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Sehenswertes in Kappel-Grafenhausen


Kappel-Grafenhausen liegt in der Oberrheinischen Tiefebene und ist in zwei benachbarte Ortsteile gegliedert.

Das östliche gelegene Grafenhausen ist ein Straßendorf, welches entlang der alten Rheinstraße zwischen Kappel und Ettenheim, die beide deutlich älter sind, errichtet wurde. Das Dorf liegt in dem ehemals sumpfigen Bruchgebiet zwischen dem Hochufer des Rheins und der Vorbergzone, dem Beginn der sog. Kinzig-Murg-Rinne, welches durch Westumleitung der von Ettenheim herkommenden und einst nach Norden fließenden Unditz heute Ettenbach und durch aufwändige Melioration trockengelegt wurde.

Das westlich gelegene Kappel ist ein Haufendorf, welches sein historisches Zentrum am Rande der Rheinauen auf dem Hochufer des Rheines hat. Das Dorf wird von der Elz durchflossen. Die Gemarkung des Ortsteils selbst stößt zwar durchaus auch an den Rhein, ein großer Teil der von Kappel aus zugänglichen Rheinauen ist aber Eigentum der linksrheinischen und damit französischen Stadt Rhinau und bildet das gemeindefreie Gebiet Rheinau.

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Rathaus Grafenhausen

Am 22. Februar 1845 wurde die Bürgerschaft von Grafenhausen zusammengerufen, um über den Bau eines Gemeindehauses zu beraten

Läuft man die Gasse zwischen dem Fachwerkprunkstück Ochsen und ehemalige Ochsenmetzgerei nach Norden, kann man den allesüberragenden Glockenturm der Jakobus Kirche nicht übersehen und ein anderes Objekt "springt sprüchwörtlich ins Auge". Das in sattem Rot erscheinende Rathaus von Grafenhausen. 

Der Bau ist architektonisch nicht einfach zu beschreiben - zunächst das Faktische: Für eine kleine Gemeinde - die heute eingemeindete Ortschaft Grafenhausen dürfte zur Bauzeit in der Mitte des 19ten Jahrhunderts keine 1500 "Seelen" gezählt haben - handelt es sich um einen stattlich großen, zweigeschossigen Winkelbau mit flachem Krüppelwalmdach traufseitig zur Straße.

Die Ostseite ist symmetrisch mit fünf Fensterachsen in deren Mittelachse das Ostportal im Rundbogen über eine sieben stufige Treppe erreicht wird. Beide Schenkel des Winkelbaus werden von einem Dachgesims in Sandsteinarbeiten gefasst. Der wesentlich längere Schenkel der Nordseite weist drei ebenerdige große Portale unter Rundbögen und ebenfalls ein Eingangsportal über einer Treppe (früher Zwillingsportal) auf. Durchgehend sind die Fenster des Erdgeschosses auf dem hohen Sandsteinsockel liegend in Rundbögen aus Sandstein gefasst.

Und nun die zeitlich architektonische Einordnung: in der Übergangsepoche Barock / Klassizismuss erbaut, handelt es sich weder um ein barockes noch um ein klassizistisches Bauwerk - vielmehr um eine Mischung beider Baustile. Typisch hochbarock die vielen sandsteingefassten Rundbögen und klassizistisch die Aufgeräumtheit und strenge Ordnung.

Zur bereits erwähnten Größe des Bauwerks gibt weiter unten Walter Batt vom Arbeitskreis Historie Kappel-Grafenhausen nähere Auskunft.

Sehenswert ist dieser Platz zwischen historischem Fachwerk und barockem Kirchbau allemal, da sich den "müden" Besucher*innen eine kurze Besinnungs- und Erholungspause beim diagonal gelegenen Kirchgarten (einer Station auf dem Jacobsweg) anbietet.
Da außerdem das Schulhaus zu klein und in schlechten Zustand war, wurde entschieden, in der Mitte des Ortes ein gemeinsames Gemeinde- und Schulhaus zu errichtenDas Rat- und Schulhaus Grafenhausen</>

Am 22. Februar 1845 wurde die Bürgerschaft von Grafenhausen zusammengerufen, um über den Bau eines Gemeindehauses zu beraten. Alle Amtsgeschäfte der Gemeinde waren bis dahin im "Stubenwirtshaus" (später Gasthaus zum Ochsen) getätigt worden. Da außerdem das Schulhaus zu klein und in schlechten Zustand war, wurde entschieden, in der Mitte des Ortes ein gemeinsames Gemeinde- und Schulhaus zu errichten. Es grenzte an den Pfarrgarten (hier wurde 1983 das Pfarrheim erbaut) und das Pfarrhaus. Gegenüber standen das alte Schulhaus als zukünftige Wohnung für die Lehrer und die Kirche. Das Haus sollte so gebaut werden, dass der Schulunterricht durch die Tätigkeiten im Gemeindehaus nicht gestört wird.

Im April 1846 war Baubeginn und schon im November 1846 zog die Gemeindeverwaltung ein. Der Schulunterricht konnte nun in vier neuen Klassenräumen abgehalten werden. Das Rat- und Schulhaus wurde mehrfach renoviert. Schon lange vor dem 2. Weltkrieg und bis 1994 beherbergte das Rathaus die sogenannte "Butteri", die Milchsammelstelle der einheimischen Landwirte. Im Januar 1964 bezog die Schule ein neues größeres Gebäude am damaligen Südrand der Gemeinde. Ihre bisherigen Räume werden seither von unterschiedlichen Gruppierungen und Vereinen genutzt. Das Rathaus beherbergt seit der Gemeindereform im Sommer 1974 eine Außenstelle der Gemeindeverwaltung von Kappel-Grafenhausen.
Beitrag von Walter Batt - Arbeitskreis Historie Kappe l- Grafenhausen


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Ochsen Grafenhausen

Das Gebäude auf dem Platz des heutigen Gasthaus zum Ochsen wurde im Jahre 1657 im Zusammenhang mit einem Hexenprozess als Gemeindestube erstmals erwähnt

Mitte des 20sten Jahrhunderts in der südlichen Ortenau geboren war es gewissermaßen "Routine", an Wochenende eine "Stippvisite" ins Elsaß zu machen. Die Gasthäuser boten Speisen und Getränke, die man in der Ortenau noch nicht oft antraf und dies zu Preisen, die genau so verlockend waren, wie die elsässer Gastronomie (heute hat sich das mit den Preisen erledigt und die Elsäßer besuchen - auch aus diesem Grund - gerne die Ortenau zu einem Gaststättenbesuch).

Um nun in das Elsaß zu fahren, wurde nicht selten durch das "Langdorf" - Grafenhausen ist eine Kommune, die sich tatsächlich sehr "in die Länge zieht" - gefahren. Dabei ließ man diese Gemeinde so zu sagen "links und rechts liegen".

Den ersten Anlass zu verweilen, bot sich für mich anlässlich des Besuchs des historischen Zuges zur 900 Jahr Feier 2011 in Grafenhausen. Ein Aufenthaltsort dieses Besuchs lag gegenüber dem "Fachwerkskomplex Ochsen" - Komplex daher, dass der Hof früher aus Gastbetrieb und Metzgerei in getrennten Gebäudeeinheiten bestand. Und dabei löste dieser Aufenthalt eine unglaubliches Staunen aus, wie man denn diese meisterliche Fachwerksarbeit bei der Durchfahrt in's Elsaß so lange übersehen hatte können.
Beitrag von Walter Batt - Arbeitskreis Historie Kappel - Grafenhausen

Das Gebäude auf dem Platz des heutigen Gasthaus zum Ochsen wurde im Jahre 1657 im Zusammenhang mit einem Hexenprozess als Gemeindestube erstmals erwähntDas Gebäude auf dem Platz des heutigen Gasthaus zum Ochsen wurde im Jahre 1657 im Zusammenhang mit einem Hexenprozess als Gemeindestube erstmals erwähnt. Es war wohl ein Gasthaus in dem die Amtsgeschäfte des Schultheißen und des Gemeinderats erledigt wurden und die Versammlungen der Dorfbewohner stattfanden. Dies war in den kleinen Gemeinden damals üblich. Im Jahre 1825 wurde "die Stube" in den Kirchenbüchern erstmals Gasthaus "zum Ochsen" genannt. Nach dem Bau des Rathauses im Jahre 1846 war das Gebäude nur noch Gasthaus. Die Besitzer wechselten in der Folgezeit häufig.

