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Sehenswertes Biberach


Ph. Ruppert über Prinzbach (heute ein Ortsteil von Biberach) Es ist schon früher der Fabel gedacht worden von der römischen Stadt Brinsbach und von den römischen Bergwerken daselbst; bei der Erzählung des Krieges zwischen Bischof Walter und der Stadt Straßburg wurde auch die Nachricht des Richerius Senon angeführt, daß die ergiebigen Silberbergwerke die Hauptquelle für Walters II. Macht und Reichtum gewesen seien. Das bestätigen auch die Colmarer Annalen, indem sie zu dem Jahre 1257 bemerken: "In Brusbach monte Brisgaudie inveniebatur argentum in magna quantitate"**) Aeltere urkundliche Nachrichten als diese sind mir nicht bekannt. Es ist wohl möglich, daß auf die Nachricht von der Entdeckung des Silberbergwerkes das vordem unbekannte und spärlich bewohnte Thal eine zeitlang in Aufschwung kam und die Zahl der Bewohner rasch stieg; aber eine Stadt war es eben nie.

Bei Kolb, der den groben Anachronismus nicht einmal bemerkte, und bei Berftett***) findet sich die Erzählung, daß die Stadt Brinsbach im Jahre 1008 am Charfreitage von den Freiburgern uberfallen und geplündert, die Schmelzöfen und Münzwerkstätten aber zerstört worden seien. Die früheste Angabe über dieses Ereignis habe ich in einem Geroldseckischen Copialbuch aus dem XVI. Jahrhundert gefunden, das selbst wieder angibt, sie einem alten Meßbuche entnommen zu haben). Vielleicht steht die Sache, wenn sie richtig ist, im Zusammenhang mit der Gefangennahme Walters im Jahre 1250 durch den Grafen von Freiburg. Bürger, die aus diesem Thale stammten und fich darnach benannten, hatte sowohl Freiburg, als auch Straßburg.
**) Böhmer, fontos II. 3. ***) Münzgeschichte p. 171. - (Johann Philipp Joseph Ruppert - Die Mortenau I - Mannheim 1882)

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Heimatmuseum Kettererhaus


Anstoß zum Zustandekommen des Biberacher Heimatmuseums "Kettererhaus" war die Sorge um den Verlust wertvoller Kulturgüter unseres ländlichen RaumesDas Biberacher Heimatmuseum "Kettererhaus" - Von Josef Bühler - die Ortenau 1975 S. 296 / 298

Anstoß zum Zustandekommen des Biberacher Heimatmuseums "Kettererhaus" war die Sorge um den Verlust wertvoller Kulturgüter unseres ländlichen Raumes. Schon Jahre vor der entschiedenen Sammlung hatten sich in meinem Hause allerlei und mannigfache Einzelstücke zusammengefunden.

Der Entschluß, systematisch ans Werk zu gehen, ergab sich aus der Möglichkeit, eine komplette, verwaiste Sattlerwerkstätte zu bekommen, ein wertvoller alter Schrank war so etwa die Dreingabe. Fast gleichzeitig bot sich mir ein Hafnerraum (Töpfer), verbunden mit vielem Zubehör des Ofensetzers an.

Eine Küferei wurde ebenfalls nicht mehr betrieben, desgleichen eine Wagnerei, bei uns Krummholz genannt; da wurden früher auch Holzschuhböden hergestellt. Zur lederverarbeitenden Sattlerei gesellte sich die Schusterbude und zur Küferei und Wagnerei (Holz) der Schreiner (Tischler).

Bei der Überlegung nach weiteren früheren Handwerksbetrieben unserer Gemeinde fiel mir eine längst nicht mehr betriebene Drechslerei und die Ziegelei, auch Zigarrenfabriken ein.

In verhältnismäßig wenigen Jahren füllten sich sämtliche Räume des gemeindeeigenen, zweistöckigen Fachwerkhauses aus dem 16. Jahrhundert, bei uns allgemein "Kettererhaus" genannt. Auch vier Kellerräume wurden umgestaltet, zwei davon sind fast randvoll angefüllt mit großem und kleinem Bauerngerät (alte Landmaschinen stehen noch im Freien). Die restlichen zwei Keller ließen sich zu einem wohlgelungenen "Ratskeller" umgestalten.

