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Sehenswertes Mühlenbach


Mühlenbach - 1234 flumen Milenbach, 1288 Milinbach. Siedlung des hochmittelalterlichen Landesausbaus. Wohl aus Zähringer Erbe kam die Herrschaft an die Fürstenberger, war aber vermutlich seit Friedrich II. Reichslehen. 1288 verzichtete Egino von Fürstenberg gegenüber dem König, damit dieser Hermann von Geroldseck damit belehnen konnte. Im 14. Jahrhundert die Fürstenberger wieder im Besitz der Herrschaftsrechte. Mühlenbach gehörte zur Herrschaft Hausach, war aber mehrmals an Niederadel verpfändet. Zuletzt Obervogteiamt Haslach. 1806 badisch, Amt Haslach, 1857 Bezirksamt/Landkreis Wolfach, 1973 Ortenaukreis.

Die Gemarkung liegt im Gneisgebiet des Mittleren Schwarzwalds, das hier stark mit Granit- und Syenitgängen und -stocken durchsetzt ist. Sie umfaßt das durch ein verzweigtes Talnetz gegliederte Einzugsgebiet des bei Haslach von Süden in die Kinzig fließenden Mühlenbacher Talbachs. Die Kuppen und Hänge sind bewaldet, nur im Bereich der Einzelhöfe gerodet. Die Streusiedlung erstreckt sich mit Einzelhöfen und kleinen Weilern über die verzweigten Täler und nimmt auch flache Hangstellen ein. Wo Bärenbach und Büchernerbach in das Mühlbachtal münden, liegt das Haufendorf im Tal und an den unteren Hängen.

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St. Afra - Mühlenbach


Der urkundlich älteste Hinweis auf ein Gotteshaus stammt aus dem Jahre 1440. Ursprünglich eine Filiale von St. Arbogast in Haslach wird Mühlenbach 1586 schließlich eine eigene Pfarrei. Kurzbeschreibung der Bau- / Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Der urkundlich älteste Hinweis auf ein Gotteshaus stammt aus dem Jahre 1440. Ursprünglich eine Filiale von St. Arbogast in Haslach wird Mühlenbach 1586 schließlich eine eigene Pfarrei. 1512 wurde der bezeichnete Turm und auch vermutlich das gesamte Kirchengebäude erbaut. Während des 30-jährigen Krieges wurde das Kirchengebäude mit Ausnahme des Kirchturmes völlig zerstört. Der Neubau des Kirchenschiffes erfolgt erst 1740 nach den Plänen der Voralberger Baumeister Johann Jakob Häring und Johann Elmenreich. 1741 wird der Grundstein gelegt. 1743 wird der Hochaltar von Anton Martin aus Schuttern erbaut. 1890 wurde St. Afra restauriert und erhielt eine neue Empore, neue Bänke, Deckengemälde und drei Hochaltargemälde. Der Architekt Gregor Schröder liefert 1961 die Pläne für den Erweiterungsbau, welcher in den folgenden Jahren verwirklicht wird.

1. Bauphase: 1512 wurde die alte Kirche erbaut.

(1512) Von der älteren Kirche ist nur der Turm erhalten geblieben. Die höhe des alten Langhauses war niedriger, dies ist aus der um den Turm herumgeführten Wasserschräge ersichtlich. Das vorletzte Langhaus war ein Neubau des 18. Jh. Es war ganz schlicht gehalten und wurde im 19. Jh. verschiedentlich renoviert.

2. Bauphase: Erbauung eines neuen Kirchenraumes nach den Plänen der (1740) Voralberger Baumeister Johann Jakob Häring und Johann Elmenreich.

3. Bauphase: Restaurierung des Kirchengebäudes. Eine neue Empore, neue Bänke (1890) und Gemälde am Hochaltar und den Decken stammen aus dieser Zeit.

4. Bauphase: Durch den Krieg wurde die Kirche stark beschädigt (a). Es folgte eine (1945) umfassende Renovierung.

5. Bauphase: Das letzte Langhaus wurde im Jahre 1962/63 erbaut (a) nach den (1961 - 1963) Plänen des Architekten Gregor Schröder (1961). Das Dach wird von einer Betonkonstruktion getragen, die Zwischenwände sind gemauert.

