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Sehenswertes in Durbach


Im Mittelalter offenbar nur aus zerstreuten Höfen bestehend, als Ort von keiner großen Bedeutung, gehörte Durbach zu der Landvogtei Ortenau; Besitzungen hatten hier die Grafen von Freiburg und von Eberstein, wohl aus der zähringischen Erbschaft, sowie die Herren von Geroldseck. Die Güter und Rebberge zu Türrenbach sind seit dem 13. Jh. Lehen der Staufenberg von diesen drei Geschlechtern. Sicher ist, daß um 1400 Durbach von den Ebersteinern an Baden kam; jedenfalls war es später als Teil der Herrschaft Staufenberg baden-badisch. Die Herrschaft trug zuletzt Freiherr von Orscelar zu Lehen, worauf sie an den Lehensherrn zurückfiel. Das Schlößchen Gral oder Grol war seit 1400 badisches Lehen der Zorn von Bulach. - Im 18. Jh.grub man in Durbach Eisenerz. (Wingenroth, in: Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg. Tübingen 1908, S. 316;)

Zwischen den Thalmündungen der Kinzig und der Rench rinnt aus einem wunderlieblichen Thälchen der Durbach. Er hat seine Quellen droben im stolzen Tann des Mooswaldes, seine Mündung bei Freistett in den Rhein. Von da, wo er bei Ebersweier in die Ebene tritt, bis hinauf zu den Quellen des klaren Forellenbachs zieht sich in vielnamigen Häusergruppen die Thalgemeinde seines Namens. Auf dem Vorsprunge des Höhenzugs der vom hohen Mooswald herabläuft und unser Thal vom Renchthal trennt, ligt das Schloß Staufenberg mit freier prächtiger Aussicht über die Ebene hin und in die Thäler rechts und links. Nur rückwärts, nach Osten zu, hemmt das stark ansteigende Gebirge und zunächst die dichtbewachsene Höhe des Stollenwaldes die Rundschau. (aus Josef Bader - Badenia I - Heidelberg 1859)

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Schloss Staufenberg


Das Schloß Staufenberg (Burg Staufenberg) liegt auf dem Gipfel eines nach allen Seiten abfallenden Berges nördlich von Durbach. Die einmalige Lage, dazu die umfassende Sicht nach allen Himmelsrichtungen veranlaßten schon in früher Zeit, den Platz als Ort der Verteidigung und zur Überwachung auszubauenDas Schloß Staufenberg - Karl-Bernhard Knappe - die Ortenau 1984 - 227 / 241

Name: Stouffenberg (ca. 1070-1192), Stauffenberg (1421). - Der Name leitet sich ab von ahd. stouf = Becher ohne Fuß; hochragender Felsen.

Das Schloß Staufenberg (Burg Staufenberg) liegt auf dem Gipfel eines nach allen Seiten abfallenden Berges nördlich von Durbach. Die einmalige Lage, dazu die umfassende Sicht nach allen Himmelsrichtungen veranlaßten schon in früher Zeit, den Platz als Ort der Verteidigung und zur Überwachung auszubauen. Bei der beträchtlichen Entfernung vom Dorf und den umgebenden Bergen bedurfte es keiner künstlichen Konstruktionen wie etwa eines Halsgrabens zur Befestigung. Ebenso ist wohl auch die Berggestalt die Ursache dafür, daß die Ringmauer(1) keine großen Fundamentskonstruktionen benötigte, sondern z.T. nur als Futtermauer ausgebildet ist. So läßt sich vielleicht die verblüffende geringe Mauerstärke (bis auf 65 cm herabgehend) im oberen Bereich der nord-westlichen Ringmauer erklären; im Fundamentbereich könnte sie weniger als 180 cm haben und so mit Hohengeroldseck und Neu-Windeck vergleichbar sein(2).

Beschreibung der erhaltenen Bauteile

Die Gesamt-Anlage bildet den Typ einer Ringmauer-Randhausburg, d.h. die Wohnbauten sind auf und an der Ringmauer rundumlaufend angeordnet. Für einen zentralen Turm (z.B. Bergfried) fehlt bis heute jedes Anzeichen. Dieser Bautyp kommt der Zweckbestimmung einer Ganerbenburg(3) wie Staufenberg sehr entgegen, bietet er doch die bestmögliche Ausnutzung des Burgraumes durch Bebauung.

Die erhaltenen Baureste sollte man allerdings doch nicht wie Ernst Adam "ein Werk der Romantik des 19. Jh."(4) nennen; dafür sind die Spuren vorhergegangener Bauzeiten doch zu dominierend.

Der Burgweg von Durbach her und der Zugang aus dem Vorhof treffen sich am Ort des früheren Gerichts der Herrschaft Staufenberg unter der Linde unweit des Flankierungsturmes F. Dieser Turm ist, indem er über die Ringmauer hinaussteht und sie nach Westen über eine weite Strecke bis zum Stützpfeiler K bestreicht, zugleich die Angriffsseite durch seine einer Bastionsspitze ("Saillant") ähnelnde dreieckige Spitzform nach NW und O bestreicht und abdeckt, die einzige Spur neuzeitlicher Befestigungstechnik und sicher nach der ersten Zerstörung der Burg durch Straßburg 1328 errichtet worden. Dieser Turm besteht in seinem unteren Teil aus Bruchsteinmauerwerk (Sandstein) mit eingelegten festigenden Quadern. Vor allem die Eckquadern sind sowohl an der Spitze wie auch am Ansatz des Turmes an die ältere Ringmauer glatt aufeinandergesetzt; einige dieser Quadern könnten als ältere Buckelquadern angesprochen werden, Spuren älterer Bauten. Seinen Abschluß bildet ein einstöckiges Wohngeschoß über dem Mauer-Rücksprung, Spuren des Teilabrisses des Turmes und seiner Neubebauung als Wohnraum. Dieser letzte Umbau dürfte im 18. Jhdt. oder eher nach 1832 erfolgt sein. Der Turm dürfte damals als Gefängnis genutzt worden sein, darauf weist auch noch die Bezeichnung der eingebauten drei Zimmer als "Gefängniszimmer" hin(5).

Fortifikatorisch ist der Turm vor allem wegen seiner Schießscharten interessant, die allesamt für Feuerwaffen gebaut sind; ältere Formen wie Schlüssel- oder Bogenscharten weist er nicht auf; alle Scharten sind viereckig-rechteckig. Zur Bestreichung der Ringmauer nach W findet sich unten eine größere für Hakenbüchsen mit Spuren des Einlageschlitzes für Prellholz und eine weitere viereckige Feuerscharte unterhalb des Rücksprunges für den Wohntrakt.

Anders ist die Situation im nordwestlich abknickenden Mauerteil. Hier ist unterhalb des Rücksprunges eine apotropäische (abwehrende) Steinkugel(6) eingemauert. Außerdem findet sich eine Feuerscharte oberhalb des Rücksprungs in der Mauer des Wohntrakts, die kaum nach 1832 eingesetzt worden sein dürfte. In der glatten Ostmauer von F verstärkt sich diese Situation: in der Mauer des Wohntraktes, also oberhalb des Rücksprunges, sind 3 Feuerscharten eingebaut, deren eine zur Querbestreichung nach Osten ausgerichtet ist, die andern beiden aber sind schräg durch die Mauer geführt, so daß eine BeschieBung nach Norden und Nordosten entlang der Ostmauer möglich wird; zwischen den beiden Fenstern des Wohneinbaus befindet sich ebenfalls eine apotropäische Steinkugel. Der Umbau hat also die Außenmauern des alten Turms F mitbenutzt. Mit glatten Quadern, die vielfach Zangenlöcher aufweisen, sitzt der Turm direkt auf dem anstehenden Fels als Fundament.

A Wohnbauten - B Kellerbau - C Terrasse - D Torbau - E Zugangsweg - F Flankierungsturm - G Zwinger - H Trotte - Im Text sind erwähnt: A und A' - B und B' - C - D, D' und D'' Plan der Burg Staufenberg:
A Wohnbauten - B Kellerbau - C Terrasse - D Torbau - E Zugangsweg - F Flankierungsturm - G Zwinger - H Trotte
Im Text sind erwähnt:
A und A' - B und B' - C - D, D' und D''

Der "Saillant", die dreieckförmige Spitze von F gegen die Angriffsseite, ist massiv aus Steinen aufgeführt. Diese Bauweise verbindet die Technik des auf ein Viereck aufgesetzten Dreiecks, wie wir sie im 13. Jhdt. besonders gut an den Burgen Ortenberg und Bernstein im Elsaß erleben können, mit den Überlegungen neuzeitlicher Bastionärtechnik des 14./15. Jhdts., besonders was die Flankierung angeht, und ist damit ein interessantes Zeugnis oberrheinischer Befestigungstechnik! Dadurch daß der Gesamtgrundriß des Turmes gleichwohl nur vier statt fünf Ecken zeigt, wird man ihn als interessante Frühform solcher Bauweisen ansehen.

Das Schloß Staufenberg in der Mortenau  arrowRight

Am Turm F links vorbeigehend befinden wir uns auf dem neueren Burgweg E, der entlang einer im wesentlichen verschwundenen Zwingermauer zum südwestlichen neuen Torbau D führt. So wie er jetzt angelegt ist, erscheint er festungstechnisch insofern logisch, als ein dort marschierender Feind den Verteidigern auf der Mauer die rechte, schildfreie Seite zeigen mußte. In dieser Mauer beobachten wir seit dem Flankierungsturm einige Quadern mit Zangenlöchern und weitere Buckelquadern wohl aus einer älteren Burganlage.

Der alten Ringmauer folgend sehen wir bei A' eine Ecke aus einer älteren Bauphase als die darüberliegenden Wohnbauten A. Buckelquadern mit grober Bosse und Zangenlöchern, wie sie im Anfang des 13. Jhdts. üblich waren, stützten diese Ecke ab und verweisen auf einen Baukörper um 1200. Die Oberfläche dieser Quadern ist charakteristisch anders als die der Quadern, mit denen F an die Ringmauer stößt, sicher erheblich früher.

Bei B' findet sich ein weiterer charakteristischer Befund: die von Osten ziehende Ringmauer stößt mit einer Fuge, die nur im unteren Teil mit der Mauer von B verbunden ist, an den großen Bau B. Bei B' findet sich oberhalb des durchlaufenden Ringmauerstücks eine wiederum mit Buckelquadern in der ersten Hälfte des 18. Jhdts. aufgeführte Ecke von B. So sind auch hier zwei Bauphasen ablesbar, wobei der obere Teil der Ecke wiederum Material aus einem Bau des 13.. Jhdts. verwendet, wie wir das noch mehrmals in der Burg finden werden.

Der Kellerbau B mit den Außenmaßen von ca. 15 x 34 m ist der flächengrößte des gesamten Burgareals von ca. 4500 m2 Fläche. Er gibt zugleich einen wichtigen Hinweis auf die Funktion der Burg als landwirtschaftlichen Spezialbetrieb, in der Ortenau oft Weingut, und zeigt so, im Grunde mindestens seit dem Anfall an Baden, die enge Verzahnung von Burg und Raum bis heute.

An der SÖ- und NW-Ecke zeigt er ebenfalls Buckelquadern, wobei die in der NW-Ecke die ältesten der gesamten Burganlage sein dürften, mit ganz groben
Bossen und ohne Zangenlöcher. Dies dürfte auf Baureste des ausgehenden 12. Jahrh. hindeuten. Mit jüngeren Buckelquadern stößt B mit einer Fuge an die SO-Mauer von C, die charakteristisch anders aus unregelmäßigem und, sofern bei abgebröckeltem Putz zu erkennen, vielfach ausgezwickeltem Bruchsteinmauerwerk höchstens des 14. Jahrh. besteht. Die SO-Mauer von B ist mit ca. 2 m Stärke deutlich stärker als die zum Burghof und anstehenden Gebäuden, Hinweis wohl auf eine alte Wehrfunktion dieser Kellermauer.

Es wird überliefert, daß B an der Stelle eines neuen Baus aus badischer Zeit steht, der 1663 zusammengestürzt ist. So sind seine Baumerkmale als Umbaumerkmale zu interpretieren. Sein einfach gefastes SO-Tor trägt im Scheitel des Rundbogens die Datierung 1686. Vier symmetrisch angeordnete, zugemauerte Fenster zeugen von einer mit dem Tor gleichzeitigen barocken Bauauffassung. Eine schmale Lichtscharte in Höhe des Torbogens und eine weitere über der Fensterflucht zeigen, daß es kein besonders aufwendiges Gebäude gewesen ist und durch die Jahrhunderte nur in Maßen umgebaut wurde. Ein überraschend hochgelegener Zugang führte von NO über 42 Stufen an zwei Seitenkellern vorbei in einen tonnengewölbten Hauptkeller.

Die Giebelmauern im NO und SW enden in Treppengiebeln gotischer Form, deren untere drei Stufen rechts und links Buckelquadern der Zeitstellung wie bei A', B' aufweisen. Im Dachgeschoß ist seit 1982 eine Weinstube ausgebaut worden, deren einer Zugang über die Treppe des Brunnenhauses L führt. Dieses Fachwerkbrunnenhaus birgt rechts die Brunnenfassung des 34 m tiefen Brunnens. Die Dachgauben der am 9. 6. 1983 eröffneten Weinstube sind natürlich neu. Die symmetrisch angeordneten Fenster des Westgiebels in drei Dachgeschossen weisen als Viereckfenster und Lichtschlitze Formen auf, wie sie seit der Gotik bis in die Neuzeit verwendet wurden, das gleiche gilt für die Fenster des Ostgiebels. Die hochgelegene Kellereingangspforte im O-Giebel dürfte in ein verschwundenes, anstoßendes Gebäude zwischen A und B geführt haben. Die Tendenz zu baulicher Symmetrie bei Weiterverwendung alter Formen dürfte mit dem Geist der Renaissance zusammenhängen. So ist zu folgern, daß der nach 1693 aufgeführte Bau noch die Außenmauern des älteren badischen "Neuen Baus" verwendet, der Zusammensturz also wesentlich weniger gravierend war, als es nach der alten Erwähnung scheint.

An B schließt mit Mauerfuge das polygonale Bauwerk C an, das mit seinem auffallend dünnen und von B ganz abgesetzten schlechten Mauerwerk zu den jüngsten Bauten der Burg gehören dürfte. Seine Oberfläche ist als Terrasse ausgebildet.

