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Sehenswertes Seelbach im Schuttertal

 
Seit geraumer Zeit wird in der Gemeinde Schuttertal von heimatgeschichtlich interessierter Seite alles Erfaßbare an Urkunden, Aufzeichnungen, historischen Begebenheiten und diesbezüglichen Erwähnungen zusammengetragen, um alsdann dieses gesammelte Material zu einer Dorfchronik zu der bevorstehenden 800-Jahr-Feier zu verwerten. Dieses sehr erfreuliche Bemühen läßt uns zurückblicken auf das Ostern 1906 erschienene, 232 Seiten starke Werk von Josef Himmelsbach "Geschichte des Marktfleckens Seelbach", das bis zur Stunde immer noch die Hauptunterlage aller weiteren Nachforschungen geblieben ist.
 

In ihm wird verlautbart, daß zur Zeit der Herren von Lützelhard nicht diese, sondern die Äbte des Klosters St. Georgen im Schwarzwald die Patronatsrechte über die Seelbacher Pfarrei ausübten. Das ist sehr verwunderlich, denn den Geroldseckern war dieses Privileg noch bis um das Jahr 1400 verwehrt. Der Streit um das Kirchenpatronatsrecht währte über zweihundert Jahre. Ihm ist aber die erste urkundliche Erwähnung Seelbachs zu verdanken.



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Die Hammerschmiede im Litschental

 
Hier im Litschental jedoch arbeitet Hammerschmiedemeister Ludwig Fehrenbach nach wie vor unverdrossen und täglich in seiner rauch- und rußgeschwärzten SchmiedewerkstätteMit der Hammerschmiede im Litschental verbinden mich ein ganz persönliche Erlebnisse. Bereits mit acht / neun Jahren zog ich mit dem Turnverein Lahr an Samstagen zu Fuß und mit Spaten "bewaffnet" ins Litschental, um Dort unter Anleitung der Turnlehrer Alexander und Preikschat zusammen mit meinen Kollegen Plateaus für ein Sommer-Zeltcamp in den Hang zu graben. Zur Feier des Tages gab's im Schwert beim Bruder des Schmieds ein Bauervesper und bei dem langen Arbeitsweg und harter Arbeit war der Appetit groß. Die Blut- und Leberwurst mit Bauernbrot schmeckten köstlich, weshalb ich mich gerne an die Tage erinnere. 

Schmiedemeister Ludwig Fehrenbach lernte ich bei der Arbeit kennen. In der Kunstschmiede meines Onkels "genoss" ich inoffiziell eine Ausbildung im Schmiedehandwerk, die bereits in meinem elften Lebensjahr - Kinderarbeit fragen Sie sich? Ja, Kinderarbeit war da und es ging "richtig um Geld" - gegonnen hatte und parallel zu meiner "offiziellen" Ausbildung zum Maschinenschlosser weiter lief.

Wir hatten einen Großauftrag aus der Schweiz und keinen mechanischen Hammer - ein Hydraulikhammer sollte später angeschafft werden - und so bot sich Ludwig Fehrenbach mit seinem wassergetriebenen mechnischen Hammer an. Herr Fehrenbacher unterwies mich persönlich im Umgang mit dem zentnerschweren Hammer und ich arbeitete einige Zeit in der Hammerschmiede im Litschental.

Dennoch lasse ich hier gerne Willi Hensle mit seiner historischen Betrachtung der Litschentaler Hammerschmiede zu Wort kommen und "lasse beim Lesen die Erinnerungen schwelgen":

Hensle, Willi: Verstummen die Hämmer im Litschental? (Geroldsecker Land, Heft 14 - 1972) Seite 60 - 64

Wer heute durch das Deutsche Museum in München einen informierenden Gang unternimmt, wird dort in einem der vielen Räume, in denen wir die Entwicklung der Technik, insonderheit unserer deutschen Industrie verfolgen und nachzeichnen können, eine alte, originale Schwarzwälder Hammerschmiede vorfinden, eine Sensenschmiede, wie sie im Jahre 1803 ausgesehen hat. Nüchtern konstatierend wird der aufgeschlossene Betrachter sich dabei sagen, daß diese Schwarzwälder Schmiede der Vergangenheit angehört und zu Recht im Museum aufgehoben ist, um eine reale Vorstellung ihrer Arbeitsweise der Nachwelt zu erhalten. Vielleicht aber mag der interessierte Museumsbesucher sich auch fragen, ob in unserer technisch so fortgeschrittenen und automatisierten Zeit es Ähnliches auch heute noch und in Wirklichkeit gibt!

In der Tat kann ein aufgeschlossener Wanderer oder interessierter Kurgast auf seinen Wegen durch unseren heimatlichen Raum erkennen, daß es Derartiges in entlegenen Teilen unseres Schwarzwaldes noch zu entdecken gibt. Das, was man in München als museales Schaustück aus dem Jahre 1803 in die Demonstrationsreihe dieses technischen Archivs hineingestellt hat, steht und arbeitet noch im mittleren Schwarzwald, gar nicht weit von unserer Kreisstadt Lahr entfernt. Durch das untere Schuttertal führt der Weg in den alten, historischen Marktflecken Seelbach; und nicht mehr weit ist es dann zur historischen Hammerschmiede im einsamen Litschental.

Weit verstreut und auseinandergezogen liegen die großen Einzelhöfe der Bauern in diesem echten, stillen und malerischen Schwarzwälder Tal, von verhältnismäßig steilen Berghängen eingesäumt, und ducken sich an die sanft auslaufenden Hänge oberhalb der Talsohle, in der sommers die Felder und Fluren in saftigstem Grün stehen. Bei sommerlicher Hitze sieht man hier noch ab und zu die Frauen ihre Feldarbeiten in der alten 'Schindelkappe' verrichten, einer leinenen Kopfbedeckung, die Kopf und Hals vor den sengenden Sonnenstrahlen schützt, dem Nacken der in Schweiß gebadeten, schaffigen Frauen aber durch ihre federleichte Holzschindelmachart eine viel größere und bessere Frischluftzufuhr vermittelt, ja geradezu zufächelt, anders als ein modernes Kopf- oder Halstuch zum Schutz es je vermag.

Durch das reizende Litschental, in dem mit Wegekreuzen und Kapellen so manch alte volkskundliche Kostbarkeiten noch anzutreffen sind, zieht ein kleiner Wasserlauf talabwärts, der aber doch und stets soviel Wasser führt, daß tagaus tagein die alte Hammerschmiede betrieben werden kann. Von dieser Schmiede weiß die Volksüberlieferung, daß sie einstens den Herren dieses Raumes, die in mittelalterlicher Zeit auf dem hohen Porphyrkegel zwischen Rhein- und Kinzigtal ihren Burgensitz hatten, als Waffenschmiede gedient habe. Diese Grafen von Hohengeroldseck waren, wie die Historie sattsam berichtet, streitbare, sehr rauflustige Herren gewesen, die im 15. und 16. Jahrhundert sich sogar haben verleiten lassen, an Raufhändeln und Raubritterfehden teilzunehmen, wofür sie vom Bischof von Straßburg und den Straßburger Bürgern, im Auftrag des Kaisers auch vom Pfälzer Rheingrafen hart bestraft wurden. Kein Wunder, wenn diese kampflustigen Herren von Hohengeroldseck eine eigene Schwertschmiede auf ihrem Territorium benötigten, um ihren vermehrten Waffenverschleiß durch immer neue Waffen und neues Kriegsgerät zu ersetzen. Historisch wie romantisch verklärt finden wir daher im Geroldsecker Land als technische Seltenheit und Kostbarkeit diese uralte Geroldsecker Schwertschmiede. Sie ist wohl eine der ältesten Hammerschmieden im ganzen Schwarzwald und neben der Klopfschmiede im breisgauischen Bollschweil wohl noch die einzige, in der tatsächlich nach alter Art noch gearbeitet wird; denn vor wenigen Jahren stellte eine Hammerschmiede bei Pforzheim ihren Betrieb ein, und auch die Schmiede bei Kappelrodeck im oberen Achertal wurde aufgelassen und ihr Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.

Der kleine Litschenbach treibt die HämmerHier im Litschental jedoch arbeitet Hammerschmiedemeister Ludwig Fehrenbach nach wie vor unverdrossen und täglich in seiner rauch- und rußgeschwärzten Schmiedewerkstätte, genau so, wie es ihm vor mehr als zweihundert Jahren seine Vorväter vorgetan und überkommen haben. Doch es dürfte die Zeit abzusehen sein, in der auch in diesem niederen Raum das donnernde Pochen und laute Klopfen der Schmiedehämmer verstummt und keine hellen Funken mehr durch das dämmerige Dunkel hindurch sprühen und verglühen. Werden Meister Fehrenbachs Söhne des Vaters herbes Werken und Schaffen weiterführen? Das ist bei der heutigen technischen Entwicklung kaum anzunehmen! Wohl wurde seit langen Jahrzehnten die alte Waffenschmiede der einstigen Geroldsecker Herren nicht mehr dazu benutzt, wehrhafte, dem Nahkampf dienende Lanzen und Schwerter zu fertigen; vielmehr wurden landwirtschaftliche Gebrauchsgeräte wie Hacken, Hauen und Harken unter dem lauten Klopfhammer hergestellt. Und unwillkürlich fragt man sich, ob die derart individuelle Handarbeit eines Einzelnen gegenüber dem ungeheuren Massenangebot der industrialisierten Wirtschaft von heute sich noch behaupten kann. Erstaunlich ist es, daß in der von einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft stark geprägten Oberrheinland- und Schwarzwaldvorbergzone noch immer eine gewisse Nachfrage nach den Qualitätserzeugnissen unseres Hammerschmiedes besteht, der seine Werkstücke mit dem eigenen Gütezeichen versieht, wenn er ihnen sein vierblättriges Kleeblatt aufhämmert.

Die vielfältigen landwirtschaftlichen Kleinbetriebe hierzulande, bei denen man derzeit von der Landwirtschaft allein nicht mehr lebt und leben kann, haben je nach ihrem Landschaftszipfel gerade bei Acker- und Feldgeräten ihre Besonderheiten, an denen in konservativer Weise von den Ackersleuten und Bauern festgehalten wird. Da der Kleinmengenbedarf und die so vielfältigen Modelle und Arten von Hacken, Harken und Karste - da gibt es die Kaiserstühler Hacke, die Oberländer Form, das Hanauer Modell usw. - die Herstellung in einem industriellen Großbetrieb nicht lohnen, erhält Schmiedemeister Fehrenbach, der letzte seiner Art im Schwarzwald, doch immer wieder Aufträge; aber Arbeit und Aufträge werden weniger, weil die Geräteindustrie, von der fortschreitenden Flurbereinigung gefördert, motorgetriebene Hacken und Fräsen weiter entwickelt und auch die chemische Industrie mit ihren Unkrautvertilgungsmitteln dem Bauern und Gärtner Mittel zur Verfügung stellt, die das mühselige Hacken und Harken mit der Hand großteils erübrigen. Daher muß Meister Fehrenbach um seiner Existenz willen auf andere handgeschmiedete Arbeitsobjekte sinnen und kehrt in seinem handwerklichen Können zu dem zurück, was die Vorgänger vor langen Jahrzehnten, ja Jahrhunderten in der Schwertschmiede einst gehämmert haben, wenn er Krummsäbel und Hellebarden schmiedet, die sich über dem modernen Kaminfeuer einer Großvilla prächtig ausmachen mögen.

Erich Emil Reiser: Das uralte Hammerwerk im Litschental arrowRight

Niedrig und geduckt steht die alte Hammerschmiede am rechten Berghang des Litschentales und reicht mit der hinteren Traufseite herunter bis zur Erde. Aus einem Stau fließt das Wasser aus einem gezimmerten Zulauf zum Mittelteil des Gebäudes, in dem sich gleich drei Wasserräder befinden, verschieden an Größe und Kraft, verschieden aber auch in ihrer Zweckbestimmung. Gleich unterhalb des hinter dem Haus angelegten Brandweiherüberlaufs betreibt deren kleinstes Rad oberschlächtig das Gebläse der Schmiedeesse. Aus der Traufhöhe stürzen die Wasser aus der gezimmerten Zulaufrinne auf ein zweites mittelgroßes Rad und setzen die Pochhämmer in Bewegung. Ein drittes Wasserrad, an die fünf Meter messend, ist dazu bestimmt, den schweren, überdimensionalen Schleifstein für die Nach- und Polierarbeiten in Gang zu bringen.

Die Schmiede selbst besteht aus einem Gemäuer, das durch die Jahrhunderte wirklich viele Stürme hinter sich gebracht hat. Da es teils im Wasser steht, teils von den rauschenden, überfließenden Wassern durchnäßt wird, hat es in besonders frostkalten Wintern allerlei auszuhalten gehabt und weiterhin auszuhalten und bereitet immer wieder aufs neue rechte Sorgen. Vielleicht erleben wir beim Betreten der Schmiede den Meister, einen Hammerschmied aus Leidenschaft, wie er an der Esse vorbereitete Eisenstücke im Feuer zur Weißglut erhitzt. Wenn er nun gleich den schweren Pochhammer an das Triebwerk anschließt, gibt es hier ein ohrenbetäubendes Lärmen und Klopfen, unter dem der Boden erzittert, wenn der Hammer, an einem langen Hammerbalken befestigt und mittels einer Zapfwelle durch den Wendelbaum immer wieder gehoben, auf den granit-nen Hammerstock herunterschlägt, in den ein stählerner Aufschlag wie ein Amboß eingelassen ist. Die ganze Vorrichtung, von mächtigen Eichenstämmen rechts und links zusammengehalten, ist für den Betrachter letztlich doch eine treffliche, wenn auch einfache Mechanik, eine Bastelarbeit, wie sie eben ein Schwarzwälder Sinnierer- und Mechanikerhirn nur hat erfinden können. Wenn also die Hämmer angeschlossen werden und der Schmied mit einer Zange das zu einer Harke oder einem Karst bestimmte glühendheiße, glühendrote Eisen auf den Hammerstock auflegt und es mit einer Wendigkeit, einer Fixigkeit ohnegleichen dem Klopfrhythmus entsprechend hin und her bewegt, um und um dreht, dann schlägt und donnert der Streckhammer auf das glühende Metall, daß in dem rußigschwarzen Raum die Funken nur so stieben. Der Schmied läßt den Streckhammer

so lange auf das Werkstück schlagen, bis es zu einer harkenstarken Eisenplatte dünngehämmert ist. Auf solche Art und Weise ist es möglich, stärkstes Eisen zu dünnsten Platten so zusammenzuhämmern, wie Sicheln oder Sensen es verlangen. Das abschließende Zuschleifen und Aufpolieren der derart roh hergerichteten Stücke, die feine Nacharbeit also, vollzieht sich an dem großen Schleifstein in einem Nebenraum. Diese nicht sonderlich feine Arbeit geschieht im Sitzen oder Stehen und zählt zu den schwersten körperlichen Arbeiten überhaupt; früher wurde sie sogar im Liegen durchgeführt. Keine Überlöhne locken heute einen Arbeiter mehr hierher an den Schleifstein. Kein Fabrikarbeiter drängt sich mehr in eine Hammerschmiede zu solchem Werken, das neben Hingabe an den Beruf und seine Arbeit Idealismus und Traditionsbewußtsein verlangt. Für seine Person wenigstens besitzt Meister Fehrenbach noch einen solchen Idealismus, das uralte Handwerk seiner Vorfahren zu erhalten und weiter zu pflegen. So erleben wir in der Fehrenbachsippe die letzten Hammerschmiede, die hier im Schwarzwald noch in der Arbeit stehen und auf eine jahrhundertealte, familiengebundene Berufstradition zurückblicken können als letzte und einzige Träger dieses bald erloschenen Berufes. Vor mehr als zweihundertundfünfzig Jahren kamen die Fehrenbachleute einstens aus Sankt Peter von hoch droben im Wald hierher und betreiben seither die damals erheiratete und vom Vater jeweils auf den Sohn vererbte Hammerschmiede im Litschental. Schon so manches Unheil ist seitdem über die Familie gekommen: an Gut und Blut haben das Handwerk, die Hämmer, vor allem der große Schleifstein ihre Opfer gefordert. Aber immer ging um des täglichen Brotes willen die harte Arbeit weiter. In ihrer Einmaligkeit steht auch die Litschentäler Hammerschmiede heute unter Denkmalschutz. Das dafür zuständige südbadische Denkmalamt hat sich vorgenommen, nicht wie in München im musealen Raum eine solch alte Hammerschmiede der Nachwelt nur zu zeigen; vielmehr will man die Schmiede mitten in ihrer Landschaft betriebsbereit erhalten, um dartun zu können, wie sie ausgesehen hat und unter welchen Arbeitsbedingungen und Arbeitsvoraussetzungen der Mensch einstens in ihr arbeiten mußte.

Wahrlich, mancher Wanderer und Erholung suchende Fremde entdeckt im Vorbeigehen die rauchgebeizte, uralte Schmiede in der stillen, abgelegenen Landschaft des Litschentales und bestaunt vielleicht den rußgeschwärzten Hammerschmied und den Höllenlärm seiner klopfenden Hämmer wie Überbleibsel aus vergangenen Zeiten.
 

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Hammerschmiede - Museum - Lahr-Reichenbach


Hammerschmiede - Museum in Lahr-ReichenbachDie Reichenbacher*innen sowie die Sponsoren mögens verzeihen, dass hier die regionalen Verhältnisse "verrückt" werden. Zwar werden Eigentums- und geographische Fakten auf dem Ortenauer prinzipiell gewürdigt. Ab und an soll eine technische oder optische Finesse erlaubt sein, damit ein flüssiger Ablauf des Webseitenbesuches gelingt.

Deshalb zur korrekten Einordnung: Die Hammerschmiede Reichenbach nebst Museum steht auf der Gemarkung Reichenbach im Besitz der Stadt Lahr und gehört damit selbstverständlich zur Kommune Lahr, wenngleich diese hier auf der Übersichtskarte Seelbach präsentiert wird.

Die Hammerschmiede war uns lange vertraut. Auf dem Weg in's Schuttertal an sonnigen Wochenenden mit unseren Kindern, machten wir regelmäßig Halt an der Hammerschmiede, um die Baulichkeiten zu sehen und vor allem dem Fließwasser zuzuschauen, bevor es in der Schindel-Stube einen "Bibiliskäs" zu Butter und köstlichem Bauernbrot gab.

Gerne trank ich dort auch einmal ein Krüglein "Moscht" (Apfelwein), dessen herbfein säuerlicher Geschmack - zugegeben - nicht jedermanns Geschmack ist.

Immerhin ein gutes Getränk, welches gerade in der Hitze - wenn's nicht zuviel davon gibt - eine wohltuende Wirkung auf die trockene Kehle ausübt.

Lassen wir Konrad Schneider zu Wort komen, der im Heimatbuch Reichenbach einen chronologische Einblick zur Hammerschmiede, der heutigen Schmiede und Museum gibt:

Konrad Schneider - Heimatbuch Reichenbach 2014 - Seite 43 ff

Die Schmiede-Werkstätten

Die ersten Werkzeuge, die der Mensch benutzte, waren aus Stein. Stein war hart genug, um ein anderes Werkstück zu verformen. Später lernte man verschiedene Metalle kennen, die ihrer Eigenschaften wegen leichter zu handhaben waren. Man kennt die Bronzezeit und die Eisenzeit, zwei Zeitalter, in welchen der Mensch gefundene Erze erkennen konnte und auch lernte, diese zu bearbeiten. Das aus dem Erz gewonnene Eisen wurde zum stabilsten Material, das in allen Lebensbereichen verwendet werden konnte. Es wurde zu Haushaltsgegenständen, Waffen und Werkzeugen, aber auch zu Zierrat und Schmuck verarbeitet. Es erfordert Wissen und auch Geschicklichkeit, das Roheisen zu bearbeiten.

Auch in Reichenbach gab es immer Schmiedewerkstätten, wobei bei manchen der Ursprung nicht aufgeklärt werden kann. So wird 1729 bei einem Heiratseintrag ein "Schmied Jakob Mayer im Gereut" genannt. Näheres wird von ihm nicht berichtet. Dabei könnte es sich durchaus um einen Hofschmied gehandelt haben, der bei einem Hofbauern Geräte und Werkzeuge wartete und natürlich auch als Hufschmied tätig war. Ob dieser Schmied in Verwandtschaft steht zu dem damaligen Schmied der Geroldsecker Waffenschmiede im Litschental, Michael Mayer, kann nur angenommen werden.

Die Hammerschmiede

Hammerschmiede Lahr ReichenbachUm die gleiche Zeit - sicher vor 1730 - wurde die Hammerschmiede an der Schutter errichtet; sie war wohl die größte Schmiede in Reichenbach. Schon immer wird sie in Urkunden des Grundbuches als Hammerschmiede mit Schleifmühle und Gerstenstampfe bezeichnet. Die Wasserkraft wurde also nicht nur zum Antrieb der Schmiedehämmer benutzt, sie wurde auch zum Antrieb des Schleifwerks zum Schärfen oder Glätten der erstellten Werkstücke in Anspruch genommen oder um die Gerstenstampfe mit grobem Mahlwerk für Getreide in Betrieb zu setzen.

Die Hammerschmiede ist mit einem unterschlächtigen Mühlrad versehen, da heißt die Schaufeln des Mühlrades ragen in den Wasserlauf des Mühlkanals hinein. Durch Hebelbetätigung kann das Hammerwerk aktiviert oder abgeschaltet werden. Die Reichenbacher Hammerschmiede zeichnet sich aus durch drei verschieden große Schmiedehämmer. Dort wurden vor allem Werkzeuge des alltäglichen Gebrauchs wie Äxte, Beile, Hacken und andere Geräte für den allgemeinen Bedarf hergestellt. Jede Hammer-Schmiede hat ihr eigenes, einmaliges Markenzeichen zur Kennzeichnung der Werkstücke, die dort angefertigt wurden. Für unsere Hammerschmiede gilt als Kennung eine geschlossene Schmiedezange.

Erster nachgewiesener Hammerschmied war Johann Michael Freund, der am 5. März 1737 verstorben ist. Sein Sohn Franz Karl Anton Freund übernahm die Schmiede. Er heiratete 1753 Maria Anna Wacker, verstarb aber schon nach zehnjähriger Ehe. Die zweite Ehe der Maria Anna Wacker währte nur ein Jahr und sie ging cine dritte Ehe mit Michael Hauri ein, einem Hammerschmied aus Kirchzarten. Dieser führte die Hammerschmiede mehr als 25 Jahre weiter. Michael Hauri war es, der 1763 für die damals im Bau befindliche Kirche in Meißenheim in der Hammerschmiede das Turmkreuz herstellte. Das Erbe seines Vaters übernahm Michael Freund etwa 1792. Im gleichen Jahr heiratete er die Tochter des Hammerschmieds im Litschental, Anna Fehrenbach. Diese Ehe dauerte 17 Jahre und dic hinterbliebene Witwe nahm sich den Hammerschmied Johann Michael Wild aus St. Trudpert zum Ehemann. Er führte das Geschäft in der Hammerschmiede fort und übergab 1835 das gesamte Anwesen, Schmiede mit sämtlichem Zubehör, Schleifmühle und Gerstenstampfe, Haus und beträchtliche landwirtschaftliche Flächen, an den jüngsten Sohn aus erster Ehe seiner Frau, an Johann Baptist Freund "zu unwiderruflichem Eigentum". Johann Baptist Freund betrieb mit seiner Ehefrau Theresia Seeholzer aus Kappelrodeck, der Tochter des dortigen Hammerschmiedes, die Reichenbacher Hammerschmiede und die Landwirtschaft. Die bei der Übergabe übernommenen Verpflichtungen und Schulden konnten bald nicht mehr bedient werden und so kam es 1847 zur Zwangsversteigerung. Somit verlor nach mehr als 110 Jahren die Familie Freund auf tragisch Weise das Eigentumsrecht an dieser Reichenbacher Werkstatt.

Die Hammerschmiede mit Zubehör, Wohnhaus und wenige Ländereien gingen durch Zwangsversteigerung in den Besitz des Reichenbacher Schmiedemeisters Claudius Feißt und dessen Mitbieter Fricdrich Meurer aus Lahr über. Schon bald veräußerte Meurer seine Anteile an den Miterwerber Claudian Feißt, der dadurch alleiniger Besitzer wurde. Durch kluges Handeln brachte er es zu großem Ansehen und Vermögen. Er war zweimal verheiratet, und als er 1860 starb, hinterlicß er mit der Witwe auch mehrere unmündige Kinder. Die Erben und die Vormünder der Kinder einigten sich 1862 zu "einer öffentlichen Versteigerung wegen Unteilbarkeit und Erbteilung" der Güter. Dabei erhielt der älteste Sohn des Claudian Feißt, der gerade 22-jährige Hammerschmicdemeister Joscf Feißt, den Zuschlag als neuer Besitzer für Schmiede, Wohnhaus und cinen kleinen Teil landwirtschaftlichen Geländes. 1864 räumte er sciner Stiefmutter für immer und allen seinen Geschwistern und Stiefgeschwistern ein Hausrecht bis zu deren Volljährigkeit ein. Die Hammerschmicde übergab er 1899 an seinen Sohn Wilhelm August Feißt, ebenfalls Hammerschmiedemeister. Josef Feißt war von 1883 bis 1894 auch Bürgermeister in Reichenbach gewesen.

Auch der neue Besitzer der Hammerschmiede war zweimal verheiratet. Nachdem Wilhelm August Feißt 1935 verstorben war, übernahmen die Witwe, Karolina geb. Schüle, und die Kinder aus beiden Ehen die Hammerschmiede in Erbengemeinschaft. Diese währte solange, bis auch die zweite Ehefrau des Wilhelm August Feifst verstorben war, was zur Folge hatte, dass sich die Erben neu organisieren mussten. Es war schwierig geworden, eine Hammerschmiede zu führen, denn Gegenstände des täglichen Bedarfs wurden industriell in großen Mengen zu weit günstigeren Preisen gefertigt und angeboten. So kam es, dass nicht alle Geschwister ihren Lebensunterhalt in dieser Werkstatt finden konnten. Einige hatten andere Berufe oder suchten sich einen Arbeitsbereich außerhalb Reichenbachs. In den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts kam es zur Liquidation des Geschäfts und die Schmiede verfiel.

Idealismus und Wagemut ließen am Ende des vorigen Jahrhunderts in diesem Anwesen ein beachtliches kleines handwerkliches Museum entstehen, getragen vom Schwarzwaldverein Reichenbach. Viele heimatliche Veranstaltungen wie gemeinsames Liedersingen oder Musikabende, auch Treffen von Wanderfreunden und vieles mehr werden über das ganze Jahr dort angeboten, oft auch verbunden mit Schmiedevorführungen, welche das Interesse vieler Reichenbacher Bürger finden. In neuerer Zeit wurde auch ein kleines Bienenmuseum angegliedert.

Nachfolgender Text ist vollständig der Webseite von Hammerschmiede und Museum entnommen:

Die Besitzverhältnisse der Hammerschmiede können bis in das Jahr 1730 zurück verfolgt werden. Der Stadt Lahr gehört die historische Anlage seit 1978. Drei Jahre später wurde sie umfangreich renoviert und als kulturgeschichtliche Denkmalstätte, wie man sie heute vorfindet, ihrer Bestimmung übergeben. Seit 1997 wird die Hammerschmiede vom Schwarzwaldverein betreut.

Mit großem Engagement, viel Liebe und Zeitaufwand wurde die Hammerschmiede zu einem historischen Schmuckstück ausgebaut. In eindrucksvollen Führungen wird den Besuchern die Funktionsfähigkeit der Anlage dargestellt.

Der Schwarzwaldverein lädt ein zur einer Reise in die Vergangenheit. Bei der Besichtigung der Hammerschmiede, einem Rundgang durch das Heimatmuseum im Dachgeschoß und durch den Bienengarten mit Bienenhaus kommen die Besucher mit fast 280 Jahren Geschichte dieser Region in Berührung.

Auf dem Areal der Hammerschmiede haben wir unterschiedliche Abteilungen und Angebote, die im Folgenden beschrieben werden.

Heimatmuseum

Das Heimatmuseum befindet sich im Dachgeschoss über der Hammerschiede. In zehn Abteilungen befasst es sich mit dem Alltagsleben auf dem Dorf, indem es alte, zum Teil nicht mehr ausgeübte Handwerksberufe vorstellt - wie zum Beispiel den Schindelmacher. Lange Jahre war die Zigarrenherstellung für viele Frauen in Reichenbach ein wichtiger Erwerbszweig. Und natürlich wird auch die frühere bäuerliche Ausstattung von Haus und Hof und die Arbeit in der Landwirtschaft aufgezeigt. Besucher erleben bei einer Führung durch das Heimatmuseum die Alltagswelt auf dem Dorf, wie sie sich etwa zwischen 1860 und 1960 dargestellt hat. Im Treppenaufgang von der Schmiede zum Museum wird die Geschichte des Bergbaus bei Reichenbach aufgezeigt, in Vitrinen ist die Schuttertäler Tracht zu sehen und historische Fotos führen zurück in die Zeit vor rund 100 Jahren.

Bienengarten

Seit 2007 gibt es auf dem Gelände der Hammerschmiede einen Bienengarten. Unsere erfahrenen Imker erklären die Entwicklung und das Leben der Bienen und der Bienenhaltung. An der mächtigen "Klotzbeute" kann man die Bienen ein- und ausfliegen sehen. Am Schaukasten ist es besonders für die Kinder beeindruckend zu sehen, wie der Imker in dichtem Gewusel immer die Königin ausmachen kann. Mit dem Wildbienenstand soll dargestellt werden, wie man mit einfachen Mitteln einen Beitrag zum Naturschutz betreiben kann.

