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Sehenswertes in Ortenberg


Ortenberg, Pfarrdorf und Schloss vom Amtsorte Offenburg 3/4 St. südöstlich entfernt, hat in 159 Familien und 150 Häusern 8 evangelische und 973 katholische, mit den dazugehörigen Parzellen 1328 Einwohner, liegt am Eingange des Kinzigthales; seine nicht unbemittelten Einwohner leben von Feldbau und Viehzucht, pflanzen vortrefflichen Wein, und haben vier Weinwirthschaften. Merkwürdig ist hier besonders das Schloß, das dem Herrn von Bertholz gehört, und in neuester Zeit nach dem Plane des Professors Eisenlohr in mittelalterlichem Styl wieder neu aufgebaut wurde. Es hat einen Haupt- und fünf andere Thürme, ist mit Ringmauern versehen, und hat im Hintergrunde ein Wohngebäude mit Zinnen und Eckthürmen. Die Schönheit seiner Lage erhöhte noch die Kunst des Architekten. - O. ist sehr alt, und scheint wohl auf den Trümmern eines römischen Kastells erbaut worden zu sein.

Ueber die Namensableitung hat man viel gestritten, und doch nichts mit Gewißheit herausgebracht. Ob hier ein gleichnamiges Grafengeschlecht gewohnt, ist ungewiß, weil die Familien dieses Namens in dieser Gegend nie genannt wurden. Schon frühe war jedoch diese Burg Sitz der Grafen in der Ortenau, mit welcher sie alle Schicksale theilte, und deren Hauptveste sie war. Im Jahre 1314 verkaufte Kaiser Friedrich III. das Schloß an Bischof Johann I. von Straßburg; in den Jahren 1415 bis 1419 wurden auf der Burg große Reparaturen vorgenommen und sie wieder stärker befestigt; doch litten die Werke bald wieder Noth und drohten zu verfallen. Im 30jährigen Kriege lag hier eine schwedische Besatzung, worauf einige zeitlang eine badische folgte. In der Mitte des 17ten Jahrhunderts wurde O. von den Franzosen angezündet und ein Theil der Burg in die Luft gesprengt, und von nun an war sie unbewohnbar, nur einige Rebleute hielten sich darin auf, und 1771 mußte auch das Gefängniß in das Dorf hinab verlegt werden; seit jener Zeit verfiel die Burg immer mehr, bis sie endlich jetzt wieder neu aufgebaut wurde. - Universal-Lexikon vom Großherzogthum Baden - Karlruhe 1847

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Schloss Ortenberg


schloss ortenbergDas Schloß Ortenberg - die Ortenau 1984 - Franz Xaver Vollmer

Name: Neben der Bezeichnung "Schloß" ist von Anfang an unterschiedslos die Benennung als "Burg" (lat. "castrum") Ortenberg gebräuchlich. Im Spätmittelalter vor allem häufen sich auch Belege für "Stein zu Ortenberg"; hierbei dürfte die Burg weniger als Befestigung, sondern als Hochgerichts- und Herrschaftszentrum der reichsfreien Landvogtei gemeint gewesen sein, so wie ganz ähnlich auch der "Stein zu Rheinfelden" Mittelpunkt einer gleichnamigen reichsfreien Herrschaft war(1). Die Namensformen selbst variieren seit der Erstnennung in den Acta Gengenbacensia in den Jahren 1233-35(2) ("castrum Ortenberg" - "in castro Ortinberg") nur noch unwesentlich. Die Zurückführung des Namens auf die topographische Lage (Ort = vorderste Ecke) ist einleuchtend. Denkbar wäre allerdings noch die Übertragung des Namens von einer topographisch ähnlichen Burg (im Elsaß) durch einen übersiedelnden Adligen.

Heutiger Zustand

Ortenberg ist als Sperrburg in Spornlage auf dem Schloßberg, einem gegen den Kinzigtaleingang nach Westen vorspringenden Ausläufer des Höhenzuges Brandeck - Hohes Horn - Keugeleskopf errichtet. Die die Burganlage umfassende Ringmauer ist in 215 m Meereshöhe angelegt.

Die heutige Anlage ist eine Mischung einer mittelalterlichen Mauerburg und historisierender Neubauten des frühen 19. Jahrhunderts. In ihrer ältesten Schicht weist sie Reste von in die spätstaufische Zeit gehörenden Buckelquadermauern auf, die am besten am viereckigen Unterbau des Bergfrieds, an der östlichen Mauer der Oberburg und auch am südlichen Mauerunterbau des Wohngebäudes zu beobachten sind(3). Die Masse der meist in Bruchsteinen aufgeführten Umfassungsmauern sind bei Fehlen epochentypischer Merkmale schwer zu datieren, dürften aber mindestens z.T. ebenfalls ins 13. Jahrhundert zurückgehen, während die vorspringenden Rund- oder Halbrundtürme, die dem von Norden Ankommenden ins Auge fallen, erst im Spätmittelalter entstanden sein dürften, als gegen die auftauchenden Feuerwaffen solche "Rondeln" notwendig wurden(4). Ihre oberen Partien sind in der heutigen Form im 19. Jahrhundert neugestaltet worden(5); auch ihre heute gebräuchlichen Benennungen stammen erst aus dieser Zeit: "Malerturm" in Erinnerung an die Malerin Alexandra von Berckholtz, die Tochter des Schloßherrn Gabriel Leonhard von Berckholtz, "Jakobsturm" nach dessen Sohn Jakob von Berckholtz und "Kapellenturm", weil die Berckholtz-Familie hier eine evangelische Kapelle eingerichtet hatte. Mit diesen Türmen ist bereits die dritte Bauschicht angesprochen: sie gehört in die Jahre 1838 - 43, als die von französischen Truppen Ende des 17. Jahrhunderts ruinierte Burg von Gabriel Leonhard von Berckholtz aus Riga erworben und von dem Karlsruher Architekten Friedrich Eisenlohr im Sinne des Historismus "wiederaufgebaut" wurde. Neben den Oberteilen der Türme gehen vor allem der Wohnbau, der Oberteil des Bergfrieds und das Schloßtor auf diese Neugestaltung Eisenlohrs zurück(6). Nach Erneuerungsarbeiten der Jahre 1974-81 bieten sie wieder unverfälscht das Konzept des Historismus. Dagegen sind die Neubauten im unteren Burghof entweder durch Renovationen stark verändert oder überhaupt erst später eingebaut (zuerst die "Kutscherwohnungen" um 1880, zuletzt die Erweiterungsbauten der Jugendherberge aus den Jahren 1979-81). Die beträchtlichen Kriegsschäden, die im Verlaufe der Kämpfe um den Kinzigtaleingang am 16. April 1945 an den Schloßbauten entstanden waren, sind in den Jahren 1974-81 in umfangreichen Sicherungs- und Instandsetzungsarbeiten behoben worden; bei ihnen haben sich das Deutsche Jugendherbergswerk, die Gemeinde Ortenberg und ihr Heimat- und Kulturverein, der Ortenaukreis, das damalige Hochbauamt Offenburg, das Landesdenkmalamt und die Landesregierung im Rahmen ihres "Stauferprogrammes" verdienstvoll engagiert. Nach der Verbauung von rd. 1 Million DM kann die Bausubstanz als für die nächste Zeit gesichert angesehen werden(7).

