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Sehenswertes in Oberkirch


Die alte große Ortenau theilte sich frühe schon in eine obere und niedere Grafschaft, bei der Ausbildung des mittelalterlichen Territorialwesens aber zerfiel sie mehr nnd mehr in einzelne Gebiethe, deren Anzahl endlich aus etliche zwanzig stieg. Mitten unter denselben lag die Herrschaft Oberkirch, an Umfang die größte und an Verschiedenheit ihrer Gegenden wohl auch die merkwürdigste. Denn von der rauhen Höhe des Kniebis erstreckte sie sich hinab bis in die üppige Ebene von Renchen und in die Tiefe des Korker Waldes; umfaßte also eigentlich das Thal der Rench und dasjenige der Acher mit ihren Nebenthälern , wo bald eine friedlich idyllische, bald eine wild romantische Naturscene den Wanderer überrascht und anzieht.

Die Herrschaft Oberkirch entstund aus einem zäringischen Stammgute, erbte als ein Reichslehen an das Haus Fürstenberg und ward von diesem an das Hochstift Straßburg verkauft, dessen Besizthum sie verbieb bis der Friede von Lüneville ihr Gebieth dem Hause Baden zuschied. Ehevor wir nun in das Alterthum hinaufsteigen, um ihre Anfänge und ersten Schiksale näher zu betrachten, möge uns ein achtbarer Gewährsmann die Zustände schildern, worin sie sich bei jenem Anfalle befunden. (Badenia oder das badische Land und Volk, Karlsruhe 1840 / 219)

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Schauenburg - Oberkirch


Über der Stadt Oberkirch erhebt sich als markantes Wahrzeichen die Schauenburg auf einem Bergvorsprung (397 m ü.d.M.) oberhalb des ehem. Dorfes Gaisbach. Der Name der Burg stammt aus dem Althochdeutschen "scouwon" bzw. dem Mittelhochdeutschen "schouwen" in der Bedeutung von schauen, spähen.Hans-Martin Pillin - die Ortenau 1984 - 204

Stadt Oberkirch (Ortenaukreis), Ortsteil Gaisbach

Über der Stadt Oberkirch erhebt sich als markantes Wahrzeichen die Schauenburg auf einem Bergvorsprung (397 m ü.d.M.) oberhalb des Dorfes Gaisbach, einem heutigen Stadtteil von Oberkirch. Der Name der Burg stammt aus dem Althochdeutschen "scouwon" bzw. dem Mittelhochdeutschen "schouwen" in der Bedeutung von schauen, spähen[1].

Baubeschreibung

Aufgrund des heutigen Zustandes der Burgruine läßt sich ein gutes Bild der bis ins 18. Jahrhundert unversehrten Burg rekonstruieren: Das oblonge Plateau, auf dem die Burg steht, ist von einer 1,5 - 2 m starken Mauer aus Bruchsteinmauerwerk mit Bossenquadern an den Ecken umschlossen (1). Diese Ringmauer ist zugleich die Außenwand der daran anstoßenden Gebäude. Auf der Angriffsseite war die Burg durch eine starke Schildmauer (2) von 3,70 m Stärke geschützt. Sie steht heute noch in einer Höhe von 8,20 m. Zwischen der hohen Ringmauer, die die Gebäudegruppe der Burg umfaßt, und dem Burggraben sind die 2 m dicken Mauern des Zwingers (3) zu sehen (nach Norden und Osten am besten erhalten). An der Nordostecke des Zwingers ist ein bastionartiger, runder Vorsprung (4) erkennbar, der wohl nichts anderes ist, als das öfters ausgebesserte Bollwerk. Zwei weitere Bastionen (5 und 6) von fast fünfeckigem Grundriß liegen nach Norden und Südosten. In dem südöstlichen Bollwerk befindet sich das tonnenförmige Burgverlies, das nur oben einen Zugang hatte und ungefähr 7 m tief ist. Über diesem Verlies befindet sich eine interessante Schießscharte. Im Westen außerhalb des Grabens erkennt man jetzt noch Grundmauern einer Vorburg (7), die hauptsächlich aus Wirtschaftsgebäuden und Ställen bestand. Es sind dort noch viereckige Steinkassetten (50 cm tief und ca. 80 x 80 cm im Quadrat) erhalten. Das Ende dieser Mauer schließt im Norden mit einer großen Schießscharte ab, die der Ostseite zugewendet war, so daß man den Burgweg zur nordöstlichen Ecke mit Schießwaffen bestreiten konnte.

Um die ganze Burg herum zieht sich ein künstlich vertiefter Graben (8). Dieser war früher bedeutend tiefer; er nahm das Regenwasser von den Dächern sowie die Abwässer der gesamten Anlage auf. Nach einer Urkunde von 1405 war der Graben außerdem von einem Bächlein durchflossen. Dieses Bächlein wird in Gefahrenzeiten auch den Graben zusätzlich mit Wasser gefüllt haben.

Grundriss der SchauenburgEin zweiter Zwinger bzw. Wall war um den Burggraben herum angelegt; von dessen Mauern sind heute noch Spuren im Südwesten (9) und Nordwesten (10) zu finden. Von Süden gelangt man zum Burgtor (11). Wenn man früher dieses Tor durchschritten hatte, befand man sich vor der Zugbrücke (12), die zudem merkwürdigen Brückenbau (13) in den oberen Zwinger hinüberleitete. Dieser Brückenbau schob sich vom oberen Zwinger aus in den Graben hinein. In seinem Untergeschoß betrat man eine Art Wachtstube mit schmalem Türschlitz und liegenden Scharten. Dahinter lag ein längerer, oben durch Fenster erhellter Raum. Die Zugbrücke kann wohl erst über diesem Kellergeschoß angelegt gewesen sein. Hier waren die Mauern des Baues von Wehrgängen begleitet, die auf Rundbogen ruhten. Unter dem Rundbogenfries der Westseite beobachtet man einen Entlastungsflachbogen. Da der zweite Zwinger, in den dieser Bau führte, etwa 7 m unter dem oberen Burgniveau lag, muß eine Treppenanlage zu dem nahen Torhaus emporgeführt haben (14).

Die Gebäudegruppe innerhalb der Ringmauer bestand aus mehreren Einzelgebäuden. Der nordwestliche Wohnturm (15), ein unregelmäßiges Viereck von ungefähr 8x7 m innerer Weite und bis zu 2m dicken Wänden, zeigt noch die Einteilung in 5 Stockwerke. Das Kellergeschoß wurde nach Westen und Norden mit schlichten Lichtluken erbaut. Im zweiten Geschoß, das wahrscheinlich zu Wirtschaftszwecken gedient hat, sind ebenfalls Lichtluken angebracht worden. An der Südwand befindet sich noch eine größere verputzte Fläche; in ihr sind Treppenstufen erkennbar, die zur Eingangstür des Gebäudes im Stockwerk darüber führten. Dieses Stockwerk und die beiden darüber gelegenen dienten ausschließlich zu Wohnzwecken. Alle drei mit Wohnräumen ausgestatteten Stockwerke hatten nach Westen je ein großes Fenster, neben denen jeweils ein Doppelspitzbogenfenster mit Sitzen angebracht war (im 3. und 4. Stockwerk sind sie noch vollkommen erhalten). Über dem 3. und 4. Stockwerk kann man an der Süd- und Nordwand einen Gurt als Auflager der Balken erkennen, an der Nordwand des 3. Stockwerkes eine spitzbogige Eingangstür, zu der man mittels einer Holztreppe gelangen konnte. In der Nordwand des 3. Stockes hatte man Konsolen angebracht. Neben ihnen führte eine Türe zu einem Abort. In der Westwand dieses Stockwerkes befinden sich wieder Konsolen bzw. Spuren für den Mantel des Kamins, dessen Schlotreste in der Wand darüber erkennbar sind. Auch das 4. Stockwerk zeigt in der Nordwand Konsolen und die Reste eines Doppelfensters. Im 5. Stockwerk schließlich führt in der Westwand eine Türe ins Freie; vielleicht öffnete sich diese Türe zu einem Wehrgang.

Das Gebäude, das an den nordwestlichen Wohnturm stieß (16), ist nur noch in den Resten des Erdgeschosses erhalten. In seiner Westwand hat es 5 Lichtluken, die außen rundbogig sind, während die nach innen sich stark verbreiternde Schartennische spitzbogig geschlossen ist. Mauerreste teilen von diesem Gebäude einen größeren Raum ab. Von diesen Lichtluken oder Schießscharten konnte das westliche Tor (7) bestrichen werden.

Vom südwestlichen Wohnturm (17) sind nur noch die untersten Mauern erkennbar, die vermutlich das Kellergeschoß darstellen. Hier fällt die Schießscharte gegen den Brückenbau auf. Den hier ursprünglich stehenden Turm hat nach einer handschriftlichen Notiz auf einem Stich der Schauenburg, der sich im Oppenauer Heimatmuseum befindet, Grimmelshausen wegen Baufälligkeit abtragen lassen. Das Material wurde mit ziemlicher Sicherheit zum Bau des Neuen Schlosses in Gaisbach verwendet.

Der heutige Torbau (14) ist sicher das Ergebnis mehrerer Umbauten. Seine Wände bestehen aus Bruchsteinmauerwerk. Die unversehrt gebliebene Fortsetzung der Westund Ostmauern des Tores deutet auf einen weiteren Torweg oder einen kleinen Vorhof hin. Daß dieses Torhaus bzw. Gebäude nicht in seiner ursprünglichen Form erhalten ist, wird durch einen Schlußstein mit der Jahreszahl 1821 bewiesen. Ob sich hier auch wirklich der Eingang in die Burg befunden hat, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, da sich auch an der Nordostseite vermutlich ebenfalls ein Eingang befand (18). Hierüber können jedoch nur Grabungen einen letzten Aufschluß geben. Nördlich des Torbaues (14) befinden sich die Reste des runden Brunnens (19), die vor einigen Jahren freigelegt wurden.

Der südöstliche Wohnturm (20), der sogenannte Volmarsturm, ist der besterhaltene Teil der Burg. Wie die Formen dieses Turmes zeigen, ist er nach dem Nordwestturm errichtet worden. Dessen Gewände sind nicht aus Granit wie beim Nordwestturm, sondern ausschließlich aus Sandstein. Das Kellergeschoß dieses Turmes ist noch nicht völlig ausgegraben worden. Ein Mauerabsatz an der Nord- und Ostwand trug dessen Balkendecke. Diese Deckenkonstruktion beobachten wir übrigens auch bei den übrigen Stockwerken. Der 2. Stock weist nur nach der Außenseite der Burg zwei einfache, schlitzartige Schießscharten auf. Im 3. Stock befand sich der wohl durch Holztreppen vom Burghof aus zu erreichende spitzbogige Eingang. In der Südaußenwand kam das Tageslicht durch zwei Doppelspitzbogenfenster in die Wohnräume. Nebendiesen Wohnräumen führte eine kleine Tür über einen Steg zur äußeren Zwingmauer. In der Westwand des 3. Stockes ist noch das Loch für einen Balken (möglicherweise Durchzugbalken) erkennbar. Im 4. Stock befand sich allem Anschein nach ein Prunksaal, der in zwei dreifachen Spitzbogenfenstern nach Süden schaute. In ihren Seitenwänden waren einfache Sitzbänke eingebaut. Viereckige kleine Konsolen, die teilweise mit skulptierten, früher wohl bemalten Schildchen versehen sind, hat man zu den Seiten jedes Fensters als Balkenträger angeordnet. Anzeichen sprechen dafür, daß dieser Prunksaal eine gewölbte Holzdecke hatte. In der Westwand des Baues ließen sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch größere Verputzreste feststellen, die heute kaum mehr erkennbar sind. In dieser Wand kann man auch den Beginn eines Kamins und eine Tür erkennen, die wohl zu einem Abort führte. Das 5. Stockwerk, das ebenfalls Wohnräume enthielt, öffnet sich nach Süden in zwei spitzbogigen Doppelfenstern und nach Westen in einer kleinen Lichtluke. In der Nordwand des 5. Stockes sind noch die Spuren einer Treppe zu beobachten, die auf zwei Konsolen und backsteinummauert zur Plattform bzw. zum Wehrgang emporführte. In diesem Zusammenhang sei vermerkt, daß in diesem Turm die häufige Verwendung von Backsteinen bei den Fensterflachbögen und an anderen Stellen auffällt.