Der Schwarzwaldverein Reichenbach informiert interessierte Besucher des Bienenmuseums und -gartens über die Lebensweise, artgerechte Haltung und Bedürfnisse der Bienen. Dabei wird nicht nur auf die Honigbienen eingegangen, sondern auch auf die Wildbienen und deren große Bedeutung für unser Ökosystem. Nach einem großen "Bienenhotel", das schon seit Jahren zur Ausstattung des Bienengartens gehört, zeigen wir jetzt auch mit einem Blühstreifen die Möglichkeit, wie einfach auf einer Wiese oder im eigenen Garten der Lebensraum für die Wildbienen verbessert werden kann. Der Blühstreifen wurde Ende April 2020 mit der zertifizierten Mischung (Schmetterlings- und Wildbienensaum) der Firma Rieger-Hofmann angelegt. Den Samen bezogen wir über die Organisation Blühender Naturpark Schwarzwald Mitte. Ergänzt wird der Blühstreifen durch einen vom Bau- und Gartenbetrieb der Stadt Lahr gesetzten Bienenbaum (Tetradium danielli), der besonders im Spätsommer mit viel Pollen und Nektar Wild- und Honigbienen anzieht und gut versorgt. Die Aktion Blühstreifen und den Bienenbaum wurde vom Bienenverantwortlichen des Schwarzwaldvereins Reichenbach Hermann Kleinschmidt organisiert.

Dorfdreschmaschine

Bis in die Mitte der 1960er Jahre war die Dreschmaschine die einzige Möglichkeit für die kleineren Bauern im Dorf ihr Getreide zu dreschen. Die Dreschmaschine bei der Hammerschmiede in Reichenbach wurde von der Firma Badenia in Weinheim hergestellt. Vermutlich handelt es sich dabei um dieselbe Maschine, die im Jahr 1899 von den Brüdern Alois und Xaver Benz, Sägemühle in Kuhbach, zum Preis von 3300 Mark erworben wurde. Viel spricht dafür, dass diese Maschine um das Jahr 1913 nach Reichenbach verkauft wurde. Im Feuerversicherungsbuch der Gemeinde Reichenbach findet sich für das Jahr 1913 der Hinweis auf einen Umbau (Dreschschopf) an der Hammerschmiede, wo dann eine Dreschmaschine aufgestellt wurde.

Man erinnert sich noch heute daran, dass zur Erntezeit die Fuhrwerke der Bauern in einer langen Reihe teilweise bis hoch zur Hauptstraße aufgereiht standen. Teilweise standen die Fuhrwerke auch über Nacht auf dem Zufahrtsweg, da bei Hochbetrieb fast rund um die Uhr gedroschen wurde. Manche Anekdoten erzählt man sich, wie man sich damals die lange Zeit des Wartens vertrieben hat. Nach jahrelangem Dornröschenschlaf, auch noch nach der Übernahme des Areals Hammerschmiede zur Nutzung durch den Schwarzwaldverein, wurde die Dreschmaschine vom Schwarzwaldverein Reichenbach im Jahr 2008/2009 in mühevoller Kleinarbeit von Alfred Schmieder, seinem Sohn Daniel und Wilfried Frank hergerichtet. Sie ist wieder funktionsbereit, am Denkmaltag im September wird die Dreschmaschine auch immer wieder mal vorgeführt.

Fahrbare Holzsäge

Bis in die 1960er Jahre fuhren Lorenz Rappenecker und sein Sohn Karl mit ihrer selbstfahrenden Holzsäge durch das Dorf um bei den Reichenbachern das Brennholz zu sägen und auch zu spalten. Wann die Holzsäge gebaut wurde ist nicht bekannt. Der Motor ist Baujahr 1933. Die Holzsäge ist Luftbereift, ursprünglich hatte sie aber andere Achsen mit Eisen-/Holzräder. Sie wurde von den Besitzern mehrfach umgebaut. So wurde z. B. der Spalter erst später angebaut. Die Holzsäge stand viele Jahre ungenutzt und funktionsunfähig auf dem Areal Hammerschmiede. Nach jahrelangem Dornröschenschlaf wurde die Holzsäge vom Schwarzwaldverein Reichenbach im Jahr 2006 übernommen in mühevoller Kleinarbeit von Alfred Schmieder und seinem Sohn Daniel wieder hergerichtet. Sie ist funktionsbereit und steht seit 2008 auf dem Gelände der Hammerschmiede unter einem Schutzdach. Am Museums- und Denkmaltag wird die Säge auch vorgeführt. Über ein Kuriosum ist aus den Jahren 1957/1958 zu berichten. Damit beim Bau der Marienkapelle am Eichberg die vielen freiwilligen Helfer auch am Abend und z. T. bis in die Nacht arbeiten konnten, hatte "d'Holzsäger" auf seiner Holzsäge einen Generator montiert, damit wurde die Baustellenbeleuchtung mit Strom versorgt.

Holzarten-Lehrschau für heimische Hölzer - Von der Eiche bis zur Kiefer

In der Holzarten-Lehrschau können die Besucher mehr über die heimischen Holzarten erfahren. Es sind insgesamt 18 Holzarten ausgestellt. Die Idee war, dass die Stämme, die der heimische Wald bietet, an dem Unterstand ausgestellt sind. Dabei können die Stämme wie ein Buchdeckel aufgeklappt werden, so dass man den Querschnitt des Baumes sieht. Außerdem ist auf kleinen Schautafeln einiges über die Bäume aufgeschrieben. Die Holzarten-Lehrschau wurde 2003 von ehrenamtlichen Helfern des Schwarzwaldvereins Reichenbach erstellt.

Kontakt

Hammerschmiede
Schindelstraße 8/1
77933 Lahr-Reichenbach

Schwarzwaldverein Reichenbach e.V.
Vorsitzender Helmut Schlitter
Im Hagenbüchle 9
77933 Lahr-Reichenbach

Führungen können Sie vereinbaren mit Herrn Edgar Basler:  telefon 07821-77281 (AB), email

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Die Burg Hohengeroldseck


Hohengeroldseck auf dem Schönberg bei SeelbachMeinen ersten "Marsch" zur Geroldseck machte ich an der Hand meines immer geliebten Großvaters, der jeden Baum, jeden Strauch und jeden Pilz auf dem Weg spannend zu erklären wusste, wodurch die Zeit "wie im Fluge" verging. Dies war noch vor meinem Schulantritt und ist heute für einen "Lausbuben" in diesem Alter - so glaube ich jedenfalls - nur noch schlecht vorstellbar.

Die Wanderung startete beim Lahrer Krankenhaus und führte hinauf zum Pipelestein. Bereits auf dem Pipelestein gab's einen leckeren Apfel zur Stärkung auf dem kommenden Weg.

Vorbei am Soldatengrab, wo Opa kurz innehielt (er hatte an beiden Weltkriegen teilgenommen) und weiter zur Tafeltann. Dort wurde gevespert. Wie immer hatte Opa ein ordentliches Stück Speck samt "Speckbrättli und Sackmesser" dabei; dazu einen "Rampen" Sauerteigbrot - schmeckte herrlich.

Weiter führte der Weg vorbei an der Juliushütte zum Rauhkasten. Mittlerweile hatte ich die eine oder andere Baumart kennengelernt und Opa spielte einen kleinen Quiz mit mir: er erklärte mir eine Baumart und sobald ich diese Baumart auf dem Weg wieder erkannte gab's ein "Gutsele" (Bonbon). Damit war meine Aufmerksamkeit nicht auf das anstrengende Wandern gerichtet sondern auf die Vielfalt der Natur. Mein Großvater verstand sein Handwerk - er war ein guter geduldiger Lehrer.

Schließlich hatten wir den Weg nach, wie ich mich erinnere so vier bis fünf Stunden geschafft und auf der Burg erzählte mir Opa von der Herrschaft der Geroldsecker. Diese Herrschaft lasse ich Dr. Heinrich von Lersner weiter unten erklären, weil er's besser kann. Zunächst stellt sich allerdings die Frage, ja und ging's nach der Geroldseck zurück? Überhaupt nicht. Großvater war immer für eine Überraschung gut. Der Sodhofwirt - ich glaube Karrle, auch wenn es eine gleichlautende Gaststätte in Seelbach gibt - war ein Kriegskamerad von Opa und hatte in seiner Kammer bereits ein Bett für uns bereit. So ging's noch etwa zwei Stunden leichten Wegs zum Sodhof hinüber und tags darauf holte uns Hans (ein Großcousin) mit seinem VW-Käfer für den Weg nach Hause ab.

Die Herrschaften von Hohen Geroldseck (wikipedia)

Die Herren von Geroldseck

Wappen von GeroldseckDie Burg wurde in den Jahren 1240 bis 1250 auf dem Schönberg von Walter I. von Geroldseck als Stammburg der Herren von Geroldseck erbaut und bildete zwischen der Landesteilung 1277 und dem Ende der Geroldsecker Herrschaft 1634 den Mittelpunkt der „Oberen Herrschaft“ Hohengeroldseck. Das Gebiet der oberen Ortenau war ab 1277 in der Hand der Nachkommen Walters von Geroldseck und umfasste die Herrschaften Lahr, Mahlberg, Schiltach sowie Kloster Schuttern und Kloster Ettenheimmünster. Ebenfalls im Besitz der Herren von Geroldseck war die Landvogtei zu beiden Seiten des Rheins von Basel bis Seltz. Für 30.000 Gulden kaufte Markgraf Jakob I. von Baden 1442 von den Nachkommen Walters von Geroldseck die Hälfte der Herrschaft Lahr und Mahlberg. 1486 wurde die Burg von Pfalzgraf Philipp erobert und blieb bis 1534 bei der Kurpfalz. Der kurpfälzische Geschützmeister Martin Merz leitete 1486 die sechs Wochen andauernde Beschießung. 1599 verlegten die Geroldsecker ihre Residenz in das zum Renaissanceschloss umgebaute Schloss Dautenstein im nahen Seelbach.



Der Graf von Kronberg 1636–1692


Wappen von KronbergAnna Maria von Hohengeroldseck († 1649) war nach dem Tod ihres Vaters Jakob von Hohengeroldseck († 1634) die einzige Erbin derer von Geroldseck. 1644 wurde sie mit Markgraf Friedrich V. von Baden-Durlach verheiratet. Die Habsburger betrachteten die ganze Herrschaft Hohengeroldseck als an sie zurückgefallenes Lehen. Sie ignorierten die Ansprüche der Erbin auf darin enthaltenes Allodialgut und belehnten 1636 den noch unmündigen Kraft Adolf Otto Graf von und zu Kronberg[1] mit Burg und Herrschaft, da Kaiser Ferdinand II. dessen Vater Adam Philipp das Lehen bereits 1620 zugesagt und 1630 bestätigt hatte, als absehbar war, dass Jakob von Hohengeroldseck ohne männlichen Erben sterben würde. Ottos Mutter, Margarethe Sidonie von Daun, Gräfin von Falkenstein, handelte für ihren Sohn. 1650 wurde Otto für mündig erklärt und übernahm selbst die Herrschaft. 1653 heiratete er Maria Franziska von Oettingen-Baldern.[2] Dem Grafen gelang es, durch eine Hinhaltetaktik die Gerichte von einer Zuweisung des Allodialgutes an die Markgrafen von Baden-Durlach abzuhalten. Darüber hinaus begann er auch noch einen Streit mit der unter baden-durlachischer Pfandherrschaft stehenden Herrschaft Lahr um die Landeshoheit über die zwischen Kuhbach und Lahr stehende Sägemühle.

Die Burg wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg im Januar 1689 von französischen Truppen zerstört.




Die Grafen von der Leyen seit 1697


Wappen von der LeyenNach dem Tod des letzten Grafen von Kronberg (im Kronenstamm) im Jahre 1692 ließ Markgraf Friedrich Magnus den von seinem Großvater Friedrich V. ererbten Anspruch auf die Herrschaft Hohengeroldseck wieder aufleben. Er nahm ein halbes Jahr nach dem Tod des Kronbergers die Herrschaft in Besitz. 1695 erhob Karl Kasper Franz von der Leyen seinerseits Ansprüche auf die Herrschaft, da die Habsburger ihm wiederum im Hinblick auf die fehlenden Erben des Lehensträgers, Kraft Adolf Otto Graf von und zu Kronberg, bereits Zusagen für dessen Nachfolge gemacht hatten, obwohl die badischen Ansprüche und deren rechtlicher Bestand bekannt waren.

Der österreichische Landvogt in der Ortenau, Karl II. von Neveu, ließ am 16. April 1697 ein 300 Mann starkes Militärkontingent einrücken, das die badischen Wappen entfernte, Schloss Dautenstein gewaltsam einnahm und die badischen Beamten vertrieb.[3] Von der Bevölkerung wurde verlangt, dass sie Karl Kasper von der Leyen huldigten. Seitdem gehört die Burgruine dem Geschlecht der von der Leyen. Sie war außerdem von 1711 bis 1806 Bestandteil der Grafschaft Hohengeroldseck und von 1806 bis 1813 des Fürstentums von der Leyen.

Ab und an kann man in der Ortenau die Redewendung hören: "streitsüchtig, wie die alten Geroldsecker" und wenngleich bekannt ist, dass die "alten Rittersleut" immer ein wenig "streit und rauflustig" waren, die Geroldsecker sind nachgerade ein Vorzeigeexemplar dieser Gattung, wie Klaus Kaltenbach nachfolgend ausführt:

Urkundliche Nachweise zur Entstehung und Entwicklung arrowRight

Kaltenbach, Klaus: Geroldsecker Händel (Geroldsecker Land, Heft 34 - 1992) Seite 88 - 95

Hohengeroldseck Zeichnung Grimmelshausen 1645Wie ein roter Faden ziehen sich Streitigkeiten und Händel durch die Familiengeschichte der Geroldsecker, in die diese im Lauf der Jahrhunderte verwickelt waren. Die Geroldsecker gingen, wie uns die Geschichte zeigt, offensichtlich keinem Streit aus dem Wege. Herausragende Gestalten dieses Teils der Geschichte des Hauses Geroldseck waren insbesondere Diebold I. (1419-1461) und Diebold II. (gest. n. 1493). Nicht zuletzt ist der Niedergang des Hauses Geroldseck auf diese Streitigkeiten zurückzuführen. Natürlich waren nicht immer die Geroldsecker die Verursacher dieser Streitigkeiten. Durch ihre Lehensnahme waren sie dem Lehensgeber verpflichtet, diesem im Kriegsfalle mit einer näher bestimmten Anzahl von Kriegsknechten beizustehen. Doch lassen wir die Geschichte berichten.

Zerstörung der Lützelhardt

Mit Walther von Geroldseck, (ca. 1200 bis 1277) der das Geschlecht auf den Höhepunkt seiner Macht geführt hat, beginnt urkundlich die Familiengeschichte der Geroldsecker. Der erste Streit ist uns nicht überliefert, fällt jedoch wohl in das Jahr 1235, in dem es Walther - der Lehensmann der Staufer war - gelingt, die Sperrburg der Lützelhardter - diese waren Lehensmänner der Zähringer - einzunehmen. In diesem Streit ging es um den Besitz des Schuttertales. Die Lützelhardt wird hierbei dem Erdboden gleichgemacht. An diesen Streit des Geroldseckers knüpft sich die Grüselhornsage.

Dem Gegner Walthers wird in der Sage der Name Diebold von Lützelhardt gegeben, wohl abgeleitet von den Charaktereigenschaften der späteren Geroldsecker mit gleichem Vornamen. Im Jahre 1250 werden Walther und seine Söhne während einer Fehde mit dem Grafen Konrad von Freiburg in der Tiefburg in Lahr gefangen genommen. Es geht in diesem Streit wahrscheinlich um die von Walther in Besitz genommenen Reichslehen.

Schlacht bei Hausbergen am 2. März 1262

Der nächste Streit entbrennt im Jahre 1262, als der Sohn des Hauses Geroldseck, Walther - seit 1260 Bischof von Straßburg - mit der Bürgerschaft von Straßburg sich in einer Fehde der Lichtenberger gegen Bischof Philipp von Metz anlegt. Dieser Streit eskaliert und findet seinen Abschluß in der Schlacht von Hausbergen am 2. März 1262. Die Straßburger Bürgerschaft wird in dieser Schlacht von Rudolf von Habsburg, dem späteren König, angeführt. Der Bruder des Bischofs, Hermann - er war kaiserlicher Landvogt im Elsaß - und sein Vetter Heinrich von Tiersberg fallen in der Schlacht. Sie werden nach Dorlisheim gebracht und dort bestattet. Später werden sie nach Schuttern überführt und finden in der dortigen romanischen Kirche ihre letzte Ruhestätte. Bischof Walther stirbt ein Jahr später vor Gram. Der Abschluß dieses Streites kommt erst am 23. Juli 1266 durch den Frieden von Kappel zustande. Im Jahr 1277 stirbt der Stammherr Walther. Nach seinem Tode wird durch den Teilungsvertrag (Herrschaft Hohengeroldseck - Lahr/Mahlberg) sein stattliches Erbe den Söhnen übereignet. Diesem Teilungsvertrag folgen noch weitere, die das Geschlecht mehr und mehr schwächen.

Walther, Sohn von Heinrich von Veldenz, wird im Herbst des Jahres 1289 mit anderen zusammen im Schwarzwald erschlagen und im Kloster Schuttern begraben.

Schlacht bei Göllheim am 2. Juli 1298

Am 2. Juli 1298 fällt Hermann, ein Sohn Heinrichs von Veldenz, in der Schlacht bei Göllheim an der Seite des Königs Adolf von Nassau. Ursache dieser Schlacht ist der Streit um die Deutsche Königskrone. Nach dem Tode Rudolfs von Habsburg wird nicht dessen Sohn Albrecht, sondern aufgrund von Zugeständnissen an die Kurfürsten Adolf von Nassau deutscher König. Er galt fortan als "Pfaffenkönig". Im Verlauf dieser Schlacht wird Adolf erschlagen und Albrecht von Habsburg bzw. Österreich deutscher König. Adolf wird nun zunächst im Kloster Rosenthal bei Göllheim bestattet und erst 1309 in den Dom nach Speyer überführt, wo er noch heute neben seinem Widersacher Albrecht, der im Jahre 1308 von seinem Neffen Johann ermordet wurde, ruht. Es könnte also durchaus sein, daß Hermann von Geroldseck, als Kampfgefährte Adolfs von Nassau, ebenfalls im Kloster Rosenthal seine letzte Ruhestätte fand. Dieses Kloster wurde im Jahre 1241 von Eberhard II. von Eberstein gegründet.

Hohengeroldseck - Geroldsecker Burg auf dem Schönberg  bei Seelbach - GrundrissStreit um Landeck

Im Teilungsvertrag von 1277 wird den Söhnen des bei Hausbergen gefallenen Hermann von Geroldseck, Heinrich und Walther, die Burg Landeck zugesprochen. Im März des Jahres 1300 verkauft Heinrich die Burg - trotz des Vorkaufsrechts seines Bruders Walther - für 1000 Mark Silber an die Johanniter von Oberdeutschland. Heinrich stirbt kinderlos im Dezember des gleichen Jahres. Dieser Verkauf ist jedoch ein Scheingeschäft, tatsächlicher Erwerber ist der Ritter und Bürgermeister von Freiburg, Johann Snevelin d. J. Walther will sich sein Vorkaufsrecht nicht nehmen lassen und geht mit Waffengewalt gegen die Johanniter vor. Er nimmt vier ihrer "Commendan-tore" gefangen und setzt sie fest. Als Walther dieses Scheingeschäft durchschaut, kommt es zu einer Fehde mit den Snevelins, die durch Vermittlung von König Albrecht im Jahre 1301, durch einen in Breisach geschlossenen und in Straßburg beurkundeten Sühnevertrag, beigelegt wird.

Zerstörung der Burg Schwanau

Im Teilungsvertrag von 1277 wird die Burg Schwanau beiden Häusern Geroldseck zu gleichen Teilen zugesprochen. Von dieser Burg aus, die zwischen Ottenheim und Gerstheim liegt, beherrschen die Geroldsecker sowohl die Landverbindungen in der Rheinebene, als auch den Schiffahrtsbetrieb auf dem Rhein. Von der Elzmündung bei Ottenheim bis Kehl steht den Geroldseckern das Geleitrecht und somit die Zolleinnahmen aus dem Schiffahrtsbetrieb zu. Dieses Geleitrecht wird von den Geroldseckern dazu mißbraucht, die Handelsschiffe anzuhalten, die Kaufleute gefangen zu setzen und von diesen Lösegeld zu erpressen. Betroffen waren hiervon insbesondere Schweizer Kaufleute. Um den Geroldseckern das Handwerk zu legen, gründet der Straßburger Bischof Bertold von Bucheck eine Vereinigung, der die Städte Basel, Breisach, Colmar, Ehnheim, Freiburg, Hagenau, Mühlhausen, Neuenburg, Rheinfelden, Rosheim und Schlettstadt sowie die Habsburger Herzöge Albert und Otto und deren Landpfleger im Sundgau angehören. Dieser Zusammenschluß erfolgt im Jahre 1332. Am 25. April 1333 zieht man gemeinsam vor die Feste Schwanau und belagert sie. Erst am 1. Juni gelingt es durch eine List, die Burg zu brechen und dem Erdboden gleichzumachen, die Besatzung wird enthauptet. Am 21.6.1333 geloben die Geroldsecker, nach Vermittlung des Kaisers, Ludwig des Bayern, in einem Sühnebrief, die Burg nicht mehr zu erbauen. Nachdem laut dem Stammbaum der Geroldsecker im Jahr 1333 kein Geroldsecker gestorben ist, könnte die Sage aus der Zimmerschen Chronik zutreffen, daß der Burgherrin erlaubt worden ist, das mitzunehmen, was sie tragen kann. Sie hat daraufhin ihren Gatten huckepack und ihr Söhnchen unter dem Arm aus der Burg gebracht. Es ist nicht bekannt, um welchen Geroldsecker Burgherren es sich bei der Burg Schwanau handelte.

Die Geroldsecker als Mitglieder im Schleglerbund

Im Jahre 1367 überfallen Heinrich und Georg mit vielen anderen Rittern aus der Ortenau den Grafen Erberhard den Greiner von Württemberg in Wildbad. Anführer dieses Überfalles sind die Grafen von Eberstein. Dieser Überfall und die darauf folgenden 20 Jahre andauernden Ritterfehden gehen als sog. Schleglerkrieg in die Geschichte ein. Der Schleglerbund, auch Martinsvögel genannt, war ein Ritterbündnis, das sich aufgrund des zunehmenden Druckes der Landesfürsten, zum Ziel gesetzt hatte, das freie Rittertum zu erhalten. Er wurde am 23. November 1395 von König Wenzel von Böhmen verboten. Die förmliche Aufhebung geschah am 16. April 1396. Der Schleglerkrieg dauerte insgesamt 29 Jahre. Der Überfall auf den Grafen von Württemberg mißlingt jedoch, der Graf kann auf Burg Zavelstein entkommen. Die Geroldsecker waren offensichtlich Mitglieder dieses Ritterbündnisses. Aufgrund der Beteiligung an dem Überfall muß die Witwe Heinrichs von Geroldseck, Anna von Ochsenstein, nach ihres Gatten Tod im Jahr 1376 die Hohengeroldseck dem Grafen von Württemberg öffnen.

Zerstörung von Hornberg

Heinrich von Geroldseck, der am 18. Juni 1377 den Lahrer Freiheitsbrief erließ, beschwert sich 1383 in Straßburg über die Hornberger. Auslöser dieser Beschwerde könnte wie im Jahr 1368 die erhöhte Zollgebühr der Hornberger gewesen sein, die diese aufgrund der Herabsetzung des Silbergehalts des Pfennigs durch die Münzen in Freiburg und Straßburg und des damit verbundenen Kaufkraftverlustes erhoben haben. Heinrich von Geroldseck war Straßburger Bürger und verbrachte seinen Lebensabend in Straßburg, wo er ein Haus besaß. Aufgrund seiner Beschwerde ziehen die Straßburger unter seiner Führung nach Hornberg, zünden die Stadt an und zerstören sie ganz.

Die Schlacht von Sempach am 9. Juli 1386

Im Jahr 1365 hatte Leopold III. von Habsburg-Osterreich nach dem Tode seines Bruders Rudolf IV. gemeinsam mit seinem Bruder Albrecht III. die Regentschaft über ganz Österreich übernommen. Da es in der Folge zwischen den Brüdern oft zu Zwi-stigkeiten kam, wurde auf Betreiben Leopolds die Herrschaft geteilt. Leopold erhielt Vorderösterreich, das sich vom Arlberg bis an den Oberrhein und vom Zürichsee bis ins schwäbische Kernland erstreckte. Als Leopold beim Aufkeimen der Auflehnung der Schweizer Untertanen seine Macht mehr und mehr bedroht sieht, zieht er in den vorderösterreichischen Landen ein Ritterheer zusammen, um den Schweizern zu zeigen, wer ihr Gebieter ist.

Aufgrund der Verpflichtung aus seinem Lehensbrief muß Walther von Geroldseck, wie auch viele andere Ritter aus der Ortenau, dem Ruf des kaiserlichen Herolds folgen und sich zu dem Ritterheer gesellen. Walther stammt aus der Lahrer Linie der Geroldsecker, er ist ein Sohn des vorgenannten Heinrich von Geroldseck. Dieser ist Pfarrer in Dinglingen, und war nach dem Tode seines Stiefbruders Walther zum Übertritt in den weltlichen Stand gezwungen, um das Geschlecht zu erhalten. Das Ritterheer, dem viele Ritter aus den Geschlechtern der Ortenau und des Elsasses angehören, zieht in die Schweiz. Am 9. Juli des Jahres 1386 kommt es bei Sempach zur Schlacht, in der das Ritterheer von Schweizer Bauern, Hirten und Handwerkern total zerschlagen wird. Allein 263 tote adlige Herren, Grafen, Ritter und Edelknechte decken die Wallstatt. Ein Vielfaches beträgt die Zahl der Toten an reisigen Knechten und Fußvolk. Unter den Toten befindet sich auch Walther von Geroldseck, dessen Wappenscheibe noch heute in der Gedenkstätte an diese Schlacht, der Schlachtkapelle von Sempach, zu sehen ist.

Der Geroldsecker Krieg von 1426-1434

Geroltzeck 1604 (Generallandesarchiv Karlsruhe H Zell Nr. 4)Im Jahre 1426 stirbt mit Heinrich die Linie Lahr/Mahlberg aus. Die Herrschaft wollte nun der Gatte der Erbtochter Adelheid, der Graf Johann von Moers-Saarwerden, antreten. Es erheben jedoch die Hohengeroldsecker mit Walther und dessen Söhne Diebold und Heinrich gesondert Anspruch auf den Besitz. Diebold scheut nicht davor zurück, zur Durchsetzung seiner Erbansprüche die Witwe des Erblassers zu heiraten. Diese Heirat findet jedoch nicht die Zustimmung seines Vaters Walther. Es kommt zum Streit, in dessen Verlauf Diebold den Vater von der Hohengeroldseck vertreibt. Am 31. Juli 1429 verzichten der Vater Walther und am 7. August des gleichen Jahres die Söhne Walther, Georg und Hans auf alle Ansprüche auf die Herrschaft Lahr/Mahlberg. Acht Jahre dauert dieser Familienkrieg in dessen Verlauf Walther 1429 stirbt, Heinrich 1434 fällt, Diebold unterliegt und die Hohengeroldseck durch List und Verrat verlorengeht. Dieser Krieg geht als "Geroldsecker Krieg" in die Geschichte des Hauses Hohengeroldseck ein. Im Verlaufe der Kriegshandlungen werden die beiden Brüder Diebold und Heinrich 1433 in der Schenkenburg von der Verwandtschaft belagert. Im Jahre 1434 muß Diebold auf alle Ansprüche Verzicht leisten, erhält aber durch Vermittlung des Kaisers Hohengeroldseck und das Schlößchen Schuttern zurück. Die Brüder Diebold, Georg und Hans errichten darauf einen neuen Teilungsvertrag über die Besitzungen des Hauses Hohengeroldseck. Es wird darin festgelegt, daß Diebold das Neue Haus erhält, Georg und Hans teilen sich das Alte Haus und den Rupprechts-Stock.

Diebold I.

Offensichtlich wegen seiner ständigen finanziellen Schwierigkeiten begibt sich Diebold 1439 in den Dienst des Pfalzgrafen und verpflichtet sich zur Stellung von 14 - im Kriegsfall 28 Reitern - und zur Öffnung seines Schlosses Schuttern. Am 5. August 1450 verpfändet Diebold dem Pfalzgrafen die halbe Burg und das Dorf Schuttern und das halbe Dorf Seelbach für 1000 Gulden. Hans stirbt im Jahr 1453, und es kommt zur erneuten Teilung zwischen Diebold und Georg. Nach dem Tode von Hans kommt es zwischen dessen zweiter Ehefrau, Anna von Zimmern, und Diebold zu Erbstreitigkeiten, die den Charakter dieses Geroldseckers zeigen. Das Verhältnis von Anna zu der Ehefrau von Diebold, Dorothea von Tengen-Nellenburg, war während der Zeit des gemeinsamen Wohnens auf Hohengeroldseck immer durch Streitigkeiten belastet. Anna will daher auf die väterliche Burg nach Zimmern zurückkehren. Sie fordert von Diebold die Auslösung des Erbes und die Herausgabe ihres Heiratsgutes. Diebold geht scheinbar auf ihre Wünsche ein und läßt den Umzug nach Zimmern in die Wege leiten. Da er sich jedoch nach wie vor in Geldschwierigkeiten befindet, ist er nicht in der Lage, die 7000 Goldgulden für die Auslösung zu zahlen. Er läßt Anna, die sich auf dem Weg zu ihren Brüdern, den Freiherren Werner und Gottfried von Zimmern, befindet, von seinen Spießgesellen überfallen und auf die Schenkenburg verbringen. Hier wird sie eineinhalb Jahre in strengem Gewahrsam gehalten. Durch die Vermittlung einflußreicher Gönner und letztendlich aufgrund der Fehdeerklärung ihres Bruders Werner, anläßlich eines weiteren Schlichtungsversuches in Tübingen, läßt Diebold Anna endlich frei.

