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Sehenswertes Ettenheim alle Gemeinden


Zu Ettenheim gehören die ehemals selbstständigen Gemeinden Altdorf, Ettenheimmünster, Münchweier und Wallburg. Zur Stadt Ettenheim in den Grenzen von 1970 gehören die Stadt Ettenheim, das Dorf Ettenheimweiler, die Höfe Fuchsmühle, Holzmühle und Riedmühle und die Wohnplätze Am Zollhaus, An der Landstraße, Mittelmühle und Sägmühle. Zur ehemaligen Gemeinde Ettenheimmünster gehören das Dorf St. Landelin, die Weiler Hintertal, Sägerreute und Untertal, die Zinken Dörlinbachergrund, Lautenbach, Löhle und Schweighausenergrund und das Gehöft Bürkenberg (Schneiderhof). Zu den ehemaligen Gemeinden Münchweier, Wallburg und Altdorf gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Im Stadtteil Ettenheim lagen die abgegangenen Ortschaften Gisenburg und Heidenkeller. Im Stadtteil Münchweier lag die abgegangene Ortschaft Burbach

Das Gebiet um Ettenheim war schon früh besiedelt. Bei der Erschließung eines Neubaugebietes wurden zwei Gräber mit Skeletten gefunden, deren Grabbeigaben der Glockenbecherkultur zuzurechnen sind, also aus der Zeit zwischen 2500 und 2000 v. Chr. stammen. Zuvor schon waren Funde aus der Keltenzeit (1000 bis 600 v. Chr.) gemacht worden


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Oberwasenhütte Ettenheimweiler


Der Landschaftspflegeverein Ettenheimweiler e. V. wurde im Jahr 1997 gegründet und
Oberwasenhütte Ettenheimweiler - Die aus mehreren abgestuften Teichen bestehende Teichanlage dient auch dem Hochwasserschutzkonzept der Stadt Ettenheim und wird deshalb zusätzlich vom Verein instand gehalten sowie für die Gewässerreinhaltung Sorge getragen.bezieht sich auf ein Naturlandschaftsgebiet westlich des Ortsteils Ettenheimweiler.

Der Erhalt dieses wertvollen Biotops, einschließlich einer Teichanlage und Streuobstwiese rund um die dortige Oberwasenhütte, gehört zu den Primärzielen des Vereins. Hierzu gehört die Hege und Pflege der Fauna und Flora rund um dieses Areal.

Die aus mehreren abgestuften Teichen bestehende Teichanlage dient auch dem Hochwasserschutzkonzept der Stadt Ettenheim und wird deshalb zusätzlich vom Verein instand gehalten sowie für die Gewässerreinhaltung Sorge getragen.

Gelegentlich wird bei der Anlage zu Festen eingeladen, die in der regionalen Öffentlichkeit auf positive Resonanz stoßen.

Durch die veränderte Umweltsituation, wie z. B. Artensterben bekommen Aspekte des Umweltschutzes zusätzliche Priorität.
Aufgrund dieses ökologischen Beitrags der Vereinsarbeit ist der Verein als gemeinnützig anerkannt.
(Landschaftspflegeverein Ettenheimweiler e. V.)


Badische Zeitung - Ulrike Hiller, Dienstag, 29. März 2005

Richtfest an der Oberwasenhütte nach dem Brand im Januar.

ETTENHEIM-ETTENHEIMWEILER. Richtfest an der Oberwasenhütte bei den Seen in Ettenheimweiler feierte der Landschaftspflegeverein Ettenheimweiler am Ostersonntag mit dem Zimmermeister, den Helferinnen und Helfern und Stabhalter Peter Römer.

Die Hütte war in der Nacht vom 6. auf 7. Januar einer Brandstiftung zum Opfer gefallen. Der Schaden betrug rund 130 000 Euro. Dank der Partner Zimmerei Höfflin, Köndringen, und Sägerei Himmelsbach, Schuttertal-Regelsbach, gelang der Wiederaufbau rasch. Die Mitglieder des Landschaftspflegevereins hatten den Abbruch und die Brandrestebereinigung in Eigenleistung getätigt.

Stabhalter Peter Römer dankte allen Beteiligten für ihr schnelles Handeln. Die Bevölkerung habe den Leuten Mut gemacht, nach der "schrecklichen Tat", deren Urheber noch nicht ermittelt wurde, das Haus wieder aufzubauen. Die Oberwasenhütte wurde 2001 mit viel Eigenleistung erstellt und konnte 2002 in Betrieb genommen werden. Auf dem Platz vor der Hütte findet nunmehr der 6. Maihock des Landschaftspflegevereins statt, der auch die Anlage in seiner jetzigen Form gestaltet hat.

Das Inventar der Hütte, das beim Brand völlig zerstört wurde, muss aus eigener Tasche aufgebracht werden. Dennoch will man am 1. Mai zu den bisherigen günstigen Preisen bewirten. Über kleine Spenden wäre man dankbar. Der endgültige Wiederaufbau soll bis Ende Juni fertig gestellt sein.


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Friedensstätte Wallburg


Friedenskapelle Wallburg - Friedenskapelle aus Sandsteinquadern erbaut und 1987 eingeweiht als Dank für die Heimkehr vom 2. Weltkrieg und als Brückenbau zur deutsch-französischen Verständigung mit Freunden aus dem ElsassDie Friedenstätte liegt im schattigen Wald - ein Ort der Ruhe und Entspannung. Für Menschen mit Gehbehinderung lässt sich die Friedenstätte auch mit Pkw erreichen. Auf dem Weg Richtung Wallburger Kirche immer die Hinterdorfstraße hoch. Die Kirche umfährt man auf der rechten Seite und folgt weiter die Anhöhe hinauf auf einer Schotterpiste. An der Friedensstätte sind in begrenztem Maße Parkplätze verfügbar. Wie gesagt - für Gehbehinderte sollte man die wenigen Parkplätze vorhalten. Der erste Eindruck ist unter Berücksichtigung der Tatsache, dass man hier dem Wirken einer Privatperson begegnet, "überwältigend". Die massiven Steinblöcke, die hier zusammen gefügt wurden, können Besucher*innen nicht unbeeindruckt lassen.

