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Sehenswertes in Ringsheim


Das 1975 gefeierte Dörlinbacher Jubiläum und die im Frühsommer 1976 gehaltene 750-Jahrfeier Ringsheims gehen beide zurück auf jenes Papstprivileg von 1226 für Ettenheimmünster, das den rechts- und linksrheinischen Besitz des Klosters bekräftigte. Unter den Ortenauer Namen, in der Reihe der Derlimbac, Ethinhein, Ruostein, Walberc, Holswilre, Kippenheim, Tundelingen, Friesinhein, Othinhein, Scouphein, Swecusin, Rinouwe, Gravinhusin findet sich auch Ringishein und hier also zum ersten Male.

Der Anlaß gibt Gelegenheit zu Gedanken über eine solche Ortsindividualität, über die Züge in diesem Anlitz, die es unverwechselbar machen, über eine tausendjährige Vergangenheit und die Zukunft. Ringsheim ist stolz darauf, selbständige Gemeinde geblieben zu sein. Aber was wird werden, wird es sich als das, was es ist, halten können am Rand der Ebene, bei den großen Verkehrsadern, im verwüstenden Bauen und Wirtschaften? Diese Lage an der Straße hat die Ringsheimer freilich jahrhundertelang geprägt, hat sie unruhig gemacht und aufgeschlossen fürs jeweils Moderne. Eine nicht ungefährliche Situation; für den Ausgleich sorgte jedoch immer die bäuerlich-konservative Grundhaltung, die innehat und festhält.


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Ringsheim Adelsgut


Zunächst hatte ich bei meiner Recherche zu Ringsheim nicht sonderlich viel zur Hand. Adelsgut Ringsheim - Dicke Quader, große Räume, ein herrschaftliches Wappen - schon von weitem fallt dieses Haus in der Ringsheimer Hauptstraße auf. Viel Sehenswertes war nicht zu finden. Bis ich den weiter unter präsentierten Artikel über das Adelsgut in Ringsheim fand.

Interessant - ein durchaus stattlicher Bau, zweigeschossig, steiles Walmdach, drei auf fünf Achsen, sandsteinerne Gesimse - ein Bauer hatte dieses weitläufige Haus im Renaissancestil nicht gebaut.

Nächster Schritt - 'mal schauen was die Bildersuche bei google zu Ringsheim anzeigt? Genau ein Haus mit steilem Walmdach und drei mal fünf Achsen bunt bemalten Gesimsen und einem fleckigen Sockel. Dazu jede Menge "Dranbauten". Groß war meine Enttäuschung.   

Kurz darauf war ich auf "Fototour" unterwegs um den Doppeladler am Gasthaus Adler "unter die Lupe zu nehmen". Und da war es - das besagte Haus. Nicht verbaut und nicht zugeschmiert sondern in wunderbar renoviertem Zustand in einem gepflegten - beinahe Park zunennenden - Garten mit kleinen Ergänzungsbauwerken Remise, Laube, vielleicht ehedem Stallung etc. Alles passte wunderbar zusammen.

Meine erste "Sehenswürdigkeit" in Ringsheim war lokalisiert und das "zugeschmierte Haus" geriet in Vergessenheit.

Über das Adelgut wissen Liesel Mutz und Hubert Kewitz viel besser Bescheid. Lassen wir hier Liesel Mutz zu Wort kommen:

Mutz, Liesel: Das Ringsheimer "Adelsgut" läßt Raum für Spekulationen (Der Altvater, 12.9.1992)

Dicke Quader, große Räume, ein herrschaftliches Wappen - schon von weitem fallt dieses Haus in der Ringsheimer Hauptstraße auf. In der Tat birgt es einige Überraschungen. Unsere Mitarbeiterin Liesel Mutz geht der Geschichte dieses außergewöhnliches Gebäudes auf den Grund.

Wer in Ringsheim von der Bundesstraße 3 in die Hauptstraße abbiegt, dem fallt ein Haus auf der linken Straßenseite auf, vor allem durch dessen Bauweise und das steile Walmdach. Die zwei Stockwerke heben sich durch ihre Höhe von den übrigen älteren Häusern des Dorfes augenfällig ab. Ein ausgedehnter Hof setzt den Besucher in Erstaunen, herrschte früher in den bäuerlichen Betrieben doch meist eine bedrückende Enge, während hier von Raumnot nichts zu spüren ist. Gegenüber dem Hauseingang ist der hofeigene Tiefbrunnen noch im ursprünglichen Zustand erhalten, Zwei dicke Sandsteinplatten bilden die Abdeckung. Nach Osten und Westen ist das ehemalige Adelsgut mit festem Bruchsteinmauerwerk abgegrenzt. Dieses Privileg der festen Eingrenzung stand nur steuerfreien Gütern zu.