Der "Stein" zu Ortenberg - Ernst Batzer arrowRight

Bau- und Herrschaftsgeschichte

In der Literatur über Ortenberg ist die Rede von einer angeblichen Rolle als römische Wachtstation an der Straße Straßburg-Rottweil(8) oder als frühmittelalterliche "Grafenburg", von der aus Grafschaft und Königsgut der Mortenau verwaltet worden seien(9), oder doch mindestens von einer Burgerbauung im 11. - 12. Jahrhundert durch die Herzöge von Zähringen, in deren Machtdreieck Freiburg-Villingen-Offenburg die Burg Ortenberg eine wichtige Rolle der Kinzigtalsicherung gespielt haben müsse(10).

Demgegenüber ist festzustellen:

1. Die ersten schriftlichen Benennungen, die zweifelsfrei auf die ortenauische Burg Ortenberg zu beziehen sind, stammen aus den Jahren 1233-35 (Acta Gengenbacensia)(11).

2. Der heutige Baubestand gibt keine sicheren Hinweise auf die Existenz einer Ortenburg vor dem 13. Jahrhundert. Die ältesten Partien sind in Buckelquadersteinen erbaut, die von den Bauhistorikern übereinstimmend als charakteristische Bauweise der Stauferzeit angesehen werden. Die Ruinenbilder aus der Zeit vor dem Wiederaufbau von 1838 - 43 dokumentieren heute verschwundene romanische Rundbogenfenster und ein Oberburgtor mit frühgotischen Spitzbogen(12) und bestätigen damit, daß die Burg tatsächlich in den Jahren ihrer ersten schriftlichen Nennung gebaut worden sein muß.

3. Obwohl also schriftliche und baugeschichtliche Zeugnisse auf den Bau um 1230 hinweisen, besteht weiter die theoretische Möglichkeit, daß die Baumaßnahmen dieser späten Stauferzeit nur einen repräsentativen Ausbau darstellten und bereits schon eine - bescheidene - Vorgängerburg bestanden hatte. Gibt es, da eine systematische Untersuchung des Burgbodens, die allein in dieser Frage neue baugeschichtliche Indizien liefern könnte, fehlt, wenigstens schriftliche Zeugnisse, die auf eine Existenz der Burg vor 1230 hinweisen könnten?

plan schloss ortenberg
Vielleicht hilft die Beobachtung weiter, daß die Ortenberger Gewanne Schinser, Freudental, Steine und Bruchgasse noch im Spätmittelalter als "in banno Tottenwilre" liegend bezeichnet wurden(13), daß also das spätere Dorf Ortenberg ursprünglich "Dattenweiler" (Tatenwilre, Tottenwiler) geheißen haben muß. Denn dann gehört "Sigihelm de Tatenwilre", der 1148 zur Gefolgschaft des Zähringerherzogs zählte, nach dem heutigen Ortenberg. Und wo sollte er seinen Sitz gehabt haben, wenn nicht auf dem Schloßberg? So gesehen bekommt die urkundliche Nachricht, daß 1167 ein Wernher de Ortinberch durch den Zähringerherzog Güter im Elsaß gegen solche bei Endingen/Forchheim vertauschen läßt, neue Bedeutung für unser Ortenberg. Zwar kommt dieser Werner von Ortenberg sicherlich aus dem Elsaß (von der Burg Ortenberg bei Scherweiler)(14), aber kann dieser Gütertausch nicht eine Umsiedlung vom Elsaß ins rechtsrheinische Machtgebiet der Zähringer bedeuten? Und könnten die Zähringer den Werner nicht nach Tatenwilre auf den Schloßberg gesetzt haben, auf den dieser seinen Namen "von Ortenberg" übertrug? Die Möglichkeit, daß auf solche Weise 1167 der Schloßberg zu "Ortenberg" wurde und von mindestens 1148 bis 1218 eine Rolle als zähringischer Stützpunkt gespielt hat, muß in Erwägung gezogen werden. Unbezweifelbar sicheren Boden kann die Forschung aber erst nach 1218 anbieten: Nach der Übernahme der bisher von den Zähringern verwalteten Amts- und Lehensrechte in der Ortenau durch Kaiser Friedrich II. im Jahre 1218 beginnt auch für die Burg Ortenberg erst die sicher bezeugte Geschichte.

Gernot Vilmar: Sicherung und Instandsetzung von Schloß Ortenberg im Ortenaukreis arrowRight

In der staufischen Phase von 1218 bis 1246 erlebte die Burg ihre stolzeste und gesamtgeschichtlich gesehen sicherlich bedeutsamste Zeit. Sie hat nun ihren großzügigen Auf- und Ausbau in den Bauformen einer spätromanischfrühgotischen Mauerburg erfahren, war Sitz eines reichsministerialischen "Vogtes" ("Reinboldus Advocatus de Ortenberg") und wird im zum Jahre 1241 erhaltenen Reichssteuerverzeichnis als einer der 4 ortenauischen Reichssteuermittelpunkte genannt. Doch schon 1246 / 47 wurde Ortenberg im Endkampf zwischen Kaiser Friedrich II. und dem Papste vom stauferfeindlichen Bischof von Straßburg erobert; damit brach die staufische Herrschaft am Oberrhein zusammen, und für Ortenberg war der eigentliche Höhepunkt bereits vorbei(15).

Zwar konnte König Rudolf I. von Habsburg 1274 den Bischof von Straßburg zur Aufgabe der Besetzung Ortenbergs veranlassen und die Burg wieder in unmittelbaren Reichsbesitz nehmen; auf die Dauer gelang es aber der königlichen Zentralgewalt nicht, das Ortenauer Reichsgebiet, das nun verschiedentlich geradezu "das Reich von Ortenberg" genannt wurde, als unmittelbaren Besitz des Königtums zu halten, zumal verschiedene oberrheinische Territorialherren sich um den Erwerb von Ortenberg bemühten. So kam es zu zeitweiligen Verpfändungen an die Markgrafen von Baden (1334, 1349), dann länger dauernd an die Bischöfe von Straßburg (von 1351 bis 1405 ganz und ungeteilt, von 1405 bis 1557 zur Hälfte) und schließlich zur Hälfte an die Kurfürsten von der Pfalz (1405-1504).

1504 eroberte Kaiser Maximilian I. von Habsburg in einer Auseinandersetzung mit dem rheinischen Kurfürsten persönlich die Burg Ortenberg, gab sie aber danach erneut aus, diesmal als Pfandschaft an den Grafen von Fürstenberg. Erst in den Jahren 1551 bis 1557 gelang es Habsburg, die beiden Pfandschaftshälften der Landvogtei Ortenau unter sich zu vereinigen(16). Mit der Bestandsaufnahme der alten Rechte durch eine österreichische Kommission im Jahre 1559 (niedergelegt in Gerichtsurbarien, Zollordnung, Erbordnung, Schützenordnung usw.)(17) begann die Phase der vorderösterreichischen Verwaltungszeit, die mit einer Unterbrechung der Jahre 1701 bis 1771, als die Landvogtei als Mannslehen an die Markgrafen von Baden-Baden ausgegeben war, praktisch bis 1805 dauerte(18).

