegen Berg auf den Garten und den Schutterfluß.

Der Gebäudebeschrieb: Ein zweistöckiges Wohnhaus mit drei Mahlgängen, eine Sägemühle und zwei Hanfreiben, alles unter einem Dach. Dieses Gebäude steht auf gemeinem Boden und > liegt landauf auf Gemeindegut, landab und gegen den Berg ebenso und gegen den Schutterfluß. Angegliedert sind Scheuer, Stall und Schweineställe. Auf dieser Mühle ruht eine Molzerfrucht-Last der gnädigsten Herrschaft. Der Schätzpreis war mit 2575 Gulden eingetragen. Im Detail waren folgende Werte angegeben: Säge 250 Gulden, das Gebäude 150, die Mahlgänge 300, das Müllerhaus 600, das neue Gebäude 150, die Scheuer 600, die Schweineställe 25 und die Meisterstube samt Räderwerk und Stellsteeg 300 Gulden.

Nach einer Veröffentlichung vom 29. Januar 1818 kam die Schutterzeller Mühle "unter den Hammer". Anton Lorber mußte aus unbekannten Gründen kapitulieren. Die Zeiten waren auch für Müller ungünstig geworden. Hohe Teuerungen, große Not und Mißernten der Jahre 1816/17 führten Anton Lorber in den Gant. Die vom Lahrer Oberamtmann Freiherr von Liebenstein unterzeichnete Gantakte nennt eine "Mahlmühle, versehen mit drei Gängen, eine Säge, Reibe und geräumiges Wohnhaus, dabei liegend sechs Sester Acker- und Gartenfeld". Der Steigerer war nicht genannt.

In Geländebeschreibungen ist immer wieder der Begriff "zwüschen den Mühlen" angegeben. Damit ist die Frage aufgeworfen, ob in Schutterzell zwei Mühlen existierten oder ob das Gelände zwischen den Mühlen Schutterzell und Dundenheim angesprochen war. Offen ist auch die Frage, ob die Schutterzeller Mühle ein Lehen des Klosters Schuttern oder zeitweise ein Lehen des Klosters Gengenbach war, das im Ried und im Bergvorland viele Besitzungen besaß. Nach der Säkularisation mag Anton Lorber der erste Müller gewesen sein. Es folgen Namen wie Martin Meier, Josef Jäger, Karl Schneider (bis 1900), Johann Jäger (bis 1906) und Theobold Zibold (1907). Es folgte 1953 dessen Sohn Otto Zibold und 1973 Kurt Zibold mit Ehefrau Edith geb. Heimburger. Damit ist die Mühle seit drei Generationen im Familienbesitz. Es wurde die Anlage nicht nur der veränderten Technik angepaßt und nach 1919 mit Strom versorgt, es wurde die Getreidemühle zum 31. Dezember 1972 geschlossen und das Hauptaugenmerk auf Sägerei und Gastwirtschaft gelegt. Ein fortschrittlicher Umbau der Gastronomie mit der offiziellen Namensgäbe "Schutterzeller Mühle" war 1980 erfolgt. Seit dieser in Rustikal gehaltenen Veränderung genießt die einstige Schenke einen ausgezeichneten Ruf.

Über die "alte Schuttermühle" in grüner Au fand sich eine Beschreibung aus dem Jahre 1959, mit der dokumentiert wurde, daß die Schutterzeller Müller seit "fürdenklichen Zeiten" dort ihren Sitz hatten. Mit vorsichtigen Datierungen stand geschrieben: Niemand weiß, wann der erste Stein gesetzt, das wuchtige Gebälk errichtet wurde. Zwar weist ein am Mühlengiebel zwischen dem Gebälk eingemauertes Steinbild neben zwei Engelköpfen mit den Buchstaben FDM die Jahreszahl 1639 auf, doch dürfte diese Zahl nicht auf den Ursprung der Mühle, sondern auf einen Wiederaufbau hinweisen. Liegt doch die Zeit um 1639 mitten im Dreißigjährigen Krieg, der keinen Neubau, lediglich eine Renovierung erlaubte. War doch das Gebäude inmitten von Feld und Wiesen für vorbeiziehende Kriegsscharen mehr als nur Rastplatz. Der Ottenweiererhof und die Dundenheimer Mühle weisen in ihren Chroniken Fälle genug nach, wo nach tüchtigem Zechen und Randalieren Ställe und Schöpfe in Flammen aufgingen und das Vieh in Richtung Feldbiwak abgetrieben wurde.

