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Sehenswertes Haslach


Hasslach, ein Städtchen, im Kinzigerthale, an der Kinzig und der Straße von Schwaben in das Elsaß. Es zählt 172 Häuser, 249 Familien, 1290 Seelen, eine neue Pfarrkirche, 1 Kapuziner-Kloster, etliche Kapellen, und ist der Sitz eine Bezirksamtes, wohin die Orte Bollenbach mit Welschbollenbach, Fischerbach, Haßlach, Hofstetten, Mühlenbach, Schnellingen, Steinach samt dem Thale, Waldstein, Welschsteinach und Haußach, mit den Orten, Zinken und Höfen: Breitenbach, Hagenbuch, Happach, Hausach und Sanct Martinshof zugetheilt sind. Das ganze Amt zählt 7234 Seelen. Haßlach hat einen fruchtbaren Bann, welcher alle Gattungen Erdgewächse und Baumfrüchte, von vorzüglicher Güte, Wein, worunter der sogenannte Herrenberger dem Burgunder ähnlich kömmt, und schönen Hanf hervorbringt.

Ebenso zieht der Bauer dieser Gegend einen großen Nutzen von der Viehzucht und dem Holze, auch lieferten ehedem die Bergwerke eine reichliche Ausbeute. Das Städtchen hält 5 Jahrmärkte, nemlich: den 1sten am ersten Montag in der Fasten, den 2ten, Montags nach Philipp und Jakobi; 3. Montag nach Peter und Paul, 4. Montag nach Michaelis, und den 5ten Montags nach Martini. Vorzüglich wird an diesen Märkten vieles Hornvieh verkauft, und ist der Handel mit Garn und Leinentuch von Belange. Auf dem letzten Markte wurden 166 Stücke Vieh verkauft, und dadurch eine Summe von 9.259 fl. 39 kr. in Umlauf gesetzt.
(historisch-statistisch-topographisches Lexicon von dem Großherzogthum Baden - J. B. Kolb - Karlsruhe 1814)

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Ehem. Kapuzinerkloster - heute Museum Haslach


Das Kapuzinerkloster Haslach verdankt seine Entstehung dem Haus Fürstenberg, das im 17. und 18. Jh. auf seinem Territorium gleich mehrere Niederlassungen des Ordens ins Leben riefGeschichte - Matthias Ilg auf "Klöster in Baden-Württemberg"

Das Kapuzinerkloster Haslach verdankt seine Entstehung dem Haus Fürstenberg, das im 17. und 18. Jh. auf seinem Territorium gleich mehrere Niederlassungen des Ordens ins Leben rief. Der über das Kinzigtaler Städtchen gebietende Graf Christoph II. von Fürstenberg (1580 - 1614) hatte den Plan gefasst, in Haslach ein Kapuzinerkloster für vier bis fünf Patres zu schaffen. Das bei der expansionsfreudigen Schweizer Kapuzinerprovinz auf wohlwollende Resonanz gestoßene Projekt war 1614 so weit gediehen, dass der Graf bei dem berühmten Prager Hofmaler Matthäus Gundelach ein Hochaltarbild in Auftrag gab. In das noch heute den bedeutendsten Kunstschatz der Haslacher Klosterkirche darstellende, die Krönung der Jungfrau Maria wiedergebende Gemälde ließ sich der selbstbewusste Dynast als Stifterfigur aufnehmen. Das Ableben des Grafen 1614 brachte das Projekt der Klostergründung ins Stocken. Es wurde freilich von Graf Friedrich Rudolf von Fürstenberg (1602 - 1655), dem Sohn des verhinderten Stifters, wieder aufgegriffen und trotz der Belastungen durch den 30-jährigen Krieges zur Durchführung gebracht. Nachdem am 12. November 1630 die feierliche Grundsteinlegung vorgenommen worden war, schritt der Klosterbau rasch voran. Zurückgegriffen werden musste dabei auf die Arbeitskraft der Haslacher Bevölkerung, deren wohlhabenderer Teil mit zusätzlichen Spenden aufwartete. Das im schlichten Kapuzinerstil erbaute Kloster war Ende des Jahres 1632 bezugsfertig. Acht Ordensmänner fanden in Haslach eine neue Heimstatt.

Aus einer Auslage in der Klosterkirche -Text anonym  arrowRight

Wegen seiner Lage im militärstrategisch bedeutenden Kinzigtal musste das Städtchen von 1632 bis 1647 zahlreiche Truppendurchzüge und militärische Besetzungen über sich ergehen lassen. Insbesondere das Ausharren in der notleidenden Stadt und die Besänftigung der "zügellosen Soldateska" wurde den Kapuzinern hoch angerechnet.

Maximilian Franz (1634 - 1681), der Sohn und Nachfolger des 1655 verstorbenen Grafen Friedrich Rudolf, ließ im Jahre 1660 neben die Klosterkirche eine Loretokapelle setzen, die in Bauweise, Einrichtung und Abmessungen streng das im Mittelpunkt einer berühmten italienischen Marienwallfahrt stehende Heiligtum kopierte. Der neue marianische "Gnadenquell" wurde samt der Klosterkirche am 5. September 1661 geweiht. Letztere erhielt zu Ehren des Initiators des Klosterprojekts St. Christopherus zum Patron. Zu diesem Zeitpunkt war Haslach längst in die Rolle eines fürstenbergischen Hausklosters gewachsen, was sich auch daran ablesen lässt, dass mit den Grafen Friedrich Rudolf, Maximilian Franz und dessen Sohn Prosper Ferdinand (1662 - 1704) gleich drei Dynasten hier ihre letzte Ruhe fanden. Das gute Einvernehmen mit den Grafen von Fürstenberg sicherte zum einen die Existenz der ab 1668 zur neu gegründeten Vorderösterreichischen Kapuzinerprovinz zählenden Ordensmänner, brachte aber auch weit reichende Verpflichtungen in der Seelsorge mit sich, die ihren Schwerpunkt in der Betreuung der Kinzigtaler Gemeinden fand.

Heinrich Hansjakob über Haslacher Franziskaner  arrowRight

Ab der zweiten Hälfte des 18. Jh. sah sich die Haslacher Klosterfamilie zunehmend obrigkeitlicher Bevormundung und wegen des Einsickerns aufklärerischen Gedankenguts innerklösterlicher Zwietracht ausgesetzt.

Einen weiteren Schicksalsschlag versetzte den 1781 in die neu gegründete Schwäbische Provinz eingegliederten Ordensmännern die Plünderung des Klosters durch französische Truppen 1795. Am schwersten wog indes, dass das Haus Fürstenberg dem Konvent seine schützende Hand entzog und 1802 vom Kloster Haslach Besitz ergriff. Durch das den Kapuzinern eingeräumte Bleiberecht, welches von der 1806 die Fürstenberger ablösenden badischen Regierung toleriert wurde, konnte die endgültige Aufhebung des Klosters bis ins Jahr 1823 hinausgeschoben werden. Auch diese letzte Phase kapuzinischer Präsenz wurde durch interne Auseinandersetzungen überschattet.

Die Einrichtung von Armenwohnungen rettete das 1844 von der Stadt gekaufte Klostergebäude 1846 vor dem drohenden Abriss. Die Klostergebäude mussten im Folgenden nur geringe bauliche Veränderungen über sich ergehen lassen. Als die am besten erhalten gebliebene ehemalige Klosteranlage der in der Säkularisation untergegangenen Vorderösterreichischen Kapuzinerprovinz behauptet der heute eine Trachtensammlung beherbergende Gebäudekomplex den Rang eines exzeptionellen Kulturdenkmals.

Literatur:

H. Hansjakob: Das Kapuziner-Kloster zu Haslach im Kinzigthale. In: FDA IV (1869) 135 - 146.
F. Schmider: Das ehemalige Kapuzinerkloster und die Loretokapelle in Haslach i. K. Ihre Baugeschichte und die Wiederherstellungsarbeiten im Jahre 1912/14. In: Die Ortenau 6/7 (1919/1920) 70 - 83.
O. Göller: Graf Christoph II. von Fürstenberg (1580 - 1614) und das Kapuzinerkloster in Haslach i. K. In: Die Ortenau 20 (1933) 151 - 158.
M. Hildenbrand: Haslachs Vergangenheit im Spiegel der Geschichte des ehemaligen Kapuzinerklosters. Haslach 1969.
ders.: Das Kapuzinerkloster in Haslach im Kinzigtal. In: W. Müller (Hg.): Die Klöster der Ortenau. Offenburg 1978, 483 - 495.
B. Mayer O. F. M. Cap.: Die Kapuzinerklöster Vorderösterreichs. In: Helvetia Franciscana 12 (1973 - 77) 217 - 227.
E. Flögel: Die Loretokapellen in Baden-Württemberg, Bayern und der Republik Österreich. München 1984.

