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Sehenswertes in Ettenheim:


Hält man bei sichtigem Wetter von einer der Ettenheim umgebenden Höhen, etwa dem Kahlenberg, Ausschau nach Westen und Nordwesten, so schimmern nicht nur die Zinnen der Hohkönigsburg durch, man gewahrt in der Ferne auch die Umrisse des Wunderauges Erwins von Steinbach. Diese Schau aber enthüllt Uns zugleich den Kern aller geschichtlichen Entwicklung Ettenheims, die aufs engste mit der Geschichte des linksrheinischen Stromlandes verflochten ist und für einen kleinen Ausschnitt der oberrheinischen Tiefebene unwiderlegbaren Beweis für die natürliche und kulturelle Einheit des Landes zu beiden Seiten des Stromes erbringt. (Ferdinand, Dr. Johann Baptist - 1935)

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Ettenheim liegt am Übergang von der Rheinebene zum Schwarzwald und ist die südlichste Stadt des zur Rheinebene zählenden Teils des Ortenaukreises. Das Gebiet um Ettenheim war schon früh besiedelt. Bei der Erschließung eines Neubaugebietes wurden zwei Gräber mit Skeletten gefunden, deren Grabbeigaben der Glockenbecherkultur zuzurechnen sind, also aus der Zeit zwischen 2500 und 2000 v. Chr. stammen. Zuvor schon waren Funde aus der Keltenzeit (1000 bis 600 v. Chr.) gemacht worden.
 
Die erste urkundliche Erwähnung Ettenheims ist im Verbrüderungsbuch des Klosters St. Gallen zwischen 810 und 900 zu finden. Als Gründer Ettenheims gelten der elsässische Herzog Ettiko II., der im Jahre 712 starb, oder sein Sohn Eddo, ein bedeutender Straßburger Bischof, der das Kloster Ettenheimmünster wieder errichtete. Ettenheim war bis 1803 Amtsstadt der Straßburger Bischöfe. Viele architektonische Zeugnisse stammen aus dieser Zeit.

Stadtverwaltung Ettenheim:

Städtisches Flair und dörfliche Beschaulichkeit - Ettenheim hat viele Gesichter. Malerische Gässchen, wunderschöne Fachwerkhäuser, barocke Stadthäuser, der liebevoll gestaltete Prinzengarten, kostbare Schätze der Kirchenkultur, eine einzigartige Landschaft mit sanft geschwungenen Rebbergen, Streuobstwiesen und idyllische Wäldern - es gibt viel zu entdecken.

Nicht nur Ettenheims malerische Kulisse fasziniert, auch das vielfältige Angebot an Kultur, Sport, Freizeit und Unterhaltung machen die Stadt zu einem lebens- und liebenswerten Ort für alle Generationen. In Ettenheim sind Ihnen erlebnisreiche Tage mit attraktiven Angeboten garantiert: ob Wandern, Nordic-Walking, Radfahren, Mountainbiken, Schwimmen oder einfach nur durch das Städtchen und heimeligen Dörfer bummeln; oder auf Kulturveranstaltungen und einem der zahlreichen Wein- und Brauchtumsfeste einfach nur "mittendrin sein" - es bleiben kaum Wünsche offen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

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Rathaus Ettenheim


Rathaus Ettenheim -Das Ettenheimer Rathaus, ein eindrucksvolles barockes Gebäude aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nimmt unterhalb der auf dem Berg thronenden Kirche des hl. Bartholomäus einen zentralen Platz in der denkmalgeschützten Altstadt einIn der Mitte des 18. Jahrhunderts entstand als Erweiterung aus einem Kernbau des 16. Jahrhunderts das Rathaus in Ettenheim. Das mit dem First gegen den Steilhang gerichtete Gebäude zeigt talseitig eine imponierende Giebelfassade: Drei Achsen, drei Stockwerke auf hohem Sockel, darüber zweigeschossiger Volutengiebel mit Obelisken, Glockentürmchen und Nische für den Ortspatron Etto. Die umfangreichen Instandsetzungen der vergangenen Jahre hatten die Herauspräparierung der ehemaligen, die gesamte Grundfläche des Erdgeschosses einnehmenden Kornhalle als neuen Stadtratssaal zum Ziele. (Denkmalpflege im Kreis Lahr - Von Martin HesseIbacher, Freiburg i.Br.)

Kewitz, Hubert - Aus der Geschichte des Ettenheimer Rathauses - Von den älteren "Ratsstuben" wissen wir wenig (Ettenheimer Stadtanzeiger, 8.11.1984)

Im 14. Jahrhundert, bald nach der Stadtwerdung, wurde der Straßburger Marktort Ettenheim mit Mauern und Tortürmern umschlossen. Der Mittelpunkt dieser exakt geplanten neuen Stadtanliege liegt genau vor dem heutigen Rathaus. Wir dürfen also annehmen, daß hier, am Steilhang des uralten Kirchbergs, genau hundert Straßburger Fuß vom bischöflichen Amtshof entfernt, der Versammlungsort der Ettenheimer Bürgerschaft war, und daß man schon früh einen ersten, einfachen; Bau erstellt haben wird. Hier bei der "Stube" dürfte auch die für den Marktbetrieb notwendige "Waage" gestanden haben, die schon um 1330 erwähnt wird. Hundert Jahre später wird ein Vergleich "uf der ratstuben" geschlossen. Wie aber diese erste Stube aussah, wissen wir nicht.

Etwa zur gleichen Zeit wie das Amtshaus des Bischofs, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, könnte auch das Rathaus neu und stattlicher gebaut worden sein. Darauf deutet ein Fenstergewände hie, das sich bis' heute im überbauten alten Südgiebel erhalten hat. Es weist dieselben Renaissanceformen auf wie die Fenster am "Palais Rohan". Dieser zweite Bau ist dann zusammen mit den unersetzlichen Akten und Urkunden der Stadt bei der Brandschatzung Ettenheims durch Bernhard von Weimar 1637 in Flammen aufgegangen.

Die Mauern sind aber wohl, ganz ähnlich wie beim Amtshof, stehengeblieben und wieder verwendet worden. Von einem großen Neubau nach dem Dreißigjährigen Krieg ist nämlich in den Stadtrechnungen keine Rede, wohl aber von vielfacher Instandsetzung. 1689 bekommt das Rathaus zu zwei Sonnenuhren eine Räderuhr hinzu und ein Glöckchen auf das Dach. 1696 wird an der Kirchstraße eine neue Außenstiege gebaut, und bis 1698 wird mit Hochdruck am Rathaus gearbeitet. Neue Mauern werden hochgezogen, innere Riegelwände ausgemauert, ein hölzerner "oberer Boden" zusammengetrieben, ein Kamin eingezogen, Treppen, Türen und Läden angeschafft und auch zwölf Lehnstühle für den Rat besorgt. Neue, teure Fenster führte man 1698 zu Schiff von Straßburg her. Zum Abschluß wurde das Gebäude durch einen Außenanstrich mit "Englischer Erde" (Englischrot) verschönert.

Im Rathaus gab es damals neben einer kleinen und einer großen Ratstube auch eine "kuchen" und einen zum brauch der Bürgerschaft bestimmten "bachoffen", Häufig kommen die Bezeichnungen "unter der Stube" oder "unter dem Rathaus" vor. Es müssen damit die untersten, nach vorn offenen Kellerräume gemeint sein, die man später als "Butterhalle" bezeichnete (Verkehrsamt). Hier stand 1694 die Waage für den Wochenmarkt; hier gab es 1681 sogar auch schon ein "secret", eine Bedürfnisanstalt. "Unter dem Rathaus" wurde 1701 ein "Fleisch- oder Metzighäusel" mit Gitter erstellt. Hier war auch der Stadtkeller, wo Wein gelagert wurde, und hier wurden 1694 für am Pranger abzuurteilende Sünder "zwey hals Eysen" in die Wand eingegossen, in die sie zur Freude der Marktbesucher eingeschlossen wurden.

1725 lieferte Mathiß Bißer, der Wagner, ein Rad für las "storckhen nest auff dem rathhauß", das damals übrigens noch mit aus dem Münstertal gelieferten Schindeln gedeckt war. Kummer hatte man mit der kleinen Sturmglocke, die für Alarmzwecke vorn auf dem Dach hing; man mußte sie mehrmals umgießen

Der Rathausbau von 1757

Um die,Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Ettenheimer mit ihrem "Frucht- und Burgerhaus" nicht mehr zufrieden. Es mußte jetzt endlich etwas Besseres her. 1751 "visitierten" der aus Tirol stammende und 1749 beim Umbau der alten Kirche beschäftigte Maurermeister Nicodemus Sprenger sowie Meister Georg Naudascher aus Mahlberg den Bau. 1757 wurde dann aber der Auftrag dem Baumeister Anton Schrotz von Freiburg zugeschlagen. Er brach das alte Gebäude ab und errichtete es neu unter Verwendung älterer Bauteile. Das Ganze kostete ungefähr l 400 Gulden. Der Chronist Machleid protokolliert erheblichen Ärger in der Stadt, weil man fremde Baumeister hatte hinzuziehen müssen, "in dem unßere Maurer oder Kleiber nicht imstandt wahren ßolcheß zue machen".

Das schöne, mit 1757 bezeichnete, barocke Stadtwappen in der Mitte der hoch aufragenden Fassade kam an den Neubau, mit dem man trotzdem sehr zufrieden war. Im Januar 1758, bei der feierlichen Hinrichtung Peter Hartmanns, des "Roten Peters", war das Rathaus zum ersten Mal "wieder bewohnt". Bei der Huldigung für Kardinal Constantin Rohan im September 1758 wurde das neue Rathaus abends festlich illuminiert "Von boden an Vornen gegen der ßonnen biß an daß oberste gegen dem glöcklin", mit 120 Lichtern, "daß nichts schöners Von weithem kunte geßehen werden", wie Machleid notiert. "Dann wurde erlaubt allen leüthen auff dem Ratshauß zue danßen ohne ßpihllohn die ganze nacht biß gegen 3 uhr, wo eß aber bey theilen nicht allerdings ßsauer hergienge."

Zur Geschichte der Ettenheimer Verwaltungsgebäude (Rathaus & Palais Rohan)  arrowRight16

Wenn wir uns dieses ursprüngliche Rathaus von 1757 vorstellen wollen, müssen wir. allerdings einige spätere Veränderungen wegdenken. Die Statue des Ortsgründers Etto kam wohl erst 1809, wahrscheinlich aus dem Kloster Ettenheimmünster, in den Giebel. Der neue, von Karl List entworfene Dachreiter mit der hübschen Zwiebelhaube hat erst bei der Restauration 1961/62 einen älteren, etwas, steiflinigen ersetzt, der aber seinerseits auch erst 1857 hinaufgekommen war. Vorher hatte das Rathaus nur den Glockenständer auf der Fassadenspitze aufzuweisen. Er ist das älteste erhaltene Bauglied, da er schon 1689 für den Vorgängerbau gearbeitet worden war und 1757 nur wieder übernommen wurde.

dachreiter
Dachreiter mit Zwiebelhaube

Die wichtigste Veränderung gegenüber 1757 war aber die Erweiterung nach Süden, zum Berg hin, als genau hundert Jahre später; 1857, ein Anbaustück vor den alten Südgiebel gesetzt wurde. Es enthielt die heutige gewölbte Eingangshalle, die innere Steintreppe und neue Räume oben und unten. Der Verwaltung ging es damals vor allem darum, ein "feuerfestes Archiv" zu schaffen. Die alte südliche Giebelmauer ist auf dem Speicher noch gut zu sehen; der teilweise erhaltene Verputz trägt die Reste einer großen, klassizistischen Sonnenuhr. Wer auf der Kirchstraße steht, kann den älteren Bau und den Anbau einigermaßen unterscheiden. Zum alten Bau gehören auf dieser Seite die vier Bogenfenster des Bürgersaals und die sechs Fenster im Geschoß darüber [sic!]

Wie sah das alte Ettenheimer Rathaus vor der Erweiterung aus?

Das alte Rathaus hat, wie viele andere Rathäuser auch, einem doppelten Zweck gedient: es war nicht nur "Ratsstube", sondern auch "Fruchthalle oder -laube". Der heutige Bürgersaal war die Fruchthalle: der Ort, wo die Säcke mit Korn gelagert, gewogen und verkauft wurden. Durch ein jetzt vermauertes Bogentor konnte man sogar vom Berg her in die Kornhalle hineinfahren. Machleid beschreibt stolz "das große schöne Ratshauß, alwo mann mit einem heywagen kan hineinfahren, umkören, und widerum hinaußfahren". Der bequemere Ladeverkehr wird natürlich durch die offenen Bögen der Frontseite vor sich gegangen sein.

Außerdem war die Fruchtlaube an beiden Längsseiten durch zwei große steinere Außentreppen zu erreichen. Beide Treppen wurden mehrfach umgebaut. Die Stiege an der Kirchstraße wurde 1828 verkleinert und später ganz entfernt. Sie erreichte die Kornhalle bei dem jetzigen dritten Fenster von vorn, das deutlich breiter ist. Die andere, die westliche große Treppe am alten Hafenmarkt hat heute keine rechte Funktion mehr. Auf dem Titelbild des "Ettenheimer Heimatkalenders 1984" kann man noch die ältere, doppelläufige, bis an die alte Fruchthalle reichende Stiege sehen.

Als man 1828 die Kirchstraßenstiege des Verkehrs wegen enger machte, mußten dabei auch "gegen die Straße heraus gemauerte Pfeiler" entfernt werden, "welche mutmaßlich als Fundament-Verstärkung ihre Bestimmung haben dürften". Maurermeister Kirn untersuchte daraufhin das Fundament der Hauptmauer des Rathauses und fand heraus, daß es "nur etwas über 1 Schu (30 cm) in boden geht"

Im alten Rathaus gab es außerdem eine innere Verbindungstreppe, die von der Fruchthalle nach unten in die "Hanf- und Garnhalle" führte, in die auch als "Butterhalle" bezeichneten Räumen des heutigen Verkehrsamts, Während der Markttage herrschte, so meldet der Stadtrat 1828, an den drei Eingängen immer ein starkes Gedränge. Im unteren Stock, wo der Garn- und Hanfmarkt stattfand, war es zu eng, um alles Garn abwiegen zu können. Man wich daher über die innere Stiege in die Fruchtlaube aus, wo eine weitere Waage für das Garn stand. "Das Gedränge ist auf dem Frucht- und Garnmarkt oft sehr groß; und es bleibt kein Platz übrig, wo sich die Marcktleute gegenseitig auszahlen .können. Die Stiege (d. h. die an der Kirchstraße) wird daher gröstentheils als ein Abstandsort zu diesem Zwecke benutzt." Es seien "allda schon Viele Tausend Gulden eingenommen und ausbezahlt worden". Zum ändern diente damals diese Treppe dem Ratsboten "als Rednerstuhl, um beym Ausgang aus der Kirche der Versammelten Gemeinde zu verkünden, was befohlen ist".

Die Bogenöffnungen der Fruchthalle hatten übrigens ursprünglich weder Gitter noch Fenster. In einem Bericht des Bezirksamts aus dem Jahre 1850 heißt es: "Dieser Platz wird oft von der Jugend besucht und es stürzte jüngst aus einer solchen Oeffnung ein Knabe von bedeutender Höhe herunter auf das Pflaster, glücklicher weise ohne schlimmen Erfolg."

Das eigentliche "Rathaus" umfaßte damals nur das obere Geschoß über der Fruchthalle, das jetzige Bürgermeisteramt. Diejenige Hälfte dieses zweiten Stocks, die zur "Sohne" hin lag, wurde von dem alten Bürgersaal eingenommen, der also ein Stockwerk höher als heute lag. Die andere Hälfte war in Diensträume unterteilt. Hier waren 1832 das sogenannte "Salzstüble" zum Ratszimmer und die Holzkammer zum Wartezimmer umgebaut worden.

Erweiterungen und Restaurationen

1856 kaufte die Stadt das Nachbargebäude, das dem Hafner Mathias Eble gehörte, riß es ab und erweiterte, wie Oben schon geschildert, das Rathaus zum Berg hin. Die Pläne dafür stammten von dem Bauführer Zimber aus Ettenheimmünster. Die Fenster in der unteren Halle wurden bei dieser Gelegenheit verglast, "um dem zu starken Durchzug abzuhelfen". (Die Öffnungen in der oberen Halle wurden erst 1869 wenigstens mit Draht vergittert.) Am Kirchberg erhielt das Rathaus jetzt eine "gemeinsame Mauer mit Michael Nägeles Witwe". Der ebenfalls schon erwähnte neue Turm auf dem Dach war in diesem Jahr 1857 ebenfalls "fast fettig geworden". Die Firma Gebrüder Koch in Freiburg lieferte 1858 dafür eine neue Rathausglocke. Sie kostete 104 Gulden, die ganze Erweiterung über 4 000 Gulden.

1876 wurde im Westen ein Abtrittanbau neu erstellt. 1883 kam die Stadtrechnung, 1890/91 die Sparkasse aufs Rathaus. Erst im Jahre 1901 wurde der alte, obere Bürgersaal zu Dienstzimmern und die alte untere Fruchtlaube zum heutigen Bürgersaal umgebaut.

Seitdem wurde das Rathaus noch mehrfach innen und außen erneuert und umgestaltet. So gab es in den Jahren '1961/62 eine Gesamtinstandsetzung des eindrucksvollen, das Ortsbild hier so glücklich bestimmenden Gebäudes. Dieses Jahr 1984 brachte schließlich die vorläufig letzte Restauration von Dach und Außenflächen.

Aus neuerer Zeit - Sieberts, Erika: (Badische Zeitung, 15.10.2008):

Auf dem Türsturz aus Sandstein, der nach Meinung von Historikern um das Jahr 1300 gehauen worden ist, sind drei Türme eingemeißelt — nach heutigen Erkenntnissen das erste Stadtwappen Ettenheims. Der Stein zierte einst die Eingangstüre des ehemaligen Schlachthofs, der neben dem Gasthaus Zum Pflug stand, und der 1997 abgerissen worden ist, erläuterte dazu der Stadthistoriker Bernhard Uttenweiler. Der Chronist Joann Conrad Machleid habe berichtet, dass das "Schlaghaus" den großen Brand von 1637 überstanden habe.
Der Stein sei gesichert worden und habe auf dem Bauhofgelände gelegen, bis man sich noch kurzfristig entschlossen habe, dieses Zeichen aus der Zeit der Stadtgründung als Eingang für das sanierte Rathaus zu verwenden, sagte Bürgermeister Bruno Metz bei der Einweihung. Er freue sich, dass der Eingang zum Rathaus jetzt an dem im Mittelalter gewachsenen Marktplatz liege und damit diesem in jüngster Zeit wenig beachteten Platz neue Zentralität verleihe.
Zusammen mit den Architekten der Werkgruppe Lahr habe man während der gesamten Bauphase versucht, historisch relevante Elemente zu sichern und sichtbar zu machen. "Die drei Türme zeigen, dass Ettenheim schon um 1300 eine befestigte Stadt gewesen ist, was von ihrer Wichtigkeit zeugt" , sagte Hermann Weber. Auch ihre heutige Funktion als Schulstadt bestätige diese Wichtigkeit, derer sich die Bürger Ettenheims bewusst sein sollten. "Denn das erfüllt die Menschen mit Stolz und erzeugt Zusammenhalt."

Rathaus Ettenheim / Verwaltung:

Öffnungszeiten Bürgerbüro und Dienststellen
blueCircle Montag - Freitag 08:15 Uhr bis 12:00 Uhr
blueCircle Montagnachmittag 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr
blueCircle Mittwoch 08:15 bis 13:00 Uhr und 15:00 bis 18:00 Uhr

Stadtverwaltung Ettenheim
Rohanstraße 16
77955 Ettenheim
telefon 07822 432-0
fax 07822 432-999
email Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! - info-flyer - Barocker Stadtrundgang download


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Prinzengarten Ettenheim


Im Pfaffenbach, 77955 Ettenheim

Prinzengarten Ettenheim - Der Prinzengarten Ettenheim existiert schon seit dem 17. Jahrhundert. Es ist der "Vor dem Thomasthor liegende, ganz von einer Mauer umgebene Kraut und Baumgarten" in der Stadt Ettenheim im OrtenaukreisDer Prinzengarten Ettenheim existiert schon seit dem 17. Jahrhundert. Es ist der "Vor dem Thomasthor liegende, ganz von einer Mauer umgebene Kraut und Baumgarten" in der Stadt Ettenheim im Ortenaukreis. Heute liegt der Garten gegenüber dem Ringsheimer Tor im Westen des historischen Stadtkerns wird im Osten durch die Straße „Ringsheimer Tor“ und im Norden durch die „Thomasstraße“ begrenzt. In Ettenheim ist dieser Garten auch als der Kopp'sche Garten, nach der letzten privaten Besitzerin, bekannt. Der 3900 m² große Garten und ist auf der Nord- und Ostseite durch eine ca. 2m hohe Sandsteinmauer eingefriedet. Der Garten ist über 3 Zugänge und eine Zufahrt erreichbar. Die Zufahrt ist auf der Nordseite und führt auf die Nordseite des Gartenhauses. (wikipedia)

Bei der Neuanlage des Prinzengartens als barocker Garten griff man auf alte Stilformen zurück, musste aber wegen der Nutzung des Gartens für Veranstaltungen einige Zugeständnisse machen.

An alten Gartenhäusern haben sich nur das zweistöckige Gartenhaus im Prinzengarten und das größere, einstöckige, heute als Wohnhaus genutzte Haus Vierling, Im Pfaffenbach 9, erhalten. Mit ihren Mansardendächern bilden sie den schönsten baulichen Schmuck der zugehörigen Gärten. Eine Beschreibung der gut erhaltenen Häuser wird hier nicht für erforderlich gehalten. Jeder kann sie sich von außen ansehen, und Fotos gibt es genügend. Ein kleines, kaum beachtetes Häuschen befindet sich noch in einem Garten im Finsterwäldele. Es ist zweistöckig und an die äußere alte Stadtmauer angebaut.

Bis zum Tod des Freiherrn Albertini von Ichtratzheim im Jahr 1821 befand sich der heute als "Prinzengarten" bezeichnete große Garten vor dem Thomastor über viele Generationen, vielleicht schon immer, im Besitz von adeligen Familien.

Es lässt sich daher vermuten, dass er zeitweise schön ausgestattet war. Leider ist darüber nichts überliefert, wobei man berücksichtigen muss, dass in den langen Kriegszeiten, beginnend mit dem 30-jährigen Krieg bis zum Spanischen Erbfolgekrieg, nicht nur Städte und Ortschaften stark zerstört, sondern auch die Gärten ausgeplündert wurden bzw. verwilderten.

Weis, Dieter: Ettenheimer Gärten in alter Zeit bis zum heutigen Prinzengarten (I) (Ettenheimer Stadtanzeiger, 10.11.2011)

Über das berühmteste Liebespaar Ettenheims und das traurige Ende der liebe schreibt Anne-Marie Glaser am 20. Juni 2017 im Stadtanzeiger:Guller:

Im Westen des historischen Ettenheimer Stadtkerns, gegenüber des "Ringsheimer Tors", liegt ein Kleinod gartenbaulicher Historie: Der Prinzengarten, vormals Kopp’scher Garten genannt. Seinen heutigen Namen bekam die Anlage durch den ab 1792 in Ettenheim im Exil lebenden Louis-Antoine-Henri de Bourbon-Condé, den Herzog von Enghien. Im barocken Gartenhäuschen verbrachten er und seine Geliebte Prinzessin Charlotte de Rohan-Rochefort, eine Großnichte des Kardinals Louis de Rohan, so manche schöne Stunde. Das berühmteste Liebespaar Ettenheims pflegte die Blumen im Garten und baute Gemüse an. Die friedliche Zweisamkeit fand 1804 ein grausames Ende, als Napoleon den Herzog entführen und im Schlossgraben von Vincennes erschießen ließ.

Kohr, Marga: Gartenarchitekt Eckhard Riedel stellte Pläne vor: Zum Verweilen und Erholen einladend - Der Prinzengarten soll thematisch interessant für Besucher und Einheimische werden. Gremium soll Lösungen für die Parkplatzprobleme finden (Ettenheimer Stadtanzeiger, 23.5.2002)

Der Prinzengarten soll thematisch interessant für Besucher und Einheimische werden Gremium soll Lösungen für die Parkplatzprobleme finden

Ettenheim (mak). Welche Kleinstadt hat schon einen Barockgarten? Ettenheim verkehrt in der glücklichen Lage, dass gleich vor einer ihrer historischen Toren ein Barockgarten geschaffen werden kann: der Prinzengarten. Der Freundeskreis Prinzengarten Ettenheim stellte in der jüngsten Gemeinderatssitzung den Entwurf vor, weckte damit bei den meisten Gemeinderäten Begeisterung und erntete Dank für die bisher geleistete Arbeit.

Als Garten wird das Grundstück schon seit mehreren Jahrhunderten genutzt und ein Garten wird es auch bleiben, zumindest zum Teil. Ob allerdings die Planung, die Gartenarchitekt und Barockgartenspezialist Eckhard Riedel vorlegte, im Ganzen zum Tragen kommt, ist noch nicht gewiss. Denn Ettenheim braucht auch Parkplätze. Handel und Gewerbe bestehen auf mehr stadtkernnahe Parkplätze, gerade an der Westeinfahrt der Stadt.

Die Planung erläutert

Doch bevor über die Parkplätze gesprochen wurde, und somit das Gefühl der Unmut sich bei den Befürwortern- des Prinzengartens und den Mitgliedern des Freundeskreises eingeschlichen hatte, erläuterte Eckhard Riedel seine Planung, die sich über ein weit größeres Grundstück als den vor kurzem noch "Kopp'schen Garten" genannten Teil erstreckt. Die Stadt hat 2001 auch den südlichen Teil des bei der Versteigerung im Jahre 1821 geteilten Gartens erworben, den "Garten Sauer". In Prinzip könnte also die historische Einheit des Gartens wiederhergestellt und der Garten gestaltet werden in der gleichen Größe wie zur der Zeit, als der Herzog von Enghien sich dort an Obstbäumen und Rosen erfreute oder mit Princesse Charlotte lustwandelte.

Es trifft jedoch nicht zu, dass der Garten wieder genau so wird wie damals. Es sind keine Bilder oder Zeichnungen aus der Zeit erhalten. Vor allem aber hat der Garten heute ein anderes Ziel: Es soll ein Garten für Bürger und Besucher sein. Nicht die Erholung bei Spiel und Sport sollen die Leute hier suchen, sondern eher Kultur und Kontemplation. Die Neugestaltung des Gartens sei auch eine wichtige gartendenkmalpflegerische Aufgabe, sagte Riedel.

Der Prinzengarten müsse in Zukunft nicht nur eine hohe Aufenthaltsqualität haben, sondern solle auch Verknüpfungspunkt und Bindeglied zwischen Stadt und Landschaft werden. Der Garten solle thematisch so interessant gestaltet werden, dass er auch auswärtige Gäste zum Besuch reize. Aber auch solle die Atmosphäre hinübergerettet, die Stimmung des Gartens bewahrt und die denkmalpflegerischen Ansprüche erfüllt werden.

In vier Teile gegliedert

Riedel hat den Garten in vier Teile gegliedert. Das Gartenhaus steht im originalgroßen Garten fast in der Mitte. Von Gartenhaus aus auf der linken Seite zur Freiburger Straße hin, findet der "Potager" seinen Platz, der Küchengarten, der nach barockem Vorbild gestaltet werden soll, der Garten, in dem man früher alles fand, was für den "Potage", für die Suppe, gebraucht werden konnte. Dem gegenüber ist eine etwa 500 Quadratmeter große Festwiese vorgesehen, ein "Tapis vert" oder Rasenparterre, der bei Veranstaltungen als Zuschauerraum dienen und rund 300 Personen Platz bieten kann.