Im wachsenden habsburgisch-französischen Gegensatz dieser Epoche hätte die Burg Ortenberg nochmals eine wichtige Rolle einer habsburgischen Verteidigungsfestung am Oberrhein spielen können, wenn die Pläne zur Modernisierung der Befestigungsanlagen nicht an den chronischen Sparmaßnahmen gescheitert wären. So wurden nach allen durchgeführten Inspektionen zwar immer die desolaten Verhältnisse im Bauzustand, in der Bewaffnung und in der Bemannung moniert, in Wirklichkeit aber immer nur die allernotwendigsten Flickarbeiten durchgeführt(19); der militärische Wert der zunehmend baufällig gewordenen mittelalterlichen Mauerburg sank auf den Nullpunkt, zumal die vorgeschobenen (nach 1945 größtenteils eingeebneten) Erdbastionen der Gefahr der Beschießung von der Seite des höheren Keugeleskopfes nicht wirksam begegnen konnten. Obwohl die Burg so im 30jährigen Kriege nicht ernsthaft verteidigt werden konnte und von den gerade die Landschaft beherrschenden Truppen besetzt wurde, war auch danach ihre Rolle als Herrschafts- und Verwaltungsmittelpunkt der Landvogtei Ortenberg noch intakt, wie ein zum Jahre 1666 erhaltenes Frondienstregister bis in die Details belegt(20).

Seit Anfang des 14. Jahrhunderts war die Burg nämlich eindeutig der Sitz der Landvögte der Ortenau; von hier aus wurde seitdem die Landvogtei, der Restbestand des alten Königsgutes der Ortenau mit den vier Gerichten Ortenberg, Griesheim, Appenweier und Achern, verwaltet. Grundlage dieser Herrschaftsstruktur war die alte Reichsburg, die mit einer eigenen Burggemarkung ausgestattet war und zu der vielfältige Güter, Dienstleistungen und Abgaben gehörten.

Die Burggemarkung umfaßte einmal die Hänge des Schloßberges und der Bubenhalde, aber auch den nördlich anschließenden Viehhof, das Zollhaus mit dem Zollgarten und den Zolläckern, die Laube mit dem Laubenhof, den Laubenmatten und den Laubenäckern, den Kanzleihof mit den Kanzleimatten und ursprünglich wohl auch beide später ritterschaftlichen Rebhöfe am Schloßberg, zu denen Matten, Äcker und Reben auch "hinter dem Berg" gehörten. Über die Ortenberger Wälder bestand eine "Einung" mit dem Gericht Ortenberg, nach der die Hälfte der "Kaiserlichen Majestät" als dem Burgherrn zustand. Das meiste Bauholz aber wurde durch die Frondienstler aus dem "Bellenberg" südlich von Zunsweier herbeigeschafft. Drei herrschaftliche Rebhöfe, zwei im "Meierhof" der Unterburg, einer unterhalb der Burg am Burgweg, bewirtschafteten die "Herrschaftsreben" rings am Schloßberg, aber auch in den Gewannen beiderseits des Freudentales, ja in entfernter liegenden Gewannen. So hatten die Unterburgrebhöfe u.a. auch Matten im Griesheimer Gericht als "Beinutzungsgüter". Nicht zu vergessen als Einnahmequelle ist die Kinzig mit den Holzabgaben der durchfahrenden Schwarzwaldflößer, mit den Befischungsrechten des am "großen Teich" auf einem kaiserlichen Gütchen hausenden kaiserlichen "Teich- und Fischmeisters", mit den kaiserlichen Lachsteichen, den durch Frondienstler zu unterhaltenden "Landvesten" der Wasserdämme am "Großen Teich" und dem "Mühlbach", der die beiden unmittelbar vor Offenburg liegenden kaiserlichen Mühlen mit Wasser versorgte. Diese Mühlen waren für die Aufrechterhaltung der ganzen Dienstleistungsorganisation wichtig, da ihr Mühlmeister alle Frondienstpflichtigen der Landvogtei mit den ihnen täglich zustehenden Broten zu versorgen hatte. Alles war durch altes Herkommen genau geregelt: die Ziegellieferungen von der "Ziegelscheuer", die Schindellieferungen von Gengenbach, die Sandsteinfuhren aus dem Oberschopfheimer Gebiet, die "Beholzungs"-Rechte, die Haferlieferungen der Ortenauer Reichsstädte, die Stellung der für die Wasserversorgung vom Eselsbrunnen auf das Schloß notwendigen Esel und Eselsknechte durch Gengenbach, usf, usf(21). Die Burg Ortenberg war also nicht nur eine Befestigungsanlage, sondern zugleich ein differenziert organisierter Wirtschafts- und Dienstleistungsbetrieb, dessen Organisation auf eine zielstrebige Planung der Herrschaft zurückgehen dürfte, wobei man je nach Denkmodell karolingische, zähringische, staufische oder habsburgische Maßnahmen annehmen mag.

Daß die Burg Ortenberg vor allem als "Hexenstuhl" in schlimmer Erinnerung geblieben ist, verdankt sie dem Umstand, daß in der Zeit des Hexenwahnes(22), der auch in der Landvogtei Ortenau von 1557 bis 1630 tobte, die in den 4 Gerichten aufgegriffenen Beschuldigten zu Verhör unter Folterung nach Ortenberg als dem zentralen Gefängnis und dem obersten Gericht der Landvogtei eingeliefert werden mußten, obwohl eigentlich jedem einzelnen der 4 Gerichte auch die Blutgerichtsbarkeit verbrieft war. Nach der Verurteilung der Unglücklichen wurden sie entweder zur Verbrennung oder Hinrichtung durch das Schwert in ihre Gerichtshauptorte zurückgebracht oder auf der Ortenberger Richtstätte, dem heute zwischen den Gemarkungen Offenburg und Ortenberg aufgeteilten Galgenberg (Schindwasen, Galgenfeld, Galgengrün) gerichtet, der noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts den Flurnamen "Himmelreich" trug.

Nach vielhundertjährigem Funktionieren kraft "alten Herkommens" erfuhr diese Herrschaftsstruktur ihre erste tiefgreifende Erschütterung in den Kriegen Ludwigs XIV. am Ende des 17. Jahrhunderts: französische Truppen sprengten 1678 die Befestigungstürme und zündeten 1697 den Rest der Burg an. Die militärisch wertlose Burg war damit eine unbewohnbare Ruine. Während die drei herrschaftlichen Rebhöfe in den folgenden Jahren wieder hergestellt wurden und weiterwirtschafteten, verkamen die Reste der eigentlichen Burganlage in den 150 Jahren der folgenden Ruinenzeit immer mehr. Lediglich der intakte Unterbau des Bergfrieds, der legendenumrankte, gefürchtete "Schimmel", soll bis um 1760 als Gefängnisverlies weiterbenützt worden sein, bis die moderne Strafrechtspraxis des aufgeklärten Absolutismus diese inhumane Gefangenhaltung durch Erbauung neuer Gefängnisse unten im Dorfe bei der "Krone" ersetzte.