Ein kleineres Gebäude (21) - man sieht noch den Ansatz des nach der Hofseite zu schräg abfallenden Daches - lag zwischen dem südöstlichen Wohnturm und der Mantelmauer (2).

Im Gebäude an der Ostmauer befand sich ehemals die Burgkapelle St. Ulrich (22). Eine Wendeltreppe mit einer elegant geschwungenen Spindelbasis führte zu ihr hinauf. Die Abmessungen des Kapellenraumes ergaben, daß er eine Fläche von ungefähr 4 x 7,5 m hatte. Die erhaltenen Konsolen und Rippenanfänger ermöglichen die Rekonstruktion des Inneren dieser Kapelle. Ein Steinfragment mit einem kielförmig endenden spitzen Kleeblattbogen dürfte sicherlich zu einer Sakramentsnische gehört haben. Ein Stück eines Fensterpfostens läßt auch die Fenster, jedoch nicht den Ort ihrer Anbringung erkennen. Ein aus der Schildmauer herausgehauener, kleiner viereckiger Raum diente als Chor.

An der Nordmauer ist man bei Ausgrabungen auf eine Anzahl von Kellerräumen (23) gestoßen. In den größten dieser Kellerräume, der ein Tonnengewölbe hat und Spuren einer Mauerteilung aufweist, führt eine Rundbogentür mit abgefaßtem Gewände und Treppen. Östlich von diesem Kellerraum liegt ein kleinerer Vorkeller, westlich von ihm ein größerer Kellerraum und daneben wieder ein kleinerer Keller ohne eigenen Ausgang. Letzterer war nur durch ein Loch von dem größeren Keller zu erreichen; er dürfte vielleicht als Gefängnis gedient haben. Wie das Gebäude aussah, das sich über diesen Kellerräumen erhob, läßt sich nicht feststellen. Vermutlich waren es die in den Urkunden erwähnte Gastwirtschaft und Burgschmiede.

Bodo Ebhardt hat im Jahre 1901 aufgrund des vorhandenen Baubestandes den Versuch unternommen, eine Rekonstruktion des ungefähren Aussehens der Schauenburg während ihrer Blütezeit im 14./15. Jahrhundert darzustellen. Diese Rekonstruktion scheint etwas zu monumental geraten zu sein; grundsätzlich aber wird die Schauenburg in etwa so ausgesehen haben.

Der eindrucksvollen Ruine der Schauenburg gilt das besondere Interesse des 1974 gegründeten "Fördervereins zur Erhaltung der Ruine Schauenburg e.V.". In erster Linie ist es seinen Initiativen zu verdanken, daß in den letzten Jahren umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen an der Burgruine durchgeführt
wurden.

Baugeschichte

Wenden wir uns nach der Beschreibung der erhaltenen Bauteile nunmehr der Baugeschichte der Schauenburg zu. Die Anfang des 20. Jahrhunderts aufgekommene Vermutung, daß auf dem Burghügel schon eine prähistorische Siedlung bestand, konnte bis heute nicht erhärtet werden. Die Vermutung kam wohl deshalb auf, weil auf der Burg ein Steinbeil gefunden und der Bereich um die Burg bis vor einigen Jahrzehnten "Heidenbuckel" genannt wurde. Es wurden auf der Burg auch römische Funde gemacht, die jedoch als mittelalterliche Mitbringsel zu werten sind. Für einen römischen Ursprung der Burg lassen sich demnach ebenfalls keine Anhaltspunkte finden, wenngleich die südöstlichen Grundmauern eine gewisse Ähnlichkeit mit römischer Steinlagerung erkennen lassen[3].

Als Bauherr ist Herzog Berthold II. von Zähringen (f 1111) belegt, der den Auftrag zur Errichtung dieser Burg wohl in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts gegeben hatte. Der Herzog hatte diesen Platz sicher deshalb gewählt, um von dort aus die wichtige West-Ost-Verbindungsstraße durch das Renchtal über den Kniebis nach Württemberg kontrollieren zu können. Schriftliche Zeugnisse, die uns Aufschluß über die Entstehung und das ursprüngliche Aussehen der Burganlage geben könnten, stehen leider nicht zur Verfügung; auch aus dem 12. und 13. Jahrhundert, der bedeutendsten Bauzeit für die Schauenburg, sind über die Burganlage keine nennenswerten Anhaltspunkte überliefert; über die Existenz von Bewohnern der Burg sind allerdings schon aus dieser Zeit schriftliche Zeugnisse festzustellen. Auch die Hinweise auf Baumaßnahmen des 16. und 17. Jahrhunderts sind nicht so detailliert, daß man sich ein klares Bild vom Aussehen der Burganlage machen könnte; in einem dieser Dokumente aus dem Jahre 1541 ist nämlich nur die Rede von "des Junkern seligen angebawen"; und der zweite Hinweis vom Jahre 1659 besagt lediglich dies, daß die Schauenburger gegenüber ihren Lehnsherren die Verpflichtung übernommen hätten, den zerfallenen Teil der Schauenburg mit dem neuen, 1614 erstellten Bau zu ersetzen[4].

Eine präzise Antwort kann auch nicht auf die Frage gegeben werden, wann und durch wen die Schauenburg zur Ruine wurde. Unhaltbar ist die mehrfach vertretene Auffassung, die Schauenburg sei im Jahre 1689 zusammen mit der Stadt Oberkirch durch die Soldaten Ludwigs XIV. zerstört worden. Dagegen spricht einmal, daß sich in der kurz nach 1689 angelegten Liste über die zerstörten Gebäude des Amts Oberkirch[5] keine Mitteilung über die Zerstörung der Schauenburg befindet; sodann spricht dagegen ein Gerichtsprotokoll aus dem Jahre 1695, in dem es heißt, 1693 sei die Schauenburg bei einem erneuten Einfall des Feindes Kaserne gewesen, und französische Soldaten hätten darin gelagert[6]. Zur Ruine wurde die Schauenburg frühestens im Jahre 1703 und spätestens im Jahre 1731: 1703 wurde nämlich noch Korn auf die Burg geschafft, um es dem Zugriff der erneut im Kriege stehenden Soldaten Frankreichs und des Deutschen Reichs (= Spanischer Erbfolgekrieg 1701-1714) zu entziehen, und im Jahre 1731 wird die Schauenburg erstmals als "völlig in Ruinen" liegend bezeichnet[7]. Wer in diesem Zeitraum die Schauenburg, die schon im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) einiges abbekommen hatte, zur Ruine werden ließ, die kriegführenden Parteien oder das Desinteresse der Familie von Schauenburg an der baulichen Instandhaltung und Erneuerung der Burg, entzieht sich unserer Kenntnis. Den heutigen Zustand bekam die Ruine der Schauenburg unter anderem auch dadurch, daß im 18. und 19. Jahrhundert die Burg zum Steinbruch für die anwohnende Bevölkerung wurde. Daß die Burganlage nicht völlig dem Erdboden gleichgemacht wurde, verdanken wir dem Freiherrn Emil von Schauenburg, der das Abtragen der Burg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts endgültig untersagte, eine Beihilfe des Staates zur Erhaltung der Ruine anforderte und auch erhielt sowie umfassende Konservierungsmaßnahmen vornehmen ließ[8].

Die Burgherrschaft

Zur Geschichte der Burgherrschaft sind folgende Sachverhalte erwähnenswert: Als Luitgard, die Tochter Herzog Bertholds II. von Zähringen, den Grafen Gottfried von Calw (1075-1133) heiratete, befand sich die Schauenburg unter ihrem Heiratsgut[9]. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor, Gottfried II. von Calw, Luitgard und Uta, die Stifterin des Klosters Allerheiligen. Uta, die um das Jahr 1130 Herzog Welf VI., den jugendlichen Bruder Heinrichs des Stolzen, des Herzogs von Sachsen und Bayern, heiratete, sollte Alleinerbin des elterlichen Vermögens und Besitzes und damit auch Eigentümerin der Schauenburg werden und zwar deshalb, weil ihr Bruder dem Vater im Tod vorangegangen war und ihre Schwester Luitgard wegen ihrer nicht standesgemäßen Ehe jegliche Erbansprüche aufgeben mußte[10].

Utas Vetter, Graf Adalbert V. von Calw und Loewenstein, und Utas Oheim, Konrad von Zähringen, erhoben Einspruch dagegen, daß mit dem Tod der Eltern Utas der gesamte Calwsche Besitz und die von Luitgard von Zähringen mitgebrachte zähringische Mitgift auf das Welfengeschlecht übergehen sollten. Herzog Konrad von Zähringen zog deshalb im Jahre 1133 mit Heeresmacht vor die Schauenburg und belagerte sie. Konrad gelang es aber nicht, die Burg einzunehmen, besonders deshalb nicht, weil Kaiser Lothar, der den Zähringern und den Welfen durch gleiche Interessen verbunden war, sofort auf den Plan trat und Herzog Konrad dazu veranlaßte, die Belagerung der Schauenburg zu beenden[11]. Es muß daraufhin zu einem Vergleich gekommen sein, denn als Herzogin Uta, die zeitweise auf der Schauenburg lebte, in hohem Alter um das Jahr 1197 starb, fiel die Schauenburg mit allen dazugehörigen Besitzrechten nicht wieder in die Hände der Herzöge von Zähringen zurück, sondern kam auf dem Erbweg in den Besitz des Grafen Eberhard von Eberstein, des Vetters der Herzogin Uta von Schauenburg[12]. Von diesem Zeitpunkt an bis zum Aussterben des Grafengeschlechts von Eberstein um das Jahr 1660 war die Schauenburg Eigentum der Grafen von Eberstein, welche die Burg mit ihrem Zubehör jeweils als Lehen ausgaben.