Der Potager wird vor dem Gartenhaus mit einer kleinen, befestigten Fläche abgeschlossen, auf dem Kübelpflanzen stehen sollen, die weggenommen werden können, wenn ein Fest ansteht und dann Platz machen für ein kleines Festzelt. Die Sandsteinmauer, die diesen Teil des Gartens im Süden abschließt und das Gartenhaus mit der westlichen Begrenzungsmauer verbindet, könnte Toiletten und weiteren benötigten Räume verbergen. An der Innenseite der Sandsteinmauer entlang des Pfaffenbachs sieht Riedels Plan kleine Themengärtchen vor. Auf der Südostachse der Gartens schließt sich der "Fruitier", der Obstgarten, dem "Tapis vert" an. Am südlichen Ende dieses Gartenteils befindet sich, im "Garten Sauer also", ein kleines Pavillon, das noch genutzt werden kann.

Der vierte, südwestliche Teil des Gartens liegt erheblich höher. Es ist eine etwa elf Meter hohe Böschung, der den "Rücken" bildet für das historische Gartenhaus. Dort soll das "Bosquet", das Wäldchen, seinen Platz bekommen. Ein Serpentinenweg führt dann vom Gartenhaus aus nach oben zur oberhalb der Böschung lie-o genden Terrasse. Die Treppe, die in der Böschung vorhanden ist, sollte begehbar ausgebaut werden. Von der Terrasse aus hat man einen schönen Ausblick über die Stadt. Ein Aussichtspavillon wäre dort nicht fehl am Platz - wenn dafür ein Spender gefunden werden könne, meinte Riedel.

Zustand des Gartenhauses

Architektin Susanne Berblinger erläuterte den Zustand des Gartenhauses. Die zwei Restaurationen aus früher Jahren hätten nicht viel genutzt, sagte sie. Der allgemeine Zustand des Hauses sei sehr schlecht. Es ist feucht, es schimmelt, das Dach ist undicht, die Fenster und die Sandsteinplatten müssten dringend instandgesetzt werden. Das Landesdenkmalamt hat im vergangenen Jahr eine Beurteilung abgegeben und darin der Enghien-Gartenpavillon aus wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Gründen zum Kulturdenkmal erklärt.

Der Pavillon bildet zusammen mit dem Garten und der begrenzenden Sandsteinmauer eine Sachgesamtheit und genießt dadurch Kulturdenkmaleigenschaft. Das Denkmalamt begrüßte die Erhaltung und Pflege ''. des Pavillons, die Instandsetzung der barocken Sandsteinmauer und die gärtnerische Wiederanlage des Enghien-Gartens und hat hingewiesen auf die heimat-, landes- und europageschichtliche Bedeutung der Anlage in Zusammenhang mit dem Rohan-Bischof, dem Herzog von Enghien und Princesse Charlotte de Rohan.

Der Freundeskreis Prinzengarten Ettenheim wurde im September 2001 gegründet. Thomas Herr stellte den Verein vor, die jetzt 35 Mitglieder hat und der sich als Ziel gestellt hat, die Stadt fördernd zu unterstützen bei der Neugestaltung des Gartens. Die Mitglieder haben gründlich recherchiert und intensive Grundlagenarbeit für die Planung geleistet, sagte Herr. Sie haben aber auch selber Hand angelegt, damit erste Veranstaltungen stattfinden konnten. Das Wunschziel des Vereins ist es, einen ersten Teil des Gartens bis zum Ettenheimer Stadtjubiläum im Jahre 2004 fertigzustellen. Angefangen werden soll mit dem Potager, danach die Festwiese. Das Bosquet sei sicher eine mittelfristige Angelegenheit, meinte Riedel. Da müsse man sehen, wieviel Atem der Verein habe.

Finanzen von Bedeutung

Selbstverständlich spielt die finanzielle Lage der Stadt eine große Rolle. Vorhanden ist ein Haushaltsrest in Höhe von 83.000 Euro. Bürgermeister Bruno Metz sagte, dieses Geld sei für die ganze Maßnahme bestimmt, für Garten, Gartenhaus und Planung. Die Stadträte äußerten sich sehr positiv und lobend. Thomas Dees befürchtete, dass die Begeisterung sicher noch gedämpft werde, wenn die Kosten zur Sprache kämen. Die Planung jedoch sei gut durchdacht.

Auch Peter Frey meinte, ein Prinzengarten nach dieser Planung werte die Stadt Ettenheim enorm auf. Franz-Josef Helle nannte die Planung "einwandfrei", wies aber auf andere Ettenheimer Probleme hin. Seiner Meinung nach sollten im Fruitier die Bäume mit größeren Abständen gepflanzt werden, damit die Autos darunter Platz fänden. Und so ging, nach dem spontanen Applaus für Gartenarchitekt Riedel, die Tagesordnung über auf das Parkplatzproblem, das die Stadtverwaltung mit Hilfe des Gemeinderates in irgendeiner Weise lösen muss.

Parkplätze sind notwendig

"Wir müssen Parkplätze schaffen", betonte Bürgermeister Metz. Das Stadtentwicklungskonzept werde weiterentwickelt, Urbanität müsse entstehen. Deshalb seien Parkplätze notwendig, stadtnah und im Umfeld von Geschäften und Dienstleistungsbetrieben. Spartendenken sei fehl am Platz, wenn es Chancen für alle geben solle. Besonders an der westlichen Stadteingang seien weitere Langzeitparkplätze dringend nötig. Ein verdoltes Pfaffenbächle, bis zum Fußweg Finsterwäldele, würde Platz schaffen.

Der "Garten Sauer" biete eine Alternative in Form von Parkplätzen hinter der Mauer. Kostengünstig könnten dort 34 Parkplätze geschaffen werden. Die Anwohner würden nur wenig belastet und der Platz grenze direkt am Prinzengarten, sagte Metz. Allerdings werde das Konzept für den Prinzengarten dadurch gestört - Parkplatz statt Fruitier - und es bestünden denkmalpflegerische Bedenken.

Udo Schneider vom Tiefbauamt gab einen Überblick von der Parkplatzentwicklung in der Stadt, nachdem die Verkehrskommission ihre Arbeit angefangen hatte. Immerhin gebe es heute 165 Parkplätze mehr als 1996: 250 Kurz- und 250 Langzeitparkplätze seien jetzt vorhanden. Wenn der Pfaffenbach verdolt werde, würden noch 15 zusätzlichen Parkplätze entstehen. Den Pfaffenbach wegen Parkplätze opfern, nachdem zuerst das "Bächle in die Stadt geholt" worden sei? Da hatten mehrere Gemeinderäte erhebliche Bedenken.

Erst Hausaufgaben erledigen

Es sei gestalterisch und städtebaulich nicht opportun, meinte Rüdiger Bührer. Zuerst sollten die "Hausaufgaben in der Innenstadt" erledigt werden. Wolfgang Schwab schlug vor, zuerst eine konkrete Bedarfsanalyse aufzustellen. Thomas Dees sprach sich dafür aus, erst abzuwarten, wie sich die Dinge - bezüglich des Parkens - entwickeln, und zudem die Mitglieder des Handels- und Gewerbevereins um Hilfe zu bitten, bevor so schlimme Sachen geschehen wie das Verdolen des Pfaffenbächles oder Schlimmeres.

Es brauchte noch nichts entschieden zu werden. Bürgermeister Metz schlug vor, ein kleines Gremium zu bilden mit Mitgliedern aus jeder Fraktion, dem Gewerbeverein und der Stadtverwaltung. Dieses Gremium soll Lösungen suchen, Vorschläge sammeln und Ideen entwickeln, damit im Herbst eine Grundlage für weitere Arbeit vorhanden ist. Udo Schneider koordiniert dabei. Die Entscheidung, was getan werden soll, wird zurückgestellt bis zu den Haushaltsberatungen. Mit diesen Vorschlägen waren sämtliche Ratsmitglieder einverstanden.

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Amtsgericht Ettenheim

 
Amtsgericht Ettenheim - Die Behörde ist unter anderem das erstinstanzliche Gericht in Zivil- und Strafsachen sowie in Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit. Das Amtsgericht Ettenheim liegt im Gerichtsbezirk des Landgerichts Freiburg.Das Amtsgericht Ettenheim ist eine Justizbehörde des Bundeslandes Baden-Württemberg mit Sitz in Ettenheim.

Die Behörde ist unter anderem das erstinstanzliche Gericht in Zivil- und Strafsachen sowie in Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit. Das Amtsgericht Ettenheim liegt im Gerichtsbezirk des Landgerichts Freiburg. Der örtliche Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichts Ettenheim erstreckt sich über die Städte und Gemeinden Ettenheim, Ringsheim, Rust, Kappel-Grafenhausen und Mahlberg.

Das Amtsgericht Ettenheim nebst Amtsgefängnis - Amtsgerichtsrat Dr. Ferdinand (1927)

Die Entstehung des Bezirks Ettenheim


Nachdem die Verwaltung des letzten Fürstbischofs von Straßburg, des Kardinals Ludwig von Rohan, der 1790 infolge der französischen Revolutionswirren seinen ganzen Regierungsapparrat von Zabern nach Ettenheim verlegt hatte, durch den Uebergang der beiden Aemter Ettenheim und Oberkirch an den Kurfürsten von Baden im Jahre 1803 ihr Ende gefunden, bestand in Ettenheim, das zunächst zum Oberamt Mahlberg zählte, seit dem Jahre 1809 ein Großherzogliches badisches Amt. Die Vorbereitungen für den Uebergang in die badische Verwaltung schildert in interessanter Weise aufgrund der Akten des General-Landesarchivs Dr. Rest in Heft 11 (1924) der Zeitschrift Ortenau Seite 19 flg.. Zur Zeit der Trennung der Justiz von der Verwaltung im Jahre 1857 und schon lange vorher waren die Geschäfträume des Amtes im ehemaligen Rohan'schen Palais, früher Schloß genannt, untergebracht. Das Gebäude erhielt daher den Namen Amtshaus. Im Erdgeschoß waren die Diensträume und im Obergeschosse Wohnungen. Bis zum Jahre 1845, in welchem die Domänenverwaltung Ettenheim aufgehoben wurde, hatte dort neben dem Amtsvorstand der Domänenverwalter seine Dienstwohnung. Diese wurde im Jahre 1845 an den Rechtsanwalt Stählin vermietet und ging im Jahre 1850 auf den Assesor Himmelsbach über, der im Jahre 1857 der erste Amtsrichter von Ettenheim wurde... (ebenda, Seite 11)

Die räumliche Enge und permanente Gerangel zwischen "Mutter Verwaltung und Tochter Justiz" um Räumlichkeiten ließen erste Forderungen nach neuen Räumlickeiten aufkommen.

...Neue Schwierigkeiten hinsichtlich der räumlichen Verhältnisse entstanden im Jahre 1864 anläßlich der Einführung der neuen Gerichtsverfasssung. Es galt, einen zur Abhaltung der Schöffengerichtssitzungen geeigneten Raum frei zu machen, da auch für das zugehörende Publikum - etwas ganz Neues! - Platz geschaffen werden musste... (ebenda, Seite 12)
Die Raumprobleme bestanden fort und außerdem hatte der Amtssitz keinerlei Räumlichkeiten, die Platz für ein Gefängnis boten und dies war nach damaliger Vorstellung längerhin nicht mehr zu vertreten.

...Zu jedem Gericht gehört, mindestens nach den Vorstellungen der Laien, ein Gefängnis, da sich mit dem Begriffe des Gerichts ganz von selbst der Begriff der Strafe, der Einsperrung und sonstiger wenig beliebter Dinge verbindet, obwohl es viele Gerichtte gibt - die reinen Zivilabteilungen - die mit einem Gefängnis überhaupt nichts zu tun haben, und obwohl auch bei denjenigen Gerichten, die über ein Gefängnis verfügen, die auf das Gefängnis Bezug habende Arbeit bei weitem nicht die schwierigste und umfangreichste zu sein braucht.Immerhin war es bis zum 1. Juni 1927 im Prinzip tatsächlich so, daß jedem Amtsgericht auch ein Amtsgefängnis beigegeben war...(ebenda, Seite 21)

Solchermaßen war es wohl eher eine Präsentationsfrage, dass Ettenheim ein Amtsgericht nebst Amtsgefängnis dringend "brauchte", denn schließlich war man in Ettenheim, wie oben beschrieben, ein "Großherzogliches badisches Amt". Und so nahm der "Neubau" des wohl spätklassizistisch zu nennenden Ettenheimer Amtsgericht nebst Amtsgefängnis seinen Lauf. Später wurde meines Wissens auch ein Polizeiposten in diese Gebäude einrichtet.

So schreibt denn auch Dr. Ferdinand am Ende seines Aufsatzes:

...Am Schlusse des Aufsatzes über die Geschichte des Amtsgerichts Ettenheim war schon die Rede von dem auch jetzt (1927 Anm.) noch bestehenden einheitlichen Bezirk Ettenheim, der trotz Aufhebung des Bezirksamts als Amtsgerichtsbezirk Ettenheim weiterbesteht. Bis zum Jahre 1921 gehörten zum Bezirk folgende Gemeinden, die außer Dörlinbach auch jetzt noch den Bezirk Ettenheim bilden:

Altdorf, Dörlinbach, Ettenheim, Ettenheimmünster,Grafenhausen, Kappel a.Rh., Kippenheim, Kippenheimweiler, Mahlberg, Münchweier, Orschweier, Ringsheim, Rust, Schmieheim, Schweighausen, Wallburg

Es mag nicht ohne Reiz sein, zu untersuchen, wie diese Gemeinden im wechselvollen Spiel der Geschichte zu der Einheit des Bezirks Ettenheim zusammmenfanden...(ebenda, Seite 33)

Am 9. November 1959 sind es 50 Jahre her, daß das Amtsgericht sein neues Heim in den damaligen Münchweierer-, heute Otto-Stoelcker-Straße, in den Mittelpunkt einer festlichen Einweihungsfeier gestellt sah.

Am 3. Juni 1908 war mit den Bauarbeiten begonnen worden. Besondere Schwierigkeiten ergaben sich infolge schlechten Baugrunds an der Nordwestecke der Baugrube. Eine Pfahlgründung mußte vorgenommen werden, 66 Baumstämme aus Kiefernholz, ca. 6 m lang und 30 cm dick, wurden in den Boden eingerammt und das Fundament durch eine 75 cm starke Betonschicht sowie Eisenschienen verstärkt, so daß ein zuverlässiger Halt geschaffen wurde. Die Arbeiter: bedienten sich beim Einrammen der Pfähle zwecks Einhaltung des Taktes beim Hochziehen und Herablassen der Seile des Rammapparates eines Spruches, der lautete:

"Er muß hinein
durch Fels und Stein,
durch Wasser und Sand
der König ins Land,
der Kaiser ins Reich,
wir alle zugleich!"
Und zuletzt:
"Steht er fest,
Hurrah - Hochauf!"

Heute gibt es da wohl andere, der Maschinenkraft sich bedienende Methoden der Baukunst!

Am 16. November 1908 war das Dachgebälk fertig, so daß das Gebäude noch vor dem Winter unter Dach kam. Im Laufe des Jahres 1909 wurde die Inneneinrichtung fertiggestellt.

Bei der Einweihungsfeier am 9. November 1909 gab es einen Festakt im Sitzungssaal des Amtsgerichts, damals Schöffensaal genannt, und daran anschließend eine Feier im geschmückten Saale des Badischen Hofes, früher Zur Stadt Zabern (heute Anwesen Kurt Dietrich).

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Scharfrichterhaus

 
Muschelgasse 9


In Scharfrichterhaus Ettenheim - Johannes Mengis erwarb das Haus als letzter Scharfrichter der Stadt Ettenheim. Heute präsentiert sich das ehem. Scharfrichterhaus - ebenfalls in privatem Besitz -  in einem sehr guten, jüngst (1990) aufwändig renovierten Zustand als eines der vielen stolzen Fachwerkhäuser Ettenheims Ettenheim waren Scharfrichteramt und Abdeckerarbeit in Personalunion gegeben und so lag es von Zeiten nahe, dass Amtsträger vor der Stadt(mauer) leben musste. Beide Tätigkeiten waren sog. "unehrliche" Berufe und Menschen, die selbige Berufe ausübten wollte man nicht unter der Bürgerschaft. So wurde das Ettenheimer Scharfrichterhaus außerhalb der alten Stadtmauer als "Ackerbürgerhaus" errichtet:

Ackerbürger(haus):

Ackerbürger stellten seit dem innerhalb der städtischen Sozialstruktur eine Sondergruppe dar. Ein Ackerbürger war keinem der typisch städtischen Erwerbsstände zuzuordnen. Er war ein Bauer mit Bürgereigenschaft und bewirtschaftete seine Ländereien innerhalb der städtischen Feldmark, die durch ergänzende Pachtung von landwirtschaftlicher Nutzfläche anderer Bürger hinreichend große Wirtschaftseinheiten ergaben. Ackerbürger, also "Stadtbauern", gab es gleichermaßen in größeren wie kleineren Städten. Das Scharfrichterhaus in Ettenheim dürfte in der ersten Hälfte des 17ten Jahrhunderts erbaut worden sein und wird erstmalig im Zinspflichtausweis der Pfarrei 1618 erwähnt. Eine gesicherte Bestimmung liegt seit 1712 vor, in welcher die aufwendigen Renovierungskosten des Scharfrichterhauses in der Ettenheimer Steuerakte ausgewiesen wird.

Johannes Mengis erwarb das Haus als letzter Scharfrichter der Stadt Ettenheim. Heute präsentiert sich das ehem. Scharfrichterhaus - ebenfalls in privatem Besitz -  in einem sehr guten, jüngst (1990) aufwändig renovierten Zustand als eines der vielen stolzen Fachwerkhäuser Ettenheims.

Kewitz, Hubert: Für Erhalt des Scharfrichterhauses (Ettenheimer Heimatbote, 19.2.1988)

Ettenheim. Der Arbeitskreis des Historischen Vereins, der sich die Erkundung des alten Stadtbilds und die Pflege der Ettenheimer Kulturdenkmäler zum Ziel gesetzt hat, befaßte sich bei seiner letzten Zusammenkunft eingehend auch mit dem vom Abbruch bedrohten alten Scharfrichterhauses, dem ehemaligen Allendorfschen Haus in der Muschelgasse. Dieses Gebäude ist seit einiger Zeit wieder - wie zu Scharfrichters Zeiten - im Besitz der Stadt, die es der Parkplatznot opfern möchte.

Der jetzige schlechte Zustand täuscht allerdings; das altertümlich schöne Fachwerk wäre nach Ansicht des Historischen Vereins, mit Mitteln der Denkmalpflege wiederhergestellt, ein Blickfang und Anziehungspunkt dieses zentrumnahen Vorstadtwinkels. Die spätere Verwendung wäre zu überlegen, eine erneute private Nutzung vielleicht das Naheliegendste.

Über die frühen Bewohner des Scharfrichterhauses arrowRight

Nach dem Urteil der Fachleute gehört das Haus zu den ersten Bauten, die um 1650, nach der Katastrophe im 30jährigen Krieg, wieder hochgezogen worden sind. Es sei aber auch nicht auszuschließen, daß es noch älter ist und die Einäscherung der Stadt durch Herzog Bernhard überlebt hat, meinen die Experten.

Die ältere Bauweise zeigt sich zunächst darin, daß abweichend von der sonstigen Gepflogenheit des älteren Bauens innerhalb der Stadtmauern Erd- und Obergeschoß beide in Fachwerk erstellt worden sind. Wichtig ist dann vor allem, daß das Fachwerk als ausgesprochenes Sichtfachwerk gestalterisch ausgesprochen ehrgeizig konzipiert ist. Dies wird vor allem im Stubenteil mit seinem Rautenfachwerk und der aufwendigen Befensterung deutlich. Hinzu kommt, was in Ettenheim sehr selten ist, eine noch erkennbare reizvolle alte Farbfassung des Holzes und eine Bemalung (Bandelierung) der Gefachwandungen.

Der technische Zustand des Baukörpers ist nach der Aussage der Sachverständigen gut. Senkungen und Neigungen seien nicht festzustellen. Die tragenden Eckständer aus Eichenbalken sind ausgezeichnet konserviert, die Füllhölzer aus Nadelholz sind zu 70 bis 80 Prozent noch gut erhalten. Die zugehörige Scheune ist später angebaut und wohl nicht von denkmalpflegerischem Interesse. Hier zeichnet sich, wenn man sich zur Erhaltung des Hauptbaus entschlösse, die Möglichkeit eines Kompromisses ab. Angesichts der Bedeutung des Objekts als historisches und als Baudenkmal sollten jedenfalls die bisherigen Beschlüsse der Stadtratsgremien nicht das letzte Wort sein, meint der Historische Verein. Ettenheim hat eine Reihe schöner, liebevoll gepflegter Bauten, auf denen sein Ruf beruht. Aber es hat eigentlich wenig Gebäude von bescheidenem Rang, in denen sich aber dennoch der Geist der Jahrhunderte städtischen Lebens geradezu sinnbildhaft verdichtet: das Scharfrichterhaus ist eines davon. Wenn es verschwindet, ist wenig gewonnen, nur ein paar Parkplätze, ungleich mehr aber verloren: ein Stück Identität der Stadt, so die historisch Interessierten.

Der Scharfrichter stand in der Rangordnung der städtischen Dienste auf der untersten Stufe. Sein Tun war notwendig, machte ihn aber unrein und unehrlich, man mied ihn, und seine Kinder konnten nur ihresgleichen heiraten. Er war freilich kaum ausgelastet als Gerichtsknecht, mit Strafen zu Haut und Haar, oder gar als Henker am Hochgericht draußen westlich der Landstraße im Grün. Nur selten gab es so feierliche Tage wie 17ÎÏ8 die Aburteilung des "roten Peter", bei der alle so ergriffen waren, daß der arme Sünder noch den Galgen küßte, bevor man ihm den Garaus machte. Meist zog der Henker als Abdecker mit einem Karren, den ihm die Stadt stellte, zu seinen Geschäften aus. "Crepirtes Vieh" hatte er wegzuschaffen, einen "verreckten Ochsen" aufzuschneiden oder 1718 einen toten, in den Brunnen gefallenen Hund auf den Wasen zu tragen. Tollwütige Hunde waren abzutun, und wenn wieder einmal Wölfe im Niederwald heulten, zog er gern mit der Büchse auf die Jagd, denn dafür gab es gutes Schußgeld als Prämie.

Seine Wohnung stellte dem Scharfrichter die Stadt. Das Haus taucht zuerst 1712 in den Steuerrechnungen auf, als aufwendige Handwerkerarbeit "an des scharpfrichtersbehaußung" zu begleichen ist. Sein Bewohner, der "Meister", wie er auch genannt wird, ist aber schon seit dem 17. Jahrhundert greifbar. 1682 hören wir von Meister Diebolt Bengel, Scharfrichter und Abdecker, der lange diese ungebliebte Tätigkeit ausübt. Dann werden ein Johann Jacob Vollmer und ein Philipp Rein genannt, und seit 1759 ist Jacob Mengis Nachrichter in dessen Familie das Amt dann lange geblieben ist.


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Das Obere Tor:


Oberes Tor Ettenheim - Ende des 18ten Jahrhunderts wurden die beiden Tore (Oberes und Unteres Tor) im barocken Stil an den alten Turmstandorten erbautDie Stadt Ettenheim wurde bis ins 17te Jahrhundert von Stadtmauer, Mauergräben und vier Toren (Oberes-, Unteres-, Thomas- und Ringsheimer Tor) bewacht, die heute allesamt bereits im 17ten Jahrhundert verschwunden sind.

Ende des 18ten Jahrhunderts wurden die beiden Tore (Oberes und Unteres Tor) im barocken Stil an den alten Turmstandorten erbaut - nicht mehr "um zu wehren und Zölle einzutreiben" - sondern in repräsentativer Bauweise, wie Martin Hesselbacher in seiner denkmalpflegerischen Studie 1957 schreibt (vergl. Unteres Tor).

Die barocken Stadttore sind mit ihren Volutengiebeln architektonisch den Portalen von Kirche und Spital sehr verwandt. Beim großen barocken Stadtausbau, der vom Kirchenneubau (1768-71) angestoßen worden sein dürfte, wurde das hier abgebildete Obere Tor 1778, das Untere Tor 1783 erbaut, etwa gleichzeitig mit dem Spital und den Brunnen.

Auf der Grenze des alten Stadtkerns schließen sie den Ring der Stadtmauerbebauung und machen damit den Verlauf der alten, im Dreißigjährigen Krieg geschleiften Stadtbefestigung für jeden bis heute augenfällig.

Die barocken Stadttore schließen nicht mehr aus, wie es Aufgabe der alten, befestigten Stadttürme war; sie öffnen sich vielmehr zu weiten Pforten, durch die man freundlich und bequem in der Stadt Einlaß findet. Sie sind Symbol für die Stadtwürde, wie dies auch die schönen Stadtwappen in den Giebelfeldern versinnbildlichen.

(Obiger Text: Barocke Landschaft. - ; Robert Furtwängler: Ettenheim, Seite 10-31.)

Alte Ettenheimer Stadterweiterungen vor 1800 - Müller, Karl Friedrich - Beiträge zur Geschichte der Stadt Ettenheim (Waldkirch 1977) 58 S.

"Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden", lautet eine bekannte Redensart.

Für die Ettenheimer Altstadt gilt genau dasselbe, obwohl es in der Heimatliteratur für selbstverständlich angesehen wird, daß das Gebiet der Ettenheimer Altstadt von der Stadtgründung an denselben Umfang gehabt habe wie am Ausgang des 18. Jahrhunderts, als Ettenheim die Residenz des letzten Straßburger Fürstbischofs war, des Kardinals Louis-René-Édouard Prince de Rohan-Guémené.

Schon früher wies ich darauf hin, daß man nicht annehmen darf, daß der Grundriß der ganzen Ettenheimer Altstadt so bereits bei der Stadtgründung geplant war, sondern nur der Kern der Altstadt.

Die Geschichte der Ettenheimer Tortürme  arrowRight

Man muß den Grundriß der Ettenheimer Altstadt als das Ergebnis der geschichtlichen Entwicklung betrachten. Im Laufe der Jahrhunderte ist der Kern der Altstadt mehrmals erweitert worden, bis er um 1800 den Umfang der heutigen Altstadt erreicht hat: vom Kirchberg zum jetzigen Oberen Tor - durch die Alleestraße zum jetzigen Unteren Tor - durch die Festungsstraße zum abgerissenen Ringsheimer Tor - zum Kirchberg zurück. Der hochgelegene und von Mauern umgebene Friedhof war in die Stadtbefestigung einbezogen. Der Kirchberg ist vom rückwärtigen Berg künstlich abgetrennt.

Schriftliche Nachrichten über die alten Stadterweiterungen sind uns nicht überliefert. Man muß sich darüber anhand des Stadtgrundrisses Gedanken machen und mit aufmerksamen Augen durch die Altstadt gehen.

Dabei gibt es mancherlei Auffallendes:

Der östliche Hang des Kirchberges (gegen das Münstertal zu) ist dichter bebaut als der westliche Hang (gegen den Rhein zu); außerdem ist der östliche Teil durch Gassen gegliedert. Ich halte den östlichen Teil für das alte Bürger-, Handwerker- und Bauernviertel, den dünn bebauten westlichen Teil für das alte Adelsund Herrenviertel mit dem einstigen Fronhof der Bischöfe von Straßburg, mit Adelsbesitz (z. B. der Herren von Endingen; im 18. Jahrhundert der Familie von Ichtratzheim in der oberen Rohanstraße), mit den Gärten der Adeligen, mit Klosterbesitz (Klöster Ettenheimmünster und Tennenbach). Der Name "Pfaffenbach" (von lateinisch papa; früher ein geachtetes Wort, ohne beleidigenden Sinn) erinnert an alten geistlichen Besitz.

