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Sehenswertes Wolfach


An der Südostgrenze des Ortenaukreises, benachbart zur Stadt Hausach und an die Städte Hornberg bzw. Schiltach grenzend, greift das Stadtgebiet von Wolfach mit seinen zwei 1971 und 1975 eingemeindeten Stadtteilen beiderseits der Kinzig über den hier stark zertalten und weithin von Gneisen aufgebauten Mittleren Schwarzwald aus. Nördlich des Flusses reicht es in den "Kinzig-Wolfach Wald" und südlich davon in den "Gutachwald" hinein. Das kräftig bewegte, vorwiegend bewaldete Relief erreicht am Moosenkapf an der südöstlichen Stadtgrenze mit 869 m über NN sein Höhenmaximum. Zum westlichen Kinzigtal fällt es bis auf 248 m ab. Die Hochlagen sind typisches Einzelhof- und Streusiedelgebiet (Schwarzwaldhäuser), lediglich die größeren Täler zeichnen sich durch Siedlungsbänder aus.

Die Kernstadt liegt im Tal der Kinzig, an der Mündung der von Norden kommenden Wolfach, entlang derer sie sich sowohl nach Norden, bereits mit baulichem Anschluss an die Nachbargemeinde Oberwolfach, als auch besonders nach Westen, kinzigabwärts, entwickelte. Dort hält die 1947 gegründete Dorotheenhütte die jahrhundertealte Glasbläsertradition des alten Bergbau- und Flößereiortes am Leben und hier entstand nach 1999 direkt am Fluss ein weiteres, modernes Gewerbegebiet. Vor allem zeichnet sich die Stadt durch ihre weithin sanierte Altstadt (Stadtrecht seit 1350) mit dem auffälligen Rathaus und einem sehr mächtigen einstigen fürstenbergischen Schloss aus. (LEO BW)

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Schloss Wolfach


So gerne Heinrich VI. in seinem Wolfacher Schloß weilte, so wenig kümmerten sich seine Nachfolger um dasselbe. Vom Jahre 1509 - 1540 diente es Elisabeth von Solms, der Wittib des Grafen Wolfgang (1509), als WitwensitzDas Schloß Wolfach - Franz Disch - die Ortenau 1934 405 ff.

Die alte Burg Wolfach bot wegen ihres geringen Umfanges nur wenig Raum und Bequemlichkeit, weshalb ihre Besitzer, die Grafen von Fürstenberg, sich an der Südseite des Städtchens Wolfach eine sog. Tiefburg etbauten. Leider ist über die Entstehung und die anfängliche Größe des Schlosses in den Archivalien nichts zu finden; ebensowenig ist der eigentliche Gründer und Erbauer bekannt. Erst im Jahre 1447 teilt der fürstenbergische Schreiber Michel Spiser mit, daß Graf Heinrich VI. (1419 bzw. 1432 - 90) "ernuwert und gebuwen hat das huse zu Wolfach". Später berichtet er von weiteren Bauten: "Darnach im 63 jar buwet er die schiur (Scheuer) zu Wolfach von nuwem. Item im 65 jar hand wir das neuw gemach gegen Unser frauwen capell gebauwt zu Wolfach. Item im 66 jare schuf er Unser frauwen capell zu Wolfach ze buwen." Nach einem Bilde von 1655 stand diese damals mit der Längsseite parallel zur Kinzig im westlichen Schloßflügel und stieß mit der Giebelseite auf den südlichen Graben. "Item desselben jars ward das hinderstüblein im hus Wolfach gebuwen und der stall unden im hus. Item anno 71 ward gebuwen die neuwen stuben und kamern im hus zu Wolfach, auch das schießhus mit dem ercker Uff dem graben zu Wolfach. Item in dem 73 jar ward gebuwen der gart zu Wolfach und darinnen schießhus und schutzrain. Mer im 75 jar ward gebuwen das neuw huß zu Wolfach by dem undtern thor, mer darnach das clain weigerlin by dem garten. Im 76 jar ward gebuwen die neuw scheür und marstall neben der capell. Item in dem jare ward gebuwen die harnaschkammer by der pistory [Bäckerei], die er auch selbs gebuwen hatt." Darnach hat Heinrich VI. das Schloß vollständig umgebaut und erneuert; sämtliche Gebäude lagen links vom städtischen Torturm gegen die Kinzigseite hin.

So gerne Heinrich VI. in seinem Wolfacher Schloß weilte, so wenig kümmerten sich seine Nachfolger um dasselbe. Vom Jahre 1509 - 1540 diente es Elisabeth von Solms, der Wittib des Grafen Wolfgang († 1509), als Witwensitz. (Nach der Zimmerschen Chronik "hatte sie gar oft von ihren Kindern und der übrigen Sippe Besuch, wobei manche Kurzweil gefunden wurde; denn sie war eine liebenswürdige, geistreiche Frau gewesen, die den Scherz geliebt".) Im Jahre 1577 wurde im Auftrage der Vormünder des Grafen Albrecht, eines Urenkels der Elisabeth von Solms, für diesen eine Wohnung gerichtet, "da wo eine feine, große Stube unten und oben beieinander eine Stube und eine Kammer waren". Das Gesinde sollte zum Teil im Wirtshause Nachtherberge haben. Darnach müssen die Räumlichkeiten im Bau Heinrichs VI. nicht besonders zahlreich gewesen sein. Dies ist auch daraus zu schließen, daß im Jahre 1586, als ein Sohn Albrechts im Kinzigtale erwartet wurde, der damalige Oberamtmann Branz vorschlug, das Hausacher Schloß als Aufenthalt zu wählen, da "das Wolfacher Haus nicht rätlich, weil es zu zwei Haushaltungen nicht beschaffen". 1588 räumte dann Graf Albrecht "aus kindlichem, schuldigem Gehorsam das Schloß mit allem Hausrate seiner Mutter Barbara, Witwe des Georg von Frundsberg, zu lebenslänglichem Gebrauche ein", die es bis zu ihrem Tode 1592 bewohnte.

Während des Dreißigjährigen Krieges erlitt das Schloß durch die endlosen Einquartierungen schweren Schaden, so daß der damalige Oberamtmann Vratislaus Finkh dem Grafen Friedrich Rudolf († - 1655, begraben in Haslach) 1649 berichtet: "In dem Schloß ist nit mehr allß die Taffel unnd obere Stuben sambt der Cammer daran, umb etwas zu bewohnen; wo die Fenster manglen, würdet (wird) es mit Brettern vermacht. In all anderen Gemachen, so ganz offen, kann niemandt verbleiben; es fallen stets noch Stückher nach." Er händigt dem Grafen "underschidliche Abriß und Überschläg, wie dieß abgegangene Hauß zu reparieren", unterthänig ein, ohne jedoch irgendeine Weisung zu erhalten. Seiner Wittib Anna Magdalena, Gräfin von Hanau-Lichtenberg, die vermutlich ihren Witwensitz in Wolfach nehmen wollte, teilte 1656 der Oberamtmann mit, daß nur der erste Stock noch zu bewohnen sei. Der andere Stock müsse "von unden auf gleichsamb biß under das Tach von newem erpawt werden", da er "von den Soldaten derart ruiniert sey, daß mit Ausnahme baider Endmauren und etlich weniger Balken sovihl als nichts vorhanden.

Ansicht von Stadt und Schloß Wolfach, 1655.
Ansicht von Stadt und Schloß Wolfach, 1655.

Der dritte Stock sambt der Kuchel und dem Gang in die Schloß Cappelle ist allerdings [= vollständig] auf dem Boden hinweg". Die "Thürn und Gefangenschaften, insonderheit locus torturae" befanden sich "infolge des Kriegswesens" in einem solchen Zustande, "daß keine Gefangenen mehr recht aufzuhalten" waren. Glücklicherweise fand jetzt das derart verwahrloste Schloß im Grafen Maximilian Franz (1655 - 1681), dem Stiefsohn obengenannter Gräfin von Hanau, einen baulustigen Herrn, der nicht nur den alten Bestand völlig umbaute und erweiterte, sondern auch den gegen den Berg liegenden Flügel neu anlegte und so das Schloß in Umfang und Bauart herstellen ließ, wie es sich heute zeigt. Etwa zehn Häuser "erkaufte er zur Erweiterung desselben; auch sind das Landschreiberey—, Schaffney- und Ichern-Haus zum neuen Schloßbau angewendt worden". Den Bürgern, die ihm ihre Häuser abtraten, erwarb er andere, teils in der heutigen Schloßgasse, teils in der Vorstadt. Um die Verbindung der beiden Schloßflügel, welche durch die Hauptstraße und den städtischen Torturm voneinander getrennt waren, zu bewerkstelligem wurde der Turm gegen die Stadtseite mit einem Umbau versehen, der ihm sein ursprünglich schlankes Aussehen (von der Stadtseite aus) raubte und ihn bis auf den obersten Teil verschwinden ließ; der Tordurchgang selbst erfuhr eine Verlängerung und zwar um den erhöhten Teil desselben. Die Bausteine wurden "in zehn- und mehrjährigen Steinfuhren vom Staufen" herbeigeschafft. Durch Ankauf von Gärten und durch Tausch des Schloßgrabens gegen den vor der äußeren, südlichen Ringmauer gelegenen Stadtgraben wurde auch der Herrschaftsgarten (heute Herrengarten genannt) erweitert. Der Graf erkaufte auch zwei benachbarte Häuser von Oberamtmann Vratislaus Finkh, von welchen das eine (heute das Stiewingische Haus) durch einen über die heutige Amtsgasse führenden Gang mit dem Schlosse verbunden war.