Das nur noch kaum benützte "Seilerhisli" im Oberdorf wurde sorgsam abgebrochen und originalgetreu wieder im nördlichen Museumshof errichtet, die Seilerbahn wird in den nächsten Tagen überdacht.

Was an ausgedienten Feuerwehrgeräten da und dort herumstand, zeigt heute ein bescheidenes Feuerwehrmuseum. Für dieses und einen notwendig gewordenen Sakralraum mußte der Osthof zwischen Kettererhaus und Metallwerk Rietsche überdacht werden. Zur Ausgestaltung eines sehenswerten Imkerraumes hatte Bernhard Rietsche wesentlich beigesteuert. Daß Biberach, eine einigermaßen waldreiche Gemeinde, aber auch jahrhundertelang Rebort, Geräte für beide Kulturarten aufzuweisen hatte und zum Teil noch hat, dafür sprechen Trotten (Keltern) verschiedener Art und Größe, Trauben- und Obstmühlen, Holzhauerwerkzeuge vielfacher Art, Mistgeiß samt Ruckkorb und manches anderes mehr.

Viel wurde gemunkelt über den Inhalt des Museums. Immer kam Neues hinzu: eine kleine Druckerei; vieles, was zur Verarbeitung von Hanf- und Flachsgespinsten nötig war. Das Müllergewerbe, kleine Bauernmühlen, Galgen, Mühlsteine, ist bis jetzt aus Platzmangel stiefmütterlich und zum Teil ungeschützt gegen Wind und Wetter aufgestellt. Von Schmied und Schlosser ist leider noch wenig zu sehen, gute Gelegenheit blieb ungenutzt. Dennoch kann abschließend gesagt werden, das Dorfhandwerk bildet den Schwerpunkt unseres Heimatmuseums "Kettererhaus".

Daß wir eine vorhandene, rußgeschwärzte Bauernküche mit "Kuchikammer" und holzgetäfelter Stuben nach Möglichkeiten ausgestalteten, ist klar. Nicht unbeachtet bleiben konnte Geschichte und Brauchtum. Wertvolles Kartenmaterial aus vergangenen Jahrhunderten, nicht gerade wenig Trachtenbestandteile, leider erst notdürftig untergebracht, Ofenplatten und Ähnliches gehören zu unserem Bestand. Für unsere Narrenzunft "Biber" und "Reiherhexen" stehen zwei Räume zur Verfügung. In einem Gedächtnisraum wird unter anderem der Besucher an die Kriegswirren vergangener Zeiten erinnert und zum Nachdenken angeregt. Am Eingang zum "Kettererhaus" steht der alte Dorfbrunnen, lange Jahrzehnte vergessen und kaum beachtet; er hat sein Gesicht wiedergewonnen, wenngleich auch das Wasser noch nicht zu genießen ist.

Es hat sich in den letzten Jahren so viel altes Kulturgut angehäuft, daß, wie ein Könner und Fachmann von auswärts unlängst meinte, das Museum aus seinen Nähten zu platzen droht. In den vor uns liegenden Wintermonaten soll durch kritische Auslese und vernünftige Auflockerung Abhilfe geschaffen werden.


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St. Mauritius Prinzbach - Biberach


Die erste Kirche war ein Rechteckraum, viel kleiner als das heutige Schiff, mit östlich angeschlossenem Rechteckchor. Im 13. Jahrhundert wurde das Schiff in der heutigen Größe neu aufgeführt und über dem Chor ein Turm errichtetDie erste Kirche war ein Rechteckraum, viel kleiner als das heutige Schiff, mit östlich angeschlossenem Rechteckchor. Im 13. Jahrhundert wurde das Schiff in der heutigen Größe neu aufgeführt und über dem Chor ein Turm errichtet. Nach Kriegszerstörungen mussten das Schiff und der Turm oberhalb seiner beiden unteren Geschosse in den Jahren 1699 bis 1701 wiederum neu gebaut werden.