1455 übergibt Georg, der Domsänger in Straßburg ist, weitere Teile seines Besitzes an Diebold und behält sich nur die Öffnung der Hohengeroldseck vor. Dadurch wird Diebold Alleinbesitzer der Herrschaft Hohengeroldseck; er stirbt 1461.

Diebold II.

In die Fußstapfen des Vaters tritt Diebold, der in ewigen Geldnöten 1473 auf dem Rhein bei Ottenheim Berner Kaufleute überfällt und sie als Gefangene in sein Schlößchen Schuttern verbringt. Offensichtlich wollte er für sie ein Lösegeld erpressen. Die Straßburger leisten den Bernern Hilfe, belagern Schloß Schuttern und befreien die Gefangenen. Diebold entkommt auf die Hohengeroldseck und wehrt von hieraus erfolgreich den Ansturm der Straßburger ab.

Um seine ständigen Geldnöte zu lindern, verpfändet Diebold 1481 an den Markgrafen von Baden für 1500 rheinische Gulden seine Hälfte an Ottenheim, Friesenheim, Oberschopfheim, Oberweier und Heiligenzell. Im folgenden Jahr für 2200 Gulden das halbe Dorf Reichenbach, Seelbach und Schuttertal und Besitzungen in Kuhbach, im Jahr 1484 für 400 Gulden den geroldseckischen Bauhof in Friesenheim. Der Pfalzgraf sieht durch die ständigen Verpfändungen an den Markgrafen von Baden seine Rechte im Hohengeroldseckischen schwinden und besetzt kurzerhand am 1. September 1486 mit 8009 Reisigen, Rittern, Edelleuten und Knechten die Hohengeroldseck. Außerdem werden 1600 Pferde, 200 Hakebüchsen und 87 Geschütze vor die Burg gebracht. Diebold befindet sich zu dieser Zeit gerade am Hof zu Wien. Nach sechswöchiger Belagerung fällt die Burg in die Hände des Pfalzgrafen Philipp. Damit ist Diebold von seiner Burg verdrängt und haust künftig in seinen anderweitigen Besitzungen. Auch die Bemühungen seines Bruders Gangolf I., der seinen Anteil an der Burg einklagt, bleiben zunächst ohne Erfolg. Die endgültige Wiederinbesitznahme gelingt erst dem Sohn Gangolf im Jahr 1534.

Gangolf II.

Der bereits genannte Gangolf (2) war auch ein streitbarer Recke. Seit dem Jahr 1504 steht er in kaiserlichen Diensten. In diesem Jahr reiht er sich in das Aufgebot des Herzogs Ulrich von Württemberg ein und zieht zusammen mit dem Grafen von Fürstenberg gegen das Kloster Maulbronn, das eingenommen wird. Diese Kampfhandlungen gehen in die Geschichte als "Landshuter Erbfolgekrieg" (1504-1505) ein. Dieser Krieg wurde mit einer noch nie dagewesenen, brutalen Härte geführt. Die Heere zogen mordend und sengend, brandschatzend und verwüstend durch das Land. Das Elend, das über die Pfalz und ihre Menschen hereinbrach, ist kaum zu schildern. 300 pfälzische Orte wurden dem Erdboden gleichgemacht. Auslöser war ein Testament und zerstrittene Verwandte. In diesem Krieg verlor Ritter Götz von Berlichingen vor Landshut durch eine Kanonenkugel seine rechte Hand. Dieser Krieg wurde durch den Kölner Schiedsspruch beendet. Nutznießer war allein Kaiser Maximilian. Als österreichischer Reiterhauptmann ist Gangolf im Jahr 1519 an der Vertreibung des Herzogs Ulrich von Württemberg durch den Schwäbischen Bund beteiligt. Die Mitwirkung an diesem Unternehmen bringt ihm die Rückgewinnung der Herrschaft Sulz am Neckar und der dazugehörenden Burg Albeck ein. Im gleichen Jahr kommt es zu Streitigkeiten mit den Klöstern Ettenheimmünster und Schuttern, deren Schirmherr (Kastvogt) er ist.

Diese Streitigkeiten dauern bis zum Aussterben des Geschlechtes an. An der Seite des ebenfalls streitbaren Ritters, Franz von Sickingen, ist er an der Belagerung von Trier im Jahr 1522 beteiligt. In den Jahren 1528 und 1532 nimmt er, als vorderösterreichischer Reiterhauptmann, an zwei Türkenfeldzügen teil. Beim letzten Feldzug wird er verwundet. Ab 1533 nimmt er seinen Wohnsitz in Ensisheim/Elsaß. Seit 1530 bekleidet er das Amt des Landvogtes im oberen Elsaß, im Sundgau, im Breisgau und im Schwarzwald. Er stirbt im Jahr 1544.

Schlacht von Montcontour 3. Oktober 1569

Sein Sohn Quirin Gangolf zeichnet sich zunächst durch einen jahrelangen Rechtsstreit mit der Witwe seines Onkels Walther, Anne Freiin von Stoffeln, aus. Es geht hier wieder einmal um Erbansprüche, frei nach dem Motto, so richtig schön gemein, können nur Verwandte sein. Frau Anne zieht den kürzeren und verläßt Hohengeroldseck. Zurück bleibt ihr Sohn Walther, der für den Burgherren nun zum Problem wird. Walther hat Anspruch auf die Hälfte des Besitzes. Es gibt nur einen Ausweg, Walther muß ein geistliches Amt verschafft werden. Die Bemühungen Quirin Gangolfs haben Erfolg; im Jahr 1565 gelingt es ihm, seinen Vetter als Kanoniker im Domkapitel zu Straßburg unterzubringen. Damit kommt dieser in den Genuß der mit einer solchen Würde verbundenen Pfründe und ist somit versorgt, das Erbe ist gerettet. In Frankreich hat der sich in Kleinkriegen entladene Gegensatz zwischen den Konfessionen 1562 zum offenen Bürgerkrieg geführt. Diese Konfessionskämpfe werden hauptsächlich von deutschen und schweizerischen Söldnern ausgetragen. Quirin Gangolf steht zu diesem Zeitpunkt in pfälzischen Diensten. Pfalzgraf Wolfgang steht auf der Seite der Hugenotten. Es lockt der hohe Sold der hugenottischen Werber, die damals am Oberrhein entlang ziehen und Söldner suchen. Quirin Gangolf beteiligt sich mit einem Landsknechtkontingent an diesen Aufmarsch und überredet auch seinen Vetter Walther zu der Teilnahme. Im Winter 1568/69 stellt er 13 Fähnlein zusammen und zieht mit diesen im Frühjahr nach Frankreich. Am 3. Oktober 1569 kommt es bei der Stadt Montcontour zur Schlacht, in der Quirin Gangolf und sein Vetter fallen. Am 7. Oktober werden sie in der Kirche bei Niort beigesetzt.

Quirin Gangolf hinterläßt einen fünfjährigen Sohn Jakob. Dieser entpuppt sich als völlig unkriegerischer Mann. Einen Einberufungsbefehl seines Lehensherrn im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges weist er mit dem Hinweis auf sein Alter und seine Gebrechlichkeit zurück. Im Jahr 1599 verläßt Jakob die Hohengeroldseck und nimmt seinen neuen Wohnsitz in dem von ihm erbauten Schloß Dautenstein, wo er im Jahr 1634 ohne männlichen Nachkommen stirbt. Damit erlischt das Geschlecht der streitbaren Geroldsecker.

Martin Hesselbach über Sicherungsmaßnahmen an der Burgruine Hohengeroldseck arrowRight

Anmerkungen:

1) vgl. Ritter, Rudolf, GL 17, S. 32ff.
2) vgl. Brucker, Philipp, GL 29, S. 87ff.
3) vgl. Knappe, Karl-Bernhard u. Ritter, Ralf, GL 30, S. 17ff.
4) vgl. weitere Gedenkstätte im Kloster Königsfelden: Ritter, Rudolf, GL 30 S. 108ff.
5) vgl. Fautz, Hermann, GL 7, S. 168ff.
6) vgl. Ritter, Rudolf, GL 18, S. 4 mit Farbbild der Fahne
7) Brülisauer, Josef, GL 33, S. 99ff.

Ohne Anmerkungszeichen - Literatur:

- Brucker, Philipp Auf den Spuren der Geroldsecker im Elsaß - Geroldsecker Land Band 29, S. 87ff.
- Bühler, Christoph Die Familiengeschichte der Geroldsecker aus "Seelbach im Schuttertal" - Herausgegeben von der Gemeinde Seelbach 1979 S. 10ff.
- derselbe Graf Gerold und die frühe Geschichte der Herrschaft Geroldseck - Geroldsecker Land Band 15, S. 81 und 251ff.
- derselbe Die Familie der Geroldsecker - Geroldsecker Land Band 19, S. 25ff.
- derselbe Die Herrschaft Geroldseck - Studien zu ihrer Entstehung, ihrer Zusammensetzung und zur Familiengeschichte der Geroldsecker im Mittelalter W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1981
- Hesse, Werner Hier Wittelbach, hier Pfalz - Pfälzische Verlagsanstalt 1986
- Kohler, Oskar Die späteren Geroldsecker - Die Ortenau - Jahrbuch 1959, S. 165ff.
- derselbe Die letzten hundert Jahre Geroldsecker Herrschaft - aus "Seelbach im Schuttertal", S. 59ff.
- Schadeck, Hans Das Benediktinerkloster Ettenheimmünster - Die Ortenau - Jahrbuch 1978 - Klöster der Ortenau, S. 160ff.


Einen flyer von Kultur- und Tourist-Info der Gemeinde Seelbach zur Hohengeroldseck können Sie download

Eine Umfassende Baubeschreibung leistete Karl Römer 1978 für ein Faltblatt für den Schwarzwald-Verein e.V. Ortsgruppe Lahr

Römer, Karl: Hohengeroldseck - Faltblatt 1978

1250 vollendet, erbaut auf dem mächtigen Porphyrfels in 525 m Höhe, die Schönberg-Paßstraße zwischen Lahr und dem Kinzigtal beherrschend, zerstört seit 1689.

Hohengeroldseck Grundriss zum Faltblatt von Karl RömerBaubeschreibung

Durch das unterste Burgtor (1) gelangt man in die Vorburg (2) über deren Innenseite wir rechts bereits die steilen Felsen und darüber Stücke der großen Ringmauer sehen.

Eine starke Futtermauer (3) sicherte den Burgweg außerhalb des Tores gegen den steilen Berghang und stand mit der äußeren Umwehrung der Burg durch Wall und Palisadenzaun in Verbindung. Von diesen Befestigungen durch Schanzen (4), welche die ganze Außenseite der Ringmauer (5) umgaben, findet man heute nur noch allgemeine Umrisse, besonders südlich des Ruprechtsstockes (6).

An der Ostseite der Vorburg lag der Eingang (7) zur eigentlichen Burg, durch eine starke Toranlage gedeckt. Durchschritt man diese 2,75 m weite Toröffnung, so kam man in das Vorwerk (8), ein sich verengendes Trapez von 9 auf 4,5 m in dessen hinterer Schmalseite ein zweites Tor, nicht über 2 m breit, auf das Plateau der niederen Burg (9) führte. Dieses ist 95 m lang, 60 m breit und zum größten Teil in den Bereich der Ringmauer (5) eingezogen, die ursprünglich 9 m hoch und 2,10 dick war. Sie hatte einen hölzernen Wehrgangaufbau in einer Höhe von 6,35 m und an geeigneten Stellen Erkerausbauten (Scharwachtürmchen).

Am Nordwestzug der Ringmauer anstoßend stehen Reste von 2 Seitenmauern (10), ehemals ein zweigeschossiges Wirtschaftsgebäude, Südwestlich vom vorderen Palas sitzen in der Mauer abgebrochene Konsolsteine (5a) einer Steintreppe nach dem Wehrgange. In der südlichen Kehre der Ringmauer sind Baureste des Ruprechtsstocks (6) erhalten. Dieses Gebäude war mindestens vierstöckig und diente zum Ausgleich der Wohnungsbedürfnisse.

Das an die nordöstliche Ringmauer angefügte Hofgebäude (11), mit einem Rundturm in der Mitte, war Wohnhaus für die Dienerschaft. In der Mitte der niederen Burg (9) erhebt sich ein 6 - 8 m hoher Porphyrfelsen, auf welchem die eigentliche Bürg mit 2 Palassen, das alte oder hintere Hus (12) und das neue oder vordere Hus (13) stenen und in dem dazwischen gelegenen Burghof (14) zwei kleinere Wirtschaftsgebäude (15 und 16) mit leichterem Mauerwerk.

Den Aufgang zum eigentlichen Schloß bildete eine in der Nordecke beginnende Treppe (17) die zwischen dem hier dem Felsen vorgelegten Brunnenhaus (18) und der Nordmauer des neuen Hauses (13) emporführte und über eine Zugbrücke (19) hinüber rechts umbiegend in den Burghof (14) mündete. Das Hauptaugenmerk wendet sich dem hinteren Palas zu. Seine Längsseiten, innen gemessen, betragen ungefähr [... Zahl unleserlich] m. Außen ist die Höhe dieser 2,1m dicken Mauern vom Plateau bis zur Oberkante des Traufgesims nahezu 26 m. Die Gesamthöhe des Südostgiebels einschl. Felsen ist 33 m. Von der wirkungsvollen Abtreppung der Giebel sind am großen von 9 Stufen noch 7, am Schmalen von 6 noch 3 Stufen vorhanden.

Man betritt das Innere des vierstöckigen Ritterhauses durch ein spitzbogiges Tor von 2,30 m Höhe. Die innere Leibung der Tornische läßt durch Löcher und Rillen noch die alte Konstruktion der Torflügel erkennen. Das Erdgeschoß umfaßte 5 Räume, kellerartig und zur Verteidigung, von denen der dem Treppenturm (20) benachbarte Raum nur von diesem und durch die zugemauerte Schlupftüre (14a) vom Burghof aus zugänglich war. Im zweiten Stock war die Ritterwohnung. Über der unteren Eingangstür (14b) beginnt, von Backsteinen gemauert, ein schmaler Schacht, der bis in das vierte Stockwerk hinaufführt und in einer Nische endigt; er diente der großen Uhr und deren Gewichte. Das dritte Stockwerk scheint den eigentlichen Zwecken der Prunkentfaltung gedient zu haben. Es enthält nach 3 Seiten prächtige, gekuppelte Spitzbogenfenster. Sie mußten bei der Restauration 1892 - 1901 durch Doppelsäulchen bzw. durch einen Granitpfosten gestützt werden.

Das oberste Geschoß enthielt Wohnräume für die Frauen. In der Südwestecke des alten Palas steht der runde Treppenturm (20), der in einem schlanken, achteckigen Helm endigte, dessen unterste Quader mit dem energisch gekehlten Gesims sich noch vorfinden. Die obersten Reste der Ruine einschl. des Treppenturmes, auf dem der Turmhelm aufgesetzt war, ergeben aus einiger Entfernung gesehen mit dem Giebel des alten Hauses das Bild eines mächtigen Löwen in Lauerstellung. Am Turm, sowie am Mas selber findet sich eine stattliche Anzahl Steinmetzzeichen, welche denen am Storchenturm zu Lahr verwandt, In ihrer Form auf das 13. Jahrhundert hinweisen.

Zeichnung HohengeroldseckGegenüber dem alten Hus erhob sich das neue (13), heute nur noch in den Grundmauern erhalten und hatte im umgekehrten Sinne die gleiche Form wie der hintere Palas. Von der inneren Raumgestaltung fehlen, abgesehen vom Keller in der Nordwestfassade und der darüber liegenden Kapelle, alle weiteren Merkmale. Auch in diesem Palas vermittelte ein Treppenturm (21) den Zugang zu den verschiedenen Stockwerken. 1390 brannte dieser Palas durch Blitzschlag nieder und wurde wieder weit herrschaftlicher neu erstellt.

Ein Meisterwerk ihrer Art war die Wasserversorgungsanlage. In das harte Urgestein hatte man einen 65 m tiefen Brunnenschacht gesprengt und darüber das Brunnenhaus (18) mit Verteidigungsanlage gebaut. Auch der Transport des Wassers nach den oberen Behausungen in beiden Palassen war auf das sorgfältigste gesichert, selbst wenn die ganze untere Burg, der Hauptaufgang und sogar der obere Burghof in Feindeshand waren.

Die Erbauung der Burg fällt in die Jahre der Frühgotik, also um 1250. Sie wurde während ihres Bestehend mehrmals belagert, so im Jahre 1426 und 1486. Die endgültige Zerstörung erfolgte durch die Franzosen 1689. Die Hohengeroldseck blieb von da an dem Verfall überlassen. In den Jahren nach 1860 regte das Grhzgl. Bezirksamt Lahr erstmals Maßnahmen für die Erhaltung der rascher dem Untergang verfallenenden Ruine an. Dem Schwarzwaldverein war es bei dem für den Besucher trostlosen Zustand der Mauern mit in erster Linie zu danken, wenn Ordnung im Innern der Ruine geschaffen wurde. 1892 - 1901 erfolgt eine Restaurierung in der Weise, daß das Ergebnis auf eine möglichst lange Reihe von Jahren für gesichert galt.

In den. Jahren 1951 und 52 wurden durch Verfallerscheinungen notwendig gewordene Ausbesserungen vorgenommen und gleichzeitig der Plan zum Bau einer steinernen Wendeltreppe ausgeführt, ohne am Treppenturm wesentliche Veränderungen oder Vervollständigungen vorzunehmen. Die Wendeltreppe führt heute hinauf auf den die beiden Palasse verbindenden Wehrgang, 15 m lang, mit 4 Schießscharten und darüber hinaus bis auf die Höhe des Traufgesimses des hinteren Hauses, so daß man von diesem Standpunkt aus in einer Höhe von nahezu 26 m über der unteren Burg eine herrliche Aussicht in die nähere und weitere Umgebung findet. So steht der Berg mit seiner Ruine majestätisch im Blickfeld der umliegenden Berge gleichsam als König im Kegelspiel.

Wappentafel

Im oberen Burghof finden wir über der Tür des Erdgeschosses in den hinteren Palas eine Inschrift- und Wappentafel eingemauert, die mit ihren gebauchten Säulchen mit Kompositkapitellen und den die Bauchung begleitenden Akanthusblättern auf die Frührenaissance weist. Sie zeig tin der Mitte den gemeinsamen Geroldsecker Schild mit wagrechtem Querbalken, im übrigen gilt die rechte Seite (heraldisch) für Hohengeroldseck, die linke Seite für Sulz am Neckar. Rechts dient als Wappenhalter ein Löwe, links ein Greif; über dem Schild sitzt rechts ein gekrönter Helm mit Spitzhut, oben mit Pfauenfedern besteckt, links ein Helm mit zwei Flügeln. Die Inschrift bezieht sich auf die sagenhafte Gründung der Burg durch den angeblichen Schwabenherzog Gerold:

Wappentafel altZeittafel

1139 - erste Erwähnung auf dem Rauhkasten durch den Schirmbrief Innozenz II. fürs Kloster Gengenbach.
1250 - Vollendung der Burg auf dem Schönberg durch Walter I.
1255-60 - Beginn des Baues der Tiefburg bei Lahr
1202 - Schlacht bei Hausbergen, Walters Sohn Hermann gefallen.
1277 - Tod Walters I. , Teilung zwischen dem 3. Sohn Walters I. Heinrich und den Söhnen des 1262 gefallenen Hermann
1333 - Walter III. gefallen bei der Belagerung seiner Burg Schwanau (Elsaß)
1370 - Teilungsbrief unter den Söhnen Walters IV., Erwähnung des Gasthauses "Zum Löwen" als Herberge zu Geroldseck
1426 - Aussterben der Linie Geroldseck-Lahr, Erbstreitigkeiten und Belagerung der Burg. Eroberung durch List
1432 - Tod Walters V., Berater des Kaisers Sigismund im Konzil zu Konstanz 1414-1418.
1434 - langwierige Erbkriege und Teilung 1436
1435 - Seelbach erhält seinen Markt unter Diebold I. 1461 +
1473 - Diebold II., Belagerung seiner Burg durch. Straßburg; Beine Übergabe
1482 - Dietbold II. verkauft über die Hälfte seiner Güter an Baden um 1500 Gulden
1486 - Diebold II. Kündigt dem Pfalzgrafen Philipp den Erbdienst, darauf Belagerung, starke Zerstörungen und Einnahme der Burg durch Philipp
1534 - Das Erzhaus Österreich wird Lehensherr
1549 - Gangolf II. und Walter VI., Söhne Diebolds II., kaufen einen Teil der Güter um 2200 fl zurück
1584 - Jakob, der letzte Geroldsecker, verläßt die verwahrloste Burg und zieht ins gekaufte Dautenstein, stirbt 1634.
1635-1692 - die Herren von Cronberg sind Lehensherren, Sitz Dautenstein.
1689 - Zerstörung der Burg
1692 - Regierungsantritt der Freiherren von der Leyen
1819 - Geroldseck wird Baden einverleibt. Die Burg bleibt Eigentum der Fürsten von der Leyen.
1892-1901 - Restauration der Burg
1951 und 1952 - weitere Erneuerungen und Einbau einer steinernen Treppe in den Turm des alten Hauses.

Dr. Heinrich von Lersner berichtet über die umfassende Herrschaft der Geroldsecker bis zu ihrem Ende am 25. Mai 1649 arrowRight

Die stolze Burg Hohengeroldseck war einst die mächtigste Feste der oberen Ortenau. Ein schwäbischer Herzogssohn, Gerold von Schwaben, gilt als Begründer des Stammesgeschlechtes der Hohengeroldsecker z. Zt. Karls des Großen. Reichsgraf Walter I. entfaltete das Geschlecht zur höchsten Blüte. Er war Herrscher über das Gebiet zwischen Kinzig und Bleiche, zwischen Rhein und Hünersedel. Aber schon nach seinem Tode (1277) begann der Zerfall des Hauses. Mit Graf Jakob, der seinen Wohnsitz nach Schloß Dautenstein bei Seelbach verlegte, starb das Geschlecht aus. Das Geschlecht der Fürsten von der Leyen übernahm die Hinterlassenschaft. Ihre Residenz wurde in Seelbach aufgeschlagen, Das Fürstentum von der Leyen und Hohengeroldseck war der kleinste Rheinbundstaat von Napoleons Gnaden. 1818 fiel das Gebiet an das damalige Großherzogtum Badn. Die Ruine ist noch heute Eigentum des Fürsten von der Leyen.
 
WillkommenHaupttorSchmiedeBrunnenhausRuprechtstock

RingmauerWappentafelPalasNeues HusBurgtor


 
Zusammengestellt von Karl Römer, Berufschullehrer i. R., Lahr, unter Zugrundlegung der Veröffentlichungen des historischen Vereins für Mittelbaden "Die Ortenau" (21. Heft 1934). Die Abbildungen wurden eben falls hieraus entnommen. Herausgegeben vom Schwarzwald-Verein e.V., Ortsgruppe Lahr. Druck: Ernst Kaufmann, Lahr.

Die Legendentafeln in der obigen Tabelle entsprechen fotografisch etwa dem Rundgang auf der Burgruine Hohengeroldseck. Der Verein zur Erhaltung der Burgruine Hohengeroldseck e.V. hat in Kooperation mit der Schule in Seelbach wurden verschiedene Informationstafeln in deutscher und französischer Sprache gefertigt - viel Spaß beim virtuellen Rundgang.


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Bürgerhaus im Klostergarten Seelbach

 
Das Franziskanerkloster in Seelbach - Schon die Vorgeschichte dieser Klostergründung ist nicht nur kirchengeschichtlich interessant, sie gibt auch einen Einblick in die politischen Verhältnisse der damaligen ZeitIn den Klostergarten Seelbach kam ich durch einen Arbeitskollegen, der die "Kindertruppe" auf den Zauberer von OZ zu einem Freilichtschauspiel vorbereitete. Ein Platz zu "Wohlfühlen und Entspannen" und kein Gedanke wurde auf ein ehemaliges Kloster in Seelbach aufgewendet. Den Proben konnte man aus dem schattigen Garten - Bäume und Bänke gab es in ausreichender Zahl - oder bei Kaffee bzw. einem "Feierabendbierchen" genüßlich zusehen.

Die Anlage ist großräumig und gepflegt angelegt. Parkplätze stehen in der Nähe genügend zur Verfügung und Bäckerei sowie Metzgerei zum Einkauf eines "Vespers" sind auch in unmittelbarer Nähe. So konnte man den Tag bei guter Unterhaltung ausklingen lassen und leiblichen Gelüsten fröhnen.

Nun war aber zu klären, was es mit dem "Klostergarten" respektive "Kloster Seelbach" auf sich hatte. Mein Allzeit-Recherche-Assistent hatte keine Informationen und diverse historische Datenbanken ergaben auch keine Treffer. Letztlich erbrachte ein Bibliotheks-,  Mediatheksbesuch des "Rätsels Lösung".

In der Festschrift zur 800-Jahr-Feier Seelbachs (1179 - 1979) fand sich eine Menge Information zum Franziskanerkloster in Seelbach und der "Klostergarten" fand seine Erklärung.

Fred Singler (Chronologie) und Peter Brinktrine (baugeschichtliche Analyse) seis gedankt, das Besucher*innen hier einen tiefen Einblick in den Werdegang des Franziskanerklosters Seelbach gewinnen können. Lassen wir die Herren selbst berichten:

Das Franziskaner-Kloster in Seelbach - Fred Singer in Seelbach im Schuttertal 1179 - 1979 - Seiten: 248 - 252

Wenn ein Besucher heute Seelbach betritt, ist er überrascht von der Sauberkeit und Gepflegtheit dieser Gemeinde. Schmucke Häuser und bunte Vorgärten flankieren die Straßen und erfreuen den Gast. Doch in der Mitte des Dorfes angelangt, sollte er nicht versäumen, seinen Blick dort nach oben zu wenden, wo im frischen Gewande das Rathaus erstrahlt. Hier entdeckt er nämlich auf dem Dachkomplex ein Kreuz mit zwei Querbalken und als Contrapunkt entgegengesetzt ein einfaches Kreuzlein aus Eisen. Diese zwei Kreuze sind zwar bescheidene, aber wertvolle Zeugen christlicher Vergangenheit. Sie wollen daran erinnern, daß hier einmal ein Kloster mit einer Kirche stand. Das Kreuz mit den beiden Querbalken gibt einen weiteren Hinweis dafür, daß unter diesem Bach Franziskaner lebten. Das Kreuz mit dem Doppelbalken ist nämlich ein spezielles Franziskanersymbol, das sogenannte . Es steht auf der Kirche San Damiano bei Assisi (1). Jene Kirche war eine der ersten Heimstätten von Franziskus, der im Jahre 1209 den Orden der Minderbrüder (Ordo Fratrum Minorum) gründete. Über das Franziskanerkloster Seelbach schreibt Kolb(2): "In dem Marktflecken Seelbach befindet sich ein Franziskaner-Hospitium; die darinn befindlichen 3 Patres haben die Obliegenheit, unter Aufsicht des Pfarrers im Schutterthal die Pfarreyen Seelbach und Reichenbach nebst den Filial-Orten Steinbach und Kuhbach und die dazu gehörigen Thäler Litschenthal, Kreuth und Gießen zu versehen".

Schon die Vorgeschichte dieser Klostergründung ist nicht nur kirchengeschichtlich interessant, sie gibt auch einen Einblick in die politischen Verhältnisse der damaligen Zeit. Bereits 1580 wurde die Tiroler Franziskaner-Provinz gegründet. Ihr wurden alle Klöster zugeteilt, die im Bereich des damaligen Landesfürsten Erzherzog Ferdinand Il. lagen. Dazu gehörten auch die Vorlande. Pater Max Straganz ergänzt: "Da auch die Vorlande dazugehörten, wurden das Franziskanerkloster Freiburg - bisher zur oberdeutschen Provinz gehörig - und mehrere Schwesternklöster nun der Tiroler Provinz" einverleibt. Es entstanden neue Klöster in Ehingen a.D., Horb, Waldsee, Saulgau, Kenzingen und Seelbach. Doch Kaiser Josef II. verfügte 1783 die Trennung dieser vorländischen Klöster von Tirol. Sie bildeten nun eine eigene "Vorderösterreichische Provinz"(3). 200 Jahre waren somit Vorderösterreich und Tirol in einer Provinz vereinigt. Um diese Verbindungen untereinander zu ordnen und für die Patres Reiseerleichterungen zu schaffen, wurde 1753 ein "Itinerarium" mit Wegbeschreibungen und Unterkunftsmöglichkeiten erstellt. Dieser "Franziskaner-Baedeker" war den Ordensmännern bei ihren Versetzungen und Abordnungen von einem Kloster zum anderen eine wertvolle Orientierung. Dies umso mehr, wenn man bedenkt, daß alle Wegstrecken "per pedes apostolorum", d.i. zu Fuß, zurückgelegt werden mußten. Die physischen Strapazen sind für die heutigen Menschen fast unfaßbar, zumal es nicht selten vorkam, daß ein Pater z.B. von Hall in Tirol nach Kenzingen oder von Bozen nach Seelbach abkommandiert wurde. Den Anspruch auf die Errichtung eines Klösterles in Seelbach begründeten die Franziskaner vielseitig. Lesen wir daher, was Vigilius Greiderer in der "Germania Franciscana" im Jahre 1781 über das:

"Monasteriolum Selbacense ad S. Michaclem Archangelum« aufgezeichnet hat."(4)

Das Damianskreuz der Franziskaner"Seelbach, ein Dorf im Breisgau, in der Herrschaft Hochen-Geroldsegg, die als Lehen dem Erhabenen Österreichischen Haus untersteht, und in der Diözese Straßburg gelegen, 5 Stunden von Kenzingen und I 1/2 Stunden von Lahr entfernt, ruht an dem Flüßchen Schutter. Als die Grafen von Hochen-Geroldsegg ausstarben, ging ein großer Teil der Grafschaft an die Grafen von Cronberg und von diesen an die Layen. Bei dem Dorf liegt die Burg Dauttenstein, versehen mit einem Kirchlein des hl. Antonius von Padua. Im Dorf selbst erhebt sich die Pfarrkirche des hl. Bischofs Nikolaus und die Michaelskirche der Franziskaner mit seinem Klösterchen. Der Pfarrer hat seinen Sitz im Dorf Schuttertal, kaum eine Stunde von Seelbach entfernt, mit einer dem hl. Abt Antonius gewidmeten Kirche (Filialen Reichenbach und Kubach)."