Als 1805 die Landvogtei Ortenau an Baden kam, wurden die letzten mittelalterlichen Funktionen der Burg aufgelöst, das "Schloßrebgut" und die Ruine kamen in den Besitz der Staatsdomänenkammer, wurden aber in den 30er Jahren zum Verkauf angeboten. So ersteigerte 1833 Gabriel Leonhard von Berckholtz aus Riga das Schloßrebgut und ließ "in den Jahren 1838-1843" die "Burg Ortenberg neu wieder aufbauen". Damit begann eine zweite bau- und sozialgeschichtlich bemerkenswerte Epoche des Schlosses. Wie keine andere Burg der Ortenau erfuhr nun Ortenberg das Schicksal, daß durch Handelsgeschäfte und Industriebeteiligungen zu Reichtum gekommene soziale Aufsteiger, die sich bereits den Adelstitel verschafft hatten, nun durch Burgenbesitz eine neofeudale Tradition zu bilden versuchten. Dabei gingen sie ein Bündnis mit Architekten ein, die sich aus einem romantisierenden und historisierenden Zeitgefühl heraus in die Baugesinnung des Mittelalters einzufühlen versuchten. So baute der Karlsruher Architekt Friedrich Eisenlohr nun Ortenberg für den Herrn von Berckholtz im Stile englischer Spätgotik neu auf, zerstörte dabei aber noch erhaltene Reste der romanisch-frühgotischen Ruine, um Raum für eine einheitliche Lösung zu gewinnen. Das neue Schloß, das schon 1840 von der Berckholtz-Familie bezogen wurde, ist in seiner Mischung von baugeschichtlichem Historismus und romantisierender Feudalimitation ein in unserer Landschaft einmaliges Zeugnis der Geistes- und Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts geworden. Von der Familie Berckholtz wurde Schloß Ortenberg 1872 an Baron Gustave de Bussierre verkauft, von dessen Familie es 1889 Baron von Hirsch kaufte, dessen Nachkommen es 1942 an das Deutsche Jugendherbergswerk veräußerten. Von Berckholtz, dem russischen Paßinhaber und Handelsherrn aus Riga, kam das Schloß also über den französisch-elsässischen Baron und Teilhaber der Offenburger Spinn- und Weberei Bussierre an den aus einer Würzburger Judenfamilie zum Hofbankier main-fränkischer Fürsten und des bayerischen Königs aufgestiegenen Baron Hirsch, dessen Herz mehr an der Pariser Wohnung als an Ortenberg hing. Alle drei Familien waren durch Heereslieferungen und Kriegsgewinne in den napoleonischen Kriegen oder durch risikoreiche Handelsgeschäfte - man sprach sogar von Sklavenhandel - und durch moderne Industriebeteiligungen zeitweise sehr reich geworden und ließen nun auch die Ortenberger durch Schaffung von Arbeitsplätzen, großzügige alljährliche Almosenverteilungen an die Ortsarmen zu Weihnachten und durch besondere Stiftungen daran etwas teilhaben. Insgesamt ist der Versuch dieser Traditionsbildungen durch Erwerb des Schlosses Ortenberg aber mißlungen, die psychologische Kluft zwischen den Dorfbewohnern und den nur für die Sommermonate anreisenden "Herrschaften" blieb unüberbrückt - mit Ausnahme der Maria Eleonora Diana von Hirsch, die mit Ortenberg durch Erinnerungen an eine glückliche Jugend und eine hier 1897 glanzvoll gefeierte Hochzeit mit dem bayerischen Freiherrn von Brand zu Neidstein verbunden blieb. Auf dem Ortenberger Bühlwegfriedhof erinnern noch die Familiengruften Berckholtz und Bussierre an diese mit dem 1. Weltkrieg und der nachfolgenden Inflation zu Ende gegangenen Epoche.

Sagen:

Mit der Eigenschaft einer Amtsburg mag es zusammenhängen, daß sich in der Bevölkerung keine Sagen erhalten haben; die literarische Sage von der "Pilgerin" mit dem Motiv der glücklichen Heimkehr eines in der Weit abenteuernden und sich bewährenden Burg-Jungherrn (vgl. F. Vollmer, Burg Ortenberg...S. 66) scheint ein junges, romantisches Kunstprodukt des 19. Jahrhunderts zu sein. Auf reale geschichtliche Tatsachen dagegen dürften die sagenhaften Traditionen von dem schauerlichen Verlies im "Schimmel"-Turm zurückgehen.

Die Erzählungen von dem unterirdischen Gang, der den Burgbewohnern als Fluchtweg - oder gar als Verbindungsweg zur Burg Hohengeroldseck - gedient habe, müssen hingegen ins Reich der romantisierenden Phantasie verwiesen werden.

Literatur:

E. Batzer, Der Stein zu Ortenberg, in: Ortenau 21/1934, S. 305-321
M. Wingenroth, Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg. Tübingen 1908, S. 522-536
F. Vollmer, Schloß Ortenberg. Grundzüge einer Geschichte der ehemal. ortenauischen Reichsburg und des Sitzes der kaiserlichen Landvogtei Ortenau, in: Ortenau 34/1954, S. 100-123, 35/1955, S. 142-151, - auch Sonderdruck (Offenburg 1955);
F. Vollmer, Burg Ortenberg und Bühlwegkapelle. Zwei Zeugen Ortenauer Vergangenheit. Ortenberg 1976;
Fr. X. Vollmer, Das "Statutum in favorem principum" (Gesetz zugunsten der Fürsten 1232) in: Politik und Unterricht, Sonderheft Sozialgeschichte der Stauferzeit 11. 1978. S. 11 ff.;
G. Vilmar, Sicherung und Instandsetzung von Schloß Ortenberg im Ortenaukreis, in: Denkmalpflege in Baden-Würtiemberg. Nachrichtenblatt des Landesdenkmalamtes 10. Jg. 1981, S. 66-75.

Anmerkungen:

1.) Zum Stein von Rheinfelden - der Burginsel im Rhein - vgl. z.B. das Zeugnis der "inwoner der herrschaft oder grafschaft des steynes Rynfelden", daß sie "ein ganz fry land, also das alle die, so darin gesäßen, ganz fryzügig und mit keyner knechtlichen dienstbarkeit verfaßt noch gebunden sygent lut unser alten urbern und dinckrödeln..." (1525). Gedruckt bei G. Franz, Der deutsche Bauernkrieg, Aktenband No 44, S. 180, 1935, auch spätere Neuauflage.
2.) Acta Gengenbacensia, hrg. v. A. Schulte, in: ZGO 43 (N. F. 4). 1889. - S. 101, 111.
3.) Vgl. M. Wingenroth, Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg, S. 533. "Fig. 299. Der Bergfried der Burg Ortenberg."
4.) Einzelheiten bei F. Vollmer, Burg Ortenberg..., S. 44 ff.
5.) Vgl. die Planungsskizzen von Eisenlohr 1838 im Ritterhausmuseum Offenburg. Abdruck bei F. Vollmer, Burg Ortenberg... S. 99.
6.) F. Vollmer, Burg Ortenberg...S. 91 ff. - G. Vilmar, Sicherung und Instandsetzung von Schloß Ortenberg...S. 66 ff.
7.) G. Vilmar, a. a. O., S. 66 ff.
8.) J. Bader, Das ortenauische Schloß Ortenberg, in: Badenia I. 1839, S. 266 ("Jedenfalls bleibt es unbestreitbar, daß die Römer den Ortenberg mit einem Kastelle besetzt hatten, da die Substruktionen des Schlosses völlig römischer Natur sind.").
9.) K.-L. Hitzfeld, Der Stein zu Ortenberg, das Bamberger Fürstenlehen und die Entstehung der Reichslandvogtei Ortenau, in: Ortenau 49/1969, S. 9-34.
10.) Zur Zähringer-Theorie vgl. F. Vollmer, Schloß Ortenberg. Grundzüge einer Geschichte...1954, S. 101 ff. - Ders., Burg Ortenberg...S. 20 f.
11.) Vgl. Anm. 2.
12.) F. Vollmer, Burg Ortenberg...Abb. S. 71, 75, 81.
13.) GLA 30/16 Dattenweiler - K.-L. Hitzfeld, Die wirtschaftlichen Grundlagen der Abtei Gengenbach, in Ortenau 41/1961, S. 124 f.
14.) WUB 2, S. 154. Nr. 388 - Vgl. F. Vollmer, Burg Ortenberg...S. 18 ff.
15.) Vgl. H. Niese, Die Verwaltung des Reichsgutes im 13. Jahrhundert. 1905. Register. K. Bosl, Die Reichsministerialität der Salier und Staufer 1. S. 151, 216. F. Vollmer, Besitz der Staufer, Beiwort zur Karte V, 4 des Histor. Atlas von Baden-Württemberg; ders., Staufische Territorialpolitik im deutschen Südwesten, in: Baden-Württemberg 24/1977. Heft 1. S. 13 ff.; ders. in "Sozialgeschichte der Stauferzeit II", (in: Politik und Unterricht, Mai 1978, S. 11 ff}; F. Vollmer, Burg Ortenberg...S. 23 ff.
16.) Einzelheiten bei F. Vollmer, Burg Ortenberg...S. 35 ff.
17.) GLA 229/80962: Das Ortenberger Gerichtsurbarium (vgl. auch
    - GLA 229/81015: Rechte des Gerichts Ortenberg);
    - GLA 229/80873: Erbordnung.
    - GLA 229/81081: Zollordnung auf die Zollstatt zu Ortenberg.
    - GLA 229/81021: Schützenordnung im Gericht Ortenberg (vgl. auch 229/81025) etc.
18.) Pehem, Geographische Beschreibung der Landvogtey Ortenau. 1795. O. Kähni, Die Landvogtei Ortenau, in: F. Metz, Vorderösterreich, 2. Aufl. 1967, S. 491-503; F. Quarthal, G. Wieland, B.  Dürr, Die Behördenorganisation Vorderösterreichs von 1753 bis 1805. 1977.
19.) GLA 229/80849 ff. J. Bader, a.a.O. S. 271 ff.; danach: E, Batzer, Der Stein zu Ortenberg, S. 310 ff.
20.) GLA 229/80955: Fron-Register wegen düs schloß Ordtenberg bedte wasser deich undt Ambts hoff und bedte herrschaftl. Schloß Mühlen wie auch sonsten... (1666).
21.) GLA 229/80962, 229/81015 etc. - Eselhaltung z.B. GLA 229/80954, 80956, 80957 - Altes Grundbuch Gemeinde Ortenberg, passim. F. X. Vollmer, Geschichte des Dorfes Ortenberg (in Vorbereitung).
22 F. Volk, Hexen in der Landvogtei Ortenau und in der Reichsstadt Offenburg. Lahr 1882.

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Wallfahrtkirche Mariae Ruh:


Kapelle am BuehlwegDie Bühlweg-Kapelle steht auf dem Käfersberg, am Weg zwischen Ortenberg und Fessenbach. Dabei handelt es sich um ein kleines Kirchlein in idyllischer Lage. Der Blick geht hinüber zum Ortenberger Schloss und reicht weit hinein in das Kinzigtal.

Bemerkenswert, die gesamte Anlage - die Kapelle beschreiben Ellen Mandel als Kennerin  und Max Wingenroth in seinen Baudenkmälern des Großherzogtums Baden weiter unten - , welche nicht nur der Kapelle selbst sondern auch eine Kirchhof (Friedhof) und einem Beinhaus raum gibt.

Berühmte Ortenberger / Ortenauer liegen hier zu ihrer letzten Ruhe, darunter auch zwei der vormaligen Besitzer des Ortenberger Schlosses.

Eine neuklassische Familien-Gruft des Baron Gustave Renouard de Busierre und seiner Familie und westlich davon die der Familie von Berckholtz-Offensandt mit insgesamt 13 verstorbenen Familienmitgliedern.

Ellen Mandel - Die Bühlwegkapelle im 19. und 20. Jahrhundert: Wallfahrtsort und Kunstdenkmal - S. 125 ff.

Die Sorge um die Erhaltung

Streit um die Eigentumsverhältnisse an der Kapelle

Nach dem Bau der neuen Pfarrkirche in Ortenberg wurde im Jahre 1827 die Bühlwegkapelle der politischen Gemeinde Ortenberg zur Unterhaltung zugewiesen. Seit 1828 floß das Erträgnis des Opferstokkes in die Gemeindekasse. Dafür mußte die Gemeinde alle Unterhaltungskosten bestreiten. Die Kirche war zusammen mit dem Friedhof im Grundbuch als Eigentum der politischen Gemeinde eingetragen. Der katholische Oberstiftungsrat wollte später immer wieder die Übertragung des Eigentums der Bühlwegkapelle auf die katholische Kirchengemeinde durchsetzen. Weil der Friedhof mit der Kapelle ein Grundstück bildet, und die Gemeinde Eigentümer des Friedhofes sein muß, kam der Gemeinderat zu keinem Entschluß. Um einen drohenden Rechtsstreit zu vermeiden, fand man einen Mittelweg. Nach dem ersten Weltkrieg gewährte die Gemeinde der katholischen Kirche das dauernde Gebrauchsrecht an der Bühlwegkirche.

Die Restaurationen des 19. und 20. Jahrhunderts

Seit die Pfarrei im Jahre 1824 an die neue Kirche in Ortenberg übergegangen war, vernachlässigte man die Bühlwegkapelle wieder. Nur zeitweise besuchten Gläubige das Kirchlein zur Wallfahrt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts sah sie schließlich recht verwahrlost aus. 1864 vermachte eine Frau Nerlinger aus Offenburg in ihrem Testament 100 Gulden für die Reparatur der Kapelle(27). So war eine Restauration im Jahre 1870 möglich. Fenster mit Teppichmustern wurden eingesetzt, und das Kirchlein erhielt ein neues Gestühl(28).

Einige Jahre später stürzte die westliche Kirchhofsmauer samt der Vorhalle ein. Die Mauer wurde gleich wieder aufgebaut und im Jahre 1877 eine Vorhalle über dem Portal errichtet(28), die 1968 durch ein Pultdach ersetzt wurde.

Der Zunsweierer Landwirt Bartholomä Broß setzte in seinem Testament 1878 den Kirchenfonds Ortenberg zum Uhniversalerben ein(29). Das Geld sollte für die Unterhaltung des Bühlwegkirchleins verwendet werden. Seiner Stiftung legte er den Namen "Bartholomäusfonds" des Bühlwegkirchleins bei. 1878 trat die Gemeinde nach längerem Bitten die Einnahme aus dem Opferstock der Bühlwegkapelle zu Gunsten des Bartholomäusfonds ab(30). So enthielt der Bartholomäusfonds im Jahre 1902 eine Geldsumme von 7000 Mark(30). Mit diesen Mitteln konnte die längst fällige Restauration der Bühlwegkapelle dann ermöglicht werden.

Franz Vollmer - über das Ortenberger-Offenburger Kirchspiel - sowie Fresken an der Südwand der Bühlwegkapelle (Passionszyklus) arrowRight

Die Instandsetzung begann dann auch im Jahre 1902. Zuerst wurde das äußere Gewand der Bühlwegkapelle erneuert. Geradsturzige Fenster mit neu eingesetzten Mittelpfosten in gotischer Form mit Butzenscheiben mußten an Stelle der alten mit Teppichmustern treten. Bei der Abnahme des Verputzes im Innern der Kirche stieß man auf alte Wandmalereien von hohem Kunstwert. Die Fresken waren zum Teil nur noch undeutlich erkennbar.