Friedenskapelle - Stadt Ettenheim:

Friedenskapelle aus Sandsteinquadern erbaut und 1987 eingeweiht als Dank für die Heimkehr vom 2. Weltkrieg und als Brückenbau zur deutsch-französischen Verständigung mit Freunden aus dem Elsass.

Lourdes-Grotte (seit 1962) lädt zur Einkehr ein. Aus mächtigen Sandsteinquadern ist die Friedenskapelle aufgebaut, die 1987 eingeweiht wurde. Über 100 Personen können darin Platz finden.

Seit dem Jahre 1963 treffen sich die Kameraden des Heimkehrerortsverbandes Ettenheim hier in Wallburg und künden mit dem Initiator dieser Gedenkstätte, Berthold Föhrenbacher, von Frieden und Versöhnung. Tausende Menschen haben in den vergangenen Jahren ihren Weg hierhergefunden, um Kraft und Mut zu holen. Mögen Sie, die Sie nun Einkehr gehalten haben, auch in Ihrem Alltag, in der Familie, an Ihrem Arbeitsplatz von der Friedensarbeit der ehemaligen Kriegsgefangenen künden, auch davon, dass der “Brückenbau” zu unseren Freunden im Elsass ein leuchtendes Beispiel der deutsch-französischen Verständigung geworden ist. (Stadt Ettenheim)

Die Friedenskapelle / Friedenstätte Wallburg


wurde vom Walldorfer Berthold Föhrenbacher, der lange Messdiener in der Walldorfer Kirche St. Arbogast war, zum Gedenken an die vielen Verluste des zweiten Weltkriegs und als Mahnstätte für die nachfolgenden Generationen in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts erbaut. Heute trifft man sich jährlich zur Gedenkfeier auch mit Freunden und Gästen aus der französischen Partnerstadt Benfeld.

Hiller, Ulrike: (Badische Zeitung, Samstag, 17. Januar 2004)

"...Am 17. Januar 1924 in Wallburg geboren, besuchte er dort die Volksschule und anschließend die Landwirtschaftsschule in Ettenheim, wo er die Prüfung als Land- und Forstwirt ablegte. 1942 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und geriet gegen Kriegsende in amerikanische Gefangenschaft. Nach der Rückkehr fand er im Odenwald Arbeit. 1946 kam er in sein Heimatdorf zurück. Dort heiratete er 1948 Magdalena geborene Obert von den "Ettenheimer Höfen". Die beiden haben fünf Kinder.

Schon im Jahre 1947 begann Berthold Föhrenbacher seine Mesnertätigkeit in der Pfarrkirche St. Arbogast. Auf seinem Grundstück im Wald errichtete er 1962 die Lourdes-Grotte und 1968 das Friedenskreuz. 1973 kamen der obere Eingang und der Gedenkstein für die Nichtheimgekehrten hinzu. Die Friedenskapelle entstand in den Jahren 1984 bis 1987. Ein Jahr später wurde der Glockenturm angebaut.

Seit über 40 Jahren finden bei der Gedenkstätte alljährlich die Friedensfeiern statt, bei denen auch seit 1968 die Heimkehrer aus der Partnerstadt Benfeld teil' nehmen.

Berthold Föhrenbacher erhielt 1984 die Landesehrennadel und 1989 die Ehrenmedaille des Gemeindetags Baden-Württemberg. Bei der Musikkapelle ist er Ehrenvorsitzender. Einige Zeit war er auch in der Vorstandschaft der Raiffeisenverkaufsgenossenschaft ehrenamtlich tätig. Für die Organisation der Besucher der Friedenskapelle waren die Eheleute über viele Jahre tätig..."
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Kunsthalle ehem. Synagoge Altdorf


Ehemalige Synagoge Altdorf - Bereits 1841 hatte die Gemeinde den Bau einer neuen Synagoge beschlossen und hierfür eine Baukommission eingesetzt. Gleichzeitig wurde mit der Sammlung von Beiträgen zu einem Baufonds begonnen. Allerdings sollten bis zum Bau der Synagoge noch 25 Jahre vergehen Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge

Eine erste Synagoge unbekannten Alters – vermutlich aus dem 18. Jahrhundert – war 1846 in einem baufälligen Zustand. Sie wurde von einem Altdorf besichtigenden Beamten des Oberamts als "Bretterhütte", als "baufällig und für die Gemeinde zu klein" beschrieben. Diesem Befund stimmte auch die jüdische Gemeinde zu, da sie in einem Brief an das Bezirksamt Ettenheim im selben Jahr schrieb: "Wir brauchen sehr nötig eine Synagoge, da die unsrige alt, baufällig und aber hauptsächlich, da dieselbe, besonders an Festtagen, die Zahl der Betenden nicht mehr zu fassen vermag." Über das Aussehen und die Größe dieser alten Synagoge ist nichts bekannt. Sie stand vermutlich unweit der späteren Synagoge an der heutigen Eugen-Lacroix-Strasse (früher Wallburger Straße; ein Teil davon im Volksmund auch "Judenschulweg" genannt).

