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Sehenswertes in Bad Peterstal-Griesbach


Von hier nach Oppenau zurückgekehrt ins eigentliche Renchthal nimmt dasselbe eine mehr südliche Richtung und nach 1 1/2 Stunden erreicht man da, wo das Thal wieder nordöstlich umbiegt, das Pfarrdorf und Bad Petersthal. Es liegt 1218 Fuß über dem Meere zwischen dem Brauenherg, Höll-, Hahnen-, Hunds- und Iserskopf und hat mit seinen zahlreichen Zinken und Höfen 1530 Einwohner und 2527 Morgen Gemeindewald. Der Ackekbau ist hier nicht ergiebig und die Bewohner sind mehr auf Viehzucht und Waldgewerbe angewiesen. Das Badhaus liegt hinter dem Dorfe, auf dem rechten Renchufer, ist gut eingerichtet und hat 23 Badekabinette, einen geräumigen Brunnensaal, einen Conversationssaal und Billard und an 100 Zimmer. Der Quellen, die benützt werden und neu gefaßt sind, gibt es drei, nämlich die Stahl- oder Petersquelle, die Laxirquelle und die 1833 entdeckte, etwa 100 Fuß von ersteren entfernte Sophienquelle.

Weil das Bad früher sehr stark Von den Elsässern besucht wurde, heißt es auch jetzt noch welsches Bad. Es werden von diesem Wasser große Quantitäten verschickt und das Bad wird auch schon deshalb sehr stark besucht, weil es der Mittelpunkt zwischen den Renchbädern ist. 1833 versandte man 146.000 Flaschen Wasser und waren 188 Badegäste vorhanden; 1839 aber betrug die Versendung 564.500 Flaschen und die Fremdenzahl 672. Diese nahm 1840 zwar wieder etwas ab (402.550 Flaschen nnd 416 Badgäste), hob sich aber seither wieder. - (Baden, das Murgthal, Renchthal, Wildbad und Umgebungen - Huhn, Eugen H. Th. - Baden-Baden, 1851)

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Sophienquelle - Brunnnentempel


Als 1834 auf dem Gebiet von Peterstal anläßlich einer Renchregulierung eine neue Quelle gefunden wurde, nannte man sie zu Ehren der damals zur Kur hier weilenden Großherzogin Sophie, der Gemahlin Großherzog Leopolds, SophienquelleBernhard Huber - die Ortenau 1986 (Auszug) Seiten 474 / 476

Die Bäder im 19. Jahrhundert

1803 endete durch den Reichsdeputationshauptschluß zu Regensburg die 500jährige bischöflich-straßburgische Zeit im Renchtal. Das ehemalige straßburgische Gebiet des Renchtales, des Sasbach- und des Achertales sowie das Gebiet von Ettenheim kamen zur vereinigten Markgrafschaft Baden-Durlach, dem späteren Großherzogtum Baden. Ebenso wie früher die Bischöfe von Straßburg haben sich auch die Großherzöge von Baden verdienstvoll um die Renchtalbäder angenommen. 1810 wurde auf Veranlassung des großherzogl. Hauses durch Hofrat Dr. Boeckmann eine neue wissenschaftliche Beschreibung der Bäder von Peterstal und Griesbach veröffentlicht. 1829 erfolgte im Bade Peterstal die erstmalige Einstellung eines besoldeten Badearztes. Dabei erließ 1838 die Großherzogl. Sanitätskommission (beim Innenministerium) folgende Instruktion: Der Badearzt hatte vom 1. Juni bis letzten August (also während der damaligen Kursaison) je 1 Tag das Bad Peterstal, das Bad Griesbach und das Bad Freyersbach zu besuchen.

Über die Bäder Peterstal, Griesbach und Freyersbach erschienen bis in die 2. Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zahlreiche Untersuchungen und Schriften, u.a. von Kölreuter und vor allem von Prof. A. Werber, dem ehemaligen Direktor der Medizinischen Poliklinik in Freiburg. Auf ihn geht auch die Einführung der Moorbadekur um die Mitte des 19. Jahrhunderts bei uns zurück. Er hat dabei insbesondere auf die Moorvorkommen im Kniebisgebiet hingewiesen und die Moorbäder bereits bei vielen rheumatischen Erkrankungen empfohlen.

Ein großer Förderer der Bäder von Peterstal und Griesbach war der Medizinalrat Albert Haberer (1828 - 1893), der von 1860 an als Badearzt tätig war. Er verfaßte eine Schrift "Die Renchbäder Petersthal und Griesbach und ihre Curmittel". An ihn erinnert der Habererturm auf dem Kreuzkopf bei Griesbach.

Die landschaftliche Schönheit des hinteren Renchtals, die Heilkraft der Quellen, die ausgezeichnete ärztliche Betreuung, aber auch die vorzügliche Gastronomie ließ die Zahl der Erholungssuchenden im Laufe des 19. Jahrhunderts immer mehr anwachsen. Auch die großherzogliche Familie kam häufig zu Gast. Am 22. August 1818 hat der kranke Großherzog Karl im Kurhaus im Bad Griesbach die erste badische Verfassung unterschrieben. Als 1834 auf dem Gebiet von Peterstal anläßlich einer Renchregulierung eine neue Quelle gefunden wurde, nannte man sie zu Ehren der damals zur Kur hier weilenden Großherzogin Sophie, der Gemahlin Großherzog Leopolds, Sophienquelle. Über der Quelle wurde ein Brunnentempel errichtet, der heute als Wahrzeichen des Bades Peterstal-Griesbach gilt.

Als Gäste waren 1871 Zar Alexander II. von Rußland sowie die großherzogliche Familie zur Kur im Bad Peterstal. Er war durch seinen Onkel Zar Alexander I. mit dem großherzoglichen Hause verwandt. Zar Alexander II. hat während seines Kuraufenthaltes im Bade Peterstal auch täglich eines der neu eingerichteten Dampfbäder im Bad Griesbach genommen. Auch Kaiser Wilhelm I. kam 1876 zusammen mit der großherzoglichen Familie in das Bad Peterstal. Der damalige Großherzog Friedrich I. war seit 1856 mit Luise von Preußen, der Tochter von Kaiser Wilhelm I., verheiratet.

Bad Griesbach und seine Besitzer im I7. und 18. Jahrhundert arrowRight16

1817 verkaufte der damalige Besitzer des Bades Griesbach Anton Monsch die Quellen und einen Teil des Badgebäudes an den Karlsruher Friedrich Dolmätsch. Dieser erwarb das sogenannte obere Gebäude (bis zur Kapelle); die Quellen lagen in ihm. Dem Besitzer des unteren Gebäudes Anton Monsch wurde für seine Badegäste der ungehinderte Mitgenuß der Quellen zu Kuren eingeräumt. Im Jahre darauf erbaute Dolmätsch in seinem Badgebäude einen großen mit Säulen gezierten Speisesaal. Sein Haus verfügte etwa über 100 Zimmer. Im unteren Haus waren es etwa 80 Zimmer. Nach dem Tode der Eheleute Dolmätsch erwarb der Sohn des unteren Badbesitzers Josef Monsch wiederum das gesamte Anwesen. So waren das obere und das untere Bad wiederum in einer Hand. Als Anton Monsch bald danach starb, führte seine Witwe Monsch-Jockers das Kurhaus weiter. Sie ließ 1864 die Badkapelle abbrechen und neu erbauen. 1867 wurden im Bad Griesbach ein Neubau errichtet; außerdem hatte man beim Umbau Dampfbäder installiert. Auch im Bad Peterstal wurden große Umbauten und Neubauten durchgeführt. 1864 wurde neben dem Badgebäude ein neues Gebäude mit Kursaal und einem Speisesaal errichtet. Der damalige Badbesitzer Franz Xaver Müller und auch sein Vorgänger Franz Xaver Kimmig haben das Bad Peterstal sorgfältig betrieben und in der kurzen Kursaison alles aufgeboten, um dem Kurgast den Aufenthalt möglichst angenehm zu machen. Auch an Unterhaltung hat es nicht gefehlt. Neben Rasentennis und einer Kegelbahn konnte man sehr ansprechene Aufenthalts- und Spielzimmer benutzen. Daneben spielte die Kurmusik bis dreimal täglich.

Im gleichen Jahr (1876) wurde auf dem Anwesen des Josef Schmiederer (Hintere Mühle) eine neue Mineralquelle gefaßt. Er ließ damals eine Badeanstalt hauptsächlich zur Benutzung durch die Dorfbewohner errichten. Aus dieser Institution entwickelte sich in der Folgezeit ein Kurmittelhaus, das heutige Stahlbad.

Im Ortsteil Griesbach entstand 1880 aus einem Dorfgasthaus das Hotel Adlerbad, das auch heute noch über eine eigene Kurmittelabteilung verfügt. 1895 stieß man auf dem Gelände der Schildwirtschaft "Zum Schlüssel" in Peterstal auf eine weitere Mineralquelle.

Sophie Wilhelmine von Holstein - Gottorp, Großherzogin von Baden, ist am 21. Mai 1801 in Stockholm als Tochter des Königs Gustav VI. Adolf von Schweden, Herzog von Holstein - Gottorp und dessen Frau Friederike Dorothea, Prinzessin von Baden, geboren.                               Im Brunnentempel von Bad Peterstal-Griesbach ist über die Namensgeberin zu lesen:

Sophienquelle in Bad Peterstal

Im Jahre 1835 hat der damalige Besitzer des Bades Petersthal und spätere Landtagsabgeordnete Franz Xaver Kimmig anlässlich der Renchregulierung eine neue Mineralguelle entdeckt.

Diese wurde noch im gleichen Jahr unnmittelbar neben der Rench gefasst, und in den nächsten beiden Jahren ließ F. X. Kimmig über der Quelle einen Pavillon errichten, der innen ausgemalt wurde. Die Quelle selbst war durch eine Wendeltreppe erreichbar. Erst in den 1950iger Jahren wurde diese Quelle (wie heute) nach oben geleitet.

Die damalige Großherzogin Sophie hat sich bei vielen Anlässen als große Förderin der Bäder von Petersthal und Griesbach gezeigt. Sie hat sich auch oft und gerne in diesen Bädern aufgehalten.

In diesem Zusammenhang findet sich eine Schenkungsurkunde vom 15. April 1831 zwischen Andreas Kimmig (1803 - 1868) vom Kimmighof in Griesbach (später Frechenhof) und der Großherzogin Sophie. Daraus geht hervor, dass Ihre Königliche Hoheit, die Großherzogin Sophie, auf dem ihr von A. Kimmig geschenkten Gelände in der Umgebung des Dollmätschen Hauses (sogenanntes Oberes Haus) in Griesbach, liebliche Parkanlagen hat errichten lassen.

In einem badeärztlichen Protokoll vom 10. September 1832 schreibt auch Dr. Seither von Oppenau über die bereits durch Großherzogin Sophie entstandenen schönen Parkanlagen in den Bädern des Renchtales.

Aus diesem Grunde hat sich der Quellenbesitzer des Bades Petersthal entschlossen, diese qualitativ hochwertige Quelle nach der Großherzogin Sophie zu benennen.

Die Einweihung der Quelle (1837), als Sophienquelle, wurde durch den Oberamtmann Johann Nepomuk Fauler (1819 - I841) aus Oberkirch, im Beisein vieler Gäste. vorgenommen.

Anlässlich einer Badevisitation durch das Großherzogliche Bezirksamt Oberkirch am 6. August 1847 kann man lesen: "Die Sophienquelle ist gut gefasst und mit einem Pavillon überdeckt. Die Seiten sind mit großen Fenstern versehen. sehr hell, mit Steinen gebaut. die Wände und Decken bemalt und außen mit Arabesken geziert. Dieser Pavillon erhält das Licht nicht nur von der Seite, sondern auch von oben, indem über dem Dache eine Vorrichtung, gleichsam eines Belvedere, angebracht ist."

Die Sophienquelle des Kurhauses Bad Petersthal gilt seither als Wahrzeichen des Ortes und des seit über 400 Jahren bestehenden Heilbades.

400 Jahre Kur in Bad Peterstal-Griesbach - Bernhard Huber arrowRight16

Sophie Wilhelmine von Holstein - Gottorp, Großherzogin von Baden, ist am 21. Mai 1801 in Stockholm als Tochter des Königs Gustav VI. Adolf von Schweden, Herzog von Holstein - Gottorp und dessen Frau Friederike Dorothea, Prinzessin von Baden, geboren.

Die schwedische Prinzessin Sophie heiratete am 25. Juli 1819 den späteren Großherzog Leopold (1830 - 1852). Im Jahre zuvor wurde die Erbfolge des Hauses Baden geregelt und Leopold, Graf von Hochberg (geb. am 29. August 1790 ), der älteste Sohn aus zweiter Ehe des ersten badischen Großherzogs Carl Friedrich (1806 - 1811) zum Erbprinzen bestimmt.

Aus der Ehe von Großherzog Leopold und der Großherzogin Sophie gingen fünf Söhne und drei Töchter hervor.

Die jüngste Tochter Cäcilie (1839 - 1891) wurde am 16. August 1857 in Peterhof mit dem Großfürsten Michail Nikolajewitsch, dem Bruder des regierenden Zaren Alexander II., getraut. Sie nahm jetzt als Großfürstin den Namen Olga Feodorowna an.

Großherzogin Sophie ist nach einem langen Witwenstand am 6. Juli 1865 in Karlsruhe gestorben. Sie wurde zunächst in der evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe beigesetzt und hat später, während des Zweiten Weltkrieges, ihre letzte Ruhestätte an der Seite ihres Mannes in der großherzoglichen Grabkapelle der Residenzstadt gefunden.

Dr. Bernhard Huber

Die Kur von Bad Peterstal-Griesbach heute

Neben den jetzt vorhandenen 400jährigen ortsgebundenen Heilmitteln, den kohlensäurehaltigen Mineralbädern, neben den Moorbädern und Möglichkeiten der Kneippkur 1949 wurden in den folgenden Jahren vielfältige Therapiemaßnahmen einer Aktivbehandlung in den Kurplan aufgenommen. Hierbei konnten neben der Terrainkur vor allem hydrogymnastische Therapien in Bewegungsbädern sowie gymnastische Behandlungen angeboten werden. Daneben steht zwischenzeitlich den Kurgästen außerdem das gesamte Behandlungsspektrum der physikalischen Therapie zur Verfügung.

