Welcome to Der Ortenauer   Click to listen highlighted text! Welcome to Der Ortenauer
Drucken

Sehenswertes Oberharmersbach


Oberharmersbach - Im östlichen Ortenaukreis gelegen, umfasst die Gemeinde im Mittleren Schwarzwald den Oberlauf samt Einzugsbereich des Harmersbachs. Dieser trennt den stärker von Granit aufgebauten Nordracher Wald im Osten von dem eher vergneisten Grundgebirge des Kinzig-Wolfacher Walds im Westen. Im äußersten Südwesten, am Brandenkopf, dem Hausberg der Gemeinde, den ein auf dem Grundgebirge liegender Rest der Buntsandsteindecke aufbaut, wird mit 945 m über NN die größte Höhe erreicht. Sie ist auf den nordwestlichen Bergrücken mit 750 bis 825 m etwas niedriger und fällt zum Harmersbach bis auf 270 m ab. Der 30 m hohe Turm beim Wanderheim auf dem Brandenkopf bietet einen besonderen Rundblick. In dem bergigen Gebiet orientieren sich die zahlreichen Einzelhöfe (Schwarzwaldhäuser) vorwiegend an den oft tief eingeschnittenen Bachläufen oder konzentrieren sich im Haupttal. Dort folgt die aus mehreren Kernen zusammengesetzte, heute durchgehende Siedlung dem gesamten oberen Harmersbach.

Seit längerem erfährt dieses Band nur an seinen Rändern eine schwache Ortserweiterung, derzeit am Südrand des ‚Dorfes‘, des zentralen Ortskerns im Süden. Hier stehen die mächtige katholischen Pfarrkirche, das Rathaus und die Grundschule. Der Luftkurort, der ganz auf (sommerlichen) Erholungstourismus ausgerichtet ist, wird neben Hotelgasthöfen von Pensionen und vor allem Ferienhäusern geprägt. Die Versorgungs- und Dienstleistungsinfrastruktur ist gut ausgebaut und einige kleinere Unternehmen haben sich hier niedergelassen. Dennoch ist Oberharmersbach eine ausgesprochene Auspendlergemeinde, in der die Landwirtschaft noch eine beachtliche Rolle spielt. Neben der L94, die das Harmersbachtal durchzieht und im Norden zur B28 bei Bad Rippoldsau führt, wird der Ort mit zwei Bahnhöfen (Dorf und Riersbach Dörfle) durch die Harmersbachtalbahn erschlossen. Diese zweigt in der Gemeinde Biberach von der Kinzigtalbahn ab und endet im Obertal. 1803 kam die Gemeinde zusammen mit dem reichsfreien Harmersbachtal an Baden, gehörte ab 1814 zu den Bezirksämtern Gengenbach bzw. ab 1857 Offenburg, kam 1939 zum Landkreis Wolfach und 1973 zum Ortenaukreis. (Quelle: LEO BW)

zurück

Brandenkopf - Wanderheim und Aussichtsturm


Der Name des Brandenkopfes stammt von einem großen Waldbrand im Jahre 1730. Vor diesem Ereignis wurde der Berg Varnlehenskopf genannt.Der Brandenkopf ist mit 945,9 m ü. NHN einer der höchsten Berge des Mittleren Schwarzwaldes. Der Berg liegt im Ortenaukreis in Baden-Württemberg auf den Gemarkungen der Gemeinden Oberharmersbach, Fischerbach und Hausach, die Spitze selbst gehört zu Oberharmersbach. Der Berg bildet den markanten Mittelpunkt zwischen den Tälern der Kinzig, der Wolf und des Harmersbachs.

Der Name des Brandenkopfes stammt von einem großen Waldbrand im Jahre 1730. Vor diesem Ereignis wurde der Berg Varnlehenskopf genannt.

Der Brandenkopf ist verkehrstechnisch mit Straßen und Wanderwegen (u. a. Hansjakobweg II und Verbindung zum 3,5 km entfernten Westweg) aus verschiedenen Richtungen gut erschlossen.

Brandenkopfturm

Seit 1929 existiert der 32 m hohe Brandenkopfturm, ein steinerner Aussichtsturm, der einen weiten Ausblick auf die Landschaft des Schwarzwaldes bietet, an klaren Tagen sogar bis zu den Alpen, Vogesen und Schwäbischen Alb. Vor der Errichtung des steinernen Turmes hatten bereits hölzerne Vorgänger existiert.

Auf dem Turm ist die Relaisfunkstelle Brandenkopf DB0TN des DARC Haslach/Kinzigtal installiert. Sie ist mit für den Relaisbetrieb im Sprechfunk und Packet Radio (9,6k) im 70cm Band und einem Umsetzer für das Automatic Packet Reporting System im 2-Meter-Band ausgestattet. Es bestehen direkte Hamnet Links zu den Relais an der Hochschule Offenburg (DM0ZOG) und nach Freudenstadt (DB0SKF).

Der Schwarzwaldverein unterhält auf dem Brandenkopf ein Wanderheim mit angeschlossener Gaststätte. Die günstige Lage des Berges mit 5,8 m/s durchschnittlicher Windgeschwindigkeit in 10 m Höhe wird durch eine Windenergieanlage genutzt.

Im Sommer 2002 wurde als zweite Windenergieanlage das Bürgerwindrad Brandenkopf ca. 350 m westlich des Wanderheims in Betrieb genommen. Diese Anlage vom Typ Enercon E-58, die bei einer Nabenhöhe von 70 Metern (100 Metern Gesamthöhe) über eine Nennleistung von 1000 kW verfügt, produziert am Brandenkopf jährlich im Schnitt über 2.000.000 kWh elektrischer Energie und zählt damit innerhalb Deutschlands zu den besten Anlagen in ihrer Leistungsklasse. Im Jahr 2006 wurden über 2300 Volllaststunden erzielt.

Am Brandenkopf liegt die "Herrschaft Waldstein" über welche die Zeitung "Badner Land" 1950 berichtet:

Badner Land - Dienstag 8. August 1950 - Aus der Geschichte der Herrschaft Waldstein

Fast jedem Schwarzwaldwanderer ist der Brandenkopf bekannt. An seinen Hängen dehnt sich düsterer Forst. Dort balzt im Lenze der Urhahn, dort nisten Haselhühner und Tannenhäher, dort leben Rehe, Füchse und auch Schwarzwild. Für den Freund von Wald und Wild, von Baum und Blume und Strauch ein wahres Eldorado.

Gen Süden murmelt ein Bach, der den Namen "Waldstein" führt. Alte Schreibweisen - Wal- und Wallstein - verraten uns mehr. Auch die Flurnamen Walengrund und Walschhalde zeigen auf die rechte Spur: Einstmals lebten die Walen oder Welsche, worunter wahrscheinlich Kelten zu verstehen sind. Vielleicht erinnert an sie auch die Heidenkirche, ein uralter Kultplatz mit steinernem Opfertisch.