Bereits 1841 hatte die Gemeinde den Bau einer neuen Synagoge beschlossen und hierfür eine Baukommission eingesetzt. Gleichzeitig wurde mit der Sammlung von Beiträgen zu einem Baufonds begonnen. Allerdings sollten bis zum Bau der Synagoge noch 25 Jahre vergehen. Die der badischen Revolution 1848/49 vorausgehenden Teuerungszeiten machten eine Finanzierung durch die nicht gerade wohlhabende Gemeinde zunächst unmöglich. Die für den Bau angesammelten Gelder mussten teilweise für andere Aufgaben ausgegeben werden. Noch 1855 wird von Armut und Not in der israelitischen Gemeinde berichtet. Andererseits wurden die Klagen über den schlechten Zustand der alten Synagogen immer lauter. Mitte der 1860er-Jahre war es dann endlich so weit. Am 19. September 1866 konnte der Vorstand der israelitischen Gemeinde Altdorf dem Bezirksamt Ettenheim die Pläne und Kostenvoranschläge für den Neubau einer Synagoge zur Prüfung vorlegen. Die Bauinspektion hatte nichts zu beanstanden. Nicht ganz klar ist, welcher Architekt die Baupläne zeichnete. Möglicherweise war es der Freiburger Synagogenarchitekt Jakob Schneider, der wenige Jahre zuvor die Baupläne der zur Altdorfer Synagoge sehr ähnlichen Synagoge in Rust entworfen hatte (1856/57 erbaut). Nachdem in Altdorf wohl noch im Herbst 1866 die Fundamente der Synagoge ausgenommen werden konnten, ist der Bau im Laufe des Jahres 1867 erstellt und am 21. Februar 1868 eingeweiht worden. Der Bühler Rabbiner nahm die Einweihung vor. (Allemania Judaica)

Wie es dereinst um die jüdische Gemeinde in Altdorf bestellt war, beschreibt Franz Oswald in Berd Uttenweiler's Buch über die jüdischen Gemeinde in der Region Ettenheim:

Aus dem Buch - Franz Oswald: Über die Gleichstellung der Israeliten 1871 in Altdorf, Seite 315.

Daß Israeliten früher oft Bürger zweiter Klasse waren, ist eine bekannte Tatsache. Selbst im vorigen Jahrhundert war es durchaus nicht selbstverständlich, daß die Juden die gleichen Rechte hatten wie ihre christlichen Mitbürger. Im Pfarrarchiv in Altdorf existiert noch die Abschrift zweier Aktenstücke, Pfarrer Arthur Weber hat sie dankenswerterweise zur Verfügung gestellt, die sich mit der "Gleichstellung der Israeliten in Altdorf" befassen.

Ettenheim, 20. Dezember 1871. - Beschluß:

Dem Gemeinderath in Altdorf wird auf die in dem Bericht vom 18. gestellten Anfragen erwidert:

Zu 1. Nach diesseitiger Ansicht haben die israelitischen Bürger, wenn sie zu dem Recht auf Bürgergenuß zugelassen werden sollen, oder wollen, zufolge § 5 des Gesetzes vom 4. Oktober 1862, Regierungsblatt Nr. 48 und den §§ 37 bis 39, 95 bis 97, das volle Einkaufsgeld zu entrichten und zwar 3/5 sogleich und 2/5 wenn sie wirklich in den Genuß eintreten. Die Begünstigung, statt der Baarzahlung der letzten 2/5, den einen zufallenden Bürgergenuß durch die Gemeinde so lange verpachten zu lassen, bis durch den Pachtschilling jener Betrag getilgt ist, findet bei den Israeliten keine Anwendung und sie haben sich auch den sonstigen in § 95 bis 97 enthaltenen Beschränkungen zu unterwerfen.

Zu 2. Für die Zulassung derjenigen Bürgersöhne, welche nach zurückgelegtem 25. Lebensjahr das Bürgerrecht angetreten haben, ist der § 106 der Gemeindeordnung maßgebend, sie rücken nämlich in den Bürgergenuß erst ein, wenn sie eine eigene Haushaltung, oder Gewerbe auf eigene Rechnung gegründet haben. Die auf 220 festgesetzte Anzahl der Bürgerloose ist einzuhalten und die zum Bürgergenuß Berechtigten haben nach ihrem Range in die erledigten Loose einzutreten.

Großherz. Bezirksamt

Ettenheim, den 20. September 1872. - Die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten betr. Beschluß: Dem Bürgermeisteramt Altdorf wird auf den Bericht vom 17. erwidert, daß die früher israelitischen Schutzbürger für das ihnen durch das Gesetz vom 4. Oktober 1862, Reggbl. Nr. 48 verliehene Gemeindebürgerrecht zufolge § 3 beziehungsweise der beigefügten Erläuterung in dem Handbuch des Bad. Gemeinderechts von Fr. Wielandt auch die in § 13 des Bürgerrechtsgesetzes bezeichneten Beiträge zu Localanstalten, hier zum Ortsarmenfonds in Altdorf, zu entrichten haben. Sie werden jedoch wie Bürgersöhne zu behandeln seyn.

Gr. Bezirksamt (Unterschrift)

Sechs Israeliten sind mit dem Antrag mit je fünf fl. zusammen 30 fl. an Armenfonds angewiesen.