Quellen:

Generallandesarchiv Karlsruhe 229: Spezialakten der kleineren Ämter und Orte

Das Haslacher Hansjakob- und Heimatmuseum von Maria Schaettgen die Ortenau 1970 - S. 134 / 147

Ehemaliges Kapuzinerkloster, heute das Hansjakob- und Heimatmuseum Hausach. Der kleinere Bau daneben ist die Loreto-KapelleAnläßlich des Trachtenfestes im Jahre 1899, bei dem auch der damalige Großherzog von Baden zugegen war, kam der Gedanke zum erstenmal auf, in Haslach ein Heimatmuseum zu errichten. 1912 war es dann soweit, dank der Initiative von Buchdruckereibesitzer Wilhelm Engelberg und Studienrat Otto Göller. Engelberg war ein unermüdlicher Sammler und sah in der Gründung des Hansjakob- und Heimatmuseums, dessen langjähriger Betreuer er auch war, seine bevorzugteste Lebensaufgabe. Zuerst war das Museum im Fürstenbergerhof untergebracht, wurde dann zwischen den beiden Weltkriegen in das ehemalige Kapuzinerkloster übergeführt. Während des letzten Weltkrieges mußte es geräumt werden. Durch Kriegseinwirkung waren die Räume zum Teil beschädigt und anderen Verwendungszwecken zugeführt und mußten baulich wiederhergestellt werden.

Die Klosteranlagen sind schon an und für sich ein bemerkenswertes geschichtliches Baudenkmal, sind sie doch die einzige noch in ihrem ursprünglichen Zustand erhaltene mittelalterliche Klosteranlage des Kapuzinerordens in ganz Süddeutschland. Graf Christoph von Fürstenberg stiftete das Kloster 1612. Nach seinem Römische Grabplatte, in Haslach gefunden. Aufgestellt in der ehemaligen Sakristei des Kapuzinerklosters.frühen, unvorhergesehenen Tod übernahm sein Sohn Graf Friedrich Rudolf nach seiner Mündigwerdung die Verpflichtung seines Vaters und wurde der Bauherr und Gönner des Kapuzinerklosters. Am 12. November wurde der Grundstein gelegt. Planfertiger war Jakob Spring, der als Pater Vinzenz von Prunthruth den Bau leitete; Maurermeister waren Michael Steiner, der auch zugleich Steinmetz war, und Georg Hofacker aus Wolfach. Michael Steiner verfertigte auch die schöne Wappen- und Widmungstafel über dem Portal der Klosterkirche, die von der guten künstlerischen Fertigkeit des Handwerks in damaliger Zeit zeugt. 1635 war der Bau vollendet; doch schon 1632 zogen die Mönche ein. Innerhalb fünf Jahren fertigte Bruder Adam von Günzburg die drei Barockaltäre sowie die Kanzel in schöner Einlege- und Rocaille-Arbeit an. Immer wieder durch Kriegsgeschehnisse verhindert, konnte Weihbischof Gabriel Haug von Straßburg erst am 5. September 1661 die Klosterkirche sowie die von Graf Maximilian Franz 1657 gestiftete Loreto-Kapelle einweihen. Viele Jahre hindurch war das Kloster wesentlicher Mittelpunkt religiösen und karitativen Lebens im Kinzigtal, und vielfacher Segen ging von ihm aus. Im Zuge der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts, 1803, verstummten auch in Haslach der fromme Gesang und das Geber der Mönche. Kirche und Kloster wurden vom Fürsten zu Fürstenberg in Besitz genommen. Die Stadt Haslach kaufte 1844 die gesamte Anlage für 3.500 Gulden. Zunächst diente sie als Armenhaus. Bis heute ist noch ein Teil der Gebäulichkeiten für Wohnzwecke in Anspruch genommen.

Die Wiedereröffnung des Hansjakob- und Heimatmuseums fand im Sommer 1953 in den baulich wiederhergerichteten Räumen des Klosters statt. Mit viel Liebe und Mühe hat Oberregierungs-Baurat Franz Schmider das Museum wiedererstehen lassen. Ihm haben die Haslacher es zu verdanken, daß sie wieder ein Museum besitzen, das weder ein Raritätenkabinett noch ein Kuriosum ist, sondern im Gezeigten sich die Bedeutung der Entwicklung der Stadt, ihres Handwerks und ihres kulturellen Lebens offenbart. Seiner wissenschaftlichen Exaktheit in der Heimatforschung, seinem starken Willen, gepaart mit Überzeugungskraft, mit großer Liebe zur Heimat und unermüdlicher Ausdauer, ist es gelungen, das Haslacher Hansjakob- und Heimatmuseum zu einem Zentrum zu machen, wie es in dieser Art nur wenige gibt. In fünf Räume ist das Museum eingeteilt.

Schwarzwälder Trachtenmuseum im ehemaligen Franziskanerkloster - die Ortenau 1980  arrowRight

1. Die Sakristei.

Teil eines Saales im Hasjakob-Museum mit dem Bildnis HansjakobsSie bildet den Eingangsraum, und hier ist schon unser Kleinod, das wunderbar erhaltene römische Sandsteinrelief, eine Grabplatte, untergebracht, die schönste nördlich der Alpen aufgedeckte römische Skulptur. Bei Ausgrabung eines Fundamentes wurde sie 1913 mitten in der Stadt ans Tageslicht gefördert. Sie stellt ein römisches Legionärsehepaar dar. Hatte ein Legionär seine Dienstzeit abgetan, so konnte er in die Heimat zurückkehren oder an Ort und Stelle bleiben. Blieb er im fremden Land, dann bekam er ein großes Stück Land zur Verfügung und darauf ein Landhaus, eine sogenannte "Villa", gebaut (daher der Ortsname "Weiler"). Als Entgelt mußte er dem Heer Brot und Früchte zur Verfügung stellen, daher trägt die Frau das Körbchen mit Früchten, der Mann das Brot, und zum Zeichen der Seßhaftigkeit trägt die Frau noch die Spindel in der Hand. Wie kommt nun solch ein römisches Kunstwerk nach Haslach? Dies macht uns eine Tafel kenntlich, auf der der Verlauf der Römerstraße von Straßburg nach Rottweil aufgezeichnet ist, die der Kinzig entlang mitten durch den Schwarzwald führt. Pinarius Cornelius Clemens eroberte mit seinen Legionen den Schwarzwald im Jahre 75 und 74 nach Christi Geburt. Die strategische Straße, die gleich anfangs des Jahres 74 unter Kaiser Vespasian durch das Kinzigtal erbaut wurde, führte durch den heutigen Stadtbezirk und stellte die kürzeste Verbindung zwischen dem Castell Argentoratum (Straßburg) und dem Castell in Waldmössingen bei Ulm her; also die Verbindung vom Rhein zur Donau. Diese Straße ist bis heute die große Verkehrsstraße geblieben Paris—Straßburg—Ulm— Wien. Auf ihr zog alles Kriegsgeschehen von eh und je durch, brachte unsägliches Leid und Not, aber auch immer wieder den Segen der Aufbaumöglichkeit und des Verdienstes für die Stadt und ihre Bevölkerung mit. Jedenfalls war in Haslach eine kleine römische Siedlung, wie es die anderen Funde noch bestätigen, die in einem Schaukasten untergebracht sind: Stücke von Amphoren, Sigillatascherben, Randstücke eines Fasses, Randstück eines Schultertopfes, Rand mit Schulteransatz eines Schulterkruges mit röhrenförmigem Ausguß, Randstück eines graubraunen Kochtopfes mit Deckelfalz und herzförmigem Profil, Randstück eines gefirnißten rätischen Bechers, ferner Boden und Wandstücke von Näpfen, Töpfen und Tellern (siehe Bad. Fundberichte 20. Jahrg. 1956). In "Weiler"-Fischerbach stieß man auf die Reste eines alten römischen Wachtturmes. Davon erzählt eine provinzielle Römerdarstellung aus der Mitte der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, die in einer Mühle in Weilerfischerbach eingemauert und hier im Bilde zu sehen ist.

Ein altes Stehkreuz aus Klosterbesitz und zwei Holzschnitte von Professor Otto Laible, Hansjakob und Sandhas darstellend, schmückten noch den Raum. Die Fürsten hatten sich mit dem Bau des Klosters auch ein Erbbegräbnis geschaffen. In einer Fotografie ist die in Stein gehauene Krypta mit den drei großen Zinnsärgen und den Namensschildern zu sehen. Im Mitrelgang der Klosterkirche konnte man hinabsteigen und gelangte durch einen Gang zur Krypta unter dem Chor der Kirche. Heute ist der Zugang zugemauert, denn man will die Zinnsärge erhalten.