Nach dem Bächlein bekam die Gegend im hinteren Teile des Tales den Namen Herrschaft Waldstein. Sie war recht frühe im Besitz der Grafen von Fürstenberg. Diese belehnten damit einen ihrer Dienstmänner, den Edelknecht Albert Ritter vom Waldstein. Er wird 1275 erstmals in einer Urkunde erwähnt. Die Herren von Waldstein bewohnten eine Burg gleichen Namens, in nächster Nähe des "hinteren Hofes".

Bald nach dem Jahr 1500 verkaufte Konrad von Waldstein einen großen Teil seiner Güter im Kinzigtal und ließ sich in Pforzheim nieder. 1508 ward er ausdrücklich mit der Herrschaft Waldstein belehnt. In dem Lehensbrief heißt es: "Dieses Lehen bekommen auch, wenn Knaben nicht da sind, aus Gnaden Töchter." Konrad starb 1531. Sein Sohn und Nachfolger Eglof, baute sich in Bauschlott, einem Dorfe bei Pforzheim ein Schloß und führte Maria Späth von Zwiefalten als Ehefrau heim. Aus der Verbindung gingen ein Sohn und zwei Töchter hervor.

Auch Eglof, der 1570 verschied, folgte sein Sohn gleichen Namens. Er war krank und vollständig degeneriert. Als er 1580 starb, schrieb ein Chronist: "krüppelhaft und blödsinnig, unverheiratet abgestorben". Sofort nach dem Tod des letzten Waldsteiners zog Graf Albrecht von Fürstenberg die Herrschaft als erledigtes Lehen ein. Hiergegen erhoben die zwei Schwestern des Verstorbenen Einspruch. Der Rechtsstreit zog sich bis 1614 hin; die Herrschaft verblieb als Lehen den Klägern. Damit gaben sich die Fürstenberger nicht zufrieden und strengten einen Prozeß an, der 1621 durch einen Vergleich endete: das Lehen fiel an Fürstenberg zurück; die bisherigen Lehensinhaber bekamen aber 2.400 Gulden Entschädigung.

1635 verliehen die Grafen Wratislaus und Friedrich Rudolf von Fürstenberg die Herrschaft Waldstein an ihren Oberamtmann Simon Finckh mit der Bestimmung, daß er solche "einem seiner Kinder, Sohn oder Tochter, nach Belieben gar letztwilliger Verfügung verschaffen könne." 1638 wurde der Oberamtmann als Simon Finckh von Waldstein in den Adelsstand erhoben. Er bestimmte als seinen Nachfolger seinen Enkel Simon Gebele. Er und seine Nachfolger führten den Adelstitel Gebele von Waldstein. Der letzte Lehensträger aus dieser Familie starb 1840. Nach seinem Tode drängten seine Schwiegersöhne auf den Verkauf der Herrschaft, weil sie keiner dem anderen gönnte. 1842 ging sie um 74.700 Gulden (127.737 M) an das Haus Fürstenberg über. Diese begann die Herrschaft neuzeitlich aufzuforsten, Wege anzulegen, Brücken zu bauen. 1929 aber kam wieder eine Wende. Um 713.000 Mark ging die ganze Herrschaft an die Firma Hespa Luzern über. Tag um Tag klangen die Aexte, schwillten die Sägen, fauchten Lastwagen und Zugmaschinen. Aus Tirol kamen Holzhauer, die eine mächtige Riese bauten. Wagen um Wagen rollten durch das Tal und brachten das Zangholz hinweg. Ganze Hänge wurden kahl geschlagen und eine Wiederaufforstung war nicht leicht. Die Rüsselkäfer erschienen in Massen und fraßen die jungen Pflanzen. Doch man ward der Gefahr Herr, und heute sind die Wunden, die man damals dem Walde schlug, vernarbt.

Nun aber tritt wieder ein Besitzwechsel ein. Seit wenigen Tagen ist die Herrschaft Waldstein Eigentum des Landes Südbaden. Einst in der Hand des Volkes, ist der Wald nach vielen Umwegen wieder in die Hand des Volkes zurückgekehrt. So gibt es folgende Darstellung über die Inhaber bzw. Nutznießer der Herrschaft Waldstein:

Von 1275 die Grafen von Fürstenberg;
1275 - 1621 Familie von Waldstein;
1621 - 1635 die Grafen von Fürstenberg;
1635 - 1663 Familie Finckh von Waldstein;
1663 - 1842 Familie Gebele von Waldstein;
1842 - 1929 Die Grafen von Fürstenberg;
1929 - 1950 Firma Hespa in Luzern;
ab 1950 Staat Südbaden

Vielleicht ist es nun mit dem Besitzwechsel für längere Zeit, vielleicht sogar für immer vorbei. Wie dem auch sein - die Bäume werden wachsen und grünen, das Wild wird sich in den Forsten aufhalten, die Wasser rinnen und rauschen. Im Luftmeer wird der Bussard kreisen und aus der Höhe seinen Ruf ertönen lassen. Darüber glitzern und glänzen die Sterne, ziehen Wolken und Wind heute und morgen - wie einst.

zurück

Gallushof und Gallussäge


Seit mehreren hundert Jahren machen sich die Menschen im Harmersbachtal die Wasserkraft zu Nutze. In den Hochzeiten waren hier bis zu 60 Wasserräder aktiv. Eines davon war die Gallussäge im Zuwälder TalDie Gallussäge - historische Hofsäge

Bei der Gallussäge aus dem Jahre 1834 wurden umfangreiche Sanierungen durchgeführt. Die Zulaufrinne wurde komplett erneuert. Das Wasserrad aus Holz wurde ebenfalls erneuert und durch eine Kombination aus Holz und Stahl ersetzt.

Geschichte:

Seit mehreren hundert Jahren machen sich die Menschen im Harmersbachtal die Wasserkraft zu Nutze. In den Hochzeiten waren hier bis zu 60 Wasserräder aktiv. Eines davon war die Gallussäge im Zuwälder Tal. Die Hofsäge wurde im Jahre 1834 erbaut. Mit Hilfe der damals reichlich vorhandenen Wasserkraft war es möglich, direkt vor Ort heimische Produkte, wie beispielsweise Baumstämme, zu verarbeiten. Werkzeuge wie das Sägegatter, Mahlsteine, Hämmer, Schmieden und Dreschräder wurden von mehreren Zahnrädern betrieben.

Im 19. Jahrhundert beschränkte sich die Produktion nicht nur auf den Eigenbedarf des Gallushofes. Erzeugnisse wie Mehl und Schnittholz wurden in Lohnarbeit hergestellt und an umliegende Abnehmer in der Region geliefert. Im Jahre 1930 wurde die Säge erstmals erneuert. Viele Werkzeuge, wie zum Beispiel das Sägegatter, sind bis heute gut erhalten.