So darf wohl angenommen werden, daß die Schutterzeller Mühle während des Dreißigjährigen Krieges mehrmals von der Soldateska heimgesucht und teilzerstört wurde. Das selbe Schicksal dürfte die Mühle in den Wirren nach der Französischen Revolution und während der napoleonischen Zeit erfahren haben. Eine Jahreszahl über der Eingangstür weist auf einen Wiederaufbau oder Renovierung im Jahre 1826



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St. Nikolaus (katholische) Kirche Ichenheim


Das Wappen über dem katholischen Pfarrhaus

Da das Kloster Gengenbach seit altersher Patronatsrechte in Ichenheim besaß, finden wir überm Portal des aus dem 18. Jahrhundert stammenden Pfarrhauses in Ichenheim das Abtswappen von GengenbachIn Folge 9 des "Altvaters" (28. 4.1956) wurde das alte Schutterner Klosterwappen (wie es am Rathaus zu sehen ist) abgebildet und gedeutet. Da das Kloster Gengenbach seit altersher Patronatsrechte in Ichenheim besaß, finden wir überm Portal des aus dem 18. Jahrhundert stammenden Pfarrhauses in Ichenheim das Abtswappen von Gengenbach, und zwar jenes des Abtes Jakob Trautwein, der von 1763 bis 1792 als zweitletzter Abt des Klosters seines Amtes waltete. Das Wappen zeigt den Rebstock (Weintrauben) und den Reichsadler. An den letzten Abt des Klosters Schuttern Placidus III. Bacheberle erinnert das Abtswappen am alten Schutterner Abtsgebäude (später Amtshaus, heute Lehrerwohnung). Das Wappen zeigt in seinem unteren Teil das Klosterportal und darunter den Eber, der über den Bach schreitet. In Ichenheim wie in Schuttern haben wir es zu tun mit sog. "redenden" Wappen, die an den Namen des Wappenträgers anknüpfen. Placidus Bacheberle war von 1786 bis zur Aufhebung des Klosters 1806 Abt von Schuttern. Er führte den Titel Königlich Kaiserlicher Hofrat.

Ell, Emil: Ichenheim als Beispiel in Simultaneumsfragen - Ein Schreiben vom 18. November 1826 an die katholische Gemeinde Kürzell (Der Altvater, 29.9.1979)

Die oft schwierigen Fragen des Zusammenlebens zweier Religionsgemeinschaften und die Benutzung einer Kirche (Simultaneum) gibt es nicht mehr. Mit Ausnahme der Kirche in Schutterzell, übrigens der letzten Simultankirche in Baden, sind alle Simultanverhältnisse mit mehr oder weniger Schwierigkeiten aufgelöst. Zumeist wurden sie im 20. Jahrhundert einer Lösung zugeführt, indem die eine oder andere Religionsgemeinschaft eine neue Kirche baute wie in Kürzell, Ichenheim, Friesenheim, Kippenheim und Ottenheim.