Auch beim Betreten des Hauses verstärkt sich die Verwunderung ob der geräumigen Diele und der breiten Treppe in das obere Stockwerk. Der Keller überrascht durch seine Höhe. Außerdem hat er eine Besonderheit aufzuweisen: In einer Ecke ist nochmals ein Raum, der früher keinen seitlichen Zugang hatte. In diesen Kellerraum konnte man nur von der "Kammer", dem Schlafzimmer also, gelangen. Es darf angenommen werden, daß hier die besonderen Werte und auch die Eßvorräte gelagert wurden, und nur die Herrschaft selbst Zutritt hatte. Ohne Zweifel war das ein sicherer Ort, besonders in Kriegszeiten, wenn die Bevölkerung ausgeplündert und beraubt wurde.

Das stattliche Haus war lange Zeit neben der Kirche und dem Pfarrhaus der einzige Steinbau im Dorf, das sonst ausschließlich aus Fachwerkhäusern bestand. Dies weist auf seine ursprüngliche Bedeutung als Sitz adliger Familien hin. Es war das zum sogenannten Ringsheimer "Adelsgut" gehörende Wohnhaus im Ort. Obwohl mehrfach umgebaut, könnte der Kernbau mit dem hohen Dach bis in die spätgotische Zeit, also ins 16. Jahrhundert, zurückreichen.

adelsgut mutz 01Das Haus, neben dem "Adler" gelegen, ist eines der historisch interessantesten des Ortes. Es ist bis heute ein Schmuckstück der ältesten Ringsheimer Straße, der Hauptstraße. An dieser Stelle lag vielleicht schon der Wohnsitz der Herren von Ringsheim, einer Familie des niederen Adels, die vom 13. bis in ausgehende 15. Jahrhundert Teile des Dorfes vom Bistum Straßburg zu Lehen hatte. Nach ihrem Aussterben folgten ihr andere Adlige im Besitz von Lehen und Haus. Seit 1725 gehörte es der Familie des Ettenheimer Amtsschreibers Chomas, die in ständigem Streit mit der Gemeinde Ringsheim lebte. Dann ging es in den Besitz Ringsheimer Bürger über (Familien Negele, Mutz, Person). Es wurde einige Male renoviert und umgebaut, was die erhaltenen Jahreszahlen (1742 Stützpfeiler im Keller, 1743 am Hoftor, 1841 über dem Eingang) bestätigen. Um 1660 besaß ein Herr von Lützelburg das adlige Gut in Ringsheim. Er beschäftigte Eigenleute auf seinem Hof neben dem "Adler". Während der Generalerneuerung von 1670 sind Haus und Grundstück im Besitz von Veit Goldschmidt, der es vom Herrn von Lützelburg gekauft hat. Goldschmidt hat, ebenfalls von den Lützelburgern, den Rötelberg gekauft. Dieses "freiadlige Gut" ist neun Jeuch (über drei Hektar) groß und an drei Seiten mit Mauern umgeben. So erklärt sich wohl die Ringsheimer sagenhafte Überlieferung, daß dieses Haus und der Rötelberg mit einem unterirdischen Gang verbunden seien. In der Erneuerung im Jahr 1726 gehört das Anwesen dem alten Schultheiß und "Adler"-Wirt Hans Michael Negele, der im folgenden Jahr starb. Die Initialen "IHN" am Hoftor dürften ebenfalls einen Negele bezeichnen, der im beigefügten Jahr 1743 einen Umbau vorgenommen hat.