Wasserrad und Zuleitung

Durch den vermehrten Ausbau des Stromnetzes wurde die Wasserkraft immer weniger in Anspruch genommen, was nach und nach zum Stillstand und zum Verfall des Wasserrades und der Wasserzuleitung der Säge führte. 1993 schlossen sich die Familie Lehmann, die Gemeinde Oberharmersbach und der Historische Verein zusammen und erneuerten gemeinsam das Wasserrad und die Säge. Mit einem Durchmesser von 4,5 Meter und einer Breite von 1,2 Meter war es den 40 Schaufeln des Holzrades möglich, jeweils 65 Liter Wasser zu fassen. Im Herbst 2014 wurde das marode Holzrad abgebaut und durch ein Eisenrad ersetzt.

Für den Antrieb des Wasserrades wird das Wasser aus dem Zuwälder Bach in der Nähe des Gallushofes sowie ehemals vom Eckenbach bei der Kriegergedächtnisgrotte entnommen. Das Wasser wird über Kanäle in Holzgerinne geleitet, die das Wasser auf das Wasserrad führten. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das lange Holzgerinne durch Tonrohre ersetzt, die eine Druckleitung bilden und das Wasser nach oben drücken. Das Wasser wird in großräumig ausgeführten Wassergerinne weitergeleitet und auf das oberschlächtige Wasserrad transportiert, Von einem oberschlächtigen Rad spricht man, wenn das Wasser von oben auf das Rad fließt.

Im Jahre 2014 wurde das Wasserrad erstmals nicht aus Holz, sondern aus Metall eingebaut. Man erhofft sich damit eine längere Lebensdauer. Das Wasserrad hat einen Durchmesser von ca. 4,5 Metern, eine Breite von ca. 1,4 Metern und eine mechanische Leistung von 12 kw.

Sägegatter und Sägestüble

Um Baumstämme in der Gallussäge zu Brettem und Balken zu verarbeiten, ist ein sogenanntes Sägegatter nötig. Nur mit Hilfe der Wasserkraft wird dieses Gatter betrieben und ermöglicht somit das Sägen von Baumstämmen mit einem Durchmesser von bis zu 60 Zentimetern.

saegegatter

Das Besondere an der Einrichtung der Säge ist das sogenannte Klinkenrad, mit dessen Hilfe die Baumstämme in das Sägegebäude gezogen werden können. Hierfür muss das Klinkenrad mit Hilfe des Sägegatters in Bewegung gesetzt werden. Zwei Schubklauen oberhalb des Klinkenrades sorgen dafür, dass sich das Rad nicht wieder zurückdreht.

Werfen Sie auch einen Blick in das urige Sägestüble, welches früher dem Säger auf dem Hof als Büro diente. Darüber hinaus wurden dort viele Werkzeuge aufbewahrt, die beispielsweise zum Nachschleifen der Sägeblätter benutzt wurden. Der Säger der Gallussäge verbrachte viel Zeit in seinem Sägestüble, welches ihm als Lebensmittelpunkt diente.

Des letzte Säger war Wilhelm Lehmann, der bis zum Jahre 1963 auf der Säge aktiv war.

Der deutsche Wald kann mehr als rauschen (Webseite - wald.lauftext.de - Historische Sägewerke

Mit Wasser- oder Menschenkraft

Sägewerke gehören zu den ältesten Maschinen. Die ersten sollen in unseren Breiten schon im vierten Jahrhundert gearbeitet haben - an der Rur. Wenig ist aus jener Zeit überliefert. Dass es aber im 13. Jahrhundert in Deutschland gut funktionierende Sägewerke gab, verraten die Bretter, die man in Häusern aus jener Zeit noch finden kann. Und vom 16. Jahrhundert an wurden viele neue Sägemaschinen erfunden.

Sägewerk

Villard de Honnecourt, ein französischer Baumeister des 13. Jahrhunderts, hielt in seinem Skizzenbuch um 1245 eine wassergetriebene Sägemühle fest. Er schrieb dazu: "So macht man eine Säge, die selbsttätig sägt." Ein Wasserrad betätigt eine Welle und ein Hebelwerk; so wird das Sägeblatt bewegt. Ein federnder Ast drückt es wieder zurück. Gleichzeitig schiebt ein Zackenrad den Balken gegen das Sägeblatt. Es gibt eine ganze Reihe von technischen Gründen, warum dieses Sägewerk so nicht funktionieren kann, die Reibungsverluste sind zu groß. Das Prinzip indessen ist durchaus akzeptabel.

Eigentlich müssten die Forstleute den Griechen Talos verehren. Der war ein erfindungsreicher Mann, Schmied von Beruf. Eines Tages hatte er die Kinnlade einer Schlange in der Hand; spielerisch ließ er sie über ein Stück Holz gleiten: Die feinen Zähne schnitten eine Rille. Talos begab sich in seine Schmiede, bildete den Schlangenkiefer in Metall nach - und hatte damit die Säge erfunden.

So liest es sich in der Mythologie der alten Griechen; und obgleich man solche Geschichten nicht unbedingt wörtlich nehmen sollte, ist doch eines bemerkenswert: Die Erfindung der Säge schien Grund genug zu tödlicher Eifersucht.

Der gute Einfall kostete Talos nämlich das Leben. Sein Onkel Dädalos, ebenfalls erfindungsreich und recht berühmt (er brilliert in der Sage unter anderem in der Kunst des Fliegens), sah den Neffen schon längst als lästigen Konkurrenten an. Nun gab die Säge den Ausschlag: Dädalos schubste den Burschen, als beide gemeinsam auf der Akropolis von Athen standen, über die Felsen. Talos stürzte zu Tode.

Im Gegensatz zu vielen anderen mythologischen Figuren sind Talos und Dädalos zeitlich einigermaßen dingfest zu machen. Dädalos saß, so wurde erzählt, mit seinem Sohn Ikarus eine Zeitlang gefangen im Palast des Königs Minos auf Kreta. Dort konstruierte er aus Vogelgefieder die ersten Flügel, die ihm und Ikarus schließlich zur Flucht verhalfen.

Nun wird die minoische Kultur in die Zeit vom Jahr 3000 bis 1200 vor Christus datiert; der Palast von Knossos entstand zwischen den Jahren 2000 und 1700 vor Christus. Irgendwann in dieser Zeitspanne also müsste die "griechische Säge" des Talos erfunden worden sein.

Was sagt die Wissenschaft dazu? Sie weiß unter anderem zu berichten, Dass schon die steinzeitlichen Menschen - etliche Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung - eine Art Säge benutzten. Die Methode war schlicht: sie bestreuten das Holzstück, das sie "auseinandersägen" wollten, mit rauhem Sand - und zogen ein Seil darüberhin, stundenlang... Schließlich wurde das Verfahren noch verfeinert: Man band ein Brett an eine Schnur, versetzte es in pendelnde Bewegung und ließ es mit der Unterkante über einen Stein schleifen. So konnte man - wobei wiederum Quarzsand als Schmirgel herhalten musste - bereits Steine durchtrennen, in einem allerdings sehr mühsamen Verfahren. Ähnliche "Reibsägen", freilich elektrisch betrieben, stellt man noch heute für die Steinbearbeitung her; man nennt sie "Trennschleifer". Aber auch sichelförmige Steinwerkzeuge mit Sägezähnen sind aus der Steinzeit bekannt.