2. Der Mönchschor.

Ehemaliges Refektorium des Kapuzinerklosters: Prächtige Plastiken, Möbel und Gemälde. Der Ofen ist das Meisterstück des Hafners Engesser.Nun kommen wir zum zweiten Raum, dem ehemaligen Mönchschor mit seinem hohen Gewölbe. Zwei Türen führen direkt in die Klosterkirche und dazwischen, jetzt verhangen, gibt ein kleines Fenster den Blick auf den Tabernakel frei. In diesem Raum verrichteten die Mönche ihr Chorgebet, wurden die Novizen an einem hölzernen Altaraufbau in die Liturgie der Messe eingeführt. Diesen Raum, immer geistigen Zwecken dienend, haben wir ganz dem Andenken des Priesters, Volksschriftstellers und Kulturphilosophen Dr. Heinrich Hansjakob geweiht. Frei im Raum, im Blickfeld des eintretenden Besuchers, steht das lebensgroße Bild des Schriftstellers und Stadtpfarrers von St. Martin in Freiburg, wie ihn der Kunstmaler Schmidlin als 73jährigen so lebenswahr dargestellt hat. An drei Wänden wird auf 16 Tafeln das Leben Hansjakobs in Wort und Bild dargestellt. Professor Otto Laible von der Kunstschule in Karlsruhe, auch ein Sohn unserer Stadt, hat verschiedene Bilder gezeichnet, die umrahmt sind vom Text, der den Werken Hansjakobs entnommen ist, so daß der Dichter gewissermaßen selbst hier sein Leben schildert. Einige Bilder sind illustriert von Kurt Liebich, dem Schwarzwaldmaler, der die meisten Bücher Hansjakobs illustriert hat. Die vierte Wand nimmt der altarähnliche Schrankaufbau ein; er verleiht dem Raum den kirchlichen Eindruck, der noch besonders betont wird durch religiöse Altarbilder des 18. Jahrhunderts aus der Stadtkirche, gemalt von Johann Markus Hermann aus Rottweil 1786, dem Großvater der Maria Ellenrieder, Konstanz. Das eine stellt St. Sebastian, den Stadt- und Pestpatron, dar, das andere ein Rosenkranzaltarbild; die Madonna mit dem Kind auf dem Arm überreicht dem Karmeliten-General Simon Stock einen Rosenkranz, als Attribut ein Hund mit brennender Fackel, rechts St. Katharina von Siena. Darüber ein großes Kruzifix aus klösterlichem Besitz. Ein "Kensterle" aus der Barockzeit schmückt den Altaraufbau. Kensterle sind holzgerahmte Glasschreine, die als Hausaltärchen in den Bürgerstuben während der kirchlichen Festzeiten aufgestellt wurden. Hier liegt ein in Tüchern und Bändern gewickeltes (gefetschtes) Christkind darin, umgeben von künstlichen Blumen und Früchten und einem kleinen Kreuz. Auf dem Altartisch liegt eine Zeichnung von Carl Sandhas, "Des Menschen Erdenwallen" betitelt. Sie stellt einen Leichenzug dar. Was aber ganz besonders interessant ist, das ist der Fries. Sämtliche Symbole des Todes wie sie die alten Römer und Griechen, die nordischen Völker kannten und wie das Mittelalter und die Barockzeit den Tod darstellten. Man könnte sagen: Der Mensch ist vom ersten Tag, an dem er aus den Armen Gottes kommt, vom Tode bedroht, bis er durch Engel geleitet wieder in die Arme Gottes zurückfindet. Eine Bronze-Statuette Hansjakobs und seine Wiege vervollständigen die Einrichtung dieses Raumes. Vorübergehend hat auch ein Floß hier seine Aufstellung gefunden. Hansjakob schildert ja die Flößer, diese prächtigen Naturmenschen, und ihr gefährliches Handwerk in dem neu herausgegebenen Buch "Waldleute".

Ecke im ehemaligen Refektorium. Am Fenster das Selbstportrait des "närrischen" Malers Carl Sandhaas und Bilder von ihm.3. Der neben dem Mönchschor gelegene schmale Raum, das ehemalige Pönitarium des Klosters, enthält in einer Reihe Schaukästen und an den Wänden Erinnerungsstücke an Hansjakob und seine Vorfahren, Portraitbilder aus jüngeren und älteren Jahren, Bilder von einzelnen Gestalten aus seinen Werken: Fürst auf Teufelsstein, Theodor der Seifensieder, Graf Magga, Lorenz in den Buchen, Valentin der Nagler, der Schniedermihle u. a. mehr. Daneben hat auch die Hausiererkiste seines Großvaters Xaver Kaltenbach Aufstellung gefunden. Hansjakob hat sie von Freiburger Künstlern und Handwerkern zu einem Bücherschränkchen umgestalten lassen und stellte sie in sein Studierzimmer. Eines Tages läßt er diese alte Tannenholzkiste erzählen, was sie alles auf den Wegen über die Berge und Höhen, Schluchten und Täler zu den einsamen Gehöften der Schwarzwaldbauern alles erlebt hat auf dem Rücken dieses fleißigen Mannes; es ist eines seiner schönsten Bücher geworden und betitelt sich "Erinnerungen einer alten Schwarzwälderin". Er schildert darin den Schwarzwald in wunderbar eigener Weise sowie die Sitte und das Brauchtum dieser schlichten Menschen von der Geburt bis zum Grabe.

Die weiteren Räume umfassen dann Dinge, die zum eigentlichen Heimatmuseum gehören, vor allem 4. das Refektorium und der Flur. Dieser Saal, der einstmalige Speisesaal der Mönche, hat sein eigenes Gepräge. Die schwere Balken- und Bohlendecke, die fünf an der Längsseite aufgereihten Fenster, die weißgetünchten Wände und der einfache Holzboden entsprechen dem Geiste der Armut, wie er von den Kapuzinern gelebt und gepredigt wurde. An der westlichen Schmalseite, hinter der einst die Klosterküche lag, wurde an der Stelle, an der früher schon der von der Küche geheizte Ofen stand, ein Ofen mit gußeisernen Platten aus den Museumsbeständen aufgebaut. Auf den Platten sind Szenen aus dem Alten und Neuen Testament sowie Wappenbilder dargestellt. Ehedem hatte der alte Museumsofen noch die Aufgabe einer zentralen Heizquelle. In der Decke sind in regelmäßigen Abständen quadratische Öffnungen mit Schieber zu schen. Über dem Refektorium waren die Schlafzellen der Mönche; verließen nun diese abends ihren geheizten Arbeitsraum, wurden die Schieber geöffnet, und die warme Luft konnte in die oberen Räume strömen.

In dem 80. qm großen Raum sind antike Möbel aus Haslacher Bürgerhäusern zur Aufstellung gekommen, zwei alte Truhen, Spinnräder für Wolle und Flachs, andere Gegenstände der Hanfbearbeitung wie Knittsche, Reibe, Hechel. Dazu kommt noch ein verstellbarer Spanleuchter mit dem dazugehörigen Spanhobel. Die Wände schmücken vier Ölbilder der früheren fürstenbergischen Beamten, des Simon Finckh von Waldstein, der von 1610 bis 1648 Oberamtmann der fürstlichen Verwaltung in Haslach war. Er muß ein wahres Finanzgenie gewesen sein, denn er hatte nicht nur die Finanzen der Fürsten in Ordnung zu halten, er mußte auch die Kontributionen an die durchziehenden Heere leisten, mal waren es die Schweden, mal die Österreicher, und der notleidenden Bevölkerung mit Rat und Tat zur Seite stehen; sein Nachfolger im Amt und Schwiegersohn Jakob Gebele, gebürtig 1601 aus Wolfach, gestorben 1675 in Haslach, und dessen ältester Sohn Simon Gebele von Waldstein, geboren 1627, als Amtmann gestorben 1709 in Haslach; seine Frau eine Gräfin Koboldt von Tambach. Vervollständigt wird diese Bilderreihe noch durch das Portrait des Dekans und Erzpriesters Jakob von Lipp, der 1640 bis 1701 in Haslach als Stadtpfarrer residierte. Diese hervorragende Persönlichkeit war der Sohn eines fürstenbergischen Beamten aus Haslach, studierte in Freiburg und Dillingen, wurde Magister und Rektor in Freiburg, von den Fürsten nach Haslach berufen, wirkte er zum Segen der Pfarrei. Er machte mehrere Stiftungen, baute eine kleine Kapelle und schenkte dem Stadtrat einen vergoldeten Pokal, wonach er sich nach stürmischen Sitzungen wieder den Frieden zutrinken sollte. Seinem Wappen begegnen wir auch sonst noch in Haslach wie hier auf dem Bild; so am Pfarrs-Käppele, seiner Stiftung, als Wappenstein und in der Gottesacker-Kapelle an der Empore als holzgeschnittene Wappentafel und da noch mit der päpstlichen Tiara gekrönt. Wegen seiner Verdienste um die Übersetzungen der päpstlichen Rundschreiben in die europäischen Sprachen wurde ihm der Titel eines Protonotars verliehen, und er konnte zu seinem Familienwappen noch die päpstliche Tiara fügen.

In einer Wandnische hat eine spätgotische geschnitzte Holzplastik, die heilige Katharina mit Rad, ihren Platz gefunden. Geschnitzte Holzfiguren aus der Barockzeit, eine farbig gefaßte Madonna, eine ihrer Fassung beraubte Nepomukstatue, sind auf Konsolen an den Fensterpfeilern aufgestellt. Eine Kreuzigung aus derselben Zeit ist an der östlichen Schmalwand angebracht, darunter auf einer Kommode eine alte Bibel mit schönen Stahlstichen von 1575, gedruckt bei Gerwig Colensium. In einer Glasvitrine neben der Türe können wir die Bürgertracht der Haslacher Frauen, die bis etwa 1900 getragen wurde, betrachten, sowie die verschiedenen Trachtenhauben des Kinzigtals: die barocke Goldhaube der Mühlenbacherin, die mit bunten Glasperlen bestickte Haube der Steinacherin und die mit roten Bändern geschmückte der Wolftälerin.