Lehensträger der Burg und der dazugehörigen Besitzungen, zu denen das Dorf Gaisbach zählte, wurde das seit dem 12. Jahrhundert nachweisbare Dienstmannen- oder Burgmannengeschlecht, das sich nach dem Namen der Burg von Schauenburg nannte. Möglicherweise war schon der älteste, zwischen 1120 und 1150 urkundlich erwähnte Angehörige der Familie von Schauenburg, ein gewisser Rudolfus miles de Scowenburc, ein auf der Schauenburg tätiger Dienstmann gewesen[13]. Die Familie von Schauenburg muß allem Anschein nach schon im 12. Jahrhundert in großem Ansehen gestanden haben. Dies geht einmal daraus hervor, daß dieser Familienname mehrfach in zähringischen Urkunden auftaucht. Vermerkt sei in diesem Zusammenhang, daß Ende des 19. Jahrhunderts der Versuch gemacht wurde, die Abstammung der Familie von Schauenburg vom Mannesstamme des Zähringer Herzoghauses anhand des Schauenburger Wappens nachzuweisen[14]. Zum andern spricht für das hohe Ansehen der Schauenburger, daß einige Mitglieder dieser Familie bereits im 12. Jahrhundert einflußreiche Ämter und Stellungen innehatten. Der in der Stiftungsurkunde des Klosters Allerheiligen erwähnte Friedrich von Schauenburg beispielsweise war kaiserlicher Landvogt im Elsaß und königlicher Ministeriale[15].

Hohe politische, kirchliche und militärische Ämter bekleideten auch in späterer Zeit Träger des Namens von Schauenbure. Ihren Ruf und ihren Einfluß konnten die Schauenburger nicht zuletzt dadurch vergrößern, daß sie unter anderem Lehensträger des Reichs, der Markgrafen von Baden, der Bischöfe von Straßburg, der Grafen von Eberstein und Freiburg wurden[16].

Geringe Geltung verschaffte sich die Familie von Schauenburg im Mittelalter jedoch durch ihre Eigengüter, denn zu dieser Zeit waren die Besitzungen der Schauenburger nicht zahlreich und nur über einen kleinen Raum verteilt. Im Westen und Südwesten der Schauenburg reichten sie nur wenig über die 7,5-Kilometer-Zone hinaus[17].

Die Familie von Schauenburg zerfiel, nachdem wohl schon im 13. Jahrhundert die Höfinger, wahrscheinlich auch die Kalwe als Gliedfamilien absplitterten, im 14. Jahrhundert in mehrere Linien. Am Ende des 15. Jahrhunderts schließlich spaltete sich das Geschlecht auf Dauer in zwei große Linien, die Ulrich-Dieboldsche oder Herlisheimer Linie, die mit Reinhard, und die Luxemburger oder Harthartsche Linie, die mit Friedrich ihren Anfang nahm[18].

Die Vertretung der gesamten Familie von Schauenburg stand dem Baumeister und dem Senior zu. Der Baumeister wurde dem Burgfrieden vom 14. 11. 1433[19] zufolge von allen erwachsenen Mitgliedern der Familie durch Mehrheitswahl in sein Amt berufen. Senior der Schauenburger war jeweils der älteste des Geschlechts. Wie die Befugnisse der beiden angegrenzt waren, läßt sich nicht genau feststellen.

Seit dem Jahre 1474 waren die Schauenburger Mitglieder der freien Reichsritterschaft in Schwaben, und im Jahre 1654 wurde das Geschlecht von Schauenburg in den Reichsfreiherrenstand erhoben, nachdem zuvor Christoph und Hans Reinhard von Schauenburg in Wien beim Kaiser um die Immatrikulation der Schauenburger in den Reichsfreiherrenstand nachgesucht hatten[20], Die beiden Antragsteller führten dabei die ruhmreiche Tradition der Schauenburger und die Verdienste einzelner Familienmitglieder, besonders die des Generals Hannibal von Schauenburg, ins Feld.

Die Schauenburg wurde als Stammsitz des Geschlechtes von Schauenburg eine sogenannte Ganerbenburg, d.h. eine Burg, die vom Lehnsherrn an mehrere Mitglieder der Erbengemeinschaft der Familie von Schauenburg zu gemeinsamem und ungeteiltem Besitz verliehen wurde. Die vertragliche Grundlage für die Ganerben (mhd. ge-anerbe = Miterbe) oder Gemeiner, wie sie auch genannt wurden, bildete jeweils der Burgfrieden, der die gemeinsamen Rechte und Pflichten der Ganerben regelte. Die Ganerben der Schauenburg wohnten nicht dauernd in ihrem Burgteil auf der Schauenburg, sondern zogen es vor, besonders seit dem 15. Jahrhundert, sich in Städten, vor allem in der Stadt Oberkirch, Häuser zu kaufen oder zu erbauen und sie als Dauerwohnsitz zu beanspruchen. In Oberkirch forderten die Adiigen von Schauenburg für sich und ihre Bediensteten über mehrere Jahrhunderte hinweg immer wieder gewisse Vorrechte, wie das Recht auf Steuerfreiheit und die Entbindung vom herrschaftlichen Treueid. Bernhard von Schauenburg begründete um die Mitte des 16. Jahrhunderts den Anspruch auf Vorrechte u.a. mit dem Hinweis, die Schauenburger "seyen freye edelleute deß reichs"[21].

Literatur:

B. Ebhardt, Deutsche Burgen, 1901; Familiengeschichte der Reichsfreiherrn von Schauenburg, bearbeitet von R. v. Schauenburg, hg. v. B. v. Schauenburg, 1954;
E. Krebs, Frau Uta, Herzogin von Schauenburg, in: Ortenau-Sonderheft 1915 - 1918, S. 38-62;
W. Möller, Genealogische Untersuchungen zur Geschichte der Schauenburg, in: ZGO 78/1926, S. 515-526;
H.M. Pillin, Oberkirch. Die Geschichte der Stadt von den Anfängen bis zum Jahre 1803. 1975;
Ph. Ruppert, Regesten des Mortenauer Adels, in: ZGO 39/1885, S. 83-180;
H.P. Sattler, Die Ritterschaft der Ortenau in der spätmittelalterlichen Wirtschaftskrise, in: Ortenau 42/1962, 44/1964, 45/1965;
B. v. Schauenburg, Die Ruine Schauenburg, in: Ortenau 21/1934, S.
259 - 270; M. Wingenroth, Ruine Schauenburg, in: Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg. Tübingen 1908, S. 157-177.

Anmerkungen:

1.) vgl. B. v. Schauenburg, Die Ruine Schauenburg, in: Ortenau 21/1934, S, 259-270.
2.) vgl. H.M. Pillin, Oberkirch: Die Geschichte der Stadt von den Anfängen bis zum Jahre 1803. Lahr 1975, S. 260-268.
3.) vgl. B. v. Schauenburg, Die Ruine Schauenburg ... ., S. 259.
4.) vgl. M. Wingenroth, Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg. 1908, S. 164- 166.
5.) Archives Departementales du Bas-Rhin, Strasbourg, (ABR) 1 G 141.
6.) Familiengeschichte der Reichsfreiherrn von Schauenburg, bearbeitet von R. v. Schauenburg. 1954, S. 135.
7.) B. Ebhardt, Deutsche Burgen (X1.: Schauenburg). 1901, S. 194.
8.) vgl. M. Wingenroth, Die Kunstdenkmäler ... ., S. 166.
9.) E. Heyck, Geschichte der Herzöge von Zähringen. 1891, S. 221.
10.) E. Krebs, Frau Uta, Herzogin von Schauenburg, in: Ortenau-Sonderheft 1915- 1918, S. 40.
11.) Ph. Ruppert, Regesten des Mortenauer Adels, 2: Die von Schauenburg, in: ZGO 39/1885, S. 104, Nr. 4.
12.) E. Krebs, Frau Uta..., S. 60/61.
13.) A. Krieger, Topogr. Wörterbuch des Großherzogtums Baden, Bd. II. 1905, Sp. 817 nach WUB II, S. 417.
14.) W. Möller, Genealogische Untersuchungen zur Geschichte der Schauenburg, in: ZGO 78/1926, S. 515, Nr. 4.
15.) J.D. Schöpflin, Alsatia diplomatica I, 1772, Nr. 363, S. 306-307.
16.) H.P. Sattler, Die Ritterschaft der Ortenau in der spätmittelalterlichen Wirtschaftskrise, in: Ortenau 42./1962, S. 236-237.
17.) Ph, Ruppert, Regesten .. ., S. 168, Nr. 272.
18.) Näheres dazu: Familiengeschichte der Reichsfreiherren von Schauenburg . . ., S. 63, S. 126 ff.
19.) Familiengeschichte der Reichsfreiherren von Schauenburg . . ., S. 149-150.
20.) Ph. Ruppert, Regesten .. ., S. 168, Nr. 272.
21.) GLA 215/124.

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Schloss Gaisbach - Oberkirch


Das eigentliche Schloß, der frühere Obere Hof, ist imponierend im neugotischen Stil seit 1870 mit zwei Flügeln erbaut. Im Gartensaal wurden verschiedenste Altertümer aus Gaisbach und Oberkirch eingebautDas Schloß Gaisbach - Dieter Kauß - die Ortenau 1984 - 202

Stadt Oberkirch (Ortenaukreis), Ortsteil Gaisbach.

Das im Tal des Gaisbaches gelegene Schloß ist Eigentum der Familie der Freiherren von Schauenburg.

Der heutige Schloßbereich in Gaisbach besteht gemäß seiner geschichtlichen Entwicklung aus zwei Hälften: Das Untere Haus ist schlicht, unscheinbar, niedrig. Ihm angeschlossen ist das Trotthaus aus dem 17. Jahrhundert mit Freskenmalerei. Eine buntbemalte Holzsäule im Renaissance-Stil trägt das Gebälk. Der Turm neben dem Unteren Tor war vielleicht das alte Ortsgefängnis.

Das eigentliche Schloß, der frühere Obere Hof, ist imponierend im neugotischen Stil seit 1870 mit zwei Flügeln erbaut. Im Gartensaal wurden verschiedenste Altertümer aus Gaisbach und Oberkirch eingebaut. Der Festsaal besticht durch seine komplette neugotische Möblierung.

Die Geschichte des Schlosses Gaisbach reicht bis in das 13. Jahrhundert zurück, seitdem ein Gutshof der Schauenburger in Gaisbach bezeugt ist. Hier hat sich das Geschlecht wohl im 15./16. Jahrhundert niedergelassen, weil die Schauenburg als Wohn- und Aufenthaltsort nicht mehr attraktiv genug war.

So besaß etwa Karl von Schauenburg im Jahre 1655 hier ein "adelig Haus", auf das sich die Schauenburgische Familie 1659 die Unterhaltspflicht für die Höhenburg übertragen ließ.

Im 16. Jahrhundert trennte sich das Geschlecht der Schauenburger in zwei Linien. Während der auswärtige Grundbesitz und der Burgwald geteilt wurden, blieben die Schauenburg selbst und die grundherrschaftlichen Rechte in Gaisbach gemeinsames Gut. Der Hof in Gaisbach wurde jedoch durch eine Mauer getrennt, so daß in der Folgezeit ein Oberer Hof - das Schloß - und ein Unterer Hof - das Untere Haus - entstanden. Im Jahre 1713 muß ein entscheidender Umbau des Schlosses stattgefunden haben, denn Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen, der hier von 1649 bis 1660 Schauenburger Schaffner war, hatte dieses Gebäude anders beschrieben.