Im ägyptischen Kulturkreis kannte man mit Sicherheit ums Jahr 2700 vor Christus, vielleicht gar schon seit dem Jahr 3500, Metallsägen mit Kupfer- und später mit Bronzeblättern - in Knossos wohl seit 1500 vor Christus. Die Datierung in die Zeit des Dädalos ist also gar nicht so falsch. Zimmerleute, Schreiner und Wagenbauer benutzten alsbald auch in Griechenland solche Sägen; und die Chirurgen bedienten sich ihrer ebenfalls - zum Abtrennen von Knochen.

Säge Leonardo da Vinci

Die Römer hatten schon richtige Tischlersägen - mit Holzrahmen, Spannschnur, geschränkten Zähnen und allem, was man heute noch kennt. Sie brachten die Säge auch zu uns. Aber es ging mit ihr wie mit dem Parfüm und der Warmwasserheizung: Als die Römer Germanien verließen, nahmen sie alles wieder mit - nicht mal der Hauch einer Erinnerung blieb. Zumindest haben die Archäologen nirgendwo, bei keiner Ausgrabung aus den ersten Jahrhunderten nach dem Abzug der Römer, eine Säge gefunden.

Erst vom Jahr 750 an taucht das Wort im deutschen Sprachschatz auf, als "Saga" oder "Sega". Seit jener Zeit benutzen Schreiner und Zimmerleute in unseren Breiten die Säge. Nur die Waldarbeiter mochten sie nicht - die arbeiteten bis ins 19. Jahrhundert mit der Axt. Zum Gebrauch der Säge musste man sie förmlich zwingen.

Das ist um so erstaunlicher, als damals längst mechanische Sägen im Wald verwendet worden waren. Bereits im Mittelalter gab es regelrechte Sägewerke: komplizierte Geräte, welche mit Wasser angetrieben wurden. Sie gehören zu den ältesten Maschinen, die man kennt.

Die ersten Sägemühlen, die mit Wasserkraft arbeiteten, sah man sogar schon ums Jahr 400 in unseren Breiten. Sie zertrennten allerdings kein Holz, sondern Steine. Ausonius, ein Dichter aus Bordeaux, der zum römischen Konsul ernannt wurde, beschrieb 369 solch ein Steinsägewerk, das er in der Eifel - genauer: an der Rur - entdeckt hatte.

Von den ersten Holzsägewerken ist wenig bekannt. Ein paar Konstruktionszeichnungen aus dem 13. Jahrhundert - das ist alles. Viele scheinen technisch mehr als fragwürdig. Auch was der seinerzeit berühmte französische Baumeister Villard de Honnecourt im Jahre 1245 in einer Skizze festhielt, ist nicht vertrauenerweckend. Er schrieb zwar dazu: "So macht man eine Säge, die selbsttätig sägt" - aber als erfahrener Techniker hätte er wissen müssen, Dass die Maschine so kaum funktionieren konnte.

Indessen war man zu jener Zeit recht wundergläubig, was die Übertragung und Anwendung von Energie betraf. Selbst die größten Gelehrten glaubten, man könne ein "perpetuum mobile" erfinden - eine Maschine, die fortwährend ohne Antrieb läuft und gleichsam aus dem Nichts Energie produziert. Und was ist, damit verglichen, schon ein Holzsägewerk!

Gleichwohl: es muss im 13. Jahrhundert in Deutschland gut arbeitende Sägemühlen gegeben haben. Denn in manchen Häusern aus jener Zeit hat man glatte Bretter gefunden, die auf andere Weise gar nicht entstanden sein können.

In der Zeit nach 1300 wurden Sägemühlen an verschiedenen Orten in Deutschland betrieben. In Augsburg klapperte 1322 die Hanery-Mühle, ein Sägewerk mit Wasserbetrieb. 100 Jahre später war in Breslau eine Sägemühle in Tätigkeit, die ein technisches Wunderwerk gewesen sein soll. 1490 legte die Stadt Erfurt in einem ihrer Wälder ein großes Sägewerk an. Und um das Jahr 1600 bauten die Niederländer sogar Windmühlen, welche Sägen antrieben.

Meist stellte man die Sägewerke im Wald auf, möglichst nahe beim Fällort, weil der Transport der Stämme schwieriger war als das Fortschaffen der gesägten Bretter. Fast alle arbeiteten mit Wasserkraft. Die lieferte genügend Energie und war zudem billig. Weil es aber nicht überall Wasser gab, ließen sich die Erfinder auch Maschinen einfallen, die mit Menschenkraft betrieben werden sollten. Selbst der geniale Leonardo da Vinci entwarf gegen Ende des 15. Jahrhunderts eine Sägemaschine, die, wie er vorschrieb, mit einer Handkurbel in Bewegung zu setzen sei; gebaut wurde sie allerdings nie.

Gattersäge des Venezianers Veranzio

Die einfache Gattersäge aus dem Maschinenbuch des Venezianers Veranzio hat wahrscheinlich ganz zufriedenstellend funktioniert. Der Sägerahmen mit seinen zwei Blättern ist schlicht und wirksam an zwei federnde Ruten gebunden. Beim Herunterziehen des Rahmens wird gesägt. Ein selbsttätiger Vorschub wurde um das Jahr 1600 nicht vorgesehen. Immer wieder muss der Balken, der durchgesägt werden soll, losgebunden und ein Stück weiter vorgeschoben werden.

Wo Wasserkraft fehlte, nahm man schließlich Ochsen

Bei vielen dieser Konstruktionen fragt man sich heute allerdings, was die Erfinder sich wohl dabei gedacht hatten - vor allem, wenn ein einzelner Mann ein ganzes Sägewerk antreiben sollte. Selbst Herkules hätte es nicht fertiggebracht, auf diese Weise auch nur einen einzigen Sägeauftrag fristgerecht zu erfüllen.

Schon im 16. Jahrhundert gab es dann Sägemaschinen, die von mehreren Arbeitern in Gang gehalten wurden; die funktionierten wirklich, wenn auch die Arbeit hart war. Allerdings war inzwischen auch der Stahl, aus dem die Sägeblätter geschmiedet wurden, weit besser geworden. Gian Battista della Porta, der vielseitige Physiker aus Neapel, schrieb 1589 in seiner "Magia naturalis" von einer gehärteten Stahlsäge, die sogar Eisen schneiden konnte.

Den besten Vorschlag, wie man ein Sägewerk ohne Wasser betreiben könne, machte ein anderer genialer Kopf des 17. Jahrhunderts: Johann Joachim Becher, der eigentlich Mediziner, später aber auch Chemiker, Wirtschaftswissenschaftler und Erfinder war. Auch er vertrat die Ansicht, Dass eine Sägemühle dorthin gehöre, wo man Bäume fällt, "denn man kan mit leichterer Mühe die geschnittenen Blätter verführen als gantze Bäume". Wo es aber an Wasserkraft fehle, da solle man - so schrieb er 1682 - keine Menschen nehmen, sondern lieber Ochsen, "die man auch in den Wald verführen kann zu den Bäumen selbst".