Altdorf, 23. Februar 1872


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Kirchberg Münchweier


Der Kirchberg in Münchweier - Der zweite Bauabschnitt der Kirchberg-Sanierung in Münchweier ist abgeschlossen. Mehr als 400 000 Euro wurden in die Verbesserung der Kanalisation und in einen neuen Straßenraum investiert.Fährt man aus Ettenheim in das östlich gelegene Tal, dann erscheint Münchweier als "langegezogenes Schlauchdorf". Ein paar Fachwerkhäuser hier und da, eine Winzerstube schön aufgemacht aber ansonsten eher nichtssagend. Zu einfach wird das links liegende Viertel hinter dem Rebstock im wahrsten Sinne des Wortes "links liegen gelassen". Dabei ist dieses Viertel durchaus sehenswert. Zunächst aber Informationen zur alles überlagernde Dorfkirche:

Schwendemann, Emil: Als die neue Kirche endlich stand - Zur Geschichte von Dorf und Kirche Münchweiers (V) (Ettenheimer Heimatbote, 22.9.1978)

Ettenheim-Münchweier. Über das Gerangel zwischen kirchlichen und Weltlichen Behörden und der Bevölkerung von Münchweier um den Kirchenneubau haben wir im vierten Teil des Referats von Oberlandwirtschaftsrat i. R. Emil Schwendemann, das dieser anläßlich des 150. Kirchenjubiläums in Münchweier gehalten hat, berichtet. Über weitere Einzelheiten nach Fertigstellung der Kirche gibt nachfolgender fünfter Teil des Referats von Emil Schwendemann Auskunft.

In die Zeit der Vorbereitung des Kirchenbaues fällt im Jahr 1827 die Gründung des Erzbistums Freiburg. I802 wurde das Dekanat Lahr vom Bistum Straßburg losgelöst, bis 1827 stand es unter dem Bistum Konstanz und wurde dann dem Erzbistum Freiburg angegliedert. Planfertiger der neuen Kirche war der Weinbrennerschüler, Land- und Kreisbaumeister Johann (Hans) Voß aus Offenburg. Bauleiter war der Architekt Bergeraus Freiburg.

Der Hochaltar der Kirche "Zum Heiligen Kreuz" in Münchweier.

Am 11.3.1828 zeigte das Dekanat Lahr in Kippenheim dem Erzb. Vicariat an, daß in Münchweier die alte Kirche abgebrochen ist, die Notkirche eingerichtet ist (sie sei groß genug und bequem) und ein schöner Altar mit unbeweglichem Tabernakel errichtet worden sei, in dem das "Allerheiligste" aufbewahrt würde.

Die Grundsteinlegung zur neuen Kirche fand am 29.4.1828. Sie wird als großes Fest begangen. Näheres darüber kann im Ortssippenbuch nachgelesen werden. Die Einweihung der neuen Pfarrkirche nahm der Dekan des Kapitels Lahr am 25.10.1829 in "modo simplici" (einfacher und schlichter Weise) vor. Besondere Feierlichkeiten fanden dabei offenbar nicht statt. Anläßlich der Grundsteinlegung betrugen die Kosten für das Gastmahl des Badwirts und des Stubenwirts zusammen 132 fl. 30 xr., die des Rebstockwirts anläßlich der Einweihung der neuen Kirche beliefen sich nur auf 10 fl. 48 xr, dazu bei der Glockenweihe 5 fl 30 xr. = 16 fl 18 xr.

Die alte Kirche stand in der West-Ost-Richtung, die neue steht in der Süd-Nord-Richtung, Der Altar in der alten Kirche, in dem die Reliquien des hl. Landelin ruhten, mußte völlig abgebrochen und die Gebeine des Heiligen erhoben werden. Dies geschah am 10.7.1827. Dabei waren anwesend: der bischöfliche Kommissar Dr. Burg, der letzte Abt des Klosters, Arbogast Heisler, der Ortsgeistliche Pfarrer Hieronymus Johner, der Pfarrer von St. Landolin, Andreas Martin, ferner Benedikt Seeg, der Hilfspriester von Münchweier und Kasimir Götz, Stadtpfarrer von Ettenheim. Als Helfer wirkten mit Maurermeister Sebastian Striegel und dessen Lehrling Joseph Gottwald.

Nach dem damaligen Protokoll fand man zuerst einen roten Sandstein, fünf Schuh und fünf Zoll lang und zwei Schuh und sechs Zoll breit. Darauf befindet sich in den Stein gemeißelt das Bild eines Pilgers mit der Umschrift, die so beginnt: "Landelinus ego..." "Landelinus nenn ich mich..."

Erst drei Schuh tiefer unter der Erde kam man auf eine steinerne Platte, die auf einem steinernen Sarg lag, zweieinhalb Schuh lang, ein Schuh breit und eineinhalb Schuh tief, wobei ein Schuh 30 Zentimetern entspricht. Darin lagen vermoderte Gebeine mit Erde vermischt. Sie wurden sorgfältig heraus genommen und in eine hölzerne Schachtel gelegt. Diese wurde versiegelt und eine Urkunde mit den Unterschriften des Kommissars und der Zeugen beigegeben.

Am 16.10.1829 erhielt Pfarrer Johner vom Erzbischöflichen Generalvikariat die Erlaubnis, die Überreste des hl. Landelin in dem Altar der neuen Kirche wieder einzusetzen. Gleichzeitig wird ihm erlaubt, die von der ledigen Magdalena Höppler gestifteten Stationstafeln in der Kirche anzubringen.

Wegen der Altäre wurde geschrieben, daß in die neue Kirche keine neuen Altäre kommen, die der alten Kirche seien noch recht gut erhalten und können in die neue Kirche versetzt werden. Die drei Altarblätter, der hl. Landelin, der Hl. Joseph und der hl. Sebastian seien zwar keine Meisterstücke, aber doch so, daß sie der allgemeinen Erbauung in der neuen Kirche gebraucht werden können.

Die alte Kirche sei gut eingerichtet gewesen und habe schöne Altäre gehabt, heißt es an einer anderen Stelle. Ihr Aufbau war jedoch sehr einfach. Es fehlte an jedem Altar die Leuchterbank und die Predella. Die Bilder standen unmittelbar auf dem Altartisch. Im Lexikon von 1814 heißt es aber: Die Kirche unter dem Titel "Erhöhung des hl. Kreuzes" ist ein altes, finsteres Gebäude. Mehrfach wurde angenommen, daß die beiden heutigen Seitenaltäre aus dem Kloster Ettenheimmünster stammen. Dies ist jedoch urkundlich bisher nicht bestätigt.