Seit dem Jahre 1989 waren mit dem Besitzerwechsel auch verschiedene Nutzungsänderungen erfolgt. Dabei wurde zeitweise auch der Hausname „zum Ochsen“ abgeändert, später aber wieder angenommen.

Über Hexenprozesse in Grafenhausen, die in der Amststube - eben dem Ochsen - stattfanden berichtet Dr. Klara Werber - Hexenprozeß in Grafenhausen (I) (Der Altvater, 19.12.1959)

Der Hexenwahn hatte im Mittelalter das ganze Volk erfaßt, hoch und nieder. Unter einer Hexe verstand man ein menschliches Wesen, das mit dem Teufel in Verbindung steht, dadurch Zauberkraft besitzt, die es in zerstörender Weise gegen seine Mitmenschen und deren Eigentum gebraucht. Die als Hexen Angeklagten mußten sich über ihr Tun und Treiben vor Gericht verantworten. Durch die Folter wurden Geständnisse erpreßt und Aussagen, auch über Mitschuldige, erzwungen, die oft phantastisch waren und sich nur aus der Angst vor weiteren Folterungen erklären lassen. Man kann heute nicht mehr verstehen, daß solche Dinge geglaubt wurden. Die Verurteilten erwartete der Feuertod.

Die meisten Hexenprozesse fanden im 16. und 17. Jahrhundert statt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg soll aber, nach Josef Rest in "Ettenheimer Hexenprozesse im 17. Jahrhundert", ein Abnehmen derselben eingetreten sein".

Diese hier beschriebenen drei Grafenhausener Hexenprozesse gegen Barbara Heimin, Jacob Bruggert und Maria, des Ulrich Hagen Frau, fanden im Jahre 1657 etwa zur selben Zeit statt, also neun Jahre nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges, der, wie in Ettenheim, auch in Grafenhausen große Verheerungen anrichtete. Noch 1690 zählte das Dorf nur etwa 200 Einwohner. Viele davon waren erst nach Beendigung des Krieges zugewandert.

Diese drei Prozesse hängen nicht miteinander zusammen, haben aber einander beeinflußt. Abgesehen davon, daß Jacob Bruggert die beiden Frauen öfters als Mittäterinnen bezichtigt hat und so zu deren Hauptanklagepunkten noch eine neue Belastung hinzukam, gab sicher die durch das erste Verfahren angefachte Hexenfurcht den Zündstoff für die anderen Prozesse.


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Ölmühle Kirner Grafenhausen


Ein Geruch von altem Holz und gestampftem Lehm füllt den Raum, dessen Dämmerlicht zunächst der Blick auf das einmalige Denkmal der Technik verwehrt Raub, Burkhard: Ölmühle Grafenhausen - Spielend drehen sich die Zahnräder (Lahrer Zeitung, 30.5.1998)

Grafenhausen. Ein Geruch von altem Holz und gestampftem Lehm füllt den Raum, dessen Dämmerlicht zunächst der Blick auf das einmalige Denkmal der Technik verwehrt. Erst wenn sich das Auge an die Dunkelheit gewöhnt hat, erkennt es mächtige Eichenbalken, hölzerne Zahnräder und zentnerschwere Mühlsteine. Mit leiser Stimme erklärt Reinhold Kirner, wie seine Vorfahren mit Hilfe dieses urtümlichen Werkes, das die Kraft eines Ochsen zum Antrieb benötigte Öl aus Lein, Raps oder Walnüssen gewonnen haben. Ab Pfingstmontag bittet er Gäste hinein in Grafenhausens Ölmühle, die er auf dem Anwesen Hauptstraße 88 in jahrelanger Arbeit renoviert hat.

Wenn Reinhold Kirner morgen einen Ochsen in den Göpel spannen würde, könnte das Zugtier die hölzerne Technik aus der Zeit um 1800 spielend in Bewegung setzen. Wie zu Zeiten seines Großvaters Josef würde sich der Königsstock knarrend um seine Achse drehen. Die Zähne des großen Rades würden in die Antriebsräder von Zahnwellen greifen und Rollenquetsche, Mühlstein und das Rührwerk des Wärmeofens treiben.

Kirners Kraft reicht aus, er demonstriert, wie leicht das Werk wieder dem Druck gehorcht. "Mehr als 100 Zähne habe ich nachgeschnitzt", sagt er. Nur den drei Tonnen schweren Preßbalken dreht er mit Hilfe der hölzernen Spindel lieber nach unten als nach oben.

Unter dem Balken ließ sich nicht nur Öl aus der Ölsaat-Maische pressen. Auch für Obst ist eine Preßwanne eingebaut.

"Es wurden in der Ölmühle hauptsächlich drei Fruchtarten, nämlich Leinsamen, Raps und Walnuß verarbeitet", heißt es in dem interessanten Führer der Kirner-Mühle. "Bei anderen heimischer Fruchtarten wie Mohn oder Weizen war die Ölausbeute mit den damaligen Mitteln zu gering."

 Unter dem Balken ließ sich nicht nur Öl aus der Ölsaat-Maische pressen. Auch für Obst ist eine Preßwanne eingebaut. Selbst das Pressen der drei ersten Sorten sei mühselig gewesen und habe nur einen geringen Ertrag gebracht. Die Öle seien damals wie heute zur Veredelung von Speisen oder als Heilmittel eingesetzt worden. Reinhold Kirner freut sich mit seiner Frau Anna auf den Besuch, der ab Pfingstmontag, dem Deutschen Mühlentag, das technische Denkmal bewundern wird. Gruppen melden sich am besten an unter [Tel.] 07822/6336.

Der mächtige Königsstock der Grafenhausener Ölmühle mit dem große Zahnrad, das über hölzerne Kupplungen Rollenquetsche, Mühlstein im Kollergang und Rührwerk im Wärmeofen antrieb - in Gang gehalten von einem Zugochsen.
Von Generation zu Generation gereicht

"Ich habe die Mühle geerbt von den Eltern", erzählt Reinhold Kirner. "Sie war immer der Stolz der Vorfahren, keiner durfte etwas nehmen. Drum steht sie noch so, wie damals."

Die Jahreszahl 1627 hat ein Zimmermann in einen Fachwerk-Ständer geschnitzt aber die dazugehörigen Initialen konnten noch nicht alle bestimmten Personen zugewiesen werden. Lediglich die Buchstaben bei der Jahreszahl 1791 lassen sich mit ".M. V. B." Maria Ursula Brosmer zuordnen, der Ehefrau von Felix Saal.

Felix Saal wiederum ist ein Enkel Johannes Saals, Gastwirt in Grafenhausen, der als erster Eigentümer der Ölmühle und des großen Bauernhofes an der Hauptstraße bekannt ist und 1723 starb.

Neben Balkeninschriften geben vor allem auch Testamente Auskunft über die Reihe der Grafenhausener Ölmüller, die seit der Hochzeit Joseph Kirners mit der Müllertochter Theresia Saal zu Anfang des 19. Jahrhunderts eben Kirner heißen.

"Der letzte Ölmüller war mein Großvater", sagt Reinhold Kirner. Um 1890 gab er den Betrieb der Ölmühle auf. 150 000 Mark hat Reinhold Kirner in die Renovierung gesteckt, davon knapp 50 000 vom Landesdenkmalamt, Tausende von Arbeitsstunden haben er, seine Familie und seine Helfer geleistet, um die Mühle als Schmuckstück Grafenhausens zu erhalten.

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Linde Kappel

Linde Kappel - Eines der ältesten Häuser Kappels - sehenswert? - im heutigen Zustand eher nicht - schade

Eines der ältesten Häuser Kappels - sehenswert? - im heutigen Zustand eher nicht - schade. Oft kommt es nicht vor, dass auf dieser Webseite ein Bauwerk vorgestellt wird - ausführlich sogar, wie gezeigt werden wird - und dennoch das Prädikat "sehenswert" zumindest kritisch hinterfragt und nicht direkt zugeschrieben wird. Somit soll dies eher als Apell - insbesondere an den Kappeler Bürgermeister Markus Vollmer und Rat - verstanden werden. Zumindest wäre der Zustand der Linde überdenkenswert.

Wer den Ballermann ab und an besucht ist ja an penetrante Werbung von Gaststätten gewohnt. Hier in der Ortenau stellt diese Werbeform allerdings eher eine  Seltenheit dar - und das ist auch gut so - zumal an einem historischen Baudenkmal, welches erhaltenswert ist, wie Martin Hesselbacher vom Denkmalamt BW weiter unten berichten wird.