Jakob Gebele, 1601 - 1675, fürstenbergischer Landschaffner im Kinzigtal. Nach einem Gemälde im Haslacher Museum. Erzpriester Jakob Lipp, um 1640 - 1701, Wohltäter der Stadt Haslach. Gemälde im Haslacher Museum.In drei Fensternischen sind die bemerkenswertesten Bilder des Haslacher Malers Carl Sandhas aufgehängt, voran sein Selbstbildnis, aus dem die ganze Tragik seines Künstlerlebens spricht, das Schicksal eines von der Welt unverstandenen und verkannten Menschen und Künstlers, der allzufrüh in Schwermut versunken und untergegangen ist. Hansjakob hat dieses Malgenie, das die Portraitkunst des 19. Jahrhunderts in Baden wesentlich beeinflußt har, in einer Meisternovelle in seinen "Wilden Kirschen" verewigt. Ein Bild, der Brautkauf genannt, verschiedene Trachtenbilder und Portraits sowie die in Glaskästen ausgestellten Skizzenmappen aus Darmstadt geben einen guten Begriff seiner Kunst. Eine weitere Fensternische macht uns mit den Bildern Louis Blums bekannt, der aus einer Haslacher Lehrer- und Künstlerfamilie entstammt. Die fünfte Fensternische enthält volkstümliche Hinterglasmalereien, im Volksmund "Schlitzäugler" genannt, weil sie die Augen schlitzartig wiedergeben. Wir können sie betrachten von den einfachsten mit bäuerlicher Hand von den Stahlstichen der Bibeln abgemalten, bis zu den künstlerisch frei durchkomponierten Abendmahlsszenen. Den einfachen Schlitzäuglern stand die Farbenpracht näher als die Form, wie dem Volkslied der Melodienreichtum. Zwei reizende kleinere Kensterle im Rokokostil wären noch zu erwähnen. Das eine mit einer in Wachs geformten Madonna, das andere mit einem hl. Josef. Diese Wachsfigürchen fertigten die Wachszieher und Seifensieder an und verkauften sie an kirchlichen Festtagen auf dem Klosterplatz. Auf den tiefen Fensterbänken haben die Zunftladen ihren Platz gefunden. Sie erzählen vom goldenen Boden des Handwerks unserer Stadt. In ihrem Inneren befinden sich die Zunftbücher. Das Museum besitzt das Zunftbuch der Bäcker, mit schönen Initialen versehen. Es beginnt mit dem Jahre 1738; ferner ein Gebot- und Strafbuch der Bäckerzunft 1780; das Zunftbuch der Weber 1821 - 51; das Zunftbuch der Metzger von 1770 an; ein Meisterbuch der Metzgerzunft von 1750; eine polizeiliche Verordnung des Fürsten Josef von Fürstenberg 1786 für den Handwerkerstand (wunderschön geschrieben) und das Buch der Küferzunft von 1708 - 1750. Hansjakob hatte diese Bücher sicher gekannt und als Quelle für sein Buch "Meine Madonna" benutzt, das man ja eine Chronik Althaslachs nennen könnte.

Ferner sind zwei für die Geschichte unserer Stadt sehr bemerkenswerte Gegenstände zu erwähnen. Einmal ein steinerner Brunnenkopf, Nixen darstellend, der in der alten Stadtmauer eingelassen war; zum andern eine schwere Messingkanne mit zwei Ausgüssen, die aus dem ehemaligen Schloßbesitz stammt. Von der Decke hängen zwei alte Wirtsschilder herab, und zwei Straßenlaternen aus Urgroßvaters Zeiten aus Haslach haben hier im Museum einen Platz gefunden; die eine auf einem Wandarm hier im großen Saal, die andere in der Sakristei, den Eingangsraum des Museums beleuchtend.

In dem durch eine Mauer vom Kreuzgang getrennten Flur hängen die Stadtansichten von Haslach, ein alter Stadtplan von 1812, aus dem man die Entstehung der Stadt gut ablesen kann. Sie war nämlich nicht eine Gründung der Zähringer, noch eine der Fürstenberger, sondern sie nahm ihren Anfang vom Kult her. Aquarellskizzen von Carl Sandhas; ein Ölgemälde: die Stadt Haslach 1688 mit der doppelten Ummauerung, den Tortürmen und dem Befestigungsturm (eine Kopie vom Jahre 1896 von Die Stadt Haslach nach einem Gemälde von 1688, im Museum.Maler Rudolf Thoma in Haslach nach dem Original im Fürst. Fü Loreto-Kapelle. Schwarze Madonna.rstenbergischen Schloß in Heiligenberg); Portraits früherer Bürgermeister von Haslach von der Hand Carl Sandhasens; eine alte Karte des Fürstl. Fürstenbergischen Gebiets Kinzigtal, dazwischen handwerkliche und kulturell bemerkenswerte Dinge; unter anderem Kleienkotzer aus vor- und nachchristlicher Zeit; die "Geldkatzen"-Lederschläuche, in die die Bauern ihr Bargeld füllten und es sich um den Leib gürteten; ein geschnitzter Faßriegel, einen Fisch darstellend; einen Küferzirkel, Ofenkacheln mit einem Model für eine Renaissance-Schmuckkachel, Druckmodel für die handwerkliche Stoffdruckerei; schöne schmiedeeiserne Grabkreuze u.a. mehr. Anfang und Ende dieses Ganges ziert je eine hölzerne Plastik; einerseits ein holzgeschnitzter St. Sebastian, andererseits ein St. Michael, als Drachentöter in barocker Auffassung als deutscher Ritter dargestellt. Auf einem Gestell steht ein schönes gotisches Kapitäl aus der Kapelle in der Heidburg, die zum fürstenbergischen Besitz gehörte.

Mit einbezogen in die Besichtigung des Museums und selbst ein kleines Museum sind die Klosterkirche und die Loreto-Kapelle. Die drei Altäre in der Klosterkirche sowie die Kanzel sind in bäuerlichem Barock gehalten. Das wertvolle Hauptaltarbild, eine Aufnahme Mariens in den Himmel, stammt von Matrhäus Gundelach, Hofmaler Kaiser Rudolfs IX. in Wien. Dieses Bild hat seine eigene Geschichte. Der Stifter dieses Klosters, Graf Christoph II., war Hofmarschall am Kaiserhof in Wien; er beauftragte den Matthäus Gundelach, das Bild zu malen. Es war fertiggestellt, und der Fürst wollte es selbst nach Haslach überbringen; da ließ der Kaiser zum Abschied seines Hofmarschalls ein Turnier abhalten, bei dem Christoph II. tödlich verunglückte. Der Maler malte nun Christoph nachträglich auf das Altarbild. Es ist dies die schwarzbärtige Rittergestalt, die vor dem leeren Sarkophag in der unteren Mitte des Bildes kniet. Die Haslacher nennen ihn den "Schwarzen Mann" zum Unterschied vom "Steinernen Mann", dem Grabmonument des Grafen Götz von Fürstenberg in der Stadtkirche. Es ist eines der interessantesten Grabdenkmäler des Frühmittelalters und wird dem Meister Wölfelin von Straßburg zugeschrieben. Der rechte Seitenaltar zeigt das Martyrium des ersten Kapuzinermönchs Fidelis von Sigmaringen aus der Hand des Freskenmalers Jos. Ignaz Wegscheider aus Riedlingen a. D. Das linke Altarbild zeigt uns den Tod des hl. Josef und ist von Johann Georg Hildebrand 1719 aus Wolfach gemalt. Auf diesem Altar steht ein schönes Vesperbild, etwa aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, "Maria im Leid" genannt. An der südlichen Seitenwand befindet sich das interessante, stilistisch hervorragende Epitaph, von dem Bildhauer Kaspar Dober aus Haslach gefertigt. Es nennt die Namen der drei Fürsten, die in der Krypta unter dem Chor ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Es sind dies: Graf Friedrich Rudolf, gestorben 1655; Maximilian Franz, gestorben 1681, und Prosper Ferdinand, gefallen in der Schlacht bei Landau. Es ist eine große schwarze Holztafel in Barockrahmen, die dem Werk Friedrich Rudolfs gewidmet ist, eine kleinere Tafel steht auf dem Postament der andern Tafel und ist dem Sohne Der Freihof = Hansjakobhaus in Haslach.Friedrichs, Maximilian Franz, geweiht. Bei dieser zweiten Inschrift ist, um Platz zu sparen, ein sogenanntes Chronogramm verwendet, das heißt, es sind solche Wörter gewählt, die die Zahlenbuchstaben M = 1000, D = 500, C = 100, L = 50, X = 10, V = 5 und I = 1 enthalten. Werden diese zeilenweise addiert, so erhält man das Todesjahr, das erreichte Lebensalter, die Jahre, Monate und Tage. Kaum wird es nochmal ein Chronogramm dieser Art geben. Überlebensgroße, auf Holz gemalte und ausgesägte Apostelfiguren und zwei Altarbilder, Christus als Weltenheiland und die Jungfrau-Mutter darstellend, schmücken die obere Hälfte der Kirchenwände. Ein Haslacher Maler, Bernhard Melchior Eisemann, ist der Schöpfer dieser guten Darstellungen zwischen 1717 und 1785, für die Kirche in Mühlenbach gemalt. Darunter sind die Stationen eines Kreuzwegs angebracht, der durch seine eigenartige Farbkonzeption auffällt; in allen Stationen immer wieder ein grell aufblitzendes Rot und in den letzten drei Stationen eine eigentümliche graugrüngelbe Leichenfarbe. Außen an der Stirnseite der Klosterkirche befinder sich die schon genannte Wappen- und Widmungstafel. Nun kommen wir noch zur Loreto-Kapelle, wie schon erwähnt, eine Stiftung Maximilians. In der Casa santa steht eine schwarze Madonna, die erst in der Barockzeit bekleidet wurde, Die Predella des Altars, der in einer Loreto-Kapelle immer vor der Casa santa stehen muß, ziert eine gute Verkündigungsszene. Diese Kapelle mit ihrer Madonna ist für die Haslacher ein kleines Heiligtum und die Zuflucht aller Hilfesuchenden geworden, wie es auch Hansjakob erzählt. Hier in dieser kleinen Kapelle hat er seine Jubiläumsmesse in aller Stille gehalten und hat sie renovieren lassen.