Im Jahr 1725 kaufte der Ettenheimer Amtsschreiber Chomas von Freiherr Hannibal von Berenbold das sogenannte "Adelsgut" in Ringsheim. Es bestand aus einem Komplex von 60 Jeuch (20 Hektar) Acker, 15 Jeuch (fünf Hektar) Matten und 16 Jeuch Wald, die am Hausener Pfad und in den Stockackern gelegen , waren und früher dem Kloster Tennenbach gehört hatten. Um den dazugehörigen "Chomaswald" entstand bald erbitterter Streit zwischen den Ringsheimern und Chomas. Chomas erhöhte den Ringsheimer Pächtern die Lehenszinsen, und die Ringsheimer schlugen unberechtigt Holz im Chomaswald.

adelsgut mutz 02Chomas gedachte, in Ringsheim seinen Ruhestand zu verbringen. Unterstützung fand er in seinem Schwager Martin Erni, dem er 1728 zum Amt des Ringsheimer Schultheißen verhalf. Jetzt jagten Chomas, sein Sohn und sein Schwager nach Belieben im Ringsheimer Wald, und die Gemeinde mußte ihm noch die Treiber stellen. Chomas und Erni legten nach Belieben Streifen und Steuern auf. Im Dorf herrschte große Verbitterung. 1734 zog Chomas nach Ringsheim, zuerst wohl noch nicht in das Haus an der Hauptstraße. Die Streitigkeiten und Prozesse hielten an, erst 1756 zog er wieder von Ringsheim fort.
1763 wurde der jüngere Chomas in Ettenheim seines Dienstes als Stadtschreiber enthoben und zog nach Ringshein [sic!] auf das Adelsgut und in unser Haus. Er lehnte alle Abgaben an die Gemeinde ab. Neue Prozesse folgten, die 1767 zuungunsten von Chomas ausgingen, der Gemeinde Ringsheim aber über 30 000 Gulden Kosten verursachten. Auch mit den Chomas-Erben kam es wegen des Holzens im Chomaswald zu langen Prozessen, die erst 1807 mit einem Vergleich endeten. Nach 1796 hatten die Ringsheimer den Chomaswald widerrechtlich abgeholzt, um mit dem Erlös ihre Kriegskosten zu bezahlen.

Vor 1773 hat dann der aus Herbolzheim stammende Ringsheimer Schultheiß Martin Mutz, der Stammvater der Ringsheimer Mutz-Sippen und Nachfolger Ernis, das Haus und das dazugehörige Lehensgut von Chomas gekauft. Er hätte gern die damit verbundenen Freiheiten übernommen, die vor allem in einer Abgabenfreiheit gegenüber der Gemeinde bestanden. Das Ettenheimer Amt entschied aber jetzt, daß der Schultheiß als Bürgerlicher in Zukunft Steuern zu bezahlen hätte.

Auch sein ältester Sohn und Hoferbe Cyprian (1786 bis 1860) war ein äußerst tüchtiger Mann. Mehrere noch im Familienbesitz befindliche Kaufverträge mit seiner Unterschrift zeugen von seiner Strebsamkeit. Obwohl 'er schon 1860 das Zeitliche segnete, blieb sein Name bis heute mit dem Haus, das im Volksmund immer noch "s'Cyprians" genannt wird, verbunden.

1919 wechselte das Anwesen durch Einheirat in den Besitz der Familie Franz Person, in dessen Geschlecht es heute noch ist. Die Besitzer des Hauses waren stets bemüht, etwas von der Tradition des Adelsgutes zu wahren. Dafür spricht neben der historischen Erhaltung des Gebäudes die Verwahrung des Modells eines schönen barocken Allianzwappens von einem früheren adligen Besitzer des Herrenhofes. Vermutlich ist es von den Herren von Lützelburg, die bis 1670 im Besitz des Hauses waren. Auf dem Wappen ist das Visier des Adelsstandes mit darunterhängendem Amulett. Interessant ist vor allem das auffallend große Wappen für Mann und Frau. Deutlich ausgeprägt sind die Verzierungen in Rollwerktechnik nach Akanthusblättern. So ist das Haus Person eines der wenigen Zeugen der älteren Ringsheimer Geschichte. Positiv ist vor allem, daß es durch behutsame Sanierung und Renovierung bis zum heutigen Tag erhalten geblieben ist und dem Dorfbild ein positive historische Aufwertung gibt.


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Rathaus Ringsheim

Rathaus Ringsheim - Das durchaus mächtig zu nennende Rathaus Ringsheims auf der einen Seite und auf der andern Seite die St. Johann Baptist - dazwischen Wasserspiele
Eigentlich fehlen nur die Tauben um "Piazza-Feeling" aufkommen zu lassen, denn an Weitläufigkeit und imposantem Bauwerk fehlt es dem Rathausplatz in Ringsheim wirklich nicht.