Von großem Interesse ist der Torbau D mit D' und D'', der heute ein Tor des 19. und ein älteres, tiefer liegendes möglicherweise des 13. Jahrh., von Westen her, birgt. Der alte Torbau D'' zeigt nämlich ein mittelalterliches, jetzt ver-

Gewände aus rotem Sandstein und Kettenführungen darüber in einem Viereckgewände-Rahmen, eine frühgotische Architekturform. Der Zugang durch D'' muß über das Gelände des heutigen Vorwerks G geführt haben. G aber ist erheblich jünger, mit ganz grobem Bruchsteinwerk aus unterschiedlichsten Größen aufgeführt, zeigt auch einen Halbrundturm, der zwar jeweils nach hinten abknickende Kurtinen flankiert. Faßt man es als alten Torzwinger auf, dann ist es jedenfalls in neuerer Zeit umgestaltet worden, keineswegs vor dem 14. Jahrh. Seine Mauerdicke mit ca. 150 cm zeigt es deutlich stärker als die frühe Ringmauer.

D'' flankiert die Ringmauer nach NW, SW, SO. Seine SO- und NW-Ecken zeigen Buckelquadern aus der Mitte des 13. Jahrh. An einer Ecke blickt eine Steinmaske auf den Eintretenden.

Das Hochaltarbild in der Pfarrkirche von Durbach zeigt einen roten, wohl auf das Baumaterial Ziegelstein hindeutenden hohen Dachaufbau des Torturms, Ergebnis der Renovierung von 1730, der dann nach 1832, wohl nach einem Zwischenzustand mit einem kuppelartigen Dachaufbau, zur heutigen Form des neugotischen Zinnenabschlusses aus Ziegeln verändert worden ist. Die Wichtigkeit eines Torbaus auch nach 1730 zeigt sich z.B. auch darin, daß die Burg, wie bei dem Übergang an die Durlacher Linie 1771 deutlich wird, durchaus noch als militärisch nutzbarer Bau aufgefaßt wurde.

Das Doppeltor mit Sandsteinrundbögen von D zeigt noch Verriegelungsspuren; im abschließenden Ziegelmauerwerk ist zum Burghof ein rundes Allianzwappen der Pfau von Rüppur und Bock von Staufenberg aus dem Ende des 15. Jhdts. eingesetzt.

Aus der 1832 abgerissenen Georgskapelle sollen die nach einer Restaurierung der Mauer von C nach 1934 erneut dort eingesetzten Wappen der Marsil (?) und Staufenberg stammen, die ins 14. Jhdt. gehören. Die Staufenberger Helmzier wiederholt den Staufenberger Kelch auf dem Dreiberg, vor allem aber zeigt sie ein weibliches Wesen, dessen Arme in Hörnern enden: immer wieder gern mit der Melusinen-Sage in Verbindung gebracht!

Zu den ältesten Bauten des heutigen Bestandes gehört die Baugruppe A. Sie scheint heute zweiflügelig zu sein, besteht aber aus zwei oder sogar drei Bauten unterschiedlicher Zeitstellung. Der parallel zur nördlichen Ringmauer verlaufende Teil zeigt Giebel im W und O; in den jeweiligen Mauerecken im W und in der Mauerecke im SO finden sich Buckelquadern aus der Mitte des 13. Jndts., die den Bau von der nach S angebauten, erst zwei- und dann einstöckigen Bausubstanz trennen. So dürfte er der älteste Teil an der nördlichen Ringmauer sein, dann folgen der Bau mit Giebel im S und dann der einstöckige Anbau. In den nördlichen Trakt führt eine nach innen geschwungene Tür mit Hohlkehle und Rundstab.

In den mittleren, zweistöckigen Bau führt aus der Westwand die schöne Renaissance-Türe mit dem Wappen von Staufenberg links und Blumeneck rechts oben am Gewände. Sie ist mit einem Flachbogen geschlossen, ihr Gewände in Hohlkehlen und flachen Wülsten profiliert, die unten rechts in einem Volutenablauf, links in einem Maskeron enden. Eine ähnlich profilierte Spitzbogentüre führt nach F. Sie dürfte mit einer Neueinrichtung der Baugruppe von Melchior Wiedergrün erbaut worden sein.

Die Wände im Nordbau zeigen innen noch die neugotische Ausmalung der großherzoglich-badischen Sommerfrische des 19. Jahrh. Der ehemals nach W anschließende Bau, nach der Skizze bei Schönhuth(7) und dem von Geiler abgebildeten Aquarell mit dem Bauzustand vor 1832, kann aber nicht die Georgskapelle gewesen sein.

Entlang der nördlichen Ringmauer befanden sich bis 1832 noch (von W nach O) ein Stallgebäude, das Stollenhaus und eine 1360 erwähnte Kapelle, die 1545 als Georgskapelle ("sant Georgen caplanei uf dem hauß Stauffenberg") erscheint. Die ihr zugehörige Pfründe gehörte schon 1578 dem Kloster Allerheiligen.

Außer diesen um 1832 abgerissenen Bauten muß es noch eine Reihe anderer im Burgareal gegeben haben.

Zusammenfassende Überlegungen zur Baugeschichte

Als einzige noch bewohnte Burg des Untersuchungsraumes, die baugeschichtliche Spuren von über 700 Jahren aufweist, ist eine exakte Angabe einzelner Bauphasen der Burg Staufenberg nur nach neuesten Bauaufnahmen zu erstellen, die es aber noch nicht gibt. So wird man, von Einzelbeobachtungen ausgehend, nur das Folgende sagen dürfen: Die vielfach erhaltenen Buckelquadern zeigen ein Baugeschehen seit dem Ende des 12. oder dem Anfang des 13. Jahrh. Da anzunehmen ist, daß diese Quadern sich nicht mehr in situ befinden, sondern von Vorgängerbauten an die heutige Stelle gesetzt worden sein dürften, sagen sie über den konkreten Einzelbau nichts Genaues, wenn man nicht annehmen will, daß sie, wie an anderen Burgen, z.B. Kastelburg über Waldkirch, die Außenmauern der Einzelgebäude aus der Mitte des 13. Jhdts. bezeugen. Nimmt man Baunotizen und Funktionsbeobachtungen zu Hilfe, so ergibt sich etwa das folgende Bild: Zu den ältesten Bauten gehört der untere Teil des Torturmes, der in die Zeit der Straßburger Zerstörung um 1329 zurückgehen kann, und die Außenmauern des nördlichen Wohntraktes A, der in der Westfassade in gotische Zeit (nach der Mitte des 13. Jhdts.) zurückgehen kann.

Seine Flankierungsfunktion und vor allem die Schießscharten weisen den Turm F frühestens ins 14. Jahrh. (nach der 2. Straßburger Zerstörung 1350), vielleicht sogar in die Zeit der Pfau von Rüppur, die 1456 einen neuen Burgfrieden in der Ganerbenburg errichteten.

In die 2. Hälfte des 16. Jhdts. führt die Gesamtrenovation von A und B durch Melchior Wiedergrün, in die Barockzeit die letzte Form des Kellerbaus B unter den Markgrafen von Baden, die in die Zeit von 1685-1698 fallen mag und möglicherweise unter Einbezug von Mauern des Vorgängerbaus aus der Renaissance (?) durchgeführt wurde.

Nach der Einziehung der Lehen durch Baden nach 1604 dürfte es kaum zu neuen Baumaßnahmen gekommen sein vor der Renovierung der Anlage um 1730, deren Hauptzeugnis noch das Bild in der Pfarrkirche in Durbach ist.

Im Sinne der aufkommenden Burgenromantik erhält A die neugotische Innenausstattung; die baufälligen Einzelbauten werden beseitigt und der Torturm-Aufbau auf die schwächlichen Ziegelzinnen reduziert. Ob der neue Toreingang in diese Zeit oder in eine frühere fällt, läßt sich am Befund nicht ablesen.

Die eingreifendsten Änderungen haben dann 1982/83 mit der Einrichtung der Weinstube im Dachgeschoß von B und der Adaption des Brunnenhaus-Einganges zum kleinen Museum stattgefunden, eine insgesamt harmonische Lösung, die der Burg wieder eine intensive Funktion für unsere Zeit gibt.

So ist die Burg ein Monument des ausgehenden Mittelalters, der aufkommenden Burgenromantik des 19. Jahrh. und der Pflege der Tradition unserer Tage.

Wir finden insgesamt eine Kernburg mit Bauspuren vom 13. bis ins 20, Jahrh., eine Erweiterung um eine zwingerartige Anlage mit zentralem 3/4-Rondell (14. oder 15. Jahrh.) und einen Vorhof des 18./19. Jahrh., zu dem auch noch der "Trottenbau" H(8) zu rechnen ist.

Geschichte der Burgherrschaft

Die Herrschaft Staufenberg umfaßte zu ihren besten Zeiten die Burg, das Dorf Durbach sowie das Durbachertal mit seinen Zinken Wiedergrün und die Bottenau, dazu zahlreiche Rechte und Gefälle im Gebiet der Moos und der umliegenden Täler. Sie gehörte damit zu den bedeutendsten in der Ortenau. Im Hirsauer und Reichenbacher Schenkungsverzeichnis finden sich die frühesten Nennungen eines (oder mehrerer?) staufenbergischen Geschlechtes(9). Burkhardus comes de Stouffenberg und derselbe (?) als Burkhardus domnus de St. (1070- 1092, Cod. Hirsaug. 25 und 37) gehört zu einer möglicherweise edelfreien Familie im Besitz des namensgebenden Schlosses, die möglicherweise mit den fränkischen Grafen von Calw und Tübingen(10) verwandt war. Dabei ist der Grafentitel unerklärt. Zahlreiche Schenkungen an Hirsau, später auch an St. Georgen, lassen Schwarzmaier vermuten, daß es sich um die "ohne Zweifel begütertste Familie aus dem Hirsauer Schenkerkreis" und die "an der Wende zum 12. Jahrh. führende und besitzreichste Familie der Ortenau", andererseits, aber auch um die letzten Glieder "einer aussterbenden Familie" handelt. Neben dem "comes" Burkhardus erscheint 1080 Bertholdus als dessen Bruder; "Burchard comes de castro Stoupha" (von dieser Burg gibt es keine sichtbaren Spuren auf Staufenberg(11)) stirbt 1092. Berthold wird als "ingenuus homo" (etwa "Edelfreier") 1088 genannt, seine Brüder sind Anselm und Adalbert. 1132 tritt dann "quidam militaris homo libertate nobilis nomine de Stouphenberg" unter Dreingabe einer großen Schenkung an 8 Orten ins Kloster St. Georgen ein. Damit scheint die Familie der Edelfreien, von A. Krieger als "ältere Linie" geführt, zu verschwinden.

Sie dürfte kaum schon zu den Zähringern in einem Lehensverhältnis gestanden haben, die Burg vielmehr als Allod besessen haben. Mit großer Sicherheit sind "de domo ducis (de Zaringen) Adalbertus et frater eius Cuonradus de Stoufinberc" 1148 aber Ministerialen des Zähringer Herzogs Konrad, dazu 1148 "de domo ducis Burchart de Stoufinberc" (ebda.).

Ob diese „Jüngere Linie" der Staufenberger mit der anderen in Familienverbindung stand, bleibt zweifelhaft(12). Falls ja, wofür allenfalls der Name Burkhard spricht, müßte die alte edelfreie Familie unter der tatkräftigen Territorialpolitik Bertholds III. und Konrads in die Ministerialität "abgestiegen" sein.

Wenn es richtig ist, daß König Friedrich Il. nach dem Aussterben der Zähringer 1218 Staufenberg wieder an sich zog, so dürfte die Burg - wie Zähringen - für die Herzöge wie für ihre Vorgänger ein Reichslehen gewesen sein und damit eine ganz erhebliche Bedeutung bezüglich des Status und der anhängenden Rechte gehabt haben.

Gleichwohl bleibt die Burg in den Erbauseinandersetzungen zwischen den Grafen von Urach und dem König später doch bei den Urachern bzw. bei der Linie der Grafen von Freiburg. Aus dem Glanz zähringischer Macht gerieten die Staufenberger damit in die elende Wirklichkeit der Freiburger Schuldenwirtschaft. Sie wurden an die Ebersteiner gegeben und wurden 1366 zu Ministerialen der badischen Markgrafen aus dem Zähringer-Haus. In diesem Status starb die Familie nach 1374/1376 mit Wylhelm von Stauffenberg aus. Zu ihr gehörte auch Egenolf von Staufenberg, der Dichter und Bearbeiter der Melusinen-Sage vom Peter Diemringer von Staufenberg.

Die Markgrafen gaben in der Folgezeit die Burglehen stets an mehrere Adelsfamilien aus, die z.T. noch andere Burgsitze hatten, wie die Stoll, Kolb, Wiedergrün von Staufenberg. Sie organisierten sich auf der Burg im Ganerbiat, d.h. bei fehlenden direkten Erben der einzelnen Familien, die hier als "Gemeiner" firmieren, sind die anderen Ganerben erbberechtigt(13). Man organisierte sich in Burgnutzungsverträgen; auf Staufenberg ist einer von 1398 bekannt, in dem die Markgrafen zusicherten, keinen Familienfernen zum Gemeiner zu nehmen, und ein Burgfrieden, der unter den Pfau von Rüppur von 1456, der 1489 erneuert wurde(14). Dabei verpflichteten sich die Partner, jeweils den eigenen Teil zum gemeinen Nutzen aller zu pflegen und zu erhalten und in gewissem Maße den anderen Ganerben beizustehen. Dadurch gerieten natürlich mehrere Familien auf der Burg in Schwierigkeiten, wenn es beim Handeln eines einzelnen Erben zu Problemen kam. Seit dem 13. Jahrh. treten auf Staufenberg die verschiedensten Familien auf; neben den Staufenbergern die Röder, die Kolb von Staufenberg (1270 ff.), die 1417/1419 aussterben, 1274 die Tarant von Staufenberg, die mit "Brun des Terandes sun" beginnen und 1322 mit seinem Sohn Heinrich enden, die Stoll von Staufenberg mit Bruno 1291 bis zu Wolf Stoll von "Stouffenberg" 1545; die Schott oder Schottkind mit "Heinricus de Stoffenberg dictus nobilis 1301", deren letzter, Johannes, als "edelkneht" 1372 genannt wird.