Parallel zur Ausweitung der therapeutischen Maßnahmen wurden die ansässigen gastronomischen Betriebe durch große Eigeninitiativen ausgebaut und den heutigen Verhältnissen angepaßt. Auch weitere neue anspruchsvolle Hotels sind entstanden. Sie alle bieten dem Kurgast ein behagliches Zuhause an, und falls dies erforderlich ist, auch eine notwendige Diät als wesentlicher Bestandteil des Gesamtkurkonzeptes.

Im Rahmen der Gemeindereform von Baden-Württemberg haben sich die Kurorte Bad Peterstal und Bad Griesbach, Orte mit gleicher Geschichte, 1973 zu einer Gesamtgemeinde Bad Peterstal-Griesbach zusammengeschlossen. Die Initiatoren hierfür waren der damalige Bürgermeister und Kurdirektor von Bad Peterstal Alois Noll und der letzte Bürgermeister von Bad Griesbach - Emil Braun.

Brunnentempel Sophienquelle nach Außenrenovierung eingeweiht

Am 07.05.2014 wurde der Brunnentempel Sophienquelle im Beisein der an der Außenrenovierung Mitwirkenden eingeweiht. Die kleine Einweihungsfeier wurde von einem Ensemble der Jugendkapelle Bad Peterstal-Griesbach unter Leitung von Bernhard Schönbrunn musikalisch anspruchsvoll umrahmt.Im Mittelpunkt der Dankesworte standen jene, welche die Renovierung zum Erfolg geführt hatten: Ehrenamtliche Mitbürgerinnen und Mitbürger, die etwa 350 Arbeitsstunden unentgeltlich geleistet hatten.

Davon entfiel ein großer Anteil auf die äußerst engagierten Projektleiter, die Gemeinderäte Andreas Kimmig und Rüdiger Munzert, welche die Innen- und Außenrenovierungsarbeiten sowie die Gestaltung des Gesamtensembles mit Kompetenz und Nachdruck voran brachten. Weiteren Anteil am Erfolg hatten die beteiligten Künstler von der Malschule Pierrot unter Leitung von Klaus Leuschner, die beauftragten Handwerksbetriebe sowie die Geld- und Sachspender: Hier seien die Regionalstiftung der Sparkasse Offenburg / Ortenau und Emil Schmiederer(Gerüstbau Schmiederer)stellvertretend für alle Spender und Unterstützer genannt.

Zur Erläuterung der Geschichte des Brunnentempels Sophienquelle stiftete unser Ehrenbürger und Verfasser der Ortschronik, Dr. Bernhard Huber, eine Informationstafel, auf der neben einem Bildnis der Namensgeberin der Sophienquelle viele wissenswerte historischen Faktenaufgeführt sind. Diese Tafel wurde von Dr. Huber aus Anlass der Einweihung an die Öffentlichkeit übergeben und wird im Brunnentempel einen guten Platz finden. Namens unserer Gemeinde bedanke ich mich sehr herzlich bei allen, die auf irgendeine Weise zur vollauf gelungenen Außenrenovierung unseres Gemeindewahrzeichens beigetragen haben. Der historische Brunnentempel Sophienquelle ist wieder zu einem echten Schmuckstück geworden, zum Stolz der Mitbürgerinnen und Mitbürger und zur Freude aller, die ihn sehen und besuchen.

Vielen Dank! gez. Meinrad Baumann, Bürgermeister
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Peter und Paul Peterstal


Die Pfarrkirche war bis ins 19. Jahrhundert dem Apostel Petrus geweiht, dann kam Paulus als zweiter Patron hinzuPfarrei

Bad Peterstal trägt seinen Namen von der 1293 erwähnten Kapelle, aus der die heutige Pfarrkirche entstanden ist. Vermutlich haben die Chorherren des Klosters Allerheiligen den Bau dieser Kapelle begonnen; sicher haben sie auch zu bestimmten Zeiten in dieser Kapelle Gottesdienste gehalten. Sie war dem Apostelfürsten Petrus geweiht, um sie hat sich die Siedlung entwickelt.

1816 wurde die 1772 geschaffene Kaplanei in St. Peter (Bad Peterstal) eine eigene Pfarrei, von der man 1905 wiederum Bad Griesbach abzweigte.

Die Heilquellen wurden erstmals im Jahre 1584 wissenschaftlich bekannt und als wirksames Heilmittel einem weiten Publikum eröffnet. Heute ist Bad Peterstal-Griesbach ein bekannter Kneippkurort im Schwarzwald mit Mineral- und Moorheilbad. Die Gemeinde zählt rd. 2.890 Einwohner, davon 1.540 Katholiken.

Patrozinium: 29. Juni

Pfarrkirche

Die Pfarrkirche war bis ins 19. Jahrhundert dem Apostel Petrus geweiht, dann kam Paulus als zweiter Patron hinzu. Die Kirche steht an der Stelle, an der einst die kleine Kapelle stand, die 1293 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt wurde. Sie wurde die "wüste Kapelle" zu St. Peter im Tal genannt. Wüst bezeichnet wahrscheinlich das unwegsame Gelände dieser Gegend. Wir dürfen annehmen, dass nur wenige, armselige Häuser in der Nähe standen. Vermutlich haben die Chorherren des Klosters Allerheiligen den Bau dieser Kapelle begonnen; sicher haben sie auch zu bestimmten Zeiten in dieser Kapelle Gottesdienste gehalten. In der Nähe befand sich ein Sauerbrunnen, der später vom Arzt Dr. Jakob Theodor von Bergzabern in einer wissenschaftlichen Schrift dargestellt wurde. Wir dürfen annehmen, dass die Peterskapelle ein Haus war, in dem Menschen Gott danken sollten für die Wohltat des Wassers.

Die Peterstalkapelle ist der Ursprung unserer Pfarrkirche. Sie wurde immer wieder erweitert, die letzte Erweiterung fand im Jahre 1923 statt. Die Kirche ist im Weinbrennerstil erbaut. Die vielen von Weinbrenner entworfenen Kirchen in unserer Gegend sind Hallenkirchen, helle Räume meist ohne Säulen. Doch die Ausstattung der Kirche verdanken wir dem Kunstsinn der Promonstratensermönche im Kloster Allerheiligen. Ohne dieses Kloster hätten wir niemals eine so herrlich ausgestattete Kirche. Von den fünf Altären der Klosterkirche kamen drei nach der Säkularisation im Jahre 1803 in unsere Kirche. - Quelle: Walter Weigl, Kath. Pfarrgemeinde Bad Peterstal

1293 - 1993 - 700 Jahre Kapelle Sankt Peter - Dr. Bernhard Huber, Seiten 13 ff.

Mit dem Ausdruck "Wüste Kapelle", wie wir dies in den Archivurkunden von 1293 und noch einmal in dem bischöflichen Brief von 1321 erfahren haben, war eine Kapelle gemeint, in der damals wilden und rauhen Umgebung in der Nähe des Zusammenflusses von Freiersbach und der nicht regulierten Rench. Es ist auch nicht verwunderlich, daß im Gebiete der damaligen Kapelle kaum Ansiedlungen waren, vielmehr aber die späteren Rotten Freiersbach und Bästenbach schon sehr früh besiedelt waren. In diesen Seitentälern war an Hängen Wasser vorhanden, dieses konnte abfließen und man war nicht den Unbilden ungezügelter wilder Bäche in den Talsohlen ausgesetzt.

In diesem Zusammenhang darf ich darauf hinweisen, daß bereits im Jahre 1196 ein Bistrikhof oder Bustrikhof und im Jahre 1476 ein Bästenbachhof urkundlich erwähnt werden. Am 10. August 1323 gehörten Döttelbach und Breitenberg neben den Gemeinden Freiersbach und Bästenbach zur Pfarrei Petersthal, zur Kapelle Sankt Petri.

Mit dem geschichtlichen Beginn der Badekur in Petersthal und Griesbach (1584) wird dann im balneologischen Schrifttum die Petersquelle im "Bade Petersthal" jeweils in Beziehung gebracht zu der St.-Peters-Kapelle, deren Geburtstag wir heute begehen.

1584 schreibt Jakob Theodor von Bergzabern (Tabernaemontanus) ausführlich über die Quellen des Bades Petersthal und des Bades Griesbach. Von der Quelle im Bade Petersthal, dem jetzigen Fachkrankenhaus, schreibt er, daß dieser Brunnen nach einer Kapelle St. Peter, die nicht weit davon liegt, St.-Peters-Brunnen genannt wird. Die vor 400 Jahren beschriebene Petersquelle ist auch nach großen Umbauten im Fachkrankenhaus erhalten geblieben. Auch in der späteren Literatur wird stets die Petersquelle mit des St.-Peters-Kapelle in namentlichen und unmittelbar räumlichen Zusammenhang gebracht.

So schreibt 1607 Georgius Graseccius aus Straßburg in seiner Abhandlung "Fons Salutis Scatebra Petrina" von einem Brunnen, der im Sankt Petersthal (er meinte damit den Badebezirk mit der Kapelle) hervorquellet und seinen Namen erhalten hat von einem Kirchlein, das seit Alters ber dem heiligen Apostel Petrus geweihet war und nicht mehr als drei Ackerlängen von dem besagten Petersbrunnen entfernt ist.

In einem Titelkupfer, dem ältesten Stich des Bades Petersthal, der dieser Schrift beigelegt war, sieht man neben ganz vereinzelten Häusern, das ehemalige Bad Petersthal und unweit davon die St.-Peters-Kapelle auf dem Platz der jetzigen Pfarrkirche.

Spätestens beim Bekanntwerden der heilbringenden Quellen (1584) war unsere Jubiläumskapelle auch zu einer Dankesstätte geworden.

1607 hat der oben erwähnte Dr. Graseccius in diesem Zusammenhang in der Peterskapelle auf einem Pergamenttäfelchen ein Gebet vorgefunden, in dem Gott für die besonderen Segen der Quellen in Sankt Petersthal und Griesbach Dank gesagt wird.

Als Auswirkung der Reformation kam es in Straßburg nach dem Tode des dem Renchtal sehr gewogenen Bischofs Johann IV. von Manderscheid am 22. April 1592 zum sogenannten Bischofsstreit.

Das Domkapitel war in ein katholisches und in ein protestantisches Lager gespalten. Ebenso standen der fünfzehnjährige Johann Georg von Brandenburg als evangelischer Anwärter und Carl von Lothringen (Bischof von Metz), der die katholische Linie vertrat, zur Wahl auf den fürstbischöflichen Stuhl in Straßburg bereit.

Nach schwierigen Auseinandersetzungen hat man sich im Frieden von Hagenau (10. Dezember 1604) dahingehend geeinigt, daß Herzog Carl von Lothringen als starker Verfechter der katholischen Lehre Bischof von Straßburg wurde. Der noch jugendliche evangelische Anwärter, Johann von Brandenburg, der vorübergehend das Amt Oberkirch als Administrator verwaltete, verzichtete für eine entsprechende Geldsumme auf das Fürstbistum.

Durch die hieraus resultierende schwere Belastung des bischöflichen Stuhles wurde das Renchtal von 1604 - 1664 an den Herzog Friedrich von Württemberg für 380.000 Gulden verpfändet. Dieser Zeitraum ist als sogenannte Württembergische Pfandherrschaft in die Geschichte eingegangen.

Obwohl die Herzöge von Württemberg die Quellen im Bade Petersthal und Bade Griesbach in ihre Obhut nahmen und eigene Badeordnungen erlassen haben, trafen große Heimsuchungen in dieser Zeit unser Tal.

Während der Regierungszeit von Herzog Julius Friedrich von Württemberg (1631 - 1633) kam es im Amt Oberkirch zum Höhenunkt der sogenannten Hexenverfolgungen.

Weiterhin wurde während des 30jährigen Krieges von 1618 - 1648 unserer Bevölkerung immer wieder Schlimmes angetan.

Hier haben sich Kaiserliche, Schweden und Franzosen im Plündern und Morden, auch im Renchtal, in nichts nachgestanden.

1664 hat dann Bischof Franz Egon von Fürstenberg (1663 - 1682) die Württembergische Pfandherrschaft eingelöst, und danach wurde das Renchtal wieder mit einer kurzen Unterbrechung uneingeschränkt bischöflich-straßburgisches Gebiet.

Bischof Franz Egon von Fürstenberg war auch ein großer Förderer der Kapuziner und so kam ihm die etwas schwierige und oft unzureichende pastorale Versorgung im Renchtal zustatten, so daß er 1668 Kapuziner nach Oppenau berufen hat.

Der äußerliche Anlaß zur Berufung der Kapuziner war auch die Bemängelung ungenügender gottesdienstlicher Gelegenheit durch die im Bade Antogast damals zur Kur weilende badische Markgräfin Anna. Diese hat beim Straßburger Archidiakonat die ungenügende pfarrdienstliche Versorgung im Renchtal vorgebracht.

Die Kapuziner hatten jetzt unter Aufsicht des Klosters Allerheiligen Gottesdienste in der Peterskapelle und zeitweilig auch in der 1630 durch die Benediktinermönche von Schuttern erbauten Badkapelle im Bade Griesbach abzuhalten. Diese Badkapelle im Bade Griesbach war der Jungfrau Maria geweiht, und sie war nicht als Filialkirche von Petersthal aufzufassen, sondern als Kapelle für die zur Kur weilenden Gäste. Allerdings hat man, soweit dies räumlich möglich war, auch zugelassen, daß Anwohner aus der Gemeinde Döttelbach dort zum Gottesdienst kommen konnten.

Die Kapuziner sollten zunächst eine Niederlassung in St. Peter, also bei uns erhalten. Die Ordensoberen haben aber dann schließlich Oppenau für günstiger gehalten wegen der zentraleren Lage im Renchtal. Dort wurde ein Hospiz gerründet (1668) von wo aus Oppenau und die Filiale in Petersthal versorgt wurden.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts, im Jahre 1729, ist dann ein Umbau der St.-Peters-Kapelle erfolgt. Dies geht aus einem Schriftwechsel zwischen dem Abt Joachim (1718 - 1746) von Allerheiligen und dem Bischof von Straßburg hervor. Der Abt hat dabei den Bischof um die Erlaubnis zur Benediktion der umgebauten St.-Peters-Kapelle gebeten. Der Bischof selbst hat ihm diese Bitte erfüllt und schreibt unter anderem, daß er, der Abt, die Benediktion der Kapelle durchführen solle, nachdem sie aufgrund unserer, also der bischöflichen Erlaubnis neu errichtet wurde.