"Die apostolischen Bemühungen, die die Franziskaner der Tiroler Provinz vom Jahre 1651 bis zum Jahre 1730 in der Herrschaft Hochengeroldsegg, so bei der Bekehrung der Häretiker, als ach bei der Befestigung der Katholiken in ihrem Glauben geleistet, haben den Weg dazu geebnet, hier eine Niederlassung zu errichten. Ich stütze diese Behauptung mit dem Taufbuch der Pfarrei Prinzbach, auf dessen erster Seite steht, daß die Franziskaner-Väter des berühmten Klosters Kenzingen vom Jahr 1651 bis zum Jahre 1695 {in welchem die Kirche einen eigenen Hirten bekam) die Stellvertretung ausgeübt haben. Die Patres Franciscani Kenzingani tyrolischer Herkunft sind die "Veri restauratores orthodoxae fidei", die Wiederhersteller des rechten Glaubens in der Herrschaft Hochem-Gerolduegg, Vom Jahre 1700 bis zum Jahre 1730 haben die Brüder des Kenzinger Konvents, obwohl sie mindestens 5 Stunden entfernt sind und ein hoher Berg dazwischen liegt, hier regelmäßig auf der Kanzel, im Beichtstuhl und auf andere Weise ihre Obliegenheiten erfüllt. Die Gemeinden der Herrschaft Gerroldsegg erschienen mit gebeugten Knieen vor dem Erlauchten Herrn Kaspar, dem Herrn der Herrschaft, ermöge eine Niederlassung für die Franziskaner bestimmen."

Doch mit diesem Bittgesuch waren die vorländischen Kapuziner nicht einverstanden, die schon 1728 in Zell a.H. einen Konvent errichten wollten. Sie erhoben ihrerseits Anspruch auf dieses Territorium mit der Begründung, sie hätten von Haslach i.K. aus den Löwenanteil an der Gegenreformation geleistet. Wie dem auch sei, über Sinn und Zweck der Reformation und Gegenreformation im Schuttertal, die nur aus jener Zeit heraus zu versteben sind, sollen hier vernarbte Wunden weder aufgerissen, noch neue geschlagen werden. Der Geist des Fortschritts und der Ökumene in beiden Konfessionen dürfte für alle Teile fruchtbringender sein.

Ehemaliges Franziskanerkloster SeelbachWie kam es nun zur Klostergründung?

Graf von der Leyen entschied sich für die Franziskaner! Einmal aus den im Bittgesuch vorgetragenen Gründen der Gemeinden Schuttertal, Seelbach, Reichenbach, Kuhbach und Prinzbach. Zum anderen erkannte er selbst, daß die pastorale Betreuung seiner Untertanen recht dürftig war. Dies waren noch Folgeerscheinungen des 30-jährigen Krieges, der auch im Schuttertal für Herrschaft und Volk Elend und Verarmung brachte und dies auch in religiöser Hinsicht, wenn man bedenkt, daß bis dahin die Grafschaft Geroldseck nur einen Pfarrer mit dem Sitz in Seelbach hatte. Erst nach 50 Jahren des unseligen Krieges beriefen die Patronatsherren einen zweiten Geistlichen, der 1696 in der ehemaligen Bergwerkstadt Prinzbach Einzug halten konnte. Aber aus kommerzielle Gründe dürften dem Patronatsherrn die Entscheidung erleichtert haben. Denn die Realisierung dieses Bauvorhabens sollte den Grafen keinen Pfennig kosten und darüber hinaus wurden die Franziskaner verpflichtet, auf eigene Kosten in der Gemeinde Schuttertal ein neues Pfarrhaus zu erstellen, wohin der Seelbacher Pfarrer überwechseln sollte, ohne hierbei seine Rechte und Einkünfte als Pfarrherr von Seelbach zu verlieren. Nach einer persönlichen Vorsprache von Pater Adalbert Kleinhans, des Guardians des Klosters Kenzingen als Repräsentant der Franziskaner, beim Grafen in Koblenz und auf wohlwollende Vermittlung des Amtmanns Frantz Anihon von Solaty richtete der Graf am 10. April 1730 ein Empfehlungsschreiben an den kaiserlichen Lehensherrn nach Wien, das dort nicht ungünstig aufgenommen wurde. Denn umgehend erging ein kaiserlichen Mandat nach Innsbruck, den Antrag zu prüfen, entsprechende Recherchen anzustellen und hernach Wien wieder zu berichten. Doch Innsbruck ließ sich Zeit, und es bedurfte erst noch eines kaiserlichen Befehls, um die Angelegenheit entscheidend zu forcieren. Briefe wechselten nun zwischen Innsbruck und Freiburg. Fürsprecher schalteten sich ein, so Graf Hannibal von Schaumburg, namhafte Vertreter der breisgauischen Geistlichkeit und der einflußreiche Abgesandte am Wiener Hof, Pater Malachias Amhol vom Kloster $i. Blasien.

Im Herbst 1731(5) gab der bischöfliche Generalvikar die Bewilligung zur Gründung des Hospizes. Aber die Regierung in Innsbruck versuchte erneut, die Angelegenheit zu sabotieren oder zum mindesten hinauszuschieben. Sie gaben sich mit dem Einverständnis des Generalvikars nicht zufrieden und verlangten die Zustimmung des Bischofs von Straßburg, Kardinals Rohan, höchst persönlich. Pater Adalbert Kleinhans von Kenzingen sprach daraufhin in Straßburg als Vermittler vor und hatte hierbei Erfolg. Im Generallandesarchiv liegt heute das Bewilligungsschreiben des Oberhirten der Diözese Straßburg vom 13.11.1731(6). Es ist sehr umfangreich und beinhaltet zusätzlich 17 Anordnungen, die gewissermaBen als Statuten den Franziskanem auferlegt wurden. Auch in einem Vertrag(7) zwischen Graf Carl Caspar von der Leyen und der Tiroler Ordensprovinz wurde das Vorhaben in einem Zwolf-Punkte-Programm fixiert:

"1. Die Tirolische Franziskaner-Provinz wird gemäß dem kaiserlichen Bauplan mit den Mitteln und Spenden der Wohltäter ein Klösterchen mit Garten und Wiesen errichten, Da der Pfarrsitz nach Schuttertal verlegt wird, soll die Tiroler Provinz in Schuttertal ein neues Pfarrhaus mit Scheune und Stallungen bauen.

2. Im Kloster sollen 4 Patres und 2 Laienbrüder nach strengen Anweisungen seiner kaiserlichen Majestät und des hochwürdigen Herrn Bischofs wohnen.


3. Der Pfarrer in Seelbach soll mit allem, was der Pfarrei gehört, mit Rechten und Jurisdiktion in geistlichen und pfarrlichen Angelegenheiten, nach Schuttertal ziehen.

4. Die Patres sind verpflichtet, den Anweisungen des Ordinariats und des Offizialen Folge zu leisten. Über den Unterhalt der Patres wird kraft Vertrages folgendes bestimmt:

5. Vom Tage der Besitznahme des Klosters in Seelbach sollen die Klosterfamilie in Kenzingen und andere Familien dieses Ordens auf die Almosensammlung im Gebiet Geroldseck verzichten.

6. Da mit der Besitznahme des Klosters die vorderösterreichische Klosterfamilie auf ihr bisheriges Recht, Almosen zu sammeln zugunsten Seelbachs verzichtet, soll der Freiburger Familie das Almosensammeln in Elzach, Prechtal Ober- und Niederwinden, Aich, Reichenbach, Biederbach, Ober. und Niederspitzenbach, Brotzingen und Schaffhausen verbleiben.

7. Wenn es dem Kloster Seelbach mangelt an Wein, Getreide, Oel usw., und die Freigebigkeit aller Wohltäter nicht ausreicht, soll die Klosterfamilie Kenzingen einspringen.

8. Fehlt es den Patres an Nahrung, Kleidung, soll die Tiroler Ordensprovinz helfen.

9. Wir wollen, daß sich das Almosensammeln im Gebiet Geroldseck beschränkt auf gewohnte Dinge wie Butter, Eier, Fleisch, Gesalzenes und Geräuchertes.

10. Almosen dürfen außerhalb der Herrschaft Geroldseck nicht gesammelt werden.

11. Hausbrand und Holz wird, wenn nötig der Erlauchte Graf liefern.

12. Die Religiosen sollen sich nicht in profane, gerichtliche und außergerichtliche Dinge einmischen. Sie sollen nur ihrem geistlichen Dienst ergeben sein."

Der 12. Januar 1732 war noch ein heiß ersehnter Tag für alle Beteiligte: Kaiser Karl VI. gab endlich seine Zustimmung, zur Gründung des Franziskaner-Hospizes in Seelbach(8). Nun stand dem Baubeginn nichts mehr im Wege. Groß waren die Pläne, bescheiden aber die Mittel der Franziskaner. Und es gehörte schon ein großes Stück Gottvertrauen dazu, ein solch gewaltiges Objekt auf solch wakkeligen Beinen zu riskieren, wenn man es mit heutigen Finanzierungsmaßnahmen vergleicht. Eine große Last lag auf den 4 Patres und 2 Laienbrüdern, die das Kloster dann führen sollten: Neubau eines Klosters in Seelbach, Bau eines neuen Pfarrhauses in Schuttertal mit Scheune und Stallungen. Daß hier noch fremde Hilfe notwendig war, liegt auf der Hand, denn der Graf hatte noch zusätzlich angeordnet, daß diese Bauten auch ohne Frondienste seiner Untertanen ausgeführt werden müssen. Neben vielen, heute nicht mehr bekannten Wohltätern, hat die tirolische Ordensprovinz einen großen finanziellen Beitrag geleistet. So wird in der Pfarrkirche in Seelbach noch ein schöner Barockkelch aufbewahrt, der die Inschrift trägt: "Ex dono Rev. Abbatissae M. Antoniae Brixensis" - Geschenk der M. Antonia, Äbtissin des Klarissenklosters zu Brixen.

Ex dono Rev. Abbatissae M. Antoniae Brixensis
Diese »Schanckhung zu dem Kloster in Selpach« aus dem Jahre 1733 beinhaltet jedoch nicht nur die Übergabe eines Kelches an das Franziskanerkloster Seelbach, sondern darin hat auch eine Klosterinsassin testamentanisch 300 fl. dem Kloster in Seelbach vermacht und weitere 100 fl. für das Hauptaltarblatt des HI. Michael von Franz Unterberger. Damit ist der eindeutige Beweis erbracht, daß das Hochaltarbild der Klosterkirche St. Michael ein echter Unterberger war, heute ein Werk von unschätzbarem Wert.

Zu all diesen Belastungen kamen noch seelsorgerliche Pflichten. Die Patres hatten das gesamte Pastorat von Seelbach mit den Orten Steinbach und Omersbach sowie Reichenbach und Kuhbach zu übernehmen. Hinzu kamen gelegentliche Aushilfen in den übrigen Pfarreien der Grafschaft. Auch das nichtgeroldseckische Wittelbach, das nach Schweighausen eingepfarrt war, wurde ihnen zur Aushilfe aufgebürdet. Dafür durften sie im Gebiet des Klosters Ettenheimmünster kollektieren (betteln). Darüber hinaus hatten sie für den nach Schuttertal verzogenen Seelbacher Pfarrer die Pfarrvikarsdienste zu leisten. Diese bestanden in erster Linie in der Führung des Tauf-, Ehe- und Totenbuchs. Diese pfarramtlichen Tätigkeiten wurden den Patres nur anteilmäßig vergütet, ebenso die Erlöse aus den sogenannten Stolgebühren, benannt nach den kirchlichen Funktionen, bei denen der Priester eine Stola trägt. Die Einkommen, Nutznießungen und Rechte des Seelbacher Pfarrers in Schuttertal blieben also nahezu ungeschmälert, was die Einkünfte der Ordensleute minderte. Doch all diese nach heutigen Begriffen sehr harten Maßnahmen entmutigten die Franziskaner nicht, sodaß am 30. Januar 1732, nachmittags 2.00 Uhr die kirchenrechtlich verbindliche Grundstücksübereignung erfolgen konnte.

Ein interessantes Protokoll über diese feierlichen Handlungen von Johannes Humbourg, Dr. beider Rechte und Notar der bischöflichen Kurie zu Straßburg, ist erhalten geblieben. Danach versammelten sich an diesem für Seelbach so bedeutenden Mittwoch auf Anordnung des Paters Provinzial und seiner Definitoren Pater Viktor Lachartinger, Guardian in Freiburg, Malachias Gassler, Guardian in Kenzingen, und Cyprian Grüber, Prediger in Freiburg. Sie waren durch einen versiegelten Brief aus Innsbruck eigens ernannt, diesem Amtsakt beizuwohnen. Anwesend waren auch Pfarrer Franz Sigbert Dornblüet, Rektor und Pfarrer hier, Josef Lindenmeyer von Niederschopfheim in seiner Eigenschaft als Dekan des Landkapitals, sowie sämtliche Schultheiße von Seelbach, Schuttertal, Schönberg, Prinzbach und Reichenbach sowie Mitthias Stölker und Thomas Billian als Abgeordnete der Herrschaft Hohengeroldseck. Unter dem Vorsitz des Amtmanns der geroldseckischen Herrschaft Frantz Anthon von Solaty, wurden Begrüßungen, Ansprachen und Reden über Sinn und Zweck der heutigen Klostergründung gehalten. Vor allem die geistlichen Herren begründeten das Vorhaben im Detail. Hernach begaben sich alle an den Platz, wo das Hospiz mit Klosterkirche erstehen sollte. Das gesamte vorgesehene Gelände wurde inspiziert. Pater Guardian von Kenzingen sprach die Zeremonienworte, während der Schultheiß eine Scholle an die ehrwürdigen Patres des Franziskusordens der Tiroler Provinz überreichte. Damit war die Grundstücksübereignung vollzogen. Doch die Ordensmitglieder sollten auch die Seelsorge in Seelbach ausüben. Auch dies mußte ordnungsgemäß in einer Amtshandlung geschehen. Pfarrer Domblüet bat die Herren in sein Pfarrhaus, zündete im Ofen das Feuer an und übergab den Patres die Schlüssel seiner Räume. Damit waren sie symbolisch auch die Seelsorger der Pfarrgemeinde mit den ihnen zuerkannten Rechten und Pflichten als Pfarrvikare. Dies wurde noch besiegelt durch eine religiöse Handlung in der Pfarrkirche St. Nikolaus. Unter dem Geläut sämtlicher Glocken begaben sich die Gäste in das Gotteshaus, wo Dekan Lindenmeyer sie am Portal empfing und in die Kirche hineinführte. Nach einer kurzen Predigt führte Pfarrer Domblüet den Repräsentanten der Franziskaner, Pater Viktor,an den Hochaltarzu einem Gebet. Dieser berührte den Altar, das Tabernakel und hernach den Taufstein. Mit dem ambrosianischen Lobgesang "Te deum laudamus", und unter Glockengeläut verließen alle die kleine Seelbacher Dorfkirche.

Wappen Graefin von der Leyen
Pater Adalbert Kleinhans, ein Vorkämpfer für die Seelbacher Gründung wurde zum 1. Präses bestellt. Nach dieser langen Vorgeschichte, den vollzogenen theoretischen und symbolischen Handlungen, schritt man nun endlich zur Tat. Die Bauarbeiten am Klostergebäude wurden begonnen. Doch die klösterlichen Gegner gaben sich immer noch nicht geschlagen. Unter Berufung auf das Tridentinische Konzil (1545-1563) versuchten sie erneut, das Unternehmen zu sabotieren(9), und es bedurfte noch eines bischöflichen Machtwortes aus Straßburg. Lapidarisch wurde erklärt: "Omnia laudabilissime et dexterrime esse facta et acta", zu deutsch: "jetzt ist Schluß!" Das Material lieferten die einheimischen Sandsteinbrüche und die Tannenwälder im Schuttertal. Alles ging nun zügig voran, so daß nach dreieinhalbjähriger Bauzeit, am Feste des Erzengels Michael, am 29. September 1735 die kleine Kolonie der Franziskaner das Kloster und wiederum drei Jahre später, ebenfalls am Tage des Kirchenpatrons St. Michael, die Klosterkirche benedizieren konnte.(10)

Im Rahmen der allgemeinen Säkularisation in Deutschland ging auch das Hospiz im Jahre 1813 unter. Es diente meist als Fabrik, dann als Schul-, Armen- und Rathaus. Nach einem heute noch vorhandenen Situationsplan im Gemeindearchiv aus dem Jahre 1895 wurde die Kirche durch Zwischenwände aufgeteilt. Der linke Teil vom heutigen alten Schuleingang wurde Schulsaal, rechts vom Eingang folgten Gemeindesaal am anschließendem Ratszimmer. Im Seitentrakt wurde die ehemalige Klosterpforte Ortsarrest und daran anschließend waren wieder Schulsäle und Kinderschule etabliert. Das Obergeschoß gab ebenfalls Schulsäle und Lehrerwohnungen. Über dem Gefängnis befand sich die Wohnung der Kinderschwester und daneben wieder eine Lehrerwohnung, die heute ein Gemeindebediensteter innehat. Die Gemeindereform und Zentralisierung in jüngster Zeit zwangen erneut zu baulichen Änderungen.

Vorbei sind die Zeiten, in denen herrschaftliche Verordnungen und Befehle erlassen wurden, verklungen sind aber auch die Gebete und Gesänge der Franziskaner, geblieben aber sind im Volksmund Straßenbezeichnungen wie Klosterplatz, Klosterbrunnen, Klostergarten, Klostergasse als Erinnerungsposten.

1. Ch. Brooke, Die große Zeit der Klöster, Freiburg 1976
2. B. Kolb, Historisch-statiat..\opographisches Lexicon v.d. Großherzogthum Baden, 1816, Bd. 111, 5. 227
3. Pater M. Straganz, Spiritus et Vita Fratrum Minsrum. Jg 1931
4. Vigilius Greiderer, Germania Franeiscana, Bd. Il, (Augsburg) 1781, 5.97.09
5. GLA 27/68, 1731, Sept. 27
6. GLA 27/86, 1731, Nov. 13
7. GLA 27/38, 1731,0.D.
8. GLA 27728, 1732, Jun. 12
9. Greiderer, 5. 98
10. W. Müller, Das Franziskaner Kloster in Seelbach, in: DieKlösterder Ortenau, Histor. Verein für Mittelbaden, Kehl 1978. 5. 568

Das Seelbacher Franziskanerkloster - eine baugeschichtliche Untersuchung - Peter Brinktrine - Seelbach im Schuttertal 1179 - 1979

I. Wer das ehemalige Franziskanerkloster in Seelbach kennt, dem mag es aufden ersten Blick ein wenig seltsam erscheinen, daß man sich unter kunstgeschichtlichen Gesichtspunkten mit dieser Anlage beschäftigen möchte. Sie bietet dem Betrachter doch kaum etwas, was man als wirklich künstlerisch bezeichnen könnte. Und außerdem hat dieses Gebäude seit der Aufhebung des Klosters im Jahre 1813 soviele Umbauten über sich ergehen lassen müssen, daß man seine ursprüngliche Gestalt heute nur mehr mit Mühe ausmachen kann. Man darf es ruhig zugeben: das ehemalige Seelbacher Kloster erscheint heute weniger als ein bedeutsames Baudenkmal, sondern eher als ein geschichtliches Zeugnis, das für die Geschichte des Ortes jedoch einen unverzichtbaren Wert darstellt.
Aus der Franziskanerkirche ist das alte Schulhaus hervorgegangenDie spezielle Geschichte des Klosters darf hier unberücksichtigt bleiben, da sie an anderer Stelle bereits behandelt worden ist(1)‚ aber es ist festzuhalten, daß Nachrichten zum eigentlichen Bauvorgang fast ganz fehlen. Mit Sicherheit kennt man nur die Daten der Vollendung des Klosters (29.9.1735) und der Kirche (29.9.1738). Als die Tiroler Ordensprovinz am 27.9.1731 mit dem Grafen Karl Kaspar Franz von der Leyen den Gründungsvertrag abschloß, hatte sie sich darin verpflichtet, die Klosteranlage aus eigenen Mitteln zu erstellen. Der Landesherrschaft sollten also durch das Bauunternehmen keinerlei Lasten entstehen, aber der Graf verzichtete damit zugleich auf jeglichen Einfluß hinsichtlich der Größe und Ausgestaltung des Bauprojektes. Die in dem Vertrag genannte Bauplangenehmigung durch die kaiserlichen Behörden in Innsbruck oder Wien war dabei in erster Linie nicht eine Bestimmung, die die Bauabsichten der Ordnungsprovinz einschränken sollte, denn es war damals durchaus üblich, Bauprojekte öffentlicher Art - und ein Kloster darf man wohl dazu rechnen - von der obersten Landesbehörde genehmigen zu lassen.

Ein weiterer Gesichtspunkt ist bei diesen Vorüberlegungen zu beachten. Die Klostergründung in Seelbach war die letzte der Tiroler Ordensprovinz im 18. Jahrhundert und zugleich auch ihr letztes Neubauunternehmen. Man kann deshalb erwarten, daß die Bauerfahrungen eines ganzen Jahrhunderts in der Seelbacher Klosteranlage zum Tragen gekommen sind.

Mit der Planung für den Bau wurde bekanntlich Bruder Cletus Schaller beauftragt. Er stammte aus Schwaz und gehörte seit 1712 der Ördensprovinz an. In Schwaz, Bozen und Ehingen hatte er zum damaligen Zeitpunkt seine Fähigkeiten als Kunstschreiner bereits bewiesen, aber entscheidend für die Beauftragung mit dem Seelbacher Bauunternehmen dürfte es gewesen sein, daß er seit 1724 in Ehingen mit dem 1729 verstorbenen Provinzarchitekten, P. Fortunat Anderlan, eng zusammengearbeitet hatte und von ihm die notwendigen Kenntnisse im Bauwesen erlernt haben dürfte. Bruder Cletus Schaller steht somit ganz in einer Tradition von Bauhandwerkern in der Tiroler Ordensprovinz, die sich bis 1640 zurückverfolgen läßt und in allen Klosterneubauten seit dieser Zeit wirksam geworden war(2). Die handwerkliche Ausbildung Bruder Cletus Schallers bot zudem die beste Voraussetzung, daß sich der Klosterneubau in Seelbach ganz in die Bauvorstellungen der Ordensprovinz einordnen würde, da er als nicht eigens ausgebildeter Architekt nur an ihm bekannte Klosterbauten anknüpfen konnte. Damit ist aber auch ausgesprochen, daß dieser Neubau sich an älteren Vorbildern orientieren und von vornherein einen gewissen altertümlichen Zug an sich tragen würde. Solche Überlegungen sind unumgänglich, wenn man das Seelbacher Kloster in seiner spezifischen Gestalt richtig verstehen und bewerten möchte.

Ehemaliges Franziskanerkloster Seelbach Erdgeschoss GrundrissIl. Die eingangs ausgesprochene Meinung, der Orden habe in Seelbach ziemlich frei für den Bau disponieren können, ist nur bedingt richtig. Da seitens der politischen und kirchlichen Amtsstellen nur die Gründung eines Hospizes mit höchstens sechs Ordensleuten genehmigt worden war, mußte man diese personalmäßige Einschränkung bei der Bauplanung berücksichtigen. Es wäre sinnlos gewesen, ein größeres Klostergebäude zu errichten, da keinerlei Hoffnung bestand, die Seelbacher Niederlassung einmal zu einem Konvent erheben zu können, Die wirtschaftlichen Verhältnisse in der kleinen Grafschaft waren einerseits sicherlich zu beschränkt, um eine größere Anzahl von Ordensleuten ernähren zu können, aber andererseits war es vor allem wohl auch der Zeitgeist der frühen Aufklärung, der einem solchen gröBeren Kloster entgegenstand.

Über die ursprünglichen Bauabsichten der Ordensprovinz in Seelbach sind wir nun bestens unterrichtet, da sich Baupläne dieser Zeit erhalten haben(3). Es handelt sich um drei Erdgeschoßgrundrisse (Nr. 1-3) und um zwei Obergeschoßgundrisse (Nr. 4 und 5). Diese Pläne haben trotz des Fehlens dazugehöriger Akten einige bemerkenswerte Auskünfte. Zunächst sind von der Zeichentechnik und der Anlageder Pläne her zwei Gruppen zu unterscheiden. Die sehr sorgfältige Ausführung der Pläne I und 4 gibt zu erkennen, daß wir es hier mit Plänen zu tun haben, die irgen deiner Behörde (dem Provinzialat des Ordens oder den kaiserlichen Behörden in Innsbruck) zur Genehmigung vorgelegt werden sollten, wo) die Pläne 2,3 und 5 wohl reine Belegstücke für den Absender gewesen sind. Aus dem Erhaltungszustand lassen sich weitere Erkenntnisse gewinnen, denn im Gegensatz zu den fast unbeschädigten Plänen 2,3 und 5 haben die Pläne | und 4 durch Doppelfaltung sehr stark gelitten und weisen zudem Spuren von Siegelabdrücken auf. Daraus darf man schließen, daß diese beiden Pläne tatsächlich befördert worden sind. Für 1733 ist es nun überliefert, daß Baupläne Bruder Cletus Schallers in Innsbruck dem Definitorium der Ordensprovinz vorlagen und genehmigt wurden(4). Offensichtlich handelte es sich um Ey beiden Pläne im Karlsruher Archiv {Nr. I und 4)

in der Planung selbst hatte Bruder Cletus Schaller den vorgegebenen Bedingungen gerecht zu werden versucht und, infolgedessen nur eine reduziert ausgebildete Klosteranlage mit zwei vollwertig ausgebauten Flügeln im Westen und Norden für die Errichtung vorgeschlagen. Um der Anlage die Geschlossenheit eines Klosters zu bewahren, sollte im Osten ein Verbindungs; vom Nordflügel zum Chor der Kirche erstellt werden. Bermerkenswert ist ferner an dieser Planungsstufe, daß der Klosterwestflügel in gesamter Länge wie in Kenzingen gegen die Fassade der Kirche versetzt werden sollte. Prinzip ganz ähnliche Lösung hatte es bereits beim Bau der Klöster in Waldsee (1655-57) und in Brixen (1671-76) gegeben wo man aus grundstücksmäßigen Rücksichten auf Anordnung des Ordinariates nur unvollständige Klostergebäude hatte erstellen können.

Gegenüber dieser Planungsstufe läßt der überkommene Baubestand (vgl. Abb. S. 264) beträchtliche Abweichungen erkennen. Abgesehen von der ehemaligen Klosterpforte im Westen ist der Kosterwestflügel hinter die Kirchenfassade zurückversetzt und der Ostflügel ist vollwertig ausgebaut(5). Wie lassen sich solche weitgehenden Abweichungen erklären? Da genauere Baunachrichten fehlen, sind wir auf Vermutungen angewiesen. Offenbar hatte man 1733 nach der Genehmigung der Baupläne die Bauarbeiten am Klosterwestflügel aufgenommen. Da nun hier aber das Terrain ursprünglich stark abschüssig war, sind vermutlich in diesem Bereich ungeahnte Schwierigkeiten bei der Fundamentierung aufgetreten, so daß man sich zu einem Planwechsel genötigt sah, wollte man nicht das ganze Bauprojekt über die Maßen verteuern. Man mußte mit dem ganzen Bau weiter nach Osten hinausrücken.

Eine so weitgehende Änderung in den Bauabsichten hätte eigentlich eine völlige Neuplanung notwendig gemacht, aber Bruder Cletus Schaller wußte sich auf eine verblüffend einfache Weise zu helfen. Denn wenn man die in den Plänen dokumentierte Anlage auf metrische Maße umrechnet(6) und mit dem ausgeführten Gebäude vergleicht, ergeben sich einige überraschende Tatsachen: Der heutige Bau will wesentlich geräumiger und größer erscheinen als der geplante, aber man erliegt hier einer Täuschung, denn die Ausdehnung des Innenhofes ist von ursprünglich 12,1 Meter zu 12,1 Meter auf 9,6 Meter zu 9,6 Meter zurückgenommen worden, was eine Verkleinerung seiner Fläche um mehr als ein Drittel zur Folge hatte. Die drei Klosterflügel rückten durch diese Maßnahme enger zueinander, und zugleich schuf man sich so die Möglichkeit, nun auch den Östflügel vollwertig auszubauen, ohne die Gesamtfläche wesentlich vergrößern zu müssen. Bei dieser Umdisponierung hatte man an jenem Fixpunkt ausder Planung festgehalten, wo im Osten der Zugang zum Chorraum der Kirche ansetzte. Man rückte die Außenflucht des Ostflügels bis zu dieser Stelle um zwei Fensterachsen vor, hielt gleichzeitig andern innenhofseitigen Mauerverlauf der Planungsstufe fest und nahm den Westflügel ebenfalls um zwei Fensterachsen zurück. Keine übergeordnete Behörde konnte gegen eine solche Verschiebung etwas einwenden und ein neues Plangenehmigungsverfahren verlangen, da das Gebäude tatsächlich nur unwesentlich in seinen Dimensionen gewachsen war.