Die Wiederherstellung der Wolfacher Schloßkapelle von Josef Krausbeck arrowRight

Leider konnte Graf Maximilian Franz den begonnenen Bau nicht vollenden, da er erst 47jährig unerwartet im Jahre 1681 in Straßburg starb. Seine Nachfolger zeigten kein weiteres Interesse für das Wolfacher Schloß; sie erschienen nur ab und zu im Tal, um nach dem Rechten zu sehen, sich huldigen zu lassen oder auf der Reise in ihr Bad Rippoldsau. Die Bautätigkeit beschränkte sich über zwei Jahrhunderte lang auf Reparaturen und das Herrichten der ausgebauten Säle und Zimmer zu Verwaltungsräumen und Wohnungen für die fürstenbergischen und nach 1806 auch für die badischen Beamten (Bezirksamt, Amtsgericht usw.). Die Keller und nicht ausgebauten Räume wurden teils "verbeständet", teils lagen sie, besonders im Flügel gegen den Berg, unbenützt und leer.

Im Jahre 1921 erwarb die Stadt um den Preis von 160.000 Mark den östlichen, gegen den Berg gelegenen Schloßflügel und baute ihn zu Wohnungen, Schulzimmern und Verwaltungsräumen für das badische Finanzamt und die Städtische Sparkasse aus. Den westlichen, gegen die Kinzig gelegenen Schloßteil kaufte sie im Jahre 1928 einschließlich des Herrengartens um die Summe von 86.000 Mark.

Das fürstenbetgische Schloß nimmt die ganze Südseite der Stadt ein und bildet in seiner Länge von 100 Metern einen mächtigen Talriegel. 

Stadt und Schloss Wolfach
Stadt und Schloss Wolfach

Der Verkehr ins obere Kinzig- und Wolftal ist, abgesehen von Fußwegen, nur durch das große Stadttor möglich. Tritt man durch dieses in die Stadt, so hat man rechts und links die beiden Flügel der Anlage, jedesmal einen Hof, auf drei Seiten von dem Gebäude umgeben und gegen die Straße durch eine Mauer abgeschlossen. Der Flügel zur Rechten enthält nichts bemerkenswertes; denn er ist erst in jüngster Zeit ausgebaut worden.

Stadt und Schloß Wolfach um 1820. Nach einem Gemälde von Wilhelm Scheuchzer.
Stadt und Schloß Wolfach um 1820. Nach einem Gemälde von Wilhelm Scheuchzer.

"In den zur Linken treten wir durch eine Mauer mit Balustrade (Geländer) und hübschem Tor im Barochstil der übliche, aber wirksame Aufbau mit Säulen, rustizierten Pilastern, Segmentgiebeln usw.

Grundriss Schloss Wolfach
Grundriss Schloss Wolfach

Oben das fürstenbergische Wappen und die Initialen des Maximilian Franz. Im Hof an dem Westbau ein etwas einfacheres Portal des gleichen Stils. Eine schlichte Treppe, tonnengewölbt, mit Kreuzgratgewölben über den Podesten, führt zu dem nicht vollendeten Theatersaal, einem zweistöckigen Saal, in der angefangenen Dekoration von dem damaligen derberen Geschmack Zeugnis ablegend, mit gerader Stuckdecke, von wirkungsvollen Raumverhältnissen. Von ihm aus führt eine holzgeschnitzte Tür in derber Spätrenaissance in den Südflügel, der die Kapelle und die jetzt vom badischen Amtsgericht eingenommenen Räume in sich schließt. Die Stiege zu letzterem betritt man vom Hof aus durch ein hübsches Portal, Spätrenaissance: mit Beschlägornament verzierte Pilaster tragen ebenso ornamentierten Rundbogen, darüber gerades Gebälk. In der westlichen Ecke des Baues führt eine kleine Tür mit Abschrägung Und Eckvolute in die Kapelle, einen einfachen, zweistöckigem rechtwinkligen Raum. Hier zu erwähnen die üblichen Barockaltäre. Zu seiten des Hauptaltars trennen Holzschranken mit gewundenen Säulen und gemalten Heiligenfiguren in den Füllungen zwei Räume ab. Auf dem linken Seitenaltar ein Gnadenbild der Mutter Gottes, nicht hervorragende Holzschnitzerei aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts, mit neuem Kopf versehen, nur das Kind gut erhalten.

Grundriß des Torturms und des Hungerturms im II. und III. Geschoß.
Grundriß des Torturms und des Hungerturms im II. und III. Geschoß.

Auf der Rückwand, dem Altar gegenüber, Chorgestühl des 17.Jahrhunderts, darüber eine Unzahl Gemälde, Votivbilder aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, meist geringer Qualität, mit geschwätzigen Unterschriften. Hervorzuheben sind: "Maria vor dem Kruzifixus, ohne Unterschrift, Arbeit eines Nachahmers des Matthias Grünewald, sowie eine Geburt Mariae in schwerem Spätrenaissancerahmen" (Kunstdenkmäler, Bd. VII). Die Kapelle ist "Unser lieben Frawen der Traurigen" geweiht.

Von der Galerie der Kapelle sowohl als vom Theatersaal aus gelangt man in den sog. Hungerturm, einen kräftigen, runden Turm mit einer geschnitzten Wendeltreppe; die Mauern sind etwa 2 1/2 Meter stark und zeigen schlitzartige Löcherscharten. Der untere Stock enthält eine dumpfe, fast lichtlose "Gesangenschaft"; im zweiten Stock ist ein Raum für ein Blockgefängnis ausgespart; es ist dies ein eisenbeschlagener Holzkasten in dem der Gefangene körperlich und seelisch schwer gelitten haben muß. Der dritte Stock zeigt bedeutend schwächere Wände.

Im Westflügel befindet sich im ersten Stock neben dem Treppenaufgang zum Theatersaal ein großer Raum, jedenfalls die ehemalige Schloßküche, mit auf einem Pfeiler ruhenden Tonnengewölbe mit einschneidenden Kappen und hübschem Renaissancekamin.

Eckturm nach Westen
Eckturm nach Westen

"Dem Amtsgericht gegenüber liegt der Flügel, worin zur Zeit das badische Bezirkssamt untergebracht ist. Im Torweg, der sich nach der Schloßgasse öffnet, ein hübsches Sandsteinportal des 17.Jahrhunderts. Anstoßend der jetzige Schöffengerichtssaal mit schöner, getäfelter Decke aus verschiedenen Hölzern in dem mittleren, vertieften Oblongum ein allegorisches Ölgemälde." Unter dem Schöffensaal befindet sich die Turnhalle, die vom Hof und von der Amtsgasse aus zugänglich ist und ein Kreuzgewölbe zeigt.

Den Abschluß der Westfeite bildet ein Flankenturm, "Schloßrundell" genannt. Im Jahre 1784 erhielt der Wagner Philipp Schmider von der Herrschaft gegen eine "recognition" von 8 kr. jährlich die Erlaubnis, das zu diesem Turm führende Stiegenhaus wegzureißen und den dadurch gewonnenen Platz zur Vergrößerung einer Kammer zu verwenden. Durch diesen Umbau lehnt sich das 1785 erbaute Haus vollständig an das Schloß an und scheint mit diesem verschmolzen zu sein.

Die drei Giebel des Schlosses sind mit kräftigen Sandsteinvoluten und Obelisken verziert.

Die Meister, welche für den Grafen Maximilian Franz dieses Schloß von 1671 - 1681 erbauten, sind teilweise bekannt; es sind dies der Maurermeister Johannes Mathias, der Steinmetz Hans Georg Brachet von Radolfzell und der Schreiner Jakob Glöckler von Waldshut.

