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Sehenswertes Schuttertal


Zu den wichtigsten Wirtschaftsgebäuden der Schuttertäler Bauernhöfe zählte bis in die jüngste Vergangenheit hinein der Kornspeicher. Nicht jeder Hof besaß oder besitzt noch ein solches Gebäude. Denn viele Bauern benutzten einfach eine der Kammern im ersten Obergeschoß des Hofes zur Vorratshaltung. In der "Fruchtkammer" bewahrte man das gereinigte Getreide in langen, mit Füßen versehenen Truhen auf, die entsprechend den verschiedenen Getreidearten in einzelne Gefache aufgeteilt waren.

 
Nur wenige große Höfe hatten schon im 16. und 17. Jahrhundert einen Kornspeicher. Die meist freistehenden Speicher im Schuttertal wurden erst im 18. und 19. Jahrhundert gebaut. Möglicherweise hatten die Bauern mit der Vorratshaltung im Hofgebäude keine guten Erfahrungen gemacht. Das hölzerne, strohgedeckte Bau-ernhaus war ein Rauchhaus ohne Kamin. Und da eine Feuerstätte stets Gefahr bedeutete, wollte man seine Ernte, seine Vorräte lieber einem frei, etwas abseits stehenden Gebäude ohne Feuerstelle anvertrauen.

Siebzehn solche alte Kornspeicher stehen heute noch im Schuttertal und sind eindrucksvolle Zeugen dafür, wie sehr sich unsere Vorfahren auch bei alltäglichen Dingen mit hoher, eigenständiger Kultur zu umgeben wußten.
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St. Romanus - Kirche und Pfarrhaus - Schweighausen

 
Pfarrhaus Schweighausen - Spätbarocker Bau hoch über dem Ort
Die Besiedlung Schweighausens geht auf das Kloster Ettenheimmünster zurück. Nach einer Grenzbeschreibung von "926", die aber in Wirklichkeit den Zustand des frühen 12. Jahrhunderts beschreibt, gehörten bald nach 1100 Schweighausen und Dörlinbach zur Ettenheimer Mark und zum Kloster. Zahlreiche "Lehen" (Bauerngüter) waren dem Kloster zu Abgaben und Frondienst verpflichtet (vgl. Heimatbuch Schweighausen S. 33). Die erste romanische Kapelle wurde am 11. Juli 1132 durch Bischof Ulrich II. von Konstanz eingeweiht. Der Bau der spätbarocken Pfarrkirche St. Romanus geht auf die Initiative von Abt Landelin Fluem zurück. Unter der Leitung von Baumeister Johann Joseph Hirschbühl wurde die Kirche gebaut und am 29. August 1776 eingeweiht (entnommen aus: Heimatbuch Schweighausen, S. 33, 175f, 193).

Durch einen Brand wurde die Kirche im Jahre 2004 innen teilweise zerstört; heute erstrahlt sie wieder in neuem Glanz. Besonderer Anziehungspunkt ist die einzigartige Naturkrippe, die jedes Jahr während der Weihnachtszeit die Kirche ziert.

Die Kirche bildet mit dem daneben gelegenen Pfarrhof ein beeindruckendes Ensemble mit Ortsbild prägender Bedeutung. Das Pfarrhaus wurde in den Jahren 1754/55 gebaut und ist ein Werk des Klosterbaumeisters Joseph Klein.

Heute befindet sich im Pfarrhaus eine privat genutzte Pfarrwohnung, das Pfarrbüro, der Pfarrgemeindesaal sowie der "Dachschuppen", der von der KJG genutzt wird.

Eindrucksvoller Akzent im Ortsbild von Schweighausen ist der Kirchbühl mit der Barockkirche St. Romanus von 1777 und dem barocken Pfarrhofgebäude von 1754/55. (Text: Katholisches Schuttertal)

Baader, Emil: Wem hat Schweighausen sein barockes Pfarrhaus zu verdanken? - Erinnerungen an den Pater und Heimatforscher Gervasius Bulffer (Der Altvater, 25.5.1963)

Wenig bekannt dürfte es sein, daß das Pfarrhaus von Schweighausen, wie die Jahreszahl auf dem Sturz über dem Haupteingang aussagt, im Jahre 1754 aus Veranlassung von Pater Gervasius Bulffer erbaut wurde, dem damals die Obhut der Klosterpfarrei Schweighausen vom Benediktinerkloster Ettenheimmünster anvertraut war. Auf seine Veranlassung wurde das Pfarrhaus auch mit der hübschen Wappentafel und der Jahreszahl 1755 geschmückt.

Einen fesselnden Bericht über Lebensweg und Bedeutung von Pater Gervasius Bulffer, der aus dem Schwäbischen stammte, veröffentlichte vor 95 Jahren, im Jahre 1868, der damalige Pfarrherr von Ettenheimmünster (Pfarrer Kürzel), im Freiburger Diözesanarchiv.