Beim Einbau in die neue Kirche wurde der Hochaltar ausgebessert. Die Kosten hierfür betrugen 325 Gulden. Für die Seitenaltäre wurden 24 Gulden aufgewendet. Die drei Altäre der alten Kirche habe ein Jacob Muter im Jahre 1772 angefertigt, wo sie heute sind, ist nicht bekannt, schreibt Prof. Dr. Rest im Ortssippenbuch. Nach der obigen Schilderung ist es eindeutig, daß die Altäre aus der alten in die neue Kirche übernommen wurden.

Auch Aktuelles gibt es über den Münchweierer Kirchberg zu berichten: (Badische Zeitung, Sandra Decoux-Kone)

Mit einem Fest feiern Anlieger und Kommunalpolitiker in Münchweier Halbzeit im Sanierungsprojekt / Viele gelungene Details.

Der zweite Bauabschnitt der Kirchberg-Sanierung in Münchweier ist abgeschlossen. Mehr als 400 000 Euro wurden in die Verbesserung der Kanalisation und in einen neuen Straßenraum investiert.

"Heute haben wir alle wahrlich Grund zur Freude", befand Münchweiers Ortsvorsteherin Charlotte Götz am Freitagnachmittag, als die Anwohner, Verantwortliche des städtischen Tiefbauamts, Ortschaftsräte und Vertreter der Baufirma auf die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts der Sanierung des Kirchbergs in Münchweier anstießen.

Der Auslöser der insgesamt auf 1,5 Millionen Euro veranschlagten Sanierung liegt in der Tiefe. Das bisherige Kanalsystem war veraltet. Zum einen war die Bausubstanz angegriffen, dann war das System noch als Mischsystem ausgebaut. Mit der Sanierung wurde die Umstellung auf zeitgemäßes Trennsystem vollzogen. Unweigerlich mit den Arbeiten verbunden: die Oberflächengestaltung, die mit ansprechendem Betonpflasterwerk ausgeführt wird.

2017 war das vom Gemeinderat als notwendig erachtete und in vier Bauabschnitte gegliederte Sanierungsprojekt begonnen und Bauabschnitt I auch abgeschlossen worden. 2018 tat sich dann am Kirchberg nichts, in den zurückliegenden Monaten ist nun der zweite Abschnitt umgesetzt worden, von oberhalb des "Rebstocks" bis oberhalb der "Sonne" oberhalb der Kirchentreppe. 420 000 Euro kostete Bauabschnitt zwei, wie Björn Zerr vom Tiefbauamt erklärte.

 


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St. Landelin Ettenheimmünster


Uttenweiler, Bernhard: Die Wallfahrtskirche St. Landelin in EttenheimmünsterSie ist eine der schönsten Barockkirchen der Ortenau, in der alljährlich im September mit Wallfahrtsgottesdienst und Prozession das Fest des heiligen Landelin gefeiert wird

Sie ist eine der schönsten Barockkirchen der Ortenau, in der alljährlich im September mit Wallfahrtsgottesdienst und Prozession das Fest des heiligen Landelin gefeiert wird: unsere aktuelle Kirche des Monats.

Die Wallfahrt zum heiligen Landelin

Die Verehrung des heiligen Märtyrers Landelin, der - wie die Überlieferung der Benediktinermönche von Ettenheimmünster besagt - um 640 den Märtyrertod erlitt, ist um das Jahr 1000 in einem Heiligenkalender der Diözese Straßburg nachweisbar.

Während des ganzen Mittelalters bis zur Aufhebung der Benediktinerabtei durch Markgraf Karl Friedrich von Baden im Jahre 1803 wurden die Pilger und Kranken, die zur heilbringenden Quelle nach Ettenheimmünster oder zum Grab des Heiligen in Münchweier kamen, von den Mönchen des Klosters betreut.

Über die Kirchen oder Kapellen, die vor 1688 zu Ehren des heiligen Landelin errichtet wurden, ist heute nicht viel bekannt. Möglicherweise ist aber die kleine Kirche auf einem Holzschnitt (von 1617), der die Ermordung des Heiligen zeigt, die Vorgängerkirche der heutigen Wallfahrtskirche.

Wallfahrtskirche von Abt Maurus Geiger von 1688

Die Kirche, die der heutigen Wallfahrtskirche zugrunde liegt, wurde 1688 unter Abt Maurus Geiger (1686-1704) erbaut. Er war ein eifriger Verehrer des heiligen Landelin und hatte bereits vier Jahre, bevor er zum Abt gewählt wurde, ein Wallfahrtsbüchlein herausgegeben. Dem Heiligen gegenüber fühlte er sich zu besonderem Dank verpflichtet, da er schon während seiner Novizenzeit auf Anrufung des heiligen Landelin von einer schweren Krankheit geheilt worden war.

Wallfahrtsbild aus dem Jahr 1617.
Wallfahrtsbild aus dem Jahr 1617.

Der Bau einer neuen und prächtigeren Kirche war daher ein Zeichen seiner Dankbarkeit. Als Baumeister verpflichtete er Johannes Regutz aus Obernai im Elsass. Dieser plante eine Saalkirche, doch gab er ihr mit 16 Metern eine zu große Spannweite, so dass die allzu schwachen und von zahlreichen Fenstern durchbrochenen Außenmauern die Last des Daches nicht tragen konnten. Nahezu 80 Jahre lang war die Kirche innen durch Stützen abgesichert, bis sich ein neuer Abt der baufälligen Kirche annahm.