Im Jahre 1869 schließlich erwarb Emil Freiherr von Schauenburg (1826-1908) von seinem Vetter Hannibal das Untere Haus und begann ab 1870 einen Umbau des Schlosses in großzügiger neugotischer Form. Dieser Umbau muß damals reizvoll genug gewesen sein, daß hier am 30. September 1875 Kaiser Wilhelm I., Großherzog Karl Alexander von Sachsen = Weimar = Eisenach und Großherzog Friedrich I. von Baden mit ihren Gattinnen zu Besuch waren.

Freifrau Bertha von Schauenburg über Schloss Gaisbach arrowRight

Literatur:

B. v. Schauenburg, Das Schloß Gaisbach, in: Ortenau 21/1934, S. 270-272;
H.-M. Pillin, Oberkirch. Die Geschichte der Stadt von den Anfängen bis zum Jahre 1803. Oberkirch 1975, S. 91, 244, 281/282;
ders., Oberkirch. Die Geschichte der Stadt in großherzoglich-badischer Zeit 1803-1918. Oberkirch 1978, S. 48, 322/323.


Im August 1649 heiratete Grimmelshausen in Offenburg Catharina Henninger und zog mit dieser nach Gaisbach in's Renchtal, wo er als Schaffner der Grafen von Schauenburg arbeitete. Zu seiner Arbeit gehörte auch das Wirten im Silbernen SternDer Schriftsteller Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen wurde um 1622 in Gelnhausen bei Frankfurt geboren. Er wurde früh Halbwaise, da sein Vater starb, noch bevor Grimmelshausen zur Schule ging. Er lebte bei seinem Großvater und besuchte in Gelnhausen die Lateinschule.

Früh schloss er sich einem Tross an und zog in den Kriegsjahren durch die Lande. 1639 wurde er Soldat beim kaiserlichen Obristen Hans Reinhard von Schauenburg. Rasch stieg er zum Kanzleischreiber desselben auf.

Im August 1649 heiratete Grimmelshausen in Offenburg Catharina Henninger und zog mit dieser nach Gaisbach in's Renchtal, wo er als Schaffner der Grafen von Schauenburg arbeitete. Zu seiner Arbeit gehörte auch das Wirten im Silbernen Stern, welcher noch heute den Schauenburgern gehört.

Aus dieser Zeit erzählt uns Freifrau Berta von Schauenburg in "die Ortenau 1953 - 212/13" einige kurze Anekdoten.

Mit dem Namen "Schaffner" werden im 17. Jahrhundert die Verwalter der grundherrlichen Herrschaftsbezirke bezeichnet. Ob dieser Ausdruck vom Herbeischaffen der damals meist in Naturalien geschehenen Pachten herrührt, ist fraglich. Die Funktion eines Schaffners war viel weitergehend als die eines Gutsverwalters. Er hatte Prozesse für seinen Herrn zu führen und zusammen mit dem Schultheiß des Dorfes zu Gericht zu sitzen. Daß ein solcher Mann als Mittelglied zwischen dem Adel und dem Volke viele Erfahrungen sammeln konnte, liegt auf der Hand. Auch in dem kleinen ritterschaftlichen Bezirk Gaisbach bei Oberkirch sind seit Anfang des 17. Jahrhunderts solche Schaffner bestätigt, und von diesen werden in den alten Chroniken viele heitere, aber auch manch ernste Stücklein erzählt.

1. Joh. Jak. von Grimmelshausen

Der bekannte Dichter des 17. Jahrhunderts war am Ende des Dreißigjährigen Krieges Regimentsschreiber des Offenburger Kommandanten Hans Rheinhard von Schauenburg. Dieser hat Grimmelshausens Talent entdeckt und ihn zuerst in seiner Regimentsstube beschäftigt und dann zu seinem Schaffner in Gaisbach gemacht. Daß Grimmelshausen ein ulkiger Kauz war, enthüllt sich in seinen satirischen Schriften, die ihn unsterblich gemacht haben. In seinem ewigwährenden Kalender erzählt der Dichter von einem Wirt, der Pferdehandel trieb. Auch Grimmelshausen hat nachweislich als schauenburgischer Verwalter mit Pferden gehandelt. Von jenem Wirt wird weiter berichtet, daß er verdächtigt war, Wasser in seinen Wein gemischt zu haben, wonach seine Nachbarn ein probates Mittel anwendeten. Sie streuten nämlich ganz fein geschnittenes Stroh in den Pumpbrunnen, und siehe da, am nächsten Tag fand sich dieses in den Weingläsern des Wirtes.

Grimmelshausen hat zwar einen solchen Streich nicht ausgeführt, denn dazu war er ein viel zu guter Geschäftsmann. Dagegen dürfte folgendes Geschichtchen aus seiner Praxis gekommen sein:

Im Jahre 1531 wurde die St. Georgs-Kapelle erstmals urkundlich erwähnt. 1623 wurde sie durch Hannibal von Schauenburg um- und ausgebaut. 1899 wurden im Chor Wandgemälde von S. Keller entdeckt, die wahrscheinlich aus der Zeit des Umbaus aus 1623 stammen.Ein Bauer kam zum Amtmann (der Schaffner vertrat als Gerichtsperson dieses Amt). Der Bauer hatte bei jedem Satz zur Bekräftigung die Gewohnheit, hinzuzusetzen "Was auch wahr ist". Er klagte wegen Beleidigung. "Der Nachbar hat meine Ehefrau ein lüderliches Weibstück genannt, was auch wahr ist. Und ich lasse mir das nicht gefallen, was auch wahr ist." "Nun so trolle er sich von dannen, wenn doch alles wahr ist", lachte der Amtmann.

2. Der Verwalter Heuberger

Dieser war vom Jahre 1660 ab Grimmelshausens Nachfolger in schauenburgischen Diensten. Er fand dort eine von seinem Vorgänger verfaßte Polizeiordnung für den Ort Gaisbach vor. Sie ist ein sehr weitläufiges Manuskript und enthält genaue Aufzeichnungen von Strafen, kleinen Freveln (z.B. das Laufenlassen von weidenden Ziegen) bis zur Empörung gegen die Herrschaft, welche mit Verlust von Leib und Leben sowie Einziehung der Güter bestraft wird.

Ein Artikel dort mutet allerdings verwunderlich an. Das kleine Tal wird als so weitläufig bezeichnet, daß das Glöcklein der Kapelle geläutet wird, um die Bürger zu außerordentlichen Zeiten zum Schutze der Ortschaft zusammenzurufen. Diese Polizeiordnung, nach dem Dreißigjährigen Krieg verfaßt, scheint aber nicht mehr in allen Punkten genügt zu haben und wurde von Heuberger ergänzt. Wir können nicht auf alle die interessanten Einzelheiten eingehen und schreiben nur einzelne Paragraphen heraus:

Es heißt da: Übel ist es vermerkt worden, daß vor der Kapelle in Gaisbach ein öffentlicher Kegelplatz entstanden ist, so daß mit großem Gekrache die Kugeln in das heilige Haus hinein fallen. Desgleichen wird verboten, daß der Mesner mehr Wein einlegt, als er für den Mesdienst gebraucht, und ihn, weil steuerfrei, wieder verkautft.

Das Kirchenwesen scheint der Herrschaft sehr angelegen gewesen zu sein, denn es wird verordnet, die Ratsherren sollen sich schöne Mäntelein anschaffen, um würdig der Prozession beizuwohnen. Sodann wird eine Strafe von 2 Pfd. Wachs, wie schon von Grimmelshausen verordnet war, für jeden Bürger, der am Sonntag nicht die Messe besucht, ausgesetzt. Es sei aber jedem Kirchenbesucher unbenommen, nachher noch einen Hauptgottesdienst in dem benachbarten Oberkirch zu besuchen, lautet der originelle Schlußsatz.

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Ehemalige Probstei - Oberkirch


Dieser Bau war im Jahre 1784 teilweise und im Jahre 1797 völlig abgebrannt, wurde aber jeweils wieder unverzüglich in der selben schlichten klassizistischen Form aufgebautDas vierte große, nach 1689 erbaute Steinhaus, das hier erwähnt werden soll, ist das Probsteigebäude des Klosters Allerheiligen. Es dient heute als Pfarrhaus und Schule.

Dieser Bau war im Jahre 1784 teilweise und im Jahre 1797 völlig abgebrannt, wurde aber jeweils wieder unverzüglich in der selben schlichten klassizistischen Form aufgebaut.

Bezüglich der Baustruktur sei vermerkt, daß Prälat und Konvent von Allerheiligen einen breitgelagerten, zweigeschossigen Bau auf hohem Kellergeschoss errichten ließen.

Ins Auge fällt an diesem Gebäude weniger das schmucklose Innere, als vielmehr die ehemals doppelläufige Außentreppe (heute nur Aufgang von Osten), ferner im Treppenunterbau die große, rundbogige Kelleröffnung, das Portal mit Oberlicht und das Doppelwappen des Klosters Allerheiligen und des letzten Abtes Wilhelm Fischer (1797 - 1803).

Der vordere Schild dieses Wappens bezeichnet das Kloster Allerheiligen und enthält über einem Querbalken zwei Sterne, darunter einen über einem zaunförmigen Schildfuß, der aus zugespitzten Pfählen oder Pfeilen besteht. Der zweite, persönliche Abtsschild ist durch einen Schragen in vier Felder geteilt, deren oberes die drei Steine von Allerheiligen vereint. Das untere zeigt einen gesenkten Anker, Sinnbild der Hoffnung und Demut, darunter das erwähnte Pfahlwerk. Die beiden Seitenfelder enthalten gegeneinander gewendete Löwen, die Kammerschlüssel halten, wahrscheinlich als Anspielung auf den Namen des vorletzten Abtes Felix Kemmerle (1783 - 1797), der das abgebrannte Probsteigebäude wieder aufbauen ließ. (Hans-Martin Pillin - Oberkirch - die Geschichte der Stadt (Von den Anfängen...) - Oberkirch 1975 / 240)
 
Das große Doppel-Gebäude am östlichen Kirchplatz von Oberkirch, in dem heute die Altstadtschule untergebracht ist, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich.

Nachdem 1689 in Folge des Pfälzischen Erbfolgekrieges große Teile Oberkirchs niedergebrannt wurden, erstellte das Kloster Allerheiligen, das damals für die Seelsorge in Oberkirch zuständig war, einen steinernen Neubau als Propstei-Gebäude (Amtssitz der Klosterverwaltung).

1797 brannte das Gebäude völlig ab, wurde aber unverzüglich in derselben schlichten klassizistischen Form wieder aufgebaut. Über dem heute nicht mehr genutzten Eingang mit Außentreppe ist das Doppelwappen des Klosters Allerheiligen und seines letzten Abtes Wilhelm Fischer angebracht.

Nach der Auflösung von Kloster Allerheiligen im Jahre 1802 fiel das Gebäude in Besitz des Badischen Staates von dem es 1851 die Stadt Oberkirch für 4000 Gulden erwarb. Von nun an diente es vornehmlich als Schulgebäude. Zunächst war die Volksschule einschließlich Lehrer- und Schuldienerwohnung darin untergebracht. 1898 besuchten über 600 Schüler in 14 Klassen diese Schule. 1907 zog die Volksschule in das neuerbaute Schulhaus in der Schwarzwaldstraße um. Im Kirchplatzgebäude fand die Gewerbliche Fortbildungsschule für Lehrlinge ihr Zuhause, außerdem war hier das Oberkircher Finanzamt untergebracht. Im 1. Weltkrieg diente das Haus zeitweise als Lazarett und als Quartier einer Tragtier-Einheit. Nach Instandsetzungsarbeiten wurde wieder unterrichtet. Die Handelsschule, die Gewerbeschule und Volksschulklassen nutzten das Gebäude für ihre Zwecke.