Vom östlichen Kirchberg laufen drei Gassen hinab zur Friedrichstraße:

- die Torgasse (früher Geißberg = Ziegenberg),
- die Berggasse (früher Fledermausberg, Kirnbergers Berg oder einfach Berg),
- die Zunftgasse (früher Totengäßle genannt, weil die Toten von Ettenheimweiler durch diese Gasse hinauf zum Friedhof gebracht wurden).

Diese drei Gassen und die heutige Ettikostraße, früher Schläfergasse genannt nach dem Steinbild, dem "Schläfer", am Haus Josef Henninger Nr. 3, enden an der heutigen Friedrichstraße. Keine der vier ist bis zur alten Stadtmauer (siehe unten) an der Innenseite der östlichen Ringstraße weitergeführt. Es sieht so aus, als ob der Kern der Altstadt, das Ettenheim der Stadtgründung, im Osten nur bis zur heutigen Friedrichstraße, im Norden bis zur Ettikostraße reichte und im Westen bis zur Innenseite des letzten Abschnitts der Westlichen Ringstraße, die Fläche des "Palais Rohan" bis zum Pfarrhof einbeziehend. Noch eine Zwischenbemerkung zu den drei Straßen, die die Bezeichnung -gasse führen; ich wiederhole einige Sätze, die ich früher schrieb unser Wort "Gasse" ist kein minderwertigeres Wort als "Straße", sondern ist ein altes germanisches Wort, das im Dänischen, Schwedischen, Norwegischen, Finnischen, im Englischen und Amerikanischen seine Entsprechungen hat. Im Wiener Straßenverzeichnis zählte ich 964 "Gassen". Ursprünglich war "Gasse" die allgemeine Bezeichnung für die Wege in Dörfern und Städten, ohne Unterschied, ob sie breit waren oder schmal. Unser aus dem Lateinischen stammendes "Straße" bedeutete früher nur die Landstraße; im Namen der Stadt Straßburg eine alte Römerstraße.

Den Ettenheimer Stock, umgeben von der Ettiko-, der Friedrich- und der unteren Rohanstraße, halte ich für eine alte Stadterweiterung.

Aus der Rundung der Turmstraße schließe ich, daß sie um eine Erweiterung des "Stocks" herumführte, daß die Turmstraße die heutige Friedrichstraße fortsetzte in einem Bogen bis zur Thomasstraße.

Was außerhalb dieses skizzierten Altstadtgebiets lag, wurde zu unbekannter Zeit ins Stadtgebiet einbezogen, nämlich

1. die Fläche östlich von der Friedrichstraße bis zur Innenseite der östlichen Ringstraße; die heutige östliche Ringstraße blieb außerhalb der Stadtmauer;

2. die Fläche zwischen der Turmstraße und der Innenseite der Westlichen Ringstraße; auch die heutige Westliche Ringstraße blieb außerhalb der Stadtmauer, wie auch ihr letzter Abschnitt von der Thomasstraße bis zum Kirchberg.

Eine andere Stadterweiterung kann man deutlich erkennen, wenn man vom heutigen Oberen Tor durch die Östliche Ringstraße zum heutigen Unteren Tor geht. Dann sieht man auf der linken Straßenseite, von der Bäckerei Henninger bis zum Alten Spital, eine hohe Mauerfront, durch die die innere Altstadt gegen das Münstertal abgeschlossen wird. An der Stelle ohne Verputz (gegenüber von den Häusern Nr. 5, 6, 7 und 9) ist das alte Mauerwerk sichtbar.

Diese Mauer muß die alte, mittelalterliche Stadtmauer sein. Da, wo man heute geht, muß einst der Stadtgraben gewesen sein; ihn hat man aufgefüllt und die Häuser auf der äußeren Straßenseite erbaut. Diese Häuser sehen einander ziemlich ähnlich, wurden also zur selben Zeit erbaut. Die Jahreszahlen 1778 am Oberen Tor und 1783 am Unteren Tor geben Anhaltspunkte, wann diese kranzförmige Stadterweiterung erfolgte. Das wird bestätigt durch die Jahreszahl 1778 am Haus Nr. 2 der östlichen Ringstraße.

Als die östliche Ringstraße angelegt und die Häuser an ihr erbaut wurden, wurde diese neue Straße, die außerhalb des alten Rings der Stadtmauer lag, durch eine neue Mauer und einen neuen Graben geschützt.

Zum Durchlaß wurden einige Meter vor den alten Tortürmen zwei neue einfache Tore gebaut, das heutige Obere Tor (1778) und das heutige Untere Tor (1783).

Das waren also nur Vortore vor den eigentlichen Toren.

Zwischen ihnen, den neuen einfachen Toren, und den hinter ihnen stehenden alten starken Tortürmen, mündete die neu angelegte östliche Ringstraße in die alte Verbindungsstraße der zwei Tortürme, in die heutige Friedrichstraße.

Die alten Stadttore mit ihren Türmen blieben noch einige Jahrzehnte stehen.

Mit der heutigen Westlichen Ringstraße verhält es sich ähnlich wie mit der östlichen Ringstraße. Auch sie wurde (um 1780) als Stadterweiterung kranzförmig außerhalb um die alte mittelalterliche Stadtmauer gelegt. Auch sie mündete zwischen dem alten Torturm und dem neuen Vortor, dem heutigen Unteren Tor (1783). Verfolgt man sie vom Unteren Tor ab, so steht die alte Stadtmauer links, und die damals neu erbauten Häuser liegen auf der rechten Straßenseite; das gilt bis zum Ende der Westlichen Ringstraße. Auf ihrem letzten Abschnitt, von der Thomasstraße ab, ist die alte Stadtmauer links frei sichtbar. Ich wiederhole: Etwa nach 1775 wurde um die alte Stadtmauer eine Stadterweiterung vorgenommen, die heutige östliche und Westliche Ringstraße, kranzförmig vor die alte Stadtmauer gelegt, und die heute noch stehenden Tore erbaut, die man nur als Vortore betrachten darf; denn die alten Stadttore standen hinter ihnen (bis vor rund 150 Jahren).
 


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Das Untere Tor


Das Untere Tor Ettenheim - errichtet, jedoch an gleicher Stelle wie die mittelalterlichen Tore stehend, was uns namentlich das Untere Tor durch seine Lage beweisterrichtet, jedoch an gleicher Stelle wie die mittelalterlichen Tore stehend, was uns namentlich das Untere Tor durch seine Lage beweist. Denn es ist eingezwängt in eine Häuserzeile, deren Krümmung deutlich den Verlauf der alten Stadtmauer erkennen läßt. Dieses Tor wurde ausweislich der im Bogenscheitel eingeschlagenen Zahl im Jahre 1783 errichtet, also zu einer Zeit, als Kardinal Rohan schon den Straßburger Bischofsstuhl innehatte. Schon lange hatten die Stadttore ihren fortifikatorischen Wert verloren. Daher wurde auch dieses Tor nicht als massives Bauwerk nach dem System eines Wehrturms errichtet, sondern nur zweidimensional, d.h. als dünne Wand, die ihre Stabilität durch einen hintermauerten Korbbogen und eine senkrecht darauf stoßende Mauerzunge bekam, in welch letzterer wir ein Überbleibsel des mittelalterlichen Torturms vermuten dürfen. Der strategische Zweck eines Torturmes früherer Jahrhunderte war somit der Repräsentation gewichen, in welcher die Baulust jener Zeit ihren Ausdruck fand.

In gleicher Front wie die flankierenden Wohnhäuser liegend, besteht diese Torwand nur aus einer einzigen Rundbogenöffnung mit einer lichten Breite von 4.20m und einer Scheitelhöhe von 4.30m. Im Schlußstein des Bogens ist das Wappen des Straßburger Bischofs zu sehen.

Das Bauwerk wird eingefaßt von zwei rustizierten Ecklisenen auf hohen einfachen Steinsockeln und einem schmalen Gesims, über dem sich der geschwungene Giebel mit Volutenenden aufbaut bis zu einer Gesamtbauhöhe der Torwand von rd.8.00m.

Einziger Schmuck dieses Giebels ist die in Sandstein ausgehauene Rokoko­kartusche mit dem Wappen der Stadt Ettenheim: Drei Türme mit welschen Hauben, der mittlere mit goldenem Kreuz bekrönt. Bemerkenswert sind die noch vorhandenen ausgebohrten Kragsteine an der Innenseite des Tores, in deren Löchern sich heute noch die Eisenringe befinden, in welchen sich die Zapfen der hölzernen Torflügel drehten.

Die Geschichte der Ettenheimer Tortürme  arrowRight

In der „guten alten Zeit" wurden bei Einbruch der Dämmerung die Stadttore noch geschlossen. Die alten Torflügel sind längst verschwunden. Schon in den letzt vergangenen dreißiger Jahren erwies sich auch bei dem Unteren Tor in Ettenheim eine Verkehrsentlastung als dringend notwendig, die im Bau eines Durchganges für Fußgänger im östlichen der beiden flankierenden Bauten gefunden worden ist. Doch sie genügte auf die Dauer nicht! So wurde auf Drängen der Stadtverwaltung Ettenheim, mit Rücksicht darauf, daß das Tor „täglich mehrmals von Hunderten der die nahe Volksschule besuchenden Schülern passiert werden muß", im Jahre 1954 durch das westlich anschließende Gebäude ein zweiter Durchgang gelegt.

Diese Baumaßnahme erfolgte nach den Direktiven des damaligen Leiters unseres Amtes, Prof. Dr. Schlippe. Es wurde vor allem Wert darauf gelegt, daß die bis dahin durch einen häßlichen Ladeneinbau im Erdgeschoß verunstaltete Fassade dieses Gebäudes bereinigt wurde, in dem der Ladeneingang in den neuen Durchgang verlegt und das unvermeidliche Schaufenster neben der Rundbogenöffnung des Durchganges in bescheidenen Maßen, putzbündig und ohne aufwendige Umrahmung gestaltet wurde, sodaß die Mauerflächen des Torbaues dominierten.

Von außerhalb des Tores bietet sich uns nunmehr folgendes Bild: östlich der alten Toröffnung, deren Dimensionen wir oben schon genannt haben, in einem Abstand von 1.70m befindet sich ein kleines Rundbogentor für die Fußgängerpassage mit einer lichten Breite von 1.50m und einer Scheitelhöhe von2.55m; das neue westliche Rundbogentor, das dem östlichen möglichst gleich gestaltet wurde, hat einen Abstand von 1.60m vom alten Tor, eine lichte Breite von 1.60m und eine Scheitelhöhe von 2.70m. Auch hier sind die maßlichen Unterschiede durch die örtlichen Gegebenheiten bedingt.

Um den Ladeneinbauten innerhalb der beiden Durchgänge mehr natürliche Belichtung zu sichern, wurden auf beiden Seiten nach der Straße zu je eine weitere Rundbogenöffnung geschaffen, die durch zarte, schmiedeeiserne Gitter geschützt sind, um zu verhindern, daß Kinder in die Fahrbahn springen. Schon seit längerer Zeit ließ der sehr schlechte bauliche Zustand des östlich ­flankierenden Gebäudes eine gründliche Reparatur als angezeigt erscheinen.

Die genauere Untersuchung ergab schließlich jedoch die Notwendigkeit, dieses Haus ganz abzubrechen. Der Abbruch erfolgte im Sommer 1957. Anschließend wurde das Haus sofort wieder historisch getreu aufgebaut. Dies nahm man zum Anlaß, um hernach der gesamten Gebäudegruppe, Tor mit flankierenden Wohnbauten, ein neues Gewand in Verputz und Anstrich zu geben. Ein einheitlicher Kalkmörtelputz in hellem leuchtendem Ocker mit feinsandiger, fast glatter Oberfläche bindet über die in dunkelrotem Sandsteinton gestrichenen Architekturteile hinweg die ganze Bauanlage, sowohl vom Stadtinnern her gesehen als auch von außen, zu einer vollkommenen Einheit zusammen.

Ja, um der Einheitlichkeit willen hat die Stadt die Kosten nicht gescheut, das erst vor drei Jahren neu hergerichtete westliche Haus nochmals überputzen zu lassen. Über dem Torbogen leuchtet nun wieder das goldumrahmte Wappen der Stadt Ettenheim. Abschließend sei auch hier allen Beteiligten für die Schaffung dieses in seinem neuen Gewände wiederum so reizvoller gewordenen Schmuckstückes der Stadt herzlichst gedankt. Voran Bürgermeister Coenen mit seinen Stadträten, die ihr Interesse an der Erhaltung ihres historischen Stadtbildes so tatkräftig beweisen, sodann Stadtbaumeister Kern, der sich mit viel Liebe zur Sache dieser Arbeit gewidmet hat undendlich allen Handwerkern, von denen Maurermeister Helle, Gipsermeister Hessemann und Malermeister Bildstein, alle aus Ettenheim, besonders lobend hervorzuheben sind.

Stadtbefestigungen - Denkmalpflege an Stadttoren - Von Martin Hesselbacher, Freiburg i. Br.


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"Hexenturm" / Gefängnis / Stadtbücherei


Ettenheim (mam). Vor gut 200 Jahren wurde in Ettenheim ein damals höchst
Hexenturm - Gefängnis - Museum und Bibliothek - Die Gebäudegeschichte beginnt zur Zeit der europäischen napoleonischen Kriege. Damals fand sich auf dem heutigen Areal nur ein öffentliches Gartengelände. 1812staunenswertes hohes Gebäude unweit des Palais Rohan im Altstadtzentrum errichtet. Seine Geschichte ist recht wechselhaft, vom ursprünglichen Kornspeicher und Gefängnisturm bis zum heutigen Vereinshaus.

Naturalsteuer

Die Gebäudegeschichte beginnt zur Zeit der europäischen napoleonischen Kriege. Damals fand sich auf dem heutigen Areal nur ein öffentliches Gartengelände. 1812 wurde im Garten ein, so Hubert Kewitz 1979 im Ettenheimer Heimatboten, „Staunen erregendes Gebäude“ errichtet. Der Grund: Damit wollte der nach Napoleons Willen umgestaltete badische Staat ein technisches Unterbringungs-Problem lösen. Es ging um den nunmehr komplett an ihn zu entrichtenden Wein- und Kornzehnten, als Zwangs-Naturalsteuer. Wohin damit? In einen „herrschaftlichen Wein- und Fruchtspeicher“, der mit zwölf mal 28 Metern präzise zwischen Schul- und westlicher Ringsstraße auf den Garten passte. Dabei wurde allerdings zuvor die störende alte Ringstraßen-Stadtmauer kurzerhand abgerissen. Der neue Speicher bekam fünf je zweieinhalb Meter hohe Stockwerke plus aufwändigem 5,3 Meter hohen Gewölbekeller. Dort lagerten unterirdisch die Abgaben-Weinfässer. Zwei Jahre hatte der imposante Lager-Nutzbau bis 1814 in Anspruch genommen, unter Aufsicht des damaligen badischen Bauinspektors Wilhelm Frommel, einem Schüler des berühmten höfischen Baumeisters Friedrich Weinbrenner.

Gefängnisturm

Nach wenigen Jahrzehnten verlor der Fruchtspeicher aber seine Funktion. Jetzt sollten die Bauern ihre Abgabepflichten mit direkten Geldzahlungen erledigen. Das ersparte die Lagerung der Naturallieferungen. Der Zufall wollte es dann, dass ein altes Amtsgefängnis im unteren Torturm längst aus seinen Nähten platzte. So wurde das Gebäude um 1841 herum in seiner Grundfläche auf zwölf mal 18 Meter radikal verkleinert. Der westliche Teil wurde komplett abgebrochen, die neue, offene Flanke mit einer unverputzten Sandsteinfassade verschlossen. Die ehemaligen Speicher-Stockwerke wurden auf vier reduziert. Wie viele Übeltäter dann in den neu eingerichteten Gefängniszellen des nunmehr turmähnlichen Gebäudes bis 1927 schmachteten und warum, ist noch nicht erforscht. Noch heute sind in den Stockwerken viele der massiven Zellen- Holztüren erhalten.

Kulturhaus

Seit 1990 wird das alte Gefängnis kulturell genutzt. Hier fanden neben der Volkshochschule auch Vereine eine neue eigene Bleibe. Von Anbeginn der neuen Nutzung ist hier außerdem die Stadtbücherei untergebracht. Der Keller blieb fünf Jahre lang ungenutzt, bis 2003 das städtische Museum einzog, bis heute unterstützt von einem Vereins-Förderkreis. Seitdem finden sich hier Exponate, Fundstücke und Dokumente aus der Stadtvergangenheit, von Mittelalter bis zur Brandschatzung im Dreißigjährigen Krieg. Dazu gehört auch die Erinnerung an ein legendäres Skandal-Diamantenhalsband, mit dem einst Kardinal Rohan versucht hatte, die Gunst der Königin Marie Antoinette zu erringen.

Obiger Text - Daniela Santo - Stadtanzeiger Ortenau - 8. Oktober 2019

Kewitz, Hubert: Das Ettenheimer "Gefängnis": Einst "Herrschaftlicher Wein- und Fruchtspeicher" (Ettenheimer Heimatbote, 31.10.1979)

Das Gelände ist der Überrest eines imposanten großherzoglichen Nutzbaus der Rheinbundzeit

Ettenheim (Hk). Der Turm des alten Gefängnisses in Ettenheim prägt seit anderthalb Jahrhunderten als eindrucksvoller Akzent das Stadtbild. Ob und wie er erhalten bleibt, wird in der näheren Zukunft zu entscheiden sein. Akten im Kalrsruher [sic!] Generallandesarchiv geben Aufschluß über die Geschichte des Baus. Bei dem Übergang der Herrschaft Ettenheim an Baden stand hier noch nichts. Es war Gartengelände im öffentlichen Besitz, teilweise von der Amtsschreiberei (das Grundstück der heutigen Apotheke) genutzt, denn es ist mehrfach die Rede von einem Bienenhaus des Amtsschreibers Sartory, für das Ersatz geschaffen werden mußte.

Das Gelände ist der Überrest eines imposanten großherzoglichen Nutzbaus der RheinbundzeitAuf diesem Areal, am Stammhof nach Süden hin anschließend, entstand nun seit 1812 ein Staunen erregendes Gebäude. Der junge badische Staat gedachte auf eine großzügige und gründliche Weise das Problem der Unterbringung der nunmehr an ihn fallenden herrschaftlichen Wein- und Kornzehnten zu lösen.

Der "herrschaftliche Wein- und Fruchtspeicher", wie er genannt wurde, paßte mit einer Grundfläche von zwölf mal über 28 Metern der Länge nach genau in den Raum zwischen Schulstraße und Westlicher Ringstraße. Im Westen stieß er auf die alte Ringmauer der Stadt, die bei der Planung als eine "faule Mauer" bezeichnet und abgerissen wurde. Er erreichte in fünf, jeweils über zweieinhalb Meter hohen Stockwerken, dem 5,28 Meter hohen Keller und dem Dach schon damals mindestens die heutige Höhe. Der umbaute Raum umfaßte an die 8 000 Kubikmeter.

In dem Keller, mit seinem von vier Pfeilern gestützten, fünfteiligen Gewölbe, lagerten die großen Fässer zur Aufnahme des Weins. Wegen eines in Ettenheim seit jeher möglichen Wassereinbruchs sollte hier der Boden etwas geneigt sein und eine Abzugsdole angelegt werden. Ein Flaschenzug-System brachte die Frucht in die fünf Stockwerke und unters Dach.

Die Pläne stammten von dem herrschaftlichen Baumeister Krämer aus Malterdingen. Ausgeführt (und teilweise abgeändert) wurde dieser imponierende Nutzbau dann vom Sommer/Herbst 1812 bis in das Jahr 1814 hinein von dem badischen Bauinspektor Wilhelm Frommel, einem der ersten Schüler und Mitarbeiter des berühmten Friedrich Weinbrenner in Karlsruhe. (Frommel hat auch die Stadtkirche in Lörrach gebaut.)

Der heutige turmähnliche Bau ist nun dadurch entstanden, daß nach wenigen Jahrzehnten, als die alten Abgaben in Naturalien überall durch, einmalige Geldzahlungen "abgelöst" wurden, kein Bedarf mehr für einen so großen Speicher bestand. Unverändert nötig war aber offenbar ein aufnahmefähiges, größeres Amtsgefängnis, das bis dahin, im Unteren Torturm untergebracht war. Mit der Einsicht, überfällige mittelalterliche Bräuche und Lasten, seien abzuschaffen, hatte die sonstige sittliche Reife der Bevölkerung offenbar nicht Schritt gehalten.

Man reduzierte nun (der genaue Zeitpunkt wäre noch festzustellen) das große Speichergebäude auf unter zwei Drittel seines Bestands - auf eine Grundfläche von etwa 12 mal 18 Metern, das heißt: man brach das westliche Stück an der Ringstraße ab und zog eine neue Westmauer :hoch (die jetzige unverputzte Sandsteinmauer). Die Baunähte sind dort, wo die neue Mauer an den alten Mauerverband anschließt, noch deutlich zu erkennen.

Es sieht so aus, als ob zur Winterschule hin .die alte Mauer unmittelbar über dem Erdboden noch in ihrer ganzen alten Ausdehnung erhalten ist. In der Ringstraße entdeckt man außerdem, jetzt, zugemauert. und Teil. der Hofmauer neben dem Tor, die beiden Fensterwände des alten Kellers. Ihre östlichen Gegenstücke gewähren auf der anderen Seite, vom Stammgäßle aus, noch heute Einblick in den alten Weinkeller. Die ursprünglichen fünf Stockwerke wurden auf vier reduziert; die alte Einteilung ist aber bei. der genauen Betrachtung der vermauerten Fenster auf den. älteren drei Seiten noch zu erkennen.

Dieser alte badische Speicherbau muß in der damaligen kleinen Amtsstadt des frühen 19. Jahrhunderts schon etwas vorgestellt haben. Noch der heutige Überrest ist ein immer noch beeindruckender Ausdruck dieser ersten großherzoglichen Zeit, der letzten Jahre des Rheinbundes, ein Zeugnis der letzten großen Zeit Napoleons und seines ähnlich groß planenden Karlsruher Vasallen.

Anschrift:
Förderkreis Museum e.V.
Thomas Dees
Freiburger Straße 7
77955 Ettenheim
telefon 07822 3984

Träger und Auskunft:
Stadt Ettenheim
Rohanstraße 16
77955 Ettenheim
telefon 07822 432-0
fax 07822 432-999
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Palais Rohan:


Schloss Ettenheim - Palais Rohan war die letzte Residenz des letzten Fürstbischofs von Straßburg Louis René Edouard von Rohan-Guémené. Es wird deshalb auch als Palais Rohan ('letztes Schloss') bezeichnetSchloss Ettenheim - Palais Rohan war die letzte Residenz des letzten Fürstbischofs von Straßburg Louis René Edouard von Rohan-Guémené. Es wird deshalb auch als Palais Rohan ('letztes Schloss') bezeichnet. Heute dient es der Stadtverwaltung von Ettenheim.

Die Stadt Ettenheim gehörte seit dem 11. Jahrhundert zum weltlichen Besitz des Fürstbistums Straßburg. 1560 errichtete Bischof Erasmus Schenk von Limpurg das Gebäude als Amtshaus im Stil der Renaissance. Der dreigeschossige Bau mit hohem ebenfalls dreigeschossigem Satteldach wurde dabei auf einem noch wesentlich älteren Kellerfundament errichtet. Durch die Hanglage ist das Kellergeschoss vom Hof aus erkennbar. Einziger Bauschmuck sind die Giebel fialen, ein Steinfries unter dem Giebel und das Steinwappen über dem Eingang, zu dem eine doppelläufige Treppe führt. Der Schlussstein auf der östlichen Giebelspitze des Erkervorbaus zum Marktplatz hin zeigt das Wappen des Erbauers Bischof Erasmus und die Jahreszahl 1560.

Im 18. Jahrhundert wurde Ettenheim als Nebenresidenz neben Straßburg und Saverne im Stil des Barocks ausgebaut. 1790 musste Kardinal Louis von Rohan aus seinen linksrheinischen Besitzungen fliehen. Er zog zunächst ins Kloster Ettenheimmünster, bis das Amtshaus als fürstbischöfliche Residenz umgestaltet war. 1791 wurde Ettenheim die offizielle Residenz des Fürstbischofs und des Domkapitels. Sie mussten allerdings immer wieder vor den Revolutionstruppen fliehen. Erst 1801 konnte der Kardinal endgültig zurückkehren, wo er 1803 starb. Sein Nachlass wurde versteigert. Nur noch ein seines Onkels Armand Gaston von Rohan-Soubise hat sich erhalten und wird im Sitzungssaal im Obergeschoss gezeigt. Dort befindet sich zudem ein Thora-Vorhang (Parochet) aus der ehemaligen Synagoge in Ettenheim. Die übrigen Gobelins schmückten später das Mannheimer Schloss, wo sie teilweise wieder gezeigt werden können.

Hinter dem Amtshaus befand sich das Wohnhaus des Vogts. Später entstand hier die Winterschule, die als höhere Bürgerschule und als Landwirtschaftsschule genutzt wurde. Heute sind hier betreute Altenwohnungen eingerichtet, und der Gewölbekeller wird von einer lokalen Kulturinitiative genutzt. 1790-1803: Louis René Edouard, Prince de Rohan-Guémené, und Ettenheim - Schicksal einer ungleichen Beziehung. (obiger Text von Dr. Jörg Sieger)

Ettenheims "altes Schloß" und seine Geschichte  arrowRight16

Wie mag es ausgesehen haben, das Zimmer im 2. Stock des Ettenheimer Amtshauses, umgebaut zur bischöflichen Residenz? Wieviele Kerzen mögen an jenem Abend des 16. Februars 1803 angezündet gewesen sein? Keine Festbeleuchtung? Keine rauschende Gesellschaft? Wo waren Hofklatsch, Galanterie, Uniformen, Abendkleider, mit denen sich der Kardinal so oft zu umgeben gepflegt hatte? Husten durchbricht die Stille! Die Luft im Krankenzimmer ist zum Schneiden. Ein Frösteln geht durch die Anwesenden. Wieviele mögen es gewesen sein? Nachts um 11 Uhr ...
An diesem Abend endete in Ettenheim das Leben, des Kardinals Louis René Edouard, Prince de Rohan-Guémené, in aller Stille, weitab der großen Politik. Dabei hatte es am 25. September 1734 unter ganz anderen Vorzeichen begonnen. 

Als Spross eines der ältesten und vornehmsten französischen Adelsgeschlechter war für den jungen Louis René natürlich nur eine höhere Laufbahn in Frage gekommen: Studien im Collegium du Plessis, Seminar von St. Magloire, Priesterweihe. 

1756 erhielt der 21-jährige die Abtei Chaise-Dieu in der Auvergne, im gleichen Jahr wurde sein Onkel zum Fürstbischof von Straßburg gewählt. Der sechzigjährige Bischof begehrte bereits 2 Jahre nach seiner Amtseinführung einen Koadjutor und erhielt denselben am 22. November 1759 in der Person seines 25-jährigen Neffen. Dessen Aufstieg war damit noch lange nicht zu Ende. 

Nach seiner Weihe als Bischof von Canopolis erhielt er im Jahre 1761 die Abtei Mont-Majour, wurde am 11. Juni Mitglied der frz. Akademie und empfing in Straßburg am 7. Mai 1770 zusammen mit seinem Onkel den Brautzug der Marie Antoinette. Rohan vertrat Frankreich vom 6. Januar 1772 an als Botschafter am Wiener Hof, erhielt - nach seiner Abberufung - 1777 die Würde eines Grand-Aumônier de France und am 1. Juli 1778 den Kardinalshut, gepaart mit den Einkünften der Abtei Sankt Waast zu Arras und dem bald darauf verliehenen Titel eines Provisors der Sorbonne. Und als der Straßburger Bischof am 11. März 1779 stirbt, wunderte man sich nicht, den jungen Kardinal als dessen Nachfolger zu sehen.