Wallfahrtsbild aus dem Jahr 1617.
Die Landeslinskirche von Abt Maurus Geiger - Kupferstich von Peter Mayer (1759).


Die heutige Wallfahrtskirche von Abt Dornblueth 1764

Abt Augustin Dornblueth (geboren 1705 in Gengenbach) war 1740 von den 19 wahlberechtigten Patres seines Konvents mit 35 Jahren im ersten Wahlgang einstimmig in dieses Amt gewählt worden. Er hatte mit 21 Jahren in Ettenheimmünster die Ordensgelübde abgelegt und 1730 noch in der von Abt Maurus errichteten Kirche seine erste heilige Messe gefeiert. Zusammen mit dem Konvent fasste er 1763 den Beschluss, die Landelinskirche, die nur durch ein "innerlich aufgeführtes Holz-Gebäude vor dem Einsturz" bewahrt wurde, "neu zu erbauen oder größtenteils zu erneuern". Der Umbau der Kirche wurde dem aus Meßkirch stammenden fürstenbergischen Baudirektor Franz Joseph Salzmann (1724-1786), einem der begehrtesten südwestdeutschen Barockarchitekten, anvertraut.

abb 03 Die von Salzmann umgebaute Wallfahrtskirche mit den vorgesetzten Seitengiebeln.
Die von Salzmann umgebaute Wallfahrtskirche mit den vorgesetzten Seitengiebeln.

Die Vorgehensweise beim Um- und Neubau der Kirche erstaunte auch den Klosterchronisten, der es äußerst bemerkenswert fand, wie man die neuen und kräftigeren Mauern unter dem alten Dach, das "unterstüpperet" wurde, hochzog. Um die Wucht des gewaltigen Kirchendaches noch besser abzufangen, fügte Salzmann links und rechts des Langhauses zusätzlich die elegant gestalteten, leicht nach außen ragenden Seitengiebel mit den doppelten Eingangstüren an. Der stilistisch nicht zur Kirche passende Turm ist eine Ergänzung des 19. Jahrhunderts.

Die beiden westlichen Portale und die Brunnenkapelle mit der Statue des heiligen Landelin
Die beiden westlichen Portale und die Brunnenkapelle mit der Statue des heiligen Landelin.

Beim Umbau wurden auch die zwei Eingänge links und rechts der Brunnenkapelle neu gestaltet. Der Bildhauer und Klosterbruder Aegidius Butsch brachte in den zierlichen Kartuschen über den Eingangsportalen das Wappen des Klosters, die thronende und gekrönte Madonna mit Zepter und Kind, und das Wappen von Abt Agustin Dornblueth an, das aus drei blühenden Rosen und den Insignien der Abtwürde besteht.

Diese beiden Portale flankieren die Brunnenkapelle, den eigentlichen Mittelpunkt der Wallfahrt. Hier ist die Stelle, an der nach der Legende der heilige Landelin das Martyrium erlitt und die vier wundertätigen Quellen der Erde entsprangen.

Geschichte der Kirche St. Landelin in Ettenheimmünster arrowRight16

Über der Kapelle dieses heiligen Ortes schuf der fromme Bruder Aegidius eine an Symbolen reiche Statue. Das wallende Gewand versinnbildlicht die Himmelfahrt des heiligen Landelin. Die zu einer Pilgerfahrt gehörenden Dinge verlieren ihre irdische Bedeutung: So umfasst Landelin den sonst stützenden Pilgerstab nicht mehr, der schützende Pilgerhut ist schon von seinem Haupt nach hinten gerutscht, und auf die nun nicht mehr benötigte Nahrung weisen nur noch drei Löcher im Gürtel hin, die der Befestigung der Pilgertasche dienten.

Deckengemälde im Chor.
Deckengemälde im Chor.


Die Landelinslegende und die Deckengemälde in der Kirche

Der Innenraum dieser lichtdurchfluteten Saalkirche mit Kirchenschiff und Chor wird thematisch durch die drei großen Deckenfresken gegliedert, die der aus St. Blasien stammende Maler Anton Morath (1718-1783) im Auftrag von Abt Dornblueth 1764/65 gemalt hat. Der von dem Freiburger Stuckateur Franz Anton Vogel (1720-777) über den Fensterbogen und an den Kapitellen der Wandpfeiler geschaffene Stuck ist dezent und unaufdringlich. Dies gilt im gleichen Maße für die zarten Blütenranken um die Deckengemälde, in denen die Legende des heiligen Landelin erzählt wird.

Bis ins Detail überträgt Anton Morath die im 12. Jahrhundert aufgezeichnete Legende auf die drei großen Gemälde an der Decke und die 14 seitlichen Nebenbilder: Der Heilige verzichtet auf Erbe und allen Reichtum, verlässt das heimatliche Irland, überquert den Rhein und begibt sich, nachdem er bei der Familie des Edulf in Altdorf eingekehrt war, in das unwirtliche Tal der Unditz, um als Einsiedler ein gottesfürchtige Leben in der Einsamkeit zu führen. Dort wird er von dem Jäger des Herren von der Gisenburg, der ihn für einen Zauberer hält, enthauptet.

Im dritten großen Gemälde im Chor ist das irdische Leben des hl. Landelin vollendet. Er liegt ausgestreckt am Boden, es entspringen die Quellen, und die Frau des Edulf mit ihren beiden Töchtern, von denen eine blind ist, beweinen in bewegter barocker Theatralik den Tod des Heiligen. Während die Mutter und die eine Tochter eine Bahre richten, um den Heiligen auf die andere Seite des Rheines zu tragen, weil es dort schon eine Kirche gab, berührte die blinde Tochter ihre Augen mit dem Blut des Heiligen und wurde sehend.