1960 konnte die unter extremer Raumnot leidende damalige Hilfsschule zunächst in den östlichen Teil des Gebäudes einziehen. Seit 1976, nach Auflösung des Finanzamtes und nach Umsiedlung der hier auch untergebrachten Städtischen Leihbücherei steht der heutigen Förderschule der gesamte Gebäudekomplex zur Verfügung, wobei von 1986 bis 1997 der Grundschulförderklasse die Nutzung dreier Schulräume bewilligt wurde.

Das Kellergeschoss des Westflügels, in dem von 1980 bis 1991 das Heimat- und Grimmelshausenmuseum untergebracht war (Zugang über die große, rundbogige Kelleröffnung unter der Außentreppe), dient heute als Museumslager; im Kellergeschoss des Ostflügels befindet sich der „Narrenkeller“, das Vereinslokal der Narrenzunft Oberkirch. (Quelle: Altstadtschule Oberkirch)

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Stadtschloss - Palais Fischer - Oberkirch


Dieses wohlproportionierte Palais wurde im Jahre 1743 vom Baumeister des Offenburger Rathauses, Mathias Fuchs, als "Stadtschloss" für den bischhöflich-straßburgischen Oberamtmann Heinrich Fischer im Barockstil erbautEin interessantes Gebäude aus dem 18. Jahrhundert ist auch das Steinhaus neben der Delphinen-Apotheke. Dieses wohlproportionierte Palais wurde im Jahre 1743 vom Baumeister des Offenburger Rathauses, Mathias Fuchs, als "Stadtschloss" für den bischhöflich-straßburgischen Oberamtmann Heinrich Fischer im Barockstil erbaut.

Es ist ein siebenachsiger, zweigeschossiger Bau auf gequadertem Kellergeschoss. Über dem 2. Obergeschoss ruht ein Mansard-Walmdach mit drei achsialen Mansarden und zwei Dachgaupen.

Zum Haupteingang führt eine doppelläufige Treppe. Darüber ist ein auf Delphinenkonsolen befestigter Balkon angebracht. Die schmiedeeisernen Gitter des Balkons wie auch diejenigen der Fenster stammen ausnahmslos aus der Erbauungszeit.

Die östliche Schmalseite zum ehemaligen Stadtgraben hin ist ohne durchgehende achsiale Fensterordnung. An dieser Seite konnte man ursprünglich durch einen Nebeneingang  das Innere des Palais betreten.

Die Gartenseite, die ehemalige Hauptseite, ist durch vier Fensterachsen gekennzeichnet. Über einen siebenstufigen, dreiseitig konkav einschwingenden Treppenbau gelangt man zu einem profilierten Korbbogenportal. An der westlichen Schmalseite zur Apothekergasse hin wurde eine Toreinfahrt angelegt.

Im Innern des Fischer'schen Palais fällt besonders die im südwestlichen Teil eingebaute einfache Holztreppe mit ihren etwas schwerfälligen Formen auf.

Das Grundstück mit dem Palais, der Hofeinfahrt und den beiden Gartengrundstücken war durch eine barocke Umfassungsmauer zusammengeschlossen und bildete somit eine geschlossene Einheit. Heute ist das Gartengrundstück überbaut. (Hans-Martin Pillin - Die Geschichte der Stadt I / 239-240)

Die Mittel für sein fürstliches Stadtpalais scheint Fischer dabei nicht immer "legal" erwirtschaftet zu haben, wie uns Emil Ell im Altvater (31. Jahrgang, Nummer 17) am  15. September 1973 berichtet:

"In den eigenen Beutel gearbeitet

Auf Grund einer eingehenden Prüfung der Gerichtsrechnungen stellte Bordollo fest, daß die Schultheißen und Gerichtszwölfer das öffentliche Vermögen als 'eine unerschöpfliche Quelle ansahen, um ihre Beutel zu spicken'. Ihre 'Diätenschneiderei' kenne keine Grenzen. Gegen Amtsschultheiß Fischer in Oberkirch, der noch unter der Straßburgischen Herrschaft dieses Amt erhalten hatte, mußte ein strafgerichtliches Verfahren wegen Amtsunterschlagung eingeleitet werden.

Schon vor mehreren Jahren hatte er ein bedeutendes von dem verstorbenen Sekretär Weiß für die Oberkircher Armen gestiftetes Vermächtnis zu seinem Nutzen verwendet, anstatt es dem Willen des Stifters gemäß dem Pfarramt zur Verteilung an die Notleidenden abzuliefern. Seine Handlungsweise war um so verwerflicher, als Fischer einer der reichsten Leute der ganzen Gegend war. Poissignon, der im Jahre 1804 Amtsschreiber geworden war, mußte ebenfalls wegen Amtsunterschlagung in den Anklagezustand versetzt werden.

Der Landvogt nicht beispielgebend

All dies aber wäre nicht möglich gewesen, wenn Landvogt v. Lasollaye selbst mit gutem Beispiel vorangegangen wäre. Leider war dies nicht der Fall. Im Laufe des Jahres 1810 verbreitete sich im Oberamt Oberkirch allgemein das Gerücht, daß der Landvogt bei der Anweisung der Kosten, welche durch die von ihm im Jahre 1807 geleitete Aufteilung des Hochwalds entstanden waren, unredlich gehandelt habe. Schließlich wandten sich sämtliche Ortsvorgesetzten des Gerichts Oppenau an das Direktorium des Kinzigkreises in Offenburg und beschuldigten den Landvogt, daß er bei Beginn des Verteilungsgeschäfts von den Gemeinden einen Vorschuß von 200 fl. erhoben, diesen Betrag aber bei der Schlußabrechnung nicht in Abzug gebracht habe. Er habe die Gemeinden vielmehr veranlaßt, ihm diesen Betrag zu schenken, was man auch aus Furcht vor dem 'lebhaften Temperament' des Landvogts bewilligt habe.

Der Landvogt habe ferner den Kostenbeitrag mit 3885 fl. auf die Gemeinden umgelegt und von ihnen erhoben, obwohl die Landesherrschaft, wie man erst später erfahren habe, ein Zehntel dieser Kosten mit 370 fl. 26 kr. übernommen habe. Der Landvogt habe auch diesen Betrag für sich behalten. Das Kreisdirektorium bemühte sich zunächst, die peinliche Angelegenheit unter der Hand zu regeln. Die Ortsvorgesetzten aber bestanden auf gerichtlicher Erledigung, da die Beschuldigungen allgemein bekannt seien und sie fürchteten, mitverantwortlich gemacht zu werden. Der Kreisdirektor gab nun die Angelegenheit zur Untersuchung an das Hofgericht in Rastatt weiter, das durch Beschluß vom 11. März 1811 den Landvogt seines Dienstes enthob und am 26. April die bereits erwähnte. Untersuchung seiner Dienstführung durch Oberamtmann Bordollo anordnete."

Manfred Lurker - Delphinen- Apotheke im Oberkircher Stadtschloss - die Ortenau 1974 / 124

könnte man sich zunächst dessen erinnern, daß das Meerestier in der Antike in dem Rufe stand, die Schiffe schützend zu begleiten, sie vor dem herannahenden Sturm zu warnen, ja Schiffbrüchige - wie in der Sage den Sänger Arion - auf seinem Rücken ans sichere Land zu tragen. Im frühen Christentum wurde der Delphinus Salvator, der rettende Delphin, auf Christus hin interpretiert. Doch spielte dies alles bei der Namengebung der Oberkircher Apotheke keine primäre Rolle.

Das Gebäude der Delphinen-Apotheke wurde 1743 vom Baumeister des Offenburger Rathauses, Mathias Fuchs, als "Stadtschloß" für den bischöflich-straßburgischen Obervogt Heinrich Fischer im Barockstil erbaut. In Anlehnung an den Familiennamen wurden die beiden den Balkon tragenden Delphine zu einem Wahrzeichen für das Haus - fälschlicherweise, denn der Delphin ist kein Fisch, sondern gehört zur Familie der Wale und damit zu den Säugetieren.

Schließlich wurde die bereits 1792 in Oberkirch errichtete Apotheke 1824 (oder kurz danach) in dieses Gebäude verlegt und erhielt wahrscheinlich zur gleichen Zeit den Namen Delphinen-Apotheke. Daß die Namengebung mit Assoziationen an die antikchristliche Symbolik verknüpft war, ist durchaus möglich, aber im einzelnen nicht nachweisbar.

BO - 21. August 2017 - Irmgard Schwanke

In der Oberkircher Hauptstraße wuchs im 19. Jahrhundert ein Mädchen mit einem besonders klingenden Namen auf: Adolphine Alexandra Delphine Fischer, die Tochter von Raimund Fischer. Raimund Fischer war Inhaber der ersten bekannten Oberkircher Apotheke. Sie war 1792 gegründet worden und befand sich zunächst im Haus Hauptstraße 63 am Abzweig zur Metzgerstraße.

Im Jahr 1823 gab es bei Familie Fischer zwei wichtige Ereignisse zu vermelden: Tochter Adolphine Alexandra Delphine wurde geboren, und Raimund Fischer kaufte das so genannte Stadtschloss in der Hauptstraße 22. Er ließ es umbauen und zog mit Familie und Apotheke dort ein. Nachdem der direkt vor dem Gebäude stehende Gefängnisturm abgerissen worden war, konnte der Haupteingang von der heutigen Gebäuderückseite an die Hauptstraße verlegt werden.

Offenbar haben es Raimund Fischer die Delphine angetan, wie nicht nur der Name seiner Tochter zeigt. Fischer gab zudem der Apotheke den Namen Delphinen-Apotheke und ließ über dem neuen Eingang die beiden Meerestiere anbringen, die sich dort bis heute befinden.

Bereits 1829 verstarb Adolphine Fischers Mutter. Der Vater ging eine neue Ehe ein. Adolphine Fischer selbst heiratete 1842 im Alter von 19 Jahren den Anwalt Friedrich Frech aus Staufen. Sie zog mit ihm in das ihrem Vater gehörende Gebäude hinter der Apotheke, das heutige »freche hus«. Es wurden ein Sohn und eine Tochter geboren. Allerdings währte das junge Glück nicht lange. Als Adolphine Frech geborene Fischer 26 Jahre alt war, wurde die Revolution von 1848/49 niedergeschlagen. Friedrich Frech wurde als Revolutionär in Abwesenheit zu acht Jahren Zuchthaus und Beschlagnahmung seines Vermögens verurteilt. Er floh in die USA, wo sich seine Spuren verloren.