Außer der Dorfkapelle, der St.-Peters-Kapelle, befand sich laut dem Straßburger Diözesankalender aus dem Jahre 1763 später nach eine St.-Jakobs-Kapelle nahe am Bade Petersthal (Prope balneum). Diese Kapelle wurde als Badkapelle errichtet und ist im Jahre 1850 angeblich wegen Baufalligkeiten wieder abgebrochen worden.

Bei einem erneuten Verkauf des Bades Griesbach im jahre 1698 behält sich das Benediktinerkloster Schuttern die Aufsicht über die Badkapelle und über eine weitere kleine Kapelle des "Sancti Antoni de Padua" vor.

Bald darauf wird im Straßburger Diözesankalender aus dem lahre 1731 erneut ein Kirchlein erwähnt, das dem heiligen Antonius von Padua geweiht ist. Es handelt sich bei diesen früheren Beschteibungen um die Antoniuskapelle auf dem Kapellenbühl im Ortsteil Bad Griesbach.

Nach einer bischöflichen Visitation am 13. und 14. Mai 1763 wurde dem Kloster Allerheiligen dringend nahegelegt, in Petersthal mit den Hauptrotten Freiersbach und Bästenbach, wo sich eine Kirche (St. Peter) und ein Friedhof befinden, eine Lokalkaplanei einzurichten.

Dies hat 9 Jahre später, im Jahr 1772, zwar noch nicht zur Errichtung der Lokalkaplanei geführt. Immerhin wurde jedoch erreicht. daß erstmals während des ganzen Jahres jetzt regelmäßiger sonntäglicher Gottendienst in der Peterskapelle abgehalten werden konnte.

In einem Brief vom 26. September 1801 hat dann der letzte Straßburger Fürstbischof, Kardinal Ludwig Renatus Eduard von Rohan von seinem Exil in Ettenheim aus vom Kloster Allerheiligen noch einmal sehr ausführlich und eindrücklich die Errichtung einer Lokalkaplanei an der Kapelle Sankti Petri gefordert. Er beruft sich noch einmal auf die bischöfliche Visitation vom Mai 1763.

Dabei begründet er, daß die Bevölkerung dort in rauhem Gebirge und Täler zerstreut ist und daß die von der Mutterpfarrei Oppenau abhängigen Rotten Bästenbach, Löcherberg, Freiersbach und Döttelbach wie auch Rench zum Teil zwei bis drei Stunden von der Mutterkirche entfernt seien. Kardinal Rohan ordnet in diesem Brief von 1801 auch an, daß dem Kloster Allerheiligen, als dem Zehntempfänger die Unterhaltung der Lokalkaplanei in St. Petersthal obliege. Das Kloster habe neben einem ehrbaren Unterhalt auch für die Wohnung des Vikars In Petersthal aufzukommen. Ber Kaplan selbst habe auf bischöfliche Anweisung hin das ganze Jahr hindurch abwechselnd an Sonn- und Feiertagen in der Kirche in Petersthal und auch in der Kapelle (Badkapelle) im Bade Griesbach Gottesdienst zu halten.

Schon im Jahre 1802 wurde daraufhin vom letzten Abt Fischer des Klosters Allerheiligen Pater Friedrich Fritz als Lokalkaplan an die Filialkapelle St. Peter angewiesen. Zur Kapelle St. Petri gehörten damals die Rotten Freiersbach, Bästenbach, Döttelbach und Rench mit einer Seelenzahl von 1500. Pater Fritz, der erste Lokalkaplan an der Kapelle St. Peter, wurde am 8. Mai 1751 in Ulm bei Oberkirch geboren. Er hatte seine Profeß in Allerheiligen am 8. September 1771 abgelegt und Primiz gefeiert am 17. Dezember 1774. Von 1792 - 1801 war er dann Pfarrer in Oppenau und daran anschließend Lokalkaplan an der St.-Peters-Kapelle.

Im Januar 1802 schreibt Pater Fritz noch aus Allerheiligen an den "Wohlgeborenen, besonders hoch zu verehrenden Herrn Schultheiß in Petensthal". Ihm sei vom Provikar aus Straßburg das Pfarrgeschäft Petersthal übertragen worden. Dabei ersucht er in diesem Brief den Bürgermeister und den Gemeinderat um einen geeigneten Platz für ein zu erbauendes Pfarrhaus. Über dessen Lage wünsche er, so schreibt Pater Fritz, daß es allemal in der Nähe der Kirche und in Entfernung vom Wirts- und Badgetöse gelegen sein muß.

Dieses Pfarrhaus wurde noch im gleichen Jahr (1802) durch das Kloster Allerheiligen = als Zehntherr - der Lokalkaplanei Petersthal erstellt. Aber schon in den Jahten 1838 - 1840 mußte dieses ungastliche und feuchte Haus durch das heute noch erhaltene Pfarrthaus ersetzt werden.

Unter Lokalkaplan Fritz wurde des Neu- und Umbau der St.-Peters-Kapelle durchgeführt. Diese war Ende des 18. Jahrhunderts nicht nur baufällig, sondern auch viel zu klein geworden. Der Schultheiß Lichtenauer aus Oppenau hatte schon am 24. Januar 1791 an das Oberamt Oberkirch berichtet, daß die hintere Giebelmauer so morsch sei, daß bereits zwei große Steine daraus in das Langhaus heruntergefallen und die Decke desselben durchschlagen haben. Am 14. August 1804 schreibt dann der gleiche Berichterstatter mit "Schauder", daß der Einsturz der Kapelle nahe bevorstehe und unter Umständen Hunderte von Menschen begraben würde. Selbst am Altare sei der Pfarrer nicht vor Regen geschützt.

Fotos: Fotostudio Huber 77740 Bad Peterstal

In einem etwas späteren Bericht des Oberamtes Oberkirch und des Pfarramtes Oppenau wurde noch einmal die lebensgefährliche Baufälligkeit des feuchten kleinen Loches, das man nicht Kirche nennen könne, bestätigt.

Während der vorgesehenen Bauzeit an der Kische hatte man zunächst die Badkapelle im Bade Petersthal zur Abhaltung dei Gottescienste vorgesehen Wegen des geringen Raumes der dortigen Badkapelle und vor allem auch wegen der den Anstand verletzenden Unschicklichkeit dieses Ortes, wie der Pfarrer eingewendet hat, wurde schließlich durch Hofratsprotokoll vom 26. November 1805 der Bau einer provisorischen Notkirche beschlossen und durchgeführt.

Am 25. Juli 1808 erfolgte dann die Grundsteinlegung und am 12.11.1809 wurde die um- und neu gebaute und erweiterte Kirche St. Peter eingeweiht.

Die Gemeindemitglieder von Petersthal mußten damals viel an Bau- und Frondiensten leisten und auch sonst allerhand beisteuern, um die Insgesamt 22.000 Gulden zum Bau ihrer Peterskirche aufbringen zu können.

Von der großherzoglichen Verwaltung her wurden lediglich 2.000 Gulden - angeblich nur wegen der bedürftigen Verhältnisse der Gemeinde Petersthal - zum Kirchenbau gegeben.

Bürgermeister Feger aus Petersthal sagte einmal später (1871) in einem anderen Zusammenhang, daß der Fiskus damals beim Kirchenbau die 2.000 Gulden nicht aus Guttätigkeit erbrachte, sondern als Zehnthen vom ehemaligen Kloster Allerkeiligen zu leisten hatte.

Im Rahmen des Kirchenumbaus in Petersthal wurden durch eine großherzogliche Verfügung vom 31. Dezember 1806 der Lokalkaplanei Petersthal der Hochaltar und das Hochaltarbild sowie der St. Peter- und Paulsaltar vom ehemaligen Kloster Allerheiligen zugesprochen. Später kamen auch der Magdalenenaltar und vier Figuren des heiligen Augustinus, des heiligen Norbert sowie des heiligen Johannes und des heiligen Josef als Geschenke hinzu.

Ursprünglich hatte die Gemeinde Kippenheim den Hochaltar und zwei Seitenaltäre des Klosters Allerheiligen für sich beantragt. Wegen einer Verwechslung der einzelnen Wünsche hat dann Kippenheim lediglich den Magdalenenaltar zugesprochen bekommen. Da der Gemeinde aber mit diesem Altar alleine nicht gehalten war, hat sie darauf verzichtet, so daß nachträglich auch der Magdalenenaltar kostenlos der Gemeinde Petersthal zugesprochen wurde.

Lediglich für das Hochaltarbild mußten 600 Gulden aufgebracht werden. Diese Summe wurde gemeinsam bezahlt von den Gemeinden Oppenau, Ibach, Löcherberg. Maisach, Lierbach, Rarmsbach. Freiersbach, Bästenbach und Döttelbach.

Der Hochaltar sowie dee Apostelfürstenaltar (Petrus und Paulus) kamen am Dienstag nach dem 3. Januar 1807 nach Petersihal. Einige Wochen danach wurde dann auch der Magdalenenaltar und die oben erwähnten Statuen hierher gebracht.

In unserem Kirchenführer hat Herr Pfarrer Hermann, der seit 1977 unserer Pfarrei vorsteht, ausführlich über die Altarbilder geschrieben.

Ich möchte nur noch einmal darlegen, daß im Mittelpunkt, im unteren Bereich des Hochaltarbildes der heilige Norbert abgebildet ist. Er ist geboren in Xanten, wohl um das Jahr 1082 und gestorben in Magdeburg am 6. Juni 1134. Nach seiner Priesterweihe im Jahre 1115 zog er mit päpstlicher Vollmacht als Wanderprediger durch Deutschland und Frankreich und gründete im Tal von Premontre 1120 den Prämonstratenserorden. Geistliche Grundlage war für sie die Regel des heiligen Augustinus. Augustinus wurdhe geboren am 13.11.354 und er starb am 28.8.430. Der heilige Augustinus war nicht nur Bischof von Hippo in Nordafrika, sondern er gilt als einer der ganz großen Kirchenlehrer.

Norbert ist 1126 nach Rom gezogen und bekam von Papst Honorius II. eigens die Bestätigung seines Ordens. Der Papst enannte ihn auch zum Erzbischof von Magdeburg.

Norbert wird auf unserem Altarbild, wie auf den meisten Abbildungen seit der Barockzeit mit einer Monstranz dargestellt, obwohl die Monstranz selbst zu Lebzeiten von Norbert noch nicht bekannt war.

Trotz dieses Anachronismus gilt Norbert seit des Gegenreformation als Heiliger der Eucharistie und wird daher meistenteils mit einer Monstranz dargestellt.

Kniend vor dem heiligen Norbert ist auf dem Altarbild der heilige Franziskus abgebildet. Der Papst, dem Norbert vorangeht, ist vermutlich Honorius II., der Norbert in Rom selbst im Jahre 1126 die Bestätigung des Prämonstratenserordens gegeben hat.

Der rechte Seitenaltar wird in den Archiven des Klosteis Allerheiligen als Apostelfürstenaltar bezeichnet. Das große Bild zeigt darauf den trauernden Petrus im Garten des Kaiphas, als er seinen Meister dreimal verleugnet hatte. Das kleinere Altarbild darüber stellt den heiligen Paulus dar. Dieser ist abgebildet beim Schreiben eines Briefes an seine Gemeinden.

Der linke Seitenaltar ist der sogenannte Magdalenenaltar. Er zeigt die büßende Magdalena und in dem kleineren Altarbild daruber ist die heilige Barbara dargestellt.

Die Statue an der rechten Seite des Hochaltars, der vermutlich der Kreuzaltar im Kloster Allerheiligen war, ist der heilige Augustinus, nach dessen Regel die Prämonstratenser gelebt haben. Links steht die Statue des heiligen Norbert als Erzbischof von Magdeburg. Zunächst ist dabei auffallend, daß er nicht mit dem Hirtenstab, sondem mit dem Kreuzesstab abgebildet wird. Schon 1598 wird in diesem Zusammenhang Norbert auf einem Bild in Antwerpen mit dem Insignum des Kreuzesstabes dargestellt, wie dies auch in der Folgezeit für das kanonische Norbertbild übernommen wurde. Bei den Abbildungen und Darstellungen des heillgen Norbert wird somit meistenteils bewußt auf den Hirtenstab verzichtet. Er erscheint vielmehr mit dem Kreuzesstab, dem Insignum des Erzbischofs. Dies bedeutet, daß der seelsorgerische Symbolgehalt des Krummstabes durch das markantere Herrschaftszeichen des Metropoliten abgelöst wird.

Die Statuen an der rechten Seite unserer Kirche stellen, wie bekannt, Johannes und Josef dar.

Am 12. Oktober 1816 wurde durch Großherzog Carl die ehemalige Filiale Petersthal zur eigenen Pfarrei erhoben. Zum Kirchspiel Petersthal gehörten nun die Rotten Freiersbach, Bästenbach, Döttelbach und Griesbach sowie Rench mit insgesamt 1678 Seelen.

Nachdem der bisherige Lokalkaplan Fritz, unter dem die Kirche erweitert und neu gebaut wurde, die Pensionierung einreichte, ist der Exkapitular aus dem ehemaligen benediktinischen Reichsstift Gengenbach, Johann Nepomuk Fehnenberger als erster Pfarrer auf die neu gegründete Pfarrei Petersthal und Döttelbach angewiesen worden. Er verblieb hier bis 1835. Danach war Pfarrer Bernhard Bauer aus Oberachern bis 1847 hier tätig. Von 1848 - 1850 war dann Josef Andreas Görlacher aus Villingen Inhaber der Pfarrei Petersthal-Döttelbach. In dieser Zeit und auch in der Amtszeit von Franz Konstantin Seitz, von 1851 - 1864, herrschten hier bei uns noch mehr als früher Not und Armut. Im Jahre 1847 waren in Petersthal alleine 156 arme Familien bzw. Einzelpersonen registriert, die von der Gemeinde unterstützt werden mußten. Bürgermeister und Gemeinderat haben sich dabei entschlossen, Lebensmittel und insbesondere auch Kartoffeln über die Gemeinde im großen einzukaufen und diese den Bedürftigen zu übergeben.