Wall und Graben der Süd- und Westseite des Schlosses wurden 1927 unter Bürgermeister A. Hämmerle mit prächtigen, vom Gartenatchitekten Adolf Vivell (einem Sohn der Stadt) ausgeführten Anlagen geschmückt, welche sich an den unter Bürgermeister Bruno Burger angepflanzten Lindenhain anschließen. Wo früher "grobe Stuck" und tiefes, dunkles- Wasser den Eintritt in die Stadt verwehrten, da laden heute stille, lauschige und schattige Plätzchen zum Kommen und Verweilen ein.

Der ehemalige Herrschaftsgarten mit seinem "clainen Weigerlin" (Weiher), seinem "Bumeranzenhus" und seinen "Nägelin" und "Rosmarinstauden" ist ein Wirtshaus und ein Viergarten geworden.

Sage.

Weil das heutige Wolfacher Schloß eigentlich nie von seinem Adelsgeschlechte bewohnt war, fehlt ihm auch der Schloßgeist, und keine weiße Dame schleicht zu mitternächtiger Stunde durch die endlosen, tiefnischigen Gänge. Dagegen spukt es auf dem Graben gegen den Berg; auch soll dort ein großer Schatz verborgen sein.

Hilfsmittel: Disch, Wolfacher Chronik

Medaillon mit Allianzwappen am Schloß (Amtsgericht)
Medaillon mit Allianzwappen am Schloß (Amtsgericht)


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St. Laurentius Wolfach


Baugeschichte (aus wikipedia)
Nicht mehr sichtbare Reste einer Vorgängerkirche stammen aus dem 12. oder 13. Jahrhundert, der erhaltene alte Chor stammt aus der zweiten Hälfte des 14. oder dem Anfang des 15. Jahrhunderts
Nicht mehr sichtbare Reste einer Vorgängerkirche stammen aus dem 12. oder 13. Jahrhundert, der erhaltene alte Chor stammt aus der zweiten Hälfte des 14. oder dem Anfang des 15. Jahrhunderts. 1470 wurde neu gebaut, 1515 der bis dahin mit Holz flach gedeckte Chor eingewölbt. Portale weisen die Jahreszahlen 1473 und 1508 auf. Mit der ganzen "Vorstadt" lag die Kirche außerhalb der Stadtmauer; doch war sie nach alten Abbildungen samt dem Friedhof von einer eigenen Mauer umzogen. 1714 wurden die Fenster im Langhaus auf gleiche Höhe gebracht und barock umgeformt. So blieb die Kirche im Wesentlichen bis ins 20. Jahrhundert.

1774 fertigte ein Haslacher Schreiner für Wolfach einen neuen Hochaltar. Der alte Altar wurde an St. Bartholomäus in Oberwolfach veräußert und steht dort bis heute. Der Wolfacher Altar von 1774 wurde 1880 zerlegt.

Nach Reparaturen im 19. Jahrhundert wurden um die Wende zum 20. Jahrhundert eingreifende Maßnahmen unumgänglich. 1911 legte das Erzbischöfliche Bauamt in Freiburg im Breisgau zwei Pläne für einen Neubau vor, einen neobarocken und einen neugotischen. Der letztere sah eine dreischiffige, gewölbte Hallenkirche mit Seitenkapellen, zwei Türmen im Westen und einem Doppelturm über dem Chor vor, einen "Dom des Kinzigtals". Die Denkmalschutzbehörde, der Erste Weltkrieg und die anschließende Inflation verhinderten jede Realisierung. 1930 begannen Planungen für einen modernen, sich an den gotischen Bestand anlehnenden Bau. Die Idee, die alte Kirche komplett zu erhalten und daneben, durch einen Arkadenbogen mit ihr verbunden, eine neue zu bauen, wurde verworfen. Die Denkmalbehörde bestand darauf, dass die drei der Stadt zugewandten Seiten der Kirche, nämlich West, Süd und Ost, die ursprüngliche Gestalt behalten müssten. Ab 1939 entstand schließlich gemäß dieser Bedingung das heutige Ineinander von Chor mit Nebengebäuden.

Die geostete alte Kirche wurde also 1939 zu einer "genordeten" gedreht. Die in den Grundstein eingeschlossene Urkunde lautet:

"Grundsteinlegung am 25. Juni 1939, im Krönungsjahr Papst Pius XII., im achten Jahre der Inthronisation des Erzbischofs von Freiburg Conrad Gröber, unter der Regierung des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler und des Reichsstatthalters Robert Wagner. <...>

Seit fast 1 1/2 Jahrhunderten besteht die Absicht, die alte, 1470 errichtete Kirche durch einen Neubau zu ersetzen, weil sie durch das Anwachsen des Kirchspiels viel zu klein geworden war. Schon im Jahre 1800 hatte Stadtpfarrer Fränklin, wenn nicht auf einen Neubau, so doch eine Erweiterung des Gotteshauses angetragen. Von 1829 an betrieb Pfarrherr Bauer <...> einen Neubau mit großer Energie. <...> Aber endlose Streitigkeiten zwischen Kirchspiel und Standesherrschaft, die sich gegenseitig die Baupflicht zuschoben und über die zu leistenden Hand- und Fuhrfronen nicht einig werden konnten, vereitelten ihn.

Nach der Zehntablösung ward die Standesherrschaft durch ein Urteil vom Jahre 1852 von jeder Baupflicht befreit, weshalb die Frage des Neubaues wieder gänzlich in den Hintergrund trat. <...> Seit 1908 betrieb der derzeitige Pfarrherr Ferdinand Eisele den Neubau der Kirche mit unermüdlichem Eifer. <...> Doch wurde seine Geduld auf eine schwere Probe gestellt. Auf die sog. Scheinblüte von 1925 – 1929 folgte die Zeit der deutschen Arbeitslosigkeit, in welcher über sechs Millionen Deutsche keine Arbeit fanden. Endlich im Jahr 1933 lenkte der nationalsozialistische Umbruch das deutsche Wirtschaftsleben wieder in geordnete Bahnen. Aber schon stellten sich neue Schwierigkeiten ein. Außer Chor und Turm mußte auch die Südseite des alten Langhauses bestehen bleiben. Doch konnte schließlich eine Einigung erzielt werden. <...>

Die St. Laurentius Pfarrkirche von Josef Stüble und Walter Schmider  arrowRight

Am 2. März 1939, dem Tag der Wahl Papst Pius XII., erfolgte durch Stadtpfarrer Ferdinand Eisele der erste Spatenstich. Dann ging es rüstig ans Werk, dessen Ausführung das Erzbischöfliche Bauamt in Freiburg nach den Plänen des Bauoberinspektors Johann Luger durch den Architekten Peter Graf hier übernahm. <...>

Geschehen in Wolfach am 25. Juni, als man zählte nach der gnadenreichen Geburt unseres Erlösers und Seligmachers JESU CHRISTI Eintausendneunhundert dreißig und neun. - Eisele."

Am 7. September 1941 wurde St. Laurentius durch den Freiburger Weihbischof Wilhelm Burger geweiht.

Kriegsbedingte Einsparungen gefährdeten die neue Kirche. Das hölzerne Tonnengewölbe war nicht stabil. Die Seitenwände waren der Deckenbelastung nicht gewachsen und mussten mit Balken quer durchs Schiff verstrebt werden. 1974 bis 1975 wurde der Bau mit Stahl und Beton saniert und erhielt eine neue Decke. Im alten Chor wurden spätgotische Fresken freigelegt. Die nördlich anschließende Sakristei mit der darüberliegenden, durch eine Wendeltreppe zu erreichenden Loge für die fürstenbergische Familie wurde zu Pfarrbücherei, Beichtstuhl und Sitzungszimmer umgestaltet.

Gebäude

Der alte Westturm inmitten der alten, mit ihren Giebelschrägen an ihn anstoßenden Westwand bildet jetzt die Südwestecke. Mit Hausteinkanten, durch Gesimse in vier Stockwerke gegliedert, trägt er ein Satteldach. Die unteren Stockwerke besitzen schmale schießschartenartige Fenster, das Glockengeschoss öffnet sich auf allen vier Seiten in Spitzbogenfenstern mit Fischblasenmaßwerk.

Nach Osten schließt sich die Südwand des ehemaligen Langhauses an mit fünf großen Rundbogenfenstern und drei Portalen, das westliche spätgotisch, mit einem Spitzbogen und der Jahreszahl 1508, das östliche ebenfalls spätgotisch, mit einem Spitzbogen und der Jahreszahl 1473, das mittlere den beiden anderen angepasst bei der Renovierung 1975 hinzugefügt.