An jedem freien platz kann man es lesen La Locanda "da Mario" - übersetzt "Das Gasthaus von Mario" - sonderlich geistreich wird ja der gute alte Name der "Linde" hiermit nicht gerade ersetzt und auch die Webseite von Mario macht nicht gerade den Eindruck eines guten italienischen Ristorante. Mit Bestellpizzeria kommt man der Sache schon näher. Die nicht ganz einsehbare Speisekarte wird mit "Diese gilt sowohl zum Abholen und Liefern als auch bei uns zum essen" und rasch wird klar, worauf hier Wert gelegt: hier wird liefern und abholen groß und Essen kleingeschrieben - im ältesten Gasthof Kappels.

Mit der ganzen Aussendekoration versehen mit der italienischen Tricolore fehlt eigentlich nur noch der entsprechende Fassadenanstrich zum topping und am Aussenanstrich fehlt's wirklich. Also Herr Vollmer samt Ratsdamen und -herren - Vielleicht nehmen Sie sich der Sache einmal an? Wert wäre es die gute alte "Linde" allenfalls, der einstige Prachtbau im Herzen Kappels.

Kappel und die wohl älteste Gaststätte "Zur Linde"  arrowRight16

Die ganzen dreifarbigen Werbeplakate zu fotografieren habe ich geflissentlich unterlassen, damit wenigstens ein Stück Erinnerung an das ehemalige Gasthaus bewahrt werden kann.Denkmalpflege an Bauwerken, die besondere Bedeutung im Ortsbild haben

von Martin Hesselbacher, Freiburg i.Br. 1958

"...Kommen wir aus Richtung Ettenheim auf der Landstraße, die sich im Dorf unter dem Namen "Kirchstraße" fortsetzt, und gelangen zur Kirche, so erblicken wir in der Ferne das stattliche Gasthaus. In zwei Geschossen mit sieben Achsen an der Langseite, mit großem Mansarddach, das durch einen dreiachsigen Aufbau mit Frontispitz besonders betont ist, und bekrönt von einem zierlichen Dachreiter mit Zwiebel, ist dieses Gebäude quer vor die Kirchstraße gelegt. Der beigefügte Lageplan soll die einmalige Situation verständlich machen. Der in leichten Kurven geschwungene rund 500 Meter lange Straßenraum hat nach beiden Richtungen hin seinen architektonischen Abschluß: nach Westen das Gasthaus zur Linde und nach Osten - etwas seitlich - die Kirche..."

Nehmen wir etwa die Zeit des ausgehenden 18.Jahrhunderts, als die "Linde" wohl infolge vorhergegangener Kriegsbeschädigung durch Wiederaufbau und Erweiterung ihre heutige Gestalt bekommen hat"...Nehmen wir etwa die Zeit des ausgehenden 18.Jahrhunderts, als die "Linde" wohl infolge vorhergegangener Kriegsbeschädigung durch Wiederaufbau und Erweiterung ihre heutige Gestalt bekommen hat und auch die Bauernhöfe entlang der Kirchstraße aus Schutt und Asche emporgewachsen sind. Eine Schaubildskizze versucht, diese Situation wieder erstehen zu lassen. Man sieht hier, wie der Straßenraum im Hintergrund von der breiten Behäbigkeit der "Linde" abgeschlossen wurde..."

"...Die Kirche ist ein verputzter Massivbau. Ihr Gegenpol, die "Linde", ihrer früheren Bedeutung entsprechend, hatte ein repräsentatives Aussehen, das im Putzbau charakterisiert ist. Deshalb waren die Außenwände des Obergeschosses, die in Fachwerk konstruiert sind, in gleicher Flucht wie die massiven Erdgeschoßwände überputzt. Wir erleben hier eine typische - vermutlich aus finanziellen und feuerschutztechnischen Gründen heraus entstandene Bauweise jener Zeit des ausgehenden Barock, in welcher oftmals mehrgeschossige Fachwerkhäuser völlig überputzt worden sind. Diese Bauart wurde im Klassizismus weitergeführt und noch in der Weinbrennerzeit praktiziert..."

"...Die Größe der Dorfgemeinschaft bedingte schon frühzeitig eine straffe körperschaftliche Organisation des Berufsstandes der Fischer, weshalb in Kappel schon im Mittelalter eine Fischerzunft ins Leben trat. Sie ist vermutlich die älteste am Oberrhein! Ihre Satzungen waren in der Zunftordnung "der Vischer zuo Cappel bi Rinaw (Rheinau) zusammengefaßt, die vom Landesherrn bestätigt wurde..."

"...Sitz der Zunft war die "Linde"! So ist also die "Linde" nicht nur dorfbaulicher Mittelpunkt von Kappel gewesen, sondern sie ist auch sozusagen als Wirtschaftszentrum des historischen Kappel zubetrachten,ja darüber hinaus war sie auch Sitz der Gemeindeverwaltung. Die heute noch im Volksmund für die "Linde" geläufige Bezeichnung "dieStub" ist auf die frühere Benützung als Fischerzunft­ und Gemeindestube zurückzuführen. Hierauf weist heute noch der Dachreiter hin, in welchem jahrhundertelang die Rathausglocke hing, bis in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts unmittelbar neben der "Linde" ein eigenes Rathaus erstellt wurde. Wenn auch über die ältere Geschichte der "Linde" keine archivalischen Unterlagen mehr existieren, so können wir doch aus der ältesten erhalten gebliebenen Zunftordnung aus dem Jahre 1442, bei der es sich um die Erneuerung einer schon vorhandenen Ordnung handelt, schließen, daß eine Zunftstube bereits im Mittelalter in Kappel bestanden haben muß, wozu die zentrale Lage der "Linde" am geeignetsten erscheint. Die umfangreiche Anlage mit dem behäbigen Gasthaus und den umgebenden Wirtschaftsgebäuden über dem hohen Quadermauerwerk am Ufer der Elz läßt auch durchaus auf mittelalterliche Herkunft schließen. Die in der über der Eingangstüre eingehauenen Jahreszahl 1783 besagt nach Aufzeichnungen im Gemeindearchiv, daß das Gasthaus in diesem Jahr umgebaut und vergrößert wurde und die Gestalt erhalten hat, in der es heute noch dasteht. In den Kirchenbüchern von Kappel kann eine bis Anfang des 18. Jahrhunderts zurückreichende Eigentümerfolge festgestellt werden. Die umfangreichen Stallanlagen der "Linde", die Platz für zwanzig Pferde bieten, weisen darauf hin, daß die "Linde" Relaisstation für Kurierpost war, was mit der verkehrsgünstigen Lage zusammenhing..."

Sitz der Zunft war die "Linde"! So ist also die "Linde" nicht nur dorfbaulicher Mittelpunkt von Kappel gewesen, sondern sie ist auch sozusagen als Wirtschaftszentrum des historischen Kappel zubetrachten "...In der geräumigen Gaststube der "Linde" wird heute die Erinnerung an die Kappeler Fischerzunft gepflegt. Einmal im Jahr, und zwar regelmäßig am Dienstag nach Maria­Lichtmeß, trifft sich auch jetzt noch die Zunft unter dem Vorsitz des Zunftmeisters. Ein aus dem Jahre 1820 stammendes kunstvoll geschmiedetes Zunftschild hängt über dem Tisch in der Ecke der Gaststube..."

"...Es zeigt die Embleme der Rheinfischerei und der Rheinschifferei. An der Wand wird die Fotokopie einer Urkunde gezeigt, deren Original sich im Generallandesarchiv befindet. In dieser Urkunde wird am 29. April 1667 durch die Fischerzunft zu Kappel an der Elz - mit Schultheiß und Gericht dort selbst - die seit Bestehen der Fischerzunft wirksame Zunftordnung mit ihren Neuerungen aus den Jahren 1506 und 1649 unter Zustimmung des Bischöflich Straßburgischen Amtmannes Ignaz Kasimir Freiherr von Layen wieder aufgerichtet. Emil Baader, Lahr, hat sich 1955/56 um die Ausstattung der Fischerzunftstube mit historischen Bildbelegen sehr verdient gemacht. Im Jahre 1958 wurde die "Linde" unter Betreuung des Staatlichen Amtes für Denkmalpflege, Freiburg, im Äußeren wieder hergerichtet..."