Da die notorisch Armen, wie man diesen umfangreichen Bevölkerungskreis nannte, immer mehr zunahmen, haben sich der Gemeinderat und der Bürgerausschuß am 7. März 1847 zu einer schnell einberufenen Sitzung zusammengefunden. Dabei wurde beschlossen, am Tage darauf, in der Waschküche des Pfarrers eine Suppenanstalt zu errichten. Suppe wurde dort durch die Witwe des verstorbenen Lehrers Müller zubereitet und unter Aufsicht des Bürgermeisters. bzw. von Gemeinderäten an die bedürftigen Bürger ausgeteilt.

Auch sonst waren laufende Unterstützungen an die vielen Armen von seiten der Gemeinde erforderlich. Erschwerend kamen in der damaligen Zeit, im Jahre 1848 und 1849 auch die Belastungen im Rahmen des badischen Revolution unter Großherzog Leopold hinzu.

st peter 1850
Kirche St. Peter um 1850

Durch tatkräftige Unterstützung von seiten der Gemeinde konnte die große Not in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts einigermaßen bewältigt werden. Diese Not war jedoch auch Anlaß, daß während dieser Zeit bis Ende des vergangen Jahrhunderts über hundert Familien und Einzelpersonen aus Petersthal und Griesbach nach Amerika ausgewandert sind, um, wie sie oft schrieben, dort ihr Glück zu versuchen.

In dieser Zeit der goßen Not und Entbehrungen erhielt der Gemeinderat am 17. Oktober 1851 auf Veranlassung des großherzoglichen Oberkirchenrates durch das erzbischöfliche Dekanat Offenburg zu Ebersweier eine Mitteilung, daß man rasch für eine Vergrößerung der dortigen Pfarrkirche St. Peter die nötigen Schritte unternehmen sollte. Dabei hat das großherzogliche Domänenamt aber mitgeteilt, daß nicht sie als Behörde, sondern die Kirchspielgemeinde Petersthal und Döttelbach für den Erweiterungsbau aufzukommen hätten.

Der Gemeinderat Petersthal gab daraufhin unmißverständlich zu verstehen, daß auch er zwar eine Vergrößerung der Kirche für wünschensweit hielt, daß er aber aufgrund der gegebenen Verhältnisse derzeit sich außerstande sähe, einem Erweiterungsbau zustimmen zu können. Die Gemeinde mußte, so schrieb der Gemeinderat weiter, im Jahre 1847 allein für die Unterstützung der vielen Armen ein Kapital von 6.000 Gulden aufnehmen. Hinzu kamen die schlimmen Verhältnisse der Revolutionsiahre 1848 und 1849, während welcher neben der allgemeinen Verdienstlosigkeit die Holzpreise so tief gesunken sind, so daß der Erlös der Waldungen kaum den Arbeitslöhnen entspricht. Hinzu kam im Jahre 1850 eine weitere Belastung durch eine außerordentliche Steuer von 2.000 Gulden.

Auch im laufenden Jahr müsse abermals ein Kapital zur Unterstützung der vielen Armen aufgenommen werden, da die gewöhnlichen Mittel der Gemeinde dazu nicht mehr ausreichten. Das gleiche Schicksal, so schrieb der Gemeinderat von Petersthal, traf in den letzten Jahren auch die zur Pfarrei gehörige Gemeinde Döttelbach.

Am 3. Juli 1852 schrieben der Gemeinderat Petersthal und Döttelbach an das Bezirksamt Oberkirch. Wir verbleiben bei unserer Erklärung und bemerken, daß unsere Kirche derzeit noch groß genug ist und wir auch nicht imstande sind, solche jetzt zu vergrößern.

Um so erstaunlicher war, daß am 3. Juli 1853, also ein Jahr danach, das großherzogliche Oberkirchenamt in Karlsruhe sich dahingehend äußerte: Nach Überprüfung der bisherigen Erlasse sei eine Vergrößerung der Kirche zu Sankt Peter unzweckmäßig. Man sollte vielmehr Schritte zum Neubau einer Kirche in Petersthal tun.

hl norbertDie Kirchspielsvorstände und die Gemeindebehörden von Petersthal und Döttelbach haben daraufhin einen endgültigen ablehnenden Bescheid an das zuständige Bezirksamt Oberkirch zur Weiterleitung an den Oberkirchenrat gerichtet. Ein Neubau einer Kirche sei nicht nur wegen fehlender Mittel, sondern auch wegen eines nicht vorhandenen Platzes unmöglich.

Der großherzogliche Oberkirchenrat hatte nämlich die Auswahl eines neuen Bauplatzes zum Neubau einer Kirche zur Auflage gemacht.

Wer unser enges, schmales Tal kennt, so schrieb der Gemeindenat von Petersthal und Döttelbach, der weiß, welche Hindernisse und Schwierigkeiten schon der Gewinnung eines Bauplatzes für eine einfache Wohnung entgegenstehen und vielmehr aber die Beschaffung einer Baustätte für eine Kirche.

Will man nicht in Sumpf oder auf einen entlegenen Berg bauen, so muß der Neubau auf dem Grund und Boden des bisherigen Gotteshauses entstehen. Mit anderen Worten, die gegenwärtige Kirche muß niedergerissen werden. Es ist dies für uns, nämlich den Gemeinderat, ein unenräglicher Gedanke. der sich durch folgende Gründe stützt:

Erstens: Unsere Pfarrkirche hat kaum ein Alter von 40 Jahren, sie ruht auf festen Fundamenten, spricht noch innen und äußerlich gefällig und freundlich an und verspricht mit ihrer soliden Konstruktion noch eine Dauer von 250 - 300 Jahren. Der Gemeinderat und die Kirchspielvorstände weisen darauf hin, daß die Kirche, welche vor 40 Jahren erbaut und erweitert worden ist, viel Geld gekostet hat, und daß wir seither alle nötigen Mittel zur Unterstützung und Reparatur der Kirche bereitgestellt haben.

Erst jetzt (1853) waren wieder 700 Gulden für Reparaturen an der Kirche notwendig geworden.

Zweitens: ist es ein tatsächlicher Irrtum, wenn man unser Gotteshaus zur Aufnahme der Kirchgänger als zu klein hält. Wenn auch immer wieder nicht alle Gottesdienstbesucher in den Stühlen Platz finden, so sind doch die weiten geräumigen Gänge dazu angetan alle Kirchenbesucher aufzunehmen. Auch habe sich noch niemand beklagt, daß er während des Gottesdienstes einmal stehen müsse. Auf jeden Fall sei es noch nie dazu gekommen, daß jemand gegen seinen Willen genötigt wurde, außerhalb der Kirche in Regen, Wind und Schnee während des Gottesdienstes zuzubringen.

Drittens: sind wir finanziell derzeit nicht in der Lage einen Kirchenerweitetungsbau geschweige denn einen Neubau zu betreiben, da vor allem in den Jahren 1846 - 1850 die Ausgaben der Gemeinde wegen der Versorgung der vielen Armen und Hungernden die Einnahmen überstiegen.

Ein Neubau oder auch nur eine Kirchenerweiterung würde unser Gemeindevermögen auf viele Jahre in Anspruch nehmen und unsere größtenteils blutarme Bevölkerung in den gegenwärtigen schlimmen Zeiten in den Abgrund des Verderbens stürzen.

Die Zahl der Besitzenden, welche in Bauern und Halbbauern eingeteilt sind, beläuft sich derzeit auf 30 Bauern und 32 Halbbauern. Alle übrigen Bewohner sind Taglöhner und besitzen außer einem Stückchen Garten fast gar kein Grundeigentum und sind daher ausschließlich darauf beschränkt, das Brot für ihre Familien durch Tagelohn sich zu erwerben. Ihre armseligen Hütten sind meist verschuldet. Sie erhalten sie durch den Verkauf ihres Bürgerabholzes (Bürgernutzen), aus dessen Erlös sie die Zinsen ihrer Kapitalschulden tilgen. Ohne diese sichere Einnahme der Bewohner unseres Tales würde es dem größten Teil schwer werden, irgendein Kapital zu finden. In den letzten Jahren reicht der Taglohn so mancher armen Familie kaum aus, sich zum Mittagsmahl mehr als eine Suppe zu verschaffen. Brot finde man in den meisten Häusern keines, selbst der größte Teil der Bauern erzielt kaum für ein halbes Jahr die erforderliche Brotfrucht, weil das wenige Ackerfeld nur einen kärglichen Ertrag liefert.

Es wird uns daher wohl die Frage erlaubt sein, wohin es mit den meisten Talbewohnern kommen sollte, wenn der Ertrag der Waldungen, bzw. der Bürgernutzen nicht dazu verwende werden könnte, den Armen ihr Obddach zu erhalten.

Viertens: ist die Bevölkerung unserer Gemeinde mit derzeit 2400 Seelen seit einigen Jahren in einer Abnahme begriffen, und dauert dies weiter an, so muß keiner des Kirchenbesucher in 8 - 10 Jahren mehr während des Gottesdienstes stehen.

Fünftens: erlauben wir uns noch die Aufmerksamkeit der hohen Kirchenbehörde auf einen besonderen wichtigen Umstand hinzuweisen. Unsere Pfarrei gehört bekanntermaßen zu den beschwerlichsten des Landes. Bei einer Bevölkerung von mehr als 2400 Seelen, die ja auf einem Flächenraum von 2 1/2 Stunden in der Länge und 2 Stunden in der Breite auf entlegenen Bergen und Tälern zerstreut umher wohnen, war das Bedürfnis nach einem Hilfspriester schon seit Jahren fühlbar.

In dieser Hinsicht müßte Abhilfe geschaffen werden. Mit der Anweisung eines Hilfspriesters könnten an Sonn- und Feiertagen durch zwei Geistliche entsprechend zwei Gottesdienste abgehalten werden, so daß sich die Kirchspielsbevölkerung auf die beiden Gottesdienste teilen könnte.

Abschließend schreibt der Gemeinderat am 10. Oktober 1853: Unter Berufung dieser Begründungen, die wir hier mit aller Freimütigkeit auszusprechen uns erlauben, bitten wir, das großherzogliche Bezirksamt wolle dahin wirken, daß sowohl von einer Erweiterung wie insbesondere von einem Neubau der bisherigen Kirche St. Peter derzeit Abstand genommen werde.

Aufgrund dieser Eingabe des Gemeinderates von Petersihal und Döttelbach hat das Bezirksamt Oberkirch dann am 1. Januar 1854 mitgeteilt, daß aufgrund eines Erlasses des Oberkirchenamtes die Betreibung des Kirchenbaues wegen vorgeteagener Gründe vorerst ruhen sollte.

1865 wurde dann in der Pfarrei Petersthal eine Vikarstelle eingerichtet, die bis nach dem II. Weltkrieg bestanden hat.

Die Erweiterung der Pfarrkirche konnte dann aber erst in den Jahren 1923 - 1927, in einer ebenfalls schwierigen Zeit erfolgen.

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Stiftungsort Bad. Verfassung 1818 - Bad Griesbach


Wappen Grossherzogtum BadenZweihundert Jahre ist es her, dass Großherzog Carl von Baden am 22. August 1818 nach langem Zögern vier Tage vor seinem Tod [* Hier irrt Hans Fenske - Carl starb am 8. Dezember 1818 - siehe weiter unten: "Karl Ludwig Friedrich - Badische Biographie, I. 1875"] die badische Verfassungsurkunde unterschrieb. Gerade noch rechtzeitig [* Ort der Verfassungsstiftung war das sog. Rotbau in Bad Griesbach, Renchtal], denn sein Onkel und Nachfolger, Großherzog Ludwig, hätte seine Unterschrift unter diese freiheitlichste der damaligen deutschen Verfassungen wohl nicht gesetzt. So aber wurde sie nicht nur zur eigentlichen Geburtsurkunde des Staates Baden, sondern konnte auch ihre Wirkung weit über Baden hinaus entfalten.

Vorgeschichte

Schon über vierzig Jahre zuvor war die Markgrafschaft Baden-Durlach durch Erbfall um Baden-Baden erweitert worden und in der Zeit der Revolutionskriege gegen Frankreich und durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 um das Vielfache zu seiner heutigen "Stiefelgestalt" angewachsen. Markgraf Carl Friedrich war 1806 durch Napoleon zum Großherzog aufgestiegen, seit 1811 regierte Großherzog Carl, sein Enkel aus erster Ehe. Der Wiener Kongress hatte die gebietsmäßige Ausdehnung und den großherzoglichen Rang bestätigt. Dennoch stand das Land vor großen Herausforderungen.

Probleme

Baden setzte sich aus den unterschiedlichsten Territorien zusammen. Bistümer und Klöster, Reichsritterschaftsgebiete, Reichsstädte, die Kurpfalz und Vorderösterreich. Sie alle hatten die unterschiedlichsten Rechtssysteme, Verwaltungseinrichtungen, Traditionen, Dialekte und vor allem Konfessionen, als sie an Baden fielen. Es hatte sich gezeigt, dass die bisher erlassenen Konstitutionsedikte des Ministerialrats Friedrich Wilhelm Brauer und die Einführung eines einheitlichen Landrechts nach dem Vorbild des Code Napoleon nicht ausreichten, um einen einheitlichen modernen Staat zu bilden und zusammen zu halten. Die Einwohner fühlten sich nicht als "Badener".

Zudem erhob Bayern weiterhin Ansprüche auf die Kurpfalz und Österreich auf die vormals vorderösterreichischen Gebiete um Freiburg, unter anderem deshalb, weil die Thronfolge nicht gesichert war. Carls Söhne waren im Säuglingsalter gestorben und es gab keine erbberechtigten Nachkommen aus Carl Friedrichs erster Ehe. Zwar hatte deshalb ein badisches Hausgesetz 1817 verfügt, dass auch die Söhne aus dessen zweiter, nicht standesgemäßer Ehe erbberechtig seien. Aber dieses Hausgesetz wurde außerhalb Badens nicht überall anerkannt.

Zudem stand Baden vor dem finanziellen Ruin. Das Land hatte hohe Kontributionen an Napoleon zahlen müssen, was zusammen mit der ungeordneten Steuererhebung in den neuen Territorien und den Steuerprivilegien einzelner Stände zu einer ungeheuer großen Schuldenlast geführt hatte. Schon seit 1808 hatten sich deshalb liberale Minister und Verwaltungsfachleute um eine einheitliche Verfassung bemüht, waren aber bei Großherzog Carl auf wenig Resonanz gestoßen. Seit 1815 stand er allerdings unter Druck, denn laut Beschluss des Wiener Kongresses mussten alle Mitglieder des dort gegründeten Deutschen Bundes - dem auch Baden angehörte - "landständische Verfassungen" erstellen, wobei die Ausgestaltung nicht im Einzelnen festgelegt war. Carl zögerte zwar auch dann noch, aber schließlich unterschrieb er in letzter Minute den Verfassungsentwurf des Finanzrats Carl Friedrich Nebenius, dessen Leistung nicht hoch genug geschätzt werden kann.