Nun kommen wir zum letzten, neu hinzugekommenen Teil des Hansjakobmuseums dem "Freihof", Hansjakobs Alterssitz, an der Rotkreuzhalde. Seit dem Rückkauf des Freihofs im Januar 1964 hat sich die Stadt eine weitere Gedächtnisstätte geschaffen. Hansjakob baute sich mit 73 Jahren 1913 noch den Freihof, um sich hier in seinem Jugendparadies, fern von dem Getriebe der großen Welt, in aller Ruhe und Gelassenheit auf den Heimgang zu Gott vorzubereiten. Er hat schon in dem Gedanken, daß dieses Haus einmal eine Erinnerungsstätte werden sollte, sehr großzügig gebaut. Die große Diele mit dem Zugang zur Kapelle macht schon einen imposanten Eindruck. Öffnet man die Flügeltüren der Kapelle und schlägt sie zurück, so ist sie mit der Diele ein großer Raum, der gut 60 Personen an dem Geschehen der hl. Messe teilnehmen läßt. Zwei überlebensgroße Figuren, die kluge und die törichte Jungfrau, wie sie in der Eingangshalle des Freiburger Münsters stehen, und eine Kopie von dem Arbeitszimmer des Volksschriftstellers Heinrich Hansjakob in seinem "Freihof" zu Haslach, das er im Oktober 1913 bis zu seinem Tode, am 22. juni 1916, bewohnte.Abendmahl von Schongauer schmücken den Raum. In der Kapelle steht über dem Tabernakel eine spätgotisch geschnitzte Madonna, die er sich von dem Freiburger Bildschnitzer Dettlinger aus dem Backtrog seines Urgroßvaters hat schnitzen lassen. Dieser Madonna hat er ein ganzes Buch gewidmet, und sie darf ihm auch sein Spiegelbild mit all seinen Ecken und Kanten vorhalten. Zwei schöne Glasfenster geben der Kapelle ein stimmungsvolles Licht. Drei weitere Räume sind wieder in den ursprünglichen Zustand, wie zu Hansjakobs Zeiten, versetzt worden. Zuerst seine Bibliothek mit fast 600 Bänden, die neu erfaßt und geordnet sind. Hansjakob hatte seine Bücher in offenen Regalen, die bis zur Decke reichen, jetzt sind sie in einfachen, aber schönen Schränken untergebracht. Als großer Marienverehrer hat er in jedem Zimmer ein schönes Marienbild, so hier die Granduca von Raffael, im Fenster als Glasbild seinen Namenspatron Kaiser Heinrich II. Hier am Fenster, das den Blick zum Herrenberg hat, saß er oftmals lesend und sinnend. Diese Bibliothek läßt uns etwas von der Größe und Spannweite seines Geistes erahnen. Das große Studier- und Arbeitszimmer mit dem großen Tisch, den beiden großen Bildern, der Sixtina und der Disputa von Rafael, zeugen von seiner religiösen Einstellung. Leider ist sein Schreibtisch von den Vinzenzschwestern nach Freiburg in die Karthause gebracht worden, und bis jetzt verlief unsere Bitte um Zurückgabe nach Haslach erfolglos. Dort in der Karthause steht er ohne jeden Zusammenhang, denn er paßt nicht zu den Möbeln, und ein passender Schreibtisch ist sowieso schon vorhanden. Hansjakob hat diesen großen Schreibtisch vom Pfarrhaus in Freiburg mit hierher gebracht und hier seine letzten Bücher "Feierabend" und "Gespräche über den Weltkrieg mit den Fischen auf dem Meeresgrund" und auch seine letzten Briefe geschrieben, in denen er für das geschundene und geplagte Volk um besseres Brot und regelmäßige Lebensmittelzuteilung bei den höchsten Behörden Sturm lief. Hasemann und Liebich sowie der Karlsruher Maler Krabbe sind mit kleineren Bildern vertreten. Das Schlafzimmer ist sehr einfach gehalten; neben Bett, Schrank und Kommode noch ein Schrank für die Meßgewänder und die Altarwäsche. Wir sind noch im Besitz sämtlicher Meßgewänder. Ein elfenbeinernes Kruzifix, eine Madonna von Sassoferrato und ein Ölgemälde, Kirche und Pfarrhaus von Hagnau darstellend, schmücken die Wände. Was diesem Raum eine gewisse Feierlichkeit gibt, sind die beiden großen Glasgemälde: das Freiburger Münster mit Münstermadonna und Steinmetzzeichen, dann St. Martin in Freiburg, die Kirche seiner Pfarrei mit dem hl. Martin und dem Freiburger Stadtwappen, Geschenke der Stadt Freiburg von den Gebrüdern Geiges. Als dritten Raum treten wir nun in sein Eßzimmer, das mit seinen schlichten Möbeln aus einheimischem Holz dem großen Kachelofen und dem schönen Eckschrank eine behagliche Gemütlichkeit ausstrahlt. Hatte Hansjakob Gäste, speiste man am großen Eßtisch, war er mit seiner Schwester allein, was nicht allzuoft vorkam, nahm man am kleinen Tisch mit der Eckbank seine Mahlzeiten ein. Sein Gästebuch nennt uns die Namen der geistigen Prominenz, die dem Kämpfer gegen den Zeitgeist und den Materialismus ihre Aufwartung in seinem schönen Heim machten. Leider waren ihm nur drei kurze Lebensjahre in seinem schönen Heim vergönnt, dann nahm Freund Tod, den er schon lange ersehnte, ihm die Feder aus der Hand. Mehr als 50 Jahre ruht er schon in der Gruft seiner Grabkapelle in "Mariä Ruh", wie er sie nannte, aber immer noch ist sein Andenken wach und lebendig wie eh und je. Kein Wunder, denn diese Persönlichkeit von eigenem Schnitt, von eigenem unbeirrbarem Denken und scharfer Beobachtungsgabe war seiner Zeit um fast 100 Jahre voraus.

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Historisches Bergwerk im Schwarzwald in Haslach


Die Grube "Segen Gottes" ist ein Zeugnis eines rund 800 Jahre alten Bergbaus. Auf drei Sohlen sind in der Grube silberführende Schwer-und Flussspatgänge in seltener Schönheit aufgeschlossenDie alte Silbergrube "Segen Gottes" in Haslach-Schnellingen gehört zu den bedeutendsten historischen Bergwerken des Schwarzwaldes. Selbst im Badnerlied wird sie besungen.

Die Grube "Segen Gottes" ist ein Zeugnis eines rund 800 Jahre alten Bergbaus. Auf drei Sohlen sind in der Grube silberführende Schwer-und Flussspatgänge in seltener Schönheit aufgeschlossen. Kristalldrusen, Sinter und Stalaktiten, wie sie sonst nahezu kein anderes Besucherbergwerk in Baden-Württemberg bieten kann, sowie mit Schlägel und Eisen herausgehauene Stollen in bestem Erhaltungszustand gehören ebenso wie historische Türstockverbaue zu den Schätzen der Grube.

Erlebnis unter Tage: In einer gut eineinhalb-stündigen Führung zeigen wir Ihnen auf drei Sohlen des Bergwerks die Welt unter Tage. Sie müssen nicht klettern, doch einige Treppen gehören zur "Grubenfahrt" dazu. Manchmal geht es auch ein wenig eng zu, doch ausgestattet mit Grubenhelm, Lampe und Schutzkleidung macht es richtig Spass, die alten Stollen zu erkunden! Kinder dürfen bereits ab vier Jahren an diesem Spass teilnehmen. (Webseite Gemeinde Haslach)

Lagerstätten und Bergbau im Schwarzwald - Segen Gottes - Haslach-Schnellingen  arrowRight

Kurzfassung aus dem Buch Lagerstätten und Bergbau im Schwarzwald von Wolfgang Werner & Volker Dennert, 2004

Name: Der aus Offenburg stammende Hans Ruch­mann Tödinger betrieb die Grube in der Mitte des 16. Jahrhunderts unter der Bezeichnung "Barbara zu Unseren lieben Frauen beim Illenbad". Seit der Wieder­aufnahme des mittel­alterlichen Berg­werks durch den Bergdirektor Michel im Zeitraum 1711–1714 heißt sie "Segen Gottes". Zur Unterscheidung von anderen Bergwerken gleichen Namens wird sie in der modernen Fachliteratur auch als "Grube Segen Gottes bei Schnel­lingen" bezeichnet. Der mittelalterliche Name des Bergwerks ist nicht überliefert.