"...Wir zeigen in einer Ansicht von der Kirchstraße den alten Zustand des Gebäudes, der durch Alter und Kriegseinwirkung sehr desolat geworden war. Den Wiederherstellungsmaßnahmen lag das Bestreben zu Grunde, dem Bauwerk sein ursprüngliches Gesicht aus der Zeit der Umgestaltung im ausgehenden 18.Jahrhundert wiederzugeben, welches durch zwischenzeitliche Eingriffe verwischt worden war..."

"...Abschließend darf darauf hingewiesen werden, daß die Wiederherrichtung dieses schönen historischen Bauwerks neben den Eigenleistungen des Besitzers, des Gastwirts Eugen Vögele, in dankenswerter Weise durch ein großzügiges Darlehender Badischen Landeskreditanstalt Karlsruhe, durch eine wertvolle Spende des Landkreises Lahr sowie durch finanzielle Beihilfe unseres Amtes ermöglicht worden ist..."

Sollten Sie den Aufsatz von Martin Hesselbacher bis hier gelesen haben, dann können Sie sicher meine kritischen Worte oben nachvollziehen. Eine Gemeinde wie Kappel mit einem "ehrwürdigen Stand" - einem alten Zunftgewerbe - lässt das Symbolgebäude dieses "Standes" - eines Repräsentaten der Ortsgeschichte von penetranter Werbung überwuchern und ein Bauwerk, um welches sich einstiger Landkreis, das Land und seine Bürger verdient gemacht haben (wenn man das Rathaus durch den Haupteingang verlässt) einfach "links liegen"? Schade.

Den Originalartikel von Martin Hesselbach können Sie hier herunterladen download


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St. Jacobus Grafenhausen


Die Fertigstellung der Kirche im Jahr 1789 ist belegt. Dass die Kirche in zwei Jahren fertiggestellt wurde weist die Jahreszahl 1787 im Grundstein aus In der Grafenhausener St. Jakobus-Kirche befindet sich ein Chronogramm. Über dem großen Chorbogen, der das Kirchenschiff vom Altarraum abtrennt! Vor der Renovierung war alles weiß gestrichen und nicht mehr erkennbar. Herr Panowski hat es wieder farblich herausgeholt. Das Chronogramm lässt sich entschlüsseln und die Jahreszahl 1789 wird lesbar. Die Fertigstellung der Kirche im Jahr 1789 ist belegt. Dass die Kirche in zwei Jahren fertiggestellt wurde weist die Jahreszahl 1787 im Grundstein aus.

Wann immer man von der Autobahn oder von Westen, von Süden oder Norden sich Grafenhausen nähert, schon bald fällt einem der hohe schlanke Turm auf, der die Häuser des Ortes und die Landschaft überragt. Er ist stolze 64 m hoch!


Der kupfergedeckte Turmhelm sitzt auf einem Glockenstuhl mit großen Schallläden. Der rote Sandstein und der weiße Verputz leuchten weit ins Land und die schmucke Turmuhr ist gut zu sehen. Besonders schön und einladend ist das Hauptportal gestaltet: Eine reich geschmückte Eichenholztür mit 20 vergoldeten Beschlägen aus dem Jahr 1888, dazu ausladende Sandsteingewände, einem ebenso breiten Türsturz, über dem in einer Nische eine Immakulata-Marienfigur thront. An den Ecken jeweils barocke Steinvasen. Die Füllung zwischen Tür und Türsturz ist in Schmiedeeisen ebenso festlich gestaltet. Fünf geschwungene Stufen führen zu diesem festlichen Eingang der Kirche hinauf.


Da die Vorgängerkirche zu klein und baufällig geworden war, wurde 1787 ein Neubau aufgeführt, so prächtig, dass man sich fragt, wie das kleine Dorf das sich hat leisten können! Schließlich gab es keinen Fürsten oder sonstige einflußreiche Persönlichkeiten vor Ort, außer dem Pfarrer. Dieser war damals Pfarrer Peter von Wagner, mit dem Abt von Ettenheimmünster verwandt. Vielleicht hat diese Beziehung mit den Ausschlag zu diesem Neubau gegeben.

Johannes Hummel über die Pfarrkirche St. Jakobus zu Grafenhausen  arrowRight16

Mit Beziehungen gelang auch damals manches wie von selbst. Vielleicht hat auch der Weg von der einstigen Benediktiner-Abtei Ettenheimmünster zur Bischofsstadt Straßburg, der damals durch Grafenhausen und Kappel über den Rhein führte, dazu geführt, dass Abt und/oder Bischof angeregt haben, in Grafenhausen ein neues Gotteshaus zu bauen. Womöglich hat auch eine Rolle gespielt, dass 1769 die St. Bartholomäus-Kirche in Ettenheim neu gebaut wurde. Dort waren Vorarlberger Barockbaumeister tätig, die später auch in Grafenhausen tätig wurden.

Am 21. Februar 1945 wurde Grafenhausen durch Artilleriebeschuß an mehreren Stellen schwer getroffen. Auch die Kirche erhielt eine Anzahl Volltreffer. Ein Brand auf dem Speicher des Langhauses konnte durch beherzte Männer noch gelöscht werden. Die entstandenen Schäden waren sehr groß. 1951 wurde mit der Wiederinstandsetzung begonnen.

"Fast jeder, der unsere beim Übergang vom Barock zum Klassizismus erbaute Kirche in Grafenhausen betritt, fühlt sich in ihr wohl. Er erahnt etwas von der Grundbefindlichkeit des barocken Menschen: im erbauten Festsaal, wie die Fürsten in Versailles oder anderswo für sich ein Prunkgebäude errichteten, so bauten die Kirchenmänner für Gott einen Festsaal, der die Vorfreude auf das Himmlische Jerusalem wecken sollte. Die Baumeister wollte etwas von der göttlichen Ordnung, der himmlischen Harmonie in den Bildern, Statuen und Verzierungen sichtbar machen." (nach Wolfgang Morath, Pfarrer von Grafenhausen von 1995 bis 2002)
Der Text stammt von Werner Pohl, Ettenheim (Arbeitskreis HistorieKappel- Grafenhausen)


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Rathaus Kappel


Im IIten Weltkrieg zerstört - So musste das Kappeler Rathaus nach dem zweiten Weltkrieg (September 1945) wieder aufgebaut werden (Richtfest war im Dezember 1949) und die Bauherren bemühten sich um eine historische Anpassung beim Wiederaufbau.Kappel-Grafenhausen ist eine typische, dabei jedoch auch ganz besondere Gemeinde Badens: Unsere Gemarkung reicht von den Höhen des Schwarzwaldes bis hin zum Rhein; bei uns treffen sich Baden und Elsass, Kappel-Grafenhausen und Rhinau. Während die Schwarzwaldhöhen von einem eher rauen Klima geprägt sind, mutet das Rheintal fast schon mediterran an. (Webseite Kappel-Grafenhausen)

Das "Sehenswerte" am Kappeler Rathaus ist nicht das Rathaus sondern "das vor dem Rathaus", wovon weiter unten zu sprechen sein wird.
Das Rathaus selbst ist ein "relativ" neues Bauwerk. Im Weltkrieg II (Februar 1945) wurde das Rathaus durch den französischen Beschuss nahezu vollständig zerstört.

Anfang 1945 häuften sich die Fliegerangriffe auf Grafenhausen und der Beschuss auf Kappel. Ein besonders schlimmer Tag war Aschermittwoch, 14. Februar 1945, an dem unter anderem die Kirche in Kappel und das Pfarrhaus völlig abbrannten. Die feindlichen Aktionen hielten bis Mitte März jenes Jahres an. In Kappel wurden von 288 Gebäuden 77 völlig zerstört, nur zwei Häuser blieben unbeschädigt, 123 Familien waren obdachlos geworden. (Arbeitskreis HistorieKappel- Grafenhausen)

So musste das Kappeler Rathaus nach dem zweiten Weltkrieg (September 1945) wieder aufgebaut werden (Richtfest war im Dezember 1949) und die Bauherren bemühten sich um eine historische Anpassung beim Wiederaufbau.

Das neue Rathaus steht zweigeschossig, siebenachsig und traufseitig zum alten Marktplatz. Auf jeder 2ten (2, 4, 6) Achse liegen große Bögen mit Sandsteingesims. Auf Achse sechs liegt das Portal mit Treppenaufgang. Darüber liegt ein gewalmtes Mansarddach mit Dachreiter und Glockenstuhl. Das Erscheinungsbild mag klassizistisch genannt werden, wenngleich die Sandsteinbögen auch an Epochen des Barock erinnern. Das Bauwerk macht einen klar strukturierten, "aufgeräumten" Eindruck. Dieser Eindruck wird durch die massiven Ecklisenen stabilisiert.