Inhalt und Bedeutung der Verfassung

Der Staat ist gesichert

Territorialbestand und Erbfolge stehen auf festem Grund.

§ 3 lautet: "Das Großherzogthum ist untheilbar und unveräußerlich in allen seinen Theilen." und im
§ 4 steht: "Die Regierung des Landes ist erblich in der Großherzoglichen Familie. Das Hausgesetz vom 4ten October 1817 bildet einen wesentlichen Bestandteil der Verfassung."

Rechte des Parlaments

Die Landstände sind in zwei Kammern eingeteilt. Die Mitglieder der Ersten Kammer sind durch Geburt oder Amt gesetzt, aber die Zweite Kammer besteht aus Abgeordneten, die aus indirekter Wahl durch Wahlmänner hervorgehen. Auch wenn nicht alle Bürger wahlberechtigt waren, so sind die Abgeordneten damit Vertreter des Volkes. Sie sind nur ihrem Gewissen verantwortlich und genießen Immunität, so dass ihre Redefreiheit gesichert ist.

Die Zweite Kammer hat das Recht, an der Gesetzgebung mitzuwirken, indem sie eine "Motion" einbringt, also den Antrag an die Regierung, eine Gesetzesinitiative zu ergreifen. Zur Gültigkeit von Beschlüssen zur Gesetzgebung ist die Zustimmung der Ersten und der Zweiten Kammer notwendig. Das gilt vor allem auch für die Steuern: § 53 "Ohne Zustimmung der Stände kann keine Auflage [= Steuer] ausgeschrieben und erhoben werden" und für den Haushalt: § 55 "Mit dem Entwurf des Auflagengesetzes wird das Staatsbudget [...] übergeben." Der Entwurf geht zuerst an die Zweite Kammer, also die Volksvertretung. Die Erste Kammer darf daran nichts ändern; sie kann den Entwurf nur als Ganzes annehmen oder ablehnen. Noch eine wichtige Funktion hat die Zweite Kammer:

Jeder Bürger hat das Recht, eine Petition einzubringen und diese wird von der Zweiten Kammer bearbeitet.

Aus Untertanen werden Bürger

Warum aber diese Verfassung als die freiheitlichste ihrer Zeit gefeiert und weit über Baden hinaus beachtet wird, liegt an den "Staatsbürgerlichen und politischen Rechten der Badener", festgelegt in den §§ 7 - 25 der Verfassung. Sie garantiert unter anderem:

- Eigentum und persönliche Freiheit
- Zugang aller Staatsbürger der drei Konfessionen zu allen Staats- und Militärstellen

- Unabhängigkeit der Gerichte und Schutz vor willkürlicher Festnahme. Kein Bürger darf länger als 48 Stunden in Gewahrsam genommen werden, ohne den Grund seiner Verhaftung zu erfahren.

- Pressefreiheit
- Religionsfreiheit

Zudem konnte der Bürger sich auf dem Rechtsweg beschweren, wenn er sich in einem von der Verfassung garantierten Recht verletzt sah.

Wirkung

Ganz Deutschland verfolgte im 19. Jahrhundert die Debatten in der Zweiten Kammer im Karlsruher Ständehaus, dem ersten Neubau eines Parlamentsgebäudes auf deutschem Boden. Hier hielt Franz Josef von Buß 1837 die erste Rede gegen die Ausbeutung von Arbeitern, hier wurden Debatten über die Staatsbahn, das staatliche Eingreifen in die Wirtschaft, die Wahlordnung und über Bürger- und Parlamentsrechte geführt.

Die Verfassung führte dazu, dass aus den Bürgern "Badener" wurden und so etwas wie ein "Verfassungspatriotismus" entstand, vor allem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 endet zwar Baden als souveränes Staatsgebilde, die Verfassung jedoch übersteht das Ende der Monarchie und die Umwandlung in eine Republik, wie es der Traum der Revolutionäre von 1848 / 49 gewesen war. Nach dem Desaster des Dritten Reiches und Zweiten Weltkriegs und dem Zwischenspiel einer südbadischen Verfassung von 1947 geht das, was sie als freiheitlich auszeichnete, in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und in die Verfassung des Bundeslandes Baden-Württemberg ein. Ihre Werte haben überdauert.

Die Badische Verfassung von 1818 im Staats - und Regierungs - Blatt vom 29. August 1818 arrowRight16

Quelle Artikel oben: Hans Fenske, 175 Jahre Badische Verfassung, Hrsg. Stadt Karlsruhe Stadtarchiv, Karlsruhe; Badenia-Verlag 1993

Der Stiftungsort - Rotbau oder "vorderes Kurhaus" in Griesbach

Im Rotbau, Bad Griesbach unterzeichnete Karl Ludwig Friedrich Großherzog von Baden am 22.  August 1818 die Badische VerfassungVom eigentlichen Stiftungsort - dem Bad Griesbacher Rotbau ("im Eckzimmer des vorderen Kurhauses" hatte Großherzog Karl die Badische Verfassung unterschrieben - Dr. Carl Wilhelm Schnars - Neuester Schwarzwaldführer - Heidelberg, Carl Winter - 1891) - sind uns keine Baulichkeiten geblieben. Wie viele andere Bauwerke musste der Rotbau dem erweiterten Straßenbau in den Schwarzwaldtälern weichen.

Bedauerlich allerdings - dass an dieser wichtigen "Stiftungsstätte" der seinerzeit wohl modernsten Verfassung in deutschen Landen heute noch nicht einmal eine Gedenktafel angebracht ist.

Wie Albert Haberer in seinem Werk "Die Renchtalbäder Peterstal und Griesbach" schreibt, war der Rotbau auch 1818 allerdings keine bauliche "Ruhmesstätte":

Am Ende des vorigen Jahrhunderts, zu einer Zeit, wo ein reges wissenschaftliches Leben seither wenig bekannte Heilanstalten in Aufnahme brachte, wo Marienbad dem grossen ärztlichen Talente seines Dr. Nehr, Franzensbad dem unermüdlichen Streben des Stadtphysicus Bernhard Adler von Eger, Carlsbad den Empfehlungen des berühmten Friedrich Hoffmann ihre weltberühmte Stellung verdankten, gerade in jener Zeit haben wir unsere Curorte zum Schatten früherer Grösse und Ansehens herabgesunken, fast in Vergessenheit gerathen sehen. Glücklicherweise schenkte die badische Regierung gleich anfangs den verwahrlosten Anstalten die eingehendste Aufmerksamkeit, und es war von günstiger Vorbedeutung, dass schon im September 1804 der damals berühmte Professor der Chemie und Physik Hofrath Böckmann von dem Hofrathscollegium in Carlsruhe den Auftrag erhielt, sich von dem Zustande der Bäder des Renchthales durch eigene Anschauung zu überzeugen und eine physikalisch chemische Untersuchung sämmtlicber Heilquellen vorzunehmen. Der abgestattete Bericht ist musterhaft abgefasst und kam 1810 unter dem Titel "physikalische Beschreibung der Renchbäder" im Druck heraus. Die Schrift verfehlte nicht, Aerzte auf den hohen Werth der Quellen aufmerksam zu machen, und den Bädern neuerdings Anerkennung und Ruf in weitern Kreisen zu verschaffen.

Petersthal wurde an Ignaz Linsenbach, den ehemaligen Mundkoch des Cardinal Rohan, verpachtet getroffen. Die beiden modernen Gebäude, heutzutage durch einen Mittelbau zu einem Curhause vereinigt, fanden sich verwahrlost, enthielten etwa 60 Zimmer und Kammern mit kümmerlicher Einrichtung und 30 Badecabinete; die 4eckigen steinernen Brunnenkasten der beiden Quellen alt und baufällig, die Anlagen auf die Lindenallee des Chamillyberges beschränkt...

... Griesbachs Hauptgebäude hatte noch die Erker und hohen Giebel des alten Baustyles und mit Schindeln bedeckte Wände und Dächer und war von dem düstern schwerfälligen Ansehen, das solchen getäferten Häusern eigen ist. Zwei anhängende Gebäude neuerer Bauart enthielten Speise- und Tanzsäle. An der Südseite des Hauptgebäudes befand sich in sehr primitivem Zustande das kleine Badehaus mit 24 Badezimmern und 30 Zubern. Eine schöne Lindenallee führte von dem Hauptgebäude zur Brunnenlaube; sonst hatte die Kunst nichts zum Vergnügen der Badegäste geschaffen. Die Mineralquelle war in der alten Manderscheid’schen Fassung mit einem hölzernen Deckel geschlossen und lag unter einer einfachen baufälligen Holzlaube. Das Bad wurde nach Böckmann von einigen Stammgästen aus Strassburg, Offenburg und Gengenbach Jahr für Jahr besucht, worunter einige vornehme Klostergeistliche....

... Die badische Regierung wendete daher ihre erste Sorge durch Verbesserung der Strassen, Rectification (= Begradigung) des Waldstromes und regelmässiger Postverbindungen den abgeschiedenen Gesundbrunnen zu. Fortwährend bis auf die neueste Zeit wurde die Renchthalstrasse neu angelegt, erweitert, Steigungen rectificirt, durch Flussbauten vor Ueberschwemmung gesichert; und jetzt ist die Strasse im wünschenswerthesten Zustande und für den ungewöhnich grossen Verkehr im Thale bei dem vorzüglichen Strassenmaterial auf’s Beste unterhalten. Die prächtige Kniebisstrasse mit ihren reizenden Aussichten in die tiefen Schluchten der mannigfaltigen Thalverzweigungen wurde 1822 von Oberst Tulla angelegt. Die Posteinrichtungen entwickelten sich nach unsern Verkehrsbegriffen freilich sehr langsam, wenn man sich erinnert, dass bis 1840 nur Privatgesellschaftsfuhren cursirten. Erst im folgenden Jahre verband ein Eilwagen wöchentlich 2 Mal das Renchthal mit dem Rheinthal in Appenweier, während heutzutage 3 Eilwagen täglich ab- und zugehen.

Die Regierung dehnte die polizeiliche Beaufsichtigung der Badeanstalten nicht mehr auf die Polizeidictate und den Zunftzwang früherer Zeiten aus; sie überliess vielmehr dem Geiste der Zeit angemessen und vom Standpunkte des Privateigenthums betrachtet - die Heilanstalten einer freiern, selbstständigern, nicht eingeschränkten und der Concurrenz unterworfenen Selbstentwickelung, ohne dabei das grosse allgemeine Interesse - die Ueberwachung der Curmittel - ausser Acht zu setzen.

Die jährlich durch Amt und Physikat vorgenommenen Badevisitationen wurden 1827 mit der Anstellung und Besoldung eines eigenen Badearztes für die Curorte eingestellt. Es wurde ihm die sorgfältige Ueberwachung ihres Zustandes und ihres Entwicklungsganges zur Pflicht gemacht. Mit besonderer Munifizenz sorgte die badische Regierung für das Emporkommen unserer wie der übrigen Badeorte, indem sie alljährlich eine Summe aus dem Badefonde - einer aus dem Spielpachte in Baden-Baden für Badezwecke gegründeten Kasse - für Verbesserung der Cureinrichtungen, Strassenbau, Flussrectificationen, neue Anlagen und Verschönerungen der bestehenden etc. verwendete ...

... Ein bedeutsames Ereigniss trat 1818 für Griesbachs Geschick ein, dessen gewichtige Folgen der Anstalt ein abermaliges Emporkommen versprachen. Der an chronischem Siechthum erkrankte Grossherzog Karl erschien in jenem Jahre mit seinem ganzen Hofstaate zur Cur und bewohnte den rothen Bau. Die Badecur ist historisch denkwürdig desshalb, weil Karl in einem noch gegenwärtig mit einer Ueberschrift bezeichneten Zimmer am 28. August unsere Verfassung unterzeichnete. Der fürstliche Besuch lies sattsam die Mangelhaftigkeit und allzugrosse Einfachheit aller Verhältnisse erkennen und veranlasste noch in demselben Jahre den Bau neuer eleganterer, geschmackvollerer Gebäulichkeiten. Friedrich Dollmätsch, ein geborner Karlsruher, kaufte von dem damaligen Badebesitzer Monsch die Trinkquelle unter der Bedingung ab, dass auch die Curgäste des Monsch fürderhin unentgeltlich zur Quelle Zutritt haben sollten, und führte nun über derselben ein grosses Curgebäude mit 80 Zimmern, Cursaal, Speise- und Conversationssälen auf. In dem Erdgeschosse wurden 24 kleine aber bequem eingerichtete saubere Badecabinete mit gefirnisten, metallenen Wannen hergestellt. Alle Gänge und Verbindungen in dem Curgebäude wurden durch Fenster und Glasthüren geschlossen, so dass man bei jeder Witterung vor Zugluft geschützt aus jedem Wohnraume zu den Bädern und der Trinkquelle gelangen konnte - ein wohlthätiger Vortheil für die Curgäste, welcher meist in andern Curorten vermisst wird.

Links der Rotbau - altes Kurhaus und Stiftungsort der Bad. Verfassung - rechts das von Friedrich Dollmätsch erbaute neue Kurhaus - später (nach Brandschaden) St. Anna Mütterhaus
Die Erwärmung des Mineralwassers in einem hermetisch geschlossenen Kessel, die Ueberleitung der sich entwickelnden Kohlensäure von dem Kessel nach dem Reservoir, Einrichtungen für ganze und partielle Gasbäder, für Dampfbäder und Kräuterbäder, für Einathmungscuren bildeten balneologische Erweiterungen und Vervollkommnungen der Curmittel, wie sie damals nicht leicht in einer andern Anstalt getroffen wurden.