Archäologie und Geschichte der Grube Segen Gottes bei Haslach-Schnellingen  arrowRight

Grubengebäude: Die gesamte Grubenanlage besteht aus vier Abbausohlen, von denen die drei oberen im Besucherbergwerk zugänglich sind:

(1) Der 127 m lange Obere Stollen mit mehreren Überhauen und Gesenken
(2) der über Schächte erreichbare Rotgülden­gang-Stollen mit 85 m Länge
(3) der Mittlere Stollen, der aus dem 160 m langen Wasser­lösungsstollen und dem bislang 76 m weit geöffneten Abbau auf dem Erzgang besteht. Die Niveaus 1–3 sind durch Schächte oder Abbaue miteinander verbunden
(4) Am tiefsten liegt der Badstollen, der zur Wasserlösung oberhalb vom Silbersee angesetzt wurde. Er erreichte die Gangzone aber nicht

Die gesamte vertikale Aufschlusshöhe von den Überhauen im Oberen Stollen bis zur Sohle des Pumpen­gesenks im Niveau des Mittleren Stollens beträgt 57 m. Stollen, Strecken und Querschläge sind heute in einer Gesamtlänge von fast 500 m zugänglich. Zur Grube gehören außerdem acht Schächte; zwei davon wurden als Tagschächte angelegt.

Besonderheiten: In der Grube sind auf drei Sohlen Erkundungs- und Abbaustrecken bzw. -stollen, Stollen und Schächte zur Förderung und Wasserhaltung sowie verschiedenartige Abbaue befahrbar. Der Besucher gewinnt so einen hervor­ragenden Einblick in eine historische Bergwerks­anlage im Schwarz­wald, in der gangförmige Vererzungen abgebaut wurden. Zu den Besonderheiten gehört eine gut erhaltene Pumpe über einem Gesenk, die aus dem 18. Jahrhundert stammt. Die Welle mit einem Stück des Pumpen­gestänges, die in einen Balkenrahmen in der Firste verankert ist, befindet sich noch in Originalposition, ebenso der Schachtrahmen und der Handhaspel. Die originalen Pumpenrohre wurden aus dem Gesenk geborgen. Bislang einmalig für den Schwarzwald ist der Fund eines hölzernen Saugrohres mit Siebplatte, die wohl das Ansaugen von Holzstücken verhindern sollte.

Der Benedikt auf dem Bühl - aus Heinrich Hansjakob "Erzbauern"  arrowRight

Bemerkenswert sind auch die großen Fluss- und Schwerspatdrusen, die im Abbau auf dem hier rund 3 m mächtigen Gang im Niveau des Mittleren Stollens aufgeschlossen sind. An mehreren Stellen sind über 1 m lange Eisenocker-Stalaktiten und gedrungene Stalagmiten erhalten, wodurch sich alte Abbau­strecken teilweise zu "Tropfsteinhöhlen" verwandelten.

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Freihof - Hansjakob-Museum


Das einzige, einem Schriftsteller gewidmete Museum im Kinzigtal ist der "Freihof" in Haslach. In ihm wird das Leben und Werk des großen Chronisten des Schwarzwaldes, des Haslacher Bäckersohnes Heinrich Hansjakob vorgestelltDas einzige, einem Schriftsteller gewidmete Museum im Kinzigtal ist der "Freihof" in Haslach. In ihm wird das Leben und Werk des großen Chronisten des Schwarzwaldes, des Haslacher Bäckersohnes Heinrich Hansjakob vorgestellt. Hansjakob (1837-1916) war Pfarrer in Hagnau (Bodensee), wo er die erste Badische Winzergenossenschaft gründete, und in Freiburg. Als Abgeordneter war er im badischen Landtag in Karlsruhe 10 Jahre lang aktiver Politiker, doch am bekanntesten wurde er als Schriftsteller. Mehr als 70 Bücher und Schriften wurden von ihm veröffentlicht.

Hansjakob war einer der meistgelesenen süddeutschen Autoren seiner Zeit und gilt bis heute als wichtige Quelle für Historiker und Volkskundler. Das Museum ist in Hansjakobs selbst konzipierten Altersruhesitz, dem "Freihof" untergebracht und bietet einen ausgezeichneten Einblick in sein schriftstellerisches Schaffen als Beobachter der Bauern, Handwerker, Bürger und Handelsleute des badischen Schwarzwaldes im 19. Jahrhundert, aber auch in sein Wirken als Historiker, Publizist, Politiker und Schriftsteller.

Der "Freihof" beherbergt wichtige ständige Kunstausstellungen: So wird das Oeuvre des Haslacher Zeichners und Malers Carl Sandhaas (1801-1859) präsentiert, dessen umfangreichste Werkschau im 1. Obergeschoss des Gebäudes untergebracht ist. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der süddeutschen Romantik.

Über den "Hausbauer" vom Freihof Haslach - Heinrich Hansjakob  arrowRight

Im Dachgeschoss ist eine umfangreiche Otto-Laible-Ausstellung zu sehen. Der gebürtige Haslacher Otto Laible (1898-1962) ist ein hervorragender Vertreter der badischen Sezession, seine "französischen Bilder" aus den zwanziger Jahren verweisen auf eine europäische Kunstdimension, ebenso sein Werk nach 1945, der Zeit, in der Laible auch als Professor am Wiederaufbau der Karlsruher Kunstakademie mitwirkte.

Carl Sandhaas - der "närrische" Maler von Haslach  arrowRight

Heinrich Hansjakobs Alterssitz, der Freihof, wird dieser Tage 100 Jahre alt. Am 22. Oktober 1913 bezog Haslachs großer Sohn, der viel gelesene Schriftsteller und Pfarrer Heinrich Hansjakob, seinen neu erbauten Ruhesitz.

Von Manfred Hildenbrand über den "widerspenstigen Heimatdichter" - Baden Online, 28. September 2013 [Auszug]

Haslach. Als das Erzbischöfliche Ordinariat im Herbst 1912 seinen ältesten Kaplan und Privatsekretär Anton Trunz gegen den Willen Heinrich Hansjakobs als Pfarrverweser nach Andelshofen an den Bodensee versetzte, beschloss er, sich am 1. Oktober 1913 als Pfarrer von St. Martin in Freiburg pensionieren zu lassen und in seine Vaterstadt Haslach zu ziehen. Immerhin war er damals schon 76 Jahre alt.

Nachdem er ein passendes Grundstück mit "Aussicht auf Städtle, Berg und Tal" gefunden hatte, beauftragte er den bekannten Freiburger Architekten Karl Luckscheiter mit der Bauleitung für sein Landhaus im Schwarzwaldstil mit angebauter Hauskapelle. Noch vor dem Einzug, der auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin ohne jegliche Feierlichkeiten stattzufinden hatte, ernannte ihn der Haslacher Gemeinderat am 10. Oktober zum ersten Ehrenbürger der Stadt.

Großer Druck

Da Heinrich Hansjakob möglichst schnell in sein neues Heim einziehen wollte, übte er auf alle Beteiligten, den Architekten und die Handwerker, ständig großen Druck aus. Um den Bau zu beschleunigen, hatte Hansjakob einen erfahrenen Großbetrieb mit dem Bau beauftragt, den Bauunternehmer Siegrist aus Grötzingen bei Karlsruhe. Er hatte bereits 1910 und 1912 die Kanalisation in Haslach gebaut. Mit Hochdruck zog die Baufirma Siegrist den Bau in die Höhe. Am 23. April 1913 erfolgte der erste Spatenstich, bereits am 7. Juli wurde das Richtfest gefeiert. Und am 22. Oktober 1913 zogen Heinrich Hansjakob und seine lebenslange Haushälterin und Schwester Philippine ein.

Cosmopolit und Maler von Haslach - Otto Laible  arrowRight

"Ich freue mich, dass ich nicht mehr unter dem Joch des kirchlichen Absolutismus stehe, und darum habe ich mein Haus 'Freihof' genannt", schrieb Hansjakob damals an einen Freund.

Auch im Freihof war Hansjakob als Schriftsteller unermüdlich tätig. Ende 1915 beendete er sein Alterswerk "Feierabend", in dem er von seinen Lesern Abschied nahm. Es ist erst nach seinem Tod 1918 erschienen. Mitten im Ersten Weltkrieg im April 1916 publizierte er die pazifistische Flugschrift "Zwiegespräche über den Weltkrieg, gehalten mit den Fischen auf dem Meeresgrund", in der er den Krieg scharf verurteilte. Nur drei Jahre konnte Hansjakob das Leben in seinem Altersruhesitz genießen. Am 23. Juni 1916 ist er im Freihof im Alter von 79 Jahren gestorben und wurde am 25. Juni in seiner Grabkapelle in Hofstetten beigesetzt.

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St. Arbogast - Haslach


Das Arbogast-Patrozinium lässt auf frühe Einflüsse aus Straßburg schließen, war der 618 gestorbene Heilige doch Bischof von Straßburg. Ein romanisches Tympanon (siehe unten) bezeugt eine Kirche im 12. JahrhundertSt. Arbogast ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Haslach im Kinzigtal. Die Pfarrgemeinde gehört zur Seelsorgeeinheit Haslach im Dekanat Offenburg-Kinzigtal des Erzbistums Freiburg und betreut zusätzlich die Filialkirchen St. Josef im Stadtteil Bollenbach sowie Maria Königin im Stadtteil Schnellingen. Das Kirchengebäude vereinigt gotische, frühklassizistische und neoklassizistische Teile.

Geschichte

Das Arbogast-Patrozinium lässt auf frühe Einflüsse aus Straßburg schließen, war der 618 gestorbene Heilige doch Bischof von Straßburg. Ein romanisches Tympanon (siehe unten) bezeugt eine Kirche im 12. Jahrhundert. Jedoch wird St. Arbogast erst 1328 schriftlich erwähnt. Damals verkauften die Herren von Geroldseck ihre Rechte an der Kirche an die Fürsten zu Fürstenberg. Die Einführung des evangelischen Bekenntnisses 1542 durch Graf Wilhelm von Fürstenberg (1491–1549) blieb Episode. Schon unter seinem Bruder Friedrich II. von Fürstenberg (1496–1559) wurde der katholische Glaube wieder eingeführt. Für die Seelsorge wichtig wurde der Bau eines Kapuzinerklosters in Haslach ab 1630.