Am längsten von allen und zuletzt im Besitz aller Erbteile bewohnten die Wiedergrün von Staufenberg die Burg, die mit Heinrich 1303 erscheinen und mit Philipp, dem Sohn Melchiors 1604 enden. Danach zieht Ernst Friedrich von Baden-Durlach (1584 - 1604) das gesamte Lehen an sich.

Wichtig für die Burg waren auch die Hummel (1330 bis 1504) und die Bock von Staufenberg, die, mit Wersich Bock von Stouffenberg, ein "edel kneht", (1370) beginnend, bis zu Elsbeth Bock von Staufenberg, witwe junkers Dietbold Pfau von Riedbur, 1516 reichen. Die Familie Pfau von Riedbur (Rüppur), vom Markgrafen Ende des 14. Jhdts. gegen den Willen der meisten Gemeiner auf die Burg gebracht, hat aber für wichtige soziale und militärische Neuerungen in der "Adelsgarnison" gesorgt, wie der Burgfrieden von 1456/1489 und eventuell die Anlage des Flankierungsturmes F zeigt.

Bis zu ihrem Aussterben gehörten ihnen 3 1/2 von im 15. Jahrh. 10 genannten Burgteilen. Caspar und Gervasius Wiedergrün beginnen dann mit der Einvernahme aller Erbteile an ihre Familie.

Der Zustand der Burg, an deren Erhaltung zu viele Anteil nehmen sollten (vom 12. bis zum 16. Jahrh. werden fast 100 Namen genannt), wurde seit dem 14. Jahrh. immer beklagenswerter.

Als Lehnsleute der Badener waren die Ganerben nicht nur in die Händel der Markgrafen mitverwickelt, sondern auch in solche der "Familien"-Angehörigen. So waren z.B. die Stoll und die Tarant, mit Sitz auf der abgegangenen Burg Stollenberg, "milites castri Stoufenberg" und führten auch 1273 das Staufenberger Wappen. Bereits in der Schlacht bei Hausbergen fielen drei Staufenberger auf seiten des Straßburger Bischofs (März 1262) im Kampf gegen die Straßburger Bürger. Vielleicht rührt es von daher, daß die Straßburger 1329 und 1350 gerne die Burg angriffen und verbrannten bzw. plünderten. 1329 gab es neben den vollberechtigten Ganerben noch den Straßburger Dienstmann Albrecht von Ow mit einer Hofstätte niedereren Rechts auf der Burg. Zu dieser Zeit war der Markgraf mit Straßburg um die Rheinschifffahrtsrechte im Streit, und als die vollberechtigten Gemeiner Albrecht von der Burg verdrängen wollten, nutzten die Städter die Gelegenheit, die Burg zusammen mit dem Kolbenstein der Kolb von Staufenberg in Bottenau und der Burg Stollenberg der Stoll von Staufenberg zu zerstören.

1350 hatte Reinbold von Staufenberg den Neffen des Stra8burger Bischofs erschlagen; dessen Truppen iiberfielen und pliinderten die Burg und zerstörten den Anteil Reinbolds. Im wiedererrichteten Neubau téteten die Verwandten des erschlagenen Hermann Waldner 5 Jahre spater in Vollzug der Blutrache den Staufenberger(15).

Ruhigere Zeiten erlebte die Burg unter den Rüppur und Wiedergrün, und auch der Bauernkrieg ging ohne Schaden an der Feste vorbei. 1537 hatte Melchior nach dem Aussterben aller anderen die gesamte Burg in Händen. Er begann 1575 sogar, das bei der Burg vorkommende Eisenerz zu verhütten, mußte aber diese frühe Industrie aus Mangel an Holz und Kohlen, die der Straßburger Bischof aus der Moos verweigerte, aufgeben. Geiler verweist dazu noch auf einen Erzstollen im Duppelsberg an der Südseite des Schlosses mit der Bezeichnung "Erzknappenloch". Um 1511 war noch ein gemeinschaftliches Gerichtshaus, das die Linde ablöste, im Vorhof gebaut worden; das markgräfliche Interesse zeigte sich auch, als mit Philipp Wiedergrün von Staufenberg 1604 der letzte männliche Erbe starb: obwohl die Burg vorher in ein Weiberlehen umgewandelt worden war (sog. "Kunkellehen" zur Erbberechtigung von Töchtern), störte sich Ernst Friedrich von Baden-Durlach nicht daran und zog die Burg ein.

Der Exilgenosse des Markgrafen Wilhelm von Baden-Baden, Karl von Orscelar, Freiherr von Oudenguth, erhielt mit seinem Sohn Heinrich Karl gewissermaßen als Lohn das Schloß 1632 als Mannlehen, da das Baden-Badener Haus durch Kaiserspruch die Herrschaft von Durlach zurückerhalten hatte. Damit war es aber Eroberungsobjekt der schwedischen Truppen geworden, die es, wieder zusammen mit Straßburg, plünderten, die Schloßkapelle verwüsteten und zerschlugen, was beweglich war. Im gleichen Jahr im August plünderten sie den Sitz erneut, und Wilheim Hermann von Orscelar mußte bis zu seinem Tod 1666 mühsame Aufbauarbeit leisten. Auf ihn geht die Errichtung der Pfarrei Durbach zurück (1655). Das Schloß mit der Herrschaft kam 1667 im Erbgang an Franz Fortunat von Haindorf und Georg Wilhelm von Bettendorf.

Von ihnen erwarb 1683 Christoph von Greifen das Lehen. Ende August 1689 griffen im Rahmen des Orleanischen Krieges "Marodeure" Ludwigs XIV. das Schloß an und plünderten es. 1693 schließlich kam Feldmarschall Mélac selbst ins Schloß, und da er es eventuell zu einer französischen Festung umbauen wollte, ließ er Staufenberg in Ruhe. Der Plan zerschlug sich wegen Trinkwassermangels - der 34 m tiefe Brunnen im Brunnenhaus war stets nur eine dürftige Wasserversorgung für die Burg -, und so konnte Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (1655-1707) die Herrschaft mit immerhin 50 000 fl. einlösen.

Während der vormundschaftlichen Regierung kamen die restlichen pfauischen Lehen von der Straßburger Familie Dr. Küffer 1719 für wiederum 11 426 fl. an Baden zurück. Die napoleonische Zeit überstand die Burg leidlich; als französische Jäger das Schloß stürmen wollten, soll der Amtmann die St.-Georgen-Glocke wie eine Sturmglocke geläutet haben, obwohl keinerlei Entsatz zu erwarten war, und so die Jäger von einer Eroberung abgeschreckt haben (1799). Die Glocke hängt heute in der Durbacher Pfarrkirche.

Seit dem 14. Juni 1832 gehört die Burg mit dem Weingut von ca. 120 Morgen den Markgrafen von Baden privat. Mit diesem Datum beginnt die neuere Geschichte des Hauses.

Heute birgt es das Markgräflich Badische Weingut Schloß Staufenberg, Durbach, und ist z.Zt. im Besitz von Max Markgraf von Baden. Vor und während des 2. Weltkrieges diente es unterschiedlichen militärischen und anderen Zwecken; nach 1945 war es von der französischen Armee besetzt.

In den Räumen des Wohnhauses war bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs eine Sammlung von Glasgemälden vor allem aus dem 15./16. und 17. Jahrhundert zu sehen. Ausgelagert, wurden sie bis jetzt noch nicht zurückgebracht. Eine eingehende Beschreibung findet sich in KdGB 7. Bd. Kreis Offenburg, bearbeitet von M. Wingenroth. Tübingen 1908, S. 323-331.

Sagen:

Die Sage vom Ritter Peter Diemringer von Staufenberg und der schönen Melusine(16). Mit der Burg Staufenberg verbunden ist der literaturgeschichtlich seltene Fall, daß eine die Burg betreffende Sage von einem Burgsassen des Mittelalters, dem Ritter Egenolf von Staufenberg um 1310 erzählt wird. Die Sage berichtet von der Liebe des Ritters Peter (auch Petermann) von Staufenberg zur Melusine, einer Nixe als Menschenfrau. Da er die Liebe brach, mußte er nach 3 Tagen sterben. Als er seine Hochzeit mit der Base des Königs aufStaufenberg feierte, drang während des Hochzeitsmahles ein Frauenfuß durch die Zimmerdecke. Nach 3 Tagen war der Ritter tot.

Eine andere Sage berichtet vom Sohn des Schloßvogtes von Staufenberg, Sebald, der die verwünschte Melusine nicht erlöst. Bei seiner Hochzeit fällt aus der Zimmerdecke ein Tropfen auf den Teller des Bräutigams, der nach dem Genuß der Speise tot zusammenbricht. Eine weitere Sage erzählt vom Schatz der Melusine, der in den unterirdischen Gängen des Schlosses, nach andern im Wolfsloch im Stollenbach von feurigen Hunden bewacht wird. Von der Melusine aufgefordert, will ein reines Hirtenmädchen sie erlösen und so den Schatz gewinnen. Auf Veranlassung des Pfarrers unterläßt sie ihr Erlösungswerk.

Literatur:

W. Geiler, Schloß Staufenberg, in: Ortenau 21/1934, S. 275-288, Ergänzungsheft XXXV];
M. Wingenroth, Burg Staufenberg, in: Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg. Tübingen 1908, S. 318- 332;
R. Asmus, Die Sage von Peter Staufenberg und ihre dichterische Ausgestaltung, in: Ortenau 6/7/1919/1920, S. 1-23;
E.-R. Preiser, Die Sage vom edlen Ritter von Staufenberg in der Ortenau, in: Geroldsecker Land 15/1973, S. 36-39;
E. Adam, Baukunst der Stauferzeit in Baden-Württemberg und im Elsaß. Stuttgart u. Aalen 1977;
A. Antonow, Planung und Bau von Burgen im süddeutschen Raum. Frankfurt 1983; Bender, Knappe, Wilke, Burgen im südlichen Baden, Freiburg, 1979;
R. Feger, Ritter, Fürsten und Melusinen. Freiburg 1978;
G. Rommel, Erbvertrags-Huldigung in der Baden-Badenschen Herrschaft Staufenberg 1765 (...). In: Ortenau 53/1973, S. 218-226;
H. P. Sattler, Die Ritterschaft der Ortenau in der spätmittelalterlichen Wirtschaftskrise, in: Ortenau 42/1962, S. 220 ff. und Ortenau 44/1964, S. 22 ff.;
M. Schaab, Geographische und topographische Elemente der mittelalterlichen Burgenverfassung nach oberrheinischen Beispielen, in: H. Patze (hg.), Die Burgen im deutschen Sprachraum. = Vorträge und Forschungen Bd. XIX, Sigmaringen 1976, Bd. 2, S. 9-47;
O. Schönhuth, Die Burgen, Klöster, Kirchen und Kapellen Badens und der Pfalz. Bd. I, Lahr 1862;
H. M. Schwarzmaier, Die politischen Kräfte in der Ortenau im Hochmittelalter, in: ZGO 121 NF. 82/1973, S. 1-33;
B. Theil, Das älteste Lehnbuch der Markgrafen von Baden (1381). Phil. Diss. Heidelberg 1972.

Anmerkungen:

1.) Antonow 1983, S. 197 ff.  
2.) Vgl. die Tabelle Antonow 1983, S. 379.  
3.) Antonow 1983 stellt St. in eine Reihe mit der sogenannten Festungsburg, einer "großen Anlage mit mehreren kleinen Burgen, d.h. Burgmannenhäusern oder Türmen, teilweise mit eigener kleiner Ringmauer innerhalb der großen Ringmauer. Ebenso konnten zwei bis drei in geringen Abständen nebeneinanderliegende selbständige Burgen ... eine Gesamtanlage bilden." (S, 134). So werden "bei der den Herren von Staufenberg gehörenden Burg Staufenberg/Ortenau im 13. Jhdt. eine Reihe von Edelsitzen im Umkreis der Burg erwähnt." (S. 136). Allerdings wurde Staufenberg erst in der 2. Hälfte des 13. Jahrh. Ganerbenburg, und es ist noch zu prüfen, ob sie vor allem die Aufgabe gemeinsamer Feindabwehr zu erfüllen hatte.  
4.) E. Adam, S. 213.  
5.) Freundliche Mitteilung von Herrn Dühr, Schloß Staufenberg.  
6.) Zum Vorkommen und zur Funktion solcher feindabwehrenden Kugeln vgl. Udo Liessem, Eingemauerte Kugeln - ein apotropäisches Phänomen, in: Burgen und Schlösser 1982,11, S. 73-76.  
7.) Schönhuth I, S. 97.  
8.) Feger, S. 10.  
9.) Vgl. zum Folgenden neben A. Krieger und W. Geiler vor allem Sattler 1962 ff., Schwarzmaier u. Theil.  
10.) Schwarzmaier, S. 14 f.  
11.) oder bedeutet "stoupha" Staufen?  
12.) "Daß eine im späten 12. Jhdt. auf dem Staufenberg sitzende Familie zur zähringischen Ministerialität gehörte, beweist für die soziale Einordnung der Edelherren v. Staufenberg gar nichts." (Schwarzmaier, S. 15). Im übrigen erscheinen Adalbert und Konrad v. St. nicht als Schenker, sondern nur als Zeugen der Schenkungen für das 1148 abgebrannte zähringische Hauskloster. (Geiler S. 276). Sattler hält beides nicht auseinander.  
13.) Zur Institut vgl. Friedrich Alsdorf, Ganerbenburg und Wohnungseigentum, in: Burgen und Schlösser 1978, II, S. 103-110; ders., Untersuchung zu Rechtsgestalt und Teilung deutscher Ganerbenburgen. Frankfurt/Main 1980.  
14.) Vgl. B. Theil, vor allem S. 99, und den Text des Lehnbuches selbst.  
15.) Schönhuth 1, S. 93.  
16.) Die Sage selbst behandelt und übersetzt aus der Handschrift E. R. Preiser, in: Geroldsecker Land 15/1973, S. 36 ff.; zur Überlieferung und Einzelheiten vgl. die Rezension zu Bender/ Knappe/Wilke, Burgen im südlichen Baden, in: Geroldsecker Land 23/1981, S. 227 f.  