Das durchaus mächtig zu nennende Rathaus Ringsheims auf der einen Seite und auf der andern Seite die St. Johann Baptist - dazwischen Wasserspiele. Da können Besucher'innen ihren Gedanken "freien Lauf" lassen und genüßlich verweilen. Wer sich vor eine Kirchhof nicht scheut kann sich neben der Kirche auf einem der vielen angebotenen "Bänkle" niederlassen und das Rathaus von Ringsheim in aller Ruhe betrachten.

Das Rathaus - 1846 zunächst als  Schulhaus erbaut - ist ein hoher zweigeschossiger Bau mit Mansardwalmdach, massiven Ecklisenen und Dachreiter mit einem Glockenstuhl. Es hat vier auf sieben Achsen (Langseite Süd) und auf der Mittelachse der Südfassade ist ein Portal mit sandsteinerner Rundbogenfassung über einem siebenstufigen, ebenfalls sandsteingearbeiteten Aufgang.

Im Erdgeschosse liegen über einem hohen Sockel die rundbogengefassten Fenster. Die Fenster im Obergeschoss haben alle den gleichen massiven Sandsteinsturz und mächtige Ecklisenen gliedern den Bau in einer strengen Ordnung, womit das Rathaus von Ringsheim ein strenges Erscheinungsbild erhält. Aufgelockert wird die Strenge durch den hellen Putz im Farbspiel mit den Fensterläden im hellen, blauen Pastellton.

Nähere Auskunft über das Ringsheimer Bildungswesen und zur Historie des ehem. Schul- und heutigen Rathauses erteilt uns  Adelbert Mutz.

Ringsheim - Lange hat sich die Gemeinde gesträubt - Adelbert Mutz, 06.07.2017 - Lahrer Zeitung

Start in Ringsheim: Die erste Nachricht von einem Schulmeister in Ringsheim stammt aus dem Jahr 1625, aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. Man nimmt an, dass in der Folgezeit der Unterricht regelmäßig stattfand. Noch waren die Schulmeister (es gab den Begriff des Lehrers noch nicht) keine für diesen Beruf vorgebildeten Leute. Es waren vielmehr Dorfbewohner, wie der Schulmeister Hans Jerg Person, der sich vieles aus eigenem Antrieb beibrachte. Auch Schulgebäude gab es noch nicht, oft waren es die privaten Räumlichkeiten, in denen der Unterricht stattfand. So auch im heutigen Gemeindehaus, dem ehemaligen "Ochsen".

Ansage aus Ettenheim: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, nach der Einverleibung in den badischen Staat im Jahr 1803, verlangte das Ettenheimer Amt von der Gemeinde Ringsheim den Bau eines der Größe der Gemeinde entsprechenden Schulhauses. Die Gemeindeväter von Ringsheim sträubten sich, denn sie seien nicht in der Lage dieses Geld aufzubringen, so die Argumentation. Auch deshalb nicht, weil man vorgab, aus vergangener Kriegszeit noch Schulden zu haben. Acht Jahre später unternahmen das Oberamt und der damalige Dekan Pfarrer Burger aus Kappel einen neuen Vorstoß. Es wurde berichtet, dass in dem einzigen Saal des alten Schulhauses höchstens 65 Kinder Platz finden würden, während sich die Schülerzahl auf 185 belaufe.

Finanzprobleme: Der Schulhausneubau erfolgte wiederum nicht, wohl wenn auch nicht aus finanziellen Gründen: Der damalige Lehrer war Anton Greber, ein Verwandter des Schultheißen Franz Joseph Greber. Es bestand die Gefahr, dass sich Anton Greber nicht mehr halten konnte, wenn ein zweiter Lehrer neben ihm in der Schule tätig wäre. Auch ein weiterer Befehl des Innenministeriums am 9. Juli 1813 führte nicht zum Schulhausneubau. Der Ausweg der Gemeinde: Man kaufte ein altes Wohnhaus und richtete zwei Räume als Schulzimmer ein. So konnte noch mehr als 30 Jahre der Bau eines neuen Schulhauses hinausgeschoben werden.
Neubau: Ein weiterer, aber dieses Mal energischer Versuch des Oberamts zum Bau des Schulhauses im Jahr 1844 führte letztlich zum Erfolg. Bei 1346 Einwohnern und 242 Schulkindern wurde der Zustand der Unterrichtserteilung als unhaltbar angesehen. Auf weitere Einwendungen der Gemeinde, man habe Schulden in Höhe von 13500 Gulden, kam aus Ettenheim das Gegenargument Ringsheim besitze einen der ergiebigsten und schönsten Wälder, sodass der Bau eines neuen Schulhauses zu verantworten wäre.