Noch heute benetzen die Pilger, die nach Ettenheimmünster kommen, ihre Augen mit dem Wasser der Landelinsquelle. Aus den in den Landelinsbüchlein des 17. und 18. Jahrhunderts veröffentlichten Wunderberichten wissen wir, dass der Heilige nicht nur wegen Augenleiden, sondern auch wegen zahlreicher anderer Gebrechen angerufen wurde.

Symbolik

Vielfältig ist die in den Deckengemälden enthaltene Symbolik. Fast jedes Bild zeigt einen abgehauenen Baumstumpf, der wieder ergrünt, Sinnbild für Tod und neu gewonnenes ewiges Leben. Eine besondere Bedeutung kommt dem Hirsch zu, der ein ständiges Attribut bei fast allen Darstellungen des Heiligen ist. Seine Bedeutung erschließt sich schon im zweiten Deckengemälde, wo der Hirsch dem Heiligen zugeordnet ist und das Gute oder gar die Seele symbolisiert, während der Eber oder das Böse unterhalb des Jägers steht.

Ganz eindeutig als die Seele des heiligen Landelin erscheint der Hirsch in der Decke im Chor, jedoch nicht in seiner realen Gestalt, sondern in Form der Wolke. Obwohl diese Deutung der Wolke bisher in der Literatur nicht zu finden und damit den Restauratoren nicht bekannt war, ist es erstaunlich, dass diese wolkige Hirsch-Gestalt seit rund 250 Jahren bei keiner Restaurierung übermalt wurde.

Der Hochaltar

Der Hochaltar
Im Gemälde des Hochaltares, das ebenfalls von Anton Morath stammt, ist die Aufnahme des Heiligen in den Himmel dargestellt. Psalm 42, Vers 2-3 liefert die Grundlage für die Interpretation des Hirschs als Symbol der Seele.

"Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser,
so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.
Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott.
Wann darf ich kommen und Gottes Antlitz schauen."

Und genau dies geschieht im Altarbild, denn der auf einer Wolke kniende heilige Landelin tritt hier dem Antlitz Gottes in verklärter Gestalt gegenüber. Der Hirsch als Symbol ist auch hier bewusst weggelassen.

Der mit Putten reich geschmückte Hochaltar bietet innerhalb der Kirche eine selbständige Architektur und bildet einen harmonischen Abschluss des Chores. Die Statuen am Hochaltar, links der heilige Paulus mit Schwert, rechts der Apostel Petrus mit Kreuz, waren von dem Klosterbruder Paulus Schramm (1700-1755) für den Altar der früheren Kirche geschaffen worden.

Das schmiedeeiserne Gitter der Kommunionbank, das den Chor vom Langschiff trennt, ist ein Beweis für die hohe Qualität der handwerklichen Arbeit der Klosterbrüder. Es war ursprünglich für die Klosterkirche angefertigt worden und kam erst nach der Säkularisation in die Wallfahrtskirche.

Die beiden Seitenaltäre, ebenfalls Werke von Bruder Aegidius Butsch, sind dem heiligen Landelin und der Mutter Gottes geweiht.

Die beiden Beichtstühle, die bei der letzten Kirchenrenovierung vom Kirchenschiff in den Chor versetzt wurden, standen ursprünglich in der Klosterkirche. Auch sie gehören zu den Meisterwerken von Bruder Aegidius.

Die Silbermann-Orgel von Ettenheimmünster.
Die Silbermann-Orgel von Ettenheimmünster.


Ein musikalisches Kleinod: Die Silbermann-Orgel

Zu den wertvollsten Ausstattungsstücken der heutigen Kirche gehört die von dem Straßburger Orgelbauer Johann Andreas Silbermann (1712-1783) geschaffene Orgel. Der kunstsinnigen und musikliebenden Abt Augustin Dornblueth gab sie bei dem berühmten Meister Silbermann in Auftrag. Im Sommer 1769 wurde die Orgel mit zwei Manualen und ehemals 21 Registern in der Klosterkirche eingebaut. Nach Auflösung des Klosters in der Säkularisation wurde die Orgel in die Wallfahrtskirche, die jetzt Pfarrkirche war, umgesetzt und so für Ettenheimmünster erhalten.

In seinen Aufzeichnungen notierte Silbermann, dass die Bildhauerarbeiten an der Orgel von Klosterbruder Aegidius gemacht wurden.

Ebenfalls ein Werk von Bruder Aegidius ist das filigrane, feingliedrige Gitter der geschwungenen Orgelempore, in deren Mitte er das geschnitzte Rosenwappen von Abt Dornblueth platzierte.

Landelinus-Reliquiar von 1506.
Landelinus-Reliquiar von 1506.