Einleitend teilt Pfarrer Kürzel mit, daß das Kloster Ettenheimmünster um die Mitte des 18. Jahrhunderts eine Reihe von Männern besaß, die sich um die Geschichtswissenschaft große Verdienste erwarben. Er nennt neben den Äbten Maurus Geiger, Franz von Hertenstein und Eck die Patres Stöber, Muck und zumal auch Gervasius Bulffer.

Bereits im Alter von zwanzig Jahren trat Clemens Bulffer, so hieß er ursprünglich, in das Kloster Ettenheimmünster ein, zu der Zeit des Abtes Johann Baptist Eck, Am 10. Mai 1734 legte er die Profeß ab, fünf Jahre später wurde er zum Priester geweiht. Bulffer, so hören wir, war ein Freund der Künste und Wissenschaften. Er machte sich weit über Ettenheimmünster hinaus einen Namen als Geschichtsforscher. So kam es, daß er 1741 zum Professor der Philosophie und Theologie ernannt wurde. Für Ettenheimmünster machte er sich besonders dadurch verdient, daß er erstmals der Entstehung des Klosters gründlich nachforschte. Auch setzte er sich für die klösterlichen Rechte und Privilegien ein.

1753 wurde ihm die Seelsorge der Klosterpfarrei Schweighausen anvertraut. Er veranlaßte den Neubau des Pfarrhauses, er veranlaßte die Ausschmückung der Pfarrkirche.

Im Jahre 1757 wurde Bulffer mit einem besonderen Auftrag an das Kloster Reichenau entsandt. Sechzehn Monate weilte er dort. Nach der Rückkehr von der Reichenau wurde ihm die Würde eines Priors verliehen. Zur Erledigung klösterlicher Angelegenheiten wurde er bald darauf als "Kommissarius" nach dem Frauenkloster St. Johann bei Zabern im Elsaß gesandt.

In den Jahren 1770 bis 1775 wurde ihm die Seelsorge der näher bei Ettenheimmünster gelegenen Pfarrei Münchweier übertragen. In seinem siebzigsten Lebensjahr ordnete er grundlegend das Klosterarchiv von Ettenheimmünster. 1789 konnte er sein fünfzigjähriges Priester Jubiläum feiern. Gervasius starb am 14. Februar 1792.

Im Besitz der Pfarrei Ettenheimmünster befindet sich heute noch ein goldener Kelch mit der Inschrift "Pater Gervasius Bulffer 1763", Dieser zweihundert Jahre alte Kelch hält in Ettenheimmünster bis zum heutigen Tag das Gedächtnis an den berühmten, verdienten Pater und Forscher fest. Pfarrer Kürzel veröffentlichte ein genaues Verzeichnis seiner gedruckten und handschriftlichen Werke, zumal auch seiner Geschichtswerke, die sich heute noch im Pfarrarchiv Ettenheimmünster befinden.

Ell, Emil: Nach energischem Ringen um Selbständigkeit - Bau einer Kirche im Bergdorf Schweighausen (Der Altvater, 20.8.1988) [Auszug]

Am 25. März 1775 wurden die Arbeiten für den Kirchenneubau zu Schweighausen vergeben. Bauherr war das Kloster Ettenheimmünster, dem die Orte Schweighausen, Dörlinbach und Wittelbach zu eigen warenAm 25. März 1775 wurden die Arbeiten für den Kirchenneubau zu Schweighausen vergeben. Bauherr war das Kloster Ettenheimmünster, dem die Orte Schweighausen, Dörlinbach und Wittelbach zu eigen waren. Pater Bernadus Stöber, am 10. Juni 1740 in Schuttern geboren, weilte von 1774 bis 1797 im Bergdorf und schrieb während dieser Zeit die Geschichte des Kirchenorts mit den Filialen Dörlinbach und Wittelbach. Die nachfolgende Schilderung über den Kirchenbau in Schweighausen ist im wesentlichen dem dreibändigen Geschichtswerk Pater Stöbers entnommen. Zuvor sei eine Veröffentlichung in Erinnerung gebracht aus einer 1929 erfolgten Zusammenstellung des damals in Thiergarten tätigen Pfarrers Ludwig Heizmann. Titel des Werks: "Der Amtsbezirk Lahr in Vergangenheit und Gegenwart."

Zum Thema "Kirchengeschichte" ist in Heizmanns Werk zu lesen:

"Schweighausen verdankt seine Entstehung dem Kloster Ettenheimmünster. Seit der Neugründung des Stifts (es wird das Jahr 763 angenommen) dürften vielleicht keine 200 Jahre vergangen sein, als in den Waldungen einzelne Gehöfte, nach und nach auch Dörfer, entstanden. Für die zerstreut wohnenden Bauern wurden als Mittelpunkt Kirchen und Kapellen gebaut.

Schweighausen ist als Svechusen um 1132 erstmals urkundlich erwähnt, gehörte bis 1803 zum weltlichen Gebiet des Hochstifts Straßburg (Herrschaft Ettenheim).

Bischof Ulrich von Konstanz, der im Jahre 1127 abdankte und seine alten Tage bei seinem Bruder, dem Abt Werner von Ettenheimmünster, zubrachte, weihte im Jahre 1132 die Kirche zu Schweighausen. Als Patron wurde ihr der Märtyrer Romanus zugeordnet. Schon 1181 wurde die Kirche dem Kloster Ettenheimmünster einverleibt. Seit dieser Zeit war auch das Patronatsrecht beim Kloster.