Anders war es mit dem Bade Petersthal. Schlechte Bewirthschaftung, nothdürftige Einrichtungen, Geld- und Creditmangel des Badebesitzers Linsenbach wirkten sehr nachtheilig auf die Frequenz. Ueberdies traf denselben 1824 noch das Unglück, dass bei einer Ueberschwemmung die wilden Fluthen des ausgetretenen Waldstromes grosse Verheerungen im Bade anrichteten und namentlich die Fassungen der Quellen gänzlich zerstörten. Dies veranlasste in den folgenden Jahren die Neufassung der Quellen, und Rectificationen der Rench, welche von der badischen Regierung vorgenommen wurden, um ähnlichen Unfällen vorzubeugen. Maring Linsenbach's Nachfolger entfernte die uralte Lindenallee, welche von dem prächtigen wenigstens 80 Jahre alten Kastanienhain längs der Rench aufwärts führte, der jetzt noch eine Hauptzierde des Bades ausmacht.

Mit der Uebernahme desselben durch den tüchtigen Wirth und Geschäftsmann F. X. Kimmig 1833 kam die Anstalt wiederum zu einem Flor, dessen sie sich lange nicht mehr zu erfreuen hatte. Die Rectificationsarbeiten der Rench führten 1835 zur Entdeckung einer neuen, von den beiden bestehenden verschiedenen und etwa 100 Schritte abgelegenen Quelle, die im nämlichen Jahre gefasst, zu Ehren der gerade anwesenden Grossherzogin Sophie bei der feierlichen Einweihung "Sophienquelle" getauft wurde. Zwei Jahre später wurde ihre geschmackvoll tempelförmige Halle vollendet.

Matthias Erzberger * 20.09.1875 - † 26.08.1921 (ermordet) arrowRight16


Über Karl Ludwig Friedrich, Großherzog von Baden, welcher in besagtem Rotbau (heute wohl Anbau der St. Anna Kuranstalten?) liest man in der "Badischen Biographie I. 1875 / 19 - 20":

Karl Ludwig Friedrich (* 8. Juni 1786 in Karlsruhe; † 8. Dezember 1818 in Rastatt) war Großherzog von Baden; seine Regierungszeit begann am 10. Juni 1811.Karl Ludwig Friedrich Großherzog von Baden, wurde am 8. Juni 1786 zu Karlsruhe geboren. Seine künftige Bestimmung war bei seiner Geburt entschieden, wiewohl die Erfüllung derselben einer weit späteren Zeit vorbehalten schien. Ihm war aber das Loos bestimmt, schon in seiner frühesten Jugend Zeuge der unerwartetsten, in ihrer Gestalt sich täglich ändernden Auftritte zu sein und eben diesen sonderbaren Wechsel in den Begebenheiten seines eigenen Lebens darzustellen.

Aus dem glücklichen Zustande, dessen sich unter der langen und gesegneten Regierung Karl Friedrichs das badische Land erfreute, wurde er durch die Stürme der französischen Revolution und der an dieselbe sich anreihenden Kriege plötzlich in eine schwer zu tragende Nothlage versetzt, und der junge Prinz mußte mit seinem Großvater und der ganzen fürstlichen Familie in fremdem Gebiete ein Asyl suchen. Als der Friede von Lüneville dem Vaterland eine kurze Ruhe gewährte, besuchte der zum Jüngling erwachsene Prinz mit seinen Eltern die Höfe von Petersburg nnd Stockholm, wo er in der Kaiserin Elisabeth und der Königin Friederike theure Schwestern begrüßen durfte, auf der Rückreise aber Zeuge des erschütternden Todes seines Vaters sein mußte.

Durch diese Fügung des Geschickes wurde der erst fünfzehnjährige Erbprinz bei dem schon eingetretenen Greisenalter des regierenden Fürsten seiner großen und schweren Bestimmung nahe gebracht. In der schwierigen Lage der europäischen Verhältnisse, welche die kleineren Staaten mit Zerstörung bedrohte, wurde, durch die Familienverbindung mit dem mächtigsten Herrscher, Badens Tetritorialbestand nicht nur gerettet, sondern sogar wesentlich vergrößert; aber der unvermeidliche Beitritt zum Rheinbund machte die nach Auflösung des deutschen Reichs proclamirte Souverainetät der diesem Bunde angehörenden Staaten illusorisch. In diesen schweren Zeiten trat der Erbprinz im Jahre 1808 seinem greisen Großvater als Mitregent zur Seite, um ihm am 11. Juni 1811 auf dem Throne zu folgen. In den wenigen Jahren seiner Regierung zog die Sorge für die auswärtigen Verhältnisse das Auge des Regenten zu oft von dem Blick in’s Innere ab. Wenige Monate nach seinem Regierungsantritt erhielt Großherzog Karl die Aufforderung, zu neuen Opfern sich vorzubereiten nnd schon im Anfange des Jahres 1812 zogen 8.000 badische Krieger, von denen nur wenige das Vaterland wiedersahen, nach Rußland.

Als auf den Ebenen von Leipzig das Gottesgericht über Napoleon hereinbrach und dieser Sieg auch dem Regenten Badens die verlorene Freiheit wieder gab, schloß sich Großherzog Karl zu Frankfurt der mächtigen Verbindung an, deren Zweck sich auf Erkämpfung eines dauerhaften Friedens beschränkte. Mit den Fürsten fast aller europäischen Staaten war auch er auf dem Congreß zu Wien, der die neue politische Gestalt des Welttheils feststellen sollte. Von da zurückgekehrt, wendete er seine Sorge den traurigen Verhältnissen zu, die nach der Mißernte Von 1816 auch in den sonst so reich gesegneten Fluren des badischen Landes sich eingestellt hatten. Um diese Zeit befiel den Großherzog schwere Krankheit; zwar rettete ihn von der unmittelbaren Todesgefahr dass jugendliche Alter und die Kunst der Aerzte, aber vollkommene Wiederherstellung war dem Fürsten nicht mehr beschieden. Schwere Sorgen traten zu den Qualen des Siechthums.

Die Untheilbarkeit des Landes war durch fremde Ansprüche bedroht; wenn die Ertheilung der Verfassung vorn 22. August 1818 in hervorragender Weise geeignet war, die verschiedenen Landestheile, aus denen das Großherzogthum zusammengesetzt worden, zu einem festen Staatswesen zu einigen und allen Landesbewohnern die Zugehörigkeit zu diesem Staate werthvoll zu machen, so erreichten die durch treue Diener geführten Verhandlungen über die Territorial- und Erbfolgefrage und die unerschütterliche Festigkeit, welche der Großherzog den fremden Ansprüchen entgegensetzte, die Erhaltung des Landes in seinem bisherigen Umfange. Die glückliche Entscheidung dieser für Land und Dynastie hochwichtigen Angelegenheit verklärte noch mit einem Freudenschimmer die schweren Leidensstundeu des Fürsten. Am Morgen des 8. Dezember 1818 starb Großherzog Karl nach einer siebenjährigen Regierung im 33. Lebensjahre.
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Schlüsselbadklinik Bad Peterstal-Griesbach


1997 beging die "Schlüsselbad Klinik" in Bad Peterstal-Griesbach ihr 100jähriges Jubiläum, das sich auf die Inbetriebnahme von Mineralquellen im Jahre 1897 bezog100 Jahre "Schlüsselbad" in Bad Peterstal-Griesbach - Renate Findeklee - die Ortenau 2000 S. 555 ff.

1997 beging die "Schlüsselbad Klinik" in Bad Peterstal-Griesbach ihr 100jähriges Jubiläum, das sich auf die Inbetriebnahme von Mineralquellen im Jahre 1897 bezog. Damit begannen die Behandlungen im Haus - die eigentliche "Kur im Schlüsselbad". 1982 entstand aus dem ehemaligen Kurhotel eine Fachklinik für Orthopädische Rehabilitation, Innere Medizin und Psychosomatik - die "Schlüsselbad Klinik". Sie ist eines der traditionsreichen Gebäude am Ort und hat eine wechselvolle Vergangenheit hinter sich.

Da sich die Geschichte des Hauses nur aus den örtlichen Ereignissen heraus verstehen !äßt, ist ein kurzer Rückblick in die Vergangenheit von Bad Peterstal unerläßlich.

1293 beginnt die 700jährige Geschichte des Ortes mit der Erwähnung einer "wüsten Kapelle" durch die Mönche des Klosters Allerheiligen im Lierbachtal bei Oppenau. Es erstaunt die Tatsache. daß zu damaliger Zeit, als die Gegend noch als "wüst" galt, bereits ein Gotteshaus vorhanden war. Vermutlich stand es in Zusammenhang mit der Nutzung damals schon bekannter "heilsamer Quellen", von denen in späterer Zeit einige im Raum Peterstal und Griesbach gefunden wurden.

Warum wählten die Mönche ausgerechnet "diesen" Standort für ihre Kapelle? Aus Schriften über mittelalterliche Badebräuche wissen wir, daß in Nähe heilsamer Quellen, die als Wallfahrtsort von Kranken und Gebrechlichen aufgesucht wurden, Kapellen entstanden, deren Priester "mit den Badeleuten abends und morgens und ehe sie ins Bad gingen, Messe lesen und also um Gedeihen desselben Gott anrufen" mußten. Nun könnte man davon ausgehen, daß sich eine solche Quelle in früherer Zeit neben der Kapelle befand - später bedeutungslos wurde oder versiegte und erst 1895 durch Adolf Schäck wiederentdeckt wurde.

1321 wird diese Kapelle als "dem Hl. Petrus geweihte Kapelle" bezeichnet, woraus sich im Laufe der Zeit der Ortsname "Petersthal" ableitete. An gleicher Stelle steht heute die den Aposteln Petrus und Paul geweihte Kirche im Ortskern von Bad Peterstal.

1584 gilt als Gründungsjahr der "Peterstaler Kur" durch die Beschreibung der "heylsamen Metallischen Minerischen Bädern und Wassern ... zu S. Petersthal und Greyßbach" von Dr. Theodor von Bergzabern (Tabernaemontanus). Sein Buch veranlaßte den Bischof von Straßburg, zu dessen Besitz das hintere Renchtal gehörte, zur Erneuerung und Förderung der Peterstaler Brunnen.

1803 endet die bischöflich-straßburgische Zeit im Renchtal und die Herrschaft Oberkirch wird vom Großherzogtum Baden übernommen. Um diese Zeit setzt ein in Mode gekommenes "Badgehen" und "Kuren" reicher Bürger und hoher Herrschaften ein, was zu gewaltigem Aufschwung der Bäder im Renchtal führt, wovon auch der Ort "Petersthal" betroffen war. Neue Quellen werden entdeckt, Promenaden angelegt, Häuser gebaut. Es heißt: "... schon im Sommer 1864 waren nicht nur alle Fremdenzimmer im Kurhaus, sondern auch die in den Gasthöfen und Privathäusern besetzt".

Allerhöchste Herrschaften kommen nach Peterstal zur Kur, wie 1871 Zar Alexander II. von Rußland und 1876 Kaiser Wilhelm I. mit Gemahlin und Kronprinz Friedrich.

In diese Glanz- und Blütezeit des hiesigen Kurlebens fällt die Lebensgeschichte von Adolf SCHÄCK, dem Erbauer des "Kurhotels Schlüsselbad" - der heutigen "Schlüsselbad Klinik" in Bad Peterstal-Griesbach.

Historisches vom "Schlüsselbad"

Auf dem Gelände des Hauses stand jahrhundertelang ein Gasthof "Zum schlüssel", der namensgebend für die Klinik war. Er wird ab 1650 urkundlich erwähnt - ist vermutlich aber wesentlich älter.

1650 - wird erstmals ein Schlüsselwirt namens Bernhard Müller genannt, der "... seine Gastherberge zum Schlüssel wie solche bei St. Petersthal und selbiger Kirche gelegen - an Michel Theuer, dem Pflugwirt zu Straßburg, verkauft.

Ferner verkauft Bernhard Müller gegen obigen Hernn Käufer seinen Sauerbrunnen samt einem Stücklein daran ausgelochtem Feld und unter dem alten Haus gelegen. Stoßt oben an Verkäufer selbst, unten an die Rench, vornen an den Freyersbach ... um 700 Gulden, zwei Dublonen Trinkgeld und sechs Dublonen bedingt zu euer Zehren.

Zugegen gewesen Georg Roth, der alte Vogt, Johann Friedrich Theurer Goldschmied zu Straßburg, Käufers nächster Befreundter Actum, den 19. / 29. August 1650. Gerichtlich gewährt worden, den 7. / 17. Oktober 1650."

1661 - 15. / 25. Mai 1661: Theurer, Michel verkauft die Herberg zum Schlüssel mit einem Sauerbrunnen um 300 Gulden an Müller, Christian, St. Petersthal.

1678 - 26. Juni 1678: Müller, Christian verkauft Gastherberg zum Schlüssel an Sohn Müller, Urban um 400 Gulden.

1883 - "erwarb" der Peterstaler Bürger und Kaufmann Adolf Schäck den "Gasthof zum Schlüssel" von Karl Friedrich Ilg, der ihn im Januar 1883 versteigern ließ.

Die Ankündigung dieser Liegenschafts-Versteigerung wurde 1883 im "Renchthäler", dem "Allgemeinen Anzeigeblat für den Amtsbereich Oberkirch und die angrenzenden Bezirke", veröffentlicht:

"Liegenschafts- Versteigerung

In Folge richterlicher Verfügung werden dem Karl Friedrich Ilg, Schlüsselwirt in Petersthal die unten erwähnten Liegenschaften am Dienstag, den 16. Januar 1883, vormittags 1/2 12 Uhr, im Rathause zu Petersthal in zweiter Steigerung öffentlich versteigert und der Zuschlag erteilt, wenn der Schätzungspreis auch nicht geboten wird.

Gemarkung Petersthal.

1. L.= B. Nr 40.

10 a 98 qm Hofraite mit dem darauf erbauten zweistöckigen Wirtschaftsgebäude mit Realwirtschaftsrecht zum Schlüssel, nebst Back- und Waschhaus, Wagenschopf und Schweinställen mit dem darauf ruhenden Privatwaldrecht mit 4 Klafter Holz, sodann:

4 a 68 qm Hausgarten,
18 a 68 qm Wiese,

alles dieses beisammen im Gewann Ortsetter und begrenzt von der Landstraße, Andreas Hoferer, Josef Treier, Kar! Schmiederer und dem Renchfluß, tax. 26.000 Mark. (...)

Oberkirch, den 25. November 1882.

Der Vollstreckungsbeamte: Kühndeutsch."