Schloß Ettenheim.

Palais Rohan war die letzte Residenz des letzten Fürstbischofs von Straßburg Louis René Edouard von Rohan-Guémené. Es wird deshalb auch als Palais Rohan ('letztes Schloss') bezeichnetIn seiner Schrift: "Die Stadt Ettenheim", berichtet Albert Kürzel, daß Ettico II. "in der ihm angefallenen Herrschaft auf kleiner Anhöhe ein Schloß" gebaut und ein Oppidum gegründet habe, das nach ihm Ettenheim genannt wurde. Ettico starb zwischen den Jahren 712 - 715. Und weiter heist es dort: die Häuser von Ettenheim reihen sich um den Hügel, worauf die Burg einst gestanden, daher sie auch selbst noch lange Zeit unter dem Namen Burg Ettenheim erschienen. Ob das Schloß von der Edelfamilie des Erbauers oder einem Burgvogt bewohnt gewesen, oder ob es daselbst überbaupt ein eigenes Edelgeschlecht gegeben habe, läßt sich mit Bestimmtheit nicht erweisen. Alle diese Angaben müssen in das Reich der Fabeln verwiesen werden; es läßt sich bisher kein Beweis erbringen, daß Ettenheim so früh eine Burg gehabt hat. Nach den folgenden Ausführungen des Herrn Baurats Voegele muß man allerdings annehmen, daß im späten Mittelalter da ein Schloß gestanden hat. Leider fehlt uns aber auch hier die schriftliche Überlieferung. Es ist möglich, daß bei dem Aktentausch zwischen dem Elsaß und Karlsruhe Archivalien in Straßburg geblieben sind, oder daß sie aus irgendeinem Umstand vernichtet worden sind.

Wahrscheinlich sind manche Notizen über das Schloß in den bischöflichen Protokollen des Straßburger Bezirksarchivs; leider sind sie noch nicht erhoben. Das heutige Schloß diente zum zeitweiligen Aufenthaltsort des Bischofs von Straßburg, wenn er als Landesherr in seine oberen badischen Landesgebiete kam. Seit 1791 war es ständiger Sitz des Bischhofs; denn am 12. Dezember 1790 kam der Bischof Rohan mit seinem ganzen Gefolge, etwa 60 Personen, über den Rhein herüber, vertrieben von der großen Revolution, und nahm Wohnung in dem Schlosse. Mit ihm kam auch seine Nichte Charlotte Rohan, die Braut des Herzogs von Enghien; sie war des Prinzen Verderben, denn trotz aller Mahnungen, daß Napoleon ihm nach dem Leben trachte, blieb er in Ettenheim, in der Nähe seiner Braut. Von seiner Liebe sprechen noch heute die mit Diamant an einigen Fenstern eingeritzten Verse, zumeist entnommen aus Boileau, Corneille und Racine. Einige sind wohl von ihm selbst, so:

Belle Charlotte.
yotre nom est gravé
dans mon coeur
comme mon cul dans
mes culottes.

über diese Zeugnisse ist in den "Münchner Neuesten Nachrichten" vom 1. Oktober 1902 berichtet. Ich darf wohl auf meine Mitteilungen über die Gefangennahme von Herzog von Enghien und über das Testament und die Hinterlassenschaft des Kardinals Rohan verweisen ("Die Ortenau", Heft 18 und 10), weil dort die notwendige Literatur angegeben ist. Durch den Reichsdeputationshauptschluß verlor Kardinal Rohan seine rechtsrheinischen Gebiete, durfte aber noch in seinem Schloß in Ettenheim wohnen. Nicht lange konnte er von diesem Recht Gebrauch machen, denn am 16. Februar 1803 verschied er. In der Folge entschied der Staat über das Schloß nach seinem Gutdünken.

Durch die Hanglage ist das Kellergeschoss vom Hof aus erkennbar. Einziger Bauschmuck sind die Giebel fialen, ein Steinfries unter dem Giebel und das Steinwappen über dem Eingang, zu dem eine doppelläufige Treppe führtDas alte Schloß und ehemalige Amtshaus in Ettenheim, in dem jetzt das Forstamt, die Gendarmerie und drei Beamtenwohnungen untergebracht sind, ist ein interessantes Baudenkmal mittelalterlichen Ursprungs. Der jetzige Bau, d. h. die Umfassungsmauern mit einzelnen architektoniscen Details, entstammen den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts und stehen zum Teil zweifellos auf viel älterem Kellermauerwerk. Die nördliche Kellermauer zeigt heute noch eine Dicke von etwa 4 Meter, die anderen Kellermauern messen 1,10 Meter, 1,15 Meter und 1,85 Meter. Die abnorme Stärke von 4 Meter läßt sich nur erklären durch die Annahme, daß ehemals hier eine alte Befestiqung stand, vielleicht eine Tiefburg, nach deren Zerstörung dann im 16. Jahrhundert ein neues Schloß errichtet wurde mit der für die damalige Zeit normalen Mauerstärke im Erdgeschoß von einem Meter. Dieser Bau des beginnenden 16. Jahrhunderts läßt sich noch gut erkennen und nicht nur an architektonischen Resten nachweisen. Zu den Resten gehört das Eingangsportal mit dem Wappen, einzelne Fenstergewände im Erdgeschoß mit Renaissanceprofil, die Gesimse und die Giebel. Die Bauzeit fällt in die Stilwende von Gotik und Renaissance. Der Baumeister war gotisch erzogen und in den neu von Italien heraufgekommenen Stil hineingewachsen, den er aber durchaus nur ornamental empfand. Die mittelalterliche, d.h. gotische Gesinnung des Baumeisters zeigt deutlich die Fenstergruppierung in dem östlichen Eckzimmer des Erdgeschosses.

Hier waren und sind heute noch die Fenster gotisch gruppiert, wenn auch in der Barockzeit äußerlich umgeändert. Mittelalterliches Prinzip war die Raumgestaltung von innen nach außen, was eine unsymmetrische Aufteilung der Fenster bedingte. Die Fenster dieses Eckzimmers waren zweifellos gruppierte, schmale Fenster mit profilierten Zwischenpföstchen, wie man heute noch an zwei anderen Fenstern der Südseite erkennen kann, die Renaissanceprofilierung und im Sturz die Ansätze eines Zwichenpföstchens zeigen. Der symmetrisch ordnende Geist der Renaissance war dem Baumeister des Schloßneubaues vom 16. Jahrhundert noch fremd. Er kannte nur die neuen Formen und auch die nur oberflächlich. Denn völlig gotisch sind die Profilierungen des Giebels und des Hauptgesimses, heute noch unverändert, ganz originell aber und ein Gemisch von Ornamentik der Gotik und Renaissance die Giebelanfänger und die Giebelendigungen. Die Giebelanfänger laden kragsteinartig aus, tragen auf zwei Seiten Fratzen in Halbrelief, und auf dem Kragstein sitzt ein gotischer, kantiger Knauf, der aus einem akanthusartigen Sockel aufsteigt und mit einer Kugel endigt. In der anschneidenden gotischen Hohlkehle des Giebelgesimses ist noch eine Steinkugel als Zierrat. Die Giebel enden in einer Art langgestreckter, gotischer, steinerner Kreuzblume, an deren glattem Stamm ein Männlein hinaufklettert, wie wenn es nach der Wetterfahne greifen wollte, die aus der Steinkugel dieses Knaufes herauswächst. Sockel dieser originellen Kreuzblume ist eine jonische Basis, die wieder auf einer zwischen die Giebelenden gespannten Fratze als Träger aufsitzt.

So stand das Schloß als gotischer Bau mit schmalen, gekuppelten Fenstergruppen zweigeschossig mit hohen Giebeln bis in die Barockzeit da. Ein neuer Geist zog ein mit den Straßburger Bischöfen. Als Bischofsresidenz wurde das Schloß im 18. Jahrhundert modern, das hieß damals barock, umgebaut. Die mittelalterlichen, schmalen, gruppierten Fensterchen passten nicht zur neuen Zeit. Sie wurden herausgerissen, neue Gewände eingezogen, oder, wo es paßte, nur die Zwischenpföstchen herausgerissen und ein breites Fenfter gestaltet. Im Obergeschoß sind alle Fenster herausgerissen und erhöht worden. Die Giebel und die gotischen Gesimse blieben. Und so steht das Haus heute noch vor uns: Ein Stilgemisch der Gotik, der Renaissance und des Barocks.

Obiger Text: Ernst Batzer und Rudolf Vögele - Die Ortenau - Veröffentlichungen des historischen Vereins für Mittelbaden 1934 - 548ff


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Ichtratzheimer Haus

 
Das Ichtratzheimer Haus ist architektonisch ein typisches Gebilde des 18. Jahrhunderts, aus dem das Haus ichtratzheimerHausauch ausweislich der Jahreszahl 1744 über dem Hauptportal stammtRudolf Vögele: Das Ichtratzheimsche Haus in Ettenheim (Die Ortenau (21/1934) 551-552)

"Prinzenschlössle" ist architektonisch ein typisches Gebilde des 18. Jahrhunderts, aus dem das Haus auch ausweislich der Jahreszahl 1744 über dem Hauptportal stammt.

Fünf symmetrische Fensterachsen gliedern die zweistöckige Vorderfassade, die ursprünglich mit einem großen Architekturgerippe bunt bemalt war entsprechend der Zeit, die kein Geld hatte für Steinfassaden und darum zur Malerei griff. Diese Fassadenmalerei war in Resten noch erhalten, die ganze Fassade wurde aber vor kurzem in geschmacklosester Weise vom Besitzer mit Ölfarbe zugeschmiert.

Im Innern ist über einem Kamin mit Spiegel ein sehr hübsches grau in grau gemaltes Bildchen (spielende Kinder) enthalten. Sonst bietet das Haus nichts Interessantes, doch wird dem Schlößchen allgemeine Aufmerksamkeit entgegengebracht, da in ihm Napoleon I. den Herzog von Enghien am 15. März 1804 mitten im Frieden gefangennehmen und einige Tage später in der Festung Vincennes erschießen ließ.

Hubert Kewitz (Die Ortenau - Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Mittelbaden (64/1984), Seite 370 - 372)

Das Ichtratzheimer Haus
...Auch "Prinzenschlößle" genannt nach seinem berühmten Bewohner, dem jungen Louis-Antoine-Henri de Condé, Duc d'Enghien.

Unter barockem Schleppgaubendach wird eine einfache, früher mit Architekturmalerei versehene Fassade von fünf Fensterachsen gegliedert. Das Obergeschoß ist konstruktives Fachwerk unter Putz; die Mauern des Erdgeschosses sind auffallend stark angelegt; der Keller ist doppelstöckig. Der durchaus herrensitzhafte Hof liegt wesentlich tiefer als der Eingang an der Rohanstraße; in Hof und Keller fallen starke Holzkonstruktionen auf. Innen verbindet eine schöne Treppe die Geschosse, die kaum etwas von älterer Ausstattung enthalten.

Das 1626 datierte Allianzwappen über dem Eingang gehörte dem fürst bischöflichen, als eifriger Hexenverfolger hervorgetretenen Amtmann Johann Ludwig Zorn von Bulach und seiner zweiten Ehefrau, einer geb. Maria Jacobaea Zanth von der Merlen. Die Tafel befand sich ursprünglich an einem anderen, verschwundenen Gebäude in der Nähe, das zu dem "Bulachischen/Andlauischen/Olisyschen Hof" gehörte, auf dessen Grund das Ichtratzheimsche Haus erbaut wurde.

Die Zahl 1744 über der Tür gibt das Baujahr an. Die Erbauer und ersten Bewohner sind in den eng verschwägerten adligen Amtmannsfamilien der Reich, Olisy und Maillot zu suchen. Die Freiherren von Maillot aus dem schweizerischen Pruntrut waren dort in bischöflich-baslerischen und hier in bischöflich-straßburgischen Diensten. Seit 1739 führte Martin Beatus von Maillot, später Oberamtmann von Oberkirch, einen Rechtsstreit um Abgaben mit der Stadt, der erst 1775 durch einen Vergleich beendet wurde. 1758 wird er als Besitzer des Hauses genannt; vielleicht ist er auch der Bauherr. 1786 stirbt er in Pruntrut als Hofrat und Kammerpräsident beim Fürstbischof von Basel. Seine einzige Tochter Anna Maria war verheiratet mit dem wohlhabenden Baron Franz Reinhard Hannibal von Ichtratzheim in Straßburg, einem französischen Offizier, der am 30.4.1790 vor der Revolution fort nach Ettenheim ins Maillotsche Haus zog, das deshalb schon 1791 "H: Von Malio oder Ichtersheim ßein gebey" (Machleid) genannt wird. Nach dem tragischen Tod seines Kindes und seiner Frau im Jahre 1801 bewohnte Ichtratzheim († 1821 im Elsaß) noch einige Zeit das Haus, in dessen Obergeschoß er seit 1801 den Herzog von Enghien aufgenommen hatte. Der junge Condé wurde von hier in der Nacht vom 14. auf den 15. März 1804 entführt und nach kurzem Prozeß in Vincennes erschossen. - Das Haus kam später in den Besitz der Ettenheimer Familien Mengis, Fuchs und Stoelcker; seit 1981 gehört es Dr. R. Jäger.


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St. Bartolomaeus Stadtkirche


1764 hatte man sich endlich zu einem vollständigen Neubau durchgerungen. Am 1. August lieferte der vortreffliche Fürstenbergische Baudirektor Franz Joseph Salzmann (1724-1786) einen gewünschten Plan beim Amtsschultheißen ab. Er plädierte für einen Standort in der unteren Stadt beim Spital.Von Hubert Kewitz und Dieter Weis - (Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 1997)

Baugeschichte der neuen Kirche

Vor Ort waren 1762 viele der Meinung, mit einer Erweiterung der alten Kirche und einem neuen Turm sei es getan. In der Frage der Kosten hatte das Dekret bestimmt, der für die Bauteile Zuständige habe zu zahlen. Das war für das Langhaus und die Einrichtung die Stadt, für Chor und Turm aber das Kloster Ettenheimmünster als Zehntherr. Ettenheim wußte aus langer Erfahrung, daß es mit seinem Intimfeind, dem Kloster, in dieser Hinsicht Schwierigkeiten geben würde.

1764 hatte man sich endlich zu einem vollständigen Neubau durchgerungen. Am 1. August lieferte der vortreffliche Fürstenbergische Baudirektor Franz Joseph Salzmann (1724-1786) einen gewünschten Plan beim Amtsschultheißen ab. Er plädierte für einen Standort in der unteren Stadt beim Spital. Erst im März 1766 fiel die Entscheidung für den Platz unterhalb der alten Kirche, wo das Schulhaus gestanden hatte. Nach Salzmanns (erhaltenem) Plan sollte seine Kirche wie die alte westöstlich ausgerichtet sein.

Wie es üblich war, forderte man weitere Pläne von anderen Architekten an, so von Meister Johann Michael Riescher († 1779) von Oberehnheim. Es hat vier Entwürfe gegeben. Angenommen wurde zuletzt der Plan des Straßburger Steinhauer- und Maurermeisters Budtinger. Von Joseph Anton Bud(t)inger (1715-1772), aus dem vorderösterreichischen Guningen-Seitingen gebürtig und seit 1753 in der Straßburger Maurerzunft eingeschrieben, ist kein anderer größerer Bau bekannt. Es ist möglich, daß sich hinter ihm ein anderer Meister aus dem Straßburger Umkreis (J. Massol?) verbirgt. Salzmann bekam jetzt die gesamte unternehmerische Bauausführung übertragen und mußte sich, sehr gegen seinen Willen, nach den ihm nicht zusagenden Plänen Budtingers richten. Er und seine tüchtigen Poliere gaben schließlich dem vollendeten Bau das Gepräge. Von Budtingers Rissen für den Gesamtplan wurden in der Folge ausgeführt: das Langhaus mit der aufragenden Fassade und der Freitreppe mit den drei Aufgängen, der Chor (mit Abänderungen in den Maßen) und die drei Turmuntergeschosse (mit Abänderungen).

Die Stadt, deren Bürger unter den Baufronen stöhnten, war mit ihrer Lösung zufrieden: nach Budtingers Plan einen ansehnlichen Neubau zu erstellen und in Salzmann einen renommierten Bauausführer gefunden zu haben, der überdies deutlich billiger (10.000 Gulden) zu sein versprach als Budtinger (fast 15.000 Gulden). Unzufrieden waren aber alle anderen Beteiligten: die beiden Baumeister und vor allem das Kloster und sein Abt Augustin Dornblüet, der sich übergangen fühlte und dem die von ihm herzustellenden Chor, Turm und Sakristei viel zu aufwendig waren.

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Bauplan von Franz Josef Salzmann vom 9.12.1764

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Bauplan von Joseph Anton Budtinger, Plan A2 (Seitenansicht)

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Bauplan von Joseph Anton Budtinger, Plan A1 (Grundriß)

Ein erbitterter, zeitweise vor Gericht ausgetragener Streit zwischen Kloster, Bistum und Stadt hat dann die Bauzeit überschattet. Für den Prälaten blieb es eine "verdrießliche Sache"; sein Prior Dehm fürchtete 1769, sie "möchte ihn gar unter den Boden bringen".

Als man im August 1768 das alte Kirchenschiff abriß, wurde fortan Gottesdienst im Rathaus gehalten. Am 11. September 1768 war die feierliche Grundsteinlegung. (Der Grundstein ist bisher noch nicht aufgefunden worden.)

Bauleute und Künstler am Ettenheimer Kirchenbau des 18. Jahrhunderts arrowRight16

Das Jahr 1769 brachte den Bau des Langhauses (Aufschlagen des Dachstuhls im Oktober), der Fassade und den Beginn von Chor und Turm. 1770 wurde das Chordach aufgeschlagen und die Akkorde mit den Handwerkern und Künstlern für die Innenausstattung geschlossen, z. B. mit dem Stukkateur Christian Eitel (1737 geb.) und dem Maler der Langhausfresken und Nebenaltarbilder Anton Morath (1718-1783).

Zu Laetare 1771 konnte der erste Gottesdienst im neuen Kirchenschiff gehalten werden. Die Kanzel von dem Herbolzheimer Franz Anton Fuchs (1733 geb.) wurde aufgestellt. Ende 1771 wurden auch die vier Glocken in den neuen Glockenstuhl hochgezogen; am dritten Adventssonntag wurde der neue Chor geweiht.

Das Jahr 1772 sah die Herstellung des Hochaltars von Fuchs, des Hochaltarbildes von Johann Pfunner († 1788) und die Aufschlagung der Kuppel. Am 7. Juli war die Kuppel fertig gedeckt. 

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Grundriß der Kirche, 1996 (Erzb. Bauamt Freiburg)

Den Streit um Chor und Turm beendete unter Mitwirkung des badischen Architekten Franz Ignaz Krohmer († 1789) ein Kompromiß, bei dem ein gegenüber dem Plan stark reduzierter Chor, ein verringertes Turmunterteil und darüber der jetzige vorzügliche, von Salzmann entworfene Turmhelm herauskamen.

Die weiteren Jahre gehörten dem Ausbau: 1774 wurden die Nebenaltäre (Fuchs) geliefert, 1776 schuf Feuerstein den Orgelprospekt, 1777 malte Franz Joseph Stöber (1741- nach 1824), der Neffe des neuen Abtes Landelin Fluem, den Chor aus, den Joseph Meisburger (1745-1813) stuckiert hatte. 1778 malte Pfunner das große "Hl. Grab".

Erst 1782, am 27. August, gleich nach dem Bartholomäusfest, kam es dann zur Konsekration der ganzen Kirche durch Weihbischof Duvernin. Zu dieser Zeit war sie übrigens längst vollständig bezahlt.

Restaurierungen

1808 u. 41 Weißeln der Kirche durch den Tessiner Maler G. Chiappini.
1815 Restaurierung der Altargemälde durch Armand Xaver Riesterer.
1842 Renovation der Altäre durch G. Chiappini.
1852 Restaurierung der beiden Gemälde am Sebastiansaltar durch den Maler C. Ph. Schwab.
1872 - 77 Erste große Innenrenovation. Kirche getüncht. Reinigung und Auffrischung der Deckenbilder. Restauration von Altären und Kanzel. Kräftige Farbigkeit. Maler C. Stertz, Endingen.
1903 Zweite große, später kritisierte Renovation. Äußere und innere Erneuerung. Maler F. Henselmann.
1959 - 60 Dritte große Innenrenovation der stark verschmutzten Kirche. Vier neue Kalkanstriche. Altäre, Kanzel, Orgel und Deckenbilder wiederhergestellt. Restauratoren M. A. Schmid und K. Leinmüller.
1977 - 78 Außenrenovation
1995 - 96 Vierte große Innenrenovation. Gründliche, aufwendige Bestandsaufnahme und Restaurierung. Neuer Sandsteinplattenboden. Restaurator A. Panowsky.

Das Äußere

Das Äußere der Kirche entspricht wesentlich den Plänen Joseph Anton Budtingers.Hurm und Chorbau wurden aus Kostengründen jedoch etwas weniger aufwendig ausgeführt. Für die Form der Turmkuppel war vor allem Franz Joseph Salzmanns Plan maßgebend:

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Turm und Giebelfassade

Die bauchigen Teile der doppelten Haube wurden ungewöhnlich stark zusammengepreßt (H. Kewitz). Den Zeitgenossen erschien der Turm modern.

Zum Haupteingang führt eine breite, dreiläufige und geschwungene Treppe, mit der das steile Gelände überwunden wird. Ursprünglich waren gekurvte Balustergeländer, die in Voluten enden, geplant, was der Treppe eine noch elegantere Form gegeben hätte. AuT der Brüstung stehen links die hl. Scholastika und rechts der hl. Benedikt. Die bewegten Barockfiguren stammen sehr wahrscheinlich vom Kloster Ettenheimmünster. Vermutlich verdeckt die große Treppenanlage den Grundstein im unteren Bereich der Fassade.

Als künstlerisch bedeutendster Teil der Außenarchitektur kann neben dem Turm die mächtige Giebelfassade gelten, die weithin sichtbar die Ettenheimer Altstadt überragt. Sie gleicht keiner der zuvor errichteten Fassaden barocker Kirchen unseres Landes. Es wurde schon "eine Verwandtschaft mit französischer Kunst" vermutet (Dr. Hermann Ginter) oder die Kirche als ein Werk des Übergangs vom Barock zur Geradlinigkeit des Frühklassizismus empfunden.

Die Giebelfront ist durch Sandsteinlisenen (Flachpfeiler) dreigeteilt: Im Mittelteil steht das Hauptportal mit hohem Aufsatz und barockem Schild, das folgende Inschrift trägt: "Sit laus sit virtus honor ac benedictio semper" (Es sei Ruhm, es sei Stärke, Ehre und Lobpreis immerdar). Das Chronogramm dieser Inschrift gibt das Jahr 1770 an. Die Mitte des geschwungenen Portalaufsatzes krönt eine Vase. Darüber befindet sich ein großes Fenster ("Rosette"), weiter ein viereckiges Blindfenster und schließlich ein dreieckiges Giebelfeld, von barocken Ranken umrahmt, mit der Inschrift: "Uni trino" (Dem Einen und Dreieinigen). Die beiden Inschriften der Giebelfassade ergeben zusammen einen Satz aus einem alten Gebet: "Dem Einen und Dreieinigen sei Ruhm, Stärke, Ehre und Lobpreis immerdar."

Die Flachpfeiler enden in einem Fries und Gesims, das einheitlich die ganze Kirche umzieht. Die beiden mittleren Flachpfeiler werden an ihrem oberen Ende von einem barocken Muschelornament umrankt. Auffällig an der Fassade ist der geringe Schmuckanteil und die Kleinheit der Verzierungen.

Die beiden Seitenfelder der Giebelfassade füllen jeweils ein rundes Fenster, eine giebelgekrönte Nische mit lebensgroßer Figur und ein viereckiges Blindfenster aus. In der Nische links steht der hl. Petrus und rechts der hl. Paulus, beide vom Herbolzheimer Bildhauer Franz Anton (Antoni) Fuchs nach Modellen des bekannten Barockbildhauers Johann Christian Wentzinger (1710-1797) hergestellt. Die Ecken der Giebelfassade werden durch mächtige, dreiteilige Flachpfeiler gebildet, von denen der mittlere abgerundet ist.

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Chorraum

Die Fassade endet in einem wuchtigen, zweigeschossigen Volutengiebel. Die beiden Felder sind durch drei einfache runde und ein ovales Fenster aufgelockert. Besonders markant erscheinen die beiden rechtwinklig einknickenden großen Voluten ("Schnecken") an den Giebelschrägen. Als Bekrönung überragt ein Sandsteinkreuz die Giebelfassade.

Die Langhaus- und Chorfassaden tragen ebenso wie die Seitenportale nur wenig Schmuck. Durch die jeweils fünf hochgestellten, großen Fenster der Langhausseiten gelangt eine Fülle von Licht in das Kirchenschiff, ebenso auch durch die vier Chorfenster und das Rundfenster ("Gloriole") über dem Hochaltar.

Ein größtenteils noch originales Barockportal in Eichenholz ziert den Haupteingang, während die einfacheren Seitenportale genaue Kopien ihrer Vorgänger sind.

Das heutige Glockengeläute besteht aus sechs bronzenen Glocken: "Susanna" (Math. Edel, Straßburg, 1736) - "St. Michael" (Leonh. Rosenlecher, Konstanz 1754) - "St. Bartholomäus", "St. Josef", "Sancta Maria" und "Hl. Schutzengel" (F. W. Schilling, Heidelberg, 1961)

Das Geläut wird als "Idealsextett" H-D-E-G-A-H bezeichnet.

Die äußeren Maße der Kirche sind: Breite 16,5 m, Höhe 17,5 m und Länge 52 m. Höhe des Turms: 58 m.

Das Innere

Beim Eintreten durch das Hauptportal erblickt der Kirchenbesucher einen auffallend (ca. 16 m) hohen ungegliederten, saalartigen Raum, den eine flache Spiegeldecke überspannt. Flache Wandpfeiler steigern die Höhe und Weite des Kirchenraums. Ein großer Bogen verbindet das Langhaus mit dem schlanken Chor. Der Blick des Besuchers fällt bald auf den mächtigen barocken Hochaltar - ein Meisterstück in Architektur und Perspektive -, der den Chorraum in Höhe und Breite ausfüllt. Die beiden etwas einfacher gehaltenen Seitenaltäre sind in feinem Raumgefühl über Eck gestellt.

Architektur und Ausstattung der Kirche bewirken einen harmonischen, glanzvollen Raum, wie die Erbauer der Kirche ihn sich gewünscht hatten: einen Festsaal Gottes von majestätischen Ausmaßen (H. Brommer).

Chor. Bildhauer Franz Anton Fuchs schuf im Jahre 1772 den Hochaltar. Sein mächtiger Aufbau mit vier hohen Säulen und großer Krone als Thronbaldachin über dem Tabernakel hatte den älteren Herbolzheimer Hochaltar zum Vorbild. Es gibt jedoch noch weitere "Kronenaltäre", sowohl auf dem Gebiet der alten Diözese Straßburg als auch anderswo. 

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Martyrium des hl. Bartholomäus, Altarblatt von Johann Pfunner, 1772

Schon im Jahre 1686 stand im Straßburger Münster ein Hochaltar mit großer Krone, den Kardinal Wilhelm Egon von Fürstenberg hatte errichten lassen.