Karl-Person-Schule: So kam es denn auch im Jahr 1846 zum Bau des neuen Schulhauses, in dem bis 1967 die Kinder von Ringsheim unterrichtet wurden. In jenem Jahr wurde die neue Schule im Unterfeld gebaut und in der alten Schule das Rathaus eingerichtet. Um die Jahrtausendwende wurde die Schule aufwendig saniert.


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Adler Ringsheim

Adler Ringsheim - Wohl ist die eine Hälfte des Adlers vergoldet, aber das mag wohl nur einer Idee des Malers (H. Saumer) entsprungen sein, um so die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden verstärkt auf diese kunstvolle Schmiedearbeit zu lenken
Um das heutige Gasthaus soll es hier wirklich nicht gehen. Eines der ältesten Ringsheimer Häuser - wahrscheinlich im Fachwerk erbaut - mit Giebelseite des Haupthauses zur Durchgangsstraße (alte Postroute) und niedererem Nebengebäude traufseitig zur alten Poststraße im schnöden grauen Vollputz ist nicht gerade "Augenweide" zu nennen.
 
Wie gesagt, um das Gebäude wollen wir nicht viel Aufhebens machen - um den Doppeladler allerdings desto mehr.

Der Doppeladler - zeitweilig auch Reichsadler genannt - ist uns heute eigentlich eher aus unserem Nachbarstaat in den Alpen ostwärts und seinen ehemaligen Regenten, den Habsburgern, vertraut.

Ob diese Habsburger Regenten etwas mit dem Ausleger am Adler in Ringsheim zu tun hat - dieser Frage nachzugehn ist sicher interessanter, wie eine architektonische Analyse des heutigen "Grau in Graus".

Das geschmiedete "Schild" - als gelernter Schmied darf ich mir diese Urteil erlauben - ist von guter handwerklicher Ausführung und solch ein Schild durfte in früheren Zeiten kein Wirt nach Belieben an seiner Wirtschaft aushängen. Dazu musste er zunächst die "Schildgerechtigkeit" seitens seiner Herrschaft (Vogt, Rat, Amtmann o.ä.) erlangen.
 
Schildgerechtigkeit ist ein juristischer Begriff, der zu Beginn der Neuzeit das von der Verwaltung vergebene Recht bezeichnete, eine Gastwirtschaft vermittels Anbringung eines Schilds als solche kenntlich zu machen und als öffentliches Gewerbe in Ortschaften und an Hauptstraßen zu betreiben. (wikipedia)

Ganz offensichtlich hatte ein früherer Wirt diese "Schildgerechtigkeit" erlangt und im Falle des Ringsheimer Adlers hatte dies etwas mit der habsburgischen Herrschaft zu tun, wie uns Liesel und Viktor Mutz nachfolgend erklären.

Mutz, Viktor und Liesel: Das Rätsel des Doppeladlers - Warum das Wappentier der Habsburger an einem Ringsheimer Gasthaus hängt (Der Altvater, 25.4.1992)

Daß Wirtshausschilder mehr sind, als platte Erkennungssymbole örtlicher Gastronomie, ist zumindest in der Geschichtswissenschaft und deren Umfeld keine neue Erkenntnis. Vielmehr sind solche Gestelle aus Metall oder Holz Geschichtsquellen aus erster Hand - aussagekräftig und symbolträchtig. Zum Beispiel der "Adler" in Ringsheim: Wohl die wenigstens Autofahrer, die heute auf der B 3 an diesem Wirtshaus vorbeifahren, fragen sich, wieso auf dem Schild der österreichische Doppeladler zu sehen ist, wo Ringsheim doch zu keiner Zeit zu Österreich gehört hat. Die Lösung dieses interessanten Rätsels führt uns tief in die Geschichte der regionalen Verkehrs- und Wirtschaftsgeschichte. Schlußendlich taucht sogar der illustre Namen derer von Thurn und Taxis auf. Warum, erklären Viktor und Liesel Mutz.