Der alte Ostchor schließt in drei Seiten des Achtecks. Er besitzt ein Netzgewölbe und vier Spitzbogenfenster, deren Maßwerk herausgebrochen ist. Die Rippen des Gewölbes laufen teils in die Wand aus, teils ruhen sie auf skulptierten Konsolen.

An diese Reste von 1470 schließt sich nach Norden das weite, saalartige Schiff von 1939. Es wird von links fünf, rechts vier Spitzbogenfenstern beleuchtet und kann durch rechteckige Türen links und rechts betreten werden. Jedes Fenster wird von einer Spitzbogenarkade überfangen, die sich auf schlanke Säulen stützt, so dass seitenschiffartige Gänge entstehen. Darüber spannt sich eine Satteldecke. Ein bis zum Scheitel reichender spitzer Triumphbogen führt in den dreiseitig geschlossenen, durch jederseits drei hoch sitzende Spitzbogenfenster beleuchteten Chor von 1939. Die Schrägwände vor der glatten Stirnwand sind durch sich kreuzende Rippen gegliedert, die sich oben gleichfalls zum Spitzbogen schließen. Beidseits sind Sakristeien an den Chor angebaut.

Ausstattung

Stammt die Ausstattung des Altarraums aus der Zeit des 1939er Umbaus und der 1974er Renovierung, so besitzt die übrige Kirche zahlreiche ältere Kunstwerke.

Altarraum

Der Altarraum wird beherrscht durch die monumentale – von der Gigantomanie des Nationalsozialismus nicht unbeeinflusste – insgesamt 5 Meter hohe holzgeschnitzte Gruppe eines Gnadenstuhls, begleitet links vom heiligen Laurentius von Rom mit seinem Rost, rechts vom heiligen Jakobus dem Älteren mit Buch, Pilgerstab und Pilgerhut. Die Gruppe wurde 1941 in der Kunstwerkstätte Marmon in Sigmaringen gefertigt. Vorlage war der Gnadenstuhl des Allerheiligenbildes von Albrecht Dürer im Kunsthistorischen Museum Wien. Die vorgesehene Vergoldung und Hinzufügung der zwölf Apostel zwischen den Rippen der Schrägwände unterblieb.

Den steinernen Altar sowie Tabernakel, Ambo und Ewiges Licht in Bronze schuf 1976 Klaus Ringwald.

Alter Chor

Die drei Schlusssteine des Netzgewölbes zeigen von Ost nach West den heiligen Laurentius, das fürstenbergische Wappen und zwei Wappen unter einem "1515" bezeichneten Kelch. Gitter und Fenster an der linken Chorseite gehören zur Loge der fürstenbergischen Familie.

Wandgemälde im alten Chor

Wände und Decke sind mit den Resten einer Ausmalung der Erbauungszeit des Chors (zweite Hälfte des 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts) geschmückt. Als der Chor 1515 eingewölbt wurde, wurde die Malerei beschädigt und vermutlich alsbald übertüncht, 1974 aber freigelegt. In vier Reihen übereinander zeigte sie unten in einer Scheinarchitektur zwölf Apostel und zwölf Propheten des Alten Testaments, jeweils gepaart im Gespräch und mit einem Spruchband. Die Reihe darüber zeigte die Passion Jesu, links beginnend und rechts, wo die Bilder am besten erhalten sind, endend mit der Grablegung und dem Abstieg Christi in die Unterwelt, der "Höllenfahrt" gemäß dem Artikel "descendit ad inferos" – "hinabgestiegen in das Reich des Todes" des Apostolischen Glaubensbekenntnisses. Christus führt als erste Adam und Eva aus dem scharfgezähnten Höllenrachen. Als Zeichen, dass er nie mehr geschlossen werde, ist im Bild ein festes Tor in ihn eingemauert. Die dritte Reihe von unten zeigte Szenen aus der Legende des heiligen Petrus, in rotem Gewand, mit päpstlicher Tiara und seinem Schlüssel (Mt 16, 19). Die oberste Reihe zeigte Szenen aus der Legende des heiligen Laurentius, der stets am Rost zu erkennen ist. Wo die Bemalung zerstört ist, deuten rote Striche die Umrisse der Szenenfelder an.

Hinzu kommen um die Fenster herum weitere Darstellungen und an der Decke eine reiche Verzierung mit Ranken, Früchten und Vögeln.

Über dem Altar mit einer Sandsteinplatte aus gotischer Zeit steht an der Wand eine Figur des Schmerzensmanns, nach Stüble und Schmider eine Kopie nach einem Werk von Johann Schupp aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Sonstiges

Links an der Triumphbogenwand steht eine Skulptur des heiligen Josef von Nazaret, wieder Johann Schupp zugeschrieben.

Rechts an der Triumphbogenwand sind Figuren des ehemaligen Rosenkranzaltars angebracht. Maria als Immaculata auf einer Mondsichel hält ein Zepter in der rechten Hand und trägt das Jesuskind auf dem linken Arm. Unterhalb blicken rechts Katharina von Siena und links Dominikus zu Maria auf. Das Kind lächelt Katharina zu und reicht ihr mit beiden Händen einen Rosenkranz. "Zusammen mit der Blickrichtung Mariens nach der anderen Seite verbindet gerade diese so natürlich dargestellte Bewegung des Kindes die drei Figuren zu einer zusammengehörenden Gruppe." Der Künstler ist unbekannt. Die Fassung ist nach alten Spuren erneuert. Katharina und Dominikus tragen das weiße Gewand der Dominikaner, einen goldgesäumten schwarzen Umhang und ein goldgesäumtes Skapulier.

Gemälde des Altars von 1774

In einer Nische links vorn im Schiff hängt eine Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes. Sie stammt aus der Wolfacher Schlosskapelle und wird um 1450 datiert.

Eine Kreuzigungsgruppe des 17. Jahrhunderts hängt an der rechten Schiffswand auf der Höhe der Fürstenbergloge.

Gegenüber hängt an der linken Schiffswand das Hauptbild des 1774 angefertigten, 1880 zerlegten Hochaltars, der Hl. Laurentius in goldener Dalmatik, ein Werk des Wolfacher Malers Franz Ignaz Hildtbrand (1708 – 1784).

Im kreuzrippengewölbten untersten Geschoss des Turms steht eine Ölberggruppe des 17. Jahrhunderts.

Den hölzernen Kreuzweg schnitzte Peter Valentin aus Offenburg 1941. Die Orgel baute 1978 Egbert Pfaff aus Überlingen.

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Der Klausenbauernhof in Wolfach-Ippichen


Der Klausenbauernhof – eine weltoffene Schwarzwaldidylle - Ein Ort zum Leben, zum Feiern und für KonzerteDer Klausenbauernhof – eine weltoffene Schwarzwaldidylle - Ein Ort zum Leben, zum Feiern und für Konzerte

Jutta Höllstin in "Der Schwarzwald" - Die Zeitschrift des Schwarzwaldvereins. 03 / 2019 - Seite 8

Wäre der Reformator Martin Luther fünf Jahre älter geworden, dann hätte er die Errichtung des Klausenbauernhofes im Wolfacher Ortsteil Ippichen im Jahr 1561 noch erleben können. Trotz seines biblischen Alters lebt der Hof. Und das ist der heutigen Besitzerfamilie Sibylle und Joachim Faitsch zu verdanken. Denn Ende der 80er-Jahre sollte das Gehöft einem Gewerbegebiet weichen.

Joachim Faitsch, 58, Fachmann für Bauforschung und Restaurierung, kaufte dieses seltene historische Baudenkmal und verhalf ihm zu neuem Leben. Seitdem wohnt er mit seiner Frau Sibylle, 55, und den drei Kindern auf dem Hof. Die beiden älteren, sind bereits flügge, Dominik, der jüngste, ein talentierter Singer und Songwriter, lebt nach wie vor zu Hause und packt kräftig mit an.

Zu tun gibt es eine ganze Menge. Hier werden Hochzeiten ausgerichtet, Live-Konzerte gegeben oder Kunstausstellungen eröffnet. Das Gehöft ist als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung im Landesdenkmalamt eingetragen und repräsentiert den Bautyp des sogenannten Kinzigtal-Hauses. Entgegen den anderen Schwarzwaldhaus-Typen ist diese Bauform nicht vertikal, sondern horizontal gegliedert: Der Stall befindet sich im Erdgeschoss, darüber liegen die Wohnräume. Die Tenne ist im Dachgeschoss beheimatet.