Nach dem Straßburger Bischöflichen Kirchenvisitationsprotokoll von 1666 war der himmlische Patron der Hl. Romanus; Collator und Decimator (Verleiher und Zehntherr) der Abt des Klosters. Zu dieser Pfarrei gehörten die Filialen Dörlinbach und Wittelbach. Die zu regierende Seelenzahl war etwa 600. Bei Zurechnung von 200 Kindern ergab sich eine Gesamteinwohnerzahl von 800.

Die Pfarrkirche ist zugleich Wallfahrtskirche. Am 2. November 1492 wurde ihr durch das Kardinalskollegium in Rom ein hunderttägiger Ablaß verliehen. Die derzeitige Pfarr- und Wallfahrtskirche wurde 1775 im Renaissancestil erbaut."

Bis dahin die Niederschrift von Pfarrer Ludwig Heizmann.

Ringen um Selbständigkeit

Gemäß der Niederschrift von Bernadus Stöber setzte sehr früh das Ringen um die Selbständigkeit der Pfarrei Schweighausen ein. Aufgrund eines Gnadenbriefs aus Rom im Zusammenhang mit den begehrten Ablässen "für die Kirch des hl. Romani" wurde das Jahr 1492 markiert, weil schon in diesem Rom-Brief von einer "Pfarrkirch" geschrieben wurde. 1720 glaubte man das Ziel erreicht zu haben, doch schon 1734 lebte die Ungewißheit wieder auf, als Lindermayer, des Capitels "Cammerer" von Pater Carolo Wild vier Gulden für den "In- und Egreß" als Pfarrer zu Schweighausen forderte. Erst 1767 kam ein offizieller Kontrakt zustande, nachdem die Pfarrer von Schweighausen als "wahre Capitulares" (Pfarrherren) anerkannt wurden.

Streitigkeiten zwischen Kloster und Untertanen

Allerorts regten sich im beginnenden 18. Jahrhundert die freiheitlichen Geister. Es wurde Sturm gelaufen wider Zehnt und Leibeigenschaft. So auch im Zwergstaat des Klosters Ettenheimmünster. Die Bauern wurden immer mehr Gegenspieler des Abts und standen allezeit auf dem Sprung, Zehnt und Fronden zu beanstanden.

Bernadus Stöber berichtete 1775 von Streitigkeiten zwischen dem Kloster und den Untertanen. "Es ging alles unter und über sich. Die Untertanen wollten sich von der Leibeigenschaft losmachen, sie achteten gar keine Herrschaft mehr. Alle Ordnung, alles Gute, ja das Heyl der Seelen selbsten litten hierunter gantz unbegreiflich."

Des Klosters Prälat Augustin resignierte. Als Prälat Landelin zum Abt des Klosters bestellt worden war - das geschah vermutlich am 16. November 1774 - war den Bauern eine vertrauenswürdigere Persönlichkeit vorgesetzt. Landelin war über acht Jahre Pfarrherr in Schweighausen gewesen und hatte sich der Achtung und Liebe der Pfarrkinder erfreut. Diese Zuneigung übertrug sich auch auf sein neues Amt als Abt des Klosters Ettenheimünster.

Am 26. Januar 1775 - dem Jahr des Kirchenbaus in Schweighausen - fand bei kältester Witterung eine Zusammenkunft statt. An zwei Tagen bemühten sich die kirchlichen Herren um einen Vergleich zu den strittigen Punkten. Umsonst! "Weil die boshaften Bauern einfach keinen Vergleich annehmen wollten." Die Vertreter des Klosters drohten mit einem Prozeß und der Umsetzung des Zehnten auf ein Drittel. Ehe der Prälat Schweighausen verließ, räumte er den Vergleichswilligen Gelegenheit zur Unterzeichnung des Traktes bis zum Abend des 27. Januar 1775 ein.

"Da nun viele nach und nach sich unterwarfen, so kamen endlich am 29. April die Vorgesetzten der Gerichte von Schweighausen und Dörlinbach samt dem Ausschuß der Gemeinden zusammen, und so wurde der Friede wieder hergestellt."

Nach dem Zank der Beschluß zum Kirchenbau

Am 29. Januar 1775 herrschte Friede zwischen Kloster und Untertanen. Der Vertrag war gesichert; die Bauern von Schweighausen und Dörlinbach hatten die Unterschriften geleistet. Für das Kloster war die Welt wieder in Ordnung. Nicht für die Bauern.

Der Abt beherrschte die Taktik mit dem "Zuckerbrot". Zwar mußte wegen der begangenen "Irrungen" Abbitte geleistet werden, dann aber verfügte der Prälat in Begleitung des Pfarrherrn und des "Vicarii" auf die Gemeindestube, um mit den Vorgesetzten, den Gerichten und dem Ausschuß über den Kirchenneubau zu sprechen. Ein diesbezüglicher Beschluß wurde gefaßt.