In der Mitte des Ettenheimer Hochaltars befindet sich das von Johann Pfunner 1771/72 gemalte große Bild "Martyrium des hl. Bartholomäus", das die Zeitgenossen des Malers sehr beeindruckte. Es zeigt die bleiche Gestalt des Kirchenpatrons als Hauptfigur, umgeben von den Marterknechten. Während des grausamen Werks (man zieht ihm die Haut ab) blickt Bartholomäus zum Himmel, von wo ihm ein

herabschwebender Engel im Auftrag der hl. Dreifaltigkeit Krone und Palmzweig bringt. Auffällig sind die Personen im Vordergrund: Ein prächtig gemalter Feldherr, vermutlich der armenische König Astyages, steht befehlend am rechten Bildrand. Ganz vorne sitzen ein Soldat und eine Mutter, die ihr Kind stillt. Der reich geschnitzte, vergoldete Bildrahmen, das große Gespränge mit den Engeln, die Lichtfülle des runden Fensters mit der Taube (hl. Geist) und die große goldene Krone als oberer Abschluß lassen dieses Gemälde, das bereits durch seine Größe optischer Mittelpunkt der Kirche ist, zu voller Wirkung kommen.

Die Inschrift (Chronogramm) auf dem Schild über dem Altarbild birgt verschlüsselt die Jahreszahl 1777. In diesem Jahr hat der Faßmaler Johann Michael Schmadel († 1783) den Hochaltar fertig gestellt. Seine feine Marmorier- und Vergolderarbeit trägt viel zur festlichen Wirkung des Kirchenraumes bei. Die Inschrift lautet: Sanctus Bartholomeus, patronus noster, intercédât pro nobis et tueatur nos ("Heiliger Bartholomäus, unser Patron, sei unser Mittler und beschütze uns").

In den Seiten des Hochaltars stehen, von geschmückten Bogen überkrönt, im Licht der Fenster die überlebensgroßen Barockfiguren des hl. Bischofs Martin (Nebenpatron) und des hl. Märtyrers Erasmus (einer der vierzehn Nothelfer). Für diese Figuren erhielt Bildhauer Fuchs ebenso wie für die Fassadenfiguren (hll. Petrus und Paulus) Modelle von Johann Christian Wentzinger.

Auf dem Tisch des Hochaltars stehen ein reichverzierter, vergoldeter Tabernakel und daneben jeweils ein ähnlich verziertes Reliquiar und ein Anbetungsengel.

Die Reliquien stammen aus dem Kloster Ettenheimmünster und sind ein Geschenk des Paters Bernhard Stöber vom Jahre 1805. 

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Altaraufsatz mit Tabernakel, Reliquiaren und Anbetungsengeln

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Verklärung Christi, Deckenfresko im Chor von Franz Josef Stöber, 1777

Die beiden Reliefs auf den Tabernakeltüren (Maria Verkündigung) stellte Bildhauer Stefan Kälble im Jahre 1936 her. Auf dem Tabernakelgehäuse liegt das apokalyptische Buch mit den sieben Siegeln und darauf das Opferlamm.

Das schöne, eichene Chorgestühl mit zwölf Sitzen (hintere Reihen) stellte Bildhauer-Bruder Egidi Butsch in der Karwoche des Jahres 1779 auf. Der vorzügliche Bildhauer Butsch leitete damals die Bildhauerwerkstatt des Benediktinerklosters Ettenheimmünster. Von seiner Hand sind auch der Prospekt der Silbermannorgel, das Gitter der Orgelbühne und die reichverzierten Beichtstühle in St. Landelin Ettenheimmünster. Vermutlich zur Zeit der Anwesenheit des Kardinals Louis de Rohan in Ettenheim - als auch viele aus dem Elsaß vertriebene Priester in Ettenheim weilten - wurde das Chorgestühl um die vorderen Bankreihen erweitert (später zwei Bänke davon wieder entfernt).

Im Jahre 1777 malte Franz Josef Stöber die Chorfresken der Ettenheimer Kirche. Das große Bild "Verklärung Christi" gilt als das qualitätsvollste Deckenbild der Kirche. Die Figuren zeichnen sich durch ihre ausdrucksvollen Gesichter aus, was aber erst aus der Nähe richtig zu erkennen ist. Gut sichtbar ist das am Bild angebrachte Wappen des auftraggebenden Abtes Fluem mit dem Pflaumenzweig. Acht kleine, einfarbige (rotbraune) Fresken umgeben das große Bild: die vier Evangelisten und die vier westlichen Kirchenlehrer Ambrosi-us, Gregor, Augustinus und Hieronymus. Diese Rocaillegrisaillen sind die besterhaltenen Fresken der ganzen Kirche.

Joseph Meisburger stuckierte im Jahre 1777 den Chorraum aus. Es ist überliefert, daß der Stuck damals eine perlgraufarbene Fassung erhielt, die heute wiederhergestellt ist. Meisburger gilt als Meister des Frühklassizismus. Seine gute frühe Ettenheimer Arbeit kann als Werk des Übergangs gelten, was auch ein Vergleich mit dem Deckenstuck des Langhauses von Stukkateur Christian Eitel zeigt.

Die Ettenheimer Pfarrkirche wurde am 27.8.1782 vom Weihbischof von Straßburg, Toussaint Duvernin (1713-85), eingeweiht. Daran erinnert eine Weiheinschrift mit Chronogramm (= 1782) an der Wand links vom Hochaltar. Die Inschrift lautet: Augustas istas aedes ritu solenni dedicavit episcopus Arathensis ("Dieses hehre Gotteshaus hat in feierlichem Akt eingeweiht der Bischof von Arathos"). Im Jahre 1996 kam die silberne Ewig-Licht-Lampe (19. Jahrhundert) in den Chorraum, ein Geschenk des Erzbischöflichen Ordinariats Freiburg.

Der Zelebrationsaltar am Choreingang wurde durch die Liturgiereform notwendig. Bildhauer Angelo Valentin, Offenburg, fertigte im Jahre 1965 einen Altartisch (Holz) im barocken Stil, der sich gut in den Kirchenraum einfügt. Im gleichen Stil schuf er im Jahre 1970 noch das Lesepult (Ambo), das von Dekan i. R. Hermann Hugle gestiftet wurde.

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Muttergottes-Seitenaltar, Wilhelm Dürr, 1854

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Ansicht des Innenraums

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Himmelfahrt Maria, großes - Deckenfresko von Anton Morath

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Taufstein von Sigmund Hilbi und Antoni Fuchs (Deckel), 1771

Den Abschluß des Chorbereichs bildet die barocke mit Balustern versehene Kommunionbank aus Eichenholz. Nach der Neuanfertigung der beiden gebogenen oberen Chortreppenstufen im Zuge der Innenrenovation der Kirche in den Jahren 1995/96 wurde die Kommunionbank auf der untersten Stufe wieder aufgestellt, wobei man die Türen aber wegließ.

Langhaus. Am Marienaltar, dem linken Seitenaltar, ist seit dem Jahre 1855 das von Hofmaler Wilhelm Dürr geschaffene Gemälde "Heilige Jungfrau mit dem Christuskinde" angebracht. Das alte, barocke Altarbild von Anton Morath, ebenfalls ein Marienbild, ging später in Ettenheimweiler verloren. Neben dem Altarbild stehen die Figuren des hl. Joseph und des hl. Evangelisten Johannes. Im Oberbild ist die hl. Agatha mit den abgeschnittenen Brüsten auf dem Tablett zu sehen. Altaraufbau und Figuren sind - ebenso wie beim rechten Seitenaltar - Arbeiten von Bildhauer Fuchs. Das Bild "Marter des hl. Sebastian" am rechten Seitenaltar schuf Anton Morath nach dem Vorbild des Schutterner Sebastiansbildes des Karlsruher Hofmalers Joseph Melling, das den Ettenheimern besonders gut gefallen hatte. Es hängt heute noch in der dortigen ehemaligen Klosterkirche. Das Oberbild zeigt den hl. Gallus sitzend mit einem geöffneten Buch und dem Bären. Es stammt wie das Oberbild des Marienaltares von Anton Morath. Neben dem Sebastiansbild stehen die Figuren des hl. Rochus und des hl. Jakobus d. Ä., der nach der Überlieferung in Santiago de Compostela / Spanien begraben wurde.

Links vom Sebastiansaltar vor der Chortreppe steht der von Steinhauerpolier Sigmund Hilbi im Jahre 1771 geschaffene Taufstein. Hilbi war als Chefsteinmetz der Ettenheimer Kirche für die anspruchsvolleren Steinhauerarbeiten zuständig (z. B. Schild am Hauptportal). Den Taufsteindeckel schnitzte Bildhauer Fuchs. Hier ist wie üblich Johannes der Täufer dargestellt, wie er Christus am Jordan tauft.

Sämtliche Fresken im Langhaus wurden von Anton Morath gemalt. Leider sind sie nicht ganz in den ursprünglichen Farben erhalten. Manche Partien erscheinen heute dunkler. Vor allem die kleinen, sepiafarbenen Bilder mußten bei der Restaurierung 1959/60 übermalt werden, um die ursprünglichen Bildinhalte wieder gut sichtbar zu machen. 

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Sebastians Glorie, Deckenfresko von Anton Morath (bei der Orgel)

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Opferung Isaaks, Deckenfresko am Chorbogen

Das größte, in der Deckenmitte befindliche Bild stellt die Himmelfahrt Mariens (Klosterpatronat) dar, das vordere den hl. Michael im siegreichen Glaubenskampf gegen die Irrlehrer und das hintere bei der Orgel die Glorie des hl. Sebastian. Auf dem kleinen Bild über dem Chorbogen ist Isaaks Opferung zu sehen. Die acht anderen kleinen Bilder zeigen Szenen aus dem Leben der Gottesmutter. Auf der rechten Seite (von hinten nach vorne gesehen): Darbringung im Tempel, Geburt Christi, Vermählung Maria und Verkündigung an Maria. Auf der linken Seite: der zwölfjährige Jesus im Tempel, Heimsuchung, Tempelgang Maria und Geburt Mariä.

Die Deckenstukkaturen des Langhauses schuf Christian Eitel 1770/71 noch ganz im Stil des Rokoko: schwingend modellierte, von nierenförmigen Rocaille-Elementen beherrschte Profilrahmen, Kartuschen und ßlattwerkornamente. Der Stuck erhielt bei der Restaurierung im Jahre 1995 eine graufarbene Fassung. Die Flachpfeilerspiegel wurden mit Kalkfarben in rötlichem Braun marmoriert entsprechend der Marmorierung der Seitenaltäre. Die Flachpfeiler am Chorbogen und die Emporenbrüstung orientieren sich am Hochaltar und erhielten deshalb blaue Farbtöne. Auf der rechten Seite des Langhauses hängt der "Große liebe Herrgott", ein spätgotisches Terrakotta-Kreuz (um 1500), früher beim großen Beinhaus auf dem Friedhof und nach 1774 außen am Chor der neuerbauten Pfarrkirche angebracht. Unter dem Kreuz stehen auf einfachen Sockeln die barocken Schnitzfiguren der Gottesmutter und des Jüngers Johannes.

Gegenüber der Kreuzigungsgruppe ist an der linken Seite des Langhauses die von Bildhauer Fuchs geschaffene Kanzel zu sehen.

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Spätgotisches Terrakotta-Kreuz

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Prozessionstragefiguren

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Kanzel von Antoni Fuchs

Korb und Treppe sind einfach gestaltet, der Schalldeckel jedoch reicher und bewegter. Er wird von Christus als "Salvator mundi" (Erlöser der Welt) und zwei Engeln bekrönt. Ebenfalls auf der linken Seite beim Marienaltar steht in einer Wandnische eine wertvolle, frühbarocke Pieta, die vermutlich aus der Vorgängerkirche oder aus einer ehemaligen Marienkapelle auf dem Friedhof stammt. In den Langhauswänden sind fünf barocke Beichtstühle mit schönen Ornamenten eingebaut, eine gute Arbeit der Ettenheimer Schreinermeister Michel und Victor Welte. Anläßlich der Innenrenovation 1959/60 erhielt die Kirche einen neuen Kreuzweg des aus Ettenheim stammenden Bildhauers Stefan Kälble, Waldkirch. Die hartweiß getönten Holzreliefs wurden in ovale, graufarbene und teilvergoldete Barockrahmen eingepaßt. So ordnet sich der Kreuzweg in das barocke Raumbild ein, ohne besonders aufzufallen. Von der Orgel, einem Meisterwerk von Ferdinand Stieffell, Rastatt (1775 fertiggestellt) ist nur noch der schöne Prospekt original. Auf ihm stehen drei mit Trompeten und Pauken musizierende Engel, die Bildhauer Caspar Feuerstein, Schuttern, schnitzte. Im Jahre 1973 lieferte die Orgelbau-Werkstätte Peter Vier, Oberweier bei Lahr, ein neues, vollmechanisches Orgelwerk mit vier Manualen und 41 Registern. Im Hauptwerk und Pedal wurde Stieffells verloren gegangenes Orgelwerk rekonstruiert. 

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Prospekt der Stieffell-Orgel

Anschließend erfolgte noch eine sorgfältige Restaurierung der Figurengruppe und der Verzierungen des alten Orgelprospekts. Heute stellt die Orgel ein Glanzstück der Kirchenausstattung dar.

Zur Ausstattung der Kirche gehören noch folgende Prozessionstragefiguren: eine Muttergottes- und eine Josefsfigur (barock) und eine gotische Sebastiansfigur. Sie stehen auf frühklassizistischen Hockern, die 1996 wieder ihre alte Fassung in Grün und Gold erhielten.

Beim Ettenheimer Kirchenbau wurden - wie damals üblich - alle Künste aufgeboten, um Gott den Herrn zu ehren und zu preisen. Die kirchliche Barockkunst bemühte sich, die Pracht des Himmels schon auf Erden sichtbar zu machen, daher die Größe und Pracht der Architektur und Ausstattung, die bunte Farbenwelt der Fresken und Figuren!

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Spätgotische Prozessionstragefigur St. Sebastian


Heiliges Grab und barocker Traghimmel

Obwohl sie nur aus besonderem Anlaß zu sehen sind, soll hier noch auf zwei wertvolle "Kirchenrequisiten" hingewiesen werden: das Hl. Grab und der barocke Traghimmel (Baldachin).

Das Hl. Grab, ein barockes "Theatrum sacrum", ist ein beeindruckender Kulissenbau mit versetzten, gestaffelten Gemäldeteilen. Es handelt sich um ein bedeutendes Werk des Malers Johann Pfunner aus dem Jahre 1778, der zuvor schon das Ettenheimer Hochaltarbild gemalt hatte. Ein gewaltiges, den Hochaltar verdeckendes Holzgerüst trägt die gekonnt gemalte Scheinarchitektur, in die Pfunner die Szenen der Leidensgeschichte - wie durch Fenster gesehen - hineinsetzte.

Mit Wechselbildern zeigte man auf der Bühne die Abendmahlszene, den Gekreuzigten und den Auferstandenen in der Zeit von Gründonnerstag bis Ostern (nur Abendmahlszene erhalten).

Die großen Figuren (z. B. Engel) lassen Pfunners barocken Stil gut erkennen. Auffallend ist aber der ausgeprägte Frühklassizismus in den dekorativen Beigaben der Aufbauten: Zopfgirlanden, Rosengestecke in würfelförmigen, auf kelchartige Füße gestellten Körben und das Fehlen von Rocailleschmuck (H. Brommer). Es ist hier leider nicht möglich, das hl. Grab näher zu beschreiben (siehe Literaturnachweis).

Der heute noch vorhandene Traghimmel entstand im Jahre 1804. Er besteht aus dem wertvollen Goldbrokatstoff mit Blumenornament und den vier Tragestangen mit vergoldeten barocken "Knöpfen". Das schwere Seidengewebe enthält echte Goldfäden. Goldfransen umranden den Stoff, der vor einigen Jahren gestopft (tamponiert) werden mußte, um ihn zu erhalten. Die schön geschnitzten "Knöpfe" wurden polimentvergoldet, was der ursprünglichen Fassung entspricht.

Kardinal Louis de Rohan in der Pfarrkirche St. Bartholomäus

Der letzte Fürstbischof von Straßburg, Kardinal Louis René Edouard, Prince de Rohan-Guémené, lebte von 1790 bis zu seinem Tod am 16. Februar 1803 in Ettenheim. Weil die Franzosen im Krieg gegen das Reich in das fürstbischöfliche Gebiet eindrangen, mußte er allerdings seine Residenzstadt Ettenheim zeitweise verlassen.

Bald nach seiner Ankunft ließ Rohan die bisher einstöckige Sakristei der Pfarrkirche aufstocken, um sich eine "Kapelle" (Oratorium) einzurichten. Vermutlich wollte er sich und seinem Hofstaat (dazu gehörten auch die Prinzessinnen) einen gesonderten Zugang zur Kirche verschaffen, ohne den Kirchenraum betreten zu müssen. Durch das halbrunde Fenster des "Kapellenraums" über der Sakristei zum Chorraum hin konnten er und sein Gefolge auf den Hochaltar und die Kanzel sehen. 

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Hl. Grab" von Johann Pfunner, 1778/1779

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Kardinal Louis de Rohan, Ölgemälde von H.W. Hauwiller, 1783 Rastatt (sign.)

Wie überliefert hörte am 2. Februar 1792 der "gnädigste Lantsfürst das erstemal in seiner neuen Capellen auf der Sakri-stey mit seinem ganzen Hofstatt" die hl. Messe. In diesem ehemaligen "Kapellenraum" sind heute nur noch Reste der urspünglichen Bemalung in der Nische des halbrunden Fensters zu sehen (klassizistische Ornamente). Anderes ging vermutlich durch Umbau und Renovierungen verloren. Der Raum wird jetzt als "obere Sakristei" bezeichnet.

An die frühere Anwesenheit Rohans erinnert auch der Bischofsthron mit dem dunkelroten Baldachin und der Nachbildung des Rohan-Wappengobelins an der rechten Chorwand. Diese Nachbildung gelangte erst im Jahre 1996 in die Kirche, um den fehlenden Original-Gobelin zu ersetzen, der früher an diesem Platz hing (heute im Sitzungssaal des Ettenheimer Gemeinderats im Palais Rohan). Die Nachbildung wurde von der Firma Art Protis in Brunn / Tschechien hergestellt. Es handelt sich dabei um eine unikate Textiltechnik dieser Firma. Der Künstler schuf die Tapisserie, indem er die aufbereitete und gefärbte Naturwolle in unterschiedlichen Schichten auf das Grundgewebe auftrug. Den sehr feinen Original-Gobelin auf diese Weise zu kopieren, war ein recht schwieriges Unterfangen, das man aber als gelungen bezeichnen kann.

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Bischofsthron mit Nachbildung des Rohan-Wappengobelins

Der originale Gobelin (Größe 3,4 x 2,2 m) stammt aus einem unbekannten französischen Atelier der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es handelt sich um eine vorzügliche Arbeit. Als Entwerfer wird Claude III Audran vermutet. Das reich ausgestattete Wappen von Kardinalbischof Armand Gaston de Rohan-Soubise (1704-49) wird von brüllen- den Löwen flankiert, von einer zarten Architektur mit Laubwerk und Blumen getragen und von einem breiten Goldrahmen mit Spiegelmonogramm (AR) eingefaßt. Es zeigt drei Schilder: das äußere, große Schild enthält die Herrschaftsgebiete des Bischofs (Bistum Straßburg und Landgrafschaft Elsaß), das mittlere Schild zehn Einzelfelder mit den Wappen der Landschaften, in denen der Fürst Besitzungen hatte oder die er beanspruchte, und in der Mitte das Herzschild mit dem Rohan'schen Familienwappen (Rohan = offene Raute auf der Spitze und Bretagne = Hermelin).

Die Grabstelle des Kardinals Louis de Rohan links im Chor blieb lange Zeit unbezeichnet. Anläßlich des 150. Todestages von Rohan wurde an der Wand hinter dem Grab eine Gedenktafel für Rohan und dessen Weihbischof Johann Jakob Lantz angebracht und bei der Gedenkfeier am 5.11.1953 enthüllt. Weihbischof Lantz verstarb am 6.1.1799 in Ettenheim und wurde zwischen Marienaltar und Kommunionbank begraben.

Bei der Innenrenovation 1995/96 wurden auf Veranlassung des Erzb. Ordinariats zwei von Bildhauer Chodja A. Sedig hergestellte Grabplatten aus gelbem Sandstein im Boden eingelassen, um die Grabstätten der Genannten zu bezeichnen und ein früheres Versäumnis auszugleichen.

Bei der großen Grabplatte für Rohan wurde die lateinische Inschrift in Zinn gegossen und sein Kardinalswappen in Bronze eingefügt. Die Inschrift lautet in deutscher Übersetzung:

Durch Gottes Erlösung das ewige Leben
erhoffend liegt hier
der Durchlauchtigste und Erhabenste
Ludwig Renatus Eduard
Fürst von Rohan
der heiligen Römischen Kirche Kardinal
Fürstbischof von Straßburg
Landgraf des Elsaß
des Heiligen Römischen Reiches Fürst
Provisor der Sorbonne

Geboren in Paris am 25. September 1734
Gestorben in Ettenheim am 16. Februar 1803

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Grabplatte von Kardinal Louis de Rohan

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Grabplatte von Weihbischof Lantz

Für Weihbischof Lantz wurde eine kleinere Grabplatte an der Grabstelle verlegt. Mitra, Bischofsstab und lateinische Inschrift sind aus Zinnguß. Die Inschrift lautet in deutscher Übersetzung:

Die ewige Glückseligkeit in Gott erhoffend
liegt hier
der Verehrungswürdigste und
Hochberühmte
Herr Johannes Lantz
Bischof von Dora in den Gebieten (der Ungläubigen)
Weihbischof der Straßburger Diözese
der Heiligen Theologie Doktor

Geboren in Schlettstadt am 29. Februar 1720
Gestorben in Ettenheim am 6. Januar 1799

Aufgrund der geschichtlichen Ereignisse kann die Ettenheimer Pfarrkirche auch als letzte Bischofskirche des alten Bistums Straßburg bezeichnet werden.

Literatur

J. C. Machleid - Aufzeichnungen (Handschr.). 2 Bde (1755-94)
Ph. Harden-Rauch - Die Ettenheimer Stadtpfarrkirche "St. Bartholomäus". Ettenheim. 2. Aufl. 1969.
B. Sulzmann - Die Orgel der Kath. Stadtpfarrkirche (...). Ettenheim 1973.
Ettenheim - Geschichte einer Stadt in ihrer Landschaft. Ettenheim 1978.
P. Assion - Das Ettenheimer Heilige Grab. In: Badische Heimat 59 (1979) S. 47-52.
H. Kewitz - Das Ettenheimer Heilige Grab. In: Der Altvater 39 (1981) S.31 f.
H. Brommer - Barock in Ettenheim. Das "Heilige Grab" (...). In: Die Ortenau 61 (1981), S.103-117.
D. Weis (Hrsg) - St. Bartholomäus Ettenheim. Beiträge zur 200. Wiederkehr der Weihe (...) München / Zürich 1982. Darin:
  - H. Kewitz, Der Bau der Pfarrkirche St. Bartholomäus in Ettenheim;
  - H. Brommer, Bauleute und Künstler am Ettenheimer Kirchenbau (...);
  - H. Wischermann, Zum Programm der Deckenbilder und Altäre;
  - D. Weis, Daten aus der Geschichte der Stadtkirche (...)
  - H. Kewitz, Geschichte der Pfarrei Ettenheim bis in die erste badische Zeit;
  - H. Kewitz / D. Weis, Die anderen kirchlichen Denkmäler in Ettenheim;
  - J. Sieger, (Rohan und Ettenheim);
  - D. Weis, Die Ettenheimer Rohan-Gobelins.
J. Sieger - Kardinal im Schatten der Revolution. Kehl 1986. (Theol. Diss. Freiburg i. Br. 1984)
D. Weis - Zur Geschichte der Ettenheimer St. Michaelskapelle. In: Ettenheimer Stadt Anzeiger 3.12.1992.
D. Weis - Der Ettenheimer Traghimmel. In: Ettenheimer Stadt Anzeiger 9.6.1993.
D. Weis - Über die Kreuzwege in der Ettenheimer Pfarrkirche. In: Ettenheimer Stadt Anzeiger 26.5.1994.
H. Kewitz / H. Machleid - Ettenheim. Alte Amtsstadt und Residenz (Stadtführer).
D. Weis - Ettenheim 1995. Spitalkirche vor 210 Jahren eingeweiht. 4 Folgen. In: Ettenheimer Stadt Anzeiger 13.6.-18.7.1996.
D. Weis - Die Restaurierungsgeschichte der Stadtkirche St. Bartholomäus Ettenheim. 12 Folgen. In: Ettenheimer Stadt Anzeiger 3.4.-15.8.1996.


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Bärenbrunnen - Marienplatz

Furtwängler, Dr. Robert: Die Umschau (Ettenheimer Heimatbote, 17.3.1979)

Bär oder Löwe?

bärenbrunnen
Die Preisfrage, ob die Figur auf dem "Bären"-Brunnen ein Bär oder ein Löwe ist, wurde nicht gelöst. Auch von den Narren,nicht, die unlängst den "Löwen"-Brunnen eingeweiht haben. Selbst jene haben unrecht, die da witzelten, man habe den Ettenheimern einen Bären aufgebunden. Ob man es nun haben will oder nicht: die Figur ist weder ein "echter" Löwe noch ein "echter" Bär. Ein Bild, aufgenommen wohl in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, zeigt, daß die Figur wohl einen Löwenkörper trägt, das Gesicht ist das eines Bären. Da es sich bei dem Bild nicht um eine Zeichnung, sondern eine Art Fotografie handelt, ist dieser Sachverhalt objektiv nachgewiesen. Doch das wußte man nicht als die Figur restauriert wurde. Man fand sie auf dem Rathausspeicher, das Gesicht war zerstört Da der Bildhauer, meinte, es wäre ein Löwe, setzte er der Figur ein Löwengesicht auf. Das war ein Irrtum; wie wir Jetzt wissen. Immerhin, wir können jetzt unbesorgt vom "Bären"-Brunnen reden und den Leuten, die mit Blick auf die Brunnenfigur die Augenbrauen hochziehen, sagen warum.

Bärenbrunnen oder Löwenbrunnen?

Weis, Dieter: Der alte Ettenheimer "Bärenbrunnen" war wohl ein Löwenbrunnen (Ettenheimer Stadtanzeiger, 6.6.2002)

Die Brunnenfigur des sogenannten Ettenheimer Bärenbrunnens zeigt zweifellos einen Löwen. Der alte "Bärenbrunnen" stand wie ein altes Foto zeigt an der Grenze zwischen der oberen Apotheke (jetzt Wiegandt'sche Apotheke) und der heutigen Metzgerei Speck, also in der Rohanstraße unterhalb der Apotheke vor dem Haus Speck.

Vor dem großen Brand im Jahre 1833 standen unterhalb der Apotheke jedoch andere Häuser, die nach dem Brand größtenteils durch Neubauten ersetzt wurden (bis zur Ecke Rohan-/Thomasstraße). Die Apotheke erlitt vor allem Wasserschaden.

Nach der Stadtbeschreibung vom Jahre 1721 standen früher unterhalb der Apotheke (damals noch Amtsschaffnei) folgende Häuser: Literatur-Icon

1) "Item ein Behausung sambt gerechtigkeiten am Bronnen (!) gelegen ein Viertel Manßhawet groß. Ziehet Landt auff die ambtschaffney Behausung. Landt ab Hr. Hanß Michael Riß. gegen Rhein spitzt sich aus auff die allmendt. gegen Waldt (also nach Osten zur heutigen Rohanstraße hin) auff die allmendt an Bronnen. Barthel Kuentzler gehörig (dem strump strickher)"
2) "Item eine Behausung Höffel scheuren stallungen sambt einer Wirtschafftsgerechtigkeit zum Löwen (!) genannt, auch rechten Undt gerechtigkeiten. Ein Undt ein Halb Manßhawet groß. Ziehet Landt auff Barthel Kuentzler Undt ein trauffgäßle neben d'ambtschaffney. Landt ab H. Christian Seeboldt. gegen Rhein die allmendt gegen Wald die Vorder allmendt gaß (heute Rohanstraße).
Herrn Hanß Michael Riß deß Raths gehörig"

Nach obiger Stadtbeschreibung hatte der Brunnen keinen Namen. Es befand sich aber in nächster Nähe eine Wirtschaft "Zum Löwen", die im Laufe des 18. Jahrhunderts aufgegeben und später an anderer Stelle (in der Ettikostraße) wieder eröffnet wurde.