Wie durch ein Wunder blieb der Klausenbauernhof im Dreißigjährigen Krieg von den massiven Zerstörungen weitestgehend verschont. So ist bis heute etwa 80 Prozent der originalen Bausubstanz noch erhalten. Genauso wichtig wie das Haupthaus waren damals die Nebengebäude.

Im Speicher lagerte man so unterschiedliche Vorräte wie Korn und Speck-seiten, aber auch Kleidung und Bargeld. Der Speicher war die Schatzkammer des Hofes, sozusagen die Lebensversicherung für die Großfamilie. Dementsprechend mussten etwa im Falle eines Hofbrandes die Vorräte im Speicher so lange ausreichen, bis der Hof wieder neu aufgebaut war. Aus unerklärlichen Gründen war der einstige Speicher des Klausenbauernhofes nicht mehr vorhanden, als Joachim Faitsch den Hof kaufte.

Deshalb hat er den alten, vom Untergang bedrohten Speicher eines Hofes aus dem nahegelegenen Fischerbach abbauen und auf seinem Grundstück wieder errichten lassen.

Ursprünglich war das Haupthaus mit Stroh gedeckt. Im Zuge der Restaurierung wurde dieses kostspielige, aber wichtige Element für den historischen Kinzigtalhof wieder hergestellt und wird seither mit viel Aufwand gepflegt. Das Backhaus ist ein jüngeres Gebäude, es wurde 1837 erbaut. Der Holzbackofen ist vor etwa 100 Jahren erneuert worden.

Das Steinhaus im hinteren Bereich des Anwesens ist ein kleines Juwel. Urkundliche Erwähnungen gehen auf das Jahr 1340 zurück und weisen es als St. Nikolaus-Kapelle aus. Der Sage nach gab es hier sogar einmal eine kleine Burgstelle der Ritter von Gyppichen, so der frühere Name des Ortsteiles Ippichen. Somit kann dieses Gebäude auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken. Der Steinbau wie er heute steht, wurde um das Jahr 1500 errichtet. Es handelt sich hier um klassische Renaissance-Architektur. Auf der Fassade befinden sich aufwändige Malereien. Neben der Nutzung als Kapelle diente das Gebäude in der großen Zeit der Holz-Flößerei auf der Kinzig wahrscheinlich auch als Zollstube.

Unweit des Gehöfts befindet sich die Grenze zwischen dem ehemaligen Fürstentum Fürstenberg und dem Herzogtum Württemberg. Auf beiden Seiten der Kinzig stehen Höfe mit ähnlichen Steinbauwerken. Somit ist zu vermuten, dass beide Landesteile hier ihre Zollhäuschen für die Holzfloß-Besteuerung eingerichtet hatten.

St. Nikolaus war der Schutzpatron der Flößer, was als weiteres Indiz für diese Nutzung spricht. Der Name "Klausenbauernhof" leitet sich im Übrigen von diesem Schutzheiligen ab. Heute ist das Steinhaus mit zwei Doppelzimmern für Gäste ausgestattet, im Gewölbekeller lagert Wein bei konstanter Temperatur. Alles in allem legen die Hofbesitzer großen Wert darauf, die Gebäude nicht zu übernutzen.

So dient der ehemalige große Stall als prächtiger Veranstaltungsraum. Bei Anlässen wie Hochzeiten oder Firmenfeiern finden hier bis zu 130 Gäste Platz. Der Festsaal beeindruckt neben den wuchtigen Eichenbalken an der Decke durch die parallel angeordneten Stützsäulen und die Bruchsteinmauern aus dem 16. Jahrhundert. Die Trauzeremonien werden auf dem Heustock abgehalten.

Als Kulturbetrieb besticht der Klausenbauernhof dadurch, dass er herausragende Musiker aus der Folk- und Weltmusik-Szene anzieht. Da Joachim Faitsch wie bereits sein Vater und Großvater den Beruf des Akkordeonbauers in seiner Heimatstadt Trossingen erlernte, ist er in der Musikszene gut vernetzt. Durch seine Leidenschaft zu Folk-Musik und Tanz rief er eine legendäre Konzertreihe ins Leben. Sogar Musiker aus Osteuropa finden den Weg in das familiäre Ambiente des Klausenbauernhofes. Bleibt zu hoffen, dass dieses einmalige Kulturgut auch weiterhin fortbesteht. Mit Sohn Dominik, der mit Haus- und Hoffest verwurzelt ist, und dessen großer Liebe zur Musik stehen die Chancen zum Glück gut. Die Augen des 22-Jährigen leuchten, sobald er von seiner Kindheit auf dem Hof erzählt, die durch den Kontakt zu Musikern aus aller Welt geprägt war. Weltoffenheit und Schwarzwaldidylle sind kein Widerspruch.

Denkmalstiftung Baden-Württemberg - 3 / 2021 - Wolfach-Ippich, Klausenbauernhof, OG

Hier handelt es sich um eine ausgreifende kinzigtäler Hofanlage von 1550, eine der wenigen erhalten gebliebenen aus ihrer Zeit. als sie 1987 abgerissen werden sollte, schrieb der damals zuständige konservator meckes an das zuständige landratsamt:

"Der klausenbauernhof ... zählt zu den ältesten und wertvollsten 'kinzigtäler Häusern'. Er hat trotz seiner exponierten lage die Wirren des Dreißigjährigen Krieges unbeschadet überstanden. an seiner Erhaltung besteht ein besonderes Interesse."

Dann folgt eine Auflistung der Besonderheiten dieses Hofes. Am Ende war er gerettet. Das Objekt ist seitdem der Öffentlichkeit in großen teilen über Veranstaltungen zugänglich und wird ansonsten als Wohn­ und Arbeitsstätte genutzt, wobei der Arbeitssektor ein "Büro für Bauforschung und Denkmalpflege" birgt.

Nun muss das zum Schutz vor der Witterung tief herabgezogene, schwarzwaldtypische Strohdach erneuert werden. Im Rahmen der Gesamtsanierung von 1989 wurde das Hauptgebäude mit von der Denkmalbehörde gefordertem Roggenstroh gedeckt. Diese Maßnahme hat ihre maximale Lebensdauer erreicht. Um die Tradition der sogenannten Weichdeckung fortzusetzen, ist nun eine Neueindeckung mit Reet vorgesehen. Die Denkmalstiftung stellt 40.000 Euro aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale zur Verfügung.

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Jakobuskapelle Wolfach


Die Geschichte der 1275 erstmals erwähnten Wolfacher Pfarrei St. Laurentius geht ins 11. Jahrhundert zurückDie an einem Berghang südlich der Kinzig gelegene Jakobuskapelle Wolfach gehört zur Pfarrei St. Laurentius in Wolfach im Ortenaukreis, Baden-Württemberg. Sie ist Wallfahrtsziel am 25. Juli, dem Jakobustag. Hauptzierde ist neben der Lage das Ensemble der drei barocken Altäre.

Geschichte

Die Geschichte der 1275 erstmals erwähnten Wolfacher Pfarrei St. Laurentius geht ins 11. Jahrhundert zurück. Hinweise zur Geschichte der Kapelle finden sich in den Bruderschafts-Büchern der Wolfacher Bruderschaft zum heiligen Jakobus um einen guten Tod, die der Konstanzer Bischof Franz Johann von Prasberg 1664 genehmigte. Das erste Bruderschafts-Buch verbrannte 1694. Das älteste erhaltene von 1710 berichtet, im Jahr 1033 habe ein "frommer Bruder namens Conrad von Kalb" den Grafen Heinrich VI. von Fürstenberg um Erlaubnis zur Errichtung eines Jakobus-Kirchleins gebeten.

Die Jahreszahl "1033" kontrastiert aber mit der Lebenszeit Heinrichs VI., der 1490 in St. Laurentius bestattet wurde. Darum wird sie in der Regel auf "1433" korrigiert. 1983 feierten Wolfach und St. Laurentius das 550-jährige Bestehen der Kapelle. Doch gibt es andere Hinweise auf ein höheres Alter, so Mauerreste in römischer Straßenbauweise in der Nähe, wonach hier die römische Kinzigtalstraße auf halber Höhe am Berg vor Hochwasser geschützt verlief. Die Straße könnte im Mittelalter als Teil eines Jakobs-Pilgerwegs benutzt worden sein.