Zweifache Erinnerung an den Rathausbau Kappel - Vor 140 Jahren Neubau, vor 35 Jahren Wiederaufbau

Der Altvater - Beilage der "Lahrer Zeitung" für Heimatkunde und Kulturgeschichte, 43. Jahrgang, Nummer 3, 9. Februar 1985 - Schriftleitung: Emil Ell, Seite 12

Die Bewohner der Gemeinde Kappel dürfen sich in zweifacher Weise des Rathausbaus erinnern. Vorneweg des Neubaus in den Jahren 1845 / 46 - vor 140 Jahren - und letztlich des Wiederaufbaus im Jahre 1950 - vor 35 Jahren. Im Februar 1945, genau hundert Jahre nach der Beschlußfassung zum Bau eines gemeindeeigenen Rathauses, fiel das Gebäude Artilleriebeschuß zum Opfer.

Über Jahrhunderte hinweg wurden die Gemeindegeschäfte in der "Stube", dem Gasthaus "Linde", erledigt. Der Trend um die Mitte des 19. Jahrhunderts, für Landgemeinden Verwaltungsgebäude zu errichten, hatte auch in Kappel Widerhall gefunden. In einer Gemeindeversammlung am 22. Februar 1845, von Bürgermeister Stefan Andlauer einberufen, wurde die Erbauung eines Rathauses mitten im Ort beschlossen. Die Baugenehmigung und die Ermächtigung, für den Fall des Bedarfs ein Kapital von 6.000 Gulden aufzunehmen, wurde am 30. September 1845 durch die Großherzoglich-Badische Regierung des Oberrheins mit Sitz in Freiburg erteilt.

Die Gemeinde kaufte als Bauplatz für das zu erstellende Gemeindehaus das Anwesen des Augustin Köbele um 3.250 Gulden. Der Abbruch des gekauften Hauses und die Vergebung der Neubauarbeiten wurden im Oktober und November im "Lahrer Wochenblatt" ausgeschrieben. Die Ausschreibung fand Interesse. Handwerksmeister aus der ganzen Umgebung fanden sich neben denen von Kappel ein; so aus Ettenheim, Friesenheim, Grafenhausen, Kippenheimweiler, Mahlberg, Münchweier, Lahr, Ringsheim, Rust und Sulz.

Nach den Angaben des Chronisten der Jahre 1845 / 46 wurden die verschiedenen Arbeiten einzeln versteigert unter dem Vorbehalt, daß die Gemeinde den Bau im ganzen vergeben kann, ohne daß deshalb die ersteren Steigerer ihrer Angebote entbunden werden. Bei der Einzelversteigerung erhielten folgende Meister den Zuschlag:

Josef Gottwald in Münchweier für die Maurerarbeiten,
Josef Schneider in Münchweier für die Steinhauerarbeiten,
Lorenz Abrether in Ringsheim für die Zimmererarbeiten,
Barthel Melde in Ettenheim für die Schreinerarbeiten,
Xaver Mutz in Ringsheim für die Schlosserarbeiten,
Johann Kößler in Rust für die Glaserarbeiten,
Christian Kleiner in Lahr für die Blechnerarbeiten und Anton Kirn in Ettenheim für die Anstreicharbeiten.

Nach Vorliegen der Angebote stellte die Gemeindeverwaltung fest, daß sich gegenüber dem Voranschlag ein Mindergebot von 166 Gulden ergab, weshalb sämtliche Akkordvergebungen in allen Teilen zusammengeworfen und um die noch übriggebliebene Summe von 8.318 Gulden der Versteigerung im ganzen zusammen an den Letztbietenden ausgerufen wurde.

Der Letzbietende, Maurermeister Georg Althauser in Sulz, erhielt den Zuschlag um 6.960 Gulden. Das waren 1.358 Gulden nochmals niederer als bei Beginn der Aussetzung im ganzen. Durch Abänderung und Verbesserung während des Baus, zum Beispiel Einbau des gewölbten Kellers, der im Plan nicht vorgesehen war, erhöhten sich die Baukosten um 2.206 Gulden, so daß der Akkordant am Schluß 9.166 Gulden ausgezahlt erhielt.

Die Bauleitung lag in den Händen des Bezirksbaumeisters. Am 13. März 1846 wurde mit dem Rohbau begonnen und schon im Juni unter Dach gebracht. Am 23. November 1846 zog die Verwaltung in den Neubau ein. Am selben Tag begann Zimmermeister Georg Herbster mit der Umsetzung der Glocke von der "Stube" auf das Rathaus. Am 25. November 1846 ertönte die Glocke zum ersten Male an ihrem neuen Ort.

Gerechnet vom Tag der Grundsteinlegung an, dem 22. Februar 1845, stand das Gemeindehaus genau hundert Jahre, bis die Kriegswirren dasselbe mit drei weiteren Anwesen am 22. Februar 1945 durch Artilleriebeschuß zerstörten. Nur die Umfassungsmauern sind erhalten geblieben. Auf den stehengebliebenen Mauern konnte wieder aufgebaut werden.

Die Arbeiten für den Wiederaufbau wurden im September 1949 vergeben. Noch vor Jahresende konnte der Richtbaum gesetzt werden. Gäste des Richtfestes am 29. Dezember 1949 waren Landrat Freiherr von Gleichenstein, und der Landtagsabgeordnete Sahl, der auch Bürgermeister der Gemeinde Kappel war. Zimmermann Wilhelm Klauser sprach die Richtworte. Als Planfertiger und Bauleiter amtierte Architekt Wilhelm Hauger aus Nonnenweier. Im Oktober 1950 konnte das neue "alte" Rathaus wiederbezogen werden.

Auf der Ostseite hinter dem Rathaus findet sich ein Rückmarkstein,

("...die seit 1821 gesetzten bzw. geplanten Rheinbanngrenzsteine werden heute , Julia-Steine" genannt. Diese konnten aber vor der Korrektion zu einem beträchtlichen Teil gar nicht gesetzt werden, da ihr vermessener Standort mitten im tiefen Wasser lag (z. B. Nr. 89 und Nr. 94). Der Rest stand meist im Gelände, das vom Hochwasser bedroht war und konnte im ungünstigsten Falle weggespült werden. Um diesen Unsicherheitsfaktor zu beseitigen, wurden deshalb zur Sicherung der Vermessungspunkte "Rheinmarken" (Rückmarksteine) gesetzt. Diese Rheinmarken hatten dasselbe Format wie die Tulla-Steine) aus dem Jahre 1820..."
(Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden - 69. Jahresband 1989 - Seite: 184))

...der sicher bereits mit den alten Mauern stand, auf deren Fundament das neue Rathaus 1945 / 49 errichtet wurde.

Das Sehenswerte am Rathaus - der "FLESCHUFF-BRUNNEN" von Ulrich Fürneisen


Tatsächlich bedarf es einer sorgfältigen Beobachtung dessen, was Fürneisen da vor das Rathaus Kappel "gegossen" hat. Lässt man die Skulptur in Ruhe und Gelassenheit wirken, dann tauchen sie auf, die "Gestalten" aus dem nahegelegenen Taubergießen und im Glücksfall tragen sie die Besucher*innen mit ihren Gedanken hinaus in die wilde und naturbelassene Landschaft, einer urwüchsigen Region - dem Naturschutzgebiet mit rund 1.682 ha eines der größten Schutzgebiete in Baden-Württemberg

Fürneisen hat diese auch sehr genau beobachtet, wie eine kleine biographische Schrift von Uschi Korda versichert:

"...Dann traf ich Ulrich Fürneisen. Eine Seele von einem Menschen, der ohne irgendwo anzuecken still seinen Weg geht, der vollkommen eins mit sich und seiner Welt ist. Den Schüler des großen Joseph Beuys verschlug es erstmals 1979 bei einer Anti-AKW-Demo in die dichte Dschungellandschaft der Rheinauen bei Taubergießen. Beide blieben. Die Landschaft, weil man sie bis heute in Ruhe ließ, der Künstler, weil er sich in sie verliebte und beschloß sie fortan zum Zentrum seines Wirkens zu machen...