Der Apothekerswald

1861 starb Adolphine Frechs Vater. Er hatte neben der Apotheke auch landwirtschaftliche Grundstücke besessen, unter anderem einen Wald in Butschbach. Die Erben versteigerten den Wald an einen Zusammenschluss von elf Personen, größtenteils Landwirte aus Butschbach. Der Wald heißt bis heute Apothekerswald. Die Delphinen-Apotheke übernahm Adolphine Frechs Bruder und schließlich 1876 ihr Sohn Friedrich Raimund Frech. Er heiratete eine junge Frau aus der unteren Hauptstraße: Theresia Faist. Deren Vater hatte das Kaufhaus Faist, heute Peters, gegründet. Adolphine Alexandra Delphine Frech geborene Fischer starb 1895 in Oberkirch. Ihr Grabstein befindet sich bis heute auf dem hiesigen Friedhof. Die Delphinen-Apotheke blieb noch lange ohne Konkurrenz. Erst 1954 wurde – ebenfalls in der Hauptstraße – die Marien-Apotheke eröffnet.

Das Stadtschloss wurde 1743 durch den bischöflich-straßburgischen Oberamtmann Heinrich Fischer errichtet. Als Baumeister engagierte er Matthias Fuchs, der zuvor das Offenburger Rathaus gebaut hatte. Die Familie Fischer war sehr wohlhabend. Mitglieder der Familie besetzten einflussreiche Stellen in der Verwaltung, waren Wirte oder schlugen kirchliche Laufbahnen ein. Adolphine Fischer und der Erbauer des Stadtschlosses waren nur entfernt verwandt. Sie hatten einen gemeinsamen Vorfahren: den 1641 geborenen Oberkircher Lindenwirt Christian Fischer.

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Amtshaus - "Großes Haus" Oberkirch


Zu den in der Zeit zwischen 1689 und dem Ende der bischöflichen-straßburgischen Stadtherrschaft im Jahr 1803 entstandenen Steinhäusern gehört einmal das 1701 fertiggestellte große Haus in der HauptstraßeAus dem Landesarchiv Baden-Württemberg:

Zu den in der Zeit zwischen 1689 und dem Ende der bischöflichen-straßburgischen Stadtherrschaft im Jahr 1803 entstandenen Steinhäusern gehört einmal das 1701 fertiggestellte große Haus in der Hauptstraße, dessen Bauherr der damalige Oberkircher Oberamtmann Johann Evangelist von Bodeck war und das heute verschiedene Dienststellen, wie z.B. das Amtsgericht beherbergt.

Es ist ein breitgelagerter traufseitiger Bau mit erhöhtem Giebel über einem dreieschossigen, dreiachsigen Mittelteil.

Die Seitenteile sind zweigeschossig und ebenfalls dreiachsig. Über den Traufdächern befinden sich je zwei Mansarden.

Weitere Kennzeichen dies[es] Gebäudes sind ein hohes Kellergeschoss mit zwei ebenerdigen runden Kelleröfnungen und ein hoher doppelläufiger Treppenbau der 1960 zurückgesetzt wurde, ferner 2 x 4 Fensterachsen.

Über dem Portal befindet sich das Wappen der ehemaligen Herrschaft Oberkirch und des Johann Evangelist von Bodeck. (Hans-Martin Pillin - Die Geschichte der Stadt Oberkirch von den Anfängen bis zum Jahre 1803 - Oberkirch 1976/238)

Zur Zeit der Erbauung des "Großen Hauses" - des Amtshauses von Oberkirch wies von Bodeck "alte Rechte der Bottenauer" zurück und nahm ihnen ihr Amtshaus und den Amtmann unter Zuhilfenahme seiner "württembergischen Beziehungen" und suchte seinen Machtkreis auszuweiten. Hierzu berichtet Josef Börsig aus Bottenau:

Über den Erbauer des Amtshauses Oberkirch und seine Beziehung zu den Oppenauer Bürgern arrowRight

Behördengeschichte (GLA-BW-KA - Bestand - 12653)

Das von 1809/13 bis 1936 bestehende badische Bezirksamt Oberkirch setzte die Verwaltungsgeschichte der seit dem 14. Jahrhundert zum Hochstift Straßburg gehörenden Herrschaft Oberkirch mit zunächst nur kleinen territorialen Abänderung fort. Das straßburgische Oberamt Oberkirch hatte sich aus den Gerichten Oberkirch, Oppenau, Kappelrodeck, Ulm, Sasbach und Renchen zusammengesetzt. Berührungspunkte gab es vor allem mit der habsburgischen Landvogtei Ortenau in Offenburg und dem badischen Amt Staufenberg, aber auch mit dem Kloster Allerheiligen und den Herren von Schauenburg. Kurzfristig war die Herrschaft in den Jahren 1604-1634 und 1649-1665 an Württemberg verpfändet, 1683-1697 an Baden übergeben worden. Auch beim letztendlichen Anfall an Baden 1803 blieb die Stadt Oberkirch Sitz des gleichnamigen Amtes.

Dabei "erlebte" das Oberkircher Amtshaus bewegte Zeiten kurz vor und während des Herrschaftsüberganges aus der bischöflich-straßburgischen Herrschaft an das Hause Baden, wie aus dem Bericht von Dr. Erwin Dittler - die Ortenau 1976 hervorgeht (Am 22. August 1789 forderte der Straßburger Weihbischof die Bevölkerung auf, Ruhe zu halten und der Herrschaft treu zu bleiben. Dass diese Aufforderung im Oberamt Oberkirch keine bzw. kaum Wirkung zeigte, hing nicht zuletzt mit der willkürlichen Amtsführung des Landvogts Bruder zusammen, welche von der bischöflich-straßburgischen Herrschaft "gedeckelt" wurde. Die Herrschaft Baden - als absehbar neuer Regent über das Oberamt Oberkirch - sah sich bemüßigt, helfend einzugreifen):

Dittler, Dr. Erwin: Über Reichsexukution 1790 im Amt Oberkirch arrowRight

Von Bruder unternahm Reisen nach Zabern, Mainz und Mannheim um eine Allianz für seine "Gewaltherrschaft zu schmieden". Gehör fand er allerdings keines. Inzwischen war er durchaut und die Einwohner insbesondere von Oppenau bezeigten ihre Bereitschaft, mit den Landesherren zu kooperieren. Trotz alledem - nicht um Bruder zu unterstützen - vielmehr um die eigene Herrschaft zu stabilisieren wurden im Februar 1790 Exekutionstruppen ins Amt Oberkirch gesandt.

Nicht nur die Herrschaft Baden war in einen unguten Zustand geraten. Auch das Amtshaus befand sich in keinem guten Zustand, wie und Emil Ell im Altvater vom 04. August 1973 zu berichten weis:

Auch der Sitz des Oberamts der Herrschaft Oberkirch war während des 18. Jahrhunderts längere Zeit in Renchen gewesen. Vier der früheren Landvögte, die Herren von Gaismar, von Maillot, von Tschammerell und von Bruder, hatten es vorgezogen, an der "Extremität" in Renchen zu wohnen, während die Amtsschreiberei in Oberkirch verblieb. Als aber in den neunziger Jahren Landvogt von Bruder starb, wurde das Herrschaftshaus in Renchen veräußert, und der neuernannte Landvogt, der bisherige Amtsschreiber Elbling, blieb in Oberkirch. Da sich hier außer dem als Gefängnis dienenden oberen Torturm, dem Wachthaus, dem unteren Torturm und dem Zollhäuschen keine herrschaftlichen Gebäude befanden, wohnte Baron von Lasollaye im Obergeschoß des einstens von dem Landvogt von Bodeck erbauten, sehr großen Hauses, das später die Bischöfe von Straßburg an sich gebracht, dann aber an die Stadt Oberkirch veräußert hatten. Das Gebäude

wurde während des ersten und des zweiten Koalitionskrieges wiederholt längere Zeit als Militärlazarett benützt und hierdurch stark beschädigt. Das Erdgeschoß befand sich noch im Jahr 1802 in unbewohnbarem Zustand. Die badischen Behörden empfahlen ihrer Regierung dringend, die Stadt Oberkirch zu veranlassen, die unbenutzten, ausgedehnten Räume wieder instandsetzen zu lassen, da sie zur Aufnahme der Registraturen des Oberamts und der Amtsschreiberei so sehr benötigt würden. Man hatte auch bereits in Erfahrung gebracht, daß die Stadt Oberkirch seinerzeit das Gebäude nur höchst ungern von der Landesherrschaft übernommen habe und es wiederum zu verkaufen gedenke. Das Gebäude ging im Jahre 1804 tatsächlich in den Besitz des badischen Staates über und ist so groß, daß es heute außer dem Bezirksamt noch das Amtsgericht birgt.

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"Neuensteiner Hof" Sonne - Oberkirch


Beim Gasthof zur Sonne handelt es sich um das wohl älteste Gebäude und eines der wenigen Steinhäuser der Stadt, dessen Mauern den verschiedenen Kriegszerstörungen und Bränden stand hielten, während die Fachwerkhäuser meist bis auf die Erdgeschossfundamente niederbranntenGeschichte des Hauses

Beim Gasthof zur Sonne handelt es sich um das wohl älteste Gebäude und eines der wenigen Steinhäuser der Stadt, dessen Mauern den verschiedenen Kriegszerstörungen und Bränden stand hielten, während die Fachwerkhäuser meist bis auf die Erdgeschossfundamente niederbrannten.

Von 1371 bis 1687 war das Haus im Besitz verschiedener Generationen der Adligen von Neuenstein und als "Neuensteiner Hof" bekannt. Ein Beleg dafür aus dem Jahre 1629 ist das schöne Sandsteinwappen über der Eingangstüre zur Hauptstraße, das von Hans Adam von Neuenstein (sechsspeichiges Rad) und seiner Frau Anna Maria geb. Zorn von Bulach (Stern) angebracht wurde.

1687 erwarb der Oppenauer Wirt Johann Peter Mast das Haus für "1.400 Gulden und ein Zugpferd". Nach seiner Heirat am 22. Januar 1687 mit Maria Franziska Sentzin eröffnet er dann in diesem Haus den Gasthof zur Sonne. Für die Namensgebung hatte er viele Gründe, denn der neue Wirt war der Sohn des Oppenauer Sonnenwirts Martin Mast und die Wappen von Neuenstein, das Rad und der Stern der Zorn von Bulachs sind ebenfalls Sonnensymbole.

Gerade mal zwei Jahre nach der Übernahme hatten die neuen Wirtsleute einen fürchterlichen Schicksalsschlag durch die Zerstörung der ganzen Stadt durch die französische Armee im pfälzischen Erbfolgekrieg zu meistern. Beim Stadtbrand von 1689 wurde das Gasthaus stark in Mitleidenschaft gezogen. Gebäudeteile blieben jedoch erhalten, so der Torbogen aus dem Jahr 1619 in der Bahnhofstraße und das Wappen über der Tür zur Hauptstraße aus dem Jahr 1629.

1696 hat sich Johan Peter Mast in einem Holzpfeiler im heutigen "Stadl" mit seinen Initialen JMP verewigt, was auf eine Wiederaufnahme der Wirtstätigkeit im selben Jahr schließen läßt.

Von 1687 an waren 222 Jahre lang verschiedene Mitglieder der im alten Oberkirch bekannten Familie Christ Wirte auf der Sonne, bis das Gasthaus dann 1909 an den Brauereibesitzer Theodor Braun überging, der wiederum 1919 an Albert Ihling verkaufte.