Lebenslauf von Adolf Schäck, Erbauer des "Schlüsselbades"

Adolf Schäck wurde am 8. August 1857 in Peterstal im heutigen Haus "Renchtalstraße 17" geboren. Seine Eltern waren der Kaufmann und Webereibesitzer Johann Schäck und Christine Schäck, geb. Huber.

Anläßlich eines Aufrufes durch Reallehrer Carlein zum 25. Jubiläum der Realschule zu Gengenbach schrieb Adolf Schäck 1891 folgendes über sich:

Adolf Schäck, 13 Jahre alter Realschüler v. November 1871 bis dahin 1872 in Gengenbach, kam alsdann sofort in die Lehre als Kaufmann in Offenburg.

Nachdem ein Jahr verflossen war starb leider mein Vater, worauf ich austreten mußte, um als ältestes Kind das Geschäft zu Hause weiter zu betreiben und unsere Familie in geordneten Verhältnissen beisammen zu erhalten, was ich bis zum Jahr 1883 besorgte, wo sich in der Zwischenzeit meine Geschwister versorgen konnten.

Alsdann habe ich den Gasthof zum Schlüssel hier käuflich erworben, meine Mutter zu mir genommen, welche bis Mai 1890 bei mir war, wo sie in den Tod meinem Vater nachfolgte.

Abb. 1: Gasthof "Zum Schlüssel" - in der Zeit 1883 - 1891 - (Adolf Schäck ist mit seiner Familie auf der Treppe zu sehen)
Im Jahr 1885 habe ich mich mit Frl. Sophia Plaiten von Griesbach verheiratet, bis jetzt 4 Kinder (2 Knaben und 2 Mädchen} geboren, welche alle Namen von Persönlichkeiten aus der deutschen Geschichte haben, weiche uns Herr "Carlein" so tüchtig einprägte.

Wir leben glücklich und zufrieden, verdanken aber heute noch meinen Aufschwung und Emporkommen meinem Herrn Carlein und verbinde den Wunsch, Gott möge ihn noch lange gesund erhalten und sich noch mancher über seine Lehren mit mir freuen kann.

Petersthal, den 22. September 1891

gez. Adolf Schäck zum Schlüssel

Als der 26jährige Adolf Schäck im Jahr 1883 den "Gasthof zum Schlüssel" - damals eine einfache Schildwirtschaft (Abb. 1 und 2) - erwarb, ahnte er noch nicht, daß er einmal zu den angesehensten Bürgern von Peterstal gehören würde.

Abb. 2: Rückansicht des Gasthofes „Zum Schlüssel“ — wie er 1883 von Adolf Schäck übernommen wurde.
Aus einfachen bürgerlichen Verhältnissen stammend, war er offenbar klug genug, die Gunst der Stunde zur Blütezeit des Peterstaler Kurlebens zu erkennen. Mit dem Kauf einer Gastherberge machte er sich selbständig und zeigte die Eröffnung im Februar des Jahres 1883 im "Renchthäler" an (Abb. 3).

Den "Gasthof zum Schlüssel" erwarb er zunächst gemeinsam mit seinem Schwager Schmidt, der in Peterstal eine Drechslerei betrieb. Später, so wird berichtet, habe seine Ehefrau auf Auszahlung bestanden, um den Gasthof allein zu betreiben.

Um mehr Gäste beherbergen zu können, ließ Schäck schon bald, vermutlich um 1891, den alten Gasthof vergrößern. Er erweiterte das Dachgeschoß und setzte dem Gebäude zur Straße hin einen Glockenturm auf (Abb. 4 und 5).

Wahrscheinlich stammte das Geld aus dem Erbteil seiner 1890 verstorbenen Mutter, die - wie aus einem erhaltenen Testament hervorgeht - ihm 1/3 von 4.200,- Mark hinterließ.

Abb. 3: Anzeige aus dem "Renchthäler" vom Februar 1883
Abb. 3: Anzeige aus dem "Renchthäler" vom Februar 1883

Mit Attributen wie:

asterisk elektrische Beleuchtung

asterisk schöne geräumige Lokale und Speisesaal

asterisk Musik - Table d'hote 1/2 1 Uhr

asterisk Extradiner und Restauration jederzeit

asterisk Fremdenzimmer, Equipagen und Stallungen

hatte sich A. Schäck den "gehobenen Bedürfnissen" damaliger Kurgäste angepaßt und sich schon weit über das Niveau einfacher Gasthöfe erhoben.

Von Vorteil für die Lage seines Hotels war zweifellos die Nähe der Posthaltestelle und der zu seinem Besitz gehörende Bürgergarten (heutiger Parkplatz der Sparkasse), der an Festtagen mit Musik und Gartenrestauration in Betrieb war.

Nur eines konnte er zu dieser Zeit noch nicht anbieten: "Bade- und Trinkkuren aus eigener Quelle und im eigenen Haus".

Ärgerlich für die Gastwirte von Peterstal zu damaliger Zeit war auch, daß der Badwirt Müller, dem das Kurhaus gehörte, die Abgabe von Quellwasser an Peterstaler und Ortsgäste verweigerte, sofern diese nicht in seinem Haus wohnten. Als glücklicherweise der Müller Josef Schmiederer 1876 auf seinem Gelände eine neue Quelle entdeckte, wurde diese von der Gemeinde ausgebaut und mit einer Badeanstalt versehen zur vorwiegenden Versorgung der Gäste im Ort ("Stahlbad").

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, welch große Bedeutung für den Hotelbesitzer Adolf Schäck die Entdeckung eigener Mineralquellen auf eigenem Gelände im Jahr 1895 war.

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Abb. 4: Gasthof nach der Erweiterung: "Hotel zum Schlüssel", Ansicht aus der Zeit 1891 - 1899 (Ölgemälde im Besitz E. von Rekowski)

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Abb. 5: Postkarte vom "Hotel zum Schlüssel" aus der Zeit 1891 bis 1899

Im "Renchthäler" vom 28. September 1895 wurde folgendes berichtet:

"Aus dem Renchthal, 25. September 1895

Petersthal ist in neuester Zeit wieder um einen Sauerbrunnen reicher geworden. Derselbe wurde unmittelbar hinter dem "Schlüssel" in nächster Nähe der Rench entdeckt. Herr Schlüsselwirt Schäck läßt die Quelle fassen und eine Trinkhalle darüber erbauen. Beim Graben stieß man auf einen Stein, der die Jahreszahl 1377 in römischen Zahlen trug. Man vermutet, daß vor etlichen Jahrhunderten ein Brunnen an gleicher Stelle sich befand, der aber wieder durch das Hochwasser der Rench zerstört wurde."

Mit der Entdeckung und Nutzbarmachung eigener Mineralquellen konnte A. Schäck nun endlich auch "Bade- und Trinkkuren" im eigenen Haus anbieten und war dem Kurhaus im Ort nahezu gleichgestellt.

2 Jahre (1895 bis 1897) nahmen Grabungen, Ausbau und Einfassung der Quellen in Anspruch, wobei Schäck eine Trinkhalie im Stil der damaligen Zeit errichten ließ (Abb. 6). Die "aus alter Zeit stammende Quellenfassung mit Trinkrohröffnung" - ein 2 Meter tiefer und 1 Meter breiter Sandsteinbehälter - blieb erhalten und konnte in der neuen Halle besichtigt werden (Abb. 7). Schäck bezeichnete sie als "Urquelle von 1377", was historisch nicht bewiesen ist. Der im alten Gemäuer gefundene umstrittene Stein zeigt eine Kuriosität: die vorletzte Ziffer V der in römischen Zahlen eingemeißelten Jahreszahl 1377 = MCCCLXXVII ist in umgekehrter Form ? dargestellt (Abb. 8). Die Bedeutung dieser Abnormität ist - falls sie bewußt erfolgte - unbekannt wie auch die Echtheit des Steines umstritten ist. Eines lassen die Ausgrabungen jedoch unmißverständlich erkennen, daß in früherer Zeit, wie weil dies auch zurückreichen mag, eine Quelle und ein Gebäude hier bestanden haben.

Am 6. Januar 1897 nahm A. Schäck durch Inbetriebnahme seiner Quellen und Fertigstellung der Trinkhalle den "Kurbetrieb im Haus" auf.

Der Besitzer gab den beiden Quellen seinen und seiner Gattin Namen: "Adolf" und "Sophia". Die "Adolfsquelle" erwies sich als "Stahlwasser 1. Ranges" und den Wässern in Rippoldsau, Schwalbach, Marienbad, Pyrmont und Elster ebenbürtig.

Die "Sophiaquelle" galt als "salinischer Säuerling" von "erfrischendem angenehmen Geschmack und als Tafelwasser sowie als mild purgierendes, eisenhaltiges Mineral-Heilwasser zu verwenden". Die Analyse der Quelle und ein darüber erstattetes Gutachten durch den vereidigten Chemiker A. Gawlowski aus Raitz (Brünn) erfolgte am 10.4.1899. Eine spätere Untersuchung des Quellwassers von 1907 stellte zusätzlich noch Gehalt an Radium fest.

Abb. 6: Trinkhalle mit Eingang zur "Urquelle" - 1897 -
Die Anwendung der Quellen wurden laut damaligen Kurprospekten empfohlen bei "Blutarmut und den darauf beruhenden oder damit verbundenen Leiden, bei Bleichsucht, bei zahlreichen Störungen der Nervenfunktion (Neuroasthenie u. a.), bei Frauenkrankheiten (Sterilität, Katarrhen p.p.), bei Affekten der Atmungsorgane, bei Herzkrankheiten und Verdauungsstörungen, bei Rheumatismus und nach entzündlichen Krankheiten in der Brust- oder Beckenhöhle".

Neben der Benutzung des Quellwassers für Trinkkuren bot A. Schäck in seinem Haus weitere Anwendungen an:

einfache Mineralbäder Harzwasserbäder
Kohlensäure-Sprudelbäder Sole- und Moorbäder
Fichtennadelbäder elektrische Lichtbäder

Um dem Ansturm und den Bedürfnissen der um die Jahrhundertwende zahlreich nach Peterstal strömenden Gäste gerecht zu werden, ließ Schäck 1899 seinen alten Gasthof bis auf die Grundmauern abreißen und ein neues Haus errichten. Wie es dazu kam, schildert folgende Überlieferung.

Zunächst muß man vermuten, daß die Eheleute Schäck mit Beginn der "Kur im eigenen Haus" durch die ergiebigen Mineralquellen zu Wohlstand

Abb, 7: Sogenannte "Urquelle von 1377
gekommen waren und sich Gedanken machten, wie der Zulauf von Kurgästen um die Jahrhundertwende noch besser zu nutzen sei. Vermutlich waren die Baulichkeiten des jahrhundertealten Gasthofes modernen Anforderungen nicht mehr gewachsen; auch wurden Equipagen und Stallungen zunehmend überflüssig. So war es naheliegend, das Alte abzureißen und etwas völlig Neues, Modernes und Zukunftorientiertes zu schaffen.

Adolf Schäck und seine Frau Sophia machten um 1897 / 98 aus Dankbarkeit (... vielleicht der glücklichen Entdeckung ihrer Mineralquellen wegen ...) eine Wallfahrt zu "Bruder Klaus von Flüe" nach Sachseln in der Schweiz. Dort wohnten sie in einem neu erbauten Hotel, das ihnen so gut gefiel, daß es als Vorbild für ihr geplantes Kurhotel zu Hause diente. Noch heute wird bestätigt, daß ein Haus in diesem Wallfahrtsort der Schlüsselbad Klinik sehr ähnlich sei.

Architekt HENGST schuf in den Jahren 1899 - 1902 nach den Vorstellungen seines Bauherren ein imposantes großzügiges Gebäude im "Jugendstil" der Jahrhundertwende (Abb. 9).

Neben der Trinkhalle entstand auch ein Schwimmbad (Freibad) mit Wasser vom vorbeifließenden Freiersbach, was allerdings selbst im Sommer noch sehr kalt gewesen sein soll. Das Gelände zwischen Hotelgebäude und Rench wurde parkähnlich gestaltet mit gepflegten Wegen, Bänken und Springbrunnen - wie auf alten Ansichten zu erkennen ist (Abb. 10).

Abb. 8: Stein mit Jahreszahl 1377 in römischen Ziffern, wobei die römische Zahl 7 = VII falsch eingrawiert ist = Δll. Der Stein steht heute noch im Hof der "Schlüsselbad Klinik".
Somit war aus der alten Schildwirtschaft "Zum Schlüssel" ein prächtiges Gebäude im Ortszentrum entstanden - das "Kur-Hotel Schlüsselbad" mit modernen Attributen:

"Das ganze Jahr geöffnet, 1899 neu erbaut und vollständig modern eingerichtet, Zentralheizung, elektrische Beleuchtung, Wasserleitung, Wasserklosetts."

Beim Bau des Hotels zum "Schlüssel" gab es ein kurioses Ereignis, das die Bevölkerung des Ortes in Aufregung versetzte und ebenfalls im "Renchthäler" berichtet wurde:

Abb. 9: Postkarte vom "Kurhotel Schlüsselbad", erbaut in den Jahren 1899 - 1902
Petersthal, 17. Oktober 1899

"Einen Volksauflauf, wie solch unser Ort noch wenig gesehen haben dürfte, verursachten am letzten Montag Abend zwei am Hotelbau zum 'Schlüssel' beschäftigte Steinhauer. Die Steinhauer machten an diesem Tage 'Blauen' und trieben allerlei Unfug. Ein Bürgersmann machte denSteinhauern Vorhalt, allein im nächsten Augenblick lag der Mann schon auf dem Boden und standen die beiden Steinhauer neben ihm mit Bengel und Beil bewaffnet. Der inzwischen herbeigeholte Polizeidiener wollte Ruhe schaffen und die beiden Steinhauer zurechtweisen, hier kam er aber nicht gut an, denn er bekam gleich Fauststöße und konnte nur mit Hilfe anderer Bürgersleute die Unholde schließlich in Arrest bringen. Hier im Arrest zertrümmerten die Steinhauer alles, was zu zertrümmern war und warfen die Fetzen in Stücke zum Gitter hinaus. Unser alter braver Polizeidiener hat mehrere Verlerzungen durch Fußtritte und dergleichen erhalten, die aber unbedeutend sind. Die Gendarmerie in Oppenau wurde telegraphisch herbeigeholt, welche nachts Erhebungen machten und am anderen Morgen die groben Gesellen geschlossen nach Oberkirch abführten."