...Komm, ich zeig dir mein Atelier, sagte er und schob mich nicht in ein Zimmer sondern in seinen klapprigen blauen Fiat. Wir fuhren im Zickzack über Feldwege, Wiesen, Stock und Stein und hätte ich jemals eine Orientierung gehabt, ich hätte sie verloren. So, sagte er dann und stoppte abrupt, jetzt geht’s zu Fuß weiter..."

Die Badische Zeitung schreibt am 14. Mai 2010 anläßlich der Fürneisen-Ausstellung in der Galerie L'Art pour Lahr:

"Aus dem Taubergiessen, der bisher noch intakten Urlandschaft des Rheinwalds, dem Naturschutzgebiet, das bisher von den zerstörerischen zivilisatorischen Eingriffen verschont geblieben ist, bezieht er die Motive für seine Naturansichten, die sich so präzise und detailliert den vorgefundenen Strukturen widmen, dass man die Zeichnungen im ersten Draufblick mit einem naturalistischen Bild verwechseln könnte.

Es sind immer wieder die Bäume, die gerade wachsenden und die schrägen, die stürzenden und die liegenden und verkeilten mit ihrem riesigen und zarten Geäst oder ihrem skelettartigen Gepräge, die in einen vom Künstler mit viel Bedacht gewählten Raumausschnitt die Zeichen setzen und quasi die Klammern bilden für die Wahrnehmung der Vielfalt ihrer Ausformungen und der Verwobenheit mit kleineren und anderen Strukturen."

Der in Berlin geborene Ulrich Fürneisen kam also an den Oberrhein, verliebte sich in die Landschaft und blieb. Er verbrachte Tage und Wochen in den Rheinauen des Taubergießen und widmete sich dem Staunen in der Natur. Dass er seine Beobachtungen umzusetzen weiß, kann am Fleschuff-Brunnen betrachtet werden. Hier können auch Besucher*innen staunend verweilen und werden günstigsten Falles zu einem Naturgang in die nahegelegenen Rheinauen verführt. Das Naturschutzgebiet Taubergießen ist mit rund 1.682 ha eines der größten Schutzgebiete in Baden-Württemberg.

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St. Cyprian und Justina Kappel


Kirche wurde zu klein - So ging Pfarrer Dr. Joseph Vitus Burg an die Erweiterung die im Jahre 1827 vollendet war. Es war nun ein mächtiges Gotteshaus, mit 1300 Sitzplätzen.Fährt man von Grafenhausen weiter hinaus zum Rhein Richtung Kappel, begrüßt zuerst der stattliche Glockenturm von St. Cyprian und Justina - der katholischen Kirche von Kappel. Dahinter schemenhafft ein großes Gebäude - die alte Schule, wie sich beim Besuch von St. Cyprian und Justina herausstellt.

Bereits im Jahre 1737 wurde hier eine neue Kirche gebaut. Im Laufe des folgenden Jahrhunderts war die neue Kirche für die rasch anwachsende Pfarrei zu klein geworden. So ging Pfarrer Dr. Joseph Vitus Burg an die Erweiterung die im Jahre 1827 vollendet war. Es war nun ein mächtiges Gotteshaus, mit 1300 Sitzplätzen.

Ein schwerer Schlag traf das Gotteshaus am 14. Februar 1945 (Aschermittwoch). Unter Artilleriebeschuss vom Elsass her, wurde neben zahlreichen Gebäuden auch die Kirche und Pfarrhaus völlig zerstört.

Am 6.Oktober 1947 wurde der Grundstein zum Wiederaufbau gelegt. Am 30. September 1948 war Richtfest des Turmes welcher eine Zwiebelform bekam. Mit berechtigtem Stolz wurde dann am 1. Oktober 1949 Richtfest am Langhausschiff gefeiert. Zum Gebrauch für den Weihnachtsgottesdienst 1949 wurde das Gotteshaus mit Notgestühl, provisorischen Fenstern, Not-Türen und Beleuchtung versehen. Bis die Inneneinrichtung vollständig vollendet war, vergingen wegen Materialknappheit und Währungsreform noch einige Jahre. An Weihnachten 1955 wurden dann die 5 neuen Glocken geweiht welche seither für ein schönes Geläut sorgen.

Ein herrliches Kunstwerk in der Kirche ist die Statue einer Madonna von einem unbekannten Meister aus der spätgotischen Zeit um das Jahr 1500.

Das Deckenbild des irischen Glaubensbote Fridolin welches im Krieg 1945 zerstört wurde, wurde nach Beschreibungen älterer Bürger bei der Innenrenovierung im Jahre 1988 neu gemalt. In diesem Zusammenhang wurde auch der Altarraum neu gestaltet. Die Kreuzigungsgruppe welche ehemals für die Kirche St. Peter und Paul in Lahr 1964 gefertigt wurde, wurde dort bei einer späteren Innenrenovierung ausgelagert und fand so hier wieder seine Verwendung.

Beitrag: Rudi Rest, Grafenhausen - Arbeitskreis HistorieKappel - Grafenhausen

Ein namhafter "Mitbauer" an St. Cyprian und Justina war der in Offenburg geborene spätere Mainzer Bischof Vitus Burg, wie Hubert Kewitz berichtet:

Kewitz, Hubert: Pfarrer von Kappel wurde Bischof zu Mainz (Lahrer Zeitung, Freitag, 6. Mai 1983)

Am 6.Oktober 1947 wurde der Grundstein zum Wiederaufbau gelegt. Am 30. September 1948 war Richtfest des Turmes welcher eine Zwiebelform bekam Kappel-Grafenhausen. Vor 150 Jahren, am 6. Mai 1833, starb der damalige Bischof von Mainz, Dr. Joseph Burg, der vorher lange Jahre Pfarrer in Kappel war. Sein Andenken ist in Kappel nicht vergessen; die großen Statuen vor der Kirche tragen seinen Namen. Sie entstammen einer Stiftung, die Dr. Joseph Burg 1829 vor dem Weggang nach Mainz seiner alten Gemeinde Kappel "zur Anerkennung ihrer seit zwanzig Jahren mir bewiesenen herzlichen Ergebenheit" gemacht hat. Er schenkte ihr das Altarblatt für den Hochaltar, drei große Gemälde im Chor, 16 Stationsbilder, die Statuen der Maria und des Hl. Johann von Nepomuk, eine Albe mit Chorrock und eine Kreuzpartikel mit Monstranz.

Zum Kirchenneubau 1827 / 28 unter Vitus Burg  arrowRight16

Der Geistliche Rat, Dekan und Doktor der Theologie, Joseph Vitus Burg, wurde 1768 in Offenburg geboren. Er war zuerst Franziskaner in Speyer, dann Hofkaplan beim Deutschen Orden auf der Mainau und von 1802 bis 1809 Pfarrer in Herten bei Rheinfelden. Als kommissarischer Verwalter für die rechtsrheinischen Anteile des Bistums Straßburg kam er nach Ulm bei Oberkirch und tauschte diese Pfarrei mit dem Kappeler Pfarrer Fiesinger. Von 1809 bis 1827 war er in Kappel, ehe er als Domdekan und erster Weihbischof nach Freiburg zog. Zum Bischof von Mainz wurde er 1829 ernannt.

Das Bistum Mainz schreibt über Joseph Vitus Burg:

Am Montag, 27. August, jährt(e) sich zum 250. Mal der Geburtstag von Joseph Vitus Burg. Burg war von 1830 bis 1833 Bischof von Mainz und Nachfolger von Bischof Joseph Ludwig Colmar, der 1818 starb. Die Ernennung Burgs zum Bischof von Mainz beendete eine zwölfjährige Sedisvakanz. Mit Burg leitete erstmals ein Bischof das Bistum Mainz, dessen Grenzen identisch mit dem des Großherzogtums Hessen-Darmstadt waren, und die bis heute bestehen.

Burg, der am 27. August 1768 als Sohn eines Kaufmanns in Offenburg / Baden geboren wurde, trat 1787 in den Franziskanerkonvent in Speyer ein und studierte Philosophie und Theologie in Regensburg und Würzburg. 1791 wurde er zum Priester geweiht und wirkte als Professor am Franziskaner-Gymnasium in Überlingen am Bodensee. Nach der Eroberung Speyers durch die Franzosen 1797 kam es zur Säkularisierung seines Heimatkonventes und Burg wurde Weltpriester, anschließend war er als Pfarrer in der Seelsorge tätig. Von 1809 bis 1821 war Burg kommissarischer Verwalter des badischen Restteils der Diözese Straßburg und unter anderem an der Vorbereitung der päpstlichen Bullen zur Errichtung der neuen Kirchenprovinz Freiburg beteiligt, zu der auch das neue Bistum Mainz bis heute gehört. 1827 bis 1829 war Burg Domdekan in Freiburg, 1828 bis 1829 Weihbischof in Freiburg, bevor er dann am 12. Januar 1830 den Mainzer Bischofsstuhl bestieg.