Dieser ließ das hintere Nebenzimmer in einem dem Klassizismus angelehnten Stil 1920 durch den Lautenbacher Kunst- und Kirchenmaler Rieger ausmalen. Die Bilder zeigen die Zunftwappen der Tischler, Maurer, Bäcker, Schmied, Maler, Schneider, Metzger und Blechner. Besonders interessant sind die Landschaftsbilder von Lautenbach, ein Bild der Friedhofskapelle im Oberdorf, ein Bild von Allerheiligen, das auf ein im Oberkircher Museum gezeigtes Ölgemälde von Karl Christoph Freiherr Roeder von Diersburg zurückgeht sowie eine Landschaftsdarstellung von Oberkirch mit der Ruine der Schauenburg im Vordergrund und in der Holzvertäfelung der ehemalige obere Torturm der Stadtbefestigung, auch Schelmenturm genannt, da er auch als Gefängnis diente.

Die Ecke zur Bahnhofstraße schmückt ein aufwändiges Wirtshausschild.

Quelle: Rudolf Hans Zillgith

Über die Gründer des Neuensteiner Hofs - heute Sonne Oberkirch arrowRight

(Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, Datenbank Bauforschung / Restaurierung - Gasthof Zur Sonne)

Kurzbeschreibung der Bau- / Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Das Haus (bzw. dessen Vorgängerbau) geht bis ins Jahr 1371 zurück und befand sich bis 1687 im Besitz verschiedener Generationen der Adligen von Neuenstein und war deshalb als "Neuensteiner Hof" bekannt.

1619 erfolgte die (Neu-) Errichtung des Gebäudes. Die Zugehörigkeit zur Adelsfamilie von Neuenstein belegt das 1629 über der Eingangstüre befindliche Sandsteinwappen, das von Hans Adam von Neuenstein und seiner Frau Anna Maria geb. Zorn von Bulach angebracht wurde.

1687 erwarb der Oppenauer Wirt Johann Peter Mast das Haus und eröffnete noch im selben Jahr den Gasthof zur Sonne.Während des Stadtbrands von 1689 wurde das Gasthaus stark beschädigt. Einzelne Gebäudeteile wie der Torbogen aus dem Jahr 1619 in der Bahnhofstraße und das Wappen über der Tür zur Hauptstraße aus dem Jahr 1629 blieben erhalten.

Durch den Lautenbacher Kunst- und Kirchenmaler Rieger wurde 1920 das hintere Nebenzimmer in im Stildes Klassizismus ausgemalt. Die Bilder zeigen die Zunftwappen der Tischler, Maurer, Bäcker, Schmied, Maler, Schneider, Metzger und Blechner.

Baukörper / Objektform (Kurzbeschreibung):

Zweigeschossiger Eckbau mit hohem Walmdach. Fassadengestaltung mit Eckquaderung und Fensterfaschen aus Sandstein. Erhöhte Eingangsbereiche mit zweiarmigen, dreiläufigen Treppenaufgängen an der nördlichen Giebel- und östlichen Traufseite.

Ausstattung:

Sandsteinwappen der Adelsfamilie von Neuenstein aus dem Jahr 1629 über dem Türsturz des nördlichen Eingangs;
im hintere Nebenzimmer befinden sich Wand- und Deckenmalereien des Künstlers Rieger im Stil des Klassizismus von 1920.

Konstruktionen Konstruktionsdetail:

Dachform - Satteldach mit beidseitigem Vollwalm

1. Bauphase: Erbauung des Gebäudes

(1619) Betroffene Gebäudeteile:
• Erdgeschoss
• Obergeschoss
• Dachgeschoss

Lagedetail:
• Siedlung
• Stadt

Bauwerkstyp:
• Anlagen für Handel und Wirtschaft
• Gasthof, -haus

2. Bauphase:

(1629) Teilzerstörung und anschließender Wiederaufbau des damaligen Gasthofes "Neuensteiner Hof"

Betroffene Gebäudeteile:
• Ausstattung

3. Bauphase:

(1689) Das Gebäude erlitt große Schäden im Stadtbrand von 1689.
Der Torbogen von 1619 und das Wappen von 1629 blieben erhalten.

4. Bauphase:

(1920) Malereien im Stil des Klassizismus im hinteren Nebenzimmer durch den Lautenbacher Kunst- und Kirchenmaler Rieger.

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"s'Freche Huus" Oberkirch


Dieses Haus ist das Elternhaus des Advokaten Frech, der sich in der Badischen Revolution 1848/49 besonders hervorgetan hatDieses Haus ist das Elternhaus des Advokaten Frech, der sich in der Badischen Revolution 1848/49 besonders hervorgetan hat. Die Rückseite des Hauses ist an die damalige innere Stadtmauer angebaut, eine Schießöffnung ist noch zu sehen. Im Sommer finden im Garten dieses Hauses an der Stadtmauer Freilichtheater sowie Kleinkunstveranstaltungen statt.

Der ideale Ort: Mitten im Städtchen

Ursprünglich war geplant in der Ruine der Schauenburg zu spielen, daher nannten die Gründungsmitglieder den Verein "Burgbühne". Doch dann kam alles anders: Mit dem `s freche hûs fand sich der ideale Standort mitten im Städtchen. Heute stehen hier eine gut eingerichtete Freilichtbühne mit 200 Plätzen und ein im Laufe von vielen Jahren stattlich bestücktes Einraumtheater, das der Bühne erlaubt, auch im Herbst und Winter und bei Regen zu spielen.

Eine Tour durch das wohl bekannteste Gebäude Oberkirchs - Eingestellt von: Sebastian Thomas - aus Achern - Stadtanzeiger - Ortenau

Ein altes Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert im Herzen Oberkirchs hat einen besonderen Namen: "s'freche hus". Ein eigentümlicher Name für ein Haus. Es beherbergt eine Bühne und wird vor allem von Theaterensembles rege genutzt. Wer also zum ersten Mal nach Oberkirch kommt und genau jene Information über dieses Haus hört, könnte den Namen womöglich falsch deuten: frech und Theater, klingt irgendwie nach (politischem) Kabarett. Daher der Name? Weit gefehlt.

Ein Haus mit Geschichte

"Das Haus wurde 1699 von dem Gerber Matis Gebert errichtet", erklärt Isabell Hartmann vom Fachbereich Bildung und Kultur der Stadt Oberkirch zu Beginn der Tour durch das Haus. "Zehn Jahre zuvor war das Vorgängergebäude im großen Stadtbrand zerstört worden. Im Jahr 1876 erwarb der Apotheker Friedrich Frech das Anwesen."

Genau nach seiner Familie ist das Haus benannt. Heute ist es eine Kulturstätte. "Ursprünglich waren in dem Haus mal Vereine drin", sagt Andreas Huber, verantwortlich für die Veranstaltungstechnik und bei der Stadt angestellt. Jetzt führe der Theaterverein Burgbühne hier seine Stücke auf, ergänzt er. Der Theaterverein trägt Requisiten selbst zusammen

Der erste Halt der Tour durch das Theater ist der Zuschauerraum: Er ist mit nach unten abfallenden Stuhlreihen ausgestattet. Eine Besonderheit fällt dem Betrachter sofort ins Auge: Die Rückseite der Bühne ist die alte Stadtmauer. "Der Raum bietet Platz für 97 Besucher", sagt Isabell Hartmann. Neben Theateraufführungen werde das "s'freche hus" auch für Kleinkunst, Konzerte sowie Vorträge und Lesungen benutzt.

H. M. Pillin über den "Sohn des Hauses" arrowRight

Die nächste Station der Tour führt hinter die Bühne. Der erste Blick fällt auf die Unzahl an Schreibmaschinen. Sie werden für das Stück "Die Sekretärinnen" benötigt. "Das sind Requisiten aus dem Fundus der Burgbühne", erklärt Andreas Huber. Der Verein trage sie alle selbst zusammen. Eine Wendeltreppe geht nach unten. Sie führt direkt zu zwei Umkleiden. "Die Größe der gesamten Bühnenfläche beträgt ungefähr 60 Quadratmeter", weiß der Veranstaltungstechniker zu berichten.

Riesiger Fundus unter dem Dach

Von hier aus geht es weiter in den Innenhof: "Hier ist die Freilichtbühne", sagt Isabell Hartmann und ergänzt: "Der Garten bietet Platz für über 200 Gäste." Auf der Freilichtbühne werden wie im "s'frechen hus" unter anderem Theaterstücke aufgeführt sowie Konzerte veranstaltet oder Filme gezeigt.

Zurück im Inneren geht es ins zweite Stockwerk des Gebäudes. Hier ist der Raum für die Licht- und Tontechnik - das Terrain von Andreas Huber. "Ich bin seit 2014 bei der Stadt angestellt", erzählt er. "Ich hatte davor auch schon viel mit Konzerten und Veranstaltungen zu tun." Privat habe er ein kleines Musikstudio und habe sich auch schon mal als Discjockey ausprobiert. Die letzte Station ist der Fundus unter dem Dach des "s'frechen hus": Hier lagern Kostüme, Kulissen und Schuhe aller Art.

Sie zeugen von einem ereignisreichen Veranstaltungsjahr und das nächste steht bereits in den Startlöchern: Für Isabell Hartmann beginnen die Planungen für 2019. "Dann muss unter anderem der Kulturkalender erstellt, Konzerte eingekauft oder bei Autoren angefragt werden", erklärt sie. Eine gewaltige Organisationsarbeit. Auf die Frage, wie ihr der Job gefällt antwortet sie: "Ich finde ihn abwechslungsreich. Er macht Spaß."

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Puppenmuseum im Fachwerkhaus - Oberkirch


Das Ehepaar Roswitha Zillgith-Lefebvre und Rudolf Hans Zillgith haben im renovierten Fachwerkhaus „ins Bähre Naze“ in Oberkirch ein Puppenmuseum eingerichtetBeim Oberkircher Puppenmuseum in der Thomaslohgasse können ab Sonntag Modelle von Kirchen und Häusern und Krippen von Gerhard Birner im Vorbeigehen bestaunt werden.

Das Ehepaar Roswitha Zillgith-Lefebvre und Rudolf Hans Zillgith haben im renovierten Fachwerkhaus „ins Bähre Naze“ in Oberkirch ein Puppenmuseum eingerichtet, das aufgrund der Corona-Pandemie bisher nicht für Besucher geöffnet werden konnte (wir berichtdeten).

Da in der alten Fuhrhalterei die Wagenremise und der Pferdestall in den vergangenen Jahrzehnten unverändert erhalten blieben, hatte Roswitha Zillgith-Lefebvre die Idee, ihre ansonsten in der Wohnung aufgebaute weihnachtliche Winterlandschaft, die auch von Jahr zu Jahr größer wurde, in der Wagenscheune aufzubauen und den Passanten, die durch die Thomaslohgasse schlendern, einen Blick darauf werden zu lassen. Zwischen alten Fässern und Pferdegeschirren kann man die kleine Winterwelt mit Modellen von Kirchen und Häusern, Marktszenen, alte Handwerksbetriebe und wintersportliche Aktivitäten bestaunen. Rudolf Hans Zillgith, der ein großer Bewunderer der handgefertigten Krippen des verstorbenen Gerhard Birner ist, hat von der Familie Birner zwei Krippen in der Scheune ausgestellt. Gerhard Birner hat viele Jahre die Krippenbaukurse geleitet und unter seine Anleitung sind viele Krippen für die Weihnachtsdekoration in Oberkircher Familien entstanden.