Schon bei der bischöflichen Visitation 1762 wurde anbefohlen, die Kirche zu erweitern, da nicht alle Pfarrkinder Platz finden könnten. Von einer Erweiterung mußte aus zwei Gründen Abstand genommen werden. Erstens war der Altbau so baufällig, daß an dessen Mauern nicht gerüttelt werden konnte; zweitens reichte der Platz zu einer Erweiterung nicht aus. Also wurde ein Neubau in Erwägung gezogen. Der Beschluß dazu wurde am 30. Januar 1775 gefaßt.

Die Bauverantwortlichkeit und die Festlegung der Kostenakkorde übertrugen die Untertanen dem Kloster. Der Prälat versprach für sich und im Namen des Kapitels, daß man von seiten des Klosters den Kalk und das Holz für das Langhaus sowie die Ziegel und die Backsteine kostenlos geben werde. Bedingung war, daß die Bauern schriftlich erklärten, die Hilfe des Klosters sei keine Pflicht ("Schuldigkeit"), sondern ein Gnadenerweis. Ferner hatten die Bauern zu bestätigen, daß sie die Fuhren für Turm und Chor gratis erledigen. Der Prälat "machte ihnen auch die Hoffnung, daß, wan sie künftig wieder gute Bürger und treue Untertanen sein sollten, daß er ihnen wille das große Altarblatt, die zwei Nebenaltäre samt der Kanzel in ihre neue Kirch schenken."

Baubeginn im April 1775

In den ersten Tagen des Monats April 1775 traf Baumeister Hirschbühl in Schweighausen ein. Erste Arbeiten waren die Niederreißung der hinteren Kirchhofmauer und die Niederlegung des Beinhauses. Die Bauern hatten mit der Anfuhr des Baumaterials begonnen. Das Feld oberhalb der Kirche, welches zu dem Pfarrhof gehörte, war bald mit Kalch, Sand und Steinen belegt.

Am 10. Mai 1775 konnten der Pfarrer und dessen Vivarius den ersten Stein in das Fundament an einem Eck des Turmes setzen.

Schon am 9. Mai hatte der Prälat die Bürger der Gemeinde Schweighausen zusammenkommen lassen, um die Kirchenrechnung der Pfarrkirche und der Annakapelle abzuhören, aber auch um mit Mathias Zehnle einen neuen Stabhalter zu küren, da der damalige

Schultheiß Christian Bilhartz "wegen Alter und Krankheit gantz entkräftet war".

Grundsteinlegung am 21.8.1775

Der Grundsteinlegung am 21. August 1775 ging eine Bittschrift an den Weihbischof von Straßburg voraus. Der Frondienst für den Kirchenbau, noch mehr die Zahlungen für das Langhaus, hatten die Kassen der Bauern stark strapaziert, und es war kaum Geld vorhanden für eine gute Innenausschmückung. Weil aber die Bauern wünschten, "daß die neue Kirch innerlich auch recht schön ausgezieret werde", baten sie um die Erlaubnis, Einkünfte der Pfarrkirche und der Annakapelle verwenden zu dürfen. Der Wunsch wurde erfüllt; von den Einkünften der Pfarrkirche und der Kapelle wurden je 500 Gulden für die Kirchenausschmückung abgezweigt.

Abmachung mit den Schreinern zu Beginn des Jahres 1776

Am 7. Januar 1776 übertrug Pfarrer Stöber dem Schreinermeister Ignatius von Münchweier die Fertigung der Stühle und Türen für die Kirche. An den Verhandlungen nahmen auch die Schultheißen der Orte Schweighausen und Dörlinbach teil.

Es wurde folgendes vereinbart: Je Kirchenstuhl erfolgt eine Bezahlung von 3 Gulden. Die Holzfuhren nach Münchweier und die Rückführung der fertigen Kirchenstühle hatten die Bauern als Fronfuhren zu übernehmen. Für die drei Kirchentüren wurden 14 Gulden angeboten, zusätzlich ein Trinkgeld von 2 Gulden und 4 Schilling. Die Beschläge mußten auf Kosten der Gemeinde angeschafft werden. Somit hat der Schreinermeister Ignatius insgesamt 131 Gulden und 5 Schillinge erhalten.

Der Neubau der Kirche hat viel Geld gekostet und beinahe das Vermögen der Kirchengemeinde aufgezehrt. Nach der 1780 vorgenommenen Abrechnung blieb ein Kirchenvermögen von nur 3000 Gulden.

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Historische Mühle - Jägertonihof in Schuttertal-Dörlinbach

Zur Jägertonimühle im Prinschbach - Schuttertal-Dörlinbach

Historische Mühle Jägertonihof - Die Jägertoni-Mühle wurde bereits 1511 erstmals geschichtlich erwähnt. Das heutige Gebäude, ein vorindustrielles Kulturdenkmal, entstand im Jahre 1842 und wurde von Hofbauer Anton Kopf und seiner Familie in den Jahren 1984/85 umfassend renoviertDie Jägertoni-Mühle wurde bereits 1511 erstmals geschichtlich erwähnt. Das heutige Gebäude, ein vorindustrielles Kulturdenkmal, entstand im Jahre 1842 und wurde von Hofbauer Anton Kopf und seiner Familie in den Jahren 1984/85 umfassend renoviert.