Erster Hirtenbrief

In seinem ersten Hirtenbrief an die Gemeinden seines Bistums schreibt Burg: "Der Glaube ist eine Gabe Gottes. Scherzet nicht mit dieser heiligen Gabe; bewahret sie als das köstlichste Geschenk. Bei den Erbarmungen Gottes: Wachet ohne Unterlass, dass ihr nichts von diesem Gnadengeschenk unseres Vaters, der im Himmel ist, verlieret. In der Stunde, bevor unser göttlicher Religionsstifter den Gang des Todes ging, betete er im Hinblick auf alle, die durch alle Jahrhunderte herab durch das Bekenntnis einer Lehre an ihn glauben würden, dass alle Eines seien, damit die Welt glaube, dass sein himmlischer Vater ihn gesandt habe. Die erste Pflicht unseres oberhirtlichen Amtes ist, diesen so notwendigen Glauben, der sich durch Werke des Lichtes bewähret, in seiner Vollständigkeit und Reinheit fest zu erhalten."

Als Mainzer Bischof nicht unumstritten

In Mainz habe die Ernennung Burgs "nicht gerade Freudenstürme" ausgelöst, heißt es in der Publikation "Vom Kirchenfürsten zum Bettelbub. Das heutige Bistum Mainz entsteht". Der Freiburger Priester Burg habe eine ganz andere Auffassung vom Kurs der Kirche gehabt als die von Bischof Colmar geprägten Kleriker des Bistums Mainz. Burg hatte eine positive Einstellung zum Staatskirchentum, sah "den Schutz einer freien katholischen Kirche besser beim Staat als beim Papst aufgehoben". Umstritten war auch die Verlegung der Priesterausbildung nach Gießen in dieser Zeit: 1830 wurde an der dortigen Landesuniversität eine Katholisch-Theologische Fakultät für die wissenschaftliche Ausbildung der angehenden Priester eingerichtet, der Burg zustimmte. Erst unter Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler wurde dieser Schritt 1851 rückgängig gemacht. Gleichzeitig kämpfte Burg erfolgreich für die Beibehaltung des katholischen Lehrerseminars in Bensheim und der konfessionellen Volksschulen und vertrat ein ganz an der Seelsorge orientiertes Priesterbild. Seine Amtszeit war allerdings nur von kurzer Dauer: Am 22. Mai 1833 starb Burg an den Folgen einer Lungenentzündung; er ist im Mainzer Dom beigesetzt.

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Engel Grafenhausen


Der revolutionäre Gedanke verbreitete sich auch im Amtsbezirk Ettenheim. An maßgeblicher Stelle agierte dort bereits 1846 der Buchbinder und Engelwirt aus Grafenhausen Johann Nepomuk Winkler Johann Nepomuk Winkler - der Freiheitskämpfer - Wirt vom Engel Grafenhausen

Die französische Revolution von 1789 mit ihrem Ruf nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit wurde auch über der Grenze in Baden mit großer Aufmerksamkeit registriert. Der revolutionäre Gedanke verbreitete sich auch im Amtsbezirk Ettenheim. An maßgeblicher Stelle agierte dort bereits 1846 der Buchbinder und Engelwirt aus Grafenhausen Johann Nepomuk Winkler.

Seine Aufklärungskampagne startete er in seinem Gasthaus und auch in anderen Gaststätten vorallem in Ettenheim , wo man zusammenkommen konnte, ohne sich gleich verdächtig zu machen. Winkler hatte damit seinen Ruf nach Freiheit in aller Öffentlichkeit verkündet, lange vor der berühmten Offenburger Versammlung im September 1847 im Gasthaus Salmen.

Winkler war ein großer beleibter Mann mit braunem Bart und stammte aus Ringsheim wo er 1803 als Sohn der Wirtsleute Franz Anton und Maria Genoveva Winkler geboren wurde. Er erlernte den Beruf des Buchbinders und war mehr als 10 Jahre auf Wanderschaft. Sein Weg führte ihn von der Schweiz über Prag Österreich und Triest wieder zurück in die freiheitsliebende Schweiz wo er eine gute Anstellung in Basel fand.

1831 kehrte er dann wieder in die Heimat zurück und heiratete in Grafenhausen Euphrosyne Schönstein mit der er 3 Kinder (zwei Söhne und eine Tochter ) hatte.

Er betrieb ein Buchbindergeschäft neben der Landwirtschaft, bis er 1845 das Gasthaus Engel eröffnete.

Bald hatte er Kontakt zu freiheitlich gesinnten Männern wie Gustav von Struve und Friedrich Hecker. Seine Ideen verbreitete er anfänglich durch seine Kontakte zu den Gaststätten der Umgebung mit deren Hilfe das freiheitliche Gedankengut günstig weitergegeben werden konnte. Sein Gasthaus zum Engel war dabei die Anlaufstelle von der aus freiheitliches Schriftgut unter das Volk kam.

Bei einer Hausdurchsuchung fanden die Vertreter des großherzoglichen Bezirksamts und die Gendarmerie sehr viel belastendes Material wie Flugblätter, Bücher und Hefte. Der Engelwirt wurde im August 1847 wegen versuchten Hochverrats und Majestätsbeleidigung zu einer Arbeitshausstrafe von 6 Monaten verurteilt, obwohl die Gemeinde in einer angeforderten Stellungnahme dem Mitbürger helfen wollte und ihn als rechtschaffenen, charaktervollen Mitbürger mit gutem Leumund bezeichnete.

Als an anderen Orten das Aufbegehren der freiheitssuchenden Bürger immer größer wurde, erließ Großherzog Leopold im März 1848 eine allgemeine Amnestie für "politische Verbrecher" und Winkler kam wieder frei. Er nahm aber seine freiheitssuchende Tätigkeit umgehend wieder auf.

Im September 1848 sollten im Auftrag des Großherzogs in Karlsruhe Soldaten mit der neugeschaffenen Eisenbahn nach Lörrach gebracht werden, um dort eine freiheitliche Revolte niederzuschlagen. Gastwirt Winkler und andere Freiheitskämpfer aus der südlichen Ortenau, die sich für einige Zeit ins Elsass abgesetzt hatten, erfuhren von dem Plan und beabsichtigten die Eisenbahnlinie bei Orschweier zu zerstören, um den Soldatentransport zu verhindern oder zumindest zu verzögern.

Zusammen mit Schullehrer Mutschler und Kaufmann Rauch aus Grafenhausen war Winkler einer der Haupträtelsführer. Zwischen 200 und 300 Personen demolierten dann am 22.Septemper 1948 zwischen 22 Uhr und 2 Uhr morgens die Brücke über den Etter, den heutigen Ettenbach und schleppten Schienen und Schwellen beiseite. Die Zeitverzögerung war gelungen, der Aufstand bei Lörrach war aber trotzdem gescheitert.

Viele Revolutionäre aus Grafenhausen und Umgebung flohen ins Elsass, andere aber wurden festgenommen. Winkler blieb in Frankreich und starb später in Paris.

Damas Rauch, der 1791 in Grafenhausen geboren worden war, wurde festgenommen und zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Dort starb er 1851 in Bruchsal. Die Badische Revolution Mitte des 19ten Jahrhunderts war ein Meilenstein für die Entwicklung der Demokratie in Deutschland, bis zu deren endgültigem Durchbruch es allerdings noch lange dauern sollte. (Arbeitskreis HistorieKappel - Grafenhausen - Walter Batt)
Engel Grafenhausen 1890 - Wirtschaft von Johann Nepomuk Winkler - Ort der Konspiration 1822 und 1848
Eine kurze Zusammenfassung der Berichte aus dem Ortssippenbuch von Grafenhausen Der Ettenheimer Amtmann Donsbach gab seinem Bruder dem Aktuar Donsbach den Befehl einige Grafenhausener Burger: Konrad Koch, Landolin Santo, Zipperian Kélble, Gregor Herzog, August Ruska und Theodor Kienz, nicht aber Damas Rauch, festzunehmen und beim Amt abzuliefern.