Für die Restauration dieser spätmittelalterlichen Malereien setzten sich Uhniversitätsprofessor Dr. Künstle, der Konservator der Baudenkmale, Oberbaurat Kirchner, und das erzbischöfliche Bauamt besonders ein(31). Die Regierung ließ die Gemälde prüfen und gab danach einen Zuschuß von 2.600 Mark zur Erhaltung und Restaurierung dieser Wandmalereien(32).

Mit dieser schwierigen Arbeit wurde der Kunstmaler Theodor Mader aus Karlsruhe beauftragt. In seinem Abschlußbericht vom 30. Mai 1908 schreibt er:

"Sämtliche bemalten Wandflächen wurden im 18. Jahrhundert mit Verputz überzogen. Um diesen auf dem bemalten Grunde, der gleichmäßig mit Kohle, Holz und ungelöschten Kalkbrocken und -grieben durchsetzt ist, besser haftbar zu machen, sind alle Flächen mit dem Spitzhammer bis auf das Rohmauerwerk angepickt worden. Wo der Verputz am morschesten war, wie im Laurentiusbilde, am Chorbogen, im Chorgemälde kommen bis zu 1200 Pickhiebe auf den Quadratmeter... Es mußten fehlende größere Teile ergänzt, wie auch die zahlreichen Retouchen so gehalten werden, daß sie nur auf kürzeste Entfernungen wahrnehmbar bleiben..."

Um den oberen Teil der Gemälde freizulegen, wurden bei den Restaurationsarbeiten die Barockstuckdecken im Langhaus durch eine Stabdecke aus Holz ersetzt. Jene im Chore blieben erhalten. Die Emporbrüstung wurde mit Stukkaturornamenten versehen(33). Die beiden barocken Seitenaltäre erneuerte man im gotischen Stil. Der eine stellte nun ein Gruppenbild, den Tod des hl. Josephs, in Hochrelief dar. Dieses Werk wurde vom Freiburger Bildhauer Dettlinger geschaffen.(34)

Vorher stand auf diesem Altar auf der Epistelseite die Barockstatue des hl. Bartholomäus. Diese Großplastik brachte man nun in die Pfarrkirche nach Ortenberg. Die im 18. Jahrhundert errichtete Kanzel muß schon vor dieser Renovierung abgerissen worden sein.(36)

Während der beiden Weltkriege entstanden einige Schäden an der Bühlwegkapelle. Im Jahre 1950 begann man mit der notwendigen Instandsetzung des unter Denkmalschutz stehenden Bühlwegkirchleins. Die Kunstwerkstätte der Gebrüder Mezger in Überlingen reinigte die Malereien von Staub und festigte die Oberfläche.

Sichtlich verändert wurden die beiden Seitenaltäre. Die alte Plastik des Kirchenpatrons, des hl. Bartholomäus, schmückt nun wieder wie früher den rechten Seitenaltar. Auch das Gnadenbild, eine überaus zarte gotische Pieta, kam auf ihren ursprünglichen Platz. Sie steht wieder auf dem linken Seitenaltar.

So ist die Bühlwegkapelle Maria Ruh als Vermächtnis aus dem Jahre 1497 wohlerhalten geblieben. Trotz einiger Veränderungen steht die Kapelle heute in ihrer ursprünglichen Ausschmückung auf dem Bühlweg. Jeden Freitag wird in ihr eine heilige Messe gefeiert. Zu Maiandachten und zum Rosenkranz versammeln sich die Gläubigen gern in diesem Kirchlein. Die stille Bühlwegkapelle ist Anziehungspunkt vieler Gläubiger und Kunstfreunde.

Das Kapellengebäude

Schon immer war das Kirchlein von dem schön gelegenen Bergfriedhof umgeben. Die alten Grabkreuze aus Stein, die an der Kirchhofmauer vor dem Eingang der Kapelle stehen, versetzen uns in eine frühere Zeit zurück. Der Grundriß der Bühlwegkapelle ist heute noch so, wie er am Ende des 15. Jahrhunderts festgelegt wurde.

Der damaligen Zeit gemäß errichtete man das Kirchlein mit dem Altar Richtung Osten und den Eingang nach Westen. Es besteht aus einem einschiffigen, rechteckigen Langhaus, zu dem sich in einem Spitzbogen der verhältnismäßig kleine Chor öffnet. Die Kirche hat eine Länge von etwa 12 m und eine Breite von 7 m. An die Südseite des Chores ist die Sakristei angebaut. Wie uns die Fensterbrüstungen zeigen, sind die Mauern des Kirchleins sehr stark. Bemerkenswert ist der kleine Dachreiter über dem Chor. Sein Unterbau stammt noch aus der Zeit des ausgehenden 15. Jahrhunderts(37).

Im 18. Jahrhundert erhielt er seine Spitze. Das Türmchen ist 6eckig und besteht aus zwei kleinen übereinandergesetzten Kuppeln. Zwei Glocken bilden den Bestand des Glockenstuhles. Aus dem Jahre 1753 blieb uns noch die Bartholomäusglocke erhalten. Sie trägt den Namen des Bühlwegkirchenpatrons, St. Bartholomäus. Auf der Glocke steht der Herstellungsvermerk:

"Mich goß Math. Edel, Straßburg." Die Glocke wiegt 4 Zentner und ist auf den Ton ‚C’ abgestimmt. Eine kleine neue Glocke ergänzt das Geläute mitdem Ton "es". Diese Marienglocke stellte die Firma C. F. Schilling aus Heidelberg im Jahre 1957 her(38).

Die künstlerische Ausschmückung

Zu beiden Seiten des Altares stehen die holzgeschnitzten Barockfiguren der Muttergottes und des hl. JohannesDurch den schön gearbeiteten gotischen Torbogen aus Sandstein betritt man die Kapelle. Das Tageslicht fällt warm durch die vier Fenster mit gelblichen Butzenscheiben ins Langhaus auf die braunen derben Bänke, während drei hohe gotische Fenster den Chorraum mit dem Barockaltar hell erleuchten lassen. Die natürliche Beleuchtung steigert sich in dem Kirchlein vom Eingang bis zum Altar immer mehr. Auch wird die Ausschmückung der Kapelle zum Altar hin reicher. Die Wandmalereien mit ihren gedämpften Farben treten zunächst vor den Seitenaltären und dem prunkvollen barocken Baldachinaltar zurück.

Altäre

Der Hochaltar, ein Barockaufbau mit vier Säulen, umschließt ein großes Ölgemälde, das Maria Himmelfahrt und Maria Krönung durch die heilige Dreifaltigkeit darstellt. Das Gemälde nimmt die ganze Höhe der östlichen Chorwand ein und grenzt an den Seiten an die gotischen Fenster.


Dieses Kunstwerk wurde von einem unbekannten Meister im Barockstil gemalt. Dunkle und satte Farben, kraftvolle Figuren von fließender Bewegtheit prägen dieses Gemälde. Die Muttergottes, in der Mitte des Bildes, schwebt in hellem Gewand und blauem Umhang auf einer Wolke. Mit ihrem rechten Fuß steht sie auf der Mondsichel. Jesus, links über ihr, mit einem roten Tuch umhüllt, blickt Maria entgegen. Er trägt ein mächtiges Holzkreuz. Auf der anderen Bildseite, höher als Maria und Jesu, schwebt Gottvater. Er und Jesu halten eine goldene Krone über das Haupt Mariens.