Plan der Burg Staufenberg:
A Wohnbauten - B Kellerbau - C Terrasse - D Torbau - E Zugangsweg - F Flankierungsturm - G Zwinger - H Trotte
Im Text sind erwähnt:
A und A' - B und B' - C-D, D' und D''

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Hespengrund - Weingut Neveu - Durbach


Dem Schloß Staufenberg gegenüber einige hundert Meter in westlicher Richtung liegt im Hespengrund das Stammgut des Freiherrn von Neveu, Grundherr in WindschlägDas Schlößchen von Neveu - die Ortenau 1934 - Wilhelm Geiler / Seite 288

Dem Schloß Staufenberg gegenüber einige hundert Meter in westlicher Richtung liegt im Hespengrund das Stammgut des Freiherrn von Neveu, Grundherr in Windschläg.

Früher hatte hier der Freihof derer von Ratsamhausen gestanden. Nach mannigfachem Besitzwechsel errichtete auf dem Gutsgelände der französische General von Ried in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine Musterwirtschaft durch eine vorbildliche Futterkräuterpflanzschule.

Das schöne Gut wurde im Jahre 1803 von der Familie von Neveu erworben und zum Stammgut erklärt. Das stattliche Herrenhaus wurde im 19. Jahrhundert erbaut und dient der Familie des Majorats- und Grundherrn von Neveu als ständiger Wohnsitz.

Die Freiherren von Neveu und deren Familienarchiv in Durbach-Hespengrund - Otto Kähni - die Ortenau 1956 / 116ff

In Durbach, Ortsteil Hespengrund, auf halber Höhe über der Talmulde gegenüber dem Schloß Stauffenberg, liegt, von einem mächtigen Rebberg überragt, das Stammgut des Freiherrn von Neveu. Das Herrenhaus, ein stattlicher Bau aus dem letzten Jahrhundert, beherbergt das Familienarchiv. Die Archivalien, die in den letzten Monaten geordnet und verzeichnet worden sind, berichten von der reichen Geschichte dieser Familie. Wie der Name verrät, ist sie französischer Herkunft, aber seit drei Jahrhunderten in der Ortenau ansässig. In dieser Zeit hat das Geschlecht unserer Heimat eine stattliche Reihe großer Persönlichkeiten geschenkt, die im politischen, militärischen und kirchlichen Leben führend hervorgetreten sind.

Der Gründer des Ritterguts Hespengrund - aus die Ortenau arrowRight

Der Ahnherr, Charles Neveu de la Folie, mit dem das Geschlecht zum ersten Male in der Ortenau auftritt, steht in hellem Lichte vor uns. Er stammte aus der Provinz Anjou. Der Hintergrund, vor dem sein Leben abläuft, war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Er war ein echter Söldnerführer und wurde von der Gestalt des großen Schwedenkönigs mächtig angezogen. Frankreich hatte sich mit ihm gegen Habsburg verbündet. Im Heere Gustav Adolfs hat er gedient bis zur Schlacht bei Lützen 1632. Nach der Schlacht, in welcher der König gefallen war, trat er in das kaiserliche Heer über. Die Beweggründe kennen wir nicht. Im Dienste Habsburgs stieg er zu hohen militärischen und politischen Stellen auf. Wir begegnen ihm auf allen Kriegsschauplätzen. Im Mai 1634 war er an den Kämpfen um Regensburg beteiligt, das König Ferdinand II. den Schweden entriß.

Dann zeichnete er sich im September 1634 in der Schlacht bei Nördlingen aus, in welcher die Schweden eine vernichtende Niederlage erlitten. Als Anerkennung erhielt er von Generalfeldzeugmeister von Reinach das Kommando in der oberen Markgrafschaft. 1636 wurde er nach Brandenburg gerufen und kämpfte bei Wittstock, wo die Schweden dank der Feldherrnkunst Baners über die Kaiserlichen siegten. Sein Draufgängertum bewieser am Oberrhein, wo um die Schlüsselfeste Breisach ein heftiger Kampf entbrannt war. Nachdem Bernhard von Weimar Freiburg erobert hatte, belagerte er sie. Einem Entsatzheer unter dem bayrischen Feldmarschall Götz, das bei Offenburg Stellung bezogen hatte, gelang es, dem bedrängten Breisach einige Abteilungen mit Proviant und Munition zu Hilfe zu schicken.

Eine solche Abteilung führte Hauptmann von Neveu. Für den Fall, daß sein Unternehmen scheiterte, hatte er den Befehl erhalten, Proviant und Munition in den Rhein zu werfen und die Schiffe zu "verhauen". Er konnte jedoch durch die feindliche Sperre hindurchkommen und Breisach für drei Monate versorgen. Die Quellen berichten, daß er "den Franzosen heftigen Widerstand entgegengesetzt und dem Feind großen Schaden und Abbruch zugefügt habe, worüber ihme vom Feindt mit dem Strang getrohet und seine Güter in Frankreich konfisziert worden". Nach der Übergabe der Festung geriet er in die größte Gefahr. Bernhard von Weimar verfolgte ihn persönlich und suchte ihn auf dem Schiff, auf das er sich gerettet hatte, Von Reinach hatte die Kleider seiner Frau auf ihn geworfen und seine Kinder auf ihn gesetzt. So "ist er mit Gottes Hilf entkommen".

In den folgenden Jahren stand von Neveu in der Armee des bayrischen Generals von Mercy. In der Schlacht bei Wolfenbüttel geriet er in Gefangenschaft, konnte aber von Mercy ausgetauscht werden. Eine große Genugtuung erlebte er nach der Schlacht bei Tuttlingen (November 1643), in der Mercy die Franzosen zurückschlug. Mehrere französische hohe Offiziere waren gefangengenommen worden. Von Neveu, der inzwischen zum Obristwachtmeister ernannt worden war, erhielt den Auftrag, die Gefangenen nach Tübingen zu führen. Mit diesem Pfand erreichte er die Rückgabe seiner in Frankreich konfiszierten Güter. Bei der Belagerung von Überlingen (Frühjahr 1644) durch die bayrische Armee befehligte von Neveu das Reinachsche Regiment. Während der Belagerung Freiburgs (Juni-Juli 1644) beförderte ihn Mercy zum Oberstlieutenant. Nach der Übergabe der Stadt wurde von Neveu zu deren Kommandanten bestellt und blieb es bis zum Friedensschluß. Während dieser Zeit versuchten die Befehlshaber der französischen Truppen, die Freiburg nochmals drei Wochen lang vergebens belagerten, wiederholt, den Obersten von Neveu durch Versprechungen und Drohungen auf ihre Seite zu locken.

Er "ist aber von seinem aufrichtigen und redlichen Gemüth niehmals abgewichen, noch hat er sich auf einige weiß abwendig machen lassen". Infolgedessen verlor er zum zweiten Male seine Güter in Frankreich. Nach dem Krieg belohnte das Erzhaus Österreich den Obersten Carl von Neveu für seine Treue. Im Jahre 1650 übertrug ihm Erzherzog Ferdinand die Landvogtei Ortenau, deren Dörfer "in dem vorbeypassirten leidigen Krieg in Grundt ruiniert und verbrennt gewesen und die nit wohl mit dritthalbhundert Underthanen bewohnt" war. Das Schloß Ortenberg wurde ihm als Wohnsitz angewiesen. Die Besoldung belief sich auf 500 rheinische Gulden. Er mußte versprechen, bei der katholischen Religion zu bleiben und dafür Sorge zu tragen, daß "die Unterthanen nach der katholischen Religion lebten und die Pfarreien nur mit katholischen Gelehrten und exemplarischen Priestern besetzt wurden. "Weil er Haab und Gueth in seinem Vatterland hat verlihren müssen", übertrug ihm Erzherzog Ferdinand als Regent Vorderösterreichs 1656 das Dorf Windschläg "in ansehung seiner bey merfeltig Ime aufgetragenen wichtigen Gescheften zu deren gnädigsten Contento und belibiger Satisfaction volzogener Verrichtung".

Mit der "aigenthumblichen" Überlassung war das Privileg verbunden, daß das Dorf "weder itzt noch inskünftig der Landvogtey Ortenau, sondern immediate und alleinig dem ober- und vorderösterreichischen Weesen unterworfen sei". Ferner erhielt Oberst von Neveu das Patronatsrecht über die Pfarrei Windschläg und das Hühnergeld (Fastnachts-, Ernte- und Herbsthuhn) von allen Untertanen der Landvogtei (ausgenommen das Gericht Achern). So hatte Carl von Neveu in der Ortenau eine neue Heimat gefunden. Er verstand es auch, seinen Besitz zu mehren. Im Jahre 1661 verkaufte der Straßburger Bürger Harnister an ihn das Gültgut in Durbach-Unterweiler mit der Weilermühle. Im Jahre darauf erwarb er in Offenburg das Baumannsche Haus bei dem Neutor (heute Hauptstraße 64 und Wolkengasse 1). In den folgenden Jahren gingen mehrere Äcker in der Ortenberger Gemarkung in seinen Besitz über. Dazu kamen zwei Rebhöfe am Fuße des Ortenberger Schlosses. Carl von Neveu war ein tatkräftiger Landvogt.

Während seiner Amtstätigkeit sind "die Underthanen dermaßen gepflanzt worden, daß bey beschehener Landshuldigung (1665) in die 1500 Mann das Homagium (Huldigung) geleistet haben". Eifrig vertrat er das Interesse des Erzhauses und unterstützte jederzeit auch dessen Bestrebungen, seinen politischen Einfluß in den drei Reichsstädten der Ortenau zur Geltung zu bringen. Er genoß das Vertrauen des Erzherzogs in so hohem Maße, daß dieser ihn mit hohen politischen Aufträgen nach Italien, Böhmen, Kurmainz, Sachsen und Brandenburg schickte. Im Jahre 1668 starb er.

Carl Neveu de la Folie war dreimal vermählt. Seine erste Ehe mit Maria Franziska Rink von Baldenstein war offenbar kinderlos. Sein Sohn aus der zweiten Ehe mit Maria Susanna von Roggenbach, Franz Carl, war sein Rechtsnachfolger als Grundherr von Windschläg. Dieser trat jedoch in das Waldshuter Kapuzinerkloster ein und verzichtete auf die Herrschaft zugunsten seines Stiefbruders Franz Michael, welcher der dritten Ehe seines Vaters mit Maria Elisabeth von Falkenstein entstammte. Franz Michael von Neveu, der auch die Nachfolge seines Vaters als Landvogt der Ortenau antrat, vermählte sich 1679 mit Maria Anna von Pfirt in Biengen im Breisgau. Durch diese Heirat erwarb Franz Michael ausgedehnte Besitzungen im Breisgau: Biengen, Krozingen, im Zastlertal, Oberried und Dietenbach. Soweit die Güter im Schwarzwald lagen, bildeten sie die Herrschaft "In den freien Bergen". Auch Franz Michael von Neveu machte sich um das Erzhaus verdient. 1692-1700 war er Gesandter des Kaisers Leopold I. bei der Schweizer Eidgenossenschaft und wurde 1700 in den erbländischen österreichischen Freiherrenstand erhoben.

Franz Michael von Neveu hinterließ zwei Söhne und vier Töchter. Von diesen waren zwei, Maria Lepoldini (f 1731) und Maria Anna Cajetana (F 1743), Äbtissinnen des Klosters Paradies(1). Die jüngste Tochter Maria Theresia war vermählt mit dem kaiserlichen General Graf Joh. Gaudenz von Rost. Sie starb 1748 in Innsbruck und ist in der dortigen Uissulinerinnenkirche beerdigt. Die beiden Söhne teilten sich in das Erbe. Franz Anton (1686-1735) erhielt die Besitzungen im Breisgau und starb als "Obervogt in den freien Bergen" in Freiburg. Franz Joseph (1688-1742), Herr von Windschläg und kaiserlicher Generalmajor der fränkischen Kreistruppen, starb 1742 unvermählt und setzte die Söhne seines Bruders, Fr. X. Jos. Wilhelm und Franz Karl Ignaz, als Erben ein. Ersterer trat in den Jesuitenorden ein und wurde Propst des Kollegiatstifts in Baden-Baden und Pfarrherr in Offenburg. Letzterer war Landvogt zu Schliengen. Er hatte vier Söhne und eine Tochter Louisa, die sich mit dem bischöfl. Speyerschen Rat Frhr. Franz Karl von Deuring in Bruchsal vermählte. Von den Söhnen widmeten sich drei dem geistlichen Stand.

Der älteste, Ant. Joh. Nepomuk, war Ritter des Malteserordens und starb in Triest; der jüngste, J. W. Ludw. Karl, war 1781-1787 Domherr zu Basel. Die größte Bedeutung erlangte Franz Xaver Joseph. 1749 in Arlesheim geboren, besuchte er das Jesuitengymnasium in Pruntrut, Bistum Basel, und vollendete seine Studien im theologischen Seminar in Straßburg. Er wurde 1777 als Nachfolger seines gleichnamigen Oheim Pfarr-Rektor von "Heilig-Kreuz" in Offenburg und war zugleich Kanoniker des Basler Domstifts, seit 1792 Mitglied des Domkapitels. 1794 wurde er zum Fürstbischof von Basel gewählt, konnte jedoch infolge der Revolutionswirren und Kriege nicht in den Besitz des Bistums gelangen. Die Hoffnungen, die er an den Reichsdeputationshauptschluß knüpfte, erfüllten sich nicht.

Der Wiener Kongreß brachte die Vereinigung des Bistums mit der Schweiz. Der Fürstbischof mußte ein unstetes Leben führen. Von Konstanz, Passau, Wien und Rheinfelden aus verhandelte er mit den staatlichen Häuptern und bemühte sich um eine angemessene Entschädigung. Schließlich zog er sich nach Offenburg zurück, widmete sich in hochherziger Weise den Armen und starb 1828 im Hause seiner Familie. Die Inschrift auf seinem Grabstein in der Heilig-Kreuz-Kirche rühmt ihn als "Vater der Armut, Sohn der Frömmigkeit und Fels der Religion". Erbe der Herrschaft war Franz Konrad (geb. 1752). Er starb schon 1798 als Kurmainzischer Kämmerer und bischöfl. Speyerscher Rat in München. Seine Witwe, M. Elisab. Augusta, geb. von Eberstein, führte bis 1803 für ihre minderjährigen Söhne die Geschäfte. Franz Anton, der ältere, wurde Forstamtsverweser in der Landvogtei Ortenau, der jüngere, Joseph Wilhelm, trat in diplomatische Dienste, war Gesandter am kaiserlichen Hofe in Brasilien und starb schon 1819 in Rio de Janeiro. Inzwischen waren große politische Umwälzungen eingetreten. Nach dem Frieden von Preßburg hatte Baden die vorderösterreichischen und ritterschaftlichen Besitzungen erworben.