Baugeschichte

Um 1481 wurde die romanische Kirche durch eine spätgotische Hallenkirche mit einem Chor mit 3/8tel-Schluss ersetzt. Am erhaltenen Westturm ist die Jahreszahl auf einer von Stabwerk umrahmten Platte eingemeißelt.

Im Januar 1779 – Pfarrer war Franz Schaller (1715–1789) – schildert ein Bericht die Kirche als "am Dach als Bühnewerck so ruinos und vermodert, daß es besonders in dem Chor auf den Altar herunter regnet, und zu befürchten stehet, daß die Bühne herabfalle, und den Priester auf dem Altar totschlage". Der fürstenbergische Baudirektor Franz Joseph Salzmann gutachtete, die Kirche könne zwar "mit vielen Kosten wiederum auf eine gute Zeit repariert werden, allein bleibt es doch immerhin ein zu tief in dem Boden stehendes, unschickliches, unkommodes und irregulares Gebäu. Ich wäre des ohnmaßgeblichen Dafürhaltens, daß man auf die Herstellung einer ganz neuen Kirchen antragen sollte". Im Jahr darauf legte Salzmann einen Plan und ein Angebot für 3960 Gulden vor. Er bekam gegen Konkurrenten den Zuschlag mit der Auflage, die alten Altäre, Kanzel und Bänke sorgfältig abzubrechen und zur Wiederverwendung zu verwahren. Der gotische Turm wurde beibehalten und daran ein Schiff von vier Fensterachsen und ein Chor mit wiederum 3/8tel-Schluss angesetzt. Im Herbst 1781 konnte der zwischenzeitlich ins Kapuzinerkloster verlegte Gottesdienst in der neuen Kirche aufgenommen werden.

Das Tympanon von St. Arbogast  arrowRight

Die Stuckierung übertrug man Johann Joseph Meisburger aus Freiburg im Breisgau. Die aus der alten Kirche übernommenen Altäre empfand man bald als unbrauchbar. Für die beiden Seitenaltäre griff man 1782 den Vorschlag Meisburgers – "der in allhiesiger Pfarrkirchen die Stokkatorarbeit mit vollkommener Approbation verfertiget" – auf, seine für die Kartause Freiburg geschaffenen Altäre zu übernehmen, die nach der Aufhebung der Kartause überflüssig geworden waren. Sie wurden mit neuen Altarblättern von Johannes Herrmann ausgestattet. Einen neuen Hochaltar bekam die Kirche erst 1792. Sein Meister ist unbekannt.

Als der Freiburger Konservator Max Wingenroth (1872–1922) 1908 im Kreis Offenburg-Band der von Franz Xaver Kraus begonnenen Reihe "Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden" die Salzmann-Kirche und ihre Ausstattung lobte, war sie bereits fundamental verändert. 1898 hatte Pfarrer Franz Ignaz Albrecht (1863–1934) über "fürchterliches Gedränge" beim Gottesdienst geklagt. Für 2000 Katholiken standen nur 360 Sitzplätze zur Verfügung. Dass es zur Vergrößerung kam, war in erster Linie den Geschwistern Grieshaber zu verdanken, Philippine (1838–1913), Marie (1842–1913) und Josephine (1848–1918), die 1905 100.000 Mark und später weitere "gewaltige Summen" spendeten. Ihr Vater, Franz Michael Grieshaber (1838–1913), hatte an der Badischen Revolution teilgenommen und war 1850 wegen Hochverrats zu einer hohen Zuchthausstrafe verurteilt worden. Er flüchtete nach Angers in Frankreich und ließ später die Kinder nachkommen. Bei der Beerdigung ihrer Mutter in Haslach 1902 lernten die Geschwister Pfarrer Albrecht kennen. Sie sind wie der Vater in Angers gestorben. Architekt der Erweiterung war Johannes Schroth, der Leiter des Erzbischöflichen Bauamts in Karlsruhe. Er erweiterte um dieselbe Zeit ähnlich die barocke Pfarrkirche St. Maria in Bühl-Kappelwindeck. 1906 wurden in Haslach die Fundamente gelegt, 1907 wurde die Kirche konsekriert. In den Jahren 1955 und 1956 wurde sie renoviert.

Schroth behielt den gotischen Westturm und Salzmanns frühklassizistisches Langhaus bei und brach Salzmanns Chor ab. An dessen Stelle traten der Erweiterungsbau, der nach außen als Querschiff mit geschweiften Giebeln in Erscheinung tritt, und ein neuer, den Salzmannschen nachahmender Chor. Im Winkel zwischen dem Erweiterungsbau und der Nordseite des neuen Chores errichtete Schroth einen wuchtigen zusätzlichen Turm, Wahrzeichen der Stadt, mit quadratischem Untergeschoss, von großen Rundbogenfenstern mit Zopfdekoration durchbrochenem Glockengeschoss, doppelter "welscher Haube" und einer Laterne mit Kreuz darauf. Unten bildet der Westturm eine offene netzgewölbte Halle. In der westlichen Innenseite ist das romanische Tympanon eingemauert, eine Darstellung des Sündenfalls (Gen 3 EU) mit dem Baum der Erkenntnis, Adam und Eva und Gottvater.

Beim Eintritt wirkt Salzmanns schmales einschiffiges Langhaus wie das Entree zu Schroths tempelartiger Erweiterung, einer quadratischen Halle aus drei Schiffen mit hohen, schlanken Säulen aus weißem, marmoriertem Sandstein, kräftigem Gebälk und flacher Decke. In der Verlängerung des nördlichen Seitenschiffs öffnet sich im neuen Turm eine Kapelle.

Johannes Schroth über seinen Erweiterungsbau an St. Arbogast in Zeitschrift für Christliche Kunst - A. Schnütgen, Hrsg. - Düssedorf 1908 / XXI, S. 4 - 7

Umgeben von beträchtlichen, mit duftenden Tannen üppig bewachsenen Bergen, abwechselnd mit saftig grünen Wiesen, liegt eines der anmutigsten Schwarzwaldstädtchen, in welchem der bekannte und beliebte Volksschriftsteller Dr. Hansjakob das Licht der Welt erblickte und seine Jugendjahre verlebte. Die Ansiedelung im Mittelalter scheint gering gewesen zu sein, denn der alte, aus der 2. Hälfte des XV. Jahrh. (1480) noch erhaltene Kirchturm bildet einen Bestandteil eines recht kleinen Gotteshauses, dessen übrigen Teile am Ende des XVIII. Jahrh. einem geräumigen Schiffe Platz machen mußten. Wie alle geschichtlich wichtigen Stilzeiten, unbekümmert um den Geschmack ihrer Vorfahren, in ihrer nun einmal für richtiggehaltenen Formensprache arbeiteten, so geschah es auch hier; und dem unbekannten Baumeisier des neuen Renaissanceanbaues fiel es nicht ein; seine bauliche Zutat der Gotik des Turmes anzupassen. Er fühlte sich mit seinen Zeitgenossen über den alten Stil erhaben, aber auch mit denselben einig genug, um die voraufgehenden Stilformen als abgetane Sache betrachten zu können, bewies indessen durch seine sieghafte Durchführung, besonders der inneren dekorativen und monumentalen Ausstattung seines Werkes, daß er zu obiger Überhebung eine gewisse Berechtigung hatte.

Schrägstriche: Gothisch - Karos: Louis XVI - Eingeschwärzt: Neu
Schrägstriche: Gothisch - Karos: Louis XVI - Eingeschwärzt: Neu

In dieser glücklichen Lage befinden sich heute unsere ausführenden Architekten nicht mehr. Zwar besitzt unsere Zeit eine lebhafte Strömung in der bildenden Kunst; deren Schwerpunkt liegt aber nicht, wie bei früheren Stilentwickelungen, im durchweg geschlossenen und einheitlichen Ausdruck der Formen, sondern mehr in demjenigen der Empfindung einzelner Künstler. Wenn auch einige Kunstgelehrte in neuerer Zeit behaupten, mit dem neuen Stil nun so weit zu sein, daß bei Vergrößerungen und Wiederherstellungen die vorhandenen alten Formen unberücksichtigt bleiben könnten, so treten doch dem in der Praxis Stehenden Bedenken über die Richtigkeit solcher Behauptungen auf. Die neuen Stilbestrebungen haben offenbar Fortschritte zu verzeichnen, doch unterscheiden sie sich, wie oben schon angedeutet, von den früheren Entwickelungen dadurch deutlich, dass sie sich nicht einheitlich wie bei den letzteren, an eine Überlieferung an schließen, sondern verschiedene Anknüpfungspunkte suchen, für die, je nach Neigung des Architekten, bald die byzantinischen, romanischen oder gotischen Stilformen, oder auch Barock als richtig gelten. So lange eine bestimmte Einheit nicht besteht, also kein klar ausgesprochener Ausdruck des Zeitgeschmackes vorhanden ist, wird insbesondere der Kirchenbaumeister, der zugleich auch Konservator sein soll, gut daran tun, an den bewährten