Kapelle am Bühlberg - Max Wingenroth arrowRight

Der Heilige Geist bildet den oberen Abschluß des Gemäldes. Drei Engel, zu Füßen der Muttergottes, reichen ihr Blumen. Ein älterer Engel hält ihr knieend eine Lilie entgegen. Die Gewänder der Gestalten leuchten herrlich in den Farben aus den sonstigen Brauntönen des Bildes heraus. Dieses Kunstwerk bildet den Höhepunkt des Chores.

Zu beiden Seiten des Altares stehen die holzgeschnitzten Barockfiguren der Muttergottes und des hl. Johannes. Beide schauen voller Erregtheit und Schmerz auf das Kreuz über dem Tabernakel. Zwischen den Säulen erblickt man rechts die Statue des hl. Augustinus und links die des hl. Apostels Jakobus als Pilger dargestellt. Die Großplastiken wirken prunkvoll und majestätisch.

Den rechten Seitenaltar schmückt eine alte, neugefaßte Barockstatue des Bühlwegkirchenpatrons. Der hl. Bartholomäus hält als Patron der Winzer ein Rebmesser in seiner Hand. Diese Plastik wird von einem Schrein umrahmt, der mit Weinlaub und Trauben verziert ist.

Eine geschnitzte, kleinfigurige, zarte Pieta befindet sich auf dem linken Seitenaltar. Dieses hervorragende Werk der Spätgotik stammt wahrscheinlich aus dem Jahre 1470. Auch diese Plastik ist neuerdings von einem goldenen Schrein eingefaßt.

Die Farben der Statuen sind auf die der Wandmalereien abgestimmt.

27.) W. Störk, Die Verehrung der schmerzhaften Mutter Gottes zu Maria Ruh im Bühlweg bei Ortenberg, Offenburg 1909. S. 21.
28.) Rechnung Bühlwegkirche 1877, Gemeindearchiv Ortenberg.
29.) W. Störk, a. a. O. ,S. 19.
30.) Einiges aus der Chronik der Bühlwegkirche, Archiv Rathaus Ortenberg.
31.) Maria Ruh im Bühlweg, Bericht im Offenburger Tageblatt vom 17. April 1954.
32.) Aus der Chronik der Bühlwegkirche, Archiv Rathaus Ortenberg, S. 35.
33.) Die Restauration der Wallfahrtskapelle Maria Ruh im Bühlweg, Archiv Rathaus Ortenberg, S. 11.
34.) W. Störk, a. a. O., S. 36.
35.) W. Störk, a. a. O., S. 36.
36.) "Im Innern des Käfersberger Kirchleins an der rechten Seitenwand erblickte der Besucher noch bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts die alte ehrwürdige Kanzel." - Vom Bühlwegkirchlein zur Mariä Ruhe (Offenburger Tageblatt vom 11.7.1909).
37.) M. Wingenroth, Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg. S. 523.
38.) Vergl. H. Kuolt, Neues Geläute in der Bühlwegkirche.

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Kath. Kirche St. Bartolomaeus Ortenberg


Nach vier drastischen Umgestaltungen zeigt sich das Innere heute als ein Miteinander von nazarenischer und zeitgenössischer KunstSt. Bartholomäus ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Ortenberg im Ortenaukreis (Baden-Württemberg). Sie wurde in den 1820er Jahren in klassizistischem Stil erbaut und gehört zur Seelsorgeeinheit Vorderes Kinzigtal des Erzbistums Freiburg. Nach vier drastischen Umgestaltungen zeigt sich das Innere heute als ein Miteinander von nazarenischer und zeitgenössischer Kunst. Ihre Geschichte – und die Geschichte des Ortes – hat besonders der aus Ortenberg stammende Heimatforscher Franz X. Vollmer (1922–2011) erforscht.

Die erste Kirche im heutigen Ortenberg war die Bühlwegkapelle auf einem Hügel zwischen den Dörfern Ortenberg und Käfersberg, das heute ein zur Gemeinde Ortenberg gehörender Wohnplatz ist. Die Bühlwegkapelle war auch kirchenrechtlich Pfarrkirche, verlor diesen Status aber 1182 an die neu gegründete Pfarrei Heilig-Kreuz in Offenburg und wurde so Filiale. Erst dank der Reformen Kaiser Josephs II. wurde Ortenberg 1787 wieder selbständige Pfarrei und die Bühlwegkapelle Pfarrkirche. Sie war allerdings zu klein und nicht in gutem Zustand. In einem Bericht von 1805 heißt es: "Bei Abhaltung der Christenlehre kann nur entweder das männliche oder das weibliche Geschlecht erscheinen. Es ist daher kein anderes Mittel, dem täglich überhand nehmenden Verdörbnüß ein Damm zu setzen als eine der Seelenzahl angemessene Erbauung einer Kirche." 1808 übernahm die seit dem Frieden von Pressburg 1805 zuständige großherzoglich-badische Regierung die Baukosten für den Chor und den Turm. Die Kriegs- und Notjahre des zweiten Jahrzehnts verhinderten aber vorerst eine Realisierung. Man dachte auch daran, die Bühlwegkapelle zu vergrößern oder einen Neubau an ihre Stelle zu setzen. Schließlich – 1822, Pfarrer war Anselm Fey (Pfarrer von 1822 bis zu seinem Tod 1839) – fiel die Entscheidung für einen Neubau in der Ebene nach Plänen des Bezirksbaumeisters Hans Voß, in die Detailänderungen durch dessen Lehrer Friedrich Weinbrenner eingegangen waren. Am 9. Juni 1823 wurde der Grundstein gelegt, am 24. Oktober 1824 die Kirche geweiht. Die Bühlwegkapelle wurde wieder Filiale.

Über die Entwicklung der Baumaßnahmen schreibt Joseph Sauer in seiner "kirchliche Kunst der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Baden" 1933:

Ortenberg:(256) Pfarrkirche 1824. Wegen eines Kirchenneubaues wurden schon im vorletzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts Verhandlungen geführt; 1789 wurden dafür auch schon Risse und Überschläge gefertigt und samt der Bitte um Beschleunigung des Baues der Regierungstelle unterbreitet. Der Anlaß dazu war durch die infolge der Josefinischen Kirchenreform geschaffene Neuregelung der Pfarrei gegeben; die bisherige Filiale Bühlweg war von Offenburg getrennt und zur selbständigen Pfarrei erhoben worden (1789). Dem Chorstift St. Moritz in Ehingen war die Last der unentgeltlichen Pastoration auferlegt worden. Der Bau einer besonderen, vor allem größeren Kirche und einer bequemeren Pfarrwohnung wurde schon gleich als Notwendigkeit empfunden und von einer eigenen Kommission fast bis zur Verwirklichung vorbereitet. Denn die zunächst benutzte Wallfahrtskirche Bühlweg faßte von der 1140 Seelen starken Gemeinde kaum den vierten Teil. Die unruhigen Jahre des ausgehenden 18. Jahrhunderts brachten den Bauplänen aber eine erhebliche Vertagung. Unterm 23. Januar 1805 meldete sie aber der damalige Pfarresident Kanonikus Stier beim Oberamt wieder neuerdings an unter Betonung der ganz unbaltbaren Zustände beim Gottesdienst:

"Bei Abhaltung der Christenlehre kann nur entweder das männliche oder weibliche Geschlecht erscheinen. Es ist daher kein anderes Mittel, dem täglich überhand nehmenden Verdörbnüß ein Damm zu setzen als eine der Seelenzahl angemessene Erbauung einer Kirche. Ebenso nothwendig ist aber auch eine neue Pfarrwohnung, denn die würkliche Wohnung ist ein schlechtes Baurenhaus, von der Kirche eine Viertelstunde entfernt, wo der Zugang bei übler Witterung sehr beschwerlich, oft fast unmöglich, besonders bei einem Alter von 60 Jahren."