Das bedeutete das Ende der Landvogtei Ortenau und der Herrschaft Windschläg. Während die. Freiherren von Neveu ihre orts- und gerichtsherrlichen Befugnisse in Windschläg verloren, konnten sie ihren Grundbesitz beträchtlich vermehren. Oberforstmeister Franz Anton von Neveu (1751-1837), der in Offenburg wohnte und sämtliche Familiengüter in Besitz hatte, wurde der Universalerbe des Fürstbischofs, seines Oheims, der ein großes Kapitalvermögen hinterließ. Diese Mittel machten es ihm möglich, 1828 von Forstmeister Freiherrn von Ritz das Weingut in Durbach-Hespengrund zu erwerben. Damit hatte die Familie einen neuen wirtschaftlichen Mittelpunkt erhalten. Und 1831 schuf Franz Anton aus seinen Besitzungen im Hespengrund, in Weiler, Windschläg und Ortenberg das heutige Majorats- und Stammgut. Erbe des Stammguts wurde sein Sohn Adolph (verm. mit Mathilde von Schauenburg), der es bis zu seinem Tode (1872) innehatte. Sein jüngerer Sohn Franz Anton Joseph wurde Grundherr von Dietenbach und Biengen und schuf die breisgauische Nebenlinie. Das Ortenauer Stammgut vererbte sich von Adolph über dessen Sohn Carl (1850-1897) auf den heutigen Majoratsherrn Hubert von Neveu.

Anmerkung:
(1) - bei Basel


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Wein- und Heimatmuseum Durbach


Das Museumsgebäude mit Baujahr 1780 war ursprünglich ein typischer Rebhof. Mehrere Jahre diente das Anwesen als Wohnhaus bis schließlich durch die Winzerschaft die Einrichtung eines Wein- und Heimatmuseums angeregt wurdeVon 1877 bis 1967 diente das Gebäude als "Pfründnerhaus", d.h. als Alters- und Pflegeheim für alte, arme und kranke Bürger aus Durbach. Mehrere Jahre diente das Anwesen als Wohnhaus bis schließlich durch die Winzerschaft die Einrichtung eines Wein- und Heimatmuseums angeregt wurde.

1984 wurde auch das Touristbüro des Verkehrsvereins im Gebäude untergebracht. Seit der Gründung des Vereins Wein- und Heimatmuseum im Jahre 1982 wurden stetig Exponate zu verschiedenen Themenbereichen, insbesondere für den Bereich Weinbau gesammelt. Das Museum präsentiert Ihnen heute in 13 Räumen und auf dem ganzen Areal des Museumsgeländes über 700 Exponate, darunter viele für die Durbacher und Ebersweierer Ortgeschichte, das Brauchtum, Weinbau, Land- und Forstwirtschaft bedeutende und interessante Bilder.

In einem gesondert stehenden Bienenhaus wird vom Imkerverein die Bienenzucht in alter und neuer Zeit dargestellt. Hof- und Vorplatz sind nicht nur für Feste geeignet, sondern zeigen auch eine Anzahl von Bäumen und Sträuchern, die typisch für bäuerliche Anwesen oder bereits selten anzutreffen sind. Die Sortenvielfalt des Durbacher Weinbaues wird in einem "Haufen" Reben präsentiert.

Zu "Pfruendnerhaus" - der Zeit vor der Museumszeit

In den Zeiten vor der Gründung des Deutschen Reiches und insbesondere der Bismarck'schen Sozialgesetze war es üblich, Arme und "Sieche" (Kranke) in Armenhäusern und Spitalen zur Versorgung unterzubringen. So hatte auch Durbach seit 1870 im heutigen Wein- und Heimatmuseum ein "Pfruendnerhaus", worüber Josef Werner 2006 in der Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden (Seite 85 folgende) berichtet:

Der Armen- und Krankenfond in der alten Stabsgemeinde Durbach [Auszug]

Zur Unterbringung von alten und kranken Knechten und Mägden oder sonstigen alleinstehenden Einwohnern kaufte die Gemeinde im Jahre 1870 in der Ortsmitte von Durbach ein eingeschossiges Bauernhaus. Es wurde zum Pfründnerhaus (Spital) umgebaut und konnte insgesamt 24 Personen aufnehmen. Allerdings waren die Räumlichkeiten nach heutigen Maßstäben sehr bescheiden. Ebenso bescheiden war die Versorgung der Pfründnerhaus-Insassen, die, soweit sie noch eine Tätigkeit verrichten konnten, im zugehörigen Garten unter Anleitung der betreuenden Schwestern zur Selbstversorgung mithalfen. Im Übrigen waren sie von den geringen, evtl. zur Verfügung stehenden Renten, Spenden und der Unterstützung der Gemeindekasse abhängig. Mit welch sparsamen Mitteln gewirtschaftet wurde, zeigt der Einblick ins Tagebuch des Pfründnerhauses vom März 1930. In diesem Zeitraum waren neben zwei Schwestern noch ca. zehn weitere Insassen zu versorgen. Das Badgeld war eine kleine Einnahmequelle, denn das Pfründnerhaus hatte seit 1926 in einem Nebengebäude ein Badezimmer und eine Waschküche. Dreimal in der Woche wurden Bäder verabreicht. Es war nur eine Badewanne für Pfründner wie für Ortsbewohner vorhanden. Das Wasser hierzu wurde seit 1902 von einer 100 m entfernten Quelle am Kochberg bezogen(9).

Im Jahre 1854 herrschte im ganzen badischen Land eine große Not. Das Großherzogliche Oberamt in Offenburg sah sich veranlasst, aus verschiedenen Stiftungen und Hilfsfonds Mittel an die notleidende Bevölkerung zu geben. Die Stabsgemeinde Durbach wurde deshalb am 17. Februar 1854 um Rückmeldung auf folgendes Schreiben gebeten: "Der Nothstand der ärmeren Classe nimmt wegen Mangel an Nahrungsmittel und Brod fast mit jedem Tag mehr zu, so daß für dieses Frühjahr zur Unterstützung der Armen außergewöhnliche Maßnahme und Hülfe geboten ist. Der Gemeindevorstand hat binnen 8 Tagen zu berichten welche Anordnung zur Unterstützung der Ortsarmen daselbst etwa bereits getroffen worden sind oder wie solche beabsichtigt werden".

Nach einem Aufruf an die Bevölkerung meldeten sich schließlich 180 Familien mit zusammen 725 Personen aus den Stäben Heimburg. Obernesselried-Illental, Bottenau und Gebirg und baten um Unterstützung. Weitere Familien meldeten sich noch nachträglich. Einige Familien wurden nach Beratung des Gemeinderats und Stiftungsvorstands aus der Liste gestrichen. Letztlich erhielten laut der vorliegenden Ausgabeliste 221 Familien Lebensmittel zugeteilt. Die Gemeinde hatte aus der "Georg-Elisabethen-Stiftung" über das Oberamt Offenburg 300 Gulden für die Armen erhalten. Jede Familie erhielt 1 Sester Grundbirnen (Kartoffel). Weitere 200 Sester Grundbirnen und 400 Meßle Bohnen wurden entsprechend der Familiengröße verteilt. Dazu erhielt jede Familie einen Laib Brot. Die Verteilung erfolgte am 27. April 1854. Das Bewilligungsschreiben der Großherzoglichen Regierung des Mittelrheinkreises enthielt die Mitteilung, dass nur katholische Ortsarme aus der ehemals baden-badischen Markgrafschaft Mittel aus dieser Stiftung erhalten. Es wurde auch Wert darauf gelegt, dass der Ortsarmenvorstand darauf achtet, "dass nicht die Sorglosigkeit der Minderbemittelten befördert werde". Man wollte vermeiden, das sich die Armen an eine dauernde Unterstützung gewöhnen.

Ähnliche Bestimmungen hatten auch andere Stiftungen des alten Baden (vor 1771) wie z.B. die Maria-Victoria-Stiftung, die das Georg-August-Maria-Victoria-Armen-Erziehungs-Haus in Rastatt unterhielt. Aufgenommen in diese Schule wurden nur katholische Mädchen, "die nicht älter als 15 Jahre und aus der Schule entlassen, vermögenslos, in einer Gemeinde der vormaligen Markgrafschaft Baden-Baden heimatberechtigt, bildungsfähig und von gesunder Körperbeschaffenheit" waren.

Aus dem Oberamt Offenburg war die Stabsgemeinde Durbach die einzige Gemeinde, die als baden-badische Exclave Leistungen aus den altbadischen Stiftungen erhielt. Jährlich verteilte der Hofalmosenfond und der ihm zugeordnete Gemeinde-Almosenfond die Ertragsüberschüsse auf die Gemeinden oder Ortsarmenfonds in den zugehörigen Gemeinden. Entsprechend der Seelenzahl von 2.323 Einwohnern erhielt der Stab Durbach so 1833 18 Gulden und 9 Kreuzer. Als weitere Stiftung steuerte die "Erbgroßherzog Friedrich Stiftung" auf Antrag und je nach Wohlwollen ein paar Gulden zur Durbacher Armenkasse bei. Vorgeschlagen werden konnten arme Kinder unabhängig ihrer Konfession.

Die ersten Nachweise über den Armenfond finden wir mit der Bezeichnung "Durbacher Allmosen-Fond" in der "Staufenberger Gemeinds-Rechnung" aus dem Jahre 1792. Zur Bestreitung von diversen Kosten, hauptsächlich zur Finanzierung des Kirchenneubaus von 1790, hatte die Gemeinde vom Allmosen-Fond ein Darlehen in Höhe von 1.000 Gulden erhalten. Erster "Allmosen-Pfleger‘" war Stabhalter Kiefer, welcher auch der Erbauer des heutigen Wein- und Heimatmuseums war.

Der Armenfond hatte eine umfassende Aufgabe zur Sicherung der armen und Not leidenden Bevölkerung. Jedem Rechenschaftsbericht war als Vorbericht auch die Entstehungsgeschichte, die derzeitige Vorstandschaft und sonstige Verwaltung, ein Hinweis auf die Verwahrung der vorhandenen Urkunden in der Stiftungskiste und sonstige Regeln des Fonds beigefügt. Der Fond entstand weitgehend durch Stiftungen, Vermächtnisse und Legate. Besonders großzügige Stifter wurden in den Armenrechnungen gelegentlich angeführt. So stiftete Baron Zorn von Bulach anlässlich der Einweihung seines neuen Schlosses im Jahre 1874 80 Mark. Sehr großzügig war auch eine Maria Anna Kammerer von Bottenau, die 1884 per letztwilliger Verfügung 622 Mark stiftete. Johannes Laigast vermachte dem Fond 1891 1.000 Mark. Zur Erhaltung des Fondsvermögens wurden diverse Einnahmequellen erschlossen. So wurden beispielsweise Schüler bei Schulversäumnissen mit Strafen belegt, ein Reblos am Schindelrain bewirtschaftet und Darlehen vergeben, deren Zinseinnahmen wiederum der Fondskasse zuflossen. Ausführliche Listen der säumigen Schüler aus der "Werktagsschule", der "Sonntagsschule" und der "Industrieschule" belegen die auferlegten Strafen. Neben seltenen und geringen Geldstrafen wurden zumeist Arreststrafen zwischen vier und 24 Stunden verhängt, deren Ableistung ebenfalls peinlich genau registriert war.

Eine Anzahl von Stiftern der Armenkasse hatten ihre Stiftung oder ihr Vermächtnis mit der Auflage versehen, dass für sie jährlich ein Amt (Jahrtag) gehalten wurde. Die Kosten hierfür hatte dementsprechend auch die Armenkasse zu übernehmen. Aus verschiedenen Stiftungen, wie z.B. der "Georg-Elisabethen-Stiftung" in Ettlingen, dem Spitalfond Ettlingen, dem hertschaftlichen gemeinen und Hofalmosenfond in Baden, flossen dem Durbacher Armenfond in unregelmäßigen Abständen Beträge zu, die sodann nach Beschluss der Vorstandschaft an Bedürftige verteilt wurden. Unter den ständigen Beiträgen zum Armenfonds finden wir 1860 auch einen Beitrag des St. Andreas Hospitals in Offenburg von der Wiedergrüner Stiftung aus den Jahren 1807/15. Der Beitrag betrug vier Gulden jährlich. In drei Durbacher Wirtshäusern waren "Armenbüchsen" aufgestellt, welche jedoch insbesondere in den Notjahren von 1848 bis 1860 keine oder nur sehr wenig Einnahmen brachten. 1899 beschloss der Gemeinderat, dass jeder als Bürger neu aufgenommene Fremde einen Beitrag von 15 Mark zur Armenkasse zu leisten habe. Ob jemand arm und bedürftig war, musste zumeist auch von einer Amtsperson bestätigt werden. Stiftungsvorstand Pfarrer Stemmer und Bürgermeister Plank hatten gerade in den Jahren 1854 bis 1856 wohl alle Hände voll zu tun, um die große Zahl der Armen einigermaßen zu versorgen. Damit aus den weiter entfernten Zinken und Stäben die Not auch dem Stiftungsvorstand zur Kenntnis kam, wurden von Gemeinderäten auch "Armuthszeugnisse‘" ausgestellt. Ledige Mütter, Alte und Kranke oder auch "presthafte" Bürger sind in jedem Ausgabezettel zu finden.

Man war sehr sparsam, denn meist wurden zur Versorgung nur 30 Kreuzer vergeben. Es kam deshalb niemand auf die Idee, die kargen Mittel "zu verprassen". Als großzügiger Spender erwies sich mchrfach Alt-Adlerwirt Ignaz Wörner von Appenweier, der auch Besitzer des alten von Wiedergrün’schen Schlösschens im gleichnamigen Zinken Wiedergrün war. So spendete er u.a. zu Ostern drei Gulden für die Erstkommunikanten. Der Armenfond steuerte noch ein paar Gulden zu, so dass die bedürftigen Erstkommunikanten trotz Armut ein bescheidenes Erlebnis hatten. Oftmals wurden an die Armen ein paar Kreuzer zur Beschaffung einer "Bettstatt", einem Paar Holzschuhe oder vielleicht auch nur für ein Paar Strümpfe gegeben. Die Schüler aus ärmeren Familien erhielten regelmäßig das Schulgeld bezahlt und wurden auch mit Papier, einer Tafel oder einem Griffel ausgestattet. "Notorische Armut" war vielfach anzutreffen und die Industrieschülerinnen erhielten deshalb auch 3/8 Pfund blaue Baumwolle, um Strümpfe zu stricken. Kaufmann Geiler war Lieferant von Schulbüchern und sonstigem Schulmaterial, das an die mittellosen Schüler ausgegeben wurde. Der vermögenslose Schusterlehrling Aloyis Kiefer erhielt eine Beihilfe für seine "Freysprechung" und der Schustergeselle Ziriak Vollmer erhielt eine Beihilfe, damit er auf die Walz gehen konnte.