Der Wolfacher Graf Maximilian Franz von Fürstenberg, Erbauer des Schlosses Wolfach, erwähnt in einer Urkunde von 1679, die Kapelle sei "vor Ohngefahr 600 Jahren anfänglichen erbauen worden." Es gab also im 17. Jh. eine feste Überlieferung, die Anfänge der Jakobuskapelle gingen ins 11. Jahrhundert zurück. Schließlich trug die im Ersten Weltkrieg abgelieferte Kapellenglocke die Jahreszahl "ANNO DNI MCCCCXXVII", 1427.

St. Jakobus um 1875, noch ohne Ökonomiegebäude

Die Bruderschaft dehnte sich über den ganzen mittleren Schwarzwald aus. Noch im Jubiläumsjahr 1764 wurden mehr als 200 Personen aufgenommen. Dann aber machte sich "der Zeitgeist der Aufklärung, der Heiligenverehrung, Wallfahrten und viele andere Frömmigkeitsübungen als unsinnigen Aberglauben abtat, <...> bemerkbar." Der Konstanzer Generalvikar Ignaz Heinrich von Wessenberg hob mit anderen Bruderschaften auch die Wolfacher Jakobus-Bruderschaft auf. Andreas Schill, Wolfacher Pfarrverweser von 1875 bis 1880, gelang es, sie mit Bestätigung durch Papst Leo XIII. neu zu beleben. "Seitdem treten jährlich wieder neue Mitglieder der Bruderschaft bei."

Zur Geschichte der St. Jakobus-Kapelle Wolfach nach J. Stüble und W. Schmider  arrowRight

Über die Geschichte und Gestalt der Kapelle haben neben anderen der ehemalige Wolfacher Pfarrer Josef Stüble und der Leiter des katholischen Bildungswerkes Wolfach-Oberwolfach Walter Schmider (* 1927) geforscht.

Baugeschichte

Die 1680 erbaute St.-Jakobs-Kapelle
Im Jahr der Entstehung der Bruderschaft 1664 weihte Franz Johann von Prasberg auch eine 1659 bis 1660 erbaute Jakobuskapelle – erbaut auf den Fundamenten von vermutlich mehreren Vorgängerkapellen, von denen eine 1540 auf Befehl von Wilhelm von Fürstenberg zerstört worden war, der für kurze Zeit, von etwa 1543 bis 1548, in Wolfach die Reformation eingeführt hatte.

Bereits 1680 wurde die Kapelle von 1659/1660 mit Unterstützung Maximilians Franz von Fürstenberg durch eine größere ersetzt, die jetzige. Dabei wurde die bei der Kapelle entspringende Quelle dank einer Spende der Schwestern des nahen Klosters Wittichen als Brunnen links vom Haupteingang neu gefasst. Über dem Haupteingang wurde eine Außenkanzel angebracht. An der Talseite wurde eine kleine, dem heiligen Antonius von Padua geweihte Kapelle mit einem Heiligen Grab hinzugebaut. Die Hütte des die Gebäudes betreuenden Einsiedlers oder Mesners wurde durch einen Massivbau ersetzt. Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts erhielt die Jakobuskapelle ihre barocke Ausstattung.

Unter dem von 1880 bis 1897 an St. Laurentius tätigen Pfarrer Gustav Rieder wurde das Innere neugotisch übermalt und die Antoniuskapelle neugotisch umgebaut. Das Mesnerhaus wurde um ein Ökonomiegebäude mit einer Toilettenanlage erweitert. Bei einer gründlichen Renovierung 1952 bis 1953 wurden neugotische Übermalungen entfernt, so dass die Kapelle "ihren lichten, frohen, barocken Charakter" zurückerhielt. 1982 bis 1983 erfolgte eine Außensanierung. An der Antoniuskapelle wurde die neugotische Bemalung erneuert.

Gebäude

Ein schmuckloser verputzter Bruchsteinbau, liegt die Kapelle inmitten malerischer Natur. Die Außenkanzel über dem rundbogigen Hauptportal trägt die Jahreszahl "1680". Darüber folgen eine tönerne Jakobusstatue, das fürstenbergische Wappen und eine Uhr. Über dem Wallfahrtsbrunnen rahmen Muschelnischen das Wappen des Klosters Wittichen, die segnende Hand Christi vor einem Kreuz. Daneben sind drei Bildstöcke aufgestellt. Den Dachreiter über dem Chor ziert ein Kreuz mit einer Wetterfahne und zuoberst einer kleinen Jakobusstatue. Talseitig ist neben einem Seiteneingang die außen neugotische Antoniuskapelle angefügt. Eine überdachte Sandsteintreppe führt hinunter in das Heilige Grab.

Ausstattung

Das Innere ist ein heller, volkstümlich-prächtiger, elfenbeinweiß ausgemalter Raum, in dem ein gerundeter Triumphbogen das Schiff vom polygonal schließenden Chor trennt. Das Schiff überspannt eine kassettierte flache Holzdecke, den Chor die Andeutung eines Rippengewölbes. Das Chorgewölbe ist mit kleinen grünen Sternchen verziert. Die Kassettendecke schmückte der aus der Nähe von Wolfach stammende Konrad Schmider (1859 - 1898) mit einem Gemälde Maria, auf Wolken stehend, schützt Wolfach, signiert "Schmider 1880", umgeben von den Evangelistensymbolen und Symbolen aus der Lauretanischen Litanei. Den hinteren Teil des Schiffs nimmt eine große, auf zwei Holzsäulen gestützte Empore ein.

Zwei Bilder Schmiders an der Chorbogenwand, neben einer Skulptur Gottvaters, erzählen die Entstehungslegende. Kinder vernahmen beim Hüten ihrer Herde einen lieblichen Gesang, der aus einer Tanne zu kommen schien. In deren Stamm fand man eine Statue des heiligen Jakobus des Älteren. Unter Leitung des frommen Conrad von Kalb wurde dann eine erste Kapelle gebaut. Nachdem die 1540 zerstört worden war, entdeckten Kinder 1655 die Ruine, errichteten insgeheim einen kleinen Altar und veranstalteten Prozessionen. Das Interesse der Erwachsenen wurde geweckt und der Neubau von 1659 / 60 eingeleitet.

altar links haupt altar altar rechts

Hauptkünstler der drei marmorierend gefassten Altäre sind Mitglieder der Schwarzwälder Bildhauersippe Schupp, vor allem Johann Schupp (* 1631 in Villingen, † vermutlich 1699 ebenda) und sein Sohn Anton Joseph (* 1664 in Villingen, † 1729 ebenda).

Der Hauptaltar ist 1705 datiert. Jederseits vier Säulen im Hauptgeschoss und drei Säulen im Auszug schaffen "tiefe, perspektivisch sehr wirkungsvoll durchgeführte Nischen und Raum für eine ganze Reihe von Heiligenfiguren". Im Hauptgeschoss stehen in der Mitte Jakobus in goldenem Gewand mit den Pilgerattributen Mantel, Stab und Hut mit Muschel sowie einem Reliquiar auf der Brust, links der heilige Petrus und rechts der heilige Paulus. Im Auszug stehen in der Mitte der heilige Josef von Nazaret mit dem Jesuskind, links Georg und Wendelin, zu Wendelins Füßen die Königskrone, die er verschmähte, rechts Jodokus und Rochus als Pilger, Rochus auf die Pestbeule an seinem Oberschenkel deutend. Ganz oben steht der heilige Johannes, der Bruder des Jakobus (Mt 4,21 EU). Hinzu kommen überreich Girlanden, Blumen, Früchte, Putten und Engelsköpfchen. Der staatliche Konservator der kirchlichen Kunstdenkmäler der Erzdiözese Freiburg Hermann Ginter urteilte: "Man geht kaum fehl, wenn man den Meister der Wolfacher Altäre im Umkreis der Villinger Meister, Vater und Sohn Schupp, sucht, die etwa gleichzeitig das prunkvolle Bild zu Triberg geschaffen haben. Einiges hier in St. Jakob trägt deren Handschrift, anderes wieder ist das Werk anderer Hände."

In schöner Symmetrie ergänzen die beiden etwas älteren. Seitenaltäre den Hauptaltar, statt dessen vielfacher Säulen mit nur einer Säule beidseits.

Im Hauptgeschoss des linken Seitenaltars wird der Apostel Johannes flankiert von Katharina von Alexandrien mit Schwert und Märtyrerpalme sowie Ursula von Köln mit den Pfeilen ihres Martyriums. Im Auszug wird ein Gemälde Schmiders von 1883, die heilige Apollonia mit Zange und Zahn, flankiert von Statuen der heiligen Barbara von Nikomedien und der heiligen Lucia von Syrakus. Das Jesusmonogramm IHS krönt den Aufbau.