So blieb die Kirche, abgesehen vom Anbau einer Sakristei 1867 und der Krönung des Turms mit einer neuen, höheren Pyramide 1935. 1950 bis 1970 erhielt das Schiff eine neue Holzdecke und eine Heizung. Bei den Erdarbeiten traten die Fundamente der ersten Kirche zu Tage. Die letzte Innenrenovation erfolgte 1983 bis 1990.

Vom Dorf her nähert man sich der Ostseite der Kirche, also dem Chorturm, auf dessen quadratischen Untergeschossen eine achteckige Glockenstube und dann der Helm aufsitzen. In der Ostwand des untersten Geschosses öffnet sich ein spitzbogiges Zwillingsfenster, in der Glockenstube öffnen sich Rundbogenfenster.

Das nahezu quadratische Schiff wird jederseits durch vier Rundbogenfenster, in der Westwand durch zwei Oculi beleuchtet. Schiff und Turm sind schiefergedeckt. Bis auf rote Eckquader, Fenster- und Türrahmungen ist das Äußere weiß getüncht.

Zum Ensemble gehören der Friedhof rund um die Kirche mit einem Sandsteinkreuz von 1762, eine Lourdesgrotte von 1913 und das Pfarrhaus von 1863 mit Scheune und Stallungen. Der letzte Pfarrer, der den Hof noch selbst mit Knecht und Magd bewirtschaftete, war Wilhelm Berger (1834–1901). Er gründete 1866 die Kongregation der Franziskanerinnen vom Göttlichen Herzen Jesu in Gengenbach und ruht auf dem Friedhof. (wikipedia)

Ritter, Dr. Rudolf: Der barocke Choraltar in der Pfarrkirche zu Prinzbach - (Geroldsecker Land - Jahrbuch einer Landschaft (Heft 17 - 1975), Seite 181-189)

Der Mensch ist das einzige Wesen, das an allen vier Stufen dieser Welt Anteil hat: unbelebte Natur, belebte Natur, beseelte Natur und Geist. (Nicolai Hartmann)

Wer von der Ludwigstraße, wo sie sich ins Kinzigtal hinuntersenkt, nach Prinzbach abbiegt und von der Höhe auf das stille Dörfchen im Tal hinunterblickt, der ahnt nicht, daß da einstens eine Stadt lag. Eine richtige mittelalterliche Stadt mit Wall, Stadtgraben, Stadtmauer und zwei Stadttoren, davon eines das "Rysenthor" (Riesentor) hieß. In ihrer Blütezeit im 13. Jahrhundert soll sie gegen 1.000 Einwohner gehabt haben. Zwar hat die landesgeschichtliche Literatur des 18. und frühen 19. Jahrhunderts schon von einer solchen Stadt gesprochen. Aber spätere Schriftsteller wie Ruppert "Geschichte der Mortenau" (1882), Gothein "Wirtschaftsgeschichte des Schwarzwaldes" (1892) und Wingenroth "Die Kunstdenkmäler des Großherzogtums Baden" 7. Band Kreis Offenburg (1908) kommen alle zum Ergebnis: "Eine Stadt war Prinzbach nie". Erst in neuester Zeit sind diese Schriftsteller korrigiert worden.

Es ist das Verdienst des Alemannischen Instituts in Freiburg (Prof. Friedrich Metz), eine systematische Forschung veranlaßt zu haben. Im Generallandesarchiv in Karlsruhe schlummerten die Akten und Urkunden, die Hektor Amann und Rudolf Metz in den Stand setzten, uns über "Die Bergstadt Prinzbach im Schwarzwald" (in zwei Abschnitten "Die Bergstadt Prinzbach" von Hektor Amann und "Die Erzgänge in der ehemaligen Herrschaft Geroldseck und die Bergstadt Prinzbach" von Rudolf Metz) zu berichten (Alemannisches Jahrbuch 1956 S. 283 bis 313).