Stilformen, wenigstens für Umbauten, festzuhalten. Dieser Weg zeichnet sich im vorliegenden Falle deshalb schon bestimmt vor, weil der nach dem Vorschlage des Unterzeichneten abzutragende und jenseits des neuen Querschiffes wieder aufzuführende Chor prächtige Antragornamente besaß, die man wieder verwenden wollte. - Aus dem Grundriß ist die Art der durch das Anwachsen der Bevölkerung nötig gewordenen Vergrößerung ersichtlich. Die drei äußeren Ansichten zeigen die Fortsetzung der schlichten äußeren alten Schiffsarchitektur mit dem neuen dazu passenden und nun auch der heutigen Bedeutung des Orts entsprechenden Turm. Dessen gläserne Zifferblätter wollen nicht nur bei Tage, sondern auch zur Nachtzeit bei elektrischer Beleuchtung dem nächtlichen Wanderer im herrlichen Kinzigtale weithin den Gang der Zeit verkünden. - Den alten gotischen Turm hat man, als ein Stück steinerner Geschichte, in seiner Form selbstredend unangetastet belassen, ihm aber ein neues Gewand und neue schützende Bedachung gegeben. Die innere Ausstattung der neuen Teile lehnt sich an diejenige des alten Schiffes an und besteht aus freien und symbolischen Antragornamenten, angetragenem Kreuzweg, an die weißen Sandsteinsäulen angebaute Steinkanzel mit reichen Stuckreliefs und einem neuen groß angelegten und die ganze Kirche beherrschenden Hochaltar, ebenfalls aus weißem Sandstein und reichen figürlichen Stuckschmuck. Decken und Wände sind nur in weißer und hellgrauer Tönung mit Gold gehalten, die Fenster nur in weißem Glas, wobei Chorschrägfenster seitlich des Hochaltares figürlichen Schmuck, indessen ebenfalls nur in weißen Scheiben erhalten haben. An der Vierungsdecke harrt noch die Ausführung eines farbigen Gemäldes. - Wie aus der beigegebenen Innenansicht ersichtlich, ist die Steigerung der Lichtwirkung nach dem Chor mit dem Allerheiligsten zu, gut gelungen, wie über diese Kirchenvergrößerung überhaupt bei der vor einigen Wochen stattgehabten feierlichen Konsekration durch den Hochwürdigsten Herrn Erzbischof Dr. Nörber von Freiburg und einer großen Anzahl Festteilnehmer aus näherer und weiterer Entfernung die gebotene angenehme Überraschung über den anziehenden und interessanten Innenraum betont wurde.

schroth innen Stadtpfarrkirche in Haslach i. K. - Innenansicht
Stadtpfarrkirche in Haslach i. K. - Innenansicht

Die Bauarbeiten unter der Oberleitung des Unterzeichneten haben zwei Jahre Zeit in Anspruch genommen und einen Kostenaufwand von rund 175.000 Mk. verursacht, während ein völliger Neubau in der benötigten Größe wenigstens auf 300.000 Mk. gekommen wäre, - Ich wollte mit diesen Zeilen wiederholt und eindringlich gegen die ebenso weitverbreitete als unrichtige Anschauung sprechen, als sei nur im völligen Neubau alles Heil zu finden, was oft zu Beschlüssen führt, wertvolle alte Bauteile zu opfern.

Die vorliegende und schon manch andere gelöste Aufgaben beweisen, daß durch zielbewußtes Vorgeben fast in jedem Falle eine gebrauchstüchtige Vergrößerung möglich ist, daß dadurch nicht nur erhebliche Summen gespart und die für den Ort geschichtlichen Bauteile erhalten bleiben, sondern auch Kirchen entstehen, die sich durch die verschiedenen Angliederungen zu ungemein interessanten und stimmungsvollen Innenräumen entwickeln.

St. Arbogast - Ansicht von Nordosten St. Arbogast - Ansicht von Nordwesten St. Arbogast - Ansicht von Südosten
Von links nach rechts: Ansicht von Nordosten - Ansicht von Nordwesten - Ansicht von Südosten

Daß einer Stileinheit eines Bauwerkes wegen, wertwolle, diesem Stil nicht angehörende Bauteile geopfert werden sollen, ist, Gott sei Dank, endlich ein überwundener Standpunkt, zu dem man freilich nur über aufgehäufte Trümmer aus geopferten lebensfrohen Architekturen aufgeschritten ist. Nicht nur zum Segen der kirchlichen Kunst selbst, sondern auch demjenigen des kirchlichen Vermögens, ist die Erkenntnis geworden, daß alle historischen Stilepochen ihre Berechtigung im Dienste der Kirche beanspruchen dürfen, sofern sie eben wirkliche Kunst darzubieten vermögen. Man wird die Freude über diese Errungenschaft denjenigen nachfühlen können, die viele Jahre hindurch manchmal recht hart darum gekämpft haben, und die auch heute noch nicht ermüdet sind, diese Erkenntnis in immer weitere Schichten zu tragen, zur Sicherung und Erhaltung wertvollen kirchlichen Besitzes und Wertschätzung der hingebenden Tätigkeit unserer Vorfahren. Mit diesen Gedanken möchte ich auch die große Opferwilligkeit der Einwohner ehrend erwähnen. Wie ich einem Berichte einer Haslacher Tageszeitung entnehme, sind aus einer einzigen Familie (Geschwister Grieshaber) allein 100.000 Mk. zur Verfügung gestellt worden, wozu noch reichliche Gaben für die Ausstattung flossen.

Karlsruhe - Johannes Schroth.


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Fürstenberger Hof Haslach


Die beruhigende Wirkung der Eingangsseite resultiert vor allem aus der großen gelben Fassadenfläche, die zwar einen Sockelstreifen, nicht aber das im Weinbrenner-Stil regelmäßig verwendete Sockelgeschoss beanspruchtEin beachtlicher Gasthof, durch palaisartiges, "herrschaftliches" Gepräge auffallend. Vor den Toren der Altstadt Haslachs (Kinzigtal) gelegen, lässt sich hinter der ruhigen, erhabenen Fassade, die durch den von toskanischen Säulen getragenen Balkon repräsentativen Charakter erfährt, zuungunsten der tatsächlichen Hotel-Funktion ein städtischer Adelssitz vermuten.

Über die nicht geringe Anzahl von neun Fensterachsen verfügend (Schauseite) verteilt sich der Fürstenberger Hof über drei Stockwerke, die von einem schlichten Walmdach (in Reinform) gedeckt werden. Die beruhigende Wirkung der Eingangsseite resultiert vor allem aus der großen gelben Fassadenfläche, die zwar einen Sockelstreifen, nicht aber das im Weinbrenner-Stil regelmäßig verwendete Sockelgeschoss beansprucht. Die waagrechte Schichtung und damit die horizontale Wirkung tritt zurück zugunsten des in sich ruhenden Fassadenbildes — die Horizontale kann sich nur noch auf die Applikate der Gesimsbänder berufen.

Das mittlere als das Piano-Nobile-Geschoss wird durch Balken-Verdachungen über den Öffnungsrahmen hervorgehoben und natürlich durch den repräsentativen Balkon mit fein gearbeitetem Eisengeländer. Letzterer findet sich durch das umlaufende Gesimsband an den Baukörper "gebunden". Die Lastabtragung übernehmen die nur ungefähr einen Meter vor dem Gebäude stehenden toskanischen Säulen und auf Fassadenebene vier kraftvolle Pilaster, deren mittlerer Pilaster-Abstand für den in die Gebäudemasse einschneidenden Eingang aufgespart wurde.

Ewigwährende Baugeschichte des Fürstenberger Hofes  arrowRight

Das auffälligste weil für den weinbrennerschen Klassizismus untypisches Detail bedeuten die mächtigen Eckbetonungen, die zudem unvorteilhaft übergangslos in das auskragende Dachgesims fahren. Immerhin spannen sie an diesen beiden Punkten ein das Gebäude schmückendes Band zwischen sich, welches zusammen mit den Mezzanin-Fenstern einen wohltuenden Abschluss der Fassade bedeutet. In diesem Sinne besitzen auch die Eckbetonungen einen nicht unangenehmen die Fassade rahmenden Effekt. Jedoch vereiteln sie die von Weinbrenner eindeutig preferierte Wirkung des reinen Baukörpers bei Gebäuden ohne die Fassade strukturierenden Säulen- oder Pilasterordnungen. Dementsprechend sind sie beinahe ohne Vorbild, können sich lediglich auf die untere Turmpartie der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhes berufen.

Möglicherweise gelten die Eckbetonungen als Zugeständnis an den 1840 seit nunmehr 14 Jahren amtierenden Weinbrenner-Nachfolger Heinrich Hübsch, der allenthalben wuchtiger körperhafter Wirkung absagte und einen neuerlich dekorativen Umgang mit dem Baukörper zunehmend auch von den ihm unterstellten Architekten einforderte. Die Überkleidung der Gebäudeecken wurde dabei zum integralen Bestandteil. Freilich gerieten diese bei Hübsch weit feinsinniger und auch homogener bei der Verquickung mit horizontalen Gliederungselementen. Der Architekt des Fürstenberger Hofes beugte sich also den Fassaden-Ansprüchen des nun tonangebenden Oberbaudirektors Hübsch, jedoch mit den alten "rauhen" Mitteln, die noch Friedrich Weinbrenner bereitstellte.

Quelle: Siddhartha Manuel Finner, auf der Webseite Badische Wanderungen

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