Die Jägertoni-Mühle stellt unter den Bauernmühlen eine Besonderheit dar, da die Getreidemühle mit Wasserradantrieb in einem Kornspeicher integriert ist. Der doppelhäusige Kornkasten und der Mahlstuhl gehören dem 18. Jahrhundert an. Beim Neubau des „Spichers“ im Jahre 1842 wurden die Kornkästen des alten, einst oberhalb des Hofes stehenden Fruchtspeichers und die Mühleneinrichtung der unterhalb des Hofguts gelegenen alten Mühle einfach übernommen.

Neben dem Mahlwerk der Mühle und einer Gerstenstampfe treibt das historische Wasserrad mit Hilfe der Transmissionsanlage noch einen Generator, eine Kreissäge sowie einen Schleifstein an.

Finkbeiner, Gerhard : Hofmühlen im Schuttertal - Technikgeschichtliche Kulturdenkmale aus der bäuerlichen Arbeitswelt (Geroldsecker Land, Heft 48 - 2006) Seite 126-140

Mehr Informationen über die Schwarzwaldmühlen und deren geschichtlichen Hintergrund, sowie alles interessante rund um unsere Mühle und deren Besonderheiten und Techniken finden Sie in der PDF-Datei, die Sie hier herunterladen können: 

Die früheste Nachricht über eine bestehende Hofmühle in Dörlinbach geht auf das Jahr 1511 zurück.

Als Schutz- und Schirmvögte verfügten die Herren von Hohengeroldseck im 14., 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts über einträgliche Besitzungen in Schweighausen und Dörlinbach, die an Lehensleute vergeben waren. So besaß Paul Schedel nach einem Lehensrevers von 1511 neben 14 Lehen in Schweighausen auch "eine Mühle mit einem Jahresertrag von 3 Gulden, 4 Rappen und 3 Lehen, alle im Brunsbach gelegen". Diese Hausmahlmühle dürfte die Vorgängerin der heutigen Jägertonihof-Mühle gewesen sein. Alte Fundamente hundert Meter unterhalb des Hofgebäudes am Prinschbach sowie die mündliche Überlieferung bestätigen diese Vermutung.

MuehlenschemaDie heutige Wasser-Mühle des Jägertonihofs ist in einem Kornspeichergebäude integriert. Sowohl der doppelhäusige Kornkasten als auch der Mahlstuhl gehören dem 18. Jahrhundert an. Beim Neubau des "Spichers" im Jahre 1842 wurden die Kornkästen des alten, einst oberhalb des Hofes stehenden Fruchtspeichers und die Mühleneinrichtung der unterhalb des Hofguts gelegenen Mühle einfach übernommen und mit einem als Mostkeller genutzten Erdgeschoss zu einem baulich ästhetischen und funktional sinnvollen Wirtschaftsgebäudes vereinigt.

Mit der Bauernmühle, die noch keine leistungssteigernde und kraftsparende Übersetzung kennt und in dieser Art seit Jahrhunderten im Schwarzwald gebaut wurde, wurde noch bis 1920 Brotmehl (Roggen) gemahlen und geschrotet. Nach Einstellung des Mahlbetriebs nutzte der Hofbauer die Wasserkraft des Prinschbachs über Transmissionen im Kornspeicher- und Hofgebäude zum Antrieb der Kreissäge, der Schleife, der Dreschmaschine, der Schrotmühle und des Generators zur Stromselbstversorgung. Erst 1970 wurde das Wasserrad endgültig stillgelegt. In den Jahren 1983 bis 1985 wurde die Hofmühle, die ebenso wie die Engelhof-Mühle im Durenbach aus technik- und heimatgeschichtlichen Gründen, denkmalerhaltungswürdig ist, mit finanzieller Unterstützung durch das Landesdenkmalamt, die Gemeinde Schuttertal und den Ortenaukreis renoviert.

Von der Webseiter der Jägertonimühle im Prinschbach - Schuttertal-Dörlinbach

Die früheste Nachricht über eine bestehende Hofmühle in Dörlinbach geht auf das Jahr 1511 zurück. Als Schutz- und Schirmvögte verfügten die Herren von Geroldseck im 14., 15.und 16. Jahrhundert über einträgliche Besitzungen in Dörlinbach und Schweighausen, die an Lehensleute vergeben waren. So besaß Paul Schedel, ein Lehensmann der Geroldsecker, nach einem Lehensrevers von 1511 neben 14 Lehen in Schweighausen auch "eine Mühle mit einem Jahresertrag von 3 Gulden 4 Rappen und drei Lehen, alle im Brunsbach (Prinschbach) gelegen."