In seinem Beitrag im "Geroldsecker Land" Heft 4 1961/62 (S. 66 bis 72) "Der alte Bergbau im Gereuth-Weiler und in Prinzbach" nimmt der Landesgeologe Dr. Kurt Sauer auf die obengenannte Veröffentlichung von Amann-Metz Bezug. Die "glänzende Vergangenheit" Prinzbachs (so Sauer S. 70) als blühende Bergbaustadt schwand mit dem Versiegen der Silberadern am Ende des 15. Jahrhunderts dahin, wie wir es auch bei anderen Bergbauorten erlebten, z. B. Eckerich (Echery) und Markirch (Sainte Marie-aux-Mines) in den Vogesen. Im Jahre 1485 wurde die Stadt verwüstet, als der Pfalzgraf die Orte um die Geroldseck niederbrennen ließ. Die Einwohner verarmten. Die einstige Stadt sank zum bescheidenen Dorf herab. 1670 legte der französische Marschall Créqui, der 1677 auch Lahr niedergebrannt hat, das Dorf in Asche.

Dabei brannte auch die außerhalb des ehemals befestigten Stadtbereichs gelegene Kirche nieder, die schon im 13. Jahrhundert bestanden hat. Damit hätten wir den Verlust einer vermutlich romanischen Kirche in unserem Geroldsecker Land zu beklagen. Sie war dem hl. Mauritius, einem Schutzheiligen der Bergleute, geweiht. Auch das deutet darauf hin, daß in Prinzbach (einst Brüszebach, Brünsebach geheißen - Amann stieß in Speyer auf den reichen Juden "Senderlin von Brünssebach") - Erzgruben vorhanden waren, wie auch die in jüngster Zeit restaurierte romanische Bergmannskirche in Hausach-Dorf, 12. Jahrhundert, diesem Heiligen geweiht ist.

Drei Jahrzehnte hindurch mußten die Prinzbacher zum Gottesdienst nach Seelbach gehen. Erst 1701 wurde das noch heute stehende behäbige Pfarrkirchlein an der alten Stelle errichtet. Es birgt einen Kunstschatz, der selbst Dehio und Wingenroth und damit auch späteren Schriftstellern (z. B. Lacroix/Niester "Kunstwanderungen in Baden") nach Herkunft und kunstgeschichtlichem Zusammenhang verborgen blieb.

Es ist das Verdienst unseres zeitgenössischen Forschers der Barockbildhauerei Hermann Brommer, den Künstler namhaft gemacht zu haben, der den Prinzbacher Choraltar geschaffen hat.

Das war Philipp Winterhalder (1667-1727), der, um nun gleich seine künstlerische Bedeutung hervorzuheben, den Hochaltar der Sebastianskapelle in Dambach im Elsaß Kreis Schlettstadt (Dambach-La-Ville, seit 1340 Stadt, im Unterschied zum gleichnamigen Dörfchen Dambach bei Niederbronn im Nordelsaß) zusammen mit seinem Bruder Clemens Winterhalder in den Jahren 1690/92 geschaffen hat. Dieser Altar wird als der schönste Barockaltar des Elsasses bezeichnet.

Hermann Brommer hat uns in seinem Aufsatz "Genealogie als Methode in der Kunstgeschichte" (Alemannisches Jahrbuch 1968/69 S. 88ff.) in die Findigkeit eines besessenen Forschers Einblick gewährt, der uns fast das Vergnügen eines biographischen Romans bereitet.

Brommer entnehmen wir: Philipp Winterhalder ist am 2. Mai 1667 als Sohn des Bildhauers Johann Conrad Winterhalder in Kirchzarten geboren. Dieser wiederum entstammte einer aus dem Oberfallengrundhof der Gemeinde Neukirch hervorgegangenen Künstlerfamilie. Er heiratete 1661 in Kirchzarten die Witwe des Bildhauers Johann Georg Hauser und führte die Hausersche Bildhauerwerkstatt weiter. In dieser war auch der 1651 geborene Sohn des verstorbenen Hauser, Franz Hauser als Lehrling und Geselle und nach des Stiefvaters Winterhalder Tod als Lehrmeister seines 16 Jahre jüngeren Stiefbruders Philipp tätig.