Wer auf der Bundesstraße 3 durch Ringsheim kommt, wird vielleicht auf ein schönes Wirtshausschild westlich der Straße aufmerksam. Es ist wohl eines der Ältesten in unserer Region und weist auf das "Gasthaus Adler" hin. Der Doppeladler bringt den Betrachter zum Überlegen. Wieso ein österreichischer Doppeladler hier, da Ringsheim doch zu keiner Zeit zu Österreich gehörte? Wohl ist die eine Hälfte des Adlers vergoldet, aber das mag wohl nur einer Idee des Malers (H. Saumer) entsprungen sein, um so die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden verstärkt auf diese kunstvolle Schmiedearbeit zu lenken.

AdlerAltDenn schon 1726 wird von einer Gastherberge namens "Zuem schwärtzen Adtler" gesprochen. Somit darf angenommen werden, daß der Doppeladler einst völlig schwärz in seinem Aussehen war. Das Gebäude selbst ist wesentlich älter. Es wird angenommen, daß es schon vor dem Ausbruch des 30jährigen Krieges (1618 bis 1648) erbaut wurde. Denn bei Kriegsende ist der berüchtigte Diebolt Faber Dorfschultheiß in Ringsheim bis 1654. Er hatte sich während des Krieges unter dem Schutz des schwedischen Amtmannes in Ettenheim das Anwesen angeeignet. Dieser hatte ihn 1637 als Schultheiß eingesetzt.

Da die Gemeindestube "Linde" im Krieg völlig abgebrannt war, diente der "Adler" als Gemeindestube. Erst 50 Jahre nach dem Krieg, 1698, war die "Stub" (Linde) wieder aufgebaut, und übernahm die alte Funktion als Gemeindestube. Nach der Absetzung von Diebolt Faber als Schultheiß im Frühjahr 1654, wird Hans Hassur, vom Schwedenkrieg her unter dem Beinamen "Der Corporal" bekannt, Adlerwirt und Schultheiß. Wahrscheinlich hatte das Gebäude auch unter den Kriegswirren gelitten.

Nach der Erneuerung des Ringsheimer Banns von 1670 hat Hans Hassur das "Würtshauß Zum Adler" erbaut, die Hofstatt aber von Hans Theiß erkauft. Das Geschlecht Hassur existiert heute noch in Ringsheim. Das Grundstück ist etwa ein halbes Jeuch (17 Ar) groß und umfaßt auch das Areal des späteren "Hirschen". Dieser ist um 1760 entstanden, auf der anderen Straßenseite, ("und gehet die Landstraß zwüschendurch"), so die Nachforschungen von Hubert Kewitz. Nach Gemeinderechnungen wird zwischen 1701 und 1717, Hans Himmelsbach als Adlerwirt bezeugt.

In der Erneuerung von 1726/27 wird schon von einer Gastherberge gesprochen. Wirt ist Johannes Nägelie, Schultheiß und Vater des späteren Reichsrats Nägele  von Blumenfeld, der Stifter des wertvollen Theresienbildes über dem Eingang zur Sakristei in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist. 1758 erscheint in den Standesbüchern mehrmals die Berufsbezeichnung "Caupo" für einen Mack. Der jeweilige Adlerwirt wird mit dem Ausdruck "hospes" bezeichnet, wohl weil er wirklich Gastwirt war. "Caupo" heißt eigentlich Krämer und Schankwirt, der ein gemischtes Gewerbe betrieb, nämlich einen Kramladen samt Ausschank von Wein und Schnaps. Jedenfalls müssen die Anstrengungen des damaligen Adlerwirtes auf dem Sektor Gästebetreuung recht intensiv gewesen sein, worauf folgende Notiz schließen !äßt: 1779 wurde in Herbolzheim ein Anton Gulloth, Wirt zum "Rebstock", Schultheiß. Als Schultheiß sollte er die Wirtschaft aufgeben, weil sich das Amt des Schultheiß nicht mit dem Wirtsgewerbe vereinbaren ließe. Da wurde eingewandt, es müsse ihm zugestanden werden, daß er Fremde beherbergen dürfe, denn Fremde beherbergen ist wichtig, weil sonst, beim Abgang guter Wirtschaften in Herbolzheim, die Güterfuhren und Passagiere in Ringsheim bleiben (Dr. Person). Danach müssen damals in Ringsheim Übernachtungsgelegenheiten vorhanden gewesen sein, wenn die Herbolzheimer fürchteten, Ringsheim könnte ihnen diese Einnahmequelle abschnüren. In diesen Jahren war ein Thomas Winkler Wirt im "Adler". Außerdem führte der "Adler" die Poststelle vom Postunternehmen Thurn und Taxis, das im Dienst des Kaisers die Post- und Personenbeförderung durchführte. Deshalb auch der Doppeladler des Habsburgischen Kaisers am Gasthaus als öffentlichen Hinweis. Schnelle Wechsel der Wirte vollzogen sich zu Anfang des 19. Jahrhunderts. So wird um 1801 ein Fidel Kupferer genannt. Von 1804 bis 1811 ist Anton Winkler Wirt im "Adler". Ihm folgte Franz Joseph Hoog, der aber schon 1814 verstarb.