In der 17. Folge des "Altvater" (22. September 1962) wurde berichtet, daß ein Gengenbacher Abtswappen an alte Beziehungen des Klosters Gengenbach zu Ichenheim erinnert. Ein Bild dieses aus dem Jahre 1787 stammenden Wappens findet sich im neuesten Band der Zeitschrift "Die Ortenau", herausgegeben vom Historischen Verein für Mittelbaden. Erstmals erfährt man in diesem Jahresband durch Dr. Karl Leopold Hitzfeld Näheres über die Beziehungen zwischen Gengenbach und Ichenheim. In einem Beitrag über die wirtschaftlichen Grundlagen der Abtei Gengenbach. Das Kloster Gengenbach war es, das die Pfarrei Ichenheim gründete und diese im Jahre 1464 dem Kloster inkorporierte. Der Ichenheimer Klosterbesitz des Klosters Gengenbach, das sogenannte "Pfarrwittumgut", umfaßte etwa achtzig Morgen. Der Gengenbacher Abt besaß in Ichenheim eine eigene Wohnung. Dieses bezeugt die Wichtigkeit Ichenheims für die Abtei. Der Abt durfte diese Wohnung auch noch nach dem Jahre 1803, noch der Aufhebung des Klosters, behalten. Offenbar hat, so führt Dr. Hitzfeld weiter aus, die Kurie Ichenheim die Tätigkeit einer Verwaltungsschaffnei ausgeübt, und zwar für den Klosterbesitz der südlichen Ortenau, ohne daß freilich der Meier den offiziellen Titel "Schaffner" trug.

Die Schaffnei war bereits 1398 verpachtet und brachte dem Kloster jährlich den schönen Zins von je 50 Viertel Roggen und Weizen. Zum Klosterhof Ichenheim, den Hitzfeld Kurienhof nennt, gehörte auch eine "Kleinkammerei", die 1597 erwähnt wird. Die ursprüngliche Kurie erscheint im Laufe der Zeit in zwei Bestandslehen und sechs Erblehen aufgelöst. Außer dem Allmendwald hatte das Kloster später noch das Reststück eines ehemaligen Forstwaldes, "genannt Abtswald in Schaeffhusen".

In der Ortenauer Rheinebene befand sieh noch ein adliges Gut im Bereich der Gengenbacher Rechte: Der Ottenweiererhof auf der heutigen Gemarkung Ichenheim. Er existiert noch als Einzelhofgut und war früher ein selbständiges ritterschaftliches Herrschaftsgebiet.

Die Altargemälde in St. Nikolaus Ichenheim  arrowRight1

Nach Krieger (Topographisches Wörterbuch S. 453) war der Ottenweierer Hof eine Besitzung der Familie von Dungern (Schäbischer [sic!] Ritterkreis, Bezirk Ortenau). Der Hof wurde 1806 badisch. Viele Jahre war er später im Besitz der Freiherrn von Lotzbeck. Dieser Hof hatte dem Kloster Gengenbach den Zehnten zu geben. Im 14. Jahrhundert nannte sich der Hof "Hotenwilere", im 15. Jahrhundert "Hotewiler". Er gehörte stets zur Pfarrei Ichenheim.

Jakob Traut wein, an den das Klosterwappen am Pfarrhaus zu Ichenheim erinnert, war - als zweitletzter Abt des Klosters - 1763 bis 1792 Abt des Klosters Gengenbach. Sein Nachfolger war Bernardus Maria Schwörer, er war der letzte Abt der berühmten Gengenbacher Abtei.

Ehedem Simultankirche Ichenheim.

Im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts, als in Ichenheim (1819) und in Kürzell (1829/31) neue Simultankirchen gebaut wurden, standen Fragen des Zusammenwirkens zuhauf im Raum. Zur Bewichtung der Rechtsverhältnisse beider Konfessionen existierte ein Status quo, den der damalige Dekan Dr. Burg aus Kappel als noch existent bezeichnete. Er hatte für alle Simultankirchen zu gelten:

1. Der Chor gehört privative dem katholischen Anteil;

2. der evangelische Anteil bedient sich bei dem Gottesdienste eines beweglichen Tisches, der nach dem Gottesdienst wieder entfernt wird;

3. der katholische Anteil geht das ganze Jahr hindurch zuerst in die Kirche.

Aus den Akten für den Bau einer Simultankirche in Kürzell war herauszulesen, es habe die Kirchenbehörde auf die zwei ersten Rechtsverhältnisse verzichtet. Die Begründung zu dieser Aussage wurde im Bauplan gesucht, aber auch in den Abmachungen, wie sie 1819 beim Bau der Simultankirche Ichenheim getroffen wurden.