Der Bruder Clemens Winterhalder, nur ein Jahr jünger, ist aber, wie man doch wohl aus seiner Mitarbeit am Altar der Sebastianskapelle zu Dambach schließen darf, der künstlerisch bedeutendere der beiden Brüder gewesen. Der Vergleich des Dambacher Altars mit dem allein von Philipp geschaffenen Prinzbacher Altar drängt dieses Urteil auf. Doch vielleicht lag es auch am Gelde der Auftraggeber. Dambach war damals eine reiche Stadt, wie die Fachwerkhäuser aus jener Zeit beweisen. Prinzbach war ein armes Dörfchen im Wiederaufbau.

Doch wir wollen der biographischen Forschung Hermann Brommers nicht vorauseilen. Als Brommer über seine genealogische Methode in der Kunstgeschichte berichtete, wußte er noch nicht, daß Philipp Winterhalder Mitschöpfer des Dambacher Altars war. Er sagt lediglich, Philipp Winterhalder sei von der Wanderschaft, die ihn ins Elsaß geführt zu haben scheine, 1695 mit seiner Frau Maria Eva Rümmelin (auch Rimily) nach Gengenbach gekommen und habe dort am 9. September jenes Jahres die Arbeitserlaubnis als Bildhauer und ein Jahr darauf das Bürgerrecht erhalten. Erst 1971 ist es Brommer geglückt, wiederum weniger auf dem Wege stilgeschichtlichen Vergleichs als vielmehr durch familienkundliche Forschung, die Brüder Clemens und Philipp Winterhalder als die Schöpfer des Dambacher Altars zu ermitteln (vgl. die Zeitschrift "Das Münster" Heft 4, 1971). Bis dort war nur bekannt, daß zwei Bildhauer namens Clemens und Philipp (vgl. Hotz "Handbuch der Kunstdenkmäler im Elsaß und in Lothringen" 1970 S. 37) diesen Altar geschaffen haben. Aber daß die beiden Brüder waren und Winterhalder sind, ermittelte erst Brommer.

Und wie gelang es Brommer, den Künstler des Prinzbacher Altars in Philipp Winterhalder zu finden? Kein Signum verrät dies. Das schildert Brommer im obengenannten Beitrag im Alemannischen Jahrbuch 1968/69 im ersten Abschnitt "Bildhauer Philipp Winterhalder und der Choraltar der Pfarrkirche in Prinzbach (Kr. Lahr)" S. 90ff.

Ausgangspunkt war das Epitaph (Grabplatte) für den Pfarrer Josef Schneider an der Außenwand der St. Martinskirche in Gengenbach (rechts vom seitlichen Eingang). Dieser war "beü die 20. Jahr" lang Pfarrer in Prinzbach (1712-1731) und starb am 20. August 1737 in Gengenbach. Seine "Geschwistrige" Carolus Schneider und Catharina Winterhalterin (hier mit t geschrieben) stiften dem Bruder zum Gedächtnis das Epitaph. Brommer ermittelte, daß die Winterhalterin als zweite Frau des Philipp Winterhalder der 1699 verstorbenen Elsässerin Maria Eva nachfolgte.

Philipp Winterhalder scheint durchaus kein weltfremder Künstler gewesen zu sein. Schon seine Übersiedlung nach Gengenbach verrät gesunden Geschäftssinn. Bot doch der Wiederaufbau der Stadt Gengenbach in den Jahren nach der großen Brandkatastrophe von 1689, wo Kloster, Kirchen und zahlreiche Häuser der freien Reichsstadt Opfer geworden waren, für einen Bildhauer, der sich auf den Sebastiansaltar in Dambach als Leistungsnachweis berufen konnte, schon eine gesicherte Existenz. Und wenn nun noch die Wahl der zweiten Ehefrau auf die Jungfrau Cathrinli Schneider fiel, so geschah das nicht von ungefähr, wie Brommer bemerkt. Der Onkel der zweiten Bildhauersfrau, Benediktiner, Pfarrer in Gengenbach, Ichenheim und Zell, und schließlich einflußreicher Prior des Klosters Gengenbach, Pater Joachim Schneider, ließ es nicht daran fehlen, dem Ehemann seiner Nichte allenthalben Aufträge zuzuschustern, so daß dieser bald zu einem blühenden Geschäft und auf diesem Wohlstand gründend Cathrinli zu 14 Kindern (Juli 1701 bis März 1722) kam.