Büstenreliquiar des heiligen Landelin von 1506

Einen ganz besonderen Platz in der Verehrung des hl. Landelin und auch in der Reihe der Darstellungen des Heiligen nimmt das silberne Büstenreliquiar des heiligen Landelin ein. Der aus Villingen stammende Abt Laurentius Effinger ließ es 1506, vermutlich in Straßburg, anfertigen. Das Haupt des Heiligen ist kunstvoll mit Haupt- und Barthaar geschmückt. Der fein ziselierte Mantel wird von einer Vierpass-Schließe zusammengehalten, in welcher der heilige Märtyrer mit abgeschlagenem Haupt und den vier Quellen dargestellt ist. Die Büste ruht auf einem achteckigen Sockel mit 20 kleinen Reliefs, die Szenen aus der Legende zeigen. Vier Eckbaldachine mit Heiligenfiguren tragen dieses Kunstwerk, das als ein Hauptwerk der oberrheinischen Goldschmiedeplastik im frühen 16. Jahrhundert gilt. Seit über 500 Jahren bildet die Silberbüste, in der eine Reliquie des Heiligen verwahrt wird, zusammen mit der Quelle den Mittelpunkt der Wallfahrt. Früher wurde das Reliquiar in der Klosterkirche aufbewahrt und alljährlich für das Landelinusfest in feierlicher Prozession zur Wallfahrtskirche gebracht. Bei der Säkularisation wollte der Beauftragte des badischen Markgrafen auch die 62 Zentimeter hohe Silberbüste einziehen, die er zum Ärgernis des Volkes auf die Salzwaage stellte, um das Gewicht zu bestimmen. Glücklicherweise gelang es Pater Bernard Stöber, das Heiligtum zu retten, so dass es auch heute noch am Wallfahrtstag öffentlich gezeigt und bei der Prozession mitgetragen werden kann.

Das Landelinsfest

Das Fest des heiligen Märtyrers Landelin von Ettenheimmünster, Einsiedler und Blutzeuge der Ortenau, wird alljährlich am 22. September oder dem darauffolgenden Sonntag gefeiert. Der Wallfahrtsgottesdienst mit Pferdeprozession und Pferdesegnung findet jeweils unter großer Beteiligung der Gläubigen aus den umliegenden Orten statt.

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Das ehemalige Kloster Ettenheimmünster von Pater [sic!] Thumb.


Das ehemalige Kloster Ettenheimmünster

Die Mönche des Klosters Ettenheimmünster sahen in Bischof Etto von Straßburg den eigentlichen Gründer ihres Klosters, dem ein kleines Klösterchen am Begräbnisort des heiligen Landelin in Münchweier vorausgegangen war. Bischof Etto hatte 734 den Straßburger Bischofsstuhl bestiegen, nachdem er zuvor als Nachfolger des heiligen Pirmin Abt des Reichenauer Klosters war. Er wurde um das Jahr 780 in dem Kloster bestattet, dem er die Regel des heiligen Benedikt "ora et labora" gegeben hatte. Die über tausendjährige Geschichte des Klosters ist gekennzeichnet durch Kriegswirren, Plünderungen und Feuersbrünste.

Unter den Äbten Maurus Geiger (1686-1704), Johann Baptist Eck (1710-740) und Augustin Dornblüth (1740-1774) erlebte das Kloster im 17. und 18. Jahrhundert noch einmal eine außergewöhnliche kulturelle Blütezeit in Kunst (Bruder Aegidius), Musik (Komponist Ildefons Haas, Silbermann-Orgel), Wissenschaft (Cartier-Bibelübersetzung, Bibliothek) und Architektur (Wallfahrtskirche, Klosterbau von Peter Thumb). Abt Johann Baptist Eck beauftragte 1718 den Vorarlberger Baumeister Peter Thumb, neue Klostergebäude zu errichten. So entstand östlich der Wallfahrtskirche eine beeindruckende barocke Klosteranlage, vergleichbar mit dem ebenfalls von Thumb erbauten Kloster St. Peter. Vom Kloster Ettenheimmünster gibt es nur noch Gemälde. Erhalten ist auch das von Abt Arbogast Heisler (1793-1803), dem letzten Abt. Im April 1803 musste er die Schließung des Klosters miterleben. Unter Tränen verließ er das Kloster mit seinen Mitbrüdern und lebte bis zu seinem Tod 1829 in seiner Vaterstadt Offenburg. Das Gemälde schenkte er zum Abschied und "zum ewigen Denkmal" der Pfarrgemeinde.

Der Untergang des Benediktiner-Stifts Ettenheimmünster 1802/03 arrowRight16

Im Verlauf des 19. Jahrhundert wurden die Gebäude zweckentfremdet und schließlich als Steinbruch verwendet. In den Jahren 1865/66 war das Zerstörungswerk vollendet. Heute stehen nur noch die Umfassungsmauern der ehemaligen Benediktinerabtei Ettenheimmünster.

Text: Bernhard Uttenweiler, Ettenheim
Fotos: Bild- und Filmstelle der Erzdiözese Freiburg (Christoph Hoppe)

Literatur:


Uttenweiler, Bernhard: Die Verehrung des heiligen Märtyrers Landelin und die Wallfahrtskirche in Ettenheimmünster. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2006. 55 Seiten. (Mit umfangreichen Literatur- und Quellenangaben)
Uttenweiler, Bernhard: Landelinus-Ikonographie. In: Josef Rest, M. Barth, B. Uttenweiler: Aufsätze zur Geschichte der südlichen Ortenau. Historischer Verein Ettenheim 1986.


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Barockes Ettenheim

Barockes Ettenheim - Drei Stadttore verbinden die Altstadt mit neuen Baugebieten; eine gelungene Symbiose von Historie und Moderne. Die traumhafte Vorgebirgslandschaft des Schwarzwalds gibt Ettenheim mit Altdorf, Wallburg, Münchweier, Ettenheimmünster und Ettenheimweiler die Geborgenheit, die die Römer in der ältesten Ansiedlung Altdorfs schon zu schätzen wussten.Viele Jahrhunderte war Ettenheim rechtsrheinischer Mittelpunkt des Bistums Straßburg. 1200 Jahre Stadtgeschichte brachten manche Turbulenz - Blut, Leid und Krieg genauso wie Pomp und Glanz vor allem mit den Straßburger Bischöfen.

Frühere Herrschaftshäuser Straßburger und Elsässer Adels gruppieren sich um den Kirchberg. Altes Fachwerk, barocke Kunst und erhabene Architektur prägen noch heute das Stadtbild. Sie sind Zeugen lebendiger Geschichte.

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