Die Skepsis der Katholiken von Kürzell ist verständlich, wurde doch im Zusammenhang mit der von Weinbrenner-Schüler Hans Voß entworfenen Planung an den Pfarrer von Kürzell geschrieben:

"Hinsichtlich des Bauplans läßt sich nichts erinnern (es ist nichts einzuwenden). Das Langhaus ist groß genug, um auch den Filialisten von Schutterzell, so sie an hohen Festtagen nach Kürzell kommen wollen, Platz zu bieten. Der Chor bietet zwar keinen Raum für die Schuljugend, wie ich (Dekan Dr. Burg) es wünschte, da aber der dort befindliche Altar nach der Art wie in Ichenheim gemeinschaftlich sein soll, so dürfte eine Verlängerung des Chors für den evangelischen Teil (wie vom katholischen Pfarrer in Kürzell vorgeschlagen) nicht erwünscht sein."

Vitus Burg gewann Marie Ellenrieder für die Altarbild von St. Nikolaus arrowRight

Welche Abmachungen waren in Ichenheim getroffen worden? Auch darüber gab Dekan Dr. Burg Auskunft. Keinesfalls wollte er die Ichenheimer Lösung als allgemeingültige Norm anerkannt wissen. Dr. Burg schrieb von einer privaten Abmachung beider Konfessionen und wies die Meinung zurück, die Ichenheimer Lösung sei die Folge einer hohen Anordnung. Beide Ichenheimer Konfessionen hatten sich auf eine gemeinsame Nutzung des Chors geeinigt und auf den beweglichen Tisch der evangelischen Konfession verzichtet. Der evangelische Teil Ichenheims ging noch einen Schritt weiter. Er hatte eingewilligt, daß die Beschaffung auch solcher Einrichtungen, die allein dem katholischen Teil zur Verfügung standen, wie Nebenaltäre und Beichtstühle, "auf Kosten des gesamten Gemeinsvermögen" angeschafft werden. Auch waren die evangelischen Christen Ichenheims bereit, "daß künftig wie früher der katholische Teil an allen Sonn-und Feiertagen zuerst in die Kirche gehen dürfe". Dazu hatte der damals in Ichenheim amtierende evangelische Pfarrer Godel geäußert, daß es ihm weit angenehmer sei, um 10 Uhr in die Kirche zu gehen als um 8 Uhr.

Es schien, als wolle Kürzell eine solche Lösung nicht akzeptieren. Aus dem Schreiben Dr. Burgs war zusätzlich herauszulesen, daß Veränderungen, wie sie von Kürzell gewünscht werden, "nur in den hergebrachten Rechtsverhältnissen" und nur durch eine gütliche Übereinkunft getroffen werden können. "Gesetze existieren keine, außer man wolle sich auf das Edikt vom Jahre 1803 berufen, wo es ausführlich heißt, daß wenn Simultankirchen neu gebaut werden sollen, für jede Konfession eine eigene Kirche zu bauen ist."

Dr. Burg bat um Verständnis, daß der Bau zweier Kirchen in dieser Zeit undenkbar und daß es deshalb notwendig sei, daß der katholische Teil dem evangelischen Teil alles das zugestehen möge, was diesem zum Vorteil gereiche, sofern es dem Kultus des katholischen Teils nicht hinderlich ist. Wenn der evangelische Teil ebenso denke, könne zwischen beiden Teilen eine ebenso harmonische Übereinkunft getroffen werden wie in Ichenheim.

Nach dieser Ansicht, so schrieb Dr. Burg, solle der katholische Teil

1. auf das Recht des privaten Gebrauchs des Chors verzichten und

2. dem evangelischen Teil gestatten, sich des Hochaltars zu seinem Kultus zu bedienen.

Auch für die Regelung des Nachmittagsgottesdienstes wünschte Dr. Burg für Kürzell eine schriftliche Übereinkunft, um späteren Kollissionen aus dem Wege zu gehen. "Dies ist meine Ansicht über die vorliegenden Akten. Ist es ihnen möglich, mit dem evangelischen Teil über die noch im Streite liegende Punkte zu einer Übereinkunft zu kommen, so werden sie sich um diese Angelegenheit verdient machen", ließ Dr. Burg sein Schreiben ausklingen.


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