Diese Hausmahlmühle dürfte die Vorgängerin der heutigen Jägertonihof- Mühle gewesen sein. Alte Fundamente hundert Meter unterhalb des Hofgebäudes am Prinschbach sowie die mündliche Überlieferung legen diese Vermutung nahe. Aufschlußreich ist die Herrgottsnische mit Bauinschrift im nördlichen Giebel des heutigen Speicher Mühlen- Gebäudes:

H I B
M W
1791

Die Anfangsbuchstaben lassen sich deuten als Hans Jerg (Johann Georg) Billharz und Mathias Wangler. Vermutlich war der Eckquader mit den Initialen und dem Baudatum ursprünglich im Kellerfundament des alten Kornspeichers eingelassen, der oberhalb des Hofes am Waldrand stand. Die heutige Mühle wurde 1842 errichtet und stellt unter den Bauernmühlen eine Besonderheit dar. Die Getreidemühle mit Wasserradantrieb ist in einem Kornspeicher integriert. Der doppelhäusige Kornkasten als auch der Mahlstuhlgehören dem 18. Jahrhundert an.

Beim Neubau des "Spichers" im Jahre 1842 wurden die Kornkästen des alten, einst oberhalb des Hofes stehenden Fruchtspeichers und die Mühleneinrichtung der unterhalb des Hofguts gelegenen Mühle einfach übernommen und mit einem als Mostkeller genutzten Erdgeschoß zu einem baulich ästhetischen und funktional sinnvollen Wirtschaftsgebäude vereint. Im gemauerten Untergeschoß befinden sich also ein Mostkeller sowie der Mahlraum. Der Aufbau des Triebwerks und Mahlwerks ist bei allen Schwarzwaldmühlen ähnlich.

Das Triebwerk:

Die kreisende Bewegung des Wasserrads wird auf den Wellbaum, die Radachse, übertragen. Das Kammrad ist auf den Wellbaum aufgesetzt und wird von ihm angetrieben. Die Zähne des Kammrads sind meist gefertigt aus dem harten, feinfaserigen Holz der Hain- oder Hagebuche und, greifend wie ein Zahnrad, treiben sie das kleinere Stockrad an. Die langsame vertikal gerichtete Drehung von Wasserrad, Wellbaum und Kammrad wird durch das Stockrad in die schnelle, horizontale Drehung umgesetzt. Das Mühleisen auch Langeisen genannt, ist die senkrechte Achse des Läufersteins. Es verbindet das Stockrad mit dem Läufer (oberer Mühlstein) und treibt ihn an. In den früher beinahe ganz aus Holz konstruierten Bauernmühlen war das Mühleisen eines der wenigen Eisenteile.

Das Mahlwerk:

Das hölzerne Bietgerüst, das oft aus mächtigen Eichenbalken konstruiert ist, trägt den Mahlstuhl und ist gleichzeitig das Gerüst für das Triebwerk. Über die Biettreppe gelangt man oben zum hölzernen, trichterförmigen Tremel, der mit Getreide befüllt wird. Tremel und Rührtopf stehen auf einem hölzernen Zargen, der wie ein Gehäuse den Läuferstein umgibt. Durch eine Rüttelmechanik rutscht das Mahlgut weiter durch eine runde Öffnung in die Läufersteinmitte (Mühlauge) und gelangt so auf die Mahlfläche zwischen den Mühlsteinen. Der untere Bodenstein wiegt ca. 600 kg und ist unbeweglich. Der Läuferstein wiegt ca. 200 kg und dreht sich 120-130 mal in der Minute. Die Mahlsteine sind meist aus Sandstein. Deren Oberflächen sind mit Furchen durchzogen, sie zerschneiden die Getreidekörner und transportieren das Mahlgut zum Mehlrohr. Diese Rillen und Furchen nützen sich durch den Mahlvorgang ab und müssen mit dem Schärfhammer von Hand bearbeitet werden. Zum Schärfen wird der schwere Läuferstein mit Hilfe eines Steinhebekrans abgehoben.

Das Sichtwerk:

Durch das Mehlrohr rutscht das Gemahlene in den Mehlkasten. Hier trennt eine Sichteinrichtung das Mehl von den Schalenteilen, der Kleie. Beim Beutelsichter (mundartlich Bittelsichter), einem langen Stoffschlauch aus Müllergaze, der schräg im Mehlkasten aufgehängt ist, wird durch eine Klopfmechanik das feine Mehl herausgeklopft und am Boden des Mehlkasten gesammelt. Die grobere Kleie (Schalenteile) und der Mehlgrieß rutschen im Stoffschlauch weiter durch den Kleiekotzer (aus Holz geschnitzte Fratze) in den Kleietrog. Zunächst werden Kleie und Grieß durch die Rüttelmechanik eines Abräders (hölzerner Siebschlitten) voneinander getrennt. Um Brotmehl zu erhalten sind mehrere Mahlgänge nötig. Das Mahlgut wird mehrfach in den Tremel eingefüllt. Das wertvolle Mehl wurde zum Brotbacken verwendet, die Kleie verfütterte man den Schweinen. Ein Zentner Korn ergibt etwa 35 kg Mehl, woraus 20 bis 25 Brote zu 3 Pfund gebacken werden können.