Nachdem noch im Jahre 1807 an der Bühlweger Kirche einige dringliche Instandsetzungsarbeiten vorgenommen, wobei das seit 40 Jahren nicht mehr umgeschlagene Dach umgedeckt, die verfaulten Dachstuhlbalken erneuert und die stückweise abfallende Gipsdecke wieder hergestellt worden waren, brachte das Jahr 1808 für die Neubaufrage eine entscheidende Lösung. Unterm 18, August teilte die Großh. Badische Regierung der Markgrafschaft dem Oberamt Offenburg den Inhalt des Reskripts des Justizministeriums vom 18. August mit, wonach die unter der österreichischen Regierung sequestrierten Zehntgefälle des Pfarrektorats Offenburg dem Großh. Arario (= öffentliches Vermögen, Fiskus) als Eigentum überlassen und vom Finanzministerium zum künftigen Bezug unter folgenden Bedingungen übernommen worden seien:

1. Die Kongrua der Pfarreien Bohlsdbach und Waltersweier wird auf 600 fl. erhöht;

2. die Pfarrei Ortenberg vom Ärario mit jährlich 800 fl. dotiert;

3. dem durch die Sequestration schon schwer geschädigten und nach dem Eingehen der zwei Mendikantenklöster auf einen zweiten Vikar angewiesenen Pfarrektor von Offenburg wird eine jährliche Aufbesserung von 400 fl. gewährt;

4. dem gering dotierten Pfarrer von Önsbach wird eine jährliche Aufbesserung von 150 Gulden in Aussicht gestellt;

5. das Ärarium übernimmt als alleiniger Zehntherr und nach der Observanz des Bistums Straßburg die auf den Zehnten ruhende Bau- und Unterhaltungspflicht an Pfarrbäusern, Turm und Chor in den betreffenden ortenauischen Gemeinden;

6. der aus dem sequestrierten Ortenberger Weinzehnten gesammelte Betrag zu 2.591 fl. ist zum dortigen Kirchen- und Pfarrhaus-Neubau zu verwenden, und zwar zur Hälfte zur Erleichterung der ärarischen wie der Gemeindebaulast (Langhaus); diese Verwendung soll möglichst bald zur Herstellung des so notwendigen Kirchen- und Pfarrhausbaues, wofür baldigst Riffe und Überschläge gefertigt werden sollen, womit im nächsten Frühjahr der Bau begonnen werden kann, erfolgen;

7. die verarmte Gemeinde Zell erhält zu gleichen Bauzwecken in Weingarten die sequestrierten Zeller Zehntgefälle in Höhe von 5.561 fl.

Auf diesen verheißungsvollen Anstoß folgte aber eine lange Pause von 12 Jahren, verursacht wohl durch die Kriegs- und Notjahre des zweiten Jahrzehntes. Auf eine dringliche Vorstellung des Vogts Kitiratschy beim Oberamt (5. September 1820) wurde alsbald Bezirksbaumeister Voß zur Fertigung von Rissen und Überschlägen aufgefordert; sie lagen im April des folgenden Jahres vor für eine Kirche mitten im Dorf Orfenberg. Gegen die Wahl dieses Bauplatzes erhob nicht nur die Filiale Käfersberg Einspruch, sondern auch ein Teil der Ortenberger, die möglichst die Bühlweger Kirche nach entsprechender Vergrößerung beibehalten, oder wenigstens die neue Kirche in deren Nähe errichtet sehen wollten. Zu einem guten Teil war diese Bewegung in der Kirchspielsgemeinde von der Sorge um den Fortbestand der Wallfahrtskirche getragen; man wandte sich hierbei sogar in einem Immediatgesuch an den Großherzog. Die Kath. Kirchensektion wie das Finanzministerium sprachen sich aber im Frühjahr 1822 für einen Bauplatz im Dorfe Ortenberg auf der Ebene aus. Im Sommer gleichen Jahres änderte Voß die Pläne nochmals um im Sinne der Weisungen der Baudirektion und der Kath. Kirchensektion und am 12. September wurden die Arbeiten an Lorenz Hertig in Zell a. H. um 25.950 fl. (einschließlich des Pfarrhausneubaues) vergeben.

Ende des Jahres konnte auch die Erregung wegen des Bauplatzes nach einer Ortsbesichtigung und Aufklärung dur den Ministerialkommissarius Hauptmann Arnold beruhigt werden. Im Frühjahr 1823 wurden die Arbeiten begonnen, am 9. Juni der Grundstein gelegt und am 24. Okt. 1824 der Neubau eingesegnet. Am 24. Januar 1824 genehmigte das Kreisdirektorium den von der Gemeinde mit dem "Stukkator und Kunstmaler" Jodokus Wilhelm von Bezau, wohnhaft in Stetten, abgeschlossenen Vertrag für Fertigung eines Hochaltars, zweier Nebenaltäre, einer Kanzel, des Taufsteins, der Kommunionbank, nebst Fassung der Orgel und Herrichtung der Ewigen Lampe um insgesamt 2.400 Gulden. Die Arbeiten Wilhelms fanden einen derartigen Beifall, daß der Meister im November 1824 das Ortsbürgerrecht erhielt.

1827 hatte Kommissarius Burg mit Zustimmung der Gemeinde die Fertigung eines Hochaltarblattes des hl. Joseph bei der Konstanzer Malerin Ellenrieder in Auftrag gegeben; die Mittel dafür sollten durch milde Beiträge aufgebracht werden, zu denen die Gemeinde einen Betrag von 30 Louisd’or in Aussicht stellte. Als sie im September 1827 um Einzahlung ersucht wurde, sah sie sich genötigt, beim Oberamt den Antrag zu stellen, ihren Beitrag in Höhe von 330 fl. aus dem Heiligenfond anweisen zu lassen. Dem Gesuch wurde noch im Dezember entsprochen.

Auf die Seitenaltäre kamen ältere Altarblätter. Die Kirche zeigt einfachste, schlichteste Formen des Weinbrennerschen Klassizismus, polygonen Chor, einen nur wenig gegliederten Turm über dem Haupteingang mit Konsolgesims unter der Sohlbank der Schallöffnungen. Die Bauausführung war nicht durchweg solid, so daß in den Jahren nach der Fertigstellung andauernd Klagen über Schäden liefen. Namentlich die Gipsdecke fiel stückweise, einmal sogar unmittelbar nach Schluß des Gottesdienstes herunter. 1834 mußte der Pfarrer den Gottesdienst in die Bühlwegkapelle verlegen. Bezirksbaumeister Rief ordnete darauf Herstellung einer neuen Decke an, deren Kosten Schweimbold auf 500, mit Nebenkosten auf 700 fl. veranschlagte.

256.) Erzb. Archiv. Ortenberg. Kirchenbausachen - G.L.A. Oberamt Offenburg. Verwaltungssachen. Ortenberg: Kirche. Fasz. 2470/74, 2490/91 (Zugang 1900 Nr. 35).

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