Diese dem Außenbau kaum anzusehenden Veränderungen hatten aber im Klosterinneren weitreichende Konsequenzen. Hier hatte man nicht mehr nur Räume verschieben können, sondern mußte von Grund auf um eine Neudisposition bemüht sein. Der vollständige Ausbau ander Ostflanke bot eine bessere Möglichkeit der Raumaufteilung an. Hatte man sich in der ersten Planung noch mit einer relativ kleinen Küche mit nur einer Vorratskammer begnügen müssen, um dem Refektorium ausreichend Platz zu belassen, so konnte man jetzt anders disponieren. Man verlegte das Refektorium ganz in den Ostflügel, erweiterte die Küche, ordnete ihr zwei Nebenkammern zu und zog die beiden Treppenhäuser zu einem einzigen zusammen. Die wirtschaftlich genutzten Räume dürften mit Tonnengewölben versehen gewesen sein, das Refektorium besaß allem Anschein nach eine Voutendecke. Die Größe und Funktionen der übrigen Erdgeschoßräume können heute nach den vielfach erfolgten Umbauten nicht mehr eindeutig nachgewiesen werden, haben aber wohl auch vornehmlich wirtschaftlichen Aufgaben (wie Waschküche, Schreinerei usw.)gedient. Aussagen zum Obergeschoß sind aus den gleichen Gründen nicht mehr möglich, doch wird man damals die Zahl der Schlafzellen vermehrt haben; die Bibliothek und die Krankenabteilung erfuhren offensichtlich eine räumliche Erweiterung.

Ehemaliges Franziskanerkloster Seelbach Obergeschoss GrundrissIII. All diese Maßnahmen des Planwechsels nach Baubeginn hatten sich nur auf den Bereich des Klosters bezogen und die projektierte Kirche scheinbar unberührt gelassen, da ihre Errichtung damals (1733) noch nicht anstand. Dennoch mußte man bei der Neudisposition des klösterlichen Wohn- und Lebensbereiches die Abhängigkeit beider Baukörper voneinander im Auge behalten, wollte man nicht das Gesamtkonzept empfindlich stören. Man war also bei der Verschiebung des Klostergebäudes an der Nordflanke an unumstößliche Gegebenheiten der einmal getroffenen Planung gebunden gewesen und hatte den Rücksprung des Chores nicht außer Acht lassen dürfen, da erletztlich die neuralgische Stelle im Gesamtzusammenhang bezeichnete. Nach dem Vorbild der Klosteranlage in Kenzingen (1657-62 erbaut) war in der Planung eine optimale Lösung gefunden worden, indem mandic hofseitige Mauer des Ostflügels mit dem Chorrücksprung auf gleicher Fluchtlinie zu stehen kommen ließ. Dadurch erübrigten sich alle Ausgleichsversuche älterer Art, wieman sie etwa in Halloder Kaltern durch das Einfügen einer Zwischenmauer versucht hatte.

Wie schon erwähnt hatte Bruder Cletus Schaller gerade dieses Problem richtig erkannt und die westliche Außenmauer des Ostflügels in der ursprünglich festgelegten Position belassen. Das Verhältnis des veränderten Klostergebäudes zur Kirche war somit völlig unberührt geblieben. Als man 1736 mit der Errichtung der Kirche begann, konnte man daher nach dem 1733 genehmigten Bauplan vorgehen und brauchte keine neuen Überlegungen planerischer Art anzustellen.

Wenn wir nun auch trotz des Fehlens genauerer Baunachrichten davon ausgehen dürfen, daß die Kirche in dieser einmal geplanten Gestalt erbaut worden ist, so bleiben doch eine Reihe offener Fragen, denn gerade die Kirche ist durch Abbrüche und Umbauten nach 1813 derart tiefgreifend verändert worden, daß man sich heute nurmehr schwerlich ein Bild über ihr einstiges Aussehen machen kann. Der wichtigste Eingriff in die Bausubstanz war ohne Zweifel der Abbruch des Chores(7) und die Errichtung jenes Gebäudes an seiner Stelle, der heute in wiederum umgebauter Gestalt als ein Teil der Gemeindeverwaltung dient. Im erhaltenen Baubestand gibt es aber glücklicherweise noch einige Anhaltspunkte, die einer Rekonstruktion behilflich sind und sie nicht rein hypothetisch erscheinen lassen.

In der östlichen Giebelwand des ehemaligen Langhauses findet man heute einen in Fachwerk zugemauerten Unterfangbogen. Eine solche Baukonstruktion, bei der sich der Giebel über einem großen Rundbogen aufbaut, hatte eine doppelte Aufgabe zu erfüllen. Eine geschlossen aufgerichtete Giebelmauer bedeutete eine große Belastung des darunterliegenden Chorbogens. Durch einen solchen Unterfangbogen verminderte man nun zum einen das Mauervolumen ganz beträchtlich und verlagerte zum anderen den Druck und Schub der Baumasse auf die im Fundament ruhenden Mauerabschnitte seitlich des Chorbogens. Und endlich schuf ein solcher in die Giebelmauer eingestellter Bogen einen durchgängigen Dachraum über dem Langhaus und dem Chor. Aus diesem Baubefund läßt sich nun eine wichtige Erkenntnis gewinnen: Das ehemalige Chorhaus der Seelbacher Klosterkirche hat dieselbe Traufhöhe wie das Langhaus besessen, und bei gleichem Dachneigungswinkel ragte das Chordach etwa bis zum Ansatz des Krüppelwalmes am Langhausdach empor. Die äußere Gestalt der Klosterkirche war somit im Bereich ihres Chores doch wesentlich anders, als es heute durch den Rathausbau erscheinen will. Statt des unvermittelten Nebeneinanders des blockhaft hochaufragenden Langhauses und des niedrig langgezogenen Rathaustraktes bestand ein ausgewogenes Verhältnis zwischen beiden Bauteilen, die in allen Maßen und Größen einander entsprachen.

Während somit eine Rekonstruktion des Außenbaues keine sonderlichen Mühen bereitet, sieht man sich größeren Schwierigkeiten gegenüber, wenn man sich eine Vorstellung von dem Innenraum machen möchte. Durch den Abbruch des Chores und den mehrgeschossigen Umbau des Langhauses ist der sakrale Charakter so vollkommen ausgelöscht worden, daß man kaum weiß, wo man mit einer Rekonstruktion ansetzen soll. Aus den Plänen kann man zwar einige Hinweise über die Raumaufteilung (vier Fensterachsen im Langhaus, Teilung des Chores in einen Altarraum und in eine Sakristei) gewinnen, aber über den Raumaufriß können sie keine Auskunft geben. Es haben sich nun aber auf dem Dachboden in der Balkenlage eiserne Ankerköpfe erhalten, an denen einstmals eine Deckenkonstruktion aus verputztem Lattenwerk aufgehängt gewesen war. Es mag sich dabei entweder um eine Flachtonnenwölbung gehandelt haben oder um eine Flachdecke mit umlaufender Hohlkehle. Mit Sicherheit kann man das heute nicht mehr sagen. Da aber eher ältere Bauten in der Ordensprovinz Bruder Cletus Schaller als Vorbild gedient haben, dürfte die Seelbacher Klosterkirche wahrscheinlich eine Flachdecke in der Art der ehemaligen Klosterkirche zu Saulgau (vgl. Abb. S. 257) besessen haben.

Der Chorraum zerfiel nach Auskunft des Planes in zwei Teile: in einen dem Langhaus zugewandten Altarraum und in eine rückwärtige Sakristei, über der auf Höhe des Klosterobergeschosses der Betchor der Klostergemeinschaft untergebracht war. Dieser hinter dem Hochaltar gelegene Teil desChorhauses war also doppelgeschossig gebaut und erinnerte in dieser Form an jene in der ehemaligen Klosterkirche zu Horb/Neckar, wo man 1657 einen solchen Einbau vorgenommen hatte. Im übrigen war der gesamte Innenraum mehr oder weniger ungegliedert; es fehlen irgendwelche Wandvorlagen oder ein umlaufendes Gebälk, wie man es sonst in Barockkirchen finden kann. Es war auch nicht versucht worden, durch Architekturmalereien oder Stukkaturen die Wand- und Deckenflächen zu beleben. Einzig die von Bruder Cletus Schaller seit 1738 geschaffenen Ausstattungsstücke (drei Altäre, Kanzel usw.) haben dem Raum ihre charakteristische Note verliehen. Wenn man nun andere von seiner Hand geschaffene Altarbauten kennt (wie in Ehingen oder Bozen), dann darf man annehmen, daß auch die in der Seelbacher Klosterkirche ansprechende Werke gewesen sind. Der Innenraum war somit letztlich von einer für den Franziskanerorden allgemein typischen Art: eine künstlerisch relativ hochstehende Ausstattung in einem schlichten Raum ohne besondere architektonische Ansprüche.

IV. Nach diesen Überlegungen zur frühen Planungsstufe, der dann abweichenden Bauausführung und endlich zu den Rekonstruktionsmöglichkeiten verbleibt es noch, eine Bewertung und Einordnung der ebemaligen Seelbacher Klosteranlage anzubieten. Es ist dabei nach der Stellung dieses Klosters unter denanderen Bauten der Tiroler Ordensprovinz zu fragen, und schließlich muß ein Vergleich zur zeitgenössischen Architektur anderer Orden am Oberrhein versucht werden.

Epitaphe an der Kirche zu Schuttertal
Wie bereis erwähnt, war das Seelbacher Unternehmen das letzte Neubauprojekt gewesen, das die Ordensprovinz im 18. Jahrhundert durchführte. In gewissem Sinne markierte somit die Tätigkeit Bruder Cletus Schallers in Seelbach den Abschluß einer Entwicklungslinie, die um 1640 mit der Errichtung des Klosters in Kaltern begonnen, für mehr als eine Generation sämtliche im Handwerk erfahrenen Kräfte gebunden und zur Herausbildung einer eigenen Bautradition geführt hatte. In der Person P. Rufin Laxners (gestorben 1687) hatte man über einen Architekten verfügt, der rund vierzig Jahre lang das Bauwesen in der Ördensprovinz maßgeblich bestimmt hatte. Die nach seiner Planung und größtenteils auch unter seiner Leitung in dieser Zeit entstandenen Klosterneubauten (Kaltern, Hall, Ehingen, Horb, Waldsee, Kenzingen, Saulgau und Brixen) vertraten in der Bauweise der deutschen Franziskaner des 17. Jahrhunderts eine durchaus neue Konzeption als bisher üblich, und somit bilden die Klosterbauten der Tiroler Ordensprovinz in Tirol selbst und in den habsburgischen Vorfinden einen eigenständigen Typ, den man andern orts in dieser Form nicht antreffen kann. Ohne Zweifel war es in dieser Hinsicht von Bedeutung gewesen, daß sich die Tiroler Ordensprovinz 1627 dem Ordenszweig der Reformaten(8) angeschlossen hatte und damit starke Verbindungen zu den italienischen Franziskanern anknüpfte. Diese Bindungen sollten auch für die Bauvorstellungen maßgeblich werden, denn das Schema einer einschiffigen, tonnengewölbten Klosterkirche mit gerade geschlossenem Chor und eines dreiflügeligen Klosters um einen quadratischen Innenhof mit weiten Rundbogenarkaden zum Kreuzgang (vgl. Abb. S. 256) leitei sich zweifelsohne von der Bauweise der oberitalienischen Reformaten her. P. Rufin Laxner war es gewesen, der diese Vorbilder in einer typischen Weise verändert und in der Tiroler Ordensprovinz zur alleinigen Gültigkeit verholfen hatte; nur in kleinen Details blieben Erinnerungen an heimische Bauvorstellungen.

Diese Neubautätigkeit hatte aber auch noch ein anderes Ergebnis hervorgebracht. Bei dem Bemühen, aus Gründen der Kostenersparnis möglichst keine fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen, war eine Gruppe von handwerklich ausgebildeten Ordensbrüdern (Ziegelbrenner, Maurer, Zimmerleute, Schreiner, Schlosser, Glaser usw.) herangewachsen, die von Baustelle zu Baustelle wanderte und so zu einen Faktor der Traditionsbildung wurde. Erfahrungen, die man an einem Ort gemacht hatte, konnten dem nachfolgenden Bauobjekt zugute kommen; nur so ist es zu erklären, daß das einmal gefundene Modell zwar ständig beibehalten, aber auch ständig in Einzelheiten verbessert wurde.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts hatte Bruder Vitus Rastpichler beim Bau des Klosters in Innichen (1693-97) eine wichtige Neuerung vorgenommen. Bislang waren die drei Klosterflügel in sich gleichwertig gewesen, bei diesen Neubau in Innichen wurde nun aber der zur Kirche parallel verlaufende Flügel als Haupttrakt herausgestellt, die beiden anderen wurden mehr oder weniger zu reinen Verbindungsflügeln. Eine unmittelbare Nachfolge fanden diese neuartigen Bauvorstellungen im Klosterneubau zu Telfs (1703-09), obwohl man sich bei dem Genehmigungsverfahren der Baupläne ausdrücklich auf das angeblich vorbildhafte Klostergebäude in Brixen berufen hatte.

Diese skizzenhaften Darlegungen mögen verdeutlicht haben, über welch ausgeprägten Bauvorstellungen man in der Tiroler Ordensprovinz verfügte und wie sie sich immer wieder neu zu artikulieren gewußt hatten. All diese gemachten Erfahrungen, die bis in die zwanziger Jahre des 18. Jahrunderts hineinreichten, hätten bei einem Neubauprojekt voll zur Entfaltung kommen können. Doch eigenartigerweise ist dies nicht eingetreten, denn Bruder Cletus Schaller unterbreitete 1733 für Seelbach ein Baukonzept, das sich weitgehend an Bauten der vergangenen Jahrhundertmitte orientierte und alle seitdem eingetretenen Verbesserungen und Neuerungen mehr oder weniger ganz außer Acht ließ. Wie soll man sich einen solchen Vorgang erklären?

Für die Ordensprovinz hatte es einen großen Verlust bedeutet, als 1729 in Ehingen ihr Provinzarchitekt, P. Fortunat Anderlan, verstorben war. Es darf außer Zweifel stehen, daß man ihm die Bauplanun und die Ausführung für Seelbach übertragen hatte aber in diesem Falle mußte man notgedrungen auf Bruder Cletus Schaller zurückgreifen, der zwar in der Zusammenarbeit mit jenem beim Neubau der Klosterkirche in Ehingen vieles gelernt hatte, aber doch mehr Kunstschreiner geblieben war und sich nicht hatte zu einem wirklichen Architekten ausbilden können. Die Vergabe einer bauplanerischen Aufgabe an ihn und die während des Baues notwendig werdende Umplanung waren für diesen Ordensbruder letztlich doch eine Überforderung seiner Möglichkeiten. Ein eigenständiges, auf der Höhe der Zeit stehendes Baukonzept durfte man von ihm nicht erwarten. Bestenfalls konnte er auf der Grundlage von Vorlagen eine den örtlichen Verhältnissen angepaßte Planung erstellen, die den Erwartungen gerecht zu werden versuchte. Ein eigentlich schöpferischer Vorgang kam dabei nicht zustande. Es wird sich wohl nicht beweisen lassen, aber wir sind der Meinung, daß ihm Unterlagen des Kenzinger Klosterarchivs aus der dortigen Bauzeit ( 1657-62) als Arbeitsgende gedient haben, denn eine gewisse Abhängigt der Seelbacher Klosteranlage gerade von der Kenzinger ist nicht von der Hand zu weisen und zugleich würde sich dadurch ihr altertümlicher Charakter weitgehend erklären lassen.

Diese so charakterisierte Stellung der Seelbacher Klosteranlage innerhalb des Bauschaffens der Tiroler Ordensprovinz zeigt nun zugleich auch die Grenzen auf, wenn man sie mit den Bauten anderer Orden im oberrheinischen Bereich vergleichen möchte. Die verwandten Ordensgemeinschaften der Kapuziner und Minoriten, die im engeren Umkreis über zehn Klöster verfügten, hatten sich bei ihren Klosterbauten mit einer ähnlich anspruchslosen Architektur begnügt, die nur einfachsten menschlichen Bedürfnissen Rechnung trug. Eine Parallele zum Seelbacher Franziskanerkloster ist also durchaus gegeben.

Einem völlig anderen Ergebnis wird man sich jedoch gegenübersehen, wenn man die Anlagen der oberrheinischen Benediktinerklöster zu einem Vergleich heranzieht, die gerade seit den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts eine umfangreiche Bautätigkeit entfalteten (Schwarzach 1724 - 36, Eitenheimmünster 1738 - 40, St. Trudpert 1737,51. Ulrich 1741, St. Peter 1752 - 57). Dabei handelte es sich nun aber keineswegs um eine ordensspezifische oder typisch oberrheinische Spielart in der barocken Klosterkunst, sondern die Wirksamkeit von Künstlern und Bauleuten aus dem Vorarlberg setzte hier Maßstäbe, die all diese Neubauten in einen größeren vom östlichen Schwaben bis ins Elsaß reichenden Rahmen einbanden. Die Absicht, mit den Bauten auch städtebauliche oder landschaftsbeherrschende Akzente zu setzen, läßt zudem auf ein Selbstverständnis der geistlichen Bauherren schließen, die in erster Linie durchaus die Ehre Gottes zu mehren suchten, die aber zugleich auch ihre gesellschaftliche Stellung und die wirtschaftliche Kraft ihrer Klöster unter Beweis zu stellen gewillt waren. Und an eben dieser Stelle erweist sich eine Vergleichemöglichkeit zwischen dem schlichten Seelbacher Franziskanerkloster und solchen repräsentativen Anlagen als nicht mehr durchführbar. Das Selbstverständnis der reformierten Franziskaner im 17. und 18. Jahrhundert war nicht auf einen innerweltlichen Anspruch bedacht, sondern gewillt, die tragenden Werte der Ordensgemeinschaft (paupertas = Armut und minoritas = Mindersein) überzeugend zu leben. Ihre bescheidenen und anspruchslosen Klosterbauten sind als ein Spiegel dieser Absicht zu begreifen. Sie werden so letztlich zu einem Symbol und zu einem Dokument des Ordens selbst und verlieren auch dann nichts von ihrer Aussagekraft, wenn die Ordensleute durch Zeitverhältnisse bedingt, den Ort ihrer Wirksamkeit schon vor langem - wie hier in Seelbach - hatten verlassen müssen.

Anmerkungen:

1. vgl. F. Singler, Das Franziskanerkloster in Seelbach, in: GL 20 (1977), 114-127
2. Diese Bautradition setzte 1640 mit dem Klosterbau in Kaltern ein, an dem der nachmalige Provinzarchitekt, P. Rufin Laxner, wohl schon beteiligt gewesen war.
    Zusammen mit Bruder Vitus Rastpichler bestimmte er bis zum Jahrhundertende das Bauwesen in der Ordensprovinz. In den Patres Gregor Karneider und ,  
    Fortunat Anderlan setzte sich diese Tradition im ersten Viertel des 18. Jahrhundert fort.
3. GLA, Abtl. G., Seelbach 1-5
4. Hall, Franziskanerkloster, Archiv der Tiroler Ordensprovinz, Codex
    4b (Provinzchronik, II. Band), 327
5. Der heutige Baubestand an der Nordostecke des ehemaligen Klosters (Metzgerei Himmelsbach) gibt zu erkennen, daß der Ostflügel von Anfang an als 
    vollwertiger Trakt ausgebaut gewesen ist; die Verbundkonstruktion des Dachstuhls in diesem Eckbereich zeigt alle Merkmale der Zimmermannstechnik des 
    frühen 18. Jahrhunderts und läßt keine nachträglichen Änderungen oder Erweiterungen erkennen.
6. Plan 1 enthält einen Maßstab von 50 unbezeichneten Einheiten = 137 mm; es handelt sich um eine Maßangabe in Wiener Schuh = 31,61 cm.
7. Der Zeitpunkt des Chorabbruches ist nicht überliefert und wird nur einmal in der Literatur erwähnt, ohne Quellen anzugeben, vgl. Nachrichtenblatt der
    Denkmalspflege in Baden-Württemberg 10 (1967), III.
8. Bei den Reformaten handelte es sich um eine erneute Reformbewegung innerhalb der Franziskaner-Observanten; sie erhielten 1530 die päpstliche Bestätigung 
    ihrer Lebensweise und wurden bis zum Ende des 16. Jahrhunderts zur vorherrschenden Gruppe in Italien.

Nachtrag:

Durch den uns bislang unbekannten Lageplan des Klosters von 1810 wird unsere Rekonstruktionszeichnung weitgehend bestätigt, allerdings war der Altarraum der Kirche weniger tief als bislang angenommen ausgebildet. Hier wire eine entsprechende Korrektur vorzunehmen.


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Historische Mühle Glatz

Historische Mühle Glatz - größter Mühlenkomplex im Land - vielfältiges Angebot mit Wasserantrieben


Das private Mühlenmuseum Historische Mühle Glatz in Seelbach an der Schutter in der Litschentalstraße 24 liegt - wie der Straßenname besagt - auf dem Weg zum Litschental, wo noch zwei weitere historische Bauwerke der Gemeinde Seelbach vorzufinden sind.

Die denkmalgeschützte historische Mühle Glatz ist am besten als "Mühlenwerk" - nicht Mühlwerk - zu umschreiben, wobei naturgemäß auch Mühlwerke Bestandteile des Objektes sind. 

Die historische Mühle Glatz bietet ein großes Spektrum an Mühlen und wasserbetriebenen Mechaniken, was auf das unternehmerische Engagement seiner frühen Erbauer (zumindest seit Mitte des 18ten Jahrhunderts schließen lässt).

Dazu gehör(t)en:

blueCircle Öl- und Getreidemühle
blueCircle Stampfwerk
blueCircle Hanffaserbearbeitung
blueCircle Sägemühle
blueCircle Kelterei

Das Markenzeichen der Mühle sind die beiden unterschlächtigen Wasserräder. Das größere Wasserrad mit einem Durchmesser von 5,5 m dient neben seiner historischen Funktion dem Antrieb eines kleinen, modernen Wasserkraftwerkes zur Stromgewinnung.


Ein katastrophales Hochwasser hat im Jahr 1987 die Mühle schwer beschädigt, woraufhin das Gebäude grundlegend renoviert werden musste. Die Renovierung gelang nur durch die Unterstützung des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg, des Ortenaukreises, der Gemeinde Seelbach, des Schwarzwaldvereins, der Pfadfindern und des Freundeskreises der Familie Glatz. Die Architektenkammer Baden-Württemberg und das Landratsamt Ortenaukreis verliehen im Jahr 1992 hierfür einen Preis für beispielhaftes Renovieren. (Webseite historische Mühle Glatz)

Fritz Leonhardt dokumentierte 2000 i Geroldsecker Land die historische Mühle Glatz ausführlich (unten):

Leonhardt, Fritz: "S' Glatze Mühle" - Museales Kleinod in Seelbach - Die Wasserkraft im Dienst des Menschen (Geroldsecker Land, Heft 42 - 2000) Seite 112 - 117


Die Nutzung des strömenden Wassers zum Heben von Wasser in höher gelegene Bewässerungskanäle ist uns aus dem vorderasiatischen Stromland, Ägypten, Indien und China bereits aus dem ersten vorchristlichen Jahrtausend überliefert. Das in der antiken Literatur als "Noria" benannte unterschlächtige Wasserrad mit angebauten Schöpfgefäßen dürfte am Anfang der Wasserkraftnutzung stehen. Ausgehend von den vorderasiatischen Stromländern verbreitete sich die Nutzung der Wasserkraft über das Mittelmeer in den griechischen und römischen Kulturbereich. Für die damalige Zeit beachtenswerte Ingenieurleistungen erschlossen die Wasserkraft für zahlreiche neue Anwendungsgebiete. Das Wasserrad wurde zum universellen Antrieb von mechanischen Arbeitsvorgängen, die bislang von menschlicher oder tierischer Kraft bewerkstelligt werden mußten.

Glatze Muehle Aufnahme Kurt Gruseck Farbreproduktion Reprographia LahrDer Einsatz von Wasserrädern erfolgte in erster Linie zum Antrieb von Mahlwerken, die in der ersten nachchristlichen römischen Kulturepoche von dem genialen römischen Ingenieur Vitruv entscheidend verbessert wurden. Es entstanden zahlreiche Mühlen, das Wasserrad wurde zum Mühlrad. Mit der Ausbreitung des römischen Imperiums in die gallischen und germanischen Siedlungsgebiete entstanden Wassermühlen erstmals auch nördlich der Alpen.

Während die meisten hochentwickelten technischen Errungenschaften der Römer mit dem Verfall ihres Imperiums wieder in Vergessenheit gerieten, wurden für die Wassermühlen stets neue Anwendungsgebiete erschlossen. Schon aus dem 8. Jahrhundert n. Chr. ist ein Wasserrad zum Antrieb einer Säge urkundlich erwähnt. Bereits um 1000 n. Chr. werden mit Wasserkraft angetriebene Pochwerke und Blasebälge für die Erzbearbeitung eingesetzt. Im frühen Mittelalter folgten Hammerschmieden. Das Wasserrad wurde bis in das 19. Jahrhundert hinein zum universellen Antrieb von mechanischen Arbeitsvorgängen. Die bereits in römischer Zeit erfundene Umsetzung der vertikalen in die horizontale Drehbewegung mittels Kammräder wurde im Laufe der Jahrhunderte weiter verbessert. Die Kraftausnutzung wurde durch Veränderung der Schaufeln am Wasserrad erhöht, durch Einbau von Getrieben die Umdrehung beschleunigt.

Doch die Erfindung der Dampfmaschine machte das Betreiben von Mühlen, Sägewerken und sonstigen Gewerken unabhängig vom Vorhandensein von Wasserkraft und leitete die Industrialisierung im 19. Jahrhundert ein. Während die Wasserräder als Antrieb mehr und mehr zunächst durch Dampfmaschinen, im 20. Jahrhundert durch Elektromotoren ersetzt wurden, blieb die Nutzung der Wasserkraft durch die Weiterentwicklung des Wasserrads zur Turbine allein der Stromerzeugung vorbehalten. Um jedoch die Mühlenromantik unserer Vorfahren noch lange lebendig zu erhalten, sind landauf, landab alte Wassermühlen vor dem Verfall gerettet oder nach alten Vorbildern nachgebaut worden. Ein hervorragendes Beispiel einer solchen Museumsmühle ist "s' Glatze Mühle" in Seelbach, von der in den folgenden Abschnitten die Rede sein soll.

Historische Anfänge - Rückblick in mehr als zwei Jahrhunderte

Die Gerstenstampfe Aufnahme Fritz LeonhardtEin handgeformter Ziegel vom Dach des Mühlengebäudes, in den der damalige Handwerker die Jahreszahl 1792 eingeritzt hat, gibt zunächst einen möglichen Anhaltspunkt über das Alter der Mühlenanlage. Doch alte Dokumente über Darlehensbeschaffung, die der heutige Eigentümer Eberhard Glatz auf dem Speicher des alten Wohnhauses fand, weisen zurück in das Jahr 1746 und somit auf eine über 250-jährige Vorgeschichte.

Wer die Wehranlage an der Schutter und die Mühle angelegt hat, ließ sich aus Archivunterlagen leider nicht ermitteln. Ein erster sicherer Hinweis liefert das Grundbuch der Gemeinde Seelbach, nach dem ein Johannes Benz, Sägemüller aus Kuhbach, in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts als Eigentümer ausgewiesen ist. Dessen Sohn Carl Benz erweiterte die von seinem Vater betriebene Sägemühle mit den angebauten Mahl- und Stampfwerken 1843 durch den Einbau einer Ölmühle. Nach dem Tod von Carl Benz bewirtschafteten seine Söhne Karl und Ludwig die Mühlgewerke an der Schutter. 1875 endete mit dem Tod der Brüder die Ära Benz. Maria Anna Benz, die Witwe von Josef, verkaufte das Mühlenanwesen an Ludwig Schöttgen, der den Betrieb bis 1905 führte. Dessen Sohn Karl konnte es allerdings nicht halten, so daß es im Wege der Zwangsversteigerung für 20.000 Goldmark im Jahr 1909 in den Besitz von Ludwig Glatz gelangte. Seither in Familienbesitz, durchlief die Mühle wechselvolle Zeiten.

Die veraltete Technik von Sägewerk und Mühle hielt der Konkurrenz der im Industriezeitalter modernisierten Betriebe nicht mehr stand. Auch der Einbau eines Stromerzeugers schaffte nicht den Durchbruch zu einer generellen Modernisierung und einer damit verbundenen besseren Wirtschaftlichkeit. Während die mit Wasserkraft betriebene Säge noch für kleinere Aufträge bis 1994 eingesetzt war, wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Öl- und Getreidemühle stillgelegt. In der Existenz bedroht, hielt sich der Vater des heutigen Besitzers mit Gefälligkeitsarbeiten und einer Apfelmosterei über Wasser. Für Erhaltungsarbeiten der im Dornröschenschlaf versunkenen Mühle fehlte es an Geld.