Die Gerstenstampfe:

In der Jägertoni- Mühle befindet sich im Mahlraum eine Gerstenstampfe, diese stammt von einem anderen Schuttertäler Hof. Sie wurde bei der Renovierung in den 80-er Jahren nachträglich eingebaut. In die vier in einen Eichenklotz eingearbeiteten Mulden wird das Stampfgut, hier die Gerste, gegeben, das von den abwechselnd niederfallenden Holzstößeln zerquetscht wird. Ein vom Wasserrad angetriebener Wellbaum, der mit hölzernen Nocken versehen ist, hebt im Wechsel die vier Stößel und lässt sie wieder herunterfallen. Durch diesen Vorgang wird die Gerste enthülst. In früheren Zeiten bestand das Frühstück bzw. das "Morgenessen" aus Gerstensuppe oder Haferbrei. Erst später wurde das Brot zum Grundnahrungsmittel.

Das Wasserrad:

Das Wasserrad der Jägertoni- Mühle befindet sich an der Nordseite des Mühlengebäudes und ist zum Schutz gegen Witterung und Vereisung im Winter überdacht. Früher war es aus Holz gefertigt, heute ist es aus Metall und hat einen Durchmesser von 3,80 m. Das Wasser, welches das oberschlächtige Wasserrad antreibt, stammt aus dem oberhalb der Mühle gelegenen Spannteich.

Die Transmissionsanlage:

Mit Hilfe der Wasserkraft werden durch Transmissionsriemen (einfache Übersetzungstechnik) einige landwirtschaftliche Arbeitsgeräte in der Mühle angetrieben. Diese sind eine Schrotmühle, Kreissäge, Schleifstein und ein Generator, welcher Strom für die Beleuchtung für die Mühle erzeugt. Ebenso war das Wasserrad der Antrieb für die Dreschmaschine, welche oben in der Scheune des Hofes stand. Das kleinere hölzerne Rad neben dem Wasserrad transportierte eine lange Kette, die durch das rechte Scheunenfenster ca.40 m entfernt im Dachstuhl die Dreschmaschine antrieb.

Im zweiten Stock der Mühle:

Im hölzernen Obergeschoß der Jägertoni- Mühle sind zwei alte Speicherräume für Getreide eingerichtet (Kornspeicher). Diese sind über den Laubengang zugänglich. Weiter ist der Tremel, in dem das Mahlgut eingeschüttet wird, in einem kleinen Raum auf der gleichen Etage direkt über der Mahlanlage. Ein kleiner Werkraum und ein offener Holzschopf befinden sich rückseitig.

Weitere Nebengebäude:

Das Back- und Brennhaus steht nur wenige Meter entfernt vom Mühlengebäude. Früher wurde hier im "Buchhus" mit Hilfe von Buchenasche (eine Seifenlauge) auch Wäsche gewaschen. Direkt neben der Eingangstür steht noch der mächtige Waschtrog, aus Sandstein gehauen. Auch heute noch wird regelmäßig Holzofenbrot im geräumigen Ofen gebacken. Ebenso werden verschiedene Schnäpse in der neuzeitlichen Brennerei hergestellt.

© Jägertonihof | Prinschbach 1 | 77978 Schuttertal/Dörlinbach | www.jaegertonihof.de
       

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Historischer Sägerhof Schuttertal - Untertal


Die Schuttertäler bauten entsprechend den Vorteilen, die ihnen die verschiedenen Haustypen zu bieten hatten, überwiegend Mischformen zwischen dem Heidenhaus und dem KinzigtalhausFinkbeiner, Gerhard : Die bau- und kulturgeschichtliche Entwicklung der Bauernhausarchitektur im Schuttertal - Geroldsecker Land, Heft 29 / 1987) Seite 159 ff. [Auszug]

Das Schuttertäler Bauernhaus, eine Mischform zwischen dem "Heidenhaus" und dem "Kinzigtalhaus"

Die Schuttertäler bauten entsprechend den Vorteilen, die ihnen die verschiedenen Haustypen zu bieten hatten, überwiegend Mischformen zwischen dem Heidenhaus und dem Kinzigtalhaus. Das für das Schuttertal charakteristische Bauernhaus kann deshalb als ein Wohnstallscheunenhaus in Ständer-Bohlen-Bauweise beschrieben werden, das wie das Heidenhaus und Kinzigtalhaus einstöckig abgezimmert ist, entsprechend dem Heidenhausvorbild einen Schwellenkranz, zwei Geschosse und die Stallungen in Verlängerung des Wohnteils hat.

Mit dem Kinzigtalhaus gemeinsam hat das im 18. Jahrhundert im Schuttertal überwiegend gebaute Bauernhaus das hohe massive Sockelgeschoß, das im Gegensatz zum Kinzigtalhaus nicht als Stallung, sondern als Keller dient, den Küchenhausflurgrundriß und den für eine Ackerbau- und Grünlandbewirtschaftung wichtigen raumschaffenden, vom Hausgerüst konstruktiv gelösten "liegenden Dachstuhl".