Der rechte Seitenaltar ist der heiligen Anna geweiht, nach apokryphen Schriften Mutter Marias. Schmiders Bild in der Mitte des Hauptgeschosses zeigt Anna, Maria und das Jesuskind als Anna selbdritt, sein Bild im Auszug Maria mit ihrem ebenfalls in apokryphen Schriften genannten Vater Joachim. Zu Seiten des Hauptbildes stehen links der heilige Vitus mit dem Öltopf auf einem Buch, in den, mit heißem Öl gefüllt, er geworfen wurde, rechts die heilige Agnes von Rom mit dem Lamm auf einem Buch. Auf den Schrägen zu Seiten des Oberbildes liegen die Soldatenmärtyrer Romanus von Rom und Theodor Tiro, "kleine, überaus fein in Ton modellierte Statuen". Ganz oben steht der Jesusknabe.

Ginter meint zum Ensemble: "Was in dieser Figurenvielfalt da und dort zu sehen ist, spricht nicht immer von hoher künstlerischer Qualität. Es ist allerhand Unterschied festzustellen. Unbestreitbar ist aber die Größe der künstlerischen Konzeption bezüglich der Gesamtanlage der drei Altäre. Dieses Gesamtbild hat zweifellos einen großen Zug und ist mit sicherem künstlerischen Gefühl geformt."

An der rechten Seitenwand hängt eine Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes, vermutlich aus der Schuppschen Werkstatt. (wikipedia)

Die Jakobslinde an der Wallfahrtskirche St. Jakob bei Wolfach - Kurt Klein, die Ortenau 1983 S. 338 / 339

Wenn auch das Wallfahrtskirchlein St. Jakob etwas oberhalb von Wolfach in der Waldeinsamkeit verborgen liegt, so dürfte es doch mit zu den meistbesuchten Pilgerstätten des Kinzigtales zählen.

Besonders am Jakobstag (25. Juli) und am darauffolgenden Sonntag strömen die Gläubigen aus nah und fern herbei, um zu beten und zu singen. Da die Kirche die vielen Pilger nicht fassen kann, wird die Messe im Freien abgehalten, wobei der Altar neben einer übergroßen Linde, der Jakobslinde, Aufstellung findet. Das Alter dieses Baumes wird auf ca. 450 Jahre geschätzt. Vielleicht stand er schon, als der erste Bau einer Wallfahrtskapelle an dieser Stelle errichtet wurde, denn die erste Kunde von St. Jakob führt in das Jahr 1433.

Doch diese Kapelle wurde in den Wirren der Reformationszeit 1540 zerstört. 1659 konnte dank einer frommen Stiftung erneut eine Kirche eingeweiht werden. Als dann wenige Jahre darauf die "Bruderschaft zum hl. Apostel Jakobus um einen guten Tod" gegründet wurde (1664), nahm der Zulauf erneut zu, so daß das Gotteshaus neben der Linde bald viel zu klein war.

Man entschloß sich deshalb, vor allem als der Landgraf Maximilian Franz von Fürstenberg auch seine finanzielle Hilfe zusagte, eine völlig neue, größere Kirche zu bauen (1680 bis 1685) und diese nach und nach prachtvoll auszuschmücken. Neben dem Gotteshaus entstand dann noch eine St. Antoniuskapelle mit einem sog. "Heiligen Grab". Auch die Eremitage konnte vergrößert und massiver aufgebaut werden. Sie wurde später die Wohnstätte der Mesnersfamilie von St. Jakob.

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Das "neue" Rathaus Wolfach


Das in den Jahren 1893 / 94 auf der alten Hofstätte neu erbaute Rat und Schulhaus ist in massiver Bauweise im Renaissancestil nach den Plänen des Architekten Hermann Lender in Heidelberg erbaut wordenDas neue Rat und Schulhaus - Franz Disch - Chronik Wolfach - Karlsruhe 1920  S. 234 / 235

Das in den Jahren 1893 / 94 auf der alten Hofstätte neu erbaute Rat und Schulhaus ist in massiver Bauweise im Renaissancestil nach den Plänen des Architekten Hermann Lender in Heidelberg erbaut worden. Die Grundsteinlegung fand am 6. August 1893 unter Bürgermeister Friedrich Armbruster, die feierliche Einweihung am 21. Oktober 1894 statt.

"Besonders bemerkenswert an dem Gebäude ist die reiche architektonische Ausbildung des Schaubildes an der Straßenseite des Rathauses. Im Erdgeschoss links ist der Eingang durch Säulen und Pilasterstellung zweckmäßig hervorgehoben. Rechts daneben befinden sich zwei breite, lichtspendende Bogenfenster, hinter welchen die Räume des Bürgermeisteramtes liegen. Über dem Erdgeschoß läuft über die ganze Breite des Rathauses hin ein Balkon mit reich ornamentierten Konsolen und durchbrochener Steinbrüstung. Der im Obergeschoß hinter den Balkonen liegende, geräumige Bürgersaal wird von der Straßenseite her durch drei hohe, mir je einer Balkontüre versehene Doppelfenster, welche durch Spitzverdachungen bekrönt werden, belichtet und nach außen wirkungsvoll zum Ausdruck gebracht."

"Über dem Saalgeschoß erkennt man das Wohngeschoß an den dreifach gekuppelten Fenstern, über denen sich sodann der stolze, siebenstaffelige Treppengiebel, mit Steinornamenten einegfaßt, erhebt. Das Giebeldreieck wird ausgefüllt durch ein großes Uhrenzifferblatt, umgeben von zwei kleinen Fenstergestellen und Malereien.

In der imposanten Höhe von 25 m wird der Giebel von einem Glockentürmchen bekrönt."

"Das Rathaus enthält im Erdgeschoß die Räume für das Bürgermeisteramt, im Obergeschoß einen geräumigen Bürgersaal, dahinter die Stadtkasse und im zweiten Obergeschoß einen Lehrerwohnung. Im Erdgeschoß des Schulhauses befindet sich an der Straßenseite eine Markthalle, an der Hofseite eine Schülerhalls und die Räume der städtischen Sparkasse. Die beiden darüber liegenden Stockwerke enthalten je vier Schulsäle für die Volks- und Bürgerschule. Sämtliche Erdgeschoßräume, sowohl im Rat- als auch im Schulhaus, sind mit auf Gurtbogen und Säulen ruhenden Kreuzgewölben überspannt." (Nach Architekt Wilhelm Clormann)

Die malerische Ausstattung der Rathausfassade vollführte der Karlsruher Maler Karl Brünner:

Große allegorische Figuren, Gottesfurcht, Tapferkeit, Fleiß und Gerechtigkeit; die lieblichen Schwarzwälderinnen Kinzig und Wolf lagern über den Spitzverdachungen der Hauptstockfenster. Großes Uhrenzifferblatt mit gemaltem Tierkreise in Steinumrahmung; darunter kauern, teilweise durch Schwingen schwebens erhalten, weibliche Figuren des Lichts und der Nacht, von Sinnbildern umgeben und überragt von einem Engel mit der Sanduhr. Das Uhrenzifferblatt stützt sich auf ein Delfinenornament wie eine mächtige Weltkugel. Die 3 teiligen Geschoßfenster verbindet zierliches Blumen- und Früchteornament, abgeschlossen beiderseits von Kartuschen mit Sinnbildern des Verkehrs.

Schul- und Rathaus in Wolfach (Baden) - Architekt H. Lender, Rektor der städtischen Gewerbeschule in Heidelberg - Fassadenmalerei oben Schul- und Rathaus in Wolfach (Baden) - Architekt H. Lender, Rektor der städtischen Gewerbeschule in Heidelberg - Fassadenmalerei mitte Schul- und Rathaus in Wolfach (Baden) - Architekt H. Lender, Rektor der städtischen Gewerbeschule in Heidelberg - Fassadenmalerei unten
Die ursprüngliche Freskomalerei von Carl Brünner an der Fassade des Wolfacher Schul- und Rathauses von 1894

1934 bekam Trautwein (Eduard Friedrich Christian Trautwein (* 25. Mai 1893 in Schiltach; † 9. Mai 1978 in Wolfach) war ein deutscher Maler.) den Auftrag, die Fassade des 1893 / 94 erbauten Wolfacher Rathauses im Sinne der Blut-und-Boden-Ideologie der NSDAP neu zu gestalten. Den Entwurf dafür betitelte Trautwein mit "Die neue Zeit". Über der Rathausuhr platzierte er einen knienden SA-Mann mit Hakenkreuzfahne, links und rechts der Uhr einen Bauern und eine Bäuerin, die die Saat und die Ernte darstellten, neben den darunterliegenden Fenstern links einen Holzfäller, rechts einen Schmied, der ein mit einem Hakenkreuz verziertes Zahnrad hält, das Symbol der Deutschen Arbeitsfront.

rathaus nsa
1934 bekam Trautwein den Auftrag, die Fassade des 1893 / 94 erbauten Wolfacher Rathauses im Sinne der Blut-und-Boden-Ideologie der NSDAP neu zu gestalten.