Es handelte sich um italienische Steinhauer, die für einen Stundenlohn von 3 Pfennigen arbeiteten.

Neben der Nutzung seiner beiden Mineralquellen zu Bade- und Trinkzwecken betrieb Adolf Schäck auch eine hauseigene Sprudlerei und füllte das Mineralwasser unter dem Namen "Peterstaler Schlüsselsprudel" zum Verkauf und Versand ab (Abb. 11).

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Abb. 10: Titelseite des 1. Hotel-Prospektes von A. Schäck (nach 1902)


In damaliger Zeit kostete die Flasche Sprudel je nach Größe zwischen 9 bis 15 Pfennigen. Der Versand erfolgte in Kisten mit 25, 50 oder 100 Flaschen. Auf seiner Bestellkarte gab Schäck bekannt: "... franko aller badischen Eisenbahnstationen, sowie bis Straßburg i. E., für alle weiteren Entfernungen wird die Mehrfracht berechnet. Die Flaschen und Kisten werden zum Selbstkostenpreis berechnet und ebenso wieder zurückgenommen, wenn solche in gutem Zustand frachtfrei Station Oppenau gesandt werden und wird der berechnete Betrag nach Richtigfinden in bar zurückvergütet oder bei Nachbestellung der nächstfolgenden Sendung gutgeschrieben, so daß der Empfänger sozusagen nur einmal den Betrag für die Flaschen anzulegen hat.

Indem nun der Peterstaler Schlüsselsprudel, sowie auch das Wasser der beiden Quellen überall großen Anklang findet und das Wasser sehr beliebt ist, so gestatte ich mir, Sie zur einem Probeversuch höfl. einzuladen und bin ich überzeugt, daß Sie stets nachbestellen werden.

Bittend, beifolgende Bestellkarte gefl. benutzen zu wollen und Ihnen beste Bedienung zusichernd, empfehle mich

Hochachtend, Adolf Schäck"

"Peterstaler Schlüsselsprudel" fand sogar Erwähnung im Hamburger Export-Handbuch von 1906 - 1908, einem "alphabetischen Verzeichnis sämtlicher Exportariikel und deren directe und beste Bezugsquelle durch hiesige Agenturgeschäfte".

Die Schutzmarke des Sprudels zeigte den Hl. Petrus mit Schlüssel in der erhobenen rechten Hand, er bürgte für Echtheit.

"Schlüssel-Sprudel" gab es später auch als Limonade, z. B. mit Orangensaft (Abb. 11).

Die Gründer-Eheleute Sophia und Adolf Schäck verstanden es, das "Kurhaus Schlüsselbad" zu einem Begriff im Hotelgewerbe der Badgemeinde zu machen. Es galt bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges als "1. Haus am Platz" und war nicht nur für Kurgäste ein Anziehungspunkt, sondern auch für Einheimische.

Zahlreiche Hochzeiten, Jubiläen und sonstige Festlichkeiten richteten die Besitzer für die Bürger von Peterstal aus, wozu sich der große repräsentative Speisesaal vorzüglich eignete.

Schon 1896 stand der Gasthof "Zum Schlüssel" in hohem Ansehen bei den Bürgern des Orts und wurde für Festlichkeiten gern gewählt.

"Petersthal, 7. Juli 1896:"

"... unter Musik- und Gesangsvorträgen, abwechselnd mit Tischreden und Toasten bald ernsten, bald humoristischen Inhalts verlief das im Gasthof zum 'Schlüssel' eingenommene Festessen. Die Beteiligung soll eine äußerst zahlreiche gewesen sein."

Abb. 11: Verschiedene Etiketten des "Peterstaler Schlüsselsprudels" aus der Zeit von A. Schäck bis zur Zeit der Einstellung der Sprudlerei etwa 1970.
Adolf Schäck, fortschrittlichen Neuerungen stets sehr aufgeschlossen, beteiligte sich auch am Einzug der Motorisierung im Renchtal. Seit Eröffnung der Eisenbahnlinie Appenweier-Oppenau im Jahre 1876 verkehrte die Postkutsche nur noch vom Bahnhof Oppenau bis Peterstal und Griesbach. Diese erhielt starke Konkurrenz durch "andersartige Geschäfte mit der Personenbeförderung", die der Postkasse großen Schaden zufügten. So wird von einem Verlust von 3.000 Mark jährlich durch private Personenbeförderung mittels "Tramwagenfahrten" - das waren von Pferden gezogene große omnibusähnliche Wagen eines Unternehmers aus Offenburg - berichtet. Die kaiserliche Oberpostdirektion in Karlsruhe hatte sich darüber 1904 beim Bezirksamt in Oberkirch beklagt.

Im April 1911 kaufte Schäck von den Benz-Werken in Gaggenau einen "schönen sechzehnsitzigen Wagen", der im Sommer offen, im Winter geschlossen fuhr. Für Störungsfälle hielt der Schlüsselwirt Pferdefuhrwerke bereit. Schäck stellte einen Chauffeur ein und hielt einen Vertreter bereit. Sein Omnibus verkehrte zwischen Oppenau und Peterstal-Griesbach, wobei er das Risiko ganz allein trug, da sich die vom Omnibusverkehr berührten Gemeinden nicht an Schäck’s Unternehmen beteiligten.

Am 2. Juni 1911 machte der Bus seine erste Fahrt im 35-Kilometer-Tempo über die holprigen Straßen, die dem Autoverkehr noch lange nicht angepaßt waren. Nach einem Jahr wurde der Linienverkehr wieder eingestellt, u. a. weil Schäck Gewährsmängel an seinem Automobil der Firma Benz gegenüber nachweisen konnte. Die Firma nahm den Wagen wieder zurück.

Adolf Schäck erwarb sich durch seine Aktivitäten immer größeres Ansehen im Ort und gehörte zu den Gründungsmiteliedern des "Männergesangvereines", des "Schwarzwaldvereines" und des "Verschönerungsvereines von Petersthal".

Am 13. März 1923 verstarb der Schlüsselwirt im Alter von 65 Jahren als angesehener Bürger von Peterstal. Die ihm entgegengebrachte Verehrung ist aus der "Danksagung" und dem in der "Renchtal-Zeitung" veröffentlichten Nachruf zu erkennen ...

Bad Petersial, 18. März 1923:

"Von nah und fern strömten am vergangenen Freitag Menschen hier zusammen. Einem unserer angesehensten Mitbürger mußte das Geleit zur letzten Ruhestätte gegeben werden. Obwohl schon seit etwa 2 Jahren erkrankt, hat man den Tod des weithin bekannten Schlüsselwirt Adolf Schäck nicht so rasch erwartet. - Ein aufrechter Mann ist dahingegangen. Sein Leben, das so reich an Sorgen und Mühen, wurde in dem Nachruf, den ihm Hochwürden Herr Pfarrer Schweizer am Grabe widmete, anschaulich geschildert.

Die Zentrumspartei verlor in dem Verblichenen einen unentwegten Verfechter ihrer Idee. Er war ein Mann mit reichen Kenntnissen und guten Begabungen. Trotz allen Stürmen, die über ihn hinweg brausten, bewahrte er sich stets ein frohes Herz. Sein Humor war unerschütterlich.

Auch der Männergesangsverein 'Frohsinn' stattete seinem Gründer langjährigem Vorstand und Ehrenmitglied am Grabe durch seinen derzeitigen Vorstand, Herr Kaufmann Treyer, seinen tief verbundenen Dank ab. Ebenso der 'Wirtsverein' Oppenau und Umgebung. Ein Leben reich an Taten, Sorgen und mit heldenmutiger Geduld, ertragenem Leiden, hat hier der unerbittliche Tod abgeschlossen. In den Herzen der Mitbürger wird sein Andenken weiterleben.

RIP"

Abb. 13: Familie Schäck: Sophia und Adolf Schäck mit ihren 10 Kindern vor dem Eingang zum "Kurhotel Schlüsselbad" (etwa 1910)
1923 führte die Witwe Sophia Schäck mit Hilfe ihrer Kinder das Haus weiter.

1931 wurde das Grundstück durch Kauf einer größeren Wiese, die den Gästen als Liegewiese diente, erweitert. Heute steht darauf das Haus "Kniebis".

1936 stand in der Renchtal-Zeitung vom März folgender Hinweis:

"Das Kurhaus Schlüsselbad baut seine Wasserkräfte an der Rench aus, um diese Kraftquelle zur Lichterzeugung heranzuziehen. Durch die hierbei erforderlichen umfangreichen Erdarbeiten finden eine größere Anzahl Volksgenossen Verdienst und Brot."

1937 verfügte das "Kurhaus Schlüsselbad" über 70 Fremdenzimmer mit insgesamt 120 Betten. Im Haus bot man Trinkkuren, Mineral- und Moorbadekuren sowie Kneipp-Kuren an. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus als Truppenlazarett genutzt.

1945 diente es als Unterkunft für französische Besatzungstruppen bis 1947. Es war darin die französische Ortskommandantur untergebracht. Nach Abzug soll das Haus stark demoliert und völlig ausgeplündert gewesen sein.

Am 19.5.1947 verstarb auch Sophia Schäck, die Witwe des Schlüsselbad-Erbauers Adolf Schäck.

1950 wurde das Kurhaus "Schlüsselbad" nach umfangreichen Renovierungsarbeiten durch die "Schäck-Erben" Alfred, Maria, Anna Schäck und Klara von Rekowski, geb. Schäck, wieder in Betrieb genommen.

Dazu gab die "Renchtal-Zeitung" vom 16. März 1950 folgendes bekannt: ".. im Laufe des Monats April oder Mai ist mit der Wiedereröffnung dieses für Bad Peterstal bedeutenden Badhotels zu rechnen. Wenn auch zunächst nur eine beschränkte Anzahl von Betten zur Verfügung steht, so ist doch die Tatsache der Eröffnung allein schon begrüßenswert, denn dieses Haus hat von allen Beherbergungsbetrieben die weitaus schwersten Schäden erlitten."

Nachdem 1968 von allen Schäck-Erben nur noch Klara von Rekowski lebte, führte sie allein das mit 80 Gästezimmern ausgestattete Haus weiter. Sie tat dies mit großem Fleiß und Aufopferung in Erinnerung an die Verdienste ihres Vaters.

Im Alter von 67 Jahren war auch sie durch Krankheit geschwächt dieser Aufgabe nicht mehr gewachsen und mußte das Haus verkaufen.

1969 ging das in privatem Familienbesitz stehende "Kurhaus Schlüsselbad" in die Hände von Herrn Dr. med. Herbert Kienle, Facharzt für Innere Erkrankungen und Balneologie, Chefarzt in Bad Wildungen, über. Er besaß zu gleicher Zeit auch das Kurhaus in Bad Antogast.

In der Anfangszeit wurde noch "Peterstaler Schlüsselsprudel" abgefüllt. Die Schüttung der Quellen ließ jedoch mehr und mehr nach, so daß der Sprudelbetrieb schließlich ganz eingestellt wurde.

Nur fünf Jahre hielt sich das Kurwesen im "Schlüssel" weiterhin aufrecht. Verschiedene Umstände führten allmählich dazu, daß der Betrieb im traditionsreichen Haus stark nachließ und 1974 aufhörte, worunter das Gebäude sehr litt.

1979 wurde das Haus Eigentum der Gemeinde Bad Peterstal-Griesbach, die es als Kureinrichtung unbedingt erhalten wollte. Um das Gebäude vor dem Verfall zu retten, suchte man intensiv nach einem Interessenten, der die Sanierung und Wiederherstellung zu einer medizinischen Einrichtung übernehmen konnte. Am 12. 10. 1979 kam es zum Kaufvertrag zwischen der Gemeinde Bad Peterstal-Griesbach und der HURRLE GmbH.

Nach langwierigen intensiven Überlegungen und Verhandlungen entstand ein Konzept zur Umgestaltung des Gebäudes in eine moderne Fachklinik, die sich sinnvoll in den bestehenden Klinikverband der HURRLE GmbH einfügte und dem Bedarf der Kurgemeinde Bad Peterstal-Griesbach nach einer modernen Kureinrichtung mit ganzjähriger Belegung gerecht wurde.

Es war nicht einfach, unter Wahrung des denkmalgeschützten Gebäudes eine zukunftsorientierte Klinik zu bauen und die Architektur des Neubaues mit der des Altbaues in Einklang zu bringen.

1980 - 1982 nahm die Bauzeit der "Kurklinik Schlüsselbad" in Anspruch, die sich wenig später zu einer Rehabilitationsklinik mit Fachcharakter spezialisierte. Noch im November 1980 wurden im Innenbereich des Altbaues "Haus Zuflucht" die Sanierungsarbeiten begonnen und im Frühjahr 1981 der Neubau "Haus Kniebis" eingeleitet.

So entstand eine moderne Fachklinik, die am 6. Juli 1982 ihre Pforten für die ersten Patienten öffnete.

1988 - 1989, um dem wachsenden Bedarf weiterführender Behandlung nach Operationen gerecht zu werden, entstand in 11monatiger Bauzeit ein neues Gebäude mit zusätzlichen Betten in vorwiegend behindertengerechten Zimmern, das "Haus Ruhestein".

Damit hatte die Schlüsselbad Klinik als "Fachklinik für Orthopädische Rehabilitation, Innere Medizin und Psychosomatik" ihre heutige Struktur mit einer Kapazität von 180 Betten erreicht.

Literaturverzeichnis

Börsig, J.: Geschichte des Oppenauer Tales. Karlsruhe
Heizmann, Ludwig: Der Amtsbezirk Oberkirch in Vergangenheit und Gegenwart. Karlsruhe, 1928
Badische Heimat - Offenburg und die Ortenau. Hermann Eris Busse (Hrsa.). Freiburg i. Breisgau, 1935
Huber, Bernhard: 400 Jahre Kur - Bad Peterstal: Bad Peterstal, o. J.
700 Jahre Kapelle St. Peter 1293-1903, Bad Peterstat (Hrsg. Pfarreemeinderat St. Peter und Paul). 1993
Stegmeier, Renate: Bad Freyersbaeh: Geschichte und Bedeutung eines Renchtalbades, 1972
Wegweiser durch Bad Peterstal: Kurverwaltung 1966
Zentner, J.: Das Renchtal und seine Bäder. Gedruckt bei Friedrich Wagner in Freiburg 1827 - (Reprint, ...) Grimmelshausen Buchhandlung und Verlag. Oberkirch


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