So wurde ihm neben anderen bedeutenden Aufträgen die Erstellung der Seitenaltäre in der Gengenbacher St. Martinskirche (im Friedhof), des Hochaltars und der Kanzel in der Abteikirche Gengenbach sowie der Altäre in der Wallfahrtskirche "Maria zur Ketten" im benachbarten Zell a. H. und eben des Choraltars in St. Mauritius zu Prinzbach übertragen.

Von diesen Werken Philipp Winterhalders sind uns alle erhalten geblieben bis auf den Hochaltar und die Kanzel in der Abteikirche zu Gengenbach. Der Hochaltar, der nicht im Chor, sondern unter der Vierung stand, wurde 1730 verändert, als der Chor mit dem Rocaillegestühl und der Orgel so ausgestattet wurde, wie es die Bilder 218 und 219 bei Wingenroth S. 390 und 391 zeigen. Bei der Restauration der Klosterkirche unter dem erzbischöflichen Baumeister Eberhard Meckel zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden nicht nur der Hochaltar entfernt, sondern im Chor auch das wunderbare Rocailleensemble aus Gestühl und Orgel brutal herausgebrochen. Damals wurden die heutigen, neogotischen Haupt- und Seiten-Altäre errichtet und das Gestühl zum Teil in den beiden Seitenchören und zum Teil im Querschiff aufgestellt (Wingenroth S. 392). Auch die Barockkanzel wurde entfernt, die Philipp Winterhalder 1715 errichtet hat, in wirkungsvollem Schnitzwerk, wie Wingenroth sagt.

Der Prinzbacher Altar ist nach Brommers Feststellungen in der Zeit nach 1712 errichtet worden. Da hat auch gewiß Cathrinlis Bruder Josef, der langjährige Pfarrer von Prinzbach, der mit dem obenerwähnten Epitaph Geehrte, mitgeholfen, daß sein Schwager Philipp den Auftrag erhielt. So hat denn auch der Gengenbacher Klosterchronist und Prior Augustin Dornblüth, wie Brommer berichtet, 1726 im Nachruf auf Cathrinlis und des Prinzbacher Pfarrers Onkel Joachim, einen Vorgänger im Amte des Priorats, pharisäerhaft ob so mannigfacher Verflechtung die Nase gerümpft (s. dazu auch Wingenroth S. 392 oben und S. 395 oben, wobei der Name Winterhalder vom Gengenbacher Chronist nicht genannt wird, sondern nur vom "hießigen Bildhauer" gesprochen wird, der der Schwager des Paters Joachim Schneider gewesen sei - ein Irrtum, er war der Schwager des Prinzbacher Pfarrers Josef Schneider, wie wir jetzt wissen.).

Wie dem allem nun auch gewesen sein mag: die Pfarrkirche zu Prinzbach hat jedenfalls der Gengenbacher "Winterhalderei" einen, wenn auch bescheidenen, kleineren Bruder des berühmten Sebastiansaltars zu Dambach zu verdanken. Und wenn wir auf unserer Wanderung nach Prinzbach kommen, so wollen wir den drei etwas steifen, aber in barocker Fröhlichkeit uns entgegenstrahlenden Heiligen im Gedenken an Philipp Winterhalder, den Bildhauer, unsere Reverenz machen: dem hl. Mauritius mit dem Schilde aus dem leider nicht mehr fließenden Silber seiner einstigen Prinzbacher Gruben, dem hl. Georg, der nun auch im Wappen des Ortenaukreises als Symbolfigur des Vernichters nicht mehr zeitgemäßer Gebilde zu sehen ist, und schließlich dem hl. Sebastian mit dem Pfeile, der die Brücke zu Philipp Winterhalders größtem Werk drüben über dem Rhein schlägt.