So machte man es dann an vielen Orten: Die Ochsen marschierten paarweise im Kreis und hielten die Sägeblätter in Schwung. Bis zur Erfindung der Dampfmaschine war dies - neben der Ausnutzung der Wasserkraft - die beste Methode, ein Sägewerk anzutreiben.

Die deutsche Sägemühle

einfach gatter saege
Die Kraft des Wassers wird über das Wasserrad auf dem Wellenbaum zum Stirnrad übertragen, welches in das Stockrad des kleineren Wellenbaums (Welle 2) eingreift. Dadurch werden Schwungrad und Kugelscheibe gedreht, welche die Kraft des Wassers auf das Gatter übertragen, worin das Sägeblatt eingespannt ist. Das Gatter selber wird durch die beiden Gatterständer geführt und fixiert.

Der Baumstamm (Sägeklotz) liegt auf dem Klotzwagen und wird fixiert. Transportiert wird er auf Schienen, die Straßbäume heißen.

Damit der Baumstamm zersägt werden kann, muss er immer gegen das Sägeblatt gedrückt werden. Dies geschieht durch den sogenannten Vorschub. Dafür ist das Setzrad angebracht, welches durch das Schubgestänge beim Hochlauf der Säge bewegt wird. Dadurch wird das Setzzahnrad bewegt und greift in die Zahnstange des Klotzwagens. Schließlich wird das Holz gegen das Sägeblatt gedrückt.

zurück

Historischer Speicher / Alte Mühle


Der aus dem Jahre 1761 stammende Speicher stand früher beim "Schwobelenzenhof" im Holdersbachtal. 1985 begann man mit dem Abbruch, um das Gebäude nach drei Jahren an seinem jetzigen Platz wieder zu errichtenDer aus dem Jahre 1761 stammende Speicher stand früher beim "Schwobelenzenhof" im Holdersbachtal. 1985 begann man mit dem Abbruch, um das Gebäude nach drei Jahren an seinem jetzigen Platz wieder zu errichten.

Zusammen mit der Mühle - mit einem Mahlwerk aus dem 19. Jahrhundert - und dem Backhaus vermittelt das Museumsareal auf dem Rathausplatz einen treffenden Einblick in die Lebens- und Arbeitsweise unserer Vorfahren. Die Ausstellungsgegenstände, darunter eine "Granat-Schleife", wurden von der Bevölkerung zur Verfügung gestellt.

Der Historische Verein Oberharmersbach stiftete Tafeln zum "Freilichtmuseum" mit folgenden Inhalten:

Alte Mühle

1989 drehten sich erstmals wieder die Mahlsteine der "Alten Mühle", der letzten Bauernmühle in Oberharmersbachtal.

Die voll funktionsfähige Mühle vermittelt einen Überblick über den Aufbau, die Technik und die Arbeitsweise einer wassergetriebenen Mühle.

Das Mahlwerk wurde um ca. 1895 gebaut.

Viel Ausstellungsgegenstände führen den Besucher an die Aufgaben und Arbeitsschritte des Müllers heran.

Museum - Historischer Speicher

Der aus dem Jahre 1761 stammende Speicher stand als denkmalgeschütztes Gebäude beim "Schwobelenzenhof" im Holdersbach.

1985 wurde er abgerissen und als Heimatmuseum originalgetreu wieder aufgebaut.

So enstand mit der Mühle und dem Backhaus ein Teil eines früheren Hofareals und gibt Einblick in die Lebens- und Arbeitsweise der Altvordern.

Dass und warum der Speicher heute ein Ziegeldach trägt, beschreibt Karl-August Lehmann in Baden Online:

Reet ist zu kosten- und arbeitsaufwendig - Baden Online - 25. September 2019 von Karl-August Lehmann

Historischer Speicher Oberharmersbach erhält ein Ziegeldach

Das Reetdach des Historischen Speichers in der Ortsmitte Oberharmersbach gehört bald der Vergangenheit an. Der Gemeinderat hat sich, nicht zuletzt aus Kostengründen, bereits im vergangenen Jahr für ein Ziegeldach entschieden. Am Montag vergab der Rat die Arbeiten für die Sanierung.

Bei der beschränkten Ausschreibung gingen insgesamt vier Angebote ein. Für die Zimmerei- und Dachdeckerarbeiten gab die Firma Holzbau Schnaitter aus Hofstetten mit rund 46.000 Euro das günstigste Angebot ab. Die Blechnerarbeiten übernimmt die Firma Alfred Brucher/Rolf Rombach für rund 7.000 Euro. Die Ausführung dieser Arbeiten erfolgt in Kupfer.

Die jetzt anstehende Neueindeckung mit Ziegeln war nicht unumstritten. Beim Wiederaufbau des Speichers von 1985 bis 1988 in der Ortsmitte wurde das Dach mit Reet eingedeckt, obwohl das Gebäude aus dem Jahre 1761, das früher beim "Schwobelenzehof" im Holdersbach stand, zuletzt ein Ziegeldach trug.

Aufgrund seines Alters hatte der Speicher anfangs sicher ein Strohdach getragen. Damals war das handgedroschene, meist aus der "Rütte" stammende langhalmige Roggenstroh das ideale Deckmaterial, zumal es als besonders zäh und widerstandsfähig galt.

Das Strohdach war auch noch vor rund 150 Jahren allgemein üblich. Erst feuerpolizeiliche Auflagen in der Mitte des 19. Jahrhunderts hatten Strohdächer bei Neubauten oder Neueindeckungen allmählich verdrängt.

So hatte auch der Speicher im Laufe der Zeit sein Ziegeldach erhalten, da die Strohdächer sehr reparaturanfällig waren. Für das äußere Ansehen des Speichers in der Ortsmitte schien vor über 30 Jahren ein Reetdach den geschichtlichen Charakter zu verstärken.

Moosbewuchs

Doch die Eindeckung mit Schilf ist nicht nur zeit- und arbeitsintensiv, sie versursacht somit auch höhere Kosten und zieht einen höheren Unterhaltungsaufwand nach sich. Der First, die empfindliche Schwachstelle beim Reetdach, muss in regelmäßigen Abständen neu eingebunden werden und jetzt zeigt sich eben nach gerademal drei Jahrzehnten, dass das Reetdach erhebliche Schäden aufweist, ganz zu schweigen von der Unansehnlichkeit durch Moosbewuchs, unter anderem bedingt durch die Ausrichtung des Firstes, da eine Dachhälfte nur wenige Wochen im Sommer von der Sonne angestrahlt wird.

Eine Totalsanierung, die schon hätte vor Jahren erfolgen sollen, war nicht mehr aufzuschieben. "Die neuerliche Eindeckung mit Reet hätte nahezu das Doppelte gekostet, und das bei einem entsprechend höheren Unterhaltungs- und Sanierungsaufwand", verweist Bürgermeister Richard Weith auf die momentan angespannte Haushaltslage der Gemeinde.