Die originalen Fassadenfresken von 1894 mit allegorischen Figuren von Carl Brünner (1847 – 1918, Porträt- und Historienmaler, seit 1888 Professor an der Kunstgewerbeschule in Kassel), wurden durch die Neugestaltung zerstört. (wikipedia)

Wie sehr "Kulturschaffende", wie Trautwein von der NS-Propaganda bejubelt wurden zeigt ein Pressebericht der Badischen Presse vom 19. / 20. Juli 1941, wie folgt:

Badische Presse 19. / 20. Juli 1941 - Nr. 167 Seite 9

Visite beim Kinzigtal-Maler

Der Aufstieg und das Schaffen von Eduard Trautwein

Einer alten Schiltacher Flößersippe entstammt der 1893 geborene Schwarzwaldmaler, Graphiker und Holzschnitzer Eduard Trautwein, der seit Ende des Weltkrieges, an welchem er als Kriegsfreiwilliger teilnahm, in Wolfach seinen Wohnsitz hat. Längst kannten wir die Schiltach-Mappe des Künstlers, ebenso seine großgeschauten Berglandschaften. Nun führte uns eine Sommerfahrt in seine Schiltacher und Wolfacher Heimat, sowie in sein Haus am Berghang und Waldesrand. Seit Generationen waren die Trautwein auf der Kinzig und dem Rhein mit ihren Flößen bis nach Holland gefahren; es waren kernfeste hochgewachsene Männer mit kühnem Mut und freiem Geist. Mit 14 Jahren kam Eduard Trautwein nach Karlsruhe. Bei dem Kirchenmaler Rieger erlernte er das Handwerkliche. Auf der Kunstschule waren Männer wie Kaspar Ritter und Walter Georgi seine Lehrer. Im Weltkrieg stand der Maler in Flandern.

Heimekehrt begann sein selbstständiges Schaffen. Trautwein wurde zum Gestalter des Kinzigtals und seiner Bergwelt, zum Künder der Schiltacher Romantik. Für die Außenseite des Wolfacher Rathauses schuf er eine Freske, welche das Volk des Kinzigtals in seiner malerischen Tracht darstellt. Urdeutsch das Schaffen diese Alemannen. In seiner Wolfacher Wohnstube schauen wir markante Werke des Künstlers. Immer und immer wieder ist es die Bergwelt um den Farrenkopf und Brandenkopf, die ihn fesselt. Er malt nicht naturalistisch, er erhebt die Bergwelt ins Mythische. Anders aber, wenn es gilt die alten Städte der Heimat darzustellen. Da versteht er das Fachwerk und die hohen Giebel, die alten Türme und die schönen Wirtshausschilder mit liebevoller Treue wiederzugeben. Und doch entsteht wieder ein geschlossenes Kunstwerk. Schiltach kann stolz sein auf das Wappenwerk, das Trautwein geschaffen. Mögen - wenn der Krieg einmal zu Ende ist - ähnliche Wappen für Städte wie Wolfach, Hausach, Haslach, Offenburg, Alpirsbach und Freudenstadt folgen. Die Künstler sind es, die den Menschen hinführen zu den Wundern der Heimat.

Nicht vergessen sei zu erwähnen, daß Trautwein den Entwurf schuf für das Schiltacher Kriegerehrenmal auf dem Schloßberg hoch über dem Städtchen. Es wurde errichtet zu Ehren der 111 gefallenen Söhne der Stadt Schiltach und der 39 Helden der Nachbargemeinde Lehengericht. Ebenso hat der Künstler zahlreiche Hoheitszeichen und künstlerische Wegweiser in Holz geschnitzt.


Nach Kriegsende bekam Trautwein von der französischen Besatzungsmacht den Auftrag, alle Nazisymbole an den Rathausfassaden in Wolfach und Schiltach zu übermalen. Im Entnazifizierungsverfahren wurde er als Mitläufer eingestuft.

Bei der Restaurierung seiner Fassadenmalerei am Wolfacher Rathaus 1962 gab er dem Schmied die Gesichtszüge des damaligen Bürgermeisters Arthur Martin. (wikipedia)


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Die Jockelsmühle in Kirnbach


Die Jockeleshofmühle an der Kirnbacher Talstraße wurde im Jahr 1715 als Kundenmühle mit zwei Mahlwerken und einer Stampfe erbautDie Jockeleshofmühle an der Kirnbacher Talstraße wurde im Jahr 1715 als Kundenmühle mit zwei Mahlwerken und einer Stampfe erbaut.

Sie gehört bis heute zum daneben liegenden Jockeleshof und ist voll funktionsfähig.

Besichtigungen mit Führung und Vorführung des Getreidemahlens sind auf Anmeldung für Gruppen jederzeit möglich. Am Deutschen Mühlentag, jährlich am Pfingstmontag, ist die Mühle für die Allgemeinheit geöffnet.

Die Jockeleshofmühle teilte nach dem 1. bzw. 2. Weltkrieg mit der flächendeckenden Elektrifizierung das Schicksal der damals weiteren 29 betriebsfähigen Mühlen in Kirnbach – sie wurde nicht mehr gebraucht und verfiel.

Im Jahr 1989 begann ein Freundeskreis unter Führung des Schwarzwaldvereins und mit Unterstützung der Stadt Wolfach und des Landesdenkmalamts, die Mühle zu restaurieren. Dadurch ist dieses Kulturdenkmal vor dem endgültigen Verschwinden gerettet und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.

Sie gehört zum im Schwarzwald früher weit verbreiteten Typ der oberschlächtigen Wassermühlen. Das Wasser wird dabei unter Ausnutzung des natürlichen Gefälles mittels einer hölzernen Rinne von oben auf das Wasserrad geleitet. Dadurch wird eine bessere Ausnutzung der Wasserkraft gerade an kleinen Gewässern möglich.

Wandern Sie mit unserem "Mühlengeist" auf dem Kirnbacher-Bollenhut-Talwegle zur Jockeleshofmühle und erleben Sie, wie mit Wasserkraft Getreide zu Mehl gemahlen wird. Die Termine finden Sie in unserem Veranstaltungskalender. Führungen für Gruppen sind auf Anfrage jederzeit möglich.

Kundenmahlmühle ist geöffnet - Baden Online - 10. Juni 2011 - Hans Geiger

Anlässlich des Deutschen Mühlentags am Pfingstmontag besteht für Ausflügler die Gelegenheit, die Kirnbacher Jockelesmühle zu besichtigen. Wolfgang Sitzler führt dort Interessierte durch die ehemalige Kundenmahlmühle.

Wolfach-Kirnbach. Unter den 60 Mühlen im Ortenaukreis, die am Pfingstmontag anlässlich des Deutschen Mühlentags Besuchern offen stehen, ist auch wieder die Kirnbacher Jockelesmühle. Für die Führungen dort zeichnet der Wolfacher Wolfgang Sitzler verantwortlich, der sich um das Kirnbacher Kleinod kümmert.

Sie ist ein Überbleibsel von einstmals 29 betriebsfähigen Mühlen, die nach dem Ersten Weltkrieg im Kirnbachtal nachgewiesen wurden. Schon der Name Kirnbach, so erläutert Sitzler, verweist auf die Bedeutung der Mühlen in der Region. Aus dem mittelhochdeutschen Wort »Kürme«, das Mühle am Bach bedeutet, leite sich das Neuhochdeutsche Kirnbach her. Eine Besonderheit der Jockelesmühle sind die beiden Mahlwerke - unübersehbarer Verweis darauf, dass es sich dabei um eine Kundenmahlmühle handelte.

Üblich, so weiß Sitzler, sei nur ein Mahlwerk gewesen, das für den Bedarf der Hofbauern vollkommen ausgereicht hätte. Ein komplettes bäuerliches Anwesen bestand in früherer Zeit aus vier Gebäuden: dem Hof, dem Speicher, der Back-, Wasch- und Brennküche sowie der Mühle. Die Jockelesmühle, die im Jahr 1715 erbaut und Ende der 80er-Jahre wieder hergerichtet wurde, reiht sich in eine lange Historie ein. Mühlen wurden im Schwarzwald schon etwa ab dem sechsten Jahrhundert errichtet.

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