Ebenso wurde armen Lehrlingen das "Lehrgeld" bezahlt, damit sie von ihrem Meister nicht auf die Straße gesetzt wurden. Auch die Schule selbst wurde durch den Armenfond unterstützt. So wurde für die Schule Gebirg eine große Karte von Baden beschafft und dem Hauptlehrer Josef Wickenhäuser zum Aufziehen der Karte 6 Ellen Leinwand, I Pfund Stärke, 2 Stäbe, feinen Lack, Leim und Draht beschafft und ihn daneben für seine Bemühungen noch bezahlt, was Gesamtausgaben von 3 Gulden und 27 Kreuzer erforderte. Die Karte selbst wurde von der Nöldeke’schen Buch- und Kunstdruckerei in Karlsruhe bezogen. Allein im Stab Gebirg meldeten sich 1854 beim Lehrer 19 Schüler mit Eltern als arm, weshalb diese mit jeweils 30 Kreuzern bedacht wurden.

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Die Weiler-Mühle Durbach


Der erste bekannte Besitzer der Mühle war laut einer Urkunde aus dem Jahr 1328 der Edelknecht Jörg von WiedergrünDie Weilermühle in Durbach - Von Otto Kähni - die Ortenau 1962 - 168ff.

Im Jahre 1961 waren es 300 Jahre, seitdem die Weilermühle Eigentum der freiherrlichen Familie von Neveu ist., Sie liegt am westlichen Rand der Durbacher Gemarkung. Die Kreisstraße Durbach - Ebersweier - Windschläg macht um das Anwesen einen großen Bogen. Weder die fremden Autofahrer, die in raschem Tempo die Kurve nehmen oder in der Gaststätte den spritzigen "Durbacher" kosten, noch die Einheimischen ahnten bisher etwas von der 600jährigen, wechselvollen Geschichte der Mühle, die sich bis in das 19. Jahrhundert hinein im Gegensatz zu der des bekannten Weinortes vollzog.

Das Dorf Durbach war unter dem Schutz der Burg Staufenberg entstanden. Diese, ursprünglich im Besitz mehrerer Ministerialengeschlechter der Herzöge von Zähringen, war nach deren Aussterben über die Grafen von Freiburg und Eberstein 1366 an die Markgrafen von Baden gekommen. Das Tal, eine badische Enklave, bildete ein kleines Herrschaftsgebiet, eine sogenannte "Talschaft", die seit 1604 den Namen "Herrschaft Staufenberg" trug. Der westliche Teil der Talschaft hieß "Unterweiler" oder einfach "Weiler". Unmittelbar an der Mühle vorbei zog die Grenze zwischen der Reichslandvogtei Ortenau, zu der Ebersweier gehörte, und der Herrschaft Staufenberg. Ein Grenzstein mit dem Wappen der Landvogtei ist in die Westwand eingemauert.

Der erste bekannte Besitzer der Mühle war laut einer Urkunde aus dem Jahr 1328 der Edelknecht Jörg von Wiedergrün, der im gleichen Talgrund westlich des Staufenbergs zwischen Nesselried und Ebersweier seinen Sitz hatte, und zwar als Lehensmann des Grafen Konrad von Freiburg. Am "Tag des hl. Kreuzes" gab er "mit zeitlicher Vorbetrachtung und gutem Willen seiner ehelichen Württin Frau Tilien 5 Mark Sylbers Straßburger Währung zue einer rechten Morgengabe uff der Mülen gelegen zue Durrenbach Wiler zue nisend unnd zue besetzen mit allen Rechten und Freyheiten". Im Jahre 1378 war sie im Besitz des Edelknechts Andreas von Wiedergrün. Dieser und seine Ehefrau sowie seine Söhne Georg, Henselin und Obrecht vermachten für sich und ihre Erben "der Priorin und den Frauen gemeinlich auf der Clause in Oberdorf und deren Nachkommen" eine jährliche Gült von 6 Sester Roggen, 4 Schilling, 1 Kappe, t Ernthuhn, 1 Fastnachtshuhn und 10 Eier "uff der Mühl zue DurbachWeiler". Die Empfänger dieser Gült und Zinsen waren die Klosenerinnen in dem zu Oberkirch gehörigen Zinken Oberdorf am Südufer der Rench. Diese Frauenklause war im 15. Jahrhundert stark verweltlicht. Deshalb hob sie Bischof Albrecht von Straßburg auf und schenkte das stattliche Vermögen der Wallfahrtskirche Lautenbach, die von der Ortenauer Ritterschaft begonnen, vom Prämonstratenserkloster Allerheiligen ausgebaut und 1483 konsekriert wurde. Die Zinsen waren künftig an das Kloster Allerheiligen zu entrichten.

Merkwürdigerweise schweigen nun die Quellen fast 300 Jahre lang. Es ist fraglich, ob die in einer Urkunde vom Jahre 1445 (Kopialbuch 38 Baden) aufgeführte "Wunderer müle" mit der Weilermühle identisch ist. Die nächste sichere Nachricht stammt erst aus dem Jahr 1655. Damals war die "alte Mühl" Eigentum des Straßburger Bürgers Ullrich Marbach, Dieser verkaufte sie an den Amtmann der Herrschaft Staufenberg, Johann Michael Scherer. Sechs Jahre später, am 8. Januar 1661, veräußerte sie dessen Witwe, die "edle, vieltugendreiche Frau Anna Margaretha", an den "hochwohlgeborenen Herrn Carl Neveu de la Folie, Ihrer hochfürstl. Durchlaucht Ferdinand Carls, Erzherzogs zu Oesterreich, Geh. Rat, Cammerer, Obersten und Landvogten in der Ortenau" und dessen Nachkommen. Dies ist der Ahnherr der freiherrl. Familie v. Neveu. Er stammte aus der französischen Provinz Anjou, war im 30jährigen Krieg im Dienste Habsburgs zu hohen militärischen und politischen Stellen aufgestiegen. 1650 war ihm die Verwaltung der vorderösterreichischen Landvogtei Ortenau und 1656 das Dorf Windschläg als Lehen übertragen worden.

Die Mühle und deren Lage werden im Kaufbrief folgendermaßen beschrieben:

"In den Stöcken, uf Staufenberger Territorio, nadi vorn gegen den Durbach, hinten hinauf gegen den Haardtwald. - Ein neuerbautes Haus mit Hof, Scheuer, Stall samt einer abgegangenen Mahlmühlin neben dern dazugehörigen Mühl- und Wasserrecht. Item eine Blauel, Dörrstub und ein altes Scheuerlein, auch zwei Tauen Matten gleich hinten daran, alles ahneinander."

Der Kaufpreis betrug 300 Gulden. Ein Jahr nach dem Kauf, am 20. Februar 1662, verzichteten auch Abt und Konvent des Klosters Allerheiligen auf die Zinsen, die sie seit 1378 bezogen hatten und aus denen sie offenbar ein Obereigentumsrecht abgeleitet hatten. In dieser Urkunde wird betont, daß Oberst Carl Neveu "sowohl unßerem Gotteshauß selbsten alß den unßrigen im besonderen mit Treu eyfrigster, mehr väterlicher Vorsorg, Beschützung und wohlmeinender Zuneigung, auch Reichung jedesmahls benötigter obrigkeitlichen Hülffhandt ohnablässig beygerhan gewest und guetthätig vorgeholfen". Der Abt versprach dem Landvogt, daß er das Anwesen "als ein recht aigenthumblich und freyes Gueth ruhiglich innehaben, nutzen und nießen, selbiges anderwerths nach Belieben verkaufen, verschenken, vertauschen und in alleweg darmit handeln, thun und lassen mögen als mit anderen dero aigenthumblichen Guetern ...".

Aus der Kaufurkunde geht hervor, daß das Haus im Krieg zerstört und wiederaufgebaut, die Mühle aber noch nicht wieder instand gesetzt war. Die "Blauel* (häufiger Plauel), die noch genannt wird, war eine Hanfreibe, in der die Hanffaser von den holzigen Stengelteilen befreit wurde. Sie befand sich in einer einfachen Hütte mit Wasserrad.

Ein halbes Jahr nach der Erwerbung, am Montag nach Dreifaltigkeit, wurde das Anwesen auf Wunsch Neveus mit Privilegien ausgestattet. Der damalige Lehensinhaber der Herrschaft Staufenberg Freiherr Wilhelm Hermann von Orscelar, der Gründer der Pfarrei Durbach, verlieh mit Zustimmung seines Lehensherrn, des badischen Markgrafen, dem Obersten Carl Neveu auf dessen Wunsch für die Mühle die "Personal- und Realfreiheit und Immunität", d. h. ihr Besitzer war von allen Abgaben und Diensten befreit. Er entrichtete weder die Bede (Grund- und Haussteuer) noch die Schatzung (Kriegssteuer), er leistete weder Fron- noch Wachdienst. Ferner hatte er eigenen Gerichtsstand. Nur Fälle der hohen Gerichtsbarkeit auf seinem Gut kamen vor das Gericht der Herrschaft Staufenberg.

Als Mitglied der Reichsritterschaft Ortenau ließ er das Gut in den Ritterschaftskataster eintragen und bezahlte also nur die Rittersteuer. Die Weilermühle war also ein Freihof. In den Akten erscheint sie als "frey ritterständische Mahlmühle" oder "freiadelige Mahlmühle". Ihrem Besitzer stand das Bürgerholz aus dem Moos- und Hardtwald zu. Im folgenden Jahr, am 13. März 1662, erwarb Carl Neveu de la Folie in Durbach-Weiler noch ein weiteres Gut; es liegt auf den Gemarkungen Durbach und Ebersweier und bestand aus 41 Morgen Ackerfeld und 9 Tauen Wiesen in den Lohmatten, im Mauchenfeld, im Habergäßle, im Hungertal, am Mörgelhäldlein und auf dem Sonderacker sowie aus 18 Haufen Reben am Weilerberg und einer Plauel*, Es brachte eine jährliche Gült von 11 Viertel Weizen, 23 Viertel Korn und 2 "wohlgemästete" Schweine bzw. 30 Gulden. Auch dieses Gut befand sich im 14. Jahrhundert im Besitz der Ritter von Wiedergrün als Lehen der Grafen von Freiburg.

1581 war der Straßburger Bürger Wolfgang Harnister Lehensinhaber. Dessen Sohn, der "Silberarbeiter" Daniel Harnister, verkaufte es vor dem "Einundzwanziger" der Stadt Straßburg Johann Thoman Kaw an den Landvogt Carl Neveu für 265 Gulden. Auf dessen Bitte übertrug Freiherr v. Orscelar die auf der Mühle ruhenden Freiheitsprivilegien auch auf dieses Gut. Da der Besitzer nun auch über Weinberge verfügte, ließ er sich das Recht des Weinschanks geben. Diese beiden Güter, die Mahlmühle und der Meier- oder Rebhof, wuchsen nun zu einer wirtschaftlichen Einheit zusammen, so daß es in der folgenden Zeit schwer war, sie noch zu unterscheiden. Während auf dem Rebhof Bauern aus Ebersweier bzw. Durbach saßen, war die Mühle immer auf neun Jahre an einen Müller verpachtet. Die Windschläger Bauern mußten ihr Getreide in die Weilermühle bringen, während die Durbacher an die Staufenberger Herrenmühle gebunden waren.

Im Polnischen Thronfolgekrieg, in dem die französischen Truppen die Ortenau wiederum gründlich brandschatzten, wurde die Mühle 1734 "abgebrannt". Windschläger Handwerker bauten sie 1737 wieder auf. Der Nordracher Flößer Jakob Oehler lieferte das Bauholz auf den Offenburger "Floz-Angel". Die Mühlsteine kamen aus der Werkstätte des Oberschopfheimer Steinhauers Anton Mark. Der Zimmermeister Joh. Stark aus Bühl erstellte die beiden Mühlgänge. Der Türsturz des Seiteneingangs trägt noch das Datum des Wiederaufbaus: 1737.

Die Exemptionsprivilegien, welche die Freiherren von Neveu auf der Weilermühle genossen - Carls Sohn Franz Michael, ebenfalls Landvogt der Ortenau, wurde 1700 in den österreichischen Freiherrenstand erhoben -, entsprachen der Ordnung des Ritterkantons Neckar-Schwarzwald, dem die Ortenauer Ritterschaft unterstellt war. Diese Ordnung, die 1560 mit Billigung des Kaisers auf dem großen Rittertag in Munderkingen geschaffen worden war, enthielt die Rechte und Freiheiten der nur unter Kaiser und Reich stehenden Ritterschaft, die von allen Lasten territorialherrlicher Art frei sein sollte. Für diese Hilfe hat sich die Reichsritterschaft dem Kaiser gegenüber auch dankbar gezeigt. Neben den Reichsstädten war die Reichsritterschaft die einzige staatsrechtliche Institution, die Reichstreue bewies. Das gebot schon der Wille zur Selbstbehauptung. Aber die politische Entwicklung in Deutschland stand im Zeichen der völlig gefestigten Macht der Fürsten. Ihnen gehörte die Zukunft. Der Untergang des alten Reichs mußte auch das Ende der ritterschaftlichen Privilegien zur Folge haben. In der Zeit der Auflösung des Reichs hatten die Reichsritter nur noch Gegner. Das zeigt auch unser Beispiel.

Die Freiherren von Neveu mußten ihre auf dem Weilergut ruhenden Freiheitsrechte fortgesetzt verteidigen. Obwohl Franz Michael v. Neveu Landvogt der Ortenau, eines vorderösterreichischen Territoriums, war, machte ihm die vorderösterreichische Regierung schon 1693 Schwierigkeiten wegen des Mühlrechts; denn sie fürchtete, daß die Weilermühle der Offenburger Mühle, die vor dem Stadttor auf dem Boden der Landvogtei stand, Mahlkunden abspenstig mache. Der österreichische Kammerrat Schmider in Villingen behauptete, die Weilermühle sei vordem nur eine Plauel* gewesen, Franz Michael v. Neveu habe ohne Genehmigung der Regierung eine Getreidemühle gebaut, zitierte den Müller nach Villingen und befahl ihm, die Mühle in den früheren Zustand zu versetzen. Schließlich ließ er sich doch vom hohen Alter des Mühlrechts überzeugen.