Schließlich hat auch das Denkmalamt gegen eine neuerliche Eindeckung mit Ziegeln keine Einwände geltend gemacht, da nunmehr der Speicher wieder sein Aussehen wie zuletzt an seinem früheren Standort erfährt.

Die Sanierung des Daches soll so rasch wie möglich erfolgen, um mögliche zusätzliche Schäden am Gebäude zu vermeiden.

Für die Ausführung der Sanierung kann die Gemeinde mit Fördermitteln von mindestens rund 36 Prozent der Kosten rechnen.

zurück

Pfarrkirche St. Gallus - Oberharmersbach


Schon bevor diese Kirche gebaut wurde, stand am gleichen Platz eine kleine Barockkirche. Die Grundsteinlegung für die jetzige Kirche war im Jahre 1839Schon bevor diese Kirche gebaut wurde, stand am gleichen Platz eine kleine Barockkirche. Die Grundsteinlegung für die jetzige Kirche war im Jahre 1839. Nach sieben Jahren Bauzeit - aus einheimischem Sandstein im neuromanischen Stil erbaut - konnte sie 1846 eingeweiht werden. Um die Jahrhundertwende wurde die Kirche komplett im neugotischen Stil ausgemalt, gleichzeitig erhielt sie farbige Kirchenfenster.

In den Jahren 1968 / 69 wurde die Pfarrkirche erstmals grundlegend renoviert. Dabei wurden die Deckengewölbe im Mittel- und in den Seitenschiffen abgetragen und durch Holzbalkendecken (angepasst an den neuromanischen Stil) ersetzt.

Bei einem zweiten Renovationsabschnitt 1988 / 89 wurde die Kirche in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt und dem Erzbischöflichen Ordinariat wieder im Stil des 19. Jahrhunderts ausgemalt. Ebenso wurden die noch erhaltenen Gemälde in den Apsiden der Seitenschiffe wie auch beim Choraufgang wieder freigelegt.

Im dritten und letzten Renovationsabschnitt 1990 wurde die Apsisausmalung im Chor originalgetreu wiederhergestellt. Die Heiligenfiguren und Reliefs, welche bei der ersten Renovierung monochrom gefasst worden waren, erhielten in den Jahren 1998 / 99 durch Restaurator Fuggis aus Haslach wieder ihre ursprüngliche farbige Fassung.

Die Kirche ist 57 m lang, 24 m breit und 18 m hoch und bietet ca. 2.000 Sitz- und Stehplätze für Gottesdienstbesucher. Die Bänke sind aus Eichenholz, der Fußboden ist Juranaturstein. Altar, Tabernakelstele, Ambo, Sedilien und Taufstein sind aus fränkischem Blaubankstein.

Im Jahr 2017 wurde die Kirche ein weiteres mal renoviert. Neben dem Einbau einer neuen Heizungsanlagen und der Erneurerung der Elektrik wurde der Chorraum umgestaltet. - Quelle: Zell a. H.

Joseph Sauer - Die kirchliche Kunst der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts in Baden

Oberharmersbach(232). Unterm 26. Juni 1822 wurde das Direktorium des Kinzigkreises unter Berufung auf einen Bericht des Bezirksbaumeisters Voß beim Finanzministerium vorstellig wegen nötiger Reparaturen am Pfarrgebäude und am Kirchturm. Schon 6 Jahre später wurden Verhandlungen gepflogen über die Notwendigkeit, die Kirche entweder zu vergrößern oder durch einen genügenden Neubau zu ersetzen.

Baupflichtig war für Turm und Chor das Domänenärar, für Langhaus und Sakristei die Gemeinde. Da die Mittel der letzteren aber durch Schulhausbauten gänzlich erschöpft waren, erklärte sich Kath. Kirchensektion durch Erlaß vom 7. April 1829 damit einverstanden, daß die Kirchenbaufrage um 6 Jahre hinausgeschoben werde. 1835 wurde sie auch rechtzeitig von der Kreisregierung wieder aufgerollt und von der Bauinspektion Offenburg ein Plan vorgelegt, den Kath. Kirchensektion (14. Juni 1836 Nr. 6811) als den Bestimmungen über Kirchenbauten entsprechend erachtete und auch die Gemeinde billigte. Die Kosten hoffte man mit dem Erträgnis eines außerordentlichen Holzhiebes decken zu können; auch wurde die Bereitwilligkeit zu allen Hand- und Fuhrfrondleistungen ausgesprochen.

Nicht so prompt erfolgte die Zustimmung der Hofdomänenkammer. Sie verlangte (27. April 1838) erst noch von der Bezirkgbauinspektion eine Äußerung, ob nicht eine einfache Vergrößerung des Langhauses den Raummangel zu beheben vermöchte, so daß Turm und Chor, also die ihrer Baupflicht unterstehenden Teile stehen bleiben könnten; wenn nicht, welchen Beitrag die Gemeinde zu leisten bereit sei, wenn der Turm an die Kirchenfassade käme und ob aus den Gemeindewaldungen unentgeltlich Holz für den Bau abgegeben würde.

Bezirksbaumeister Rief gab am 15. Mai 1838 über die einzelnen Punkte klaren Aufschluß: Eine Vergrößerung des bisherigen Baues sei ganz zwecklos; er sei für die Bevölkerung von 2200 Seelen um vier Fünftel zu klein und der im Untergeschoß des Turmes liegende Chor viel zu beengt. Der Turm aber, seinem Mauerwerk nach etwa 250 Jahre alt, sei in den zwei untern Dritteln aus Stein, im oberen 1760 ausgeführten Drittel aus Riegelwerk und vor 10 Jahren einer bedeutenden Instandsetzung unterzogen worden. Einen massiven Aufbau würde sein Unterbau wahrscheinlich gar nicht zu tragen imstande sein; eine Erhaltung des Turmes sei daher nicht gut möglich. Der neu geplante Turm komme in die Fassade und enthalte im Erdgeschoß die Vorhalle; seine gegen das Langhaus liegende und die Eingangstüre umschließende Seite sei bereits auf das Konto der Gemeinde verrechnet; noch mehr Kosten aber auf diese abwälzen zu wollen, widerspreche der bisher in ähnlichen Fällen wie in Kürzell und Ortenberg üblichen Gepflogenheit.