Trotz aller Widrigkeiten stellte Eberhard Glatz, geschichtlich und technisch interessiert, Überlegungen an, das väterliche Erbe der Nachwelt zu erhalten. So war es in erster Linie ihm zu verdanken, daß er auf eigene Kosten den aus Gengenbach stammenden Architekten Lehmann beauftragte, eine Bauaufnahme der Mühlengebäude zu fertigen. So waren, als im Juli 1987 ein gewaltiges Hochwasser der Schutter das alte Mühlengebäude zum Einsturz brachte, schon alle Pläne für den historischen Wiederaufbau vorhanden. Doch galt es noch große Hürden zu nehmen, das löbliche Vorhaben zu realisieren. Mit Hilfe der Gemeinde Seelbach, des Landesamtes für Denkmalschutz und nicht zuletzt des unermüdlichen persönlichen Einsatzes von Eberhard Glatz konnte der Wiederaufbau 1988 beginnen. Nach zehnjähriger Bauzeit mit akribischem Bemühen um historische Details war sie als funktionsfähige Museumsmühle wieder erstanden. Wenn Sie über die Wehrbrücke über die Schutter, vorbei an den beiden Wasserrädern, gehen, so denken Sie an die hohen Kosten, die zur Erhaltung dieses musealen Kleinods erforderlich waren.

Noch stehen Wellen und Holzräder still, wenn wir nach dem Gang über die Wehrbrücke durch die kleine Tür das Mühlengebäude betreten. Doch mit der Stille ist es rasch vorbei, als Eberhard Glatz, kundiger Museumsführer, das kleine Mühlrad in Bewegung setzt, so daß die mächtigen Holzstößel der Gerstenstampfe mit Gepolter nacheinander in die ausgehöhlten Tröge fallen, die dort eingebrachten Gerstenkörner von den Spelzen zu befreien, um sie dann zu schroten oder zu mahlen. Die beim Wiederaufbau verwendeten Teile lassen den Schluß zu, daß die Gerstenstampfe zu den ältesten Einrichtungen der Mühle gehörte. Die vom Mühlrad angetriebene Welle hebt mit den eingelassenen Zapfen die in einem mächtigen Balken geführten Holzstößel in gleichmäßiger Reihenfolge nach oben und läßt sie in die Tröge fallen.

Die Saegemule Aufnahme Fritz LeonhardtNoch beeindruckt von der sehr alten einfachen Mechanik wird unser Interesse nach Abschalten der Gerstenstampfe auf einen weiteren, nicht ganz so alten Betriebsteil gelenkt: die Ölmühle. Auf einem Podest gleich neben der Stampfe liegt waagrecht ein runder starker Bodenstein. An einer senkrechten Achse, in der Mitte des Bodensteins und einem darüberliegenden Balken geführt, ist drehbar ein breiter runder Sandstein befestigt. Als sogenannter Kollergang hat er die Aufgabe, ölhaltiges Einsatzgut zu einem Brei zu zerquetschen. Erschrocken weichen die zuvorderst Stehenden zurück, als nach Einschalten des Wasserradantriebs der senkrecht stehende runde Stein auf dem Bodenstein sich um die Achse zu drehen beginnt. Nachdem der Kollergang wieder zur Ruhe gekommen ist, findet die Frage nach der weiteren Verarbeitung des öligen Breis ihre Antwort in der gleich nebenan wieder original restaurierten Keilpresse. Bei der Betrachtung kann man sich zunächst keine Vorstellung von ihrer Funktion machen. Erst bei der fachlichen Erklärung erkennen wir in dem mächtigen hölzernen Fundamentblock quadratische Vertiefungen mit einem Ablaß. Als Muster bereitgelegt zeigt Eberhard Glatz ein Preßtuch, in welches der im Kollergang entstandene Ölbrei eingefüllt und in die als Preßkammern dienenden Vertiefungen eingelegt wird. Mittels Keilen soll nun in den Preßkammern das Einsatzgut in dem Tuch zusammengepreßt werden. Wie das geschieht, wird sogleich klar, als sich die stämmige Antriebswelle oben in Bewegung setzt und die noch hängenden Rammbalken mit Wucht auf die Keile niedersausen läßt, die den Raum in den Preßkammern schrittweise verengen.

Man kann sich so richtig vorstellen, wie das Öl durch das Preßtuch quillt und in feinem Strahl in das Auffanggefäß rinnt. Wie wenig effektiv dieses Verfahren war, erläutert Eberhard Glatz an einem von ihm durchgeführten Versuch, bei dem er in einem Tag aus 2 kg Walnußkernen etwa 0,4 1 Öl gewinnen konnte, wobei nach Erwärmung im Rührkessel noch einmal 0,52 1 Öl anfielen. Bei der Keilpresse geht es nun treppauf zum Zwischenpodest, Biet genannt, auf dem die Getreidemühle nach altem Vorbild wieder aufgebaut ist. Von der Kornbühne kommend, verengt sich der Einfülltrichter zum ringförmigen Läuferstein, der die Körner in seiner mittigen Öffnung aufnimmt. Dieser Läuferstein liegt mit verstellbarem Abstand auf dem sogenannten Bodenstein und wird durch eine Achse über ein Kammrad in Drehung versetzt. Je nach Abstand zwischen den Mahlsteinen werden die Körner von grob bis fein zu Mehl vermählen. Das Mahlgut gelangt über einen Auslauf in den sogenannten Beutelkasten, in dem das Mehl beim Durchlauf in einem mechanisch geschüttelten Beutel aus Leinen oder Seide ausgesiebt wird. Die übrig bleibende Kleie wird am Ende des Beutelsiebs durch das am Beutelkasten offene Maul einer Maske, dem Kleiekotzer, ausgeworfen. Durch eine seitlich auszuhängende Klappe wird das Mehl aus dem Beutelkasten entnommen. Denken Sie aber nicht, wendet sich Eberhard Glatz an seine staunenden Besucher, daß dies früher ein feines, blütenweißes Mehl war. Fünf bis acht Mahlgänge seien notwendig gewesen, um aus 100 kg Getreide 70 kg Mehl zu gewinnen, wobei bei Mühlsteinen aus heimischem Buntsandstein das Mehl oft leicht rötlich gefärbt war und zwischen den Zähnen knirschte.

Als wir nun glaubten, alles gesehen zu haben, geht es treppauf noch einmal höher zur Sägemühle, die über Jahrhunderte hinweg Baumstämme des heimischen Waldes zu Bauholz verschnitt und allen Generationen der Glatzenmühle Arbeit und Brot verschaffte. Neben der weit älteren Einblatt-Gattersäge mit Hochgang sehen wir daneben eine Mehrblatt-Brettersäge. Ein Blick durch das Fenster zeigt uns, wie sich draußen das große Mühlrad zu drehen beginnt und nach Zuschalten des Antriebs das Einblattgatter sich mit Getöse in Bewegung setzt und das Sägeblatt sich in den Baumstamm frißt. Während dieses Einblattgatter nach Abhängen von der Triebachse zur Ruhe kommt, setzt sich die Brettersäge in Bewegung.

Die wesentlich von der Wasserführung der Schutter abhängige kostengünstige Antriebskraft der Mühlräder konnten die Stillegung nicht verhindern. Selbst der Einbau eines Stromaggregats in den 20er Jahren für die Erzeugung von 40.000 kWh/Jahr erbrachte nur eine kurze Entlastung. Doch als anschauliches Beispiel für den Beginn des Elektrizitäts-Zeitalters wird in "s' Glatze Mühle" die Wasserkraft-Stromerzeugung weiter genutzt. Mit dem Gedanken, in die Arbeitswelt unserer Vorfahren zurückgeblickt zu haben, verlassen wir über die Wehrbrücke die so liebevoll renovierte historische Mühlenanlage, die den zahlreichen Bestand an historischen Objekten im Ortenaukreis abrundet.

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St. Peter und Paul - Wittelbach


Anonym: Das romantische Kirchlein zu Wittelbach (Der Altvater, 16.11.1935) St Peter und Paul - Neben dem Burgheimer Kirchlein, das vor 900 Jahren - am 25. Juli 1035 durch den Straßburger Bischof geweiht wurde - ist das romanische Kirchlein von Wittelbach das ehrwürdigste kirchliche Baudenkmal der oberen Ortenau

Neben dem Burgheimer Kirchlein, das vor 900 Jahren - am 25. Juli 1035 durch den Straßburger Bischof geweiht wurde - ist das romanische Kirchlein von Wittelbach das ehrwürdigste kirchliche Baudenkmal der oberen Ortenau. Am 22. Juli 1932 konnte es sein 800jähriges Bestehen feiern. Die Weihe vollzog im Jahre 1132 Bischof Alrich von Konstanz, der seinen Lebensabend bei seinem Bruder, dem Abt Werner, im nahen Kloster Ettenheimmünster verbrachte. Der greise Bischof hatte am 9. Juli des gleichen Jahres die Kirche in Dörlinbach, am 11. Juli desselben Jahres die Kirche in Schweighausen geweiht. Die alten Kirchen von Dörlinbach und Schweighausen sind längst nicht mehr (vom alten Dörlinbacher Kirchlein konnte wenigstens ein Portal gerettet und in das neue Gotteshaus eingebaut werden); das alte Wittelbacher Gotteshaus blieb erhalten: ein wuchtiges Denkmal aus unserer Heimat frühen Zeit. Niemand kann sich seinem Eindruck entziehen. Es rühren freilich nicht alle Bauteile aus älterer Zeit.

Aus romanischer Zeit stammen die Hauptteile: der massige Turm mit seinen mächtigen Strebepfeilern und die Mauern des eigentlichen Kirchleins. Im Turm schaut man schmale Mauerschlitze, die in Notzeiten vielleicht (wie in Burgheim) als Schießscharten benutzt wurden. Aus romanischer Zeit stammen auch die Eingänge; zwei sind ringsum geschmückt mit einem sogenannten "Eierstab". Uralte Symbole sind aus dem Sturz der dritten Türe eingegraben: der Baum des Paradieses, das Kreuz der Erlösung und der Stern von Bethlehem. Aus frühester Zeit stammen wohl die gemauerten Altartische wie auch der mächtige Chorbogen.

In gotischer Zeit (in welcher u. a. die Lahrer Stiftskirche erbaut wurde) erhielt der Wittelbacher Turm reizvolle gotische Doppelfenster; das Chörlein erhielt ein Gewölbe mit sich kreuzenden Rippen, ein sogenanntes "Kreuzgewölbe". Merkwürdig sind die vier Steinköpfe, auf denen die Rippen aufsitzen. Drei davon strecken die Zunge heraus, wie die Wasserspeier am Straßburger und Freiburger Münster. Die seltsamen Köpfe dürften auf ein Alter von etwa 600 Jahren zurückblicken. In gotischer Zeit wurden auch die Weihbrunnen am Eingangs [sic!] aufgestellt: damals erhielt der Turmgiebel ein durchbrochenes Steinkreuz. Möglich, daß aus gotischer Zeit unter der Tünche (wie in Burgheim und Hausgereut) noch Malereien verborgen sind. Die Altäre der Frühzeit sind leider verschwunden.

Aus der Barockzeit stammt außer dem Hauptaltar der Sakristei-Anbau. Wie schutzsuchend lehnt er sich an die Ostmauer des wuchtigen Turmes an; er fügt sich harmonisch in das Baubild ein. In der Sakristei werden u. a. ein wertvoller, etwa 200 Jahre alter Augsburger Barockkelch aufbewahrt: auch alte Meßgewänder von bedeutendem Kunstwert. Die schlichte Kanzel stammt aus dem 18. Jahrhundert. Von den Glocken des Kirchleins stammt die eine aus dem Jahre 1681, die andere aus dem Jahre 1768. Die erste zeigt in feiner Ziselierarbeit eine Kreuzigungsgruppe, eine Madonna sowie die Apostel Petrus und Paulus; die zweite trägt die Inschrift: Daß ich gegossen wurde, dafür sorgte die Gemeinde Wittelbach!

In ältester Zeit - das Dorf hieß damals Wittilunbach - hielten die in Schweighausen wohnenden Benediktinermönche jeden Sonn- und Feiertag Gottesdienst im damals neuerbauten Kirchlein. 1419 hören wir erstmals von einem Wittelbacher Pfarrer, einem sogenannten Leutpriester. Nachdem später die Geroldsecker die Wittelbacher Pfarrgüter an sich nahmen, wurde Wittelbach wieder Filiale von Schweighausen.

Im Ort selbst hatte schon 1144, wo er erstmals erwähnt wird, das Kloster St. Trudpert Besitzungen. Diese wurden 1363 an das Kloster Ettenheimmünster verkauft. Dorfherren waren zeitweise ein Hans Schultheiß von Haslach, später ein Hans Tettinger und sodann ein Johann von SchuttertaI. Von 1363 bis 1803 gehörte das Dorf zum weltlichen Besitz des Hochstifts Straßburg, und zwar - wie Dörlinbach und Schweighausen - zur Straßburgischen Herrschaft Ettenheim.

In unserer Westmark haben sich verhältnismäßig wenig Baudenkmäler aus dem frühen Mittelalter erhalten. Außer Burgheim, Freistett, Hausgereut und Reichenbach bei Gengenbach ist das Wittelbacher Kirchlein die einzige erhaltene romanische Dorfkirche in der Ortenau. Mit Recht steht sie unter Denkmalsschutz. Treffend kennzeichnet der Münchener Kunsthistoriker Pinder das Wesen des romanischen Baustils: "Das Innenleben dieser alten romanischen Bauten ist von einer solchen Stärke, daß man es körperlich fühlt. Mit wenigen Mitteln werden starke Wirkungen erzielt. Die Gerade, der Rundbogen, Fläche und Wölbung bauen sich auf zu einer majestätisch-ruhigen Architektur." Der gleiche Geist, der lebendig ist in den gewaltigen Domen und Kirchen zu Mainz und Speyer, zu Bamberg, in Naumburg, zu Alpirsbach und Reichenau, spricht zu uns aus den schlichten Kirchlein zu Burgheim und Wittelbach: Der stolze, wehrhafte und zugleich demütige Geist der deutschen Frühe. Wie kleine Gottesburgen stehen unsere romanischen Dorfkirchen in der heimatlichen Landschaft. 

Zur Baugeschichte der Kirche in Wittelbach - Karl List - Seelbach im Schuttertal 1179 - 1979 (311 ff)

Rekonstruktion Zeichnung List alte Wittelbacher KircheZu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit wurden durch Bischof Ulrich von Konstanz an einem Julitag des Jahres 1132 im Schuttertal zwei Kirchen geweiht; in "Witilinbach" und in "Derlinbach". Wir erfahren, daß der Abt von Ettenheimmünster um diese Weihen gebeten hatte. Beide Kirchen, dieam Bach des Wittilo und die im heutigen Dörlinbach, sind also in diesem Jahr fertiggestellt und ihre Altäre geweiht worden. Das Patrozinium läßt nicht erkennen, ob bereits Vorgängerkirchen vorhanden waren, doch darf angenommen werden, daß einfache Kapellen in Ständerbauweise seit längerer Zeit im Tal existierten, denn die Besiedlung des Tales hatte schon zu karolingischer Zeit im Tal eingesetzt. Die frühe romanische Burg Lützelhard setzt eine zugehörige Bauernschaft schon im 11./12. Jahrhundert voraus. Von der in Dörlinbach 1132 geweihten Kirche sind lediglich Teile eines Portals in der neuen Kirche eingebaut, von der Kirche in Wittelbach hingegen besaßen wir bis zum Jahre 1952 noch das alte Kirchenschiff (mit späteren Änderungen), mit dem ursprünglichen Westportal und dem Triumphbogen. Letztere beiden sind auch nach dem Umbau erhalten geblieben.

Durch die Untersuchungen im Jahre 1972 sind wir in der Lage, die 1132 geweihte Kirche rekonstruieren zu können. Es war ein damals landesüblicher Kirchenbau: einem Rechtecksaal war östlich ein eingezogenes und niedrigeres Altarhaus - das Sanktuarium - vorgesetzt. Die Kirche war recht klein; einem Schiff von ca. 9.00 m lichter Länge und 6.00 m Breite gaben auf jeder Seite zwei kleine Rundbogenfenster Licht. Diese Fenster waren noch kleinsteinig gemauert mit trichterförmigen Laibungen, wie sie auch der etwa gleichzeitige dritte Bau in Burgheim-Lahr zeigt. Hier sind es wegen der größeren Länge der Kirche drei Südfenster; im Norden keine. Doch in der hundert Jahre später erbauten Kirche zu Kuhbach sind es wiederum nur zwei Fenster. Wie klein unsere Kirche in Wittelbach ist, zeigt der Vergleich mit der ersten Kirche des 7. Jh. in Burgheim, die schon damals mit 7.50 auf 9.00 m lichte Weite im Schiff erheblich größer war.

Bei den Restaurierungsarbeiten im Jahre 1972 konnte im Altarraum - dem Sanktuarium, fälschlich "Chor" genannt - eine Bodenuntersuchung vorgenommen werden. Da der Chorturm in Wittelbach zwar sehr alt, doch nicht ursprünglich war, konnte nicht überraschen, hier die Fundamente des ursprünglichen Altarhauses zu finden. Nach der Mauertechnik (Struktur) war es unzweifelhaft das Fundament des 12. Jh., das von dem späteren Turmfundament übergreifend eingeschlossen wurde. Kleinsteinig und gut lagerhaft bildete esmit 3.55 m lichter Breite und 4.10 m Länge einen nach Osten verlängerten Raum. Die Stärke der seitlichen Fundamente betrug 0,62 m, das östliche dagegen war mit ca. 0.80 m stärker dimensioniert. Diesen nun gesicherten Maßen des Altarraumes entsprach ein Schiff von ca. 6.00 m auf 9.00 m im Lichten, die Fundamente zu diesen aufgehenden Wänden müssen mit 0.80 m Stärke der Giebelwand des Altarraumes entsprochen haben. Bei einer Höhe von 5.40 m (später leicht erhöht) finden wir ein Raumverhältnis von 18/20/30 Fuß, legt man das im Mittelalter bis ins 18. Jh. am Oberrhein gebräuchliche Fußmaß zu Grunde, das zwischen 295 und 305 m/m schwankt. Dem entsprach das Westportal mit 4 Fuß (1.20 m), der Triumphbogen mit 8 Fuß (2.38 m) und der Altarraum mit 12 Fuß Breite. Der Altarraum liegt drei Stufen höher, als das Schiff, vermutlich von Anfang an. Die profilierten Kämpfer, deren nördlicher mit den schmalen Blättchen fast noch karolingisch anmutet, zeugen für das Alter des Bogens.

Grundrisse zur Erneuerung des KirchenschiffsDas heute in der Südseite des Kirchenschiffs eingebaute Portal mit geradem Sturz unter einer Bogennische anstelle des Tympanon ist ein weiterer wertvoller Zeuge des Gründungsbaues. Diesen Portaltypus finden wir schon in karolingischer Zeit, doch sehr verbreitet in der ottonischen Baukunst, auch in Betberg/Breisgau im 12. Jh. Der eigentliche Sturz ist interessant durch linienförmig eingeritzte Symbole. Links ein schlichtes Balkenkreuz, rechts eine achtblättrige Rosette, wie sie in der Volkskunst in allen Jahrhunderten wiederkehrt. Seltener ist die baumartige Figur, die die Mitte beherrscht. Es ist der Paradiesbaum oder Lebensbaum - Symbol des ewigen Lebens. Die unplastische Darstellung wirkt sehr altertümlich; im 12. Jh. sind derartige Symbole immerreliefartig tief ausgearbeitet, so in Burgheim/Elsaß oder in Plieningen in Württemberg. Doch darf die altertümliche Art nicht zu einer zu frühen Datierung verleiten, denn es handelt sich um eine bäuerliche Steinmetzarbeit, wie wir sie schon an den Bogenkämpfern fanden. Steinmetzzeichen sind nicht vorhanden; solche treten erst um 1150 auf.

Der Turm der Kirche in Wittelbach ist von besonderer Eigenart. Massig und gedrungen war er für das anhängende Schiff überdimensioniert, woraus geschlossen werden darf, daß bei seiner Erbauung mit einer späteren Vergrößerung auch des Kirchenschiffes gerechnet wurde. Die gleiche Baugeschichte finden wir in Obereggenen/Br. Dort ist ebenfalls einem kleinen Kirchenschiff ein mächtiger Turm anstelle des Altarhauses vorgesetzt worden. Unser Turm in Wittelbach stuft sich im Mauerwerk zweimal nach oben zurück. Dort, wo normalerweise romanische Gurte oder gotische Wasserabschläge umlaufen sollten, springt die Mauer zurück. Diese Erscheinung finden wir am Oberrhein am Turm des 11. Jh. in Niederrimsingen - in Wittelbach ist sie nicht zeitgemäß. Wann hat der Turm das Altarhaus verdrängt? Eine Anzahl von Architekturteilen erleichtern die Datierung. So erhält das Zwischengeschoß sein Licht nur durch schmale Schlitzfenster - die keine Schießscharten sind - deren abgefaste Gewände oben in einem geraden Spitz enden, Die gleiche Fensterform fand sich auf der Nordseite des gotischen Chors der Stiftskirche zu Lahr, die um 1260 erbaut wurde. Die Hauptfenster des Turmes befinden sich im Glockengeschoß, wo sie auchals Schalllöcher dienen. Trotz derfrühgotischen Formen der zweiten Hälfte des 13. Jh. - einfache Spitzbogen und ungekehlte Gewände - zeigen sie Verwandtschaft mit den romanischen Fenstern der Lahrer Burg. Die Sonderform des Oberlichts dieser Fenster - ein übereck gestelltes Karo mit eingezogenen Seiten - ist hier wie dort charakteristisch. Angehörige einer Steinmetzfamilie waren hier am Werk. Nehmen wir noch die Gurte des Kreuzgewölbes hinzu, so finden wir alle diese Formen um 1250. In diese Zeit passen auch die zwei Portale, die mit der Erbauung des Turmes an die Kirche gekommen sind. Das ursprüngliche westliche Hauptportal wurde damals ersetzt durch das größere Rundbogenportal, dessen abgefaste Gewände mit Billetten - Halbkugeln - besetzt sind. Eine kleinere Rundbogenpforte mit dem gleichen Schmuck erhielt das Sanktuarium unter dem Turm. Auf der Südseite fand auch das ursprüngliche Westportal seinen neuen Platz. Es mag befremden, daß in dieser schon gotischen Zeit noch romanische Portale eingebaut wurden, doch finden wir um die Mitte des 13. Jh. häufig neben frühgotischen Formen noch romanische Architekturteile. So erhielt die Kirche in Kuhbach um 1250 neben einem gotischen Triumphbogen noch kleine romanische Fenster. Der ursprüngliche Triumphbogen in Wittelbach blieb uns dadurch erhalten, daß man die westliche Turmwand auf ihn setzte, was später zu den sehr starken Abstützungen führte, die heute so auffallend außen vorspringen.

Bei den Arbeiten im Altarraum wurde eine interessante Entdeckung gemacht. Ein mit einem Stein abgedeckter Krug fand sich im Boden hinter dem Altar. In dem Krug, als ein letzter Rest, lagen drei Straßburger Silberpfennige. Sie zeugen von der engen Bindung des Schuttertales an das Bistum Straßburg. Die älteste Münze ist um 1300 geprägt und zeigt den bekannten Engel. Die zweite - zeitlich gesehen - zeigt die Lilie; sie ist um 1400 geprägt. Aufderdritten Münze erkennen wir wiederum eine Lilie, jedoch mit dreigeteiltem Mittelblatt. Es kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, daß dieser Krug voller Münzen war, denn er befand sich am ursprünglichen Platz, wo er von oben erkannt und ausgeraubt wurde. Die Plünderung geschah zu früherer Zeit, der Krug wurde erst 1972 wieder entdeckt. Der Verlust für die Wissenschaft ist schmerzlich, der Silberwert war gering. Ein ähnlicher Krug mit Münzen ging in Schuttern durch einen Baukran verloren, ein anderer fand sich in Sindelfingen mit 945 Münzen, die alle untersucht werden konnten und wertvolle Aufschlüsse ergaben.

Portal und Fenstervergleich mit Burg Lahr
Als im Jahre 1972 der Restaurator Panowsky die Wände des Altarraumes - die ja mit Sicherheit aus dem 13. Jh. stammten - nach übertünchten alten Wandmalereien absuchte, fand er genügend architektonische und figürliche Reste einer solchen Malerei, um den Inhalt und Sinn dereinstigen Ausschmückung zu erkennen. Der die Malerei tragende alte Putz war zum größten Teil erhalten geblieben, die noch älteren Kirchenschiffwände sind ohne eine gründliche Untersuchung 1952 abgebrochen worden; von den Malereien, die auch an ihnen vorhanden gewesen sein dürften, ist nichts überliefert. Durch die beachtlichen Reste der Malerei im Altarraum ist die Kirche heute wesentlich bereichert.

Nicht mehr sichererkennbar sindin den vier Feldern zwischen den Kreuzrippen im Gewölbe die vier Evangelisten, doch allzuviele Beispiele aus der gleichen Zeit lassen keine Zweifel darüber zu, daß die Evangelisten über dem Altar ihren Ort hatten. Dem entspricht, daß Christus als Weltenrichter im dominierenden Feld der Ostwand thronte. Die Seitenwände sind durch waagerechte rote Friese unterteilt. An der Nord- und Ostwand ist die Malerei noch gut erhalten; die Leidensgeschichte Christi ist dargestellt. Von links nach rechts fortschreitend erkennen wir die Gefangennahme des Herrn, seine Geißelung, dieser folgt die Dornenkrönung und Kreuztragung. Hier endet das Erkennbare des Zyklus. Die Malerei stammt nicht mehr aus der Erbauungszeit des Turmes, sie ist jedoch erheblich älter, als die im Altarraum in Burgheim/Lahr im Jahre 1482 entstandene Malerei; in den Jahren zwischen 1380 - 1420 dürfte die Malerei in Wittelbach entstanden sein. Natürlich war die gesamte Kirche einst reich bemalt. Der erhaltene Rest ist zu spärlich, um kunstgeschichtliche Betrachtungen daran zu knüpfen. Hunderte von Malern haben sich im Mittelalter über dasnur Handwerkliche hinausgehoben und blieben einfache Maler, während heute oft unterhandwerkliches Können als große Kunst gepriesen wird. Freilich stand auch im Mittelalter alle Kunst im Dienst. So sehr man bedauern mag, daß das alte Kirchenschiff im Jahre 1952 abgebrochen werden mußte - die Erneuerung und Erweiterung gab der Kirche als Kirche eine Zukunft und bewahrte sie vor einer nur musealen Existenz.

1) Die Bauaufnahme-Pläne, die vor Abbruch des alten Kirchenschiffes gefertigt wurden, sind mir durch Herrn Architekt Faißt freundlicherweise übersandt worden. Wie aus den Plänen zu ersehen ist, betrug die lichte Länge des alten Kirchenschiffes genau 30 Fuß. (8.90 m; römisches Fußmaß = 8.85 bis 8.88 m) In Burgund und am Oberrhein ist ein ähnliches Fußmaß bis ins 18. Jahrhundert nachweisbar.
 

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Burgruine Lützelhardt


Burgruine Luetzelhardt Seelbach - Ursprünglich dürfte die Burg der Sicherung der Passstraße ins Kinzigtal gedient haben. Die südliche Ortenau geriet ab dem 11. Jahrhundert immer stärker in den Einflussbereich der ZähringerFotosession Lützelhard - das wird nicht ganz einfach. Soviel war mir schon klar aber was da wirklich auf mich zukam, ahnte ich nicht im mindesten. Zur Erklärung sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich seit 2000 nach einem Verkehrsunfall behindert bin und die Burgruine Lützelhard etwa 470 Meter hoch liegt - Fahrwege gibt es keine. Soviel vorab.

Weitmöglichst Seelbach zum Steinbächle hochgefahren. Pkw abgestellt und die Steigung hoch geschaut - puuuh. Eine junge Dame habe ich lesend auf einem "Bänkele" getroffen und gefragt, ob es da hinauf zum Lützelhard ginge?

"Ja schon, ist aber richtig steil". Wie recht die junge Frau hatte, sollte ich noch bemerken. "Und wie lange muss man etwa laufen?" war meine nächste Frage und "so 'ne halbe Stunde" war die Antwort der freundlichen jungen Frau. Für mich mindestens das Doppelte an Zeit und das war noch nicht einmal das "Härteste". Der Weg hinauf ist steil, steining und verastet. Auch für gesunde Menschen sicher nicht ganz einfach.

Nach eineinhalb Stunden war ich oben angelangt und die Anstrengung hatte sich gelohnt. als kleiner junge war ich mit meinem Großvater einmal hier oben. Das kam mir seinerzeit aber nicht in etwa so anstrengend vor.

Nun, es war geschafft. Bange war mir eher vor dem Weg abwärts in's Tal. Nicht unbegründet, wie sich herausstellen sollte.

Zur Baugeschichte der Burgruine Lützelhardt arrowRight

Nachdem eine Fotoserie entstanden war ging, es wieder hinunter nach Seelbach. Nicht ganz "sturzfrei". In einer Wegkurve, die offensichtlich mit Sand überdeckt war, verlor ich den Bodenkontakt und machte tatsächlich einen "Purzelbaum" - mehr seitwärts - bevor ich wieder zur Landung ansetzte. Nun, passiert ist glücklicherweise nichts und so konnte ich stolz sein, auch dies Herausforderung bestanden zu haben. Viel Spaß wünsche ich, sollten Sie es einmal selbst wagen.
 