Baukörper / Objektform

Im Süden schlichtes, barockes Langhaus mit eingezogenem, dreiseitigem (ehem.) Chorabschluss und gotischem Fassadenturm; unter Opferung der barocken Nordwand öffnet sich nach Norden der moderne Erweiterungsbau mit Satteldach, Querhaus und rechteckigem Chorabschluss.

Der gotische Fassadenturm mit bekrönendem Satteldach hat vier Stockwerke, die durch Stockwerkgesimse voneinander getrennt sind. Er besteht aus teils verputztem Quadermauerwerk, welches als Eckquaderung und Fensterranmung die Turmfassade gliedert. Drei spitzbogige und kannelierte Portalöffnungen im Erdgeschoss ermöglichen den Zugang ins barocke Langhaus. Das obere Turmgeschoss trägt spitzbogige Maßwerkfenster.

Innerer Aufbau / Grundriss

Das ehem. barocke Langhaus mit Kreuzrippengewölbe im Süden dient als Vorhalle zum genordeten, modernen Langhaus, das im rechten Winkel zum bestehenden Langhaus errichtet wurde. Der barocke, dreiseitige Chorabschluss beherbergt heute die Marienkapelle. Das moderne Langhaus ist durch die beidseitige Folge von sechs Stützen in ein breites Mittelschiff mit je einem schmalen Seitenschiff gegliedert und wird von einem offenen Satteldach überspannt. Das Langhaus weitet sich zum Querhaus und endet im rechteckigen Chor. In der Südwand wurde das neue Hauptportal integriert.

Bestand / Ausstattung:

Der Hochaltar von Anton Martin aus dem Jahr 1743 befindet sich im Chor des modernen Erweiterungsbaus.

Konstruktionsdetail:

- Skelettbau
- Eisen- und Stahlbetonskelett
- Satteldach
- Steinbau Mauerwerk

Konstruktion / Material:

Gotischer Fassadenturm aus rotem Quadermauerwerk mit Satteldach. Barockes Langhaus aus verputztem Mauerwerk mit Satteldach und Kreuzrippengewölbe im Inneren. Moderner Erweiterungsbau in Stahlbetonbauweise mit Satteldach. (Quelle: Landesamt für Denkmalpflege BW)


Max Wingeroth konnte noch nicht klären, woher die Pieta in St. Afra stammte - dass sie nicht vollständig erhalten war (1908) - geht aus seinem Bericht hervor. Weiter unten beschreibt Heinrich König, woher die Pieta stammte und wie diese restauriert wurde.

Zunächst - Max Wingenroth über St. Afra (Die Kunstdenkmäler des Großherzogtums Baden, Tübingen 1908 - S. 642 ff.):

Kath. Pfarrkirche (ad S. Afram): zu Mylembách under der Kirchen 1440; Millenbach, huius ecclesiae patronus s. Afra, collator et decimator d. comes a Fúrstenberg... animas regendas habet ca. 500 1666. Bis zum Jahre 1650 war Mühlenbach Filiale von Haslach, dann wurde hier eine eigene Pfarrei errichtet.

Von der älteren Kirche ist nur der Turm erhalten: Auf quadratischem Grundriß steigt er über dem Erdgeschoß noch in drei Stockwerken auf und ist mit einem Satteldach abgeschlossen, also die übliche Form, die wir von Haslach, Hausach, Zell her kennen. Eine gotische Wasserschräge trennt die einzelnen Stockwerke voneinander, an den Ecken des Erdgeschosses durchkreuzt sie sich. Das Erdgeschoß öffnet sich nach Süden und Westen in tief herabgeführten Spitzbögen mit hohlgekehltem Gewände. In dieser so entstehenden Halle mit den üblichen, trocken profilierten Rippen der Spätzeit und im Schlußstein eingehauene grobe Gesichtslinien. Im Geschoß darüber schmale Lichtluken und eine Steintafel, auf der die Inschrift mit der Zahl 1512, womit wohl die Erbauungszeit des Turmes gegeben ist.

Eine Wiederholung der Jahreszahl im Süden. Das Geschoß darüber hat ebenfalls nur Lichtluken, das folgende große, einpfostige, spitzbogige Fenster mit Fischblasenmaßwerk, das westliche mit zwei Pfosten. Der Turm besteht aus Bruchsteinmauerwerk mit Sandsteinquadern an den Ecken und Sandsteingewänden. An Steinmetzzeichen finden sich

steinmetzzeichen
Das Langhaus - ist ein Neubau des 18. Jhs., ganz schlicht, der im 19. Jh. verschiedentlich renoviert wurde. Daß das alte Langhaus niederer war, ist durch das Herumführen der Wasserschräge des Turmes auch da, wo sie heute durch das Dach verdeckt wird, ersichtlich.