Die Bezeichnung "Allmendt" stand für Grundstücke im Gemeindebesitz und galt auch für öffentliche Straßen und Wege, die damals mit wenigen Ausnahmen noch keinen Namen trugen, was heute die Lokalisierung vieler Häuser sehr erschwert. Offensichtlich wurde der Brunnen damals noch nicht als "Bärenbrunnen" bezeichnet.

Auf diese früheren Verhältnisse wies bereits Dr. Robert Furtwängler hin: "In der Nähe der Wirtschaft "Löwen" stand also ein Brunnen, der wohl die Brunnenfigur eines Löwen trug, den der heutige "Bären"- Brunnen, sieht man genau hin, trägt. Aus unerfindlichen Gründen mag daraus einmal ein "Bärenbrunnen" geworden sein." Literatur-Icon

In seiner Veröffentlichung "Schwäbische Monumentalbrunnen" schreibt Dr. Hans Vollmer, dass bei den im 16. Jahrhundert als Brunnenstockkrönungen verwendeten Tierdarstellungen der Löwe als Symbol der wehrhaften Kraft weitaus bevorzugt wurde. Literatur-Icon Seine Funktion sei die des Wappenträgers. Der Löwe wurde damals ausnahmslos auf den Hinterpranken sitzend dargestellt, das Gesicht geradeaus gerichtet, mit den Vorderpranken den oder die Wappenschilde stützend. Dies trifft auch auf den Ettenheimer "Brunnenlöwen" vom Jahre 1671 zu, nur daß der Ettenheimer Löwe nach links blickt.

Vollmer gibt als Hauptbeispiele den Brunnen von Neckarsulm (1538), den Marktbrunnen in Munderkingen (1570) und den Brunnen von Ulm (Doppelbild mit zwei Tieren Rücken gegen Rücken gelehnt) an. Er merkt noch an, dass der Volksmund diese Löwenbrunnen häufig als "Bärenbrunnen" bezeichnet, doch kämen wirkliche Bären auf schwäbischen Brunnenstöcken seines Wissens nicht vor!

Vom alten Ettenheimer "Bärenbrunnen" ist nur ein Foto bekannt, das vor der Beseitigung des Brunnens aufgenommen wurde. Literatur-Icon Vermutlich nach diesem Foto stellte Ludwig Seufert im Jahre 1907 eine kolorierte Zeichnung her, die nachgedruckt wurde und gut bekannt ist. Auch vom Foto wurden Nachdrucke (für den Heimatkalender 1984) hergestellt. Vom "Bärenbrunnen" selbst blieb nur die Brunnenfigur des Löwen erhalten, die im Erdgeschoß (Flur) des Palais Rohan steht.

Anläßlich eines Treffens des Ettenheimer Geburtsjahrganges 1871 im Jahre 1931 in Ettenheim hielt Prälat Dr. Fridolin Weiß eine Festrede. Literatur-Icon Dabei erwähnte er auch die Ettenheimer Brunnen und bedauerte, dass vor Jahrzehnten einige alte Ettenheimer Brunnen entfernt wurden, vorallem der malerische "Bärenbrunnen", "dessen Inschrift übrigens auf seine große wasserrechtliche Bedeutung hinwies".(?) Der Text dieser Inschrift wird leider nirgends mitgeteilt.

Im Zusammenhang mit der Fortführung der Stadtgestaltungsmaßnahmen im Jahre 2003, bei denen es auch um den Platz zwischen Rathaus und Palais Rohan geht, wird überlegt, ob der heutige "Bärenbrunnen" nicht etwas weiter nach Norden versetzt werden sollte und eventuell auf die alte Größe gebracht werden könnte. Er würde so wieder mehr ins Blickfeld gelangen.

Als ehemaliger Marktbrunnen an zentraler Stelle in der Stadt bekäme er damit seine frühere Bedeutung wieder zurück und würde das Bild des Rathausplatzes vorteilhaft prägen.


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Spitalkirche

 
Stift und Spitalkirche - In früheren Zeiten war das Spital eine Einrichtung für Hilfsbedürftige wie Arme, Alte und Kranke. Und eine solche Sozialstation des Mittelalters hat Walther von Keppenbach zusammen mit dem Mitstifter Hans Dürr und der Stifterin Ennelin von Wasselnheim um 1452 der Stadt Ettenheim gestiftetWeis, Dieter - Die Spitalkirche zu Ettenheim (Schau-ins-Land - 120/2001, 77-98)

"Ein schönes neues Kirchle und Thürmle mit weißem Blech gedeckt"(1)

Im Mittelalter waren Spitäler Stätten der Nächstenliebe und des Gottesdienstes zugleich. Spitalsaal und Kapelle blieben lange räumlich verbunden, damit auch bettlägerige Kranke und Sterbende am Gottesdienst teilnehmen konnten. Das mittelalterliche Spital war jedoch nicht in erster Linie Krankenhaus! Es stand für alle Arten von Leid und Hilfsbedürftigkeit offen, für Armut, Alter und Krankheit, es nahm auch Findelkinder, Waisen und durchziehende Pilger auf. Nur lepröse und venerische Kranke, überhaupt von infektiöser Krankheit Befallene fanden in eigenen Spitälern Aufnahme, während Geisteskranke, soweit sie nicht aggressiv waren, und Blinde meist im Schöße ihrer Familie blieben.(2)

Dem Straßburger Urbar zufolge gab es schon zu Anfang des 14. Jahrhunderts außerhalb der Stadt Ettenheim ein Gutleuthaus. Dieses Spital für Aussätzige stand - wie es in einer Quelle vom Jahre 1312 heißt - "in Altwick". Gegen Ende des 17. Jahrhunderts war es bereits verschwunden.(3)

Um das Jahr 1452 stifteten einige reiche Privatleute unter Mithilfe der Stadt Ettenheim das alte Ettenheimer Spital. Der eigentliche Stiftungsbrief ist nicht erhalten geblieben. Wahrscheinlich ging er beim Stadtbrand im Dreißigjährigen Krieg verloren. Es liegt nur eine in Abschriften überlieferte Urkunde vom 21. März 1452 vor, mit der Schultheiß, Bürgermeister und Rat der Stadt Ettenheim sich zur Einhaltung der Bestimmungen des Stiftungsbriefs verpflichten, nachdem Abt Heinrich Reiff und der Konvent des Klosters Ettenheimmünster als Kirch- und Zehntherr zu Ettenheim auf Ansprüche gegen die neue Stiftung verzichtet haben und auch Pfarrer Johannes Tierlin (auch Türlein) als "Erzpriester und ewiger Vikar" zugestimmt hat. In dieser Urkunde wird erwähnt, dass das "Spital und Messen darin" durch Junker Walther von Keppenbach, Meister Hans Dürr und Frau Ennelin von Wasselnheim unter Mithilfe der Stadt Ettenheim gestiftet wurden.(4) Nur beiläufig erfahren wir so überhaupt etwas über die Stifter. Die Stiftung selbst wird sehr wahrscheinlich kurz zuvor erfolgt sein.

Als Stifter wird Walter von Keppenbach genannt. Die Burg Keppenbach in derGemeinde Freiamt (Kreis Emmendingen) war der Stammsitz dieses Adelsgeschlechts, das auch Beziehungen zu Ettenheim hatte.

Abb. 1 Älteste erhaltene Abschrift des verlorenen Stiftungsbriefs [sic! richtig: "verlorene Urkunde", Korrektur des Autors] von 1452 März 21 für das Ettenheimer Spital im Kopialbuch des Klosters Ettenheimmünster von 1548 (Generallandesarchiv Karlsruhe, 67 / 594) [hier wiedergegeben wie abgedruckt. Vergrößerte Darstellung nach Angaben des Autors korrigiert]
Abb. 1 Älteste erhaltene Abschrift des verlorenen Stiftungsbriefs [sic! richtig: "verlorene Urkunde", Korrektur des Autors] von 1452 März 21 für das Ettenheimer Spital im Kopialbuch des Klosters Ettenheimmünster von 1548 (Generallandesarchiv Karlsruhe, 67 / 594) [hier wiedergegeben wie abgedruckt. Vergrößerte Darstellung nach Angaben des Autors korrigiert]

So empfing Bernhard von Keppenbach als Edelknecht am 6. September 1404 für sich, sowie für Walter und Engelhard, die Söhne des verstorbenen Hesso von Keppenbach, die bischöflich-straßburgischen Lehen in Ettenheim und Beilstein. Der Stifter Walter von Keppenbach wird 1401 und 1413 als Altlandbürger (früherer auswärtiger Bürger) der Stadt Straßburg bezeichnet. Er war mit Ursula, Tochter des Ritters Konrad von Geudertheim und der Clara zu den Störken, verheiratet.(5) Einen Hinweis auf seine Verbindung zu Ettenheim und zu Besitz auf seiner Gemarkung gibt der Eintrag einer Jahrtagsstiftung im Verzeichnis des Ettenheimer Pfarrers Arbogast Arnold über die Jahrzeiten, die 1648 in der Ettenheimer Pfarrkirche gehalten wurden. Er verzeichnet eine Jahrtagsstiftung des "armiger" (Ritter) Walther von Keppenbach, seiner Frau Ursula von Godertheim (!), und ihrer beiden Söhne Hesso und Walther. Sie sollen 1458 einen jährlichen auf Martini fälligen Zins von fünf Schilling Straßburger Pfennige aus der Wiese "Rohrmatt" auf Ettenheimer Gemarkung zu einer Jahrzeit gestiftet haben. Das Jahrzeitgedächtnis sollte am dritten oder vierten Wochentag nach Kreuzerhöhung durch den Pfarrer und die Kapläne der Altäre der Muttergottes, des Erzengels Michael, des Bischofs Erhard, der 10 000 Märtyrer und Johannes des Täufers "super ossorio" (über dem Beinhaus auf dem Friedhof) gefeiert werden. Die Stiftung wurde im Jahre 1519 durch den Ettenheimer Pfarrer Theobald erneuert und ist noch im Hauptnachweis der gestifteten Anniversarien von 1864/66 verzeichnet.(6)

Das Patrozinium der heiligen Barbara für die Spitalkapelle bestand von Anfang an, denn schon 1454 wird eine "Kaplanei der hl. Barbara im Spital" genannt.(7) Ob der an erster Stelle als Stifter des Spitals genannte Junker Walther von Keppenbach auch das Patrozinium der Spitalkirche bestimmte, ist nicht bekannt, wäre aber möglich, denn die Keppenbacher betrieben unterhalb ihrer Burg Silberbergbau, und die heilige Barbara gilt als Patronin der Bergleute. Der Wert des Keppenbacher Lehens lag vor allem in dem zur Burg Keppenbach gehörigen Wildbann einschließlich des Bergregals. Außerdem stand im Kirchspiel Wöplinsberg, zu dem Keppenbach gehörte, eine sehr alte, der heiligen Barbara geweihte Kapelle. Andererseits muss man aber berücksichtigen, dass die Heilige auch als Patronin der Sterbenden verehrt wird und dies ebenfalls ein Grund für ihre Bestimmung zur Patronin des Ettenheimer Spitals gewesen sein könnte.

Über den Mitstifter Hans Dürr weiß man nur, daß die Sippe Dürr seit dem 13. Jahrhundert in Ettenheim ansässig war. Ein Jeckelin Dürre gehörte 1326 zu den Stiftern der Ettenheimer Kaplanei. Über die Stifterin Ennelin von Wasselnheim/Elsaß wurde bisher nichts bekannt.

Im Verlauf der folgenden Jahrhunderte wurde das Spital durch viele Zuwendungen zur reichsten aller Ettenheimer Stiftungen. Es diente vor allem den Ettenheimern selbst. Fremde Kranke schob man - wie auch sonst üblich - gerne ab. Das Spital besaß viele Äcker, Matten und Reben, die meist verpachtet waren; außerdem lieh der Spitalfonds Gelder gegen Zins aus. Ein Spitalmeier bewirtschafte die Güter, ein Schaffner beaufsichtigte das Spital, verwaltete das Vermögen und legte jährlich Rechnung. Die Aufsicht lag bei der Stadt.(8)

Die alte Spitalkirche

Über das alte Spitalgebäude ist sehr wenig überliefert. Es stand auf demselben Platz, den später auch der Neubau von 1781/86 einnahm. Das Grundstück "in der hindern gaßen" (jetzt östliche Ringstraße) grenzte an die östliche (innere) Stadtmauer und war im 17. Jahrhundert etwa 20 ar groß. Darauf standen Haus, Hof, Scheuer und Stall zur Bewirtschaftung der Spitalgüter, außerdem das "Armenhäuslein" und die Barbara-Kapelle, deren kleiner Turm auf den ältesten Abbildungen der Stadt zu sehen ist. Nach der Überlieferung wurde das Spital durch den Stadtbrand von 1637 nicht beeinträchtigt.(9)

Im Protokoll über die Visitation der Pfarrei Ettenheim am 6. Mai 1762 durch den Straßburger Weihbischof Tussanus Duvernin werden auch das Spital und die Patronin seiner Kapelle genannt: "Ein Spital befindet sich in dieser Stadt, dessen Haus in einem erbärmlichen Zustand ist und dessen Kapelle von uns heute besucht worden ist. Ihr Patron ist die hl. Barbara. In der Kapelle liest der Frühmesser jeden Mittwoch eine Messe." Es wird angeordnet, die Gebäude wiederherzustellen, damit sie den Zwecken des Spitals genügen.(10) Im Straßburger Realschematismus, der im Anschluss an die große bischöfliche Visitationsreise erschien, wird ebenfalls die heilige Barbara als Patronin der Spitalkapelle angegeben.

Die ältesten Teile des heutigen Altares standen sehr wahrscheinlich bereits in der alten Spitalkapelle. Es sind die Mittelteile in Eichenholz über dem Altartisch mit den gewundenen Säulen, den beiden Engeln und den Ölgemälden mit der heiligen Barbara als Hauptbild und der Marienkrönung als kleinerem oberen Bild. Anlässlich der Restaurierung des Altares im Jahre 1978 schätzte Restaurator Johannes Berger die Entstehungszeit dieser Teile auf die Jahre 1600 bis 1620. Die beiden großen Figuren an den Außenseiten des Altars - es sind die Stadtpatrone St. Bartholomäus und St. Martin - könnten aus der früheren Ettenheimer Pfarrkirche stammen, die vor dem Beginn des Baues der heutigen Kirche im Jahre 1768 abgebrochen wurde. Für diese Annahme gibt es eine ganze Reihe von Anhaltspunkten: Nach größeren Baumaßnahmen an der älteren Pfarrkirche auf dem Berg richtete der Klosterschreiner von Ettenheimmünster dort um 1748/49 einen neuen (?) Altar auf.(11) Um 1750 fasste der Münchweirer Maler Johann Jacob Kutterer für 22 Gulden die Figuren der Patrone St. Bartholomäus und St. Martin in der alten Pfarrkirche, die vermutlich zum kurz zuvor errichteten Altar gehörten.(12) Als Urheber dieser neuen Figuren käme der damalige Klosterbildhauer Bruder Paulus Schramm in Frage. Im Jahre 1773 befestigte Schlossermeister Josef Pfaff die Figuren der Heiligen Bartholomäus und Martin aber an einer Wand in der alten (!) Spitalkapelle.(13) Da wenige Jahre zuvor die alte Pfarrkirche ausgeräumt worden war, ist es naheliegend, dass man diese Figuren in die Spitalkapelle übertrug. Über weiteres Inventar aus der alten Spitalkapelle ist nichts mehr bekannt. Ob die Madonna mit Kind (zum Ankleiden!) und das alte, doppelseitig bemalte Bild sich schon in der alten Kapelle befanden, ließ sich bisher nicht nachweisen. Das Dachreiter-Türmchen auf der Spitalkirche von 1782/86 stand bereits auf der Vorgängerkapelle, denn es wurde dort im Jahre 1781 abgebrochen und auf dem "anderen Haus" aufgeschlagen.(14)

Die neue Spitalkirche

Im Jahre 1780 fertigte Schulmeister Antoni Trunck, der aus Walldürn kam und seit 1779 in Ettenheim tätig war, die Risse und einen Kostenüberschlag für den Neubau des Spitals samt Kapelle.(15) Leider ist nur noch der Voranschlag vom 24. August 1780 erhalten. Demnach sollten die Spitalkirche 38 Schuh, 6 Zoll (ca. 11,70 m) lang und 42 Schuh, 6 Zoll (ca. 12,92 m) breit sowie das Spital 36 Schuh, 9 Zoll (ca. 11,17 m) lang und 42 Schuh, 6 Zoll (ca. 12,92 m) breit werden. Also waren beide Teile, Kirche und Spital, fast gleich groß geplant. Die rohen Kosten betrugen 2470 Gulden.

Aus den Spitalrechnungen der betreffenden Jahre lassen sich Einzelheiten über den Gang der Arbeiten entnehmen: Beim Abbruch des alten Spitals durch Maurermeister Friedrich Kirn wurde mit dem Dach am 22. Juni 1781 begonnen. Maurermeister Karl Schilling, der den Neubau am l. September 1781 in Angriff nahm, schachtete auch den neuen Keller aus. Zimmermeister Rochus Strobel führte die Zimmererarbeiten durch, wobei er - wie bereits erwähnt - auch das achteckige "Thirnle" (Türmle) abzubrechen und zu versetzen hatte. In der Kostenberechnung von Schulmeister Trunck war eigentlich ein neues, sechseckiges Türmlein vorgesehen, das aber vermutlich aus Kostengründen nicht ausgeführt wurde. Viele Bauern mussten für das neue Spitalgebäude Steine herbeiführen und bekamen dafür zusammen 260 Gulden 8 Schilling. Weitere Fuhren beziehen sich auf das Beibringen von Kalk. Naglermeister Antoni Booz erhielt am 5. Dezember 1781 für 561 "Lat- und Leistnägel" aller Art l Gulden 7 Schilling und 2 Pfennige. Schreinermeister Joseph Bintz, der Mesner, hatte am 31. Juni 1781 den Altar in der alten Spitalkapelle abgebaut und den "Boden aufgebrochen" (?), wofür man ihm 2 Gulden zahlte. An Schulmeister Trunck wurden am 10. Januar 1782 für Riss und Überschlag sowie verschiedene andere kleinere Arbeiten (Abmessen und Abstecken des Bauplatzes) anstelle der geforderten 33 nur 11 Gulden ausbezahlt. Bisher ließ sich über Trunck und seine frühere Tätigkeit in Walldürn nichts Näheres feststellen. Woher hatte er als Schulmeister seine Kenntnisse über das Bauwesen? Jedenfalls geht das ausgeführte Spitalgebäude auf einen zwar einfachen, jedoch nicht ungeschickten Plan zurück. Für den vorderen Giebel am Eingang nahm er offensichtlich die barocken Stadttore zum Vorbild. Wie Chronist Machleid berichtet, weihte Pfarrer Xaveri Mast die Spitalkirche nach einer Bauzeit von fünf Jahren am 13. Juni 1786 ein. Spitalschaffner war zu diesem Zeitpunkt Bastian Miller. Der Grund für die lange Bauzeit ist nicht bekannt.

Etwa zwanzig Jahre nach dem Aufschlagen des alten Türmleins auf der neuen Spitalkirche war bereits eine gründliche Instandsetzung nötig. Im Jahre 1806 beschlug Kupferschmiedemeister Xaver Fahrländer das Türmlein mit Weißblech. Die benötigten 392 Stück Weißblech lieferte ihm der Spitalschaffner und Handelsmann Franz Xaver Laible, von dem auch 10 Pfund Bleiweiß-Farbe zum Anstrich des Turmblechs und eines "Dachkähners" stammten.(16)

Nach den erhaltenen Rechnungsunterlagen zahlte der Spitalschaffner am 4. Dezember 1806 dem Schullehrer Müller anlässlich des St. Barbara-Festes fünf Gulden für die Chormusikanten aus. Daneben wurden den Chorsängern vier Maß Wein und für vier Schilling Brot gewährt.(17) Ob dies jedes Jahr der Fall war, wäre noch zu überprüfen.

Abb. 2 Die barocke Eingangsfassade des Spitals (Stadtarchiv Freiburg, Photo Corcodel)
Abb. 2 Die barocke Eingangsfassade des Spitals (Stadtarchiv Freiburg, Photo Corcodel)

Vergrößerung des Altars (1807)

Im Jahre 1807 wurde der Altar der Spitalkirche größtenteils neu hergestellt. Dabei verwendete man aber wichtige Teile des alten Altars wie Säulen, Engel und Gemälde wieder. Das Aussehen des heutigen Altars geht hauptsächlich auf diesen Umbau zurück, der auf geschickte Weise Altes und Neues zusammenbrachte. Möglicherweise basiert der Umbau auf einem Entwurf des beteiligten Bildhauers Joseph Wagner. Man wollte vermutlich den vorhandenen kleinen Altar aus der alten Spitalkapelle dem neuen, größeren Kirchenraum von 1782/86 anpassen. Für diesen Zweck wurde auch Geld gestiftet. So übergab Metzger Joseph Müller dem Spitalschaffner Laible das von seinem verstorbenem Vater, dem Küfer Joseph Müller, zu einem Altar in die Spitalkirche vermachte Legat über 22 Gulden. Den Großteil der Kosten hatte aber der Spitalfonds selbst zu tragen.(18) Die neuen Altarteile aus Tannenholz fertigte Schreinermeister Martin Weite für 63 Gulden 7 Schilling. Aus seiner Rechnung sind Einzelheiten des Vorgehens ablesbar: Die Säulen wurden verändert (verkürzt?) und an den aufrechten Lisenen (hinter den Säulen) sechs Füllungen mit 24 Schraubenköpfen (aus Holz) angebracht. An den Engeln mussten Hände und Füße repariert werden. Der Rahmen am Altarblatt war zusammenzufügen, an der Statue des heiligen Bartholomäus galt es, die Hand mit dem Palmzweig instandzusetzen, und an dem Postament unter den Säulen waren 13 Füllungen mit 56 Schraubenköpfen (!) anzubringen. Zwei "Schniergel" (Verzierungen mit jeweils zwei viereckigen Voluten außen am Altaraufsatz), ein Postament (mit ebenfalls 13 Füllungen!) unter dem Säulen-Postament, zwei Postamente unter den Heiligen Bartholomäus und Martin sowie das Antependium (Verkleidung des Altartisches) und der Tabernakel mussten neu angefertigt werden. Dem Drechsler Chavoen zahlte Weite für 164 Schraubenköpfe und die zwei Eicheln unter den Postamenten der Kirchenpatrone 2 Gulden 4 Schilling.(19) Bis auf den Tabernakel sind die hier angegebenen Arbeiten Weites heute alle noch vorhanden. Der Tabernakel wurde ca. 1894 durch den jetzigen neubarocken der Firma Simmler & Venator in Offenburg ersetzt.

Die gesamte neue Bildhauerarbeit fertigte im Jahre 1807 der Herbolzheimer Schreiner und Bildhauer Joseph Wagner an. Für vier Blindflügel (?), einen Schild auf das Antependium, einen Schild auf den Altarrahmen, zwei Urnen mit Blumengirlanden, einen Aufsatz samt Kreuz (oberer Altarabschluss) und vier Laubblätter auf dem Antependium (jeweils zwei Stück an den vorderen Ecken) berechnete er insgesamt 35 Gulden und 35 Kreuzer. Auf Anweisung des Ettenheimer Malers Xaver Kopp hatte Wagner noch weitere Arbeiten zu fertigen, die mit 4 Gulden zu Buche schlugen. Zum Tabernakel des Schreiners Weite schuf er einen Aufsatz mit vier geschnittenen Tragsteinen samt einer Blumengirlande und zwei Lorbeergirlanden mit einem Pelikannest. Hinzu kam noch ein "Auggottes mit Wolken und Strahlen".(20) Von Wagners Arbeiten sind nur noch eine Urne mit Blumengirlande und Kreuz (am oberen Abschluss des Altars) sowie die vier Laubblätter am Antependium vorhanden. Alles andere verschwand im Laufe der Zeit. Leider fehlt heute auch der Tabernakel mit dem Pelikannest. Dieses beliebte Motiv zierte früher auch den Ringsheimer Hochaltar. Vermutlich stellte Wagner seine Schnitzarbeiten für den Altar der Spitalkirche im frühklassizistischen Stil her, passend zu Schreiner Weites Füllungen und "Schraubenköpfen". Die von Wagner im Jahre 1789 ebenfalls gelieferte Ausstattung der Grafenhausener Kirche (drei Altäre mit Statuen, Kanzel, Chorgestühl, Beichtstühle und Kommunionbank) ist dagegen noch größtenteils dem Spätbarock verpflichtet. Frühklassizistische Verzierungen wurden aber schon reichlich verwendet. Für Ettenheim hatte Joseph Wagner schon im Jahre 1804 die "Knöpfe" auf den Tragestangen des Traghimmels geschnitzt.(21)

In der Spitalrechnung von 1807 werden noch andere Arbeiten genannt: Drechslermeister Sebastian Chavoen lieferte für den Altar auch vier "Lichtstöcke" (Altarleuchter), die vom Maler Xaver Kopp vergoldet wurden. Kopp fasste sehr wahrscheinlich auch den gesamten Altar, eventuell aus Kostengründen erst Jahre später (Marmorierung und Vergoldung). Die betreffende Rechnung wurde noch nicht gefunden. Schließlich wurden links und rechts vom Altaraufsatz an der Wand noch Statuen der beiden Heiligen Bartholomäus und Martin auf Konsolen angebracht, die Schreiner Weite hergestellt hatte. Das Beschlag am Tabernakel, sechs Bandeisen an dem Altar und anderes lieferte und befestigte Schlossermeister Baptist Kollefrath. Die Kirchenfenster reparierte Glasermeister Balthasar ("Baltzer") Hammerstiehl. Ebenfalls im Jahre 1807 wurde das Dach des Spitals instandgesetzt: Dazu lieferten Ziegler Georg Müller 700 Ziegel und Joseph Enderle von Münchweier 6000 Schindeln. Aus einer Reparaturrechnung des Schreiners Bartel Weite geht hervor, dass im Spital auch ein "Kripple" vorhanden war.(22)

Das Ergebnis der Arbeiten am Altar im Jahre 1807 wird teilweise bestätigt durch eine Rechnung des Malermeisters Bernhard Hog für Restaurierungsarbeiten am Altar 1858.(23) Dort werden das Pelikannest, das große Ölgemälde mit der heiligen Barbara und die beiden Urnen erwähnt. Die "Restaurierung" bestand übrigens weitgehend in einer Lackierung mit weißer Farbe sowie Versilberungen und Vergoldungen.