Hilarus Scharbach, Küfer aus Bleichheim, war von 1814 bis zu seinem Tode 1839 Wirt der Gastherberge. Seine Tochter Karolina heiratet 1863 den einheimischen Bürger Matthias Weber, der somit neuer Wirt zum "Adler" wurde. Das Geschlecht Weber ist seitdem Besitzer dieser historischen Gaststätte.


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Ringsheim - Kirche Johann Baptist


Johann Baptist Ringsheim - Die heutige Pfarrkirche St. Johann Baptist und St. Sebastian entstand nach zähen Verhandlungen um die Beteiligung an den Baukosten auf den damaligen Klosteräckern bei der ZehntscheuerKönnen die Nachbarkirchen von Ettenheim und Altdorf von ihrer Positionierung auf den Kirchbergen profitieren, wodurch deren Dominanz unterstützt wird, so kommt St. Johann Baptist ganz ohne diesen "geograpischen Vorteil" aus.

In der Region um Ringsheim und Ringsheim  selbst gibt es keine Bauwerke, die St. Johann Baptist überragen können und so beherrscht auch hier der Kirchbau das Gesamtbild.

Die heutige Pfarrkirche St. Johann Baptist und St. Sebastian entstand nach zähen Verhandlungen um die Beteiligung an den Baukosten auf den damaligen Klosteräckern bei der Zehntscheuer. Die Gemeinde baute das Langhaus, das Kloster Ettenheimmünster Chor, Turm und Sakristei, wobei die Gemeinde Frondienste zu leisten hatte. Als Architekt, Baumeister und Bauunternehmer wird ein Joseph Hirschbühl, der einer Vorarlberger Baumeistersippe entstammte, als Hauptverantwortlicher für den gesamten Bau verpflichtet.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 7. Juni 1784 unter dem Abt Landelin Flum (1774 - 1794) des Klosters Ettenheimmünster, der auch am 20. November 1785 den Neubau konsekrierte.

Als Chor und Langhaus dieser neuen Kirche nun errichtet waren, begann man mit dem gesamten Abbruch der alten Kirche, um mit dem Sandsteinmaterial den Turm hoch zu ziehen. Die alte Chorturmkirche für 597 Gläubige, die zur Kommunion zugelassen waren, hatte ausgedient, die neue Kirche war mit 700 Sitzplätzen den Zeitwünschen entsprechend neu ausgestattet.

Der Baukörper der Kirche überragt mit Schiff und Turm auch heute noch alle Gebäude der Gemeinde. Langhaus und Chor sind nach Süden ausgerichtet. Die zum Dorf hin gewandte dreigeteilte Eingangsfassade mit den Figuren St. Petrus und St. Paulus deutet auf die Dreifaltigkeit Gottes hin. Die Steinfiguren wurden von dem Endinger Bildhauer Joseph Amann im „wenzingerischen Stil" geschaffen. Das Langhaus mit seinen fünf Fenstern auf jeder Seite und der dreigeschossige im Glockengeschoss oktogonal gebaute Turm lassen schon etwas Nachbarockes spüren. In der Giebelfassade treten kleine Spitzsäulen auf, und auch die heute in Kupferblech gedeckte Turmhaube endet spitz. Langschiff und Chor sind mit Lisenen gegliedert. Der Baumeister hatte eine gute Hand. Die äußeren Linien und der Innenraum wirken ruhig, einfach und ausgewogen.