Über die Burg Lützelhard


Ursprünglich dürfte die Burg der Sicherung der Passstraße ins Kinzigtal gedient haben. Die südliche Ortenau geriet ab dem 11. Jahrhundert immer stärker in den Einflussbereich der Zähringer. Auf dieses Geschlecht dürfte im frühen 12. Jahrhundert auch der Bau der Burg zurückgehen. Bewirtschaftet wurde sie wohl von einem Zähringer Ministerialengeschlecht. Es gibt jedoch nur wenige schriftliche Aufzeichnungen. Im Zuge von Streitigkeiten zwischen den Staufern und den Bischöfen von Straßburg wurde die Burg wohl um 1245 von den benachbarten Geroldseckern, die der bischöflichen Partei angehörten, zerstört. Danach übernahm man auf der neugebauten Burg Hohengeroldseck die Sicherung der Passstraße.

Geschlecht

Im 12. Jahrhundert werden immer wieder Zähringer Ministerialen erwähnt, die den Namen „von Lützelhardt“ tragen. Ein Zweig dieser Familie oder dieser Ganerbengemeinschaft stieg um die Mitte des 12. Jahrhunderts in die kaiserliche Ministerialität auf. Ein Konrad von Lützelhardt wurde einer der wichtigsten Beamten der staufischen Reichsverwaltung in Italien. Für diesen wird der Name Mosca-in-Cervello oder Mosca-in-Cerebro (Mück-im-Hirn) überliefert. Besonders während der Eroberung des Königreichs Sizilien durch Heinrich VI. war Konrad von Lützelhardt als Markgraf von Molise von zentraler Bedeutung als militärischer Führer. Nachkommen dieses Konrad treten auch noch im 13. Jahrhundert auf und nennen sich de Lucinardo. Sie treten bald in der Opposition zu Kaiser Friedrich II. auf. Im späten 13. Jahrhundert verliert sich ihre Spur.

Beschreibung

Die drei Burgteile liegen auf drei unterschiedlich großen, bis zu 10 Meter hohen Felsen und waren ursprünglich wahrscheinlich durch eine Palisade verbunden. Die aufgehenden Mauern der Burg gehen größtenteils auf Ausgrabungen und Rekonstruktionen der Jahre 1926 bis 1929 zurück. Besonders eindrucksvoll sind die Reste des Haupthauses mit romanischen Palasfenstern und einem Drachenrelief. Im Innern der Hauptburg befinden sich eine mittelalterliche Zisterne und ein Schüttstein. Zahlreiche Funde werden im Museum der Stadt Lahr aufbewahrt. (wikipedia)

Hugo von Staufenberg und die Lützelhard-Sage (I) - (Der Altvater - Anonym, 14.12.1974)

Luetzelhard Seelbach Grundriss  aus flyer der Gemeindeverwaltung SeelbachDer Aufsatz "Genoß' auf Staufenberg" ist um eine weitere Sage zu bereichern, die im Zusammenhang steht mit dem Sagenbereich Geroldseck-Lützelhard und dem "bösen Diepold", der "Walther den Geroldsecker" gefangennahm und in den Turm sperrte, bis daß das Grüselhorn ertönte und Walther von Geroldseck befreit wurde. In den Sagenkreis einbezogen sind ein Hugo von Staufenberg und ein Ritter Albrecht von Ortenberg. Schon 1520 schrieb Bernhard Hertzog im fünften Buch seiner elsässischen Chronik die Lützelhard-Sage. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts trat die Himmelsbachsche Chronik in Erscheinung; sie war ausführlicher und zeitbedingt sentimentaler.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts lebte in Seelbach der Augustinermönch Lögler. Dieser will an Ort und Stelle manches erfahren, aber auch manches gesammelt habend Er verarbeitete den Stoff nach "wahren, historischen Angaben" zu einem vieraktigen Drama. Um den "historischen Angaben" zu entsprechen oder um das Thema auszuweiten, war bereits versprochen. Ihr Vater hatte sie dem zwar älteren, aber reicheren Ritter Albrecht von Ortenberg zugesagt. Bald nach der Eheschließung flüsterte Mathilde dem Ortenberger zu, daß sein sehnlichster Wunsch, bald einen Sohn zu bekommen, in Erfüllung gehen werde.

Der Lützelharter hatte von dem Glück des Ortenbergers erfahren und sah den günstigsten Zeitpunkt für Rache an Mathilde und Albrecht gekommen. Um den Verdacht auf Hugo von Staufenberg, seinen Rivalen, zu lenken, dingte er um hohen Lohn einige Staufenberger Knechte und zog mit diesen in einer stürmischen Nacht vor die Burg Ortenberg. Nach einem kurzen Kampf mit der Torwache drangen Diepolds Spießgesellen in Mathildens Schlafgemach ein, raubten die Frau, zündeten deren Lagerstatt an und schleppten Mathilde vor das Tor, wo Diepold sie in Empfang nahm und mit ihr in Richtung Bermersbach davonsprengte. Zuvor hatte er den Schleier der Frau mit dem Blut eines getöteten Knechts getränkt und diesen wurden Hugo von Staufenberg und Albrecht von Ortenberg in das Drama mit-einbezogen. Der Rachetod einer Gräfin Mathilde wurde eingebaut und ansonsten ordentlich auf die Tränendrüse gedrückt. Das Drama, in Prosa umgeschrieben, dabei die Ausdrucksweise jener Zeit im. wesentlichen beibehalten, ergibt nachstehenden "Klartext":

An der alten Schönberger Straße finden wir diese gut gepflegte Kapelle. Nach der Sage um die Herren von Lützelhard, Geroldseck, Staufenberg und Ortenberg soll sich an dieser Stelle der Ortenberger in die Einsamkeit zurückgezogen haben.

Diepold von Lützelhart war ein Vasall Walthers von Geroldseck. Das hinderte ihn nicht, sich um die Gunst einer Gräfin Mathilde zu bemühen. Prompt bekam er einen Korb, und so teilte er das Schicksal des Ritters Hugo von Staufenberg, der Mathilde bei einem Turnier in Straßburg kennengelernt hatte und ebenfalls aus der "Liebeskammer" verwiesen wurde. Mathilde Schleier unweit des Kinzigufers mit der Absicht hingeworfen, die Ermordung Mathildes vorzutäuschen.

Albrecht von Ortenberg fand den blutgetränkten Schleier. Weil er ohne Mathilde nicht glaubte leben zu können, stürzte er sich in die hochgehende Kim zig, wurde aber von einem Bauer gerettet. Diese unbesonnene Tat veranlaßte Albrecht, sofort eine Bußwallfahrt nach Rom zu unternehmen. Seine Freunde, die am ändern Tag nach Ortenberg geeilt waren, fanden nur noch leergebrannte Mauern und die Leichen zweier Knechte vor. Die Untersuchung ergab, daß es sich um zwei Knechte des Staufenbergers handelte, und so entstand der Verdacht, Hugo von Staufenberg habe Mathilde getötet und die Burg angezündet. Hugo von Staufenberg wurde deshalb geächtet. Er entzog sich aber den Gerichten durch die Flucht und schloß sich einem Kreuzzug nach, Palästina an.

Luetzelhard Seelbach Rekonstruktion aus flyer der Gemeindeverwaltung SeelbachAls Albrecht von .Ortenberg von seiner Romfahrt heimgekehrt war und von seinen Freunden erfahren hatte, daß Hugo von Staufenberg ohne Zweifel der Mörder Mathildes sei, zog er sich aus dem Leben zurück und baute sich in dem kleinen Tal zwischen dem Lützelhart und dem Eichberg, links am Weg von Steinbach nach dem Schönberg, eine Hütte, in welcher er den blutgetränkten Schleier seiner Frau aufhing und als Einsiedler: unter dem Namen Bruder Gotthard sein Dasein fristete. (Die Hütte des Bruders Gotthard dürftean der Stelle gestanden haben, wo noch jetzt eine Kapelle steht, links an der alten Straße von Steinbach nach dem Schönberg, einige hundert Schritte oberhalb vom Eisenbauernhof.)
Der Geroldsecker mußte fliehen

Diepold von Lützelhart hatte Gräfin Mathilde nicht unbemerkt auf seine Burg bringen können. Walther von Hohengeroldseck hatte ihn gesehen und ihm nachgerufen, er werde sich für dieses Bubenstück rächen. Diepold faßte den Plan, den Geroldsecker unschädlich zu machen. Nun geschah es aber, daß der Bruder Walthers von Hohengeroldseck, Ganolf, in derselben Nacht dem Benediktinerprior des Klosters zu Schuttern "aus seinem Schlosse aus" einen Bolzen durch den Leib jagte, und so wurde nicht nur über Gangolf, sondern auch über Walther, den man als den Anstifter hielt, der Bannfluch ausgesprochen, der beide aus dem Land trieb. Gangolf wurde später erschlagen, und Walther hatte sich dem Kreuzzug nach Palästina angeschlossen, wo er mit Hugo von Staufenberg zusammentraf.

Als Gangolfs Tod in Schuttern bekannt geworden war, zogen die Mönche den über Walther verhängten Bannfluch zurück. Doch Walther weilte bereits in Palästina und focht mit Hugo von Staufenberg gegen die Saracenen. Walther gab Hugo zu wissen, wer der Räuber der Frau von Ortenberg war; dieser war glücklich, einen Zeugen seiner Unschuld gefunden zu haben.

Den flyer zur Lützelhard der Gemeinde Seelbach können Sie hier herunterladen download


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Schloss Dautenstein - Seelbach


Schloss Dautenstein Seelbach - Die anfänglich stauferzeitliche Tiefburg folgte dem bereits von der Tiefburg Lahr bekannten staufischen Bauschema mit rechteckigem Grundriss und vier runden Ecktürmen und wurde vermutlich um 1235 von den Reichsministerialen von Dautenstein errichtetDie anfänglich stauferzeitliche Tiefburg folgte dem bereits von der Tiefburg Lahr bekannten staufischen Bauschema mit rechteckigem Grundriss und vier runden Ecktürmen und wurde vermutlich um 1235 von den Reichsministerialen von Dautenstein errichtet. Sie bildete mit der Tiefburg Schwanau und der Tiefburg Lahr eine Festungslinie. Die Tiefburg Dautenstein wurde im Bauernkrieg zerstört, 1584 von Jakob von Hohengeroldseck gekauft und bis 1599 im Stil der Spätrenaissance zur Residenz der Herrschaft Hohengeroldseck ausgebaut. Jakob starb 1634 ohne männliche Nachkommen auf Dautenstein, zwei Jahre später wurde das Schloss durch Graf von Gallas niedergebrannt und blieb jahrzehntelang Ruine. 1812 erwarb der fürstlich-leyensche Geheimrat Philipp Carl Schmidt das nur halbherzig instandgesetzte Anwesen und ließ es umbauen. (wikipedia)

Der Altvater - Jahrgang, Nummer 22, 29. Oktober 1988 - Schriftleitung: Emil Ell, Seite 87)

Unter Pretiosen verstand man früher Wertsachen aus edlem Metall, aus Silber und Gold, edelsteinbesetzten Schmuck, Ringe, Halsketten und dergleichen, auch silbernes und goldenes Tafelgeschirr. Man nahm als selbstverständlich an, daß eine vornehme Familie einen Schatz solcher Art besaß, und bewertete sie auch danach. Familienfeste jeder Art boten Gelegenheit, seinen Besitz an Pretiosen zur Schau zu stellen und sich an ihrem Glanz zu erfreuen.

Dem Familienschatz kam aber noch eine andere Bedeutung zu. Er machte es möglich, sich Geld zu beschaffen, indem man ihn als Pfand benutzte. In Kriegszeiten konnte solcher Besitz gefahrlich werden, denn seit eh und je hatte es das Kriegsvolk auf solche Dinge abgesehen. Er konnte auch äußerst nützlich werden, indem man ihn auf der Flucht als eine nicht allzu schwere Last mit sich führte, um ihn bei Gelegenheit als Zahlungsmittel zu benutzen und sich so durch die schlimme Zeit hindurchzubringen.

Der letzte Geroldsecker Graf Jakob von Geroldseck  gestorben 1634Betrachten wir indessen seine Funktion in Friedenszeiten, wenn man Geld brauchte und Pfänder zu geben hatte. Ein gutes Beispiel hierfür liefert der letzte Geroldsecker, Graf Jakob. Als er sein neues Schloß Dautenstein erbaute, machte ihm die Finanzierung Sorgen. Er nahm Darlehen auf, aber ohne die Stellung von Pfändern ging es dabei gewöhnlich nicht ab. Auch das Kloster Schuttern befand sich unter den Geldgebern, und bei .verschiedenen Gelegenheiten versetzte er an Pretiosen: Sechs Halsband, jedes mit einem großen Saphir und mehreren Rubinen besetzt, zwei Trinkgeschirre, einen vergoldeten Bergnapf, einen vergoldeten Hofbecher und als Glanzstück einen diamentenen Strauß, an welchem zwanzig Diamanten, dreißig Rubine und fünf große Perlen angebracht waren. Schätzwert vierhundert Gulden.

Zu dem gleichen Zweck der Geldbeschaffung versetzte ein anderer adeliger Herr aus der Gegend, der Graf von Schauenburg, sein ganzes Tafelgeschirr. Es füllte zwei Kisten, einen Koffer und einen Korb und wurde im Sicherheitsgewölbe des Goldschmieds Burkhard in Riegel untergestellt, nachdem man zuvor die einzelnen Behälter versiegelt hatte. Immerhin legte man dem Grafen gegen diese Pfänder ein Darlehen von 12 000 Gulden auf den Tisch.

Nicht nur weltliche Herren, auch Klöster und Abteien verwahrten hinter ihren Mauern oft beträchtliche Schätze an kostbarem Gerät und edlem Gestein. Neben den Sakralgefäßen handelte es sich vor allem um Tafelgeschirr für den Gebrauch bei festlichen Anlässen. Diese Pretiosen fanden das besondere Interesse der amtlichen Stellen, als durch die Säkularisation die alten Klöster aufgehoben wurden.

Im Kloster Schuttern zum Beispiel fand man einen reichen Schatz an Wertsachen vor. Die damals aufgestellte Liste verzeichnet folgende Stücke: Drei goldene Abbatialkreuze, unterschiedlich mit Edelsteinen besetzt, zwei edelsteinbesetzte Brustkreuze, dazu drei goldene Ringe. An wertvollem Geschirr waren vorhanden: acht silberne Kaffeelöffel und ein silberner Suppenlöffel. Die wertvollsten Stücke waren vermutlich der vergoldete Abtsstab und dann vor allem das diamantenbesetzte Kreuz mit Siegelring. Geschenke, die Maria Antoinette auf ihrer Durchreise nach Frankreich am 6. Mai 1770 dem damaligen Abt Carolus Vogel überreichen ließ und deren Wert auf 4000 Gulden geschätzt wurde.

Schlößchen Dautenstein in Seelbach bei Lahr, in: Dr. Franz Burda (Hrsg.), Ortenauer Heimatblatt, Heft 2 / 20.2.1962 (Offenburg 1962), Seite 6 - 7

Unter den Burgen und Schlössern unserer mittelbadischen Landschaft gehört Dautenstein in Seelbach im Schuttertal, oberhalb der umtrieblichen Kreisstadt Lahr, zu den weniger bekannten ehemaligen Fürstensitzen - dafür aber bietet es sich in seiner noblen Schlichtheit dem Wanderer, der seiner ansichtig wird, um so reizvoller dar. Sehr hübsch bettet es sich in den Talgrund. Der Lützelhard, der Grassert und andere Höhen halten ihm einen eindrucksvollen Hintergrund bereit.

Der eingeschossige Bau (von heute) mit schöner Treppe ist eine Schöpfung aus der Zeit der Wende vom achtzehnten ins neunzehnte Jahrhundert. Um die frühere Bedeutung des Schlosses würdigen zu können, muß man einen Blick auf den nebenstehenden Plan werfen. Ähnlich wie bei der Tiefburg von Lahr, von der vor kurzem an dieser Stelle erzählt wurde, handelt es sich um ein ehemaliges Wasserschloß, was ohne weiteres begreiflich ist, da der befestigte Gebäudekomplex im Tag lag. Vorhanden sind noch die heute verschiedenen Zwecken dienenden Ecktürme B 1, B 2, B 3 und B 4. Der Turm B l hat kein Dach wie die anderen drei. Freilich wird man sich vorstellen müssen, daß diese Türme, als die ganze Burganlage noch unzerstört war, beträchtlich höher gewesen sind. Der Bau A ist das heutige Schlößchen. Bau C ist ein Ökonomiegebäude. Von dem romantisch anmutenden Toreingang (E) vermittelt die eine unserer Aufnahmen einen sehr kennzeichnenden Eindruck. An dem einen der Sandsteinpfeiler dieses Tores fesselt das in Stein gehauene Wappen eines früheren Besitzers. Ein Teil der Außenmauer (F) ist erhalten. Besonderer Erwähnung wert ist das prachtvolle, gravitätische Tor in den Keller, flankiert von dichtbelaubten immergrünen Kirschlorbeersträuchern. Ein Fleck Erde, der in seiner Abgeschiedenheit von dem Verkehr auf der Schuttertalstraße seinen eigenen Zauber besitzt.

Schloss Dautenstein Seelbach
Schloss Datenstein Seelbach Süd-West-Turm - rechts Ökonomie
Schloss Dautenstein Seelbach
Massive Quaderung im Kellergewölbe
Schloss Dautenstein Seelbach
Das Portal am Schloss Dautenstein Seelbach
Schloss Dautenstein Seelbach
Gewölbetor mit Eisenbeschlägen. Schmiedekunst an den Angeln
Schloss Dautenstein Seelbach
Das Herrenhaus im Schloss Dautenstein Seelbach
 

Man kann von einem sprichwörtlich unruhvollen, wechselhaften, krieg- und brandbedrohten Schicksal aller ehemaligen Herrensitze der Ortenau sprechen - diese Charakterisierung gilt auch für Dautenstein. Es hieße die wohlgeneigten Leser unseres Heimatblattes langweilen, ihre Geduld auf die Folter spannen, versteiften wir uns darauf, die obendrein bisweilen komplizierte Geschichte des Schlosses Dautenstein selbst nur in skizzenhaften Umrissen zu erzählen. Begnügen wir uns mit der Hervorhebung einiger besonders bemerkenswerter Daten. Urkundlich wird das Wasserschloß 1251 Dautenstein Grundriss alterstmals genannt als Eigentum eines Herrn Albert von Tutenstein: Man nimmt an, die Tutensteiner seien ursprünglich im Dienste der Herzöge von Zähringen gestanden. Etwa zweihundert Jahre später - die Zähringer waren ausgestorben - belehnte Diebold I. von Geroldseck seinen unehelichen Bruder Hans und dessen Schwager Rudolf Lumbart von Straßburg mit Tutenstein. Im Jahr 1514 erhielt von den reichbegüterten Geroldseckern der Lahrer Landschreiber (etwa Oberamtmann) Siegfried Fleuß das Schloß zu Lehen, dessen Nachkommen als Pleuße von Dautenstein auftraten.

Ebenfalls im sechzehnten Jahrhundert - bald nach der Belehnung von Siegfried Fleuß - wurde das Schloß ein Opfer des Bauernkrieges. Reichenbacher, Schuttertäler, Mahlberger, Kippenheimer und Bauern anderer Orte rückten mit einer kopfreichen Schar an und zerstörten Dautenstein. Sie mußten freilich ihre Tat bitter büßen. Frondienste und harte Kontributionen entlockten den Unterlegenen tiefe Seufzer...

Als der letzte Pleußer starb, kaufte Jakob von Geroldseck Dautenstein zurück, baute es aus und machte es zu einer seiner Residenzen. Nach späteren verzwickten Erbfolgehändeln, die wir überblättern, um nicht am Ende doch noch die Leser verdrießlich zu stimmen, wurden die Freiherren von der Leyen Besitzer des Schlosses. Zuvor hatten im Jahr 1636 die Kaiserlichen Neu-Dautenstein, wie es damals genannt wurde, geplündert und schließlich niedergebrannt. Die von der Leyen begannen mit einem Neubau. Ehe ein zweigeschossiges Barockschloß vollendet war - man schrieb 1775 -, vernichtete ein Schadenfeuer das schöne Gebäude; auf den Grundmauern entstand das heutige Schlößlein. Es wurde dann Ende des achtzehnten Jahrhunderts in eine "Porzelaine- und Fayencefabrik" umgewandelt. Unter Zurücklassung gepfefferter Schulden brannte der letzte Direktor, ein französischer Hauptmann, nach drei Jahren des Bestehens des Werkes durch - der merkwürdige Traum war zerweht ...

Bis 1924 blieb Dautenstein im Besitz der inzwischen Fürsten gewordenen Herren von der Leyen. Von ihnen erwarb der kunstsinnige Seelbacher Fabrikant Robert Himmelsbach Dautenstein und ließ ihm viel liebevolle Pflege angedeihen. Nach mehrfachem Besitzwechsel ging es in das Eigentum von Herrn Eberhard Bothe über.

Auf eine mehr als 700jährige wechselvolle Geschichte blickt das in Seelbach im Schuttertal gelegene Schlößchen Dautenstein zurück, einer der alten Herrensitze der Ortenau. Einst ein Wasserschloß mit vier trutzigen Ecktürmen, hat Dautenstein sein Gesicht in den Stürmen der Jahrhunderte mehr und mehr verändert. Was von der einstigen Herrlichkeit übriggeblieben ist, zeigen unsere Bilder: ein freundliches Herrenhaus mit dem Blick auf Seelbach - ein Ökonomiegebäude mit Resten eines der ehemaligen Ecktürme - das Eingangstor mit wappengeschmückten Pfeilern und die eisenbeschlagene Tür zum Keller.

Weiter Nachrichten über die leidlich "unheilvolle" Geschichte von Dautenstein liefert Dr. Oskar Kohler:

Dr. Oskar Kohler: Das Schloß Neudautenstein bei Seelbach nach dem Dreißigjährigen Krieg (Geroldsecker Land, Heft 9 - 1966/67), Seite 59 - 62

"Es ist zu bedauern, daß solches ansehnlich und cöstlich Gebäu, so zu einer fürstlichen Residenz genugsam gewesen, also elendiglich durch der Crabatten (Kroaten) Einfall eingeäschert worden, daß nur mehr nit als das bloße Mauerwerk dasteht." So heißt es in einem Bericht, den der damalige kaiserliche Amtmann in der Ortenau, Doktor Mathias Wilhelm Boll, für die vorderösterreichische Regierung in Freiburg bzw. Innsbruck anfertigte. Zusammen mit zwei Lahrer Handwerksmeistern, Huber und Laggay, hatte er im November 1655 das im Dreißigjährigen Krieg ruinierte und ausgebrannte Schloß besichtigt in der Absicht, eine ungefähre Summe als Voranschlag für eine geplante Wiederherstellung des Baues auszumachen. Er hatte, wie gesagt, diese Besichtigung im Auftrag der vorderösterreichischen Regierung vorgenommen. Diese sollte sich nämlich als Lehensherrin der Grafschaft Geroldseck mit einem Betrag von 3.000 bis 4.000 Gulden an den Kosten für den Wiederaufbau des Schlosses beteiligen. Einen solchen Antrag hatte der damalige Lehensträger der Grafschaft, Graf Otto Adolf zu Cronberg, dem Erzherzog Ferdinand Carl zu Österreich, Statthalter der vorderösterreichischen Länder, bereits vor einiger Zeit unterbreitet. Nun wollten die Herren in Innsbruck bzw. Freiburg freilich zuerst wissen, wofür sie das Geld einsetzen sollten und wie weit das Unternehmen sinnvoll sei. So heißt es in einem Schreiben, ausgestellt zu Freiburg am 3. Juli 1655:

"Also befehlen wir Euch hiermit, daß Ihr nit allein die die Herrschaft Geroldseck berührenden Ada, was bei Euch zu finden ist, allhier schicken, sondern auch fürdersam berichten wollt, wie es mit angeregter Behausung in ein und anderem beschaffen."

Und etwas später in einem Schreiben aus Innsbruck:

"Wir wollen zuvor wissen, was es mit dem genannten Haus für eine Beschaffenheit hat, was zur völligen Reparation oder allein zur Erhaltung desselben erfordert wird. Befehlen Euch hiermit, daß Ihr Euch hierüber gründlich und eigentlich informiert und uns die Beschaffenheit mit nähestem überschreibt."

Auf diese Anweisung hin hatte also der Ortenauer Amtmann die eingangs erwähnte Besichtigung vorgenommen und das Gutachten ausgefertigt. Über das damalige Aussehen der Ruine entnehmen wir dem Bericht folgendes: Die Umfassungsmauern standen zum Teil noch, doch muß das Ganze mit seinen leeren Fensterhöhlen einen trostlosen Eindruck gemacht haben, einen Eindruck, der uns, die wir mit Ruinen und Trümmerstätten Erfahrung gemacht haben, nicht fremd ist. Eine Vermessung ergab, daß die Fenster des ersten Stockes einen Fuß höher waren als die Fenster des zweiten und dritten Stockes, deren Höhe mit sechs Schuh angegeben wird. Insgesamt wurden für den Wiederaufbau 200 Fenstergestelle benötigt, dazu fünfzehn steinerne Türgestelle. Die Zahl der erforderlichen Ziegel wurde auf 80.000 geschätzt, "auf doppelt gerechnet". Die Frontmauer scheint beim Brand noch am besten weggekommen zu sein. Der Bericht gibt an, daß sie "oben herumb noch ganz gut und frisch ist". Von den fünf welschen oder italienischen Giebeln stand noch einer, so hatte man an ihm wenigstens ein Muster. Gleichfalls als erhalten wird noch ein Rundöhl (Rondell) erwähnt.

Die Einfriedigungsanlagen des Schlosses scheinen nahezu völlig zerstört worden zu sein. Dem Bericht zufolge war der Bau einer ganz neuen Brücke über den Wassergraben nicht zu umgehen. Dazu kam ein "aufzuegeten Brücklein" und eine Brücke nach hinten in den großen Garten. Für die Arbeiten waren Maurer und Zimmerleute zu bestellen. Für Maurerlöhne setzt der Bericht 3.500 Gulden an, für die Zimmermannslöhne rechnet er mit 1.500 Gulden. Somit waren an Arbeitslöhnen rund 5000 Gulden aufzubringen. Die Baumaterialien würden auf etwa die gleiche Summe zu stehen kommen, so daß die Kosten für den Wiederaufbau sich auf schätzungsweise 10.000 Gulden belaufen würden.

Bei dieser Gelegenheit erfahren wir auch etwas über die gesamte Schloßanlage und ihre nähere Umgebung. Der Bau lag mitten in einem Wiesen- oder Mattfeld und war, wie bereits angedeutet, mit einem breiten Wassergraben umgeben. Hinter dem Schloß lag ein großer Obstgarten, und in der Nähe stand die Schloßmühle. Auch ein Fischwasser gehörte dazu.

Das angrenzende Wiesen- und Ackergelände diente unmittelbar der Versorgung des herrschaftlichen Haushalts und seiner Wirtschaft. Der bäuerliche Anhang muß ziemlich groß gewesen sein und einen beachtlichen Viehbestand aufgewiesen haben, da unter den herrschaftlichen Angestellten von früher her immer ein Roßknecht, ein Kuh- und ein Geißhirt angeführt werden. Diese zählten in der Geroldsecker Zeit zum gewöhnlichen Gesinde und hatten ihren festen Verpflegungsanspruch. Eine ungefähre Vorstellung von der mit dem Schloß verbundenen Wirtschaft kann man sich machen, wenn man hört, daß von den herrschaftlichen Wiesen im Jahr durchschnittlich 60 Wagen Heu eingebracht wurden. In der Zeit, aus der unser Bericht stammt, war die Bebauung und Bewirtschaftung des großen Geländes an mehrere Meier vergeben. Es sollte aber nach Erledigung der Aufbauarbeiten wieder zur herrschaftlichen Verwaltung gezogen werden.

Somit war alles für eine Neuordnung vorbereitet, die, wenn sie durchgeführt war, das Schloß wieder zum Mittelpunkt des kleinen Reiches machen würde, oder, um in der Sprache jener Zeit zu reden, es instand setzen würde, daß es "zu einer daselbst habenden Hofhaltung für einen regierenden Herrn wohl dienen konnte". Doch sollte diese Hoffnung nicht in Erfüllung gehen. Schuld daran waren Umstände verschiedener Art. Zunächst die persönlichen und familiären des Herrn von Cronberg. Wir wissen aus einem Zufallsfund der letzten Zeit, daß seine Ehe mit der Gräfin Maria Franziska von Oettingen alles andere denn glücklich war. Die Ehescheidungsklage der Gräfin, die noch vorhanden ist, gibt Einblick in völlig zerrüttete Verhältnisse. Es erscheint daher fraglich, ob der Graf mit seiner Gemahlin jemals das Schloß bezogen hat, um es als Wohnsitz und Residenz zu benutzen. Die Arbeiten beim Wiederaufbau müssen ziemlich schleppend vorangegangen sein, da der Bauherr selbst die Sache mit wenig Schwung betrieb. Hinzu kamen noch die unerfreulichen politischen Verhältnisse, sowohl in den engeren Grenzen der nachbarlichen Beziehungen als auch im weiteren politischen Zusammenhang. Eine Reihe unerquicklicher Auseinandersetzungen mit den Gebietsnachbarn, insbesondere mit der Herrschaft Lahr, laufen in dieser Zeit. In keinem dieser Fälle tritt der Herr von Cronberg persönlich irgendwie in den Vordergrund. Es ist vielmehr der Amtmann Pistorius, der im Auftrag seines Herrn die Dinge durchzufechten hat. Pistorius war es auch, der die Räumung der Burg Hohengeroldseck durchführte, nachdem sie von den Franzosen auf die Liste der zur Zerstörung verurteilten Objekte im westlichen Grenzbereich gesetzt war. Diese Unsicherheit und dauernde Bedrohung in den Westgebieten hat wohl neben den schwierigen Familienverhältnissen wesentlich dazu beigetragen, daß der Graf wenig Lust verspürte, sich hier aufzuhalten. Er muß damals seinen eigentlichen Wohnsitz auf den Gütern im Osten gehabt haben, auf Barbey oder auf Porritschen in Böhmen. Daran änderte sich auch kaum etwas durch seine zweite Heirat mit Charlotte von Sayn und Wittgenstein im Jahre 1687. Dautenstein blieb ein Stiefkind unter den Cronbergischen Besitztümern, und, der Aufsicht eines sorgenden Herrn entzogen, verkamen die neuerrichteten Gebäudeteile langsam wieder.