Wer sich die Winterwelt anschauen möchte kann dies ab diesem Sonntag täglich von 11 – 18 Uhr besichtigen. Es wird aber um Verständnis gebeten, dass die aktuell gültigen Hygieneregelungen wie das Tragen von Masken, die Desinfizierung der Hände und die vorgeschriebenen Abstände eingehalten werden müssen. Die Veranstalter bzw. Vertreter sind vor Ort und geben ggf. Hinweise auf die Einhaltung der Vorschriften.

Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, Datenbank Bauforschung/Restaurierung - Gebäudekomplex Thomas Loh Gasse

Seitenansicht Puppenmuseum Thomas Loh GasseKurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Bei dem untersuchten, im Jahre 1697 erbauten Gebäude handelte es sich um ein Wohn- Stall-Speicherbau; alles unter einer gemeinsamen, der rückwärtig verlaufenden Stadtmauer aufgesetzten Dachkonstruktion.

1909 wurde durch den neuen Besitzer eine Furhhalterei in dem Gebäudekomplex eingerichtet.

2019 wurde mit der Freilegung des Fachwerks die Sanierung des Gebäudekomplexes abgeschlossen.

1. Bauphase:
(1697) Das Hauptgebäude datiert nach der vorhandenen Inschrift in das Jahr 1697

2. Bauphase:
(1715) Der Scheunenbau wurde nach der dendrochronologischen Auswertung im Jahre 1715 errichtet.

3. Bauphase:
(2019) Sanierung und Freilegung Fachwerk Betroffene

Umgebung, Lage: Der Gebäudekomplex befindet sich am nördlichen Rand der historischen Altstadt von Oberkirch und ist traufseitig zur Thomaslohgasse ausgerichtet.

Baukörper/Objektform - (Kurzbeschreibung):
Der untersuchte Gebäudekomplex besteht aus einem zweistöckigen, partiell auf einem Sockel abgezimmerten Fachwerkbau im Osten einem daran angebauten, ebenfalls in Fachwerk errichteten Scheunenbau im Westen. Beide Gebäude sind mit ihren südlichen Dachtraufen zur Gasse ausgerichtet, während die jeweiligen Satteldächer entlang den rückwärtigen Langseiten der ehemaligen Stadtmauer aufsitzen.

Im Unterstock mit einem auf den Wohnteil reduzierten Massivsockel kombiniert, ist darauf ein einstöckiger Fachwerkaufsatz mit zugehörigem Satteldach abgezimmert.

Zonierung:

Gegliedert in einen Ökonomie- und einen Wohnteil besaß letzterer zwei, auf die beiden Nutzungsebenen verteilte Wohneinheiten. Gegliedert in Stube, Küche und Schlafkammer ist in Anlehnung an die Stubengröße die unter Wohneinheit wohl als das wohnliche Zentrum des wirtschaftenden Ackerbürgers und der obere Wohnbereich möglicherweise als Altenteil anzusprechen.

Innerhalb des Wirtschaftsteiles war östlich des erdgeschossigen Stalles der Futtergang angelegt. Über dem Stall erstreckte sich der bis in den Oberstock reichende Heubergeraum, während über dem Futtergang entweder ein oder zwei Knechtskammern, oder die Fortsetzung des Bergeraumes zu vermuten ist.

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Heimat- und Grimmelshausenmuseum - Oberkirch


 Im Alten Rathaus in der Hauptstraße befindet sich das Heimat- und Grimmelshausenmuseum. Das Gebäude wurde noch unter fürstbischöflich-straßburgischer Herrschaft im Jahr 1802 errichtet"Wer in der Gegenwart die Vergangenheit vergisst, wird die Zukunft nicht meistern."

Im Alten Rathaus in der Hauptstraße befindet sich das Heimat- und Grimmelshausenmuseum. Das Gebäude wurde noch unter fürstbischöflich-straßburgischer Herrschaft im Jahr 1802 errichtet. Es diente nicht alleine als Rathaus, sondern beherbergte auch Schulräume, eine Markthalle und Wohnungen.

Nachdem die Oberkircher Stadtverwaltung 1988 in das ehemalige Waisenhaus St. Gebhard umgezogen war, wurde das Alte Rathaus zum Museum umgebaut.

Seither erhalten Besucher hier Einblicke in die Stadtgeschichte, die Entwicklung von Handwerk, Landwirtschaft und Industrie sowie das Brauchtum im Renchtal.

Ein Schwerpunkt des Museums ist das Leben und Werk des Barockdichters Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen.

Im alten Rathaus von 1802 ist seit 1991 das ortsgeschichtliche Museum mit der literarischen Gedenkstätte für Johann Jakob Christoph von Grimmelshausen untergebracht. Mit zahlreichen Ausstellungsstücken werden die Herrschaftsverhältnisse von den Zähringern über die Bischöfe von Straßburg bis zum Übergang an das Großherzogtum Baden illustriert. Modelle Oberkircher Burgen, Kirchen und Klöster, Waffen und Kupferstiche, ein Stadtmodell von 1790 und zahlreiche weitere Text- und Bilddokumente markieren die wichtigsten Entwicklungsetappen des Ortes von der Reformation bis ins 19. und 20. Jahrhundert, als die Renchtalbahn, die Industrialisierung, das Badewesen, der aufkommende Tourismus und zwei Weltkriege das Leben und den Alltag nachhaltig veränderten.

Brauchtum und Volksfrömmigkeit, Handwerk und Landwirtschaft, Bürgertum und Vereinsgeschichte bilden weitere Schwerpunkte der Ausstellung. Die Gedenkstätte erinnert an den im Renchtal 1676 verstorbenen Dichter Grimmelshausen, der mit seinem "Simplicissimus" den bedeutendsten deutschen Roman des 17. Jahrhunderts verfasste. Zu den Exponaten gehören Primär- und Sekundärliteratur mit Ausgaben vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. (Quelle: netmuseum.de)

Der berühmteste deutsche Dichter des Barocks Johann Jacob Christoph von Grimmelshausen (1621 - 1676) wurde in Gelnhausen/Spessart vermutlich 1621 geboren. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges kam er bereits im jugendlichen Alter an den Oberrhein. In verschiedenen Funktionen vom Musketier bis zum Schreibgehilfe erlebte Grimmelshausen den fürchterlichen Krieg. 1649 heiratete er in Offenburg, inzwischen zum Katholizismus konventiert, die um sieben Jahre jüngere Catharina Henninger. Noch im gleichen Jahr trat Grimmelshausen die Stelle eines Schaffners bei seinem ehemaligen Kriegsherren Hans Reinhard von Schauenburg und dessen Vetter Carl in Oberkirch-Gaisbach an. 1653 erwarb er die Spitalbühnd in Gaisbach, wo er zwei Häuser errichtete, den "Silbernen Stern" und das ehemalige Rathaus. Von 1662 bis 1665 arbeitete Grimmelshausen als Schaffner und Burgvogt auf der Ullenburg. 1665 war er Wirt in seiner Wirtschaft "Silberner Stern", die bis heute bewirtet wird. Von 1667 bis zu seinem Tod 1676 war Grimmelshausen Schultheiß der fürstbischöflich-straßburgischen Herrschaft in Renchen. Sein berühmtester Roman "Der Abenteuerliche Simlicissimus Teutsch" erschien 1668. Bereits 1666 war "Der satyrische Pilgram I" herausgekommen. 1669 wurden sein höfischer Roman "Dietwald und Amelinde", 1670 "Der ewig währende Calender", "Die Erzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche", "Der seltsame Springinsfeld", 1671 "Der erste Bärenhäuter" u. a., 1672 "Des wunderbarlichen Vogelnests" u. a., 1673 "Der Teutsche Michel", "Der Stolze Melcher" und 1674 der zweite Teil "Des wunderbarlichen Vogelnests" veröffentlicht.

Grimmelshausen ist der wichtigste und bedeutendste deutsche Erzähler des 17. Jahrhunderts. Er schrieb mit seinem »Simplicissimus« den ersten deutschen Prosaroman von Weltgeltung. Als realistischer volkstümlicher Schriftsteller stand er fern der künstlichen, höfisch-galanten Moderomane seiner Zeitgenossen, veröffentlichte allerdings auch zwei wenig bedeutende Werke im Zeitgeschmack. Anklingend an den spanischen Schelmenroman schuf er in seinem Meisterwerk »Simplicissimus«, der aus unmittelbarem eigenen Erleben gespeist wird, einen faszinierend-abenteuerlichen, derb-drastischen und von hintergründigem Humor zeugenden Zeitroman. Er bedient sich einer direkten, oft urwüchsigen Sprache und vermittelt mit dieser Zeit- und Menschenschilderung eine auch kulturhistorisch wertvolle Darstellung. Neben diesem Hauptwerk schrieb er Moralsatiren, Streitschriften und Kalender- und Anekdotenbücher.

Innerhalb von acht Jahren sind alle seine Werke erschienen. Die Erstausgaben sind im Museum ausgestellt. Auch Teile der von ihm errichteten Gebäude fanden Eingang in das Museum, in welchem Grimmelshausen im Kontext des Dreissigjährigen Krieges dargestellt wird.

Das Heimat- und Grimmelshausenmuseum in Oberkirch ist auch Gedenkstätte für den Oberkircher Heimatdichter und Ehrenbürger August Ganther (1862 – 1938). Als Lehrer wirkte August Ganther zunächst in Immendingen, dann in Möhringen. Im Jahre 1886 wurde er an die Lessingschule in Freiburg/Br. versetzt. Dort verbrachte er den größten Teil seines Lebens.

Innerhalb des Museums wurde eine Abteilung August Ganther eingerichtet. Sämtliche Werke, Manuskripte, Tagebücher, Zeitschriftenveröffentlichungen und Plakate dokumentieren das Werk des Dichters. Während Sonderveranstaltungen werden Tonbänder und Schalplatte mit seinen Lesungen abgespielt.

Ganthers Gedichte haben vorwiegend die kleine Welt des von Alltagssorgen geplagten Menschen zum Gegenstand. Ganther kam beim Niederschreiben seiner Gedichte zugute, dass er eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe besaß und ein guter Menschenkenner war. Er schrieb mit schlichtem, einfachem und sinnfälligem Vokabular das auf, was die Menschen in seiner Umgebung dachten, sprachen und taten. Seine Dichtung ist deshalb ein lebendiger Ausdruck des Geistes der alemannischen Landschaft und ihrer mit Schöpfer- und Gestaltungskraft begabten Menschen geworden. Durch Armut, Seele, Heiterkeit, Witz und Beschaulichkeit, die aus seinen Gedichten und Prosaschriften sprechen, öffnete Ganther dem Leser ein Fensterchen, "durch das ein winziger Schimmer der Befreiung, der Freiheit und der Hoffnung sichtbar wurde" (W. Streif). Ganthers bodenständige Mundartdichtung sprach besonders jenen Menschentyp an, den die technisierte Welt und die fortschreitende Zivilisation noch nicht völlig erfasst hatten.

Das Alte Rathaus ist geöffnet am Dienstag und Donnerstag von 15 bis 19 Uhr sowie am Sonntag von 10 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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