Man vergleiche hierzu: Hermann Brommer: "Philipp Winterhalder (1667-1727). Über Leben und Werk des Gengenbacher Barockbildhauers" in: Die Ortenau. Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Mittelbaden 54. Jahresband 1974 S. 54-113. Dieser Aufsatz Hermann Brommers wurde dem Verfasser erst mit Erscheinen des "Ortenau"-Heftes 1974 und nach Drucklegung des Heftes 1975 dieses Jahrbuchs bekannt.


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Der "Alte Turm" Biberach


Somit hatte der "Alte Turm" mit seiner Geschichte die geforderte Sinngebung erfüllt und war sogleich zu einem Symbol geworden: Er soll MAHNER sein!Im Herbst 1966 wurde die alte Kirche abgerissen. Einzig der alte Kirchturm blieb erhalten, da dessen Geschichte bis in die romanische Epoche zurückführt. Man entschloss sich, dem Kirchturm mit der Geschichte des "Alten Turms" einen neuen Sinn zu geben.

Gerade die unsymmetrisch eingebauten Sehschlitze, der Ein- und Aufstieg erst in beträchtlicher Höhe, meterdickes Bruchsteinmauerwerk und wuchtige Sandsteinquader der Kanten lassen annehmen, dass die Funktion des "Alten Turmes" nicht nur Kirch- sondern zugleich auch noch Wehrturm war. Hierbei muss man sich das frühere Biberach vorstellen. Vom Wehrturm aus konnte die strategische Lage der Talverengungen bestens wahrgenommen werden und bereits seit der Römerzeit liegt Biberach an der wichtigen Ost-West-Verbindung, die Heer- und Kriegsstraße war.

Somit hatte der "Alte Turm" mit seiner Geschichte die geforderte Sinngebung erfüllt und war sogleich zu einem Symbol geworden: Er soll MAHNER sein!

Bereits im Jahr 1969 begannen die aufwendigen Renovierungsarbeiten. "Die ehemalige Sakristei im Untergeschoss mit Kreuzgratgewölbe, einer rundbogigen Tür mit hohlgekehlter Laibung und nach Norden und Osten mit spitzbogigen Fenstern mit inneren Kleeblattbogen sollte nun die Gedenkstätte werden."

Heute findet man auf zwei großen Tafeln die Namen der Kriegsteilnehmer des Siebziger und des Ersten Weltkrieges. Die Namen der Teilnehmer und Opfer des Zweiten Weltkrieges sind auf Einzelblättern verzeichnet und liegen auf einem quadratischen Prozessionsaltar auf, die am Volkstrauertag der Allgemeinheit zugänglich sind.

Das alte Dorfkirchlein in Biberach - von Rudolf Hahn arrowRight

Im Inneren der Kirche bittet ein wuchtiger, eisenbeschlagener Opferstock die Besucher um eine kleine Spende zur Erhaltung des Turms. Außerdem schmückt ein im Jahre 1749 gemaltes Bild von Frantz Ignaty Hilby zum Schutz der Biberacher Gedenkstätte eine Innenwand des Turmes.

"So also will nun der "Alte Kirchturm" mahnend darauf hinweisen, das Leben in unserer Gemeinschaft auf den Werten der Heimat – und sei es auch in neuem Gewande- aufzubauen und zu gestalten, dazu – im Erinnern an die Opfer unserer Gemeinde an Gut und Blut durch die Jahrtausende hindurch – allezeit um den Frieden besorgt zu sein." (Quelle: Buch: Biberach im Kinzigtal, Seite 78-79, Der „Alte Turm“, Josef Bühler)


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Stadtmauer & Kräutergarten Prinzbach


Der Silberfund in Prinzbach war so mächtig, dass sich aus dem damaligen Bauerndorf eine so genannte Bergstadt mit einer eigenen Infrastruktur entwickelte. Diese wurde zum Schutz vor Angreifer mit einer Stadtmauer versehenAlte Stadtmauer

Biberach-Prinzbach erblühte 1257 durch den Silberabbau im Schwarzwald. Der Silberfund in Prinzbach war so mächtig, dass sich aus dem damaligen Bauerndorf eine so genannte Bergstadt mit einer eigenen Infrastruktur entwickelte. Diese wurde zum Schutz vor Angreifer mit einer Stadtmauer versehen. Heute ist von dieser Zeit nur noch an wenigen Stellen etwas zu sehen. Die freigelegte Stadtmauer hinter dem Rathaus ist einer der Zeitzeugen der ehemaligen Silberbergstadt Prinzbach. Ein Besuch lohnt sich.