In so vernachlässigtem Zustand haben wahrscheinlich die Baden-Durlacher Beamten den Bau übernommen, nachdem der Markgraf das Geroldsecker Ländchen unter Berufung auf das Testament der letzten Geroldseckerin Anna Maria an sich gezogen hatte, in der trügerischen Hoffnung, Habsburg-Österreich werde diese "Occupation" hinnehmen. Die Freude des Markgrafen von Baden-Durlach an dem Gebiet, das er nach jahrelangem Rechtsstreit mit dem Cronberger endlich in Besitz hatte, sollte nur von kurzer Dauer sein. Auf Drängen des Hauses von der Leyen, dem das Geroldsecker Lehen von langer Hand zugesagt war, erledigte Österreich die Angelegenheit auf drastische Weise. Die Aktion des Freiherrn von Neveu, der auf kaiserliche Anweisung mit einem eidgenössischen Regiment von 250 Mann in die Grafschaft Geroldseck einrückte, schuf von heute auf morgen neue Verhältnisse. Im Schloß Dautenstein spielte sich damals die Schlußepisode ab. Dorthin hatten sich die Baden-Durlacher Beamten, der Hofrat Scheid, der Landschreiber Vinther, der Forstmeister Helmling und der Burgvogt Bock (?) begeben, um hinter verschlossenen Türen die Dinge abzuwarten und bei den Eindringlingen wenigstens den Protest ihrer Herren anzubringen. Nachdem die Tür gewaltsam erbrochen worden war, wurde ihnen die kaiserliche Ordre amtlich mitgeteilt. Noch am gleichen Tag, es war der 6. April 1697, verließen Scheid und Vinther die Grafschaft. Die beiden andern blieben über Nacht und wiederholten laut herrschaftlicher Anweisung den Protest in verschärfter Weise. Sie wurden daraufhin gewaltsam aus dem Schloß geführt, von sieben Musketieren an die Grenze des Geroldsecker Territoriums gebracht und beim Frevelstein in die Herrschaft Lahr abgeschoben. Dabei wurde ihnen eröffnet, daß, falls sie sich nochmals im Geroldsecker Gebiet sehen ließen, sie "als Übertreter kaiserlicher Ordre abgestraft würden".

Damit war die Herrschaft für die Grafen von der Leyen freigemacht. Diese haben dann das Ländchen unter glücklicheren Umständen und in friedlicheren Zeiten regiert und sich auch darangemacht, das verwahrloste Schloß wieder herzurichten und weiter auszubauen. Es sollte als Verwaltungsgebäude und gleichzeitig als gräfliches Wohnschloß benutzt werden, wenn die Herrschaft sich im Ländchen aufhielt. Das besagt auch ein undatierter Vermerk aus den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts, wo es heißt: "Noch gegenwärtig wird dieses alte Schloß von den Grafen von der Leyen als gräfliches Wohnschloß angesehen, aus welchem alle herrschaftlichen Verordnungen, öffentlichen Urkunden und Befehle, Geroldseck betreffend, ausgegeben werden."

Aber der Unstern wich nicht von diesem schicksalbeladenen Bauwerk. Noch ehe es voll bezogen werden konnte, brach in der Schreinerei ein Brand aus, der auf das Schloß übergriff, und wieder fiel das Ganze in Schutt und Asche. Ich folge hier Joseph Himmelsbach und seiner Geschichte des Marktfleckens Seelbach. Quellenmäßige Unterlagen hierzu konnte ich im Badischen Landesarchiv nicht finden; sie müssen im von der Leyenschen Archiv zu Wahl im Bayrischen liegen. Es ist verständlich, daß das Schloß nach zweimaliger Zerstörung nicht wieder aufgebaut wurde. Das heutige Dautensteiner Schlößle ist ein späterer Bau, der als Rentamtsgebäude um 1857 errichtet wurde. Er steht über dem gewölbten Keller, der zum Ostflügel des alten Schlosses gehört haben soll.

Als wir gelegentlich Dautenstein aufsuchten, fanden wir in dem kleinen Rundbau, der vom alten Schloß übriggeblieben ist und in dem wir wohl eines der alten Rondelle zu sehen haben, einen Flüchtling aus Norddeutschland, ich glaube aus Pommern, untergebracht. Der Mann zeigte sich aber bei einem Gespräch von der schönen Umgebung durchaus nicht begeistert. Ihm wäre es daheim, in seiner pommerschen Heimat, viel wohler gewesen. Da war es wohl auch kaum ein Trost für ihn, ihm zu sagen, daß auf dem Fleckchen Erde, wo das Schicksal ihn hinverschlagen hatte, einst ein Schloß stand, "so zu einer fürstlichen Residenz genugsam gewesen".
 

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600 Jahre Tretenhof Seelbach


Der Tretenhof Seelbach -  Den Tretenhof oder - wie ihn die alten Urkunden nennen - den Hof im Trettenbach haben die Geroldsecker im 15. Jahrhundert planmäßig ihrem Besitz einverleibt durch stückweisen Kauf von den KeppenbachernDer Tretenhof in Seelbach begenete mir in zweierlei Hinsicht. Da meine spätere Frau zeitweilig mit ihren Eltern in Seelbach wohnhaft war, hatte man häufig Kontakt mit jungen Damen, die immer einen "flotten Spruch auf den Lippen hatten".

Außerdem fiel auf, dass diese jungen Frauen sich in einer einer Mode "stylten", welche uns "Dörflern" vielleicht ein wenig zu gewagt schien.

Der Grund für diese auffälligen Präsentationen war beim ersten Dialog leicht festzustellen - kamen die Bewohnerinnen doch zu jener Zeit samt und sonders aus Berlin - und der modische kesse Auftritt trennte sie von uns "Landeiern" Lichtjahre.

Im nachhinein betrachtet kamen diesen kontroversen Lebensstil zum Trotze einige gute Kontakte zustande und wir richteten uns eben an diesen frühen Vorläufern der großstätischen IT-Girls aus. Diese Begegnungen "mit dem Tretenhof" fanden zu Ende der 70er und Beginn der 80er Jahre statt und "ein Auge" auf die außergewöhnliche Baulichkeit hatte ich noch nicht.

Bei der zweiten Begegnung umso mehr. Um 2004 wurde die Zivildienstschule, welche auf dem Tretenhof untergebracht war, aufgelöst. Mit Koleginnen / Kollegen inspizierte ich den Tretenhof - dort war ein früherer Mitarbeiter für die Organisation zuständig - um zu erkunden, ob sich die Anlage für ein bootcamp eignen würde. Dabei fiel die Größe und der gute bauliche Zustand "in's Auge".

Offensichtlich war ein ständiger Wandel auf dem Tretenhof in Seelbach der zeitgenössische Begleiter der Anlage und dies bestätigen auch die Berichte von Dr. Oskar Kohler, Erich Emil Reiser und Emil Ell - alles profunde Kenner der Anlage:

Kohler, Dr. Oskar: Als man noch im Schuttertal systematisch rodete - Wie der Tretenhof bei Seelbach 1566 neu verliehen wurde (Der Altvater, 14.11.1964 - S. 76 ff.)

Wappen derer von GeroldseckAls man noch im Schuttertal systematisch rodete

Den Tretenhof oder - wie ihn die alten Urkunden nennen - den Hof im Trettenbach haben die Geroldsecker im 15. Jahrhundert planmäßig ihrem Besitz einverleibt durch stückweisen Kauf von den Keppenbachern. Einer ersten Urkunde vom Jahre 1458 zufolge wurde damals der halbe Teil des Hofes von Geroldseck erworben, nachdem ihn ein Hesso von Keppenbach zum Kauf angeboten hatte. Dies geschah unter Diebold I., wenige Jahre vor seinem Tod. In der Folge wurde der Hof dann nach und nach an verschiedene Lehensmeier verliehen. Im Jahre 1566 war wieder einmal eine Neuverlehnung fällig. Die Bedingungen sind in einem alten Schriftstück niedergelegt und in elf Punkten zusammengestellt.

Es beginnt mit den Worten:

"Der wohlgeborene Herr, Herr Quirin Gangolf von Hohengeroldseck, dieser Zeit Statthalter in Zweibrücken, mein gnädiger Herr und Verleiher, hat Bastian Neumayer den Hof im Trettenbach um den driten Teil wie folgt verliehen.

Die einzelnen Punkte, nach dem Hauptinhalt wiedergegeben, enthalten folgende Bestimmungen.

1. Die Verlehnung soll auf neun Jahre geschehen und unkündbar sein, unter der Voraussetzung, daß der Meier 'sich recht hielte'.
2. Der Meier arbeitet "umb den dritten Teil". Demnach stehen zwei Drittel vom Erträgnis dem Herrn zu.
3. Das vorhandene Gerät soll der Meier entweder sofort bezahlen oder beim Abzug ersetzen.
4. Er soll jedes Jahr zwei bis vier Sester Reutfeld zugewiesen bekommen. Auf das gerodete Feld soll bis zum dritten Jahr kein Vieh getrieben werden.
5. Auch jedem ändern ist es bei Straf verboten, Vieh dorthin zu treiben.
6. Was beim Roden an Holz anfällt, soll dem Herrn gehören.
7. Die Zufahrtswege müssen frei bleiben und dürfen nicht gesperrt werden.
8. Holz für den eigenen Bedarf kann der Meier nur auf Anweisung des Försters zu Seelbach hauen.
9. Den Hof soll er in guter Ordnung halten und Ausbesserungsarbeiten auf eigene Kosten vornehmen. Er soll beizeiten ein Auge darauf haben, was in dieser Hinsicht zu tun ist.
10. Bauholz für Ausbesserungsarbeiten soll er nicht willkürlich hauen, sondern nur auf Anweisung des Försters hin.
11. Soweit eine Kündigung in Frage kommt, wird sie für beide Teile auf ein halbes Jahr festgesetzt."

Was wir diesem Schriftstück entnehmen können, ist zunächst die Tatsache, daß Quirin Gangolf sich damals, 1566, nicht auf Geroldseck aufhielt, sondern in Zweibrücken das Amt eines Statthalters in pfälzischen Diensten versah. (Drei Jahre später, 1569, nimmt er im Verband des Pfalzgrafen Wolfgang am Hilfszug für die Hugenotten teil und fällt in Frankreich.) Die Verleihung geht, wie Punkt zwei besagt, um den dritten Teil. Der Meier mußte sich demnach schon tüchtig daranhalten, wenn er es auf dem Hof zu etwas bringen wollte. Im übrigen drehen sich die weiteren Punkte in der Hauptsache ums Holz und ums Reutfeld. Beim Holz könnte man sich über die kleinlichen Bestimmungen wundern, mit denen die Sache behandelt wird, vor allem wenn man bedenkt, daß wir uns mitten in einem Waldgebiet befinden. Doch muß man hier an die damals häufig vorgebrachten Klagen erinnern, daß mit den Wäldern übel umgegangen wird, daß sie "gewüstet" werden. Denn der Holzverbrauch war groß. Brennholz, Bauholz, Zaunlatten, Bretter usw., alles das mußte der Wald liefern. Was das Reutfeld betrifft, so sehen wir, daß damals in der Umgebung des Tretenhofes noch systematisch gerodet wurde und daß noch geeignetes Gelände vorhanden war. Alles in allem sehen wir, daß es eine harte, aber urtümliche Arbeit war, die so ein Lehensmeier zu leisten hatte.

Reiser, Erich Emil: Aus der Geschichte des Tretenhofs (Geroldsecker Land, Heft 5 - 1962/63), Seite 116 - 119

Eine reichbewegte Geschichte ist die des uralten Tretenhofes. Wohl kein anderes bäuerliches Anwesen im Schuttertal und weit darüber hinaus kann eine Vergangenheit aufweisen wie dieser ehemalige geroldseckische Meierhof. In einer Akte aus dem Jahre 1417 finden wir ihn zum ersten Male genannt als "burgsess in dem Drettenbach". Wieviele Freibauerngeschlechter seit jener Zeit auf dem Hof bis zu seiner Erhebung zu einem Frauenklösterle während der Seelbacher Franziskanerzeit gelebt haben, wissen wir nicht, denn seine einstigen Herren auf Hohengeroldseck und Dautenstein, die ein ruheloses, fehdevolles Leben führten, überließen, was niedergeschrieben werden mußte, und das war spärlich, ihren Sekretären, und selten war es, daß ein Vogt lesen und schreiben konnte. "Wer drei Kreuzle auf ein ihm vorgelegtes Papier machte, hatte damit seine Unterschrift gegeben. Die noblen Herren selbst hatten anderes zu tun; sie konnten wenig und viel, vor allem aber verschachern und verpfänden, pumpen und fremden Besitz annektieren. Sie hatten dabei selten Gewissensbisse, noch seltener hatten sie Geld. Nichtigkeiten wegen gab es oft jahrzehntelang währende Streitigkeiten. Prozeßkrämerei stand obenan. Bei Erbschaftsteilungen gar trieben sie es buchstäblich bis zur Kümmelspalterei. Ihre Bauern, die Hörigen und Leibeigenen, samt den übrigen Habenichtsen zählten für sie nur insofern, als sie den Herren allerlei Zehnten und Gefalle entrichten und ihnen fronen mußten zu jeglicher Stund, "überall helfen, mähen, heuen, empten (öhmden), jagen und alle forstliche Dienstbarkeit leisten". Dazu kam das Herrengeld, das Vogtgeld, das Kalbsgeld, das Überleitgeld, das Bannweingeld, das Jägergeld, das Karrengeld, das Abzugsgeld usw. "Es wurde geschröpft und abgenommen, so einer starb, ist's das best Kleid oder das beste Viech oder ein ziemlich Geld."

Die Teilungsurkunde von 1436

Tretenhof aus alten Zeiten Foto Fr RothWieder einmal war mächtiger Hader auf Hohengeroldseck. Die familiären Streitigkeiten führten bald diesen, bald jenen von "den Gebrüderen zue Gerolzeckhe" bis vor den Kaiser. Der suchte die Kampfhähne zu beruhigen, vorab Diebold I. Schließlich kam eine Teilung zustande. In der heute noch vorhandenen Urkunde von 1436 finden wir den Trettenhof (diesmal mit zwei t geschrieben) und auch den benachbarten Hubhof (einstige Königshub) erwähnt. Darin ist u. a. zu lesen:

"So haben wir Junker Diebold die nachbenannten Güter zugeteilt, die da sind die Vogtei Seelbach mit Ausnahme vom Michelbrunnen und der Hub, das Litschental, Steinbach, halb Reichenbach und Kuhbach mit allen Zinsen und Rechten, die bisher der Herrschaft gehörten; ferner der halbe Trettenhof, das Fischwasser von Wittelbach herab zur Mühle bei Steinbach, und das im Litschental und drei Schilling Zins von einer Matte zu Steinbach."

Dompropst Georgen zu Straßburg bekam St. Antonien (Schuttertal Dorf), Michelbrunn, Hub, Grassert, Fischrecht ob Wittelbach und die andere Hälfte des Dorfes Reichenbach; Junker Hannsen (Johann) erhielt Schimberg (Schönberg) und Brüntzebach (Prinzbach), den halben Trettenhof, den Lowenberg (Lauenberg), das Steinbächle und das Fischrecht in Reichenbach sowie die Mitinhaberschart am Schlosse Dautenstein. Die Schutzvogtei über das Kloster Schuttern hatte Diebold, die über die Abtei Ettenheimmünster Hannsen inne, was letzteren aber nicht hinderte, die Schätze der Abtei zu rauben, die Gebäude in Brand zu setzen und an dem Abt, den Mönchen und an dem Konvent freventliche Verbrechen zu begehen.

In den Jahren nach 1436 finden sich wenige Aufzeichnungen über den Tretenhof. 1468 wird er als "Hoff im Trettenbach" erwähnt. Das "herrschaftliche Gut" scheint zuweilen turbulente Zeiten gesehen zu haben. Trotz der ihm gehörenden großen Viehweide und dem ausgedehnten Grundbesitz ermangelte es der finanziellen Mittel.

Nach einem Protokoll über eine Schätzung der Fährnisse und des Viehbestandes im Jahre 1700 waren vorhanden: Ochsen 30, Kühe 25, Kalbinnen 12, Pferde 30. Bei der danach folgenden Zwangsversteigerung wurden gelöst für ein Paar (!) Ochsen 49 Gulden (85 Mark), 4 kleine Stiere 58 Gulden (103 Mark), für 13 Ferklein 14 Gulden (25 Mark), ein Stück also kaum 2 Mark, 9 Läuferschweine und eine Mohr zusammen 40 Gulden (70 Mark), ein Mutterpferd mit zwei Fohlen 40 Gulden, ein Pfund Speck 12 Kreuzer, Schinken und Kienbein zu 9 Kreuzer, Schmalz zu 16 Kreuzer. Für ein Huhn wurden 10 Kreuzer bezahlt. Ein Oberknecht verdiente damals jährlich 22 Gulden, ein Mittelknecht 15 Gulden, ein Stabbub 8 und eine Magd 6 bis 8 Gulden.

Das Frauenklösterle

Im Jahre 1732 brachte Graf Carl von der Leyen und Hohengeroldseck ein Franziskanerkollegium nach Seelbach. Dieses gründet inmitten des Marktfleckens ein Kloster. Gegen Ende des Jahrhunderts stiftete er das Frauenklösterle auf dem Gewann Tretenhof. Nach der Säkularisation räumten die Franziskaner die Stätte ihrer 80jährigen Wirksamkeit. Die frommen Frauen begaben sich nach Gengenbach in das dortige Mutterhaus. Das Klösterle stand einige Zeit leer, bis dann der Pächter Melchior Fautz auf dem ehemaligen Meiergut aufzog. Er war es, der das Anwesen umbaute und ihm seine heutige Gestalt gab. An das einstige Klösterle erinnert heute nur noch das Glöcklein in dem kleinen hölzernen Dachreiter, das erst vor wenigen Jahren wieder seinen alten Platz einnahm.

Aus einer Familienchronik

Nachfolger von Fautz war die Familie Mezger-Stulz von Kippenheim. In der Familienchronik dieses bekannten Kippenheimer Geschlechtes finden wir über den Tretenhof geschrieben:

"Machen wir nun einen Rundgang durch den einstigen Besitz und fahren mit der Kutsch über Lahr nach dem Tretenhof bei Seelbach. Ruhig und geräuschlos, von Erlen umrahmt und von Forellen belebt, fließt die Schutter zwischen saftigen Wiesen dahin. Linker Hand grüßt die Ruine Geroldseck. Die schön angelegte Ludwigstraße bildet - über den Schönberg führend - den Übergang zum Kinzigtal. Gleich hinter Seelbach, wo die Fürsten von und zu der Leyen ihre Besitzungen hatten, gelangen wir zum Tretenhof. Er ist jetzt Erholungsheim für Lungenkranke und zu diesem Zweck umgebaut und vergrößert. Jenseits der Straße erstrecken sich die Stallungen mit Zubehör. Äcker und Wiesen umgeben den Hof. Im Vordergrund des Anwesens ist ein Brunnen zu sehen, über den sich ein Mauerwerk mit einer hohen gewölbten Nische und zwei niederen beiderseitigen Turmsäulen mit einem ziegelbedeckten Dächlein spannt.

Grossherzog Friedrich und Grossherzogin LuiseWas die Bewirtschaftung des Hofes anbelangt, so bestand diese in der Hauptsache aus der Milchwirtschaft. Die Milchkeller waren so angelegt, daß die Töpfe in fließendem Wasser standen. Aber noch ein anderes wertvolles Erzeugnis lieferte der Tretenhof - das Kirschwasser, das bei uns gebrannt wurde und 4 bis 5 Jahre liegen mußte, bis es gebrauchsfertig als "Magenarznei" in den Handel kam. Ein ganzer Hain von alten Bäumen spendete die kleinen unansehnlichen Kirschlein, die so schwer zu pflücken waren ...

Sehr gerne besuchten die Lahrer Freunde den Tretenhof. Ich erinnere mich noch an einen Besuch der alten Maurers. Er war so korpulent, daß er in einem unserer Korbsessel hängen blieb und unter großem Gelächter herausgezogen werden mußte. Er hatte eine tiefe Stimme und sagte von seiner anwesenden Frau: "Ich lebe mit meiner Barbara im Dreißigjährigen Krieg". Dabei waren es die friedlichsten Eheleute.

"Von Kippenheim aus wurde die Strecke zum Tretenhof oft zu Fuß zurückgelegt. In der ersten Morgenstunde ging es über die Haselstud den Judenpfad hinauf, einen Abkürzungsweg, den der Vater ausfindig gemacht hatte. Da ging es über Stock und Stein jäh in die Höhe. Wie Kinder zu tun pflegen, lief ich mit den Hunden um die Wette, meistens voran, bis der Geruch eines Häsleins sie von meiner Seite lockte. Der Tretenhof war für meinen Bruder August bestimmt, und er hatte ihn auch schon bewirtschaftet, wanderte aber 1866 nach Amerika aus, um dort als Farmer ein neues Heim zu gründen."

Soweit die Chronik. Das Meiergut ging, nachdem es von der Familie Mezger-Stulz aufgegeben werden mußte, zunächst an einen Straßburger Handelsmann über. Von ihm kaufte es Pfarrer Berger, damals in Seelbach, und machte daraus eine Schwesternanstalt. Er mußte jedoch das Unternehmen im Jahre 1875 aufgeben. 1891 kaufte es die Gemeinde Seelbach um den Preis von 70 000 Mark. Aus den Wohngebäuden wurde ein Krankenheim. Die Felder überließ man einigen Pächtern. Das Krankenhaus mußte aber wegen "Unrentabilität" kurze Zeit danach wieder aufgehoben werden. Das Gebäude wurde an den Verein "Genesungsfürsorge in Baden", an dessen Spitze der Großherzog von Baden stand, verkauft, worauf das ganze Anwesen eine durchgreifende Renovation erfuhr. Die Eröffnung des neuen Genesungsheims erfolgte im Sommer 1900 in Anwesenheit Ihrer Kgl. Hoheiten Großherzog Friedrich und Großherzogin Luise sowie der Vertreter höherer Behörden. Bedürftige Arbeiterinnen fanden nach überstandener Krankheit bei kostenloser Wohnung und Verpflegung hier nun vollends Genesung. Nach 1920 stand das Haus für einige Zeit im Dienste der Arbeiterfürsorge, mußte aber wegen Geldschwierigkeiten bald wieder seine Pforten schließen. 1937 wurde der Tretenhof Kreisschulungslager der NSDAP. 1945 hausten in ihm Polen und Russen.

1948 erwarb die Arbeiterwohlfahrt Lahr den Tretenhof zu karitativen Zwecken. Mit Begeisterung und Hingabe ging man unverzüglich daran, das Haus mit den entsprechenden Einrichtungen zu versehen, damit es erholungsbedürftige Kinder aufnehmen konnte. 1950 übernahm der Landesverband der Arbeiterwohlfahrt Badens die Regie des Heimes. Seitdem ist ein wahres Kinderparadies daraus geworden. Bis zu 750 Kinder werden alljährlich hier beherbergt. Sechs Wochen währen jeweils die einzelnen Kuren. Die Buben und Mädchen kommen aus allen Teilen der Bundesrepublik - viele auch aus Berlin - und finden hier sorgfältige Betreuung.

1950 wurde dem AW-Heim eine Haushaltungsschule angegliedert. Ein volles Jahr dauert der Grundausbildungslehrgang für Hauswirtschaft. Jeweils zu Ostern wird er mit einer staatlich anerkannten Abschlußprüfung beendet. Die Mädchen, die mit Erfolg absolvieren, sind vom Besuch der dreijährigen hauswirtschaftlichen Fortbildungsschule befreit und berechtigt, in die Klasse I einer Frauenfachschule aufgenommen zu werden.

Im November 1958 kam zu der Haushaltungsschule ein neues Jugendwohnheim hinzu. Der moderne Internatsbau ist durch einen Wandelgang mit der Schule verbunden. Neuerdings werden im Tretenhof auch Mädchen zu Kindergärtnerinnen ausgebildet. Somit ist aus dem Arbeiterwohlfahrts-Kinderheim zugleich eine vielseitige Pflegestätte, ein "Pädagogium", für Arbeitertöchter geworden ... und dies nicht nur in bezug auf Hauswirtschaft und karitative Erfordernisse, sondern auch in der Hinführung zu den schönen Künsten und der Muse.

Ell, Emil: Genesungsheim Tretenhof 1927 aufgehoben - 1900 Eröffnung der Großherzog-Friedrich-Stiftung bei Anwesenheit des Herrscherpaares (Der Altvater, 26.11.1977)

Genesungsheim Tretenhof 1927 aufgehoben

(ll). So der Wortlaut einer Meldung vom November 1927: "Auf 1. Dezember 1927 wird das Genesungsheim Großherzog-Friedrich-Stiftung Tretenhof seinen Betrieb einstellen, um den Betrieb im Kurhaus Sand neu zu eröffnen. Das Anwesen wurde dem Verkauf ausgesetzt. Seit 1900 besteht das Genesungsheim Tretenhof. Bei der Eröffnung 1900 erschienen zum Jubel der Seelbacher Großherzog Friedrich I. und Großherzogin Luise. Im Jahre 1910 wurde das Heim durch einen stattlichen Neubau vergrößert. Der Verein Genesungsfürsorge übergab den schönen Bau zur Feier der silbernen Hochzeit dem damaligen Herrscherpaar Friedrich II. Seit dem Bestehen blühte das Heim zum Segen der Arbeiterschaft. Viele Tausende fanden hier Erholung und kehrten gestärkt an ihre Arbeitsplätze zurück."

Der Erinnerungstermin, 50 Jahre zurückliegend, ist Anlaß zu einer knappen Übersicht der Geschichte des Tretenhofs, die Erich Emil Reiser in guter Übersicht vor 15 Jahren erarbeitet hat. Er nennt eine Akte aus dem Jahr 1417, die von einem "burgsess in dem Drettenbach" berichtet. Eine weitere Urkunde aus dem Jahr 1436 gibt Auskunft über eine Teilung, die auf familiäre Streitigkeiten der Geroldsecker zurückzuführen war. Die Teilungsurkunde besagt:

Genesungsheim Tretenhof um 1900"So haben wir Junker Diebold die nachbenannten Güter zugeteilt, die da sind die Vogtei Seelbach mit Ausnahme vom Michelbrunnen und der Hub, das Litschental, Steinbach, halb Reichenbach und Kuhbach mit allen Zinsen und Rechten, die bisher der Herrschaft gehörten; ferner der halbe Trettenhof, das Fischwasser von Wittelbach herab zur Mühle bei Steinbach, und das im Litschental und drei Schilling Zins von einer Matte zu Steinbach."

Auch der Dompropst Georgen zu Straßburg bekam seinen Teil, ebenso Junker Hannsen (Johann), der neben Schönberg und Prinzbach die andere Hälfte des Tretenhofs, den Lauenberg, das Steinbächle, das Fischrecht in Reichenbach sowie die Mitinhaberschaft am Schloß Dautenstein erhielt.

In den Jahren nach 1436, so hat Reiser erkundet, finden sich wenige Aufzeichnungen über den Tretenhof. 1468 wird er als "Hoff im Trettenbach" erwähnt. Das herrschaftliche Gut scheint zuweilen turbulente Zeiten gesehen zu haben. Trotz ausgedehntem Grundbesitz mangelte es stets an Geld.

Im 18. Jahrhundert fließen die Quellen reichlicher. Nach der Gründung eines Franziskanerklosters 1732 in Seelbach kam gegen Ende des Jahrhunderts ein kleines Frauenkloster auf dem Tretenhof hinzu. Die Säkularisation beendete beide Klostereinrichtungen. Die Nonnen gingen nach Gengenbach zurück; das Kloster stand leer, bis der Pächter Melchior Fautz auf dem ehemaligen Meierhof einzog. Nachfolger wurde die durch den Schneider von Kippenheim, Georg Stulz von Ortenberg, reich gewordene Familie Mezger-Stulz von Kippenheim. Weil dieser Familie der unerwartete Reichtum zwischen den Fingern zeronnen war, wurde vorübergehend ein Straßburger Kaufmann der Besitzer. Von diesem erwarb es Pfarrer Berger zur Einrichtung einer Schwesternanstalt. 1875 scheiterte das halbklösterliche Unternehmen, und so wurde die Gemeinde Seelbach Besitzerin.

Schließlich wurde die Genesungsheim-Idee geboren. Aus einem Krankenheim, das wegen Unrentabilität geschlossen wurde, gestaltete der Verein "Genesungsfürsorge in Baden" ein Genesungsheim, das - wir eingangs erwähnt - 1900 bei Anwesenheit der großherzoglichen Familie eröffnet wurde. Die Verlegung nach Kurhaus Sand brachte 1927 das Ende.

In den Jahren nationalsozialistischer Herrschaft wurden die Gebäude parteiintern genutzt. Nach Kriegsende ging der Tretenhof in den Besitz des Landesverbandes der Arbeiterwohlfahrt Badens über, der es bis in unsere Tage vielfältig nutzt.
 

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