An dem neu aufgestellten Plan Riefs hatte Bauinspektor Fischer von der Baudirektion in Karlsruhe auszusetzen, daß die Verblendung der Decke in Form von Gewölben eine ästhetische Unrichtigkeit sei, die der Kirche den Schein des Monumentalen geben solle und besser ersetzt werde durch eine flache Decke, die auch weniger hoch zu stehen komme; daß durch die Erhöhung des Mittelschiffs in den Dachraum der obere Teil desselben etwas finster werde, weshalb noch vier weitere Fenster anzubringen seien; und endlich daß der Chorbogen im Halbkreis, statt in einem Stichbogen geführt werden solle. Die Pläne wurden darnach nochmals abgeändert; die Hofdomänenkammer war jetzt zur Tragung der ihr zustehenden Kosten bereit, falls die Gemeinde zu Fronden und zur unentgeltlichen Holzabgabe bereit sei, was auch ohne weiteres zugesagt wurde. Die Kosten beliefen sich bei der am 5. April 1839 erfolgten Versteigerung auf 62.500 fl., wovon die Domäne 13.800, die Gemeinde 48.700 fl. zu tragen hatte. Die Bauarbeiten wurden dem Werkmeister Dürr von Rastatt
zugesprochen und alsbald in Angriff genommen.

Waren die einleitenden Vorverhandlungen verhältnismäßig rasch und reibungslos verlaufen, so sollte es bei der Bauausführung bald anders kommen. Schon am 5. August 1839 hatte Rief der Hofdomänenkammer zu melden, daß man zur Gewinnung besseren Baugrundes die Fundamente tiefer legen müsse. Der Baugrund war sehr ungleichmäßig und bestand an einigen Stellen nur aus einer dünnen Kiesschale über einem Lehmuntergrund. Rief wurde im Herbst des Jahres nach Bruchsal versetzt und sein Nachfolger in Offenburg, Bezirksbaumeister Lumpp meldete im November, daß, trotzdem der Bau schon über Sockelhöhe stehe, sein Plan untauglich sei, da er viel zu wenig Raum schaffe, und daß der Bauplatz an einem Hang ungeeignet sei, weil das Mauerwerk trotz aller Verstärkung der Fundamente nicht halten könne.

Eine alsbald einberufene Gutachterkommission, an der sich neben dem Planschöpfer Rief auch Lumpp beteiligen sollte, stellte fest, daß die erhobenen Bedenken des neuen Bezirksbaumeisters, der gar nicht zur Lokalbesichtigung erschienen war, gegenstandslos seien. Die Hofdomänenkammer rechnete daher in einem Vortrag ans Finanzministerium vom 28. Februar 1840 mit dem Sünder gründlich ab: "Aus dem Bericht des Bauinspektors Fischer sei zu entnehmen, wie ungegründet sich die von dem Bezirksbaumeister Lumpp vorgetragenen Bedenklichkeiten bei der vorgegangenen Untersuchung, der er sich dienstwidrig entzogen hat, erfunden haben und wie unnötig die Behörden behelliget, die Gemeinde beunruhiget, auch nicht unbedeutende Kosten verursacht worden sind. Im Interesse dieses Baues wird es allerdings nötig sein, den Bezirksbaumeister Rief mit der ferneren Leitung von Bruchsal aus zu beauftragen. Wir würden hierbei auch veranlaßt sein, auf Bestrafung des Bezirkgbaumeisters Lumpp wegen seines dienstwidrigen Benehmens den Antrag zu stellen, wenn wir nicht den Glauben hätten, daß derselbe an einer Gemütgkrankheit leidet, welche durch seine Versetzung nach Offenburg nur noch aufgeregter geworden ist ... Unter diesen Umständen möchten wir aber unsern Antrag vom 17. Mai v. J. auf baldmöglichste Pensionierung des Bezirksbaumeisters Lumpp wiederholen".

Diesem Antrag wurde durch Erlaß des Finanzministeriums vom 17. März 1840 entsprochen, wonach der inkriminierte Bezirksbaumeister einen längeren Urlaub erhält, die Amtggeschäfte der Bauinspektion dem Baupraktikanten Steinwarz übertragen werden, die bisherige Baustelle in Oberharmersbach beizubehalten ist und nur die Fundamente auf Antrag Fischers verstärkt werden sollen. Wie richtig aber Lumpp trotz seines "Gemütsleidens" gesehen, sollte der weitere Verlauf der Bauausführung nur zu bald offenbaren.

Verschlimmernd für die ohnehin ganz schwierigen Bodenverhältnisse erwies sich die andauernde Verschiebung der technischen Beamten, so daß am Ende in allen Teilen des Landes die verantwortlichen Persönlichkeiten gesucht werden mußten. Schon unterm 6. Juli 1840 mußte Steinwarz, nachdem die Langhausmauern bereits über Fensterhöhe hochgeführt waren, berichten, daß die Turmfundamente nochmals verstärkt, viel breiter angelegt und außerdem durch Strebemauern gesichert werden müßten, ein Antrag, der durch Bauinspektor Fischer gebilligt wurde.

Im Sommer 1841 wurde Steinwarz nach Donaueschingen als Verweser der Bauinspektion geschickt und der neue Bezirksbauinspektor Weber in Offenburg mußte am 26. September gleichen Jahres ans Finanzamt melden: "Bei der gestern stattgehabten Untersuchung fand man, daß an 16 Gewölbsteine über der Öffnung des Haupteinganges zerbröckelt sind, daß ferner an dieser Stelle der Bogen und die auf ihm ruhende Last die Widerlager schon um 01"« (wie sich nachher herausstellte, um 07") auf die Seite geschoben haben, daß ferner der Turm an der vorderen Seite übersteht und hier eine Senkung der Fundamente stattfand".

Weber lehnte es ab, die Verantwortung für die Weiterführung des Baues zu übernehmen Steinwarz bestritt zwar alsbald, 2. Oktober, und anscheinend mit Recht, daß die Fundamente sich gesenkt hätten; schuld an den bedenklichen Schäden sei die ganz unstatische Konstruktion des unteren Turmteiles, wie dem Bauinspektor Rief schon gleich anfangs von Bauinspektor Fischer entgegengehalten worden sei; auch sei schlechtes Bausteinmaterial für die Ausmauerung des Portalbogens benutzt worden. Rief, dem jetzt die Schuld aufgebürdet werden sollte, als habe er sich mit minderwertigem Steinmaterial begnügt und die Bogenöffnung schlecht konstruiert, rechtfertigte sich am 6. Januar 1842 mit dem Hinweis, daß er seit 1840 der Ausführung des Baues fernstehe und für die Einzelheiten keine Verantwortung tragen könne. Tatsache war, daß der äußere Eingangsbogen in die Vorhalle unter dem Turm viel zu weit ausgeführt wurde, so daß die seitlichen Schenkel zu sehr geschwächt waren, die darauf ruhende Last des Turmes infolgedessen die Keilsteine des Bogens zerdrückte und darüber die seitlichen Ecken der Turmvorderseite sich ausbauchten. Diese Konstruktion des Bogens soll in Abweichung von dem Riefschen Plan erfolgt sein, auf wessen Veranlassung, konnte aber nicht festgestellt werden.