Den Johannistag 1822 werden die Einwohner von Grafenhausen wohl jahrelang nicht vergessen haben. Man hat noch lange davon erzählt. Am frühen Morgen wurden die Einwohner durch gellende Schreie geweckt. Der Hilferuf kam von Damas Rauch. Sein Haus wurde vom Ettenheimer Amtmann Donsbach mit Hilfe der Polizei umstellt. Damas Rauch war ein unbescholtener Burger, der bei der Beschwerdeführung gegen das Ettenheimer Amt, von der diese Geschichte handelt, gar nicht dabei war. Die Polizisten sowie ein maskierter Offizier waren laut Bericht "sternhagel voll". Damas Rauch war im Nachthemd geflüchtet und sein Vater wurde von der Polizei furchtbar gepeinigt. Der flüchtende Damas Rauch rief lauthals um Hilfe, so dass jung und alt aus dem Dorf herbeikamen und das Corps ohne Gewaltanwendung zum Ort hinausjagte.

In Grafenhausen regierte seit Jahren ein Vogt, auch SchultheiB genannt, mit Namen Herzog, der vorher Gemeinderechner war. Beim Ettenheimer Amt war er wohlgelitten, nicht aber bei den Einwohnern. Es gab unter inm schon im Jahre 1819 Ungereimtheiten in der Gemeindekasse wegen Abnahme übermäßiger GebUhren, übermäßigem Holzbezug und wegen ungerechtfertigter Aneignung von Allmendgrundstücken etc. In den damaligen Zeiten wurden die Ortsvorgesetzten nicht von der Bürgerschaft gewählt, wie es in späteren Jahren der Fall war, sondern von der Regierung auf Vorschlag des Amtmanns ernannt. Als der Amtmann in Grafenhausen ein neues Schulhaus bauen wollte, forderte der Schultheiß Herzog vor versammelter Gemeinde Einspruch gegen den Neubau zu erheben. Er blieb unbehelligt. Der Bürger Nikolaus Buhrle jedoch, der Unterschriften gegen den Schulhausneubau sammelte, wurde in Untersuchungshaft genommen.

Wegen dem großen Luxus des Gemeinderechners Ignaz Mutschler steigerte sich das Misstrauen. So sahen sich einige Bürger veranlasst, eine Abordnung zu beauftragen, die um Vorlage der Gemeinderechnungen bitten sollten. Im Spätjahr begaben sich die sechs Grafenhausener Bürger, Konrad Koch, Landolin Santo, Zipperian Kälble, Gregor Herzog, Augustin Ruska und Theodor Kienz zum Ettenheimer Amt und baten den Amtmann, er möge die Vorlage der Gemeinderechnungen anordnen, da Unrichtigkeiten vorlagen. Seine Antwort war:

"lm Zuchthaus müsst ihr die Rechnungen sehen. Ins Zuchthaus müsst ihr, ob ihr’s verdient habt oder nicht".

Daraufhin überreichte am 12.9.1821 Konrad Koch eine Eingabe an den Großherzog im Namen von vierzig Bürgern. Das löste eine Untersuchung aus und tatsächlich wurden diese sechs angeblichen Denunzianten am 14.5.1822 vom Hofgericht in Rastatt wegen Sammlung von Unterschriften und wegen Beschwerden zu 14 Tagen öffentlicher Arbeitsstrafe verurteilt. Die Beschwerdeführer legten Berufung dagegen ein.

Es wurde später festgestellt, dass Mutschler einen Fehlbetrag von 4000 Gulden in der Gemeindekasse hatte. Des Weiteren, dass ihm auch als Rechner des Frühmessfonds 469 Gulden fehlten (damals ein Vermögen). Er hatte bereits 1819 von seinem Amt als Vogt beseitigt werden sollen. Stattdessen hatte das Ettenheimer Amt ihn in Schutz genommen.

Das Ettenheimer Amt verweigerte jedoch mehrfach die Offenlegung der Gemeinderechnungen. Der wahre Grund, warum das Amt mit wechselnden Gründen die Offenlegung nicht gestattete war, dass es zu vieles zu verdecken gab.

Daraufhin holte das Amt Ettenheim gegen die Beschwerdeführer zu einem neuen Schlag aus. Es gab das Urteil des Rastatter Hofgerichts nicht an die Gemeinde Grafenhausen weiter, sondern schickte den Verurteilten den Befehl, dass jeder persönlich vor dem Amtmann zur Entgegennahme des Urteils zu erscheinen hätte. Die Verurteilten befürchteten, dass der Amtmann trotz ihrer Berufung das Urteil an ihnen vollstrecken werde. Die Befürchtung war nicht unberechtigt.

Was die Verurteilten befürchteten, wurde ihnen zur Gewissheit. Der siegestrunkene Gemeinderechner Ignaz Mutschler, der immer gute Fühlung mit den Ettenheimer Amtsleuten hatte, verkündete in Grafenhausener Wirtschaften den Gästen das Rastatter Urteil. Er fügte die Worte hinzu: "Wenn die Kerle nach Ettenheim kommen, dann werden sie von den Gardisten gepackt und müssen gleich dort die Straße fegen."

Als die Verurteilten unter Hinweis auf die Berufung gegen das Urteil dem Amt fernblieben, erwirkte das Amt die Durchsetzung seines Vorhabens durch die Kreisdirektion Offenburg. Unter diesen Umständen opferte sich Gregor Herzog und begab sich zum Amt um im Namen seiner Schicksalsgenossen die Eröffnung des Urteils entgegenzunehmen. Er wurde zunächst wegen Ungehorsams zu zweitätiger Eintürmung verurteilt und sofort eingesperrt.

Nach seiner Entlassung erteilte Amtmann Donsbach seinem Bruder, Aktuar Donsbach, den Befehl mit 14 Mannschaften die Ungehorsamen auszuheben. In seiner Leidenschaft setzte der Amtmann den kurz zuvor entlassenen Gregor Herzog neben die fünf anderen auf die Liste der zu Verhaftenden. Es ist nur noch anzumerken, dass der Aktuar Donsbach den Vogt Herzog um Mithilfe bat, die ihm aber verweigert wurde, aus Angst vor den ungezogenen Menschen in Grafenhausen. Nach dem Einsetzen eines neuen Schultheißes wurde es möglich, die Tätigkeit des alten Gemeinderechners einer näheren Prüfung zu unterziehen.

Das Ettenheimer Amt erhielt den Auftrag von der Kinzigkreisdirektion den Ignaz Mutschler als Gemeinderechner und als Rechner des Frühmessfonds abzusetzen. Ein Kommissar hatte auf Kosten Mutschlers die Rechnungen in Ordnung zu bringen und seinen Befund der Kreisdirektion vorzulegen. Damit waren die Beschwerden gegen die Gemeindebehörde Grafenhausen als begründet und zu Recht anerkannt. Die Verurteilten konnten damit hoffen, dass das Oberhofgericht Mannheim nach Kenntnis der neuen Sachlage zu einer für sie günstigen Entscheidung gelangen werde. Aber sie hatten sich gründlich verrechnet. Am 26.5.1824 verwarf das Oberhofgericht die Berufung der Rastatter Urteile. Großherzog Ludwig waren Störungen und Widersetzlichkeiten seiner Untertanen weit gefährlicher und strafwürdiger als menschliche Schwächen und Fehlgriffe seiner Beamten.

Die Beschwerdeführer wurden trotz Beweises der Fehlgriffe des Ettenheimer Amtes zu einer Geldstrafe von 1.754 Gulden und Zuchthaus verurteilt. Als die Kommission die Verurteilten in Grafenhausen zum Strafantritt abholen wollte hatten sich Damas Rauch und Konrad Koch der Festnahme durch Flucht entzogen. Theodor Kienz, Nicolaus Bührle sowie die beiden Kölble zeigten sich beim Strafvollzug ungehorsam indem sie sich eigenmächtig nach Hüfingen ins Gefängnis begaben, ohne auf das Abholen durch die Kommission zu warten. Dies taten sie, um der Schande zu entgehen, am Ochsenkarren angebunden durch das Dorf abgeführt zu werden. Die Vorkommnisse von 1822 - 1824 waren wohl der Nährboden für die spätere Teilnahme der Bürger von Grafenhausen an der Badischen Revolution.

Jürgen Fahrländer (900 Jahre Grafenhausen)


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