Die geplante Umwandlung des Spitals in ein Krankenhaus (1832/33)

Am 22. Dezember 1832 berichtete Amtsphysikus (Amtsarzt) Dr. Hergt dem Etten-heimer Bezirksamt über den Zustand des Ettenheimer Spitals unter anderem: "Wenn man mit dem Worte ,Hospital' ein Haus bezeichnet, dessen Bestimmung ist, Kranke aufzunehmen, (...) so kann von einem Hospital in Ettenheim eigentlich keine Sprache sein. Es befindet sich hier wohl ein Haus, welches den Namen Hospital führt, ohne aber, wie es doch als seine Bestimmung betrachtet werden muß, Kranken als Unterkunftsort zu dienen, eben so wenig als der unter dem Namen Hospitalfond vorhandene bedeutende Fond zu genanntem Zwecke ausschließlich verwendet wird." Nach Hergts Meinung wurden die reichlich vorhandenen Mittel nicht zweckmäßig verwendet. Der frühere Amtsphysikus Dr. Schlecht habe dies schon im Jahre 1812 mit folgenden Worten berichtet: "Es ist schade für das schöne Gebäude, worin man so viel gutes und nützliches leisten könnte, schade für die schönen Einkünfte dieser Stiftung, daß sie so unwürdig an so Unwürdige vergeudet werden, während der wahrhaft ärmste, der arme Kranke, nur kärglich unterstützt wird." Hergt schreibt weiter, dass das Hospitalgebäude, "in dem es an Platz durchaus nicht gebricht, da es

nebst der Wohnung des Hospitaldieners und mehrere kleineren Zimmer, zwei geräumige Säle hat", zur Aufnahme von Kranken gar nicht eingerichtet sei. Die Säle stünden leer, und nur einige der kleinen Zimmern seien von armen Personen bewohnt. Die Einkünfte des Fonds, die sich auf circa 2000 Gulden belaufen, werden verbraucht für Hausmieten, die für Arme bezahlt werden, für wöchentliche Unterstützungen, für Arzneirechnungen und Verwaltungskosten. Bis zum Jahr zuvor hatte der Spitalfonds auch zur Erziehung der unehelichen Kinder beitragen müssen. Die Einkünfte des Fonds sollten nach Auffassung Hergts nun wieder ausschließlich den Kranken zugewendet und "solche Arme, die nicht wirklich krank waren", aus Gemeindemitteln unterstützt und unterhalten werden. Er forderte, das Hospital so herzurichten, dass Kranke darin untergebracht werden könnten. Seiner Ansicht nach war das gerade jetzt um so leichter zu realisieren, als in Anbetracht der Choleragefahr ohnehin 12 Betten zusätzlich angeschafft worden sind und damit "die beträchtlichste Ausgabe" bereits geleistet sei.

Stiftungsvorstand, Gemeinderat und Bürgerausschuss waren sich in der Ablehnung der Forderungen des Amtsarztes einig. Am 8. Februar 1833 bezogen sie einstimmig zu seinem Gutachten Stellung: "Die Urkunde über die Stiftung des Hospitals ist abhanden gekommen, und es liegen nur ältere Verträge über die Verlehnung der Spitalgüter vor, welche aber keinen Aufschluß geben, zu welchem Zwecke der Fond eigentlich gestiftet worden seye(!). Bisher und seit dem längsten Gedenken wird dieser Fond als Ortsarmenfond behandelt und angesehen, wie die vorliegenden ältesten Spitalrechnungen zur Genüge darthun." Die These, dass das Spital "nicht so sehr Krankenanstalt als vielmehr ein Armenfond sei", hatte der Stadtrat bereits 1813 einmal zu Protokoll gegeben. Mit Bedauern wurde daher das Ansinnen des großherzoglichen Amtsphysikus, das Spital in ein Krankenhaus umzuwandeln und die Spi-talsgefälle entsprechend zu verwenden, zurückgewiesen, "weil die Gefalle dieses Armenfondes seinem ursprünglichen Zweck, aller Armenunterstützung, als welcher (er) schon seit unfürdenklichen Zeiten bestehet, dadurch entzogen würde, und man muß darauf bestehen, daß solcher wie bisher als Armenfond betrachtet, und dessen Gefalle auf die Ortsarmen zweckmäßig verwendet werden". Überdies, so wurde hinzugefügt, würden schon jetzt nicht nur alte, zur Arbeit unfähige Arme aus dem Fonds unterstützt, sondern die Unterstützung fließe hauptsächlich den armen Kranken zu. So war es kein Wunder, dass am 18. April 1833 Stiftungsvorstand und Gemeinderat die Vorschläge des großherzoglichen Amtsphysikats, das Spital in ein Krankenhaus umzuwandeln, ablehnten. Sie wurden darin am 26. April durch eine Entscheidung der Regierung des Oberrheinkreises in Freiburg bestätigt. Danach war das Ettenheimer Spital "auch fortan als ein allgemeiner Armenfond zu behandeln, und die reinen Einkünfte desselben (seien) nicht blos zur Heilung und Verpflegung der Armen zu verwenden. Dadurch wird aber natürlich nicht ausgeschlossen, daß einige Kranke in das Spitalgebäude zur Verpflegung aufgenommen (werden), und dasselbe muß daher auch diesem Zwecke gemäß gehörig eingerichtet werden". Immerhin wurde angeordnet, dass der bisherige Missbrauch, die Schullehrerbesoldungen aus dem Spitalfonds zu bezahlen, sogleich abzustellen sei.(24)

Aufhebung der Spitalkapelle? (1838/39)

Im Jahre 1838 wird in den Akten wieder von Klagen des Amtsarztes über die fehlerhafte Einrichtung des Spitals berichtet. Bei einer Amtsvisitation stellte man fest, das Spital stehe in einer Sackgasse und sei "besonders für eine Krankenanstalt, als von allen Seiten ganz nahe von Häusern und Dunghäufen umgeben, sehr unzweckmäßig gelegen, (...) Einen größeren Theil des Hauses nimmt eine nicht gut unterhaltene Capelle ein und ein anderer Theil desselben ist zum Lehrzimmer für die Industrieschule bestimmt. Der Commissarius glaubt, daß in der Einrichtung dieser Anstalt mögliche Abänderungen getroffen werden können." Am 3. Januar 1839 entsprachen Stiftungsvorstand, Vertreter des Gemeinderats und Spitalrechner der Auflage des Visitators und berieten mit Oberamtmann Rieder vom Bezirksamt Ettenheim "wegen besserer Einrichtung beziehungsweise nothwendiger Verwendung des s. g. Spitalgebäudes". Dabei wurde übereinstimmend anerkannt, dass die Lage des Gebäudes ungesund und für ein Krankenhaus ungeeignet sei. Andererseits war man sich auch einig darüber, "daß die fehlerhafte innere Einrichtung nur mit großem Kostenaufwand und dennoch nicht dem Zweck vollkommen entsprechend abgeändert und verbessert werden könnte". Zur Lösung des Problems wurde die Veräußerung des Spitalgebäudes und der Erwerb eines geeigneteren und nur als Krankenhaus zu benutzenden Gebäudes vorgeschlagen. Für ein Armenhaus war ohnehin derzeit kein Bedarf. Wohnungslose Ortsarme sollten bei Privaten untergebracht werden. Voraussetzung für einen Verkauf war allerdings, "daß die geistliche Behörde wegen der Kapelle, die den größten Theil des Spitalgebäudes einnimmt, keine Anstände erheben wird". An Argumenten für einen Verzicht auf die Kapelle fehlte es nicht: Sie war feucht und in schlechtem Zustand. Eine Herstellung würde teuer kommen. Dabei reichten die Einkünfte des Fonds kaum für die übrigen dringlichen Aufgaben aus. Zu berücksichtigen war auch, dass in der Kapelle schon seit langem nur einmal im Jahr Gottesdienst gehalten wurde; der aber könnte in Zukunft in der prächtigen und geräumigen Stadtkirche "mit mehr Würde und Andacht" gefeiert werden. Während der Verkauf des weitläufigen Gebäudes finanziellen Vorteil versprach, würde der Erhalt des Bauwerks den Spitalfonds nur viel Geld kosten und durch das Fortbestehen desselben der leidenden Menschheit doch nicht geholfen.

Stadtpfarrer Baumann, dem das Ergebnis der Beratungen beim Bezirksamt mit der Bitte um Beantragung der Zustimmung des Erzbischöflichen Ordinariats in Freiburg zur Execration (Entweihung) der Kapelle zugeleitet wurde, legte das Protokoll zunächst noch einmal dem gesamten Gemeinderat mit der Bitte um Stellungnahme vor. Bei seiner Sitzung am 12. Januar 1839 zeigte sich der Gemeinderat verwundert über die in dem Protokoll des Bezirksamts ausgesprochene Behauptung, dass alle bei dem Gespräch anwesenden Mitglieder des Gemeinderats dem Verkauf der Spitalkapelle zugestimmt hätten. Das könne nur ein Missverständnis sein, meinte man, denn die Gemeinderäte Werber, Osner, Jäger und Joseph Kollefrath hätten "ausdrücklich gegen die Entfernung dieser Kapelle gestimmt (!), und die übrigen Gemeinderaths Glieder, weil sie hiezu nicht mehr aufgefordert wurden, ihre Stimme gar nicht abgegeben". Übereinstimmend sprachen sich die Gemeinderäte nunmehr gegen die Veräußerung der Kapelle aus, und zwar weil sie glaubten, dass der Verkauf nicht nur gegen den Willen des Stifters sondern auch gegen den Wunsch einer Mehr- heit der Gesamtbürgerschaft verstieße: "Da nach der hohen Regierungsverfügung die Revenüen-Überschüsse des Spitalfonds nicht allein für arme Kranke sondern für alle Armen verwendet werden müssen, da in der letzten Zeit mehrere Hundert Gulden zur Einrichtung und Verbesserung der Krankenzimmer sowie zur Anschaffung von Requisiten in dieselben verwendet worden sind, und überhaupt jetzt den Anforderungen des Gr. Amtsphysikats in dieser Beziehung soviel möglich entsprochen worden zu sein scheint, so tragen wir darauf an, daß vorderhand mit den projektierten Veränderungen an dem Spitalgebäude auf jedenfall in so lange Umgang genommen werde, bis sich zur Anschaffung eines ändern Krankenhauses eine günstige Gelegenheit darbieten wird."(25)

Bei der Einschätzung dieses Vorgangs ist zu berücksichtigen, dass in jener Zeit viele höhere Beamte im Großherzogtum als Anhänger der Aufklärung und treue Staatsdiener keinen Sinn für Kapellen hatten und sie für entbehrlich hielten, zumal dadurch Unterhaltskosten gespart werden konnten. Dies entsprach der kirchlichen Politik "Wessenbergischer Richtung", führte aber immer wieder auch zu Konflikten mit der katholischen Bevölkerung und einzelnen Pfarrern, die oft Widerstand gegen die Beseitigung beliebter Kapellen leisteten. Auch Stadtpfarrer Baumann vermutete hinter dem Ansinnen des Bezirksamts, die Spitalkapelle aufzuheben, einen Versuch der Staatsmacht, die katholische Kirche zu attackieren. Das brachte er jedenfalls am Ende des Schreibens zum Ausdruck, mit dem er am 10. März 1839 das Erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg von der Absicht des Ettenheimer Bezirksamtes, die Spitalkapelle zu profanieren, in Kenntnis setzte: "Auf jedenfall scheint dies eine Gelegenheit darzubieten, sich an dem Orts Pfarrer reiben zu können. Der gehorsamst Unterzeichnete gibt seine Ansicht unmaßgeblich dahin: das Hochwürdigste Ordinariat wolle hochgefälligst die Einwilligung zur Execration dieser Hauscapelle nur auf den Fall hin ertheilen, wenn das Spitalgebäude zum entschiedenen Nutzen des Fondes sollte verkauft werden können."(26) Der daraufhin am 19. April 1839 ergangene Erlass Erzbischofs von Vicari trug den Vorstellungen des Ettenheimer Stadtpfarrers voll Rechnung: "In Erwägung, daß bey einem Spitale eine Kapelle für die Kranken nothwendig ist; und in fernerer Erwägung, daß zur Winterszeit die auf der Anhöhe gelegene Pfarrkirche wegen des Eises für ältere Leute, die deshalb die Spitalkapelle besuchen, weniger zugangbar ist; und in Erwägung endlich, daß der Gemeinderath in Ettenheim in seinem Protokoll vom 12. Jenner d. J. einstimmig den Wunsch ausgesprochen hat, daß die Spitalkapelle fortbestehen möchte, können wir die Einwilligung zur Exekration der Spitalkapelle nur für den auch zur Sprache gekommenen Fall hin ertheilen, wenn das ganze Spitalgebäude zum entschiedeneren Nutzen des Fondes verkauft werden sollte. Da aber sodann wahrscheinlich ein anderes, gesünderes Spitalgebäude erbaut oder eingerichtet wird, so wolle unser Pfarramt darüber wachen, daß in dem neuen Spitalgebäude ebenfalls nach Bedürfnis eine Hauskapelle hergestellt werde."(27) Der Fortbestand der Spitalkapelle war damit gesichert.

Abbruch der Sakristei (1847)

Nur noch ein Wandschrank befindet sich heute hinter einer stuckverzierten Tür in der Wand des Spitalkirchenchors, die an die östliche Ringstraße grenzt. Einst gewährte diese Tür den Durchgang zu einer einstöckigen Sakristei, die 1847 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden musste.(28) Aufschluss über das Aussehen der Sakristei geben ein von Zimmermeister Fritschi 1833 angefertigter Grundriss der Spitalkapelle, der auch die Sakristei als ein mit drei verschieden langen Wänden an den Chor angehängtes schiefwinkliges Viereck abbildet, und Kostenvoranschläge, die das Bezirksamt 1847 für den Abbruch und für Reparaturen am Spitalgebäude einforderte.(29) Einem der Voranschläge ist zu entnehmen, dass am Sakristeigebäude "zwei Kreuzstöck mit runden Scheiben und eisernen Fensterkreuzen" angebracht waren. Der Durchgang von der Sakristei zum Chor war "nach der äußeren Flucht auf 1 Schuh dick zuzumauern, so dass es gegen der Kirche einen Wandkasten bildet". Da überdies die bisherige Verbindungstür anders gestaltet werden musste, wird klar, wie es zum heutigen Wandschrank in der Spitalkirche kam.

Übergang der Verwaltung des Spitalfonds auf die politische Gemeinde 1870

Infolge des Gesetzes vom 5. Mai 1870 über die Rechtsverhältnisse und die Verwaltung der Stiftungen übernahm der Gemeinderat die Verwaltung des Spitalfonds allein. In einer gemeinsamen Sitzung der Katholischen Stiftungskommission und des Gemeinderats der Stadt Ettenheim am 8. Juli 1870 fand die vorgeschriebene Übergabe der Archivalien rein formal statt. Bereits am 6. Juni hatte Pfarrverweser Gutgesell zu Protokoll gegeben, dass er bei seinem Amtsantritt weder Urkunden noch Rechnungen noch Wertpapiere des Ettenheimer Spitalfonds im Pfarrhaus vorgefunden habe. Spätestens seit der Zeit, als Pfarrer Grafmüller in Ettenheim amtierte (1849/62), sei schon alles auf dem Rathaus aufbewahrt worden.(30)

Renovation der Spitalkirche 1883/84

In den Jahren 1883/84 wurde die Spitalkirche renoviert. Offensichtlich lief die Aktion über das katholische Pfarramt, denn die Rechnungen befinden sich im Pfarrarchiv.(31) Möglicherweise wurden für diesen Zweck Spendengelder verwendet.

An Malermeister Joseph Fahrländer wurden "für das Ausmalen und Vergolden der Spitalkapelle" 215 Mark bezahlt. Zimmermeister Peter Schwarz fertigte 14 neue Kirchenstühle aus Tannenholz für 400 Mark an. Diese wurden von Maler Fahrländer für 70 Mark mit einem viermaligen Ölfarbenanstrich in Eichenton versehen. Die Zementwaren-Fabrik Brenzinger & Cie aus Freiburg, lieferte den heute noch vorhandenen Zementplattenboden für 539,92 Mark (67,49 qm), und von der Freiburger Glasmalerei Heimle & Merzweiler stammen vier Glasgemälde im Werte von insgesamt 380 Mark, die einen kreuztragenden Christus, eine schmerzhafte Muttergottes, den heiligen Dominikus und den heiligen Bernhard darstellen. Diese Glasgemälde wurden im Jahre 1965 wieder entfernt. Die Maurerarbeiten erledigten Franz Meyer und Karl Philipp Oechsler für 80 Mark (Verlegung des neuen Plattenbodens?). Die Firma Heinrich Lange aus München lieferte einen "Kirchen Rouleaux" mit einem nicht näher bezeichneten Gemälde in Öl für 70 Mark. Über dieses Ausstattungsstück ist nichts weiteres mehr bekannt. Der Altar wurde von A. Flick aus Bühl für 186 Mark gefasst und vergoldet. Die Bühler Bildhauerei A. Mechler berechnete jeweils

25 Mark für "eine Baldachin-Rückwandnische zur Madonna" und "das Postament unter die Marienstatue mit Engels-Köpfchen, Band und Ornamentik samt Anpassen an den Altar".

Im Rahmen dieser Renovation wurden vermutlich das ursprüngliche Altarbild mit der heiligen Barbara (Patronin) entfernt und an seiner Stelle eine Altarnische und ein Postament zur Aufnahme der Muttergottesfigur, die früher bekleidet war, angebracht.

Abb. 3 Der Innenraum der Spitalkirche (Februar 2002) (Stadtarchiv Freiburg, Photo Corcodel)
Abb. 3 Der Innenraum der Spitalkirche (Februar 2002) (Stadtarchiv Freiburg, Photo Corcodel)

Auch der ursprüngliche Tabernakel vom Jahre 1807 wurde entfernt und ca. 1894 durch den heute noch vorhandenen, neubarocken der Offenburger Firma Simmler & Venator ersetzt.(32)

Umwandlung des Spitals in ein Krankenhaus (1885-1911)

Mit dem Einzug von drei barmherzigen Schwestern des Ordens vom heiligen Kreuz aus Ingenbohl/Schweiz in das Spital am 1. Januar 1885 begann die langsame Umwandlung des Spitals in ein Krankenhaus. Die Anstellung von Ordensschwestern war zu dieser Zeit wegen des Verbots der Niederlassung religiöser Orden im Großherzogtum Baden nicht ohne weiteres möglich. Das Ettenheimer Bezirksamt schrieb am 5. August 1887 dem Gemeinderat, dass gemäß § 11 des Gesetzes vom 9. Oktober 1860 über die rechtliche Stellung der Kirchen und kirchlichen Vereine im Staate ohne Genehmigung der Staatsregierung kein religiöser Orden im Großherzogtum eingeführt werden dürfe. Da nach Auffassung des Bezirksamtes dies auch für die Anstellung der Schwestern im Spital gelte, sei dem Bezirksamt "ein genügend begründetes Gesuch" zur Weiterleitung an das Großherzogliche Ministerium der Justiz, des Kultus und Unterrichts vorzulegen. Das Ministerium entschied am 24. September 1887, dass nach dem vorgelegten Anstellungsvertrag vom 2. Januar 1886 der Verwaltung des Spitals zu Ettenheim nicht nur allein das Recht vorbehalten sei, das ganze Dienstverhältnis jederzeit mit einer Frist von acht Wochen zu kündigen, sondern auch einen Wechsel in der Person der einzelnen Schwestern zu verlangen. Die Schwestern, die gegen eine vereinbarte Vergütung das Hauswesen und die Krankenpflege besorgten, erschienen lediglich als Bedienstete der Spitalverwaltung (privatrechtliches Dienstverhältnis). Ihr Aufenthalt im Großherzogtum war daher nicht als eine Niederlassung der Ingenbohler Ordenskongregation oder als Errichtung einer Anstalt dieser Kongregation zu betrachten. Der Großherzogliche Verwaltungshof erklärte daraufhin am 4. April 1888 seine grundsätzliche Zustimmung zur Anstellung von barmherzigen Schwestern aus dem Orden zum heiligen Kreuz in Ingenbohl als Krankenpflegerinnen bzw. Haushälterinnen im Ettenheimer Spital, diese dürfe jedoch nicht auf der Basis einer Vereinbarung mit der Generaloberin des Ordens, sondern in der Form eines persönlich mit den einzelnen Ordensschwestern selbst abzuschließenden Vertrages geschehen.

Dem Bericht des Ettenheimer Gemeinderats vom 16. August 1887 in dieser Angelegenheit an das Bezirksamt ist zu entnehmen, dass die drei Schwestern die Krankenpflege besorgten, teils in der Stadt, teils im Spital und zugleich die Haushaltung und Wirtschaft im Spital führten. Nach dem Einzug der Ordensschwestern wurde auch die Ausstattung des Spitals verbessert. Besonders als am 1. Januar 1888 der Bezirksarzt Dr. Walther den ärztlichen Dienst dort antrat, wurden auch größere operative Eingriffe möglich. Vorher war das Spital eher ein Armen- und Pfründnerhaus. Schon am 5. November 1887 hatte Dr. Walther dem Gemeinderat verschiedene Verbesserungsvorschläge vorgelegt (Auszug): "Die Verfassung, in der sich jetzt das hiesige Spital befindet, entspricht mehr der eines Pfründnerhauses; es ist aber nöthig, daß bei plötzlich vorkommenden Unglücksfällen, bei operativen Eingriffen, die rasch gemacht werden müssen; bei Krankheiten, die eine sorgfältige, fortwährende und sachkundige Behandlung und Ueberwachung erheischen, ein Ort vorhanden sei,

wohin der behandelnde Arzt mit voller Zuversicht seine Patienten verbringen kann: ein solcher Ort ist das Spital. Es würde eine Neuerung in meinem Sinne dem Spitalfond keine Opfer aufbürden, da die Aufgenommenen bezahlen müssen; es wäre die Maßregel human, eine große Wohlthat für Ettenheim und die benachbarten Orte; es würde ferner die Neuerung für die Amtsstadt Ettenheim und ihr Spital ehrenvoll sein (!); endlich muß noch zugefügt werden, daß die Maßnahme nöthig ist; denn vielfach besitzen die Bewohner des Bezirkes so kleine und niedrige Wohnungen, daß der behandelnde Arzt es nicht wagen kann, eine unter anderen Umständen dringend gebotene Operation zu unternehmen." Anschließend machte Dr. Walther noch "Spezialvorschläge" zur Ergänzung der Spitalordnung, mit denen sich der Gemeinderat einverstanden erklärte. Umfangreiche Baumaßnahmen folgten: zum Beispiel im Jahre 1898 ein neuer Toilettenanbau und im Jahre 1904 der Ausbau des 3. Stockwerkes, wo ein Operationssaal eingerichtet wurde. Die Pfründner wurden nach und nach aus dem Spital entfernt. Ab 1911 war das Spital nur noch Krankenhaus.(33)

Plan des Eintrags eines ausschließlichen Gebrauchsrechts an der Spitalkapelle für katholische Gottesdienste in das Grundbuch

Im Jahre 1920 forderte der Katholische Oberstiftungsrat im Zusammenhang mit einem beabsichtigten Eintrag des kirchlichen Eigentums an der Spitalkapelle in das Grundbuch den Katholischen Stiftungsrat in Ettenheim auf, über die Verhältnisse hinsichtlich der Spitalkapelle zu berichten. Der Antwort des Stiftungsrats zufolge wurden bis 1895 jährlich in der Kapelle nur am Patroziniumsfest (heilige Barbara, 4. Dezember) ein Gottesdienst und am 5. Dezember ein Requiem für die Wohltäter und Stifter des Spitals gefeiert. Erst nachdem Stadtpfarrer Baumann dann die Erlaubnis erwirkt hatte, auch das Allerheiligste in der Kapelle aufbewahren zu dürfen, wurde dort fortan wöchentlich einmal eine heilige Messe, vom Jahre 1911 an fast täglich an den Werktagen gehalten: "Da diese hl. Messe eine Stunde vor dem Pfarrgottesdienst beginnt, besuchen dieselbe gerne die Arbeiterinnen der Fabrik (Vennemanns Zigarren-Fabrik?) und da die Kapelle mitten in der Stadt liegt, gehen ältere und gebrechliche Personen gerne hinein, weil der Weg zur hochgelegenen Kirche für sie beschwerlich ist. Daraus ist ersichtlich, daß recht wohl ein kirchliches Interesse an dieser Kapelle besteht, die etwas um 100 Sitzplätze hat." Aufgrund dieses Berichts hielt es der Oberstiftungsrat für angebracht, wenn "ein ausschließliches Gebrauchsrecht an der Spitalkapelle zugunsten der röm. kath. Kirchengemeinde begründet und im Grundbuch eingetragen wird. Der Stiftungsrat wolle wegen Bewilligung eines solchen mit dem Gemeinderat verhandeln und über das Ergebnis berichten". Nach wiederholtem Drängen des Oberstiftungsrats beantragte der Ettenheimer Stiftungsrat endlich am 22. Januar 1926 beim Gemeinderat die Eintragung des ausschließlichen Gebrauchsrechts der katholischen Kirchengemeinde an der Spitalkapelle in das Grundbuch. Diesen Antrag lehnte der Gemeinderat in seiner Sitzung am 28. Januar jedoch ab, da es keinen Anlass gebe, "daß das Grundstück, auf dem die Spitalkapelle steht, mit dem Gebrauchsrecht hinsichtlich der letzteren zugunsten der katholischen Kirchgemeinde belastet wird". Der Oberstiftungsrat wollte sich damit nicht abfinden und fragte in den folgenden Jahren wiederholt nach dem Stand der Angelegenheit an. Zuletzt schrieb Pfarrer Winterhalter am 30. April 1937 unter dem Eindruck der Verhältnisse in der NS-Zeit: "Ein Eintrag auf Bewilligung und Eintragung eines ausschließlichen Gebrauchsrechts der Spitalkirche zugunsten der römisch-katholischen Kirchengemeinde hat heute begreiflicherweise weniger Aussicht als je zuvor." Dabei ist es bis heute geblieben.(34)

Renovation der Spitalkirche 1927

Im Jahre 1927 wurde eine neuerliche Instandsetzung der Spitalkirche erforderlich. Nach der Kostenberechnung des Stadtbaumeisters Josef Müller war ein "zweimaliger Ölfarbanstrich auf Sockel und Holzwerk und Leimfarb- oder Kaseinanstrich auf dem alten Decken- und Wandputz (in zweimaligem Anstrich)" vorgesehen. Am 26. Juni 1927 erhielt Malermeister Franz Blum die Malerarbeiten zum Angebotspreis von 608,50 Mark übertragen. Später legte er noch ein weiteres Angebot über zusätzliche Vergoldungsarbeiten vor, das ebenfalls vom Gemeinderat angenommen wurde: "1) Namenszug I. H. S. mit Zeichen, anlegen, vergolden und fertigstellen wie auf der Skizze, Arbeit und Gold berechnet (auf) 80 Mark, im Goldton plastisch behandelt 55 Mark. 2) Vergoldungen in der Kapelle: Rundstab um Kreis, Fenstereinrahmung, Gesimsstab um die ganze Kapelle, Stab am Deckengesims, Blumengehänge und Akanthusblatt, Gehänge an der Empore, Türaufsatz, Fenstergehänge und Stab an den Fensterrahmen, 4 Stäbe an den Ovalrahmen, 2 Kapital 380 M."(35)

Ein Bericht in der Ettenheimer Zeitung vom 17. September 1927 anlässlich der Fertigstellung erwähnt weitere interessante Einzelheiten: "Nun ist das Kirchlein fertiggestellt und macht durch die schöne, schlichte Ausführung einen würdigen Eindruck. Die Umarbeiten hatten Herr Malermeister Blum hier und Herr Kirchenmaler Schuhmacher von Offenburg übernommen. Das Altarbild, die hl. Barbara darstellend, ist z. Z. noch in Arbeit bei Herrn Vogt in München (!). Dank der Opferwilligkeit verschiedener Familien konnte auch der Altar neu hergerichtet werden (!), was vor allem den Bemühungen der Schwester Oberin im Spital zu verdanken ist, die Gaben für die Herstellung des Altars gesammelt hat." Aus diesem Zeitungsbericht geht klar hervor, dass auch der Altar renoviert und ein neues Altarbild der heiligen Barbara durch den Ettenheimer Kunstmaler Rudolf Vogt hergestellt wurde. Dies alles wurde mit Spendenmitteln bezahlt, weshalb - wie so oft in solchen Fällen - in den Akten nichts zu finden ist. Das Inventar der Spitalkirche kam vor allem durch Spenden zusammen.