70 Jahre später wurde das Wasserrecht bedroht. Der kurmainzische Kammerherr und hochfürstlich-speyerische Rat Franz Konrad v. Neveu hatte ohnedies Sorge wegen des Wassermangels. Der Durbach, von dem ein kleiner Kanal zur Mühle abgezweigt war, war ein "ohnergiebiger, oft ganz eindorrender Bach", der nur nach starken Regengüssen genügend Wasser führte. Die Mühle stand deshalb oft still. Und nun wollte ein Untertan der Herrschaft Staufenberg, der Durbacher Simon Männle, 1786 oberhalb der Weilermühle eine Plauel* einrichten. Der Protest des Freiherrn v. Neveu hatte Erfolg. Der Bau der Plauel* konnte verhindert werden.

Dann aber mußte sich Franz Konrad v. Neveu zur Wehr setzen wegen der Privilegien. Der Amtmann der Herrschaft Staufenberg ließ keinen Zweifel darüber, daß diese mit dem markgräflich-badischen Staatsgedanken nicht zu vereinbaren waren. Schon 1772 ließ Amtmann Wittum den Freiherrn v. Neveu wissen, daß der Freiheitsbrief von 1661 so zu verstehen sei: Freiherr v. Orscelar habe die Privilegien nur für sich und seine Erben verliehen. Und nun zweifelte die markgräfl.-badische Regierung die Freiheitsrechte in aller Form an. Freiherr v. Blittersdorf, der Amtmann der Herrschaft Lahr-Mahlberg, nahm die Interessen des Amts Staufenberg mit aller Schärfe wahr. Er sprach dem Freiherrn v. Neveu nicht nur die Privilegien ab, sondern verbot dem Müller auch den Weinschank und versagte dem Gutsmeier das Bürgerholz aus dem Moos- und Hardtwald.

Franz Konr. v. Neveu führte Beschwerde bei der markgräflichen Regierung: "Freiherr v. Blittersdorf scheint an mir einen Raub zu begehen", und bat sie um Unterstützung. Als Antwort erhielt er die Aufforderung, die urkundlichen Belege über die auf dem Weilergut ruhenden Gerechtsame vorzulegen. Er meinte, die verlangten Dokumente müßten sich im markgräflichen Archiv befinden. Der Archivar Pehem, dem wir eine Beschreibung der Landvogtei Ortenau verdanken, verneinte dies. Freiherr v. Neveu wurde nun aufgefordert, für das Weilergut die Abgaben und Dienste der Staufenberger Untertanen zu leisten und die Reichs- und Kreissteuern zu entrichten. Seine Meier sollte er veranlassen, die Frondienste zum in Angriff genommenen Kirchenbau in Durbach zu leisten. Im Juli 1789 drohte v. Blittersdorf dem Weilermüller mit einer Gefängnisstrafe, weil er trotz Verbots Wein ausschenkte, gestattete ihm dann allerdings, einem Mahlgast ein Glas Wein zu verabreichen, wenn dieser längere Zeit auf das Mehl warten mußte.

Die politischen Verhältnisse - in Frankreich war inzwischen die Revolution ausgebrochen - verschärften den Streit. Amtmann v. Blittersdorf berichtete seiner Regierung, in der Weilermühle seien aufrührerische Reden geführt worden. Der Müller Sebastian Heidinger wurde zu einer 14tägigen Turmstrafe verurteilt, weil er beim Amt Staufenberg keine Anzeige erstattet hatte. Freiherr v. Neveu stellte sich schützend vor seinen Müller und bat für ihn um Gnade, auch deshalb, weil dessen Frau vor der Niederkunft stand. Eine Bittschrift nach der anderen wanderte nach Karlsruhe. Am 15. Januar 1790 begnadigte Markgraf Karl Friedrich den Müller auf wiederholte Vorstellungen seines Herrn zu einer "Redemptionstaxe" von 4 Gulden. Der Streit um die Privilegien zog sich weiter hin. Im November 1796 legte das Amt Staufenberg auf die Gefälle der Weilermühle Arrest (Sperre) und forderte aufs neue den Beitrag zu den badischen Kriegskontributionen.

Am 17. Dezember kam es zu einer Einigung. Natürlich mußte der Reichsritter nachgeben. Franz Konrad v. Neveu erklärte sich damit einverstanden, daß seine Meier "mit Roß und Wagen", die anderen "Bauleute* mit Handfronen der Gemeinde Durbach dienten. Für die geleisteten Frondienste sollte das Weilergut Anteil am Bürgernutzen aus dem Moos- und Hardtwald haben. Freiherr v. Neveu war nun auch bereit, Kriegskontributionen zu entrichten. Was die Gerichtsbarkeit betrifft, sollte sich nichts ändern. Die Frage des Weinschanks stellte v. Neveu "der angestammten weltkündigen Großmut und Milde seiner Durchlaucht anheim", war aber gewillt, den Maßpfennig, d.h. eine jährliche Pauschale, zu entrichten, wie es in den Nachbargemeinden üblich war. Er versicherte, daß die Durbacher Wirte durch den Weinschank der Weilermühle keinen Schaden leiden würden, weil Wein nur an Mahlgäste abgegeben würde und von diesen fast keiner aus Durbach komme.

Trotz dieses Vertrags blieb das Verhältnis zwischen dem Amt Staufenberg und der freiherrlichen Familie v. Neveu gespannt. Im Juni 1804 klagte die Witwe des Kammerrats Franz Konrad v. Neveu dem kurbadischen Hofratsdirektor v. Stößer, daß das Amt Staufenberg "sie immer den Druck seiner Schikanen durch beständige Neckereien und Besitzstörungen fühlen lasse". Die Umwälzungen der staatsrechtlichen Verhältnisse am Anfang des 19. Jahrhunderts brachten die Entscheidung. Nachdem 1803 die Reichsstädte ihre Reichsunmittelbarkeit verloren hatten, wurde durch Napoleons Armeebefehl vom 19. Dezember 1805 die Reichsritterschaft mediatisiert. Am 10. Juli 1806 erhielt das Amt Staufenberg die Befugnis, "für Kurbaden die Territorialhoheit über die freiherrlich v. Neveuschen Besitzungen in Unterweiler zu behaupten und auszuüben".

Das bedeutete das Ende der Privilegien und die Eingliederung in den badischen Staat. Der Weinschank war von Georgi 1806 bis Georgi 1807 gegen eine Rekognitionsgebühr von 12 Gulden gestattet, dann sollte sich der Freiherr v. Neveu um eine ständige Konzession bemühen, was auch geschah. Nachdem die freiherrliche Familie durch die Mediatisierung auch die öffentlichrechtlichen Befugnisse in Windschläg verloren und Oberforstmeister Franz Anton v. Neveu 1828 durch Testament seines Onkels, des Fürstbischofs Franz Xaver v. Neveu, das Weingut Hespengrund (siehe die beiden Bilder in "Ortenau" 1957, S. 115 und 117; dort auch die fesselnde Geschichte dieses Gutes von G. Rommel S. 112-126. Die Schriftleitung) erhalten hatte, errichtete dieser 1832 das Stammund Majoratsgut. Daß nun das Weilergut und die Weilermühle einen wichtigen Teil des Familienguts bildeten, beweist die Tatsache, daß Franz Anton v. Neveu 1844 die Pfarrkompetenz, d.h. die Verpflichtung, der Pfarrei Windschläg ihren Anteil am Zehnten zu liefern, auf das Weilergut übertrug. Die Zehntablösung, die einige Jahre später erfolgte, beseitigte diese Verpflichtung.

Das Okonomiegebäude und die 1844 errichtete Branntweinbrennerei sind vor vielen Jahren abgebrochen worden. An letztere erinnert noch der Name "Brennereimatte". Der Rebhof aber, in dem einst die Trauben gekeltert wurden, steht noch am Weilerberg. Die Grundstücke sind zum Teil einzeln verpachtet, zum Teil stehen sie im Eigenbetrieb des Besitzers. Der kleine Mühlkanal fließt immer noch durch die Stöcken-Wiesen, aber das alte Wasserrad mußte einer Turbine weichen. Die Mühle befindet sich seit über 40 Jahren im Pachtbesitz der Familie Streif. Die Gaststätte war immer ein Anziehungspunkt für Ausflügler aus Stadt und Land.

Quellen: Familienachiv der Freiherren v. Neveu, Fasc. 264 bis 320. Aufbewahrungsort: Stadtarchiv Offenburg.

*PLAUEL - Ernst Schneider - die Ortenau 1961 - 224/25

Das "Badische Wörterbuch" von Ernst Ochs nennt unter dem Stichwort "Bleuel* (1. Bd., $. 262) u.a. die Bedeutung "Stampfmühle für Hanf und Flachs, mechanische Hanfstampfe" (mhd. bliuwel, ahd. bliuwil m., vielleicht *bliuwila f.). Diese Bedeutung ist jetzt vorwiegend nord-ortenauisch. Ergänzend heißt es, daß solche Plaueln früher an den Wasserläufen fast aller Bauernorte bei Unzhurst standen; um 1884 waren sie altehrwürdige Baracken geworden, etwa 1909 wurde als letzte die Heckenplauel am Laufbach abgebrochen; ein Häuschen, das der Hanfbearbeitung diente, wird 1926 noch in Kork gezeigt 8). Hanfbleuel ist eine Stampfmühle für Hanf. Die Plaueln waren einfache, mit einem Wasserrad versehene Hütten. Dieses Rad trieb einen Wellbaum. Zwei daran befestigte Hebel hoben beim Umdrehen einen Stampfen oder Pfosten, der auf eine Schwelle herabfiel. Auf dieser lag der ungehechelte Hanf. Durch das öftere Herabfallen wurden die holzigen Stengelteile von den Fasern gelöst. Da diese Stampfmühlen meist außerhalb des besiedelten Gebietes standen, konnte die Lage einer Gewann nach einer Plauel benannt werden.


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Schlösschen Wiedergrün - Durbach


Geschichtlich wurde "Wiedergrün" bereits um das Jahr 1280 im Zusammenhang mit dem Geschlecht der "von Staufenberg zu Widergrin" erwähntWiedergrün - Von Josef Werner - Heimatbeilage Durbach vom 12.09.1980

Im Nordwesten des Durbachtales gelegen, erreichen wir den Zinken Wiedergrün über die jetzige Kreisstraße (Nesselrieder Straße, früher Redergasse) von Ebersweier in Richtung Nesselried.

Auf halbem Weg zwischen den beiden Ortschaften führt ein schmaler, befestigter Fahrweg mitten durch saftige Wiesen und Ackerland in ein kleines, reizvolles Tal. Geschichtlich wurde "Wiedergrün" bereits um das Jahr 1280 im Zusammenhang mit dem Geschlecht der "von Staufenberg zu Widergrin" erwähnt. Von diesem Geschlecht der Staufenberger, die wohl schon damals ein Haus im Talgrund hatten, leitet sich auch der Name des Zinkens ab.

Wenn wir vom Westen kommend das Tal durchwandern, führt uns der Weg auch am "Schlösschen" vorbei, an dessen Stelle wohl vor Jahrhunderten das von Wasser umgebene Haus "der Wiedergrin" stand. Heute ist das unter Denkmalschutz stehende Gebäude als modernes Wohnhaus zu sehen, und nur das an der Ostseite eingemauerte Wappen des Abts vom Kloster Allerheiligen, mit der Jahreszahl 1684 zeugt äußerlich von einer großen Vergangenheit. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das ehemalige Wasserschloss weitgehend zerstört und kam dann in den Besitz des Klosters.

Im weiteren Verlauf ist die rechte Talseite zum großen Teil bedeckt von dem sich zum Schloss Staufenberg hinziehenden "Hardtwald". Dieser ehemalige Genossenschaftwald war über Jahrhunderte hinweg von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Herrschaft Staufenberg und Durbach. Heute weist der Hardtwald noch den größten Bestand von Edelkastanien auf, die für einen zünftigen "Gitterlesabend" mit Neuem Wein unerlässlich sind. Entlang des Weges im Wiedergrün befinden sich noch 4 landwirtschaftliche Gehöfte, welche allesamt schon seit mehreren Jahrhunderten dort bestehen, sowie 5 Wohnhäuser aus neuerer Zeit.

Insgesamt 43 Einwohner sind heute im Zinken Wiedergrün zu verzeichnen. Die linke, nordwestliche Talseite wurde in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr mit Reben bepflanzt, die sich nunmehr bis über Höhenrücken hinweg ins benachbarte Nesselried ziehen.

Zum Zinken Wiedergrün gehören folgende Gewanne:

"Hirnbach" (so wird im vorderen Teil auch das dort fließende Bächle genannt) "Hauseck", "Eichholz" und "Sommerhalde".

Wissen Sie jetzt wo "Wiedergrün" liegt? Wenn nicht, dann bietet sich jetzt in der herbstlichen Zeit die beste Gelegenheit zu einer Wanderung in dieses schöne Tal. Sie erreichen den Zinken auch über den sogenannten "Urbansweg" durch den Hardtwald. Das ist der Weg, den die Bewohner des Zinkens bis vor wenigen Jahren als Schul- und Kirchweg benützten. Ein weiterer Weg führte vom Wiedergrüner Schlössle durch den Hardtwald und über den Kirchberg zum schwarzen Kreuz und von dort über einen schmalen Fußweg bis zur Kirche. Die hinteren Anwesen hatten ihre alte Fahrwegverbindung ebenfalls durch den Hardtwald und oberhalb des sogenannten "Kreuzberges" oberhalb des "Schlössle von Neveu" in den Hespengrund.

Schlößchen Wiedergrün - Gemeinde Durbach, Ortsteil Wiedergrün - Herbert L. Müller - die Ortenau 1990 / 211ff.