Der Zugang zur Kirche führt vom Dorf her über den die Kirche umgebenden Friedhof. Wir stehen vor dem klassizistisch geprägten Hauptportal, welches im dreieckigen Giebelfeld ein Chronogramm trägt: "Deo/VnI trInoqVe/VIrtVs LaVs gLorIa/ Maneat In saeCVLa" (Dem einen und dreifaltigen Gott verbleibe Kraft, Lob und Ruhm in Ewigkeit). Die hervorgehobenen Buchstaben ergeben in ihrem Zahlenwert zusammengezählt das Jahr der Fertigstellung 1785.(Webseite Ringsheim)

Kewitz, Hubert: Arbeiten begannen vor 200 Jahren - Gotteshaus bestimmt noch heute Erscheinungsbild des Ortes (Lahrer Zeitung, 26. August 1983)

Ringsheim (hk). "In der bartholome Wochen", schrieb vor 200 Jahren der Ettenheimer Chirurgus Joann Conrad Machleid in seine Chronik, "hat die gemeind Rinzheim an ihren neuwen kirch anfangen zue bauen und daß fundament gegraben". Die Bartholomäus-Woche fiel 1783 auf die Tage vom 24. bis 30. August. Es sind also genau 200 Jahre vergangen, seit die Ringsheimer nach langem Zögern und der Überwindung mancher Schwierigkeiten mit dem Bau eines neuen, großen barocken Gotteshauses begonnen haben. In der Substanz nahezu unverändert, bestimmt es bis heute das Erscheinungsbild des Ortes.

Der Bauplatz, schreibt Machleid, lag "negst bey der zehnenscheuren" und habe dem Kloster Ettenheimmünster gehört. (Die Zehntscheuer stand im Bereich des heutigen Rathauses und wurde 1844/45 abgerissen) - Ringsheim habe den Platz ([sic!]abgetauscht und dem Herrn prelaten auff der allmendt einen anderen boden geben". Bei einem Neubau auf dem Gelände der alten Kirche hätte die Gemeinde zwei bis drei Häuser" aufkaufen, abbrechen und anderswohin setzen lassen müssen, darunter das "neue Schulhaus". - Der Akkord mit dem Baumeister Hirschbihl belief sich nach Machleid auf 8125 Gulden in "barem Geld". Mit Ausnahme der Altäre, der Orgel, der Malerei und der Kanzel versprach Hirschbihl dafür einen schlüsselfertigen Bau zu erstellen: "Band, kalch, haustein, dielen, lathen, negel, schloßer, die beicht und andere stuhl, der glaßer und Eißen, daß laßt er in ßeinen kosten machen, und gibt der gemeind den schlißel in die hand."

Die Gemeinde lieferte allerdings fronsweise mit ihren Fuhrwerken alles Material auf den Platz. Aller Sand wurde in Ettenheim geholt, die Mauersteine wurden "negst Rinzen in der kalch grueben" gebrochen. Die Hausteine für Tür- und Fenstergewände wurden dagegen in den Sandsteingruben von Wallburg und Schmieheim gebrochen und dort auch schon zugehauen.

Die alte, schon lange zu kleine Kirche beim Feuerwehrhaus stand 1783 noch. Erst im nächsten Jahr brach man den alten Glockenturm und die alte Sakristei ab. Das alte Kirchenschiff benutzte man noch für den Gottesdienst, bis dann im Herbst 1784 der Dachstuhl über Chor und Langhaus der neuen Kirche aufgeschlagen werden konnte.

Im Sommer 1785 baute das Kloster als Patronatsherr des Dorfes auf seine Rechnung den neuen Turm, und gegen Ende des Jahres, am 20. November 1785, wurde die Kirche von Abt Landelin Fluem eingeweiht. Es war das eine große Feierlichkeit "mit schizen, trommen und pfeiffen", wie wieder Machleid zu berichten weiß. "Daß gastmal ware in dem pfarhoff, alwo alle benachbarte pfarherren beywohnten und darbey auffwarteten, mit großer Mußig".


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