Von der inneren Ausstattung ist der Hochaltar zu erwähnen, ein wirkungsvoller Barockaufbau mit Säulen, Giebeln, Heiligenfiguren und reichem Rankenwerk. Er nimmt die ganze Rückwand ein und schließt die Türen in den dahinterliegenden Raum in sich ein. Das Tabernakel ist mit Voluten und Rankenwerk reich gegliedert und von Putten flankiert. — Der Altar stammt etwa aus der Zeit um 1760, das Gemälde aus dem 19. Jh. - Im gleichen, immer wirkungsvollen Stil die beiden Seitenaltäre.

Im Langhaus aufgestellt Pietä, die Madonna, ein bekleidetes Holzgestell, die Figur Christi, eine gute, weiche und fleischige Arbeit des 18. Jhs.

Taufstein in der Form einer Muschelschale vom Anfange des 18. Jhs.

Die Glocken waren bei meinem Besuch nicht zugänglich.

An Kirchengeräten zu nennen: Sonnenmonstranz, kupfervergoldet, mit aufgelegten, getriebenen silbernen Ornamenten und Figuren, zweite Hälfte des 18. Jhs.; Wettersegen, kupfervergoldet und getrieben, mit Rocailleornament; Kelch, silbervergoldet und getrieben.

König, Heinrich: Die einstige Brudertaler Pietà in Mühlenbach (Geroldsecker Land, Heft 17 - 1975) Seite 218 - 219

Im Chor der ehemaligen alten Kirche St. Afra in Mühlenbach, der heute ein Seitenchor der neuen Kirche ist, befindet sich auf einer Konsole über dem Altar eine sehr ansprechende Pietà. Sie dürfte aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammen. Wer sie geschaffen hat, ist nicht bekannt. Sie zeigt lebensgroße Figuren. Ihr ursprünglicher Standort war die Wallfahrtskapelle im Brudertal, die heute zur Pfarrei Kuhbach gehört, ehemals im Besitz des Klosters Schuttern.

Die Wallfahrt wurde von den Söhnen des hl. Benedikt betreut. Das Kloster Schuttern wurde im Jahre 1805 aufgehoben. Die Wallfahrt wurde verboten. Sie teilte damit das Schicksal vieler anderer Wallfahrtsstätten in der Aufklärungszeit. "Das Wallfahrtsbild brachte man nach Kuhbach, wo es im Speicher eines Wohnhauses aufbewahrt wurde" schreibt Pfarrer L. Heizmann im Wallfahrts- und Gebetbuch für die Verehrung der schmerzhaften Mutter Gottes im Brudertal bei Kuhbach, Verlag Pfarramt Kuhbach 1913 S. 22. Und weiter: "Zwei Bauern aus Mühlenbach, Keller und Buchholz mit Namen, die in die Gegend kamen, um, nichts wissend von der Aufhebung der Wallfahrt, ein Versprechen auszuführen, kauften das Gnadenbild an, brachten es in die Heimatkirche."

Der damalige Pfarrer von Mühlenbach, Severin Beck, war ein großer Marienverehrer. Er hat die Aufstellung der Pietà, die mit einem Ochsenfuhrwerk des Buchjockenbauern Rudolf Buchholz von Kuhbach nach Mühlenbach gebracht wurde, wie die Nachfahren des Bauern heute noch zu erzählen wissen, in der Pfarrkirche zu Mühlenbach veranlaßt.

Die Pietà trägt eine Krone, was sehr selten ist. Bis zum Jahre 1944 waren nur der Leichnam des Herrn und Kopf und Hände der Gottesmutter in Holz geschnitzt. Alles andere war ein Lattengestell, das bekleidet war. Der Tiroler Schnitzer Noflaner, der in seinen letzten Lebensjahren in Offenburg ansässig war, hat kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges die fehlenden massiven Teile in Holz geschnitten und die Figuren ergänzt. In der Maler- und Vergolderwerkstätte Schuhmacher in Offenburg wurde die gesamte Skulptur neu gefaßt.

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