Schreibweisen: Widirgrin, Widergrin, Widergrien, Wyddergryn

Recht versteckt in einem Seitentale auf der Gemarkung der Gemeinde Durbach liegt das Schlößchen Wiedergrün. Von Durbach über Ebersweier führt ein Sträßchen (K 5305) den Kundigen in Richtung Nesselried. Auf halber Strecke zwischen den Ortschaften kreuzt ein befestigter Weg - ihm folge man in östlicher Richtung, dem Verlaufe des nach Wiedergrün benannten Tales. Schon bald kommt ein Weiler in Sicht, wenige Gehöfte umfassend. Doch meist streifen die Blicke weg von den Gebäuden im Talgrund - sie suchen hoch oben das die Landschaft beherrschende Schloß Staufenberg.

Leider wird darob ein Gebäude übersehen, dessen Geschichte sehr eng mit der des wehrhaften Baues in der Höhe verbunden ist.

Dem aufmerksamen Beobachter fällt auf, daß ein Gebäude sich in seinem Erscheinungsbild sehr von den Höfen in der Nachbarschaft unterscheidet. Es handelt sich um ein eingeschossiges, rechts am Wege liegendes Haus mit mächtigem Walmdach. Zur Talseite hin führt ein Tor mit Rundbogengewände - das seine Entstehung in jüngerer Zeit nicht verhehlen kann - in die Kellerräume. Links darüber, im Zentrum des Gemäuers, findet sich unübersehbar das Wappen des Klosters Allerheiligen. Der Eingang zu den Wohnräumen liegt heute sowohl auf der Ost- wie auf der Südseite, der eine ein großes Tor mit Rundbogen, der andere eine großzügig dimensionierte Pforte.

Die heutige Form verdankt es offenbar einem der vormaligen Besitzer, dem Kloster Allerheiligen, das es 1684 - nach Ausweis der auf dem oben erwähnten Wappen erhaltenen Jahreszahl - auf den Grundmauern des ursprünglichen Gebäudes, traurigen Resten aus den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges, wiedererrichten ließ. Vom Vorgänger blieb immerhin eine recht anschauliche Beschreibung aus einem Kopiar, dato 1348 (Abschrift aus dem 17. Jahrhundert). Objekt eines Kaufvertrages "ist auch der byhel, gelegen in dem wyger (oder wiger, wiwaere, wiher, von lat. vivarium: Weiher) zue Widergrien, und daß hauß, das darauf staht." Die Zuverlässigkeit der Quelle! vorausgesetzt, haben wir es mit einem Wässerhaus zu tun, einem festen, quasi natürlich geschützten Gebäude, eine Form der Anlage, wie wir sie noch im benachbarten Bottenau - der Kolbenstein der Familie Kolb von Staufenberg - und im Durbachtal vermuten dürfen. Mit letzterer ist "daz hüs, daz da heißet der Grol" - so die Beschreibung im Lehnbuch der Markgrafen von Baden von 13812, fol. 6" - der Zorn von Bulach gemeint.

Wer um das Gebäude geht, gewahrt den südöstlich vom Eingang gelegenen Weiher. Im Laufe der Jahrhunderte war er regelrecht kultiviert, vom Hause abgedrängt und zum Fischteich umgewandelt worden, so daß nichts mehr an seine einstige fortifikatorische Verwendung gemahnt.

Über Entstehungszeit, Bauherren und genaueres Erscheinungsbild dieser ursprünglichen Baulichkeiten ist uns nichts weiter überliefert. Staufenberg, Wiedergrün, Kolbenstein, nicht zu vergessen die ebenfalls abgegangene Burg Stollenberg, unweit nordöstlich der ersteren gelegen, bildeten die Zentren der sogenannten Herrschaft Staufenberg.

Zur Geschichte des Geschlechtes und des Anwesens

Die Familie der Wiedergrün ist sicher nicht die älteste der sich die Herrschaft Staufenberg teilenden Familien. Mitglieder der Sippe, die sich nach dem Sitz auf dem gleichnamigen Berg nannte, tauchen schon früher in den Annalen auf; sie rechnet man zur führende(n) und besitzreichste(n) der Ortenau an der Wende zum 12. Jahrhundert. Doch die Besitz- und Abhängigkeitsverhältnisse wechseln. Die Staufenberger dienten sicherlich den Zähringern. Nach deren Aussterben wird die Herrschaft offenbar als Reichslehen 1218 eingezogen. Es folgen die Grafen von Freiburg als Lehnsherren, denen die Ebersteiner. Schließlich, 1366, gelangt der Besitz an die Markgrafen von Baden aus der Zähringer Linie. Diesen dienen auf dem Staufenberg nun mehrere Familien. "Zur mannschaft in der Mortenauwe, die unser vatter selige (i.e. Rudolf VI., gest. 1372) umb grave Egen von Friburg verphante" (d.h., sich durch Pfand sicherte) gehörten nebst den Stauffenberg, den Kolb, den Stoll, Hummel (u. a.) auch die Wiedergrün. Gemein ist ihnen allen, daß sie sich in einer Nutzungs- und Erbgemeinschaft organisierten, die als Ganerbiat bezeichnet wird. Darüber hinaus finden wir die sich selbst als Gemeiner vom Staufenberg bezeichnenden Lehnsleute in einer weiteren Vertragsgemeinschaft, 1474 geschlossen, einerseits, um der Gefährdung durch den burgundischen Landvogt Peter von Hagenbach am Oberrhein, andererseits, um dem wachsenden Druck fortschreitender Territorialbildung, sprich den Begehrlichkeiten der geistlichen und weltlichen Herrschaften begegnen zu können. Es sollten die Anfänge der Ortenauer Reichsritterschaft sein.

Stammsitz der Wiedergrün ist die Burg Wiedergrün, die sie zusammen mit den Staufenberg besitzt. Erste Hinweise auf Träger dieses Namens stammen aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, allerdings ohne das cognomentum von Staufenberg. Manche Anzeichen sprechen dafür, daß die Wiedergrün ihre Wurzeln jenseits des Rheines, in Straßburg haben. Etliche derer von Wiedergrün standen im Dienste dieser Stadt; zwei gar werden als Schultheißen bezeichnet. Der uns interessierende Zweig des Geschlechtes wird 1303 mit Heinrich urkundlich faßbar, hatte demnach erst im 14. Jahrhundert Anteile auf der Staufenberg erworben. Es besaß Bauerngüter, Rebberge, Acker, Wiesen, Gärten, Anteile an Wald- und Gerichtsherrschaft in der näheren Umgebung, in Durbach, Oberkirch, Appenweier, Oppenau, um nur einige zu erwähnen. Dazu gehörte auch die heute noch existierende und dem Laufe der Zeit entsprechend veränderte Weilermühle zu Durbach, deren erster nachzuweisender Besitzer in einer Urkunde von 1328 als Jörg von Wiedergrün genannt wird. Besitzungen sind aber auch für Altenheim, Weier und, eingedenk der möglichen Herkunft, in Straßburg belegt. In einer Phase wirtschaftlicher Schwierigkeiten, zwischen 1340 und 1350, veräußerte die Familie Teile ihres Besitzes. Dabei war auch, entsprechend dem schon oben erwähnten Dokument, zumindest die Hälfte des byhel und des darauf stehenden Baues. Wie Sattler nachweist, haben die Wiedergrün die Krise recht schnell überwinden können.

Die Männer aus der Familie, die wir meist als Edelknechte - selten Ritter - bezeichnet finden, stellen auch in Klöstern der Region den einen oder anderen Würdenträger: Von 1305 bis 1334 waltet Konrad Wiedergrün als Abt von Kloster Murbach; 1390 bis 1414 hat das Kloster Schuttern Friedrich aus demselben Hause zum Abt. Auch eine der Damen kommt zu kirchlichen Würden: fro Dylige von Widergrin ist 1355/56 Priorin der Klause Oberdorf bei Oberkirch. Mitte des 16. Jahrhunderts ist Melchior von Wiedergrün im Besitz sämtlicher Staufenberger Lehen. Wie Eugen Weiß berichtet, hat Melchior auch kurzfristig versucht, ein Bergwerk zur Gewinnung von Brauneisenstein zu betreiben. Eine Reminiszenz an diese Phase ist noch heute im Ritterhausmuseum zu Offenburg zu betrachten, in Gestalt einer Ofenplatte. Die Platte zeigt neben einer Szene aus der römischen Legende noch Jahreszahl (1377), Wappen und Namen des Herstellers. Dabei scheint dieser frühe Unternehmer, um Holz für den Stollenbau zu erhalten, nicht besonders pfleglich mit den Waldbeständen umgegangen zu sein, zum Ärger der Odsbacher Waldgenossen, die deswegen - und mit Erfolg - den Bischof von Straßburg um Hilfe angingen?. Dies ist gleichsam der Höhepunkt und die Peripetie der Geschichte des Geschlechtes gewesen, das mit Philipp Wiedergrün, der 1604 noch einmal genannt wird, erlischt.

Der protestantische Markgraf Ernst Friedrich von Baden-Durlach zog nun das erledigte Lehen an sich. Damit kündigten sich auch für das Amt Staufenberg Veränderungen auf konfessionellem Gebiete an. Noch wagte dieser Markgraf nicht, wider seinen Verpflichtungen beim Kaiser den bei der Bevölkerung offenbar bevorzugten protestantischen Kultus einzuführen. Dies blieb seinem Nachfolger Georg Friedrich vorbehalten, der 1613 u.a. auch das Amt Staufenberg mit einem Seelsorger seiner Konfession versah. Als angemessene Wohnung wurde dem Pfarrer das Schlößchen im Wiedergrün zugewiesen. Doch die Zeit einer protestantischen Gemeinde auf der Gemarkung Durbach blieb nur Episode.

Noch während den Stürmen des Dreißigjährigen Krieges suchte der Markgraf Wilhelm von Baden-Baden den Katholizismus zu restituieren. Hierbei diente ihm zunächst der Baron Karl Heinrich von Orscelar, Freiherr von Oudenguth, der, um seiner in unsicheren Zeiten erwiesenen Treue willen 1632 das Staufenberger Lehen, damit auch Wiedergrün, erhielt. Die Schweden beeilten sich, dem neuen Herrn die Freude an seinem Besitz zu vergällen: Es gab offenbar nichts, was der noch im demselben Jahr wiederholt erfolgenden Brandschatzung hätte entgehen können, so daß nach dem Kriege auch im Tal nur noch die Kellergewölbe des Schlößchens standen. Wilhelm Hermann von Orscelar, der das Lehen seines Vaters übernahm, sorgte sich, wohl entsprechend den Weisungen des Markgrafen, der das in den Friedensverhandlungen zur Fixierung der konfessionellen Grenzen ausgehandelte Normaljahr 1624 zu akzeptieren nicht bereit war, um den "rechten Glauben" der im Amt wohnenden Seelen: 1655 wurde die katholische Pfarrei Durbach eingerichtet. Lokalhistoriker haben, aus welchen Gründen auch immer, vergessen, die dabei von den Protestanten geleistete Vorarbeit entsprechend zu würdigen, die dem Werk Orscelars in Gestalt der seit 1620 bestehenden evangelischen Kirche zugute kam: Das Gebäude bildete die Basis des weitergeführten, aber bis auf den heutigen Tag an derselben Stelle stehenden Kirchenbaus.

Ganz deutlich wird dies, wenn wir nach Wiedergrün blicken. Die Ruine dort war in einer Zeit wirtschaftlicher Not offenbar nicht ohne weiteres in frischen Flor zu setzen. Auch nachfolgende Besitzer, die im Jahre 1677 kamen, vermochten in dieser Hinsicht nichts zu bewirken. Der Lehnsherr veräußerte das Gut an die Erben seines Leibmedicus Kieffer in Straßburg; zwei Jahre später konnte es dann das Kloster Allerheiligen samt zugehörigen Höfen erwerben. Erst jetzt sollte das Gebäude im Wiedergrün in neuem Glanz erstehen, Erholungsort für die Conventualen des Klosters werden, denen zur frommen Pflichterfüllung des Fastens der wiederhergestellte Weiher, aber auch die Trauben der Rebhöfe dienten.

Schließlich, mit der Säkularisation kam das Anwesen wieder in den Besitz des Hauses Baden; Verhandlungen wegen Rückerwerb waren vorher an der Haltung des Klosters gescheitert, das auch mit einer Erstattung des Kaufpreises cum meliorationibus nicht zu gewinnen war. Entsprechend der Gesetzeslage verblieb der größte Teil des Grundbesitzes beim Staat; das Schlößchen aber wechselte 1833 erneut den Besitzer. Seit dieser Zeit hat es verschiedene Herren gesehen, die das ihnen anvertraute Zeugnis der lokalen Geschichte nicht immer zu würdigen wußten. Dies hat sich in jüngster Zeit augenscheinlich und in dankenswerter Weise geändert.

Anmerkungen

1.) Hinweise und Zitat bei Krieger, A., Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden, Bd. 2, S. 1438. Regest und genaue Quellenangabe bei Ruppert, Ph., Regesten des mortenauer Adels, 1. Neuenstein, in: ZfGO 37 (1884), S. 385 - 411, bes. S. 400-1: GLA Staufenberg Copialb. 44 und Allerheiligen Copialb. IT 463. Weitere Hinweise ebenfalls bei Ruppert, Ph., Regesten des mortenauer Adels, 1. Neuenstein (Schluß), in: ZfGO 38 (1985), S. 130 - 56, bes. S. 132. Hier ist vom Burgstadel zu Widergrün die Rede. Das Objekt ist nach Ausweis dieser Quelle (Dat. Baden 1405, GLA Saalbuch des Markgrafen Bernhard von 1410) weder eine in Ruinen liegende, noch gänzlich abgegangene, sondern eine kleinere, auf Verteidigung eingerichtete Burg.

2.) Theil, B., Das älteste Lehnbuch der Markgrafen von Baden (1381), Edition und Untersuchungen, Ein Beitrag zur Geschichte des Lehnswesens im Spätmittelalter, Diss. phil. Freiburg i. Br. 1972 (Veröff. d. Kommission f. gesch. Landesk. i. Bd.-Witbg., R. A, 25).

3.) Zit. nach Weiß, E., Der badische Rebort Durbach in seiner wirtschaftlichen Entwicklung, Karlsruhe i.B. 1911 (Heidelberger Volkswirtschaftliche Abhandlungen, Bd. 1, H. 5). Weiß stützt sich auf eine Relation des Frhr. Carl v. Wöllrath v. J. 1791 an die fürstl. Regierung (Staufenberger Herrschaftsakten); s. S. 29-30, bes. Anm. 30 mit weiteren Verweisen.

Abkürzungen
ZfGO Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins

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