Steinwarz glaubte den vertikalen Schuh auffangen zu können durch Verstärkung der Seitenecken und erklärte sich bereit, auch von Donaueschingen aus die Weiterführung des Baues zu übernehmen. Auf eine alsbald im Oktober 1841 erfolgte Kommissionsbesichtigung schlug Fischer gleichfalls zunächst vor, die Eckstrebepfeiler höher hinauf zu führen, später aber als beste Lösung, den ganzen Turm abzutragen und neu aufzuführen Baudirektor Hübsch, dessen Gutachten ebenfalls eingeholt wurde, wiederriet (24. März 1842) die Anbringung von Eckstreben als eine ganz untaugliche Maßnahme; er glaubte, der Gefahr des Turmeinsturzes könne nur begegnet werden, wenn die Portalöffnung durch Einsatz eines neuen Bogens verengt und die ausgebauchten Turmkanten über dem Portalbogen durch Schlaudern zusammengehalten würden. Im Laufe des Sommers 1842 wurde die Bogenöffnung sorgsam auggefüttert; Schlaudern wurden aber nur ganz oben am Turme angebracht; es zeigte sich dann im darauffolgenden Sommer, daß die Ausbauchungen der Turmkanten immer noch weiter arbeiteten. Steinwarz wurde zur Rechenschaft gezogen und rechtfertigte sich, daß er die Einziehung einer Schlauder unmittelbar üder dem Bogen für zwecklos gehalten und daher unterlassen habe.

Hübsch beZeichnete das (8. Juni 1843) als großen Fehler und die Hofdomänenkammer schloß daran die gebührende Maßregelung des verantwortlichen Bauleiters (5. Dezember 1843): "Da es sich nach dem Gutachten der Großh. Baudirektion herausgestellt hat, daß ihm das Verunglücken des Turmbaues wegen Nichtanwendung der nötigen Sicherungsmittel zur Last fällt, wodurch dem Domänenärar ein bedeutender Kostenaufwand erwachsen ist, so findet man sich veranlaßt, denselben anmit in eine Geldstrafe von 15 fl. zu verfällen, mit dem Anfügen, daß man für die Zukunft bei Vermeidung schärferen Eingreifens größere Sorgfalt, Genauigkeit und Vorsicht für die übertragenen Geschäfte erwarte." Ein nochmaliger Rechtfertigungsversuch des Bestraften mit eingehenden technischen Ausführungen wurde weder von der Baudirektion noch von der Domänenkammer anerkannt.

Erst dem warmen Eintreten des Bauinspektors Fischer, der die große Umsicht und Sorgfalt des leitenden Architekten bei größten Schwierigkeiten, infolge der weiten Entfernung und Arbeitsüberhäufung feststellte, allerdings die Unterlassung der angeordneten Sicherungsmaßnahme auch als Fehler bezeichnete, hatte Steinwarz es zu verdanken, daß die Strafe ihm erlassen wurde (17. August 1844). Im übrigen äußerte Fischer (23. Dezember 1843): "Mit Freude fand ich in Oberharmersbach, daß sich das Mauerwerk am Turm, Portal, Bogen etc. mit Ausnahme einiger zerdrückten Steine an den Ecken und ebenso auch die Fundamente halten. Die Kirche nimmt sich jetzt recht gut aus und ziert die ganze Gegend. Wünschenswert wäre es, daß nunmehr auch Herr Maler Dürr und Herr Vergolder Nehner in Villingen das Ihrige zur gänzlichen Vollendung beitragen." Schon im März 1842 hatte Steinwarz die Risse für Altare und Orgel vorgelegt. Die Hofdomänenkammer hielt sich aber (18. März) bloß für "verpflichtet, einen einfachen Hochaltar ohne alle Verzierungen, also keinen solchen, wie der vorgelegte Plan bezeichnet", zu stellen und überließ es der Gemeinde, über 300 fl. hinaus, die dafür bewilligt wurden. die Mehrkosten zu tragen. Darnach wurde mit Nehner (19. Oktober 1842) ein Akkord für den Hochaltar um 1.200 fl. abgeschlossen.

Erst am 23. April 1847, nachdem alle mehrmals monierten Nacharbeiten ausgeführt waren, konnte der Bau von Fischer abgenommen werden. Er begutachtete ihn, "abgesehen von den Angelegenheiten welche bei der Fundamendierung und der Konstruktion des Portals vorkamen, als gelungen". Abweichend vom Plane wurden im Innern statt viereckiger Pfeiler Säulen angebracht. Langhaus und Chor erhielten Schalgewölbe. über den Schiffsäulen wurde keine massive Steinmauer, sondern eine aus Riegelwerk mit Backsteinverblendung aufgesetzt, Planänderungen, die zum Teil mit den verschiedenen stilistischen Anschauungen des Bauleiters zusammenhingen. Der dreischiffige Bau mit langgestrecktem Chor und seitlich anliegenden Sakristeien, einem verhältnismäßig schlanken Turm mit hohem Spitzhelm vor der Fassade ist ganz in der romanischen Formensprache von Hübsch angelegt; er hat doppelt gekuppelte Rundbogenfenster unten und oben am Turm und Zahnschnittfriese an den Schrägen und am Dachgesims.

Es war klar, daß der ursprüngliche Kostenüberschlag bei der langen Dauer der Arbeiten und den vielen und schwierigen Nachtragsmaßnahmen nicht eingehalten werden konnte. Nachforderungen liefen Jahre lang von allen Bauhandwerkern bei den Amtsstellen ein, von dem Akkordanten Dürr allein eine solche von 20.000 fl., an der die Gemeinde wenigstens 15.000 fl. übernahm. Den Anteil der Domäne in Höhe von 4.275 fl. konnte Dürr aber trotz aller langen Bittgesuche, die an die Domänenkammer und selbst an den Großherzog gingen, nicht erhalten.

Verhängnisvoll für ihn war die Zehntablösung. Ein Gesuch an die Ständekammer schien endlich zum Ziele zu führen, da brach die Revolution aus. In ihr wurde er von den Freischärlern gezwungen, für sie in Rastatt Arbeiten auszuführen und nach Niederkämpfung des Aufstandes wurde er dafür 12 Monate ins Gefängnis gesteckt. Darüber wurde er irrsinnig und mußte 3 1/2 Jahre in der Illenan zubringen. 1853 als geheilt entlassen, suchte er ein letztes Mal in einem Immediatgesuch an den Großherzog um Begleichung seiner Restforderung nach, damit er Reisegeld hätte, um mit seiner Familie nach Amerika auszuwandern. Aber auch jetzt fand er kein Gehör. So endete die Tragödie des Kirchenbaus noch mit einer persönlichen seines Unternehmers.

332.) G. L. A. Hofdomänenkammer. Domänen-Verwaltung Offenburg. Oberharmersbach: Kirchenbau. Fass. 2281, 2297 (Zugang 1913 Nr. 13) - Domänen-Verwaltung Offenburg Specialia. Oberharmersbach: Kirchenbau. Fasz. 900 (Zugang 1913 Nr. 4). - Bez.-Bauinspektion Offenburg. Staatsbausachen. Oberharmersbach: Kirche. Fasz. 37 (Zugang 1908 Nr. 8).


zurück
Click to listen highlighted text!