Bedeutend muss der Erzbergbau bei Prinzbach und Haslach im Kinzigtal im 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts gewesen sein. Offensichtlich sehr ergiebige Silbergewinnung ist für das Revier Prinzbach im Jahr 1262 dadurch belegt, dass ein durch den Bergbau reich gewordener Prinzbacher Bürger dem Straßburger Bischof die beachtliche Silbermenge von 230 Mark (rund 54 kg) leihen konnte (ZIMMERMANN 1990). ZIMMERMANN weist zum damaligen Wert dieser Silbermenge daraufhin, dass die vermögende Stadt Frankfurt a. M. im Jahr 1241 mit 280 Mark Silber den höchsten Jahressteuersatz im Reich zu zahlen hatte.

Im Reichssteuerverzeichnis von 1241 ist Haslach als staufischer Reichssteuer- und Verwaltungsmittelpunkt genannt, wobei die hohe Summe von 40 Mark (etwa 10 kg Feinsilber), die Haslach zu entrichten hatte, belegt, dass auch dieser Ort sehr vermögend war (HILDENBRAND 2003). Das bekannteste und sicher auch eindrucksvollste Zeugnis des von den Erzgängen am Schauinsland, im Münstertal und im Todtnauer Revier herrührenden mittelalterlichen Bergsegens stellt das Freiburger Münster dar. Bei diesem handelt es sich um die einzige gotische Großkirche in Deutschland, die noch im ausgehenden Mittelalter vollendet wurde. Ihr Bau wurde ausschließlich von der Bürgerschaft finanziert, die nach der Stadtgründung 1120 durch Handel und später durch den aufblühenden Silberbergbau zu bemerkenswertem Wohlstand gekommen war.

Im Münster sind zwei Glasfenster mit Bergbauszenen vorhanden. Bei diesen um 1320 – 1350 entstandenen Fenstern handelt es sich um die ältesten Bergbaudarstellungen des deutschsprachigen Raumes, zugleich sind es die eindrucksvollsten derartigen Darstellungen aus dem Mittelalter (BECKSMANN et al. 1996). Im Dieselmuot- und im Schauinsland-Fenster sind Bergleute bei Erzabbau und -förderung detailgenau abgebildet. Man weiß deshalb genau, welche Arbeitskleidung die Bergleute damals getragen haben.

Die mittelalterliche Bergwerksstadt Prinzbach arrowRight

Prinzbach: Pfarrkirche St. Mauritius, im Zuge des Bergbaus zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert als "Bergkirche" erheblich erweitert (WESTERMANN 2002); Reste der Stadtmauer der im 13. Jahrhundert entstandenen Bergbaustadt Prinzbach (erste Erwähnung 1257) finden sich auf der Südseite des Tales, oberhalb der Bergwerksstraße. Im Rathaus, über dessen Eingang das Gemeindewappen mit den drei Berg eisen angebracht ist, befindet sich eine kleine Ausstellung zur Geschichte der mittelalterlichen Bergbaustadt Prinzbach. - Regierungspräsidium Freiburg - Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau

Landfrauengarten

Direkt an der historischen Stadtmauer in Biberach-Prinzbach liegt der Kräutergarten der Landfrauen Prinzbach-Schönberg. Das Kleinod lädt zum Verweilen und zum tiefen Einatmen der bunten Kräutervielfalt ein. Über 100 Pflanzen sind in der idyllischen Anlage zu finden. Insgesamt 150 ehrenamtliche Arbeitsstunden haben die Landfrauen bis zur Eröffnung in ihren Kräutergarten gesteckt. Unterstützt wurden sie vom Biberacher Bauhof.


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