Über den Kirchenmaler Schuhmacher und dessen Arbeit am Altar der Spitalkirche konnte nichts festgestellt werden. Das Altarbild des Malers Rudolf Vogt zeigte die heilige Barbara als große Figur mit Kelch und Hostie, die wie ein Engel einem am Boden liegenden Soldaten erscheint, der ein kleines Sterbekreuz in den Händen hält. Im Hintergrund sah man einen Turm, das Hauptattribut der heiligen Barbara. Das Bild wies besonders auf die Verehrung der heiligen Barbara als Patronin der Sterbenden hin. Bei der Kirchenrenovation 1964/65 wurde es nicht wiederverwendet, sondern in die Nische in der Mitte des Altars die alte Muttergottesfigur gestellt, wie es 1884/85 schon einmal geschehen war. Seither ist das Altarbild des Malers Vogt verschwunden.

Abb. 4 Altargemälde des Ettenheimer Kunstmalers Rudolf Vogt von 1927 für die Spitalkapelle, das 1964 entfernt wurde und seither verschwunden ist (Rekonstruktion nach einer alten Ansichtskarte / Bildvorlage des Autors)
Abb. 4 Altargemälde des Ettenheimer Kunstmalers Rudolf Vogt von 1927 für die Spitalkapelle, das 1964 entfernt wurde und seither verschwunden ist (Rekonstruktion nach einer alten Ansichtskarte / Bildvorlage des Autors)

Neues Deckenbild von Maler Winand Victor (1948)

Im Jahre 1948 führte Malermeister Max Henninger Malerarbeiten in der Spitalkirche durch, über die nichts Näheres angegeben werden kann. Schwierigkeiten gab es bei der Beschaffung des Blattgoldes, das man für die Vergoldung des Decken- und Wandstucks benötigte. Der Altar wurde nicht renoviert.(36) Die Stadt ließ aber von dem damals in Ettenheim wohnhaften Maler Winand Victor ein Deckengemälde herstellen. Das runde Bild mit einem Durchmesser von knapp zwei Metern zeigte eine Ansicht der Stadt Ettenheim von Osten mit der Altstadt und der Pfarrkirche, darüber schwebte die Muttergottes auf Wolken als Beschützerin der Stadt. Das Bild sollte den Dank der Stadtgemeinde gegenüber der Gottesmutter zum Ausdruck bringen, dass Ettenheim von Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont ge- blieben war.(37) Victor malte das Bild auf eine runde Holzfaserplatte, die in der Mitte der Decke der Spitalkirche angebracht wurde.(38) Victor schrieb zu seiner Arbeit, er habe den ehrenvollen Auftrag mit großer Freude, Liebe und in der Überzeugung ausgeführt, dass durch sein Werk "kommenden Generationen der Dank der Stadt an die Gottesmutter für die Behütung vor den Schrecknissen des Zweiten Weltkrieges immer vor Augen geführt bleibt". Das Bild entfernte man aber bereits im Jahre 1964, worüber noch zu berichten ist! Von den vereinbarten 3.000 RM erhielt Maler Victor kurz vor der Währungsreform 2.000 RM ausbezahlt. Victor bat am 3. Dezember 1949 um eine Nachzahlung, weil er praktisch nur 150 DM bekommen habe. Die Stadt zahlte ihm daraufhin noch 50 Mark ohne Anerkennung eines Rechtsanspruchs nach.(39) So kam die Stadt zu einem preiswerten Votivbild.

Erneuerung des Dachstuhls und Renovation des Kirchenraums 1964/65

Nachdem das neue Krankenhaus auf dem Meierberg eröffnet worden war, stellte sich die Frage nach der weiteren Verwendung des Spitalgebäudes. Die Stadt beschloss, ein Altersheim darin einzurichten, das von 1953 bis 1974 bestand.

Bald nach seiner Ankunft äußerte Stadtpfarrer Birkenmeier gegenüber der Stadt den Wunsch, für die Alten und insbesondere den ehrwürdigen Schwestern zuliebe die Spitalkirche würdig herzustellen. Bei einer näheren Untersuchung des Gebäudes zeigte es sich, dass der gesamte Dachstuhl und das Türmchen baufällig geworden waren. Eine Totalerneuerung war unumgänglich, wenn das Spitalgebäude erhalten werden sollte.(40) Neben dem gesamten Dachstuhl über der Kirche musste auch die Kirchendecke vollständig erneuert werden. Das Türmchen erhielt eine neue Kupferverkleidung. In der Kirche fielen umfangreiche Gipserarbeiten an der Decke an, die von der Firma A. Hessemann erledigt wurden. Den neuen Dachstuhl baute die Firma K. Edelmann, die Dacheindeckung erfolgte durch die Firma Wilhelm Angster, und die Malerarbeiten führte die Firma K. Bildstein durch. Durch die Firma Fritz Vogl wurden vier neue Kirchenfenster in Bleiverglasung (Antikglas, grau) eingesetzt und die alten Fenster mit den Glasgemälden vom Jahre 1884 ausgebaut. Diese alten Fenster sind seither verschwunden! Die heute noch vorhandenen 14 Kirchenbänke aus Eichenholz mit geschnitzten Kopfteilen und abgeplatteten Füllungen in der Rückwand fertigte Schreinermeister Stefan Hedrich an. Die Gesamtkosten betrugen für das Kirchengebäude 116.649,13 Mark. Zur gleichen Zeit wurde auch die Küche für 11.363,31 Mark renoviert.(41)

Anlässlich dieser Renovation musste das Inventar des Kirchenraumes ausgeräumt werden. Der Altar wurde nach der Fertigstellung der Kirche wieder aufgerichtet, aber nicht renoviert. Dabei setzte man - wie bereits erwähnt - das Altarbild der heiligen Barbara von Maler Rudolf Vogt nicht mehr ein. Abgebaut wurde auch das Deckengemälde des Malers Victor vom Jahre 1948. Da es vermutlich niemand haben wollte, nahm es Heinrich Roser ("D'r Roser Heiner") an sich, in dessen Haus es letztmals gesehen wurde. Vom Altarbild des Malers Vogt fand sich zum Glück noch eine alte schwarz-weiße Ansichtspostkarte, während vom ehemaligen Deckenbild des Malers Victor bisher keine Abbildung gefunden werden konnte.(42)

Altarrenovation und neuer Kristallüster (1978/79)

Als die Ordensschwestern 1974 abberufen wurden, war es aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr möglich, das Altersheim weiterzuführen. So blieb der Stadt nur übrig, das Altersheim aufzulösen. Sie entschloss sich, die Räume einem eigens gegründeten Altenwerk zur Verfügung zu stellen, das dort eine Altenbegegnungsstätte einrichtete. In den nicht benötigten Räumen fanden ab November 1974 Brüder des Ordens der christlichen Lehre einen Altersruhesitz. Für die neue Verwendung des Spitalgebäudes waren umfangreiche Renovationen erforderlich. In diesem Zusammenhang erneuerte man auch die Außenfassade und den Kirchenraum.(43)

Restaurator Johannes Berger aus Bad Krozingen, der zu einem Angebot für die Restaurierung des Altars in der Ettenheimer Spitalkirche aufgefordert wurde, führte eine Untersuchung und Freilegungsproben durch. Dabei stellte er fest: "Der Barockaltar, der aus der Zeit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammt, wurde im 19. Jahrhundert bei seiner letzten Renovierung (?) vollständig übermalt. Die gelbbraune Ölmarmorierung des 19. Jahrhunderts steht im Gegensatz zur sehr guten Qualität der Architektur und den Plastiken des Altares (!). Die Figuren wurden mit einer gelbweißen Ölfarbe überstrichen, darunter befindet sich die originale, farbige Fassung mit Vergoldung. Ferner konnte ein starker Holzwurmbefall festgestellt werden. Die Muttergottesfigur wurde erst bei der letzten Renovierung, nachdem mehrere Veränderungen durchgeführt wurden, hineingestellt. Ursprünglich war hier das Bild der hl. Barbara als Altarbild. Dieses Bild hängt heute noch in der Kirche. Unter anderem wurde auch der Tabernakel (von Fa. Simmler & Venator aus dem Jahre 1894) bei der letzten Renovation entfernt. Auch dieser konnte wieder aufgefunden werden. Es wurde nach Rücksprache mit Herrn Pfarrer von Ettenheim und Herrn Stadtbaumeister Kern beschlossen, den für den Altar bestimmten Tabernakel wieder in der Kirche aufzustellen."(44) Bei einer Besprechung am 23. Oktober 1978, an der neben Stadtbaumeister Kern und Restaurator Berger auch ein Vertreter des Landesdenkmalamts teilnahm, wurde hauptsächlich darüber verhandelt, ob die bisher im Altar aufgestellte Madonna an diesem Platz bleiben solle oder nicht. Das alte Bild der heiligen Barbara war zwar noch vorhanden, jedoch hatte man früher den oberen Teil der Malerei mit der Rundung entfernt, um eine rechteckige Rahmung zu ermöglichen. Man war sich darüber einig, dem Bauausschuss zu empfehlen, das alte Gemälde wieder am Altar anzubringen. Hierzu wäre es nötig, das Altarbild wieder auf seine ursprüngliche Größe zu bringen und den fehlenden unteren Teil des geschnitzten Rahmens zu ergänzen. Als beste Lösung hinsichtlich der Beleuchtung des Kirchenraums wurde die Anbringung eines Kristallüsters mit eingebauten Strahlern innerhalb des runden Deckenspiegels angesehen. Diesen Empfehlungen folgend wurden die Arbeiten durchgeführt.

Schließlich erhielt Restaurator Berger auch noch den Auftrag zur Restaurierung des beidseitig bemalten alten Wandbildes. Dieses Bild zeigt auf der Vorderseite eine rätselhafte apokalyptisch-allegorische Szene mit Christus und Maria (17. Jahrhundert) und auf der Rückseite eine bei der letzten Renovierung stark übermalte Verherrlichung der heiligen Theresia (18. Jahrhundert). Beide Bildseiten waren durch Feuchtigkeit beziehungsweise Temperatureinwirkung beschädigt.

Zum Inventar der Spitalkirche

Zum Inventar der Spitalkirche gehört die frühbarocke, schöne Statuette einer stark taillierten, gekrönten Madonna mit Szepter und Kind, die - wie bereits geschildert - zeitweise in der Altarnische stand und jetzt an einer Kirchenwand befestigt ist.(45) Diese Muttergottesfigur wurde früher bekleidet. So sind im Inventar von 1830 zwei "Muttergottes Kleider" im Wert von 4 fl aufgeführt(46) und in einem späteren Inventar (ca. 1900) wird eine "Mutter Gottes Statue mit Jesuskind (Holz mit Stoffkleidung)" angegeben.(47) Diese Kleider sind heute nicht mehr vorhanden. Der Kreuzweg der Spitalkirche wurde im Jahre 1897 inventarisiert und dabei charakterisiert als: plastisch "aus Masse", gefasst, im Rokoko-Stil.(48) An Statuen sind verzeichnet: Mutter Anna mit Sockel, Herz Jesu, Unbefleckte Empfängnis, die Heiligen Thadäus, Franziskus, Antonius und Josef.(49) Auch eine Krippe ist aufgeführt (1908). Da die Inventarstücke in der Regel von Ungenannten gestiftet wurden, ist über ihre Herkunft meist nichts verzeichnet. Von den genannten Statuen sind neben der zu bekleidenden Muttergottesfigur nur noch die Statuen des heiligen Josef und des heiligen Franziskus vorhanden. 1992 ergänzte die Lieferung eines Ambo in Eiche mit drei nuss-baumfarbigen Hockern und einem Podest dafür auf der Westseite des Altars durch die Firma Stefan Hedrich das Kircheninventar.

Umbau des Spitalgebäudes (1988/89) und letzte Renovation der Kirchenraums (1992)

Weitere Veränderungen hinsichtlich der Verwendung des Spitalgebäudes traten ein, als die am 13. Juli 1979 gegründete 'Kirchliche Sozialstation Ettenheim e. V.' 1980 das Spitalgebäude bezog und das 'Altenwerk' im Jahre 1986 das Gebäude räumte.(50) Zur besseren Nutzung des Spitalgebäudes für die Zwecke der Sozialstation wurde es mit einem Aufwand von rund 560.000 Mark in den Jahren 1988/89 gründlich umgebaut.(51)

Die vorläufig letzte Renovation der Spitalkirche führte Malermeister Josef Schul im Jahre 1992 durch. Nach der Reinigung der Decke und der stellenweise erheblich verschmutzen Wände erhielten diese einen neuen Anstrich: die Wände in einem freundlichen Gelbton und der Stuck weiß mit partieller Vergoldung. Der Altar wurde gereinigt und die Schäden ausgebessert. Seither zeigt sich die Kirche wieder in gutem Zustand und wird für die Werktagsgottesdienste gerne benutzt. (52)

Es bleibt zu hoffen, dass das Spitalgebäude samt Kirche auch weiterhin gut unterhalten und sinnvoll genutzt werden kann, damit es weiterbesteht, nicht zuletzt den künftigen Generationen als Erinnerung an eine alte Stiftung.

Anmerkungen

1.) Aus den handschriftlichen Aufzeichnungen des Ettenheimer Chronisten Joann Conrad Machleid (1708-1794). Band II (1776-1794), 76. Das Original dieser Quelle befindet sich in Privatbesitz. Eine Photokopie liegt im Stadtarchiv Ettenheim (StadtAE). Der nachfolgende Beitrag ist ein überarbeiteter und ergänzter Nachdruck des vierteiligen Beitrags "Spitalkirche vor 210 Jahren eingeweiht", der im Juni und Juli 1996 im Ettenheimer Stadt-Anzeiger veröffentlicht wurde.
2.) ALFRED WENDEHORST: Die Spitäler. In: Würzburg - Geschichte in Bilddokumenten. Hg. v. Alfred Wendehorst. München 1981. S. 35-38.
3.) HUBERT KEWITZ: Geschichte der Pfarrei Ettenheim bis in die erste badische Zeit. In: St. Bartholomäus Ettenheim. Beiträge zur 200. Wiederkehr der Weihe der Ettenheimer Stadtpfarrkirche. Hg. v. Dieter Weis. München / Zürich 1982, S. 109-146, hier S. 131f.
4.) HUBERT KEWITZ: Vor 200 Jahren begann der Bau des Spitals. In: Badische Zeitung (Ettenheimer Heimatbote) Nr. 189, 19. Aug. 1981. Zwei Abschriften der Urkunde von 1452 März 21 aus dem 17. Jahrhundert bzw. von 1548 sind in Kopialbüchern des Klosters Ettenheimmünster enthalten (Generallandesarchiv Karlsruhe 67/593 und 67/594). Weitere Abschriften aus dem 18. Jahrhundert liegen im Stadtarchiv Ettenheim (StadtAE), davon eine mit richtiger Datierung im Urkundenbestand und zwei mit falscher Jahresangabe 1453 in der Akte Nr. 1048. Ich danke Herrn H. Kewitz für freundliche Hinweise zu den Quellen und die Übersetzung der lateinischen Texte.
5.) JULIUS KINDLER VON KNOBLOCH: Oberbadisches Geschlechterbuch, Bd. 2. Heidelberg 1905, S. 270-275.
6.) Pfarrarchiv Ettenheim (PFAE), Buch "Haupt-Ausweis über die gestifteten Anniversarien (...)"
7.) PHILIPPE ANDRÉ GRANDIDIER: Etat Ecclésiastique du Diocèse de Strasbourg en 1454. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Erhaltung der geschichtlichen Denkmäler im Elsaß, II. Folge 18 (1896), S. 425.
8.) KEWITZ (wie Anm. 3): Der Spitalfonds besteht noch heute.
9.) Ebd.
10.) Erzbischöfliches Archiv Freiburg (EAF), Ha 582a, Visitationsprotokoll S. 85 und 89 Nr. 9.
11.) Pfarrarchiv Ettenheim (PFAE), Kirchenrechnung 1748/49.
12.) PFAE, Kirchenrechnung 1750.
13.) StadtAE, Spitalrechnung 1773: Pfäff fertigte vier Bandeisen, gab 2 Pfund Blei dazu und goss sie ein.
14.) StadtAE, Spitalrechnung 1781, Juli 30 und 31.
15.) HUBERT KEWITZ / DIETER WEIS: Die anderen kirchlichen Denkmäler in Ettenheim. In: St. Bartholomäus Ettenheim (wie Anm. 3), S. 148-160, hier S. 149, und StadtAE Akte Nr. 1049.
16.) StadtAE, Spitalrechnung 1806, Beil. 61 und 68.
17.) Ebd., Beil. 22.
18.) StadtAE, Spitalrechnung 1807, Beil. 7 1/2.
19.) Ebd., Beil. 78.
20.) Ebd., Beil. 62 und 74.
21.) DIETER WEIS: Der Ettenheimer Traghimmel. In: Ettenheimer Stadt-Anzeiger Nr.23 vom 9. Juni 1993.
22.) StadtAE, Spitalrechnung 1807, Beil. 63, 67-68, 70, 72, 75 und 80.
23.) StadtAE, Spitalrechnung 1858, Beil. 210 und 212.
24) StadtAE, Akte Nr. 1048.
25.) Ebd.
26.) EAF, Ordinariat-Akte Nr. 2573.
27.) PFAE, Akte XVI Spitalfonds
28.) Staatsarchiv Freiburg (STAF), B 701/9 Akte Nr. 105.
29.) Ebd. und StadtAE, Spitalrechnung 1846/47, Beil. 56 und 57.
30.) PFAE (wie Anm. 27).
31.) PFAE, Akte IX C3 Spitalkapelle.
32.) PFAE, Inventar des Kirchenfonds Ettenheim ab 1893 mit Nachträgen, S. 4, Zugang 1894, Wert 700 Mark: "Tabernakel und Untersatz in der Spitalkirche, verfertigt von Simmler & Venator in Offenburg, von Gutthätern bezahlt."
33.) StadtAE, Akte Nr. 1048.
34.) PFAE, Akte XIV Eintragung des kirchlichen Eigentums ins Grundbuch.
35.) StadtAE, Akte Nr. 1050.
36.) Freundliche Mitteilung von Friedrich Bronnenkant, Ettenheim.
37.) StadtAE, Akte Nr. 1050, Brief von Winand Victor vom 3. Dez. 1949.
38.) Nach Angabe von Stefan Hedrich stammte die Hartfaserplatte von der Schreinerei Franz Hedrich.
39.) StadtAE, Akte Nr. 1050.
40.) "Spitalkirche wird renoviert", Artikel in: Ettenheimer Heimatbote vom 23. Sept. 1963.
41.) StadtAE, Akte Nr. 1439-925.45.
42.) Mitteilung von WINAND VICTOR, Reutlingen, am 10. April 1996: "Leider kann ich zu dem Verschwinden des Deckenbildes nichts sagen, da ich nicht informiert wurde. Ich besitze selber weder Fotos noch Skizzen von dem Bild."
43.) "Spitalgebäude wird renoviert", Artikel in: Badische Zeitung (Ettenheimer Heimatbote) vom 27. Juni 1978.
44.) Akte des Stadtbauamts Ettenheim (ohne Nummer).
45.) Sehr ähnliche Statuen stehen in der sogenannten "Roßkapelle" (Hofkapelle) am Hinteren Geisberg und (bekleidet) in der Kapelle "Maria Frieden" in Kippenheim.
46.) Staatsarchiv Freiburg, B 701/4 Akte Nr. 109 "Inventarium über das dem hiesigen Spitalfond zugehörige Mobiliar Vermögen zur Spitalrechnung von Georgi 1830 bis dahin 1831."
47.) PFAE, Akte XIII b.
48.) PFAE, Inventar des Kirchenfonds Ettenheim, 1894 mit Nachträgen.
49.) StadtAE, Akte Nr. 1055 (enthält Fahrnisinventare des Spitals, 1908 und o. D.).
50.) Das "Altenwerk" hielt kurz vor Weihnachten 1986 im umgebauten St. Josefshaus Einzug.
51.) Ettenheimer Stadtanzeiger Nr. 32 vom 21. Sept. 1989 und Nr. 33 vom 28. Sept. 1989.
52.) Pfarrbrief der katholischen Pfarrgemeinde Ettenheim Nr. 11 für die Woche vom 15. bis 22. März 1992 und Akten des Stadtbauamts Ettenheim.


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Geburtshaus Johannes Gremper


Johannes Gremper Haus - Nach der Überlieferung soll in diesem Haus am Ettenheimer Kirchberg Dr. Johannes Gremper, ein Hexenverfolger im ausgehenden 15. Jahrhundert, geboren sein. Eine Gedenktafel am Haus erinnert daranKewitz, Hubert: Dr. Johannes Gremper aus Ettenheim - Er war Befürworter der unausgesetzten Folter (Ettenheimer Heimatbote, 29.5.1985)

Er war Befürworter der unangesetzten [sic! eigentlich "unausgesetzten"] Folter Vor 500 Jahren ein Helfershelfer der engagierten Hexenjäger im Bistum Konstanz

Nach der Überlieferung soll in diesem Haus am Ettenheimer Kirchberg Dr. Johannes Gremper, ein Hexenverfolger im ausgehenden 15. Jahrhundert, geboren sein. Eine Gedenktafel am Haus erinnert daran.

Ettenheim. Im ausgehenden 15. Jahrhundert hat Ettenheim nicht nur einen bekannten Frühdrucker, Heinrich Knoblochtzer, hervorgebracht, sondern auch, da in jener gärenden Übergangszeit Gutes und Böses eng beieinander liegen, einen engagierten Hexenverfolger und furchtbaren geistlichen Juristen, den Doktor Johannes Gremper. Einer alten Ettenheimer Überlieferung nach ist er im Haus Kirchstraße 10 geboren, wo eine Gedenktafel an ihn erinnert.

Wegen der schwierigen Quellenlage für die Ettenheimer Stadtgeschichte vor dem 30jährigen Krieg wissen wir nichts über die früheste Geschichte dieses Hauses, das nach Grundstücksgröße und Anlage der älteren Teile einmal eines der vornehmsten am Kirchberg gewesen sein muß. Ein Beleg dafür, daß es mit Gremper in Verbindung zu bringen ist, ist bisher nicht bekannt. Die Tradition erscheint aber glaubhaft.

Das einzige Ettenheimer Zeugnis über Gremper findet sich in dem Verzeichnis der gestifteten Seelenämter ("JahrZeitten"), das 1648 gleich nach dem Krieg nach älteren Unterlagen von Pater Arbogast Arnold, der damals die Pfarrei verwaltete, .neu angelegt worden ist. Danach hat im Jahr 1501 der Rat der Stadt die Stiftung eines feierlichen Jahrtags beglaubigt, die der Ehrenwerte, Hochverdiente Herr Doktor Johannes Kremer, einstmals Offizial, also hoher geistlicher Richter, der Bischöfe von Konstanz und Basel, "für sich, seine Eltern, Wohltäter, Amtsvorgänger und Nachfolger und das Heil der Seelen" eingerichtet hat. Er setzt ein Kapitel ein, das einen "ewigen" jährlichen Zins von einem Gulden bringt; hiervon soll ein Seelenamt jährlich am Montag vor Maria Reinigung vom Pfarrer unter Assistenz von fünf Geistlichen (!) gehalten werden. Interessant ist noch der Hinweis, daß "laut Testament" sein Erbe ein Clauß Kremer ist, wohl derselbe Ettenheimer Schultheiß Nicolaus Kremer, der 1509 für sich selbst eine Jahrzeit stiftet. Gremper / Kremer stammte also aus den vornehmen Kreisen, den Beamten-Honoratioren der Stadt. (Die Namensformen Gremper oder Kremer bedeuten ursprünglich den Kleinhändler, den "Krämer"; sie wurden unterschiedslos nebeneinander gebraucht.)

Grempers glänzende geistliche Laufbahn läßt sich streckenweise verfolgen. Er war Kleriker der Diözese Konstanz und wird als Pfründeninhaber an St. Nikolaus in Isny (1487) und in Ravensburg genannt. Vor allem aber erwähnt ihn als "geliebten Sohn Johannes Gremper" die berühmt-berüchtigte "Hexenbulle" des Papstes Innozenz VIII. vom Jahre 1484. Er erscheint darin als Gehilfe der beiden, vom Papst beauftragten Dominikaner-Inquisitoren Jakob Sprenger und Heinrich Institoris, als Notar und eine Art Schaltstelle zwischen den Inquisitoren und den oberdeutschen Bischöfen. Wenn Sprenger und Institoris einschreiten wollten, so erläutert der Papst, hatten sie sich zuerst an Gremper zu wenden. Seine Rolle hatte ihre Schwierigkeiten. Da die Bischöfe den Eifer der beiden nicht immer gern sahen, diese sich sogar gelegentlich über den Widerstand der Amtskirche beklagten, mag Gremper manchmal auch mäßigend gewirkt haben. Daß er aber die Anschauungen der Hexenjäger durchaus teilte, ist dadurch erwiesen, daß er sie mit reichem Material, mit Beispielen aus der Diözese Konstanz, versorgte für ihren 1487 in Straßburg erschienenen "Hexenhammer", dem unheilvollen Grundgesetz der Verfolgungen.

Der Bischof von Straßburg, aus dessen Bisturn der Ettenheimer stammte, scheint eher ein Gegner der Verfolgung gewesen zu sein. Vielleicht hat Gremper deshalb seine Karriere im Konstanzer Bistum gemacht. In der "Hexenbulle" tritt er noch als Magister auf. Später ist er zum Doktor promoviert und nach dem Ausweis einer Ettenheimer Quelle hoher geistlicher Richter in Konstanz und Basel gewesen. Wenig nimmt für ihn ein, daß er für die fortgesetzte Anwendung der Folter beim Verfahren eintrat. Es soll auch dieser Gremper gewesen sein, der in Waldshut eine alte, in ihrer Nachbarschaft unbeliebte Frau zur Aburteilung brachte und verbrennen ließ, deren Geschichte der "Hexenhammer" erzählt: Sie war zu einer Hochzeit nicht eingeladen worden und soll sich dadurch gerächt haben, daß sie durch ihren Dämon ein schweres Ungewitter mit Hagelschlag über die Hochzeitsgäste niederprasseln ließ. Hirten hatten gesehen, wie sie auf einem Berg in der Stadtnähe in einer Grube mit ihrem Urin das Unwetter anrührte und wie ihr Teufel die Masse in die Luft warf. Einen ähnlichen Fall brachte er in Ravensburg zur Anzeige und verursachte den Tod zweier unschuldiger Frauen, der Badmutter Agnes und der Anna von Mindelheim.

Zur Wertschätzung der Folter gelangte er, als in der Herrschaft Fürstenberg eine Hexe sich durch das Gottesurteil der Feuerprobe vorn Verdacht reinigte. Mit dem glühenden Eisen in der Hand ging sie nicht nur wie gefordert drei Schritte, sondern sogar sechs Schritte weit. Da dies nach Gremper nur durch Zauberei bewerkstelligt sein konnte, befürwortete er die unausgesetzte scharfe Folter. Nur so könne die Wahrheit ans Licht kommen. Über die Zahl seiner Opfer wirft eine Bemerkung im "Hexenhammer" ein Licht, wonach Sprenger und Institoris in fünf Jahren 48 Hexen verbrannt haben, und zwar "besonders in der Diözese Konstanz und in der Stadt Ravensburg", wo Gremper sein Amt ausübte. Es ist nicht bekannt, ob ihm jemals Zweifel an seinem Tun gekommen sind, was für ein Mensch er überhaupt war. 500 lange Jahre trennen uns von ihm und seiner kaltherzigen Tätigkeit. Das von ihm gestiftete Seelenamt mit den sechs Geistlichen ist noch lange Zeit in der Ettenheimer Pfarrkirche gehalten worden; seiner Opfer wurde dabei nicht gedacht.



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