Die Weiterentwicklung der baulichen und konstruktiven Vorteile des Heidenhauses und Kinzigtalhauses unter Berücksichtigung der natürlichen Gegebenheiten, der wirtschaftlichen Notwendigkeit und der menschlichen Bedürfnisse führten schließlich im Schuttertal im 18. Jahrhundert zu einer landschaftsangepaßten, konstruktiv gut durchdachten, klaren und zimmermannstechnisch ausgereiften Bauernhaus-Holz-architektur, die seit etwa 1720 typisch für die Tallandschaft wird und mit der typisierenden Bezeichnung "Schuttertäler Bauernhaus" angesprochen werden könnte. An Bauwerken dieser Art sind im weitgehenden Originalzustand noch erhalten:

Rothweilerhof (1629), Dörlinbach-Durenbach
Thesenhof (1683), Seelbach-Steinbach
Sägerhof (1720), Schuttertal-Untertal
Taglöhnergut Engel (1734), Dörlinbach-Dorf
Stachisehof (Riehlehof) (1757), Reichenbach-Gereuth
Christbauernhof (1778), Reichenbach-Gereuth
Schwörerhof (1780), Seelbach-Omersbach
Vogeljörgenhof (1805), Schuttertal-Fohren

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfuhren viele Schuttertäler Bauernhäuser modernisierende Bauveränderungen. Während man die Ständer-Bohlen-Konstruktion im Stall-Scheunen-Bereich überwiegend beibehielt, wurde die Holzausfachung im Wohnbereich weitgehend entfernt. Die weitstehenden Ständer mauerte man aus, die kleinsprossigen Fenster wurden durch große Fenster mit Sandsteingewänden ersetzt. Vereinzelt beließ man aber auch im Obergeschoß die Bohlenfüllung und die alten Fenster, da die über dem Erdgeschoß liegenden sehr niedrigen Räume von durchschnittlich 180 cm lichter Höhe weiterhin vor allem als Speicher, da und dort aber auch "nur" als Knecht- und Magdkammern dienten.

Sägers "Große Buch" - Sägerhof, Schuttertal


Sägers "Große Buch" - ein beeindruckendes Baumdenkmal in Schuttertal - Gerhard Finkbeiner "Die Ortenau 2007", S. 257 ff.

Viele tausend Jahre lang genossen Bäume eine besondere Verehrung und kommen deshalb in fast allen Religionen ebenso wie in Märchen, Sagen und Legenden vor, Ihre Schönheit hat Dichter und Maler inspiriert.

Aufgrund ihres Alters und ihrer Größe bewunderungswürdig ist auch Sägers "Große Buch" in Schuttertal. Diese Rotbuche (Fagus sylvatica) genießt zwar im Schuttertal keine religiöse Verehrung, der gewaltige Laubbaum wird jedoch von Groß und Klein bewundert.

Den Ortskundigen ist die Schuttertäler Baumsehenswürdigkeit oberhalb des alten Sägerhofs vertraut, und sie wird von Generation zu Generation immer wieder bestaunt. Kein Vater aus Schuttertal versäumt es, seinen Kindern irgendwann einmal diesen Baumriesen zu zeigen.

Der Sägerhof ist das schönste Bauernhaus im Schuttertal. Erbaut wurde das original erhaltene Schwarzwaldhaus im Jahr 1720. Foto: Gerhard Finkbeiner
Der Sägerhof ist das schönste Bauernhaus im Schuttertal. Erbaut wurde das original erhaltene Schwarzwaldhaus im Jahr 1720. Foto: Gerhard Finkbeiner

Die für eine Rotbuche bemerkenswerte Baumgestalt mit einer Höhe von mindestens 30 Meter, einem Stockumfang von 6,50 Meter und einem Umfang von 5,50 Meter in Brusthöhe steht in einem steilen Dobel, aus der Ferne unauffällig, dem flüchtigen Auge auch bei Annäherung nahezu verborgen, als müsste sich die alte Weidfeldbuche vor den Menschen schützen. Einheimische Forstleute schätzen das Alter des zum Waldbesitz des Sägerhofs gehörenden Baumriesen auf 200 bis 250 Jahre und errechnen die Holzmasse auf etwa 20 bis 25 Festmeter.

Um die Mächtigkeit der Sägerhaf-Rotbuche zu demonstrieren, haben sich freundlicherweise die baumbegeisterten Enkel des Verfassers, Johanna und Til, zur Verfügung gestellt. Foto: Gerhard Finkbeiner
Um die Mächtigkeit der Sägerhaf-Rotbuche zu demonstrieren, haben sich freundlicherweise die baumbegeisterten Enkel des Verfassers, Johanna und Til, zur Verfügung gestellt. Foto: Gerhard Finkbeiner

Die "Große Buch" dürfte ihre ungewöhnlichen Ausmaße vor allem der Gunst ihres Standortes verdanken; sie steht etwas oberhalb eines steil nach Norden abfallenden humus- und mineralreichen Abhangs, in der Übergangszone zwischen Wald und Viehweide. Auf der Suche nach Wasser und Nährstoffen streckt sie ihr gewaltiges Wurzelwerk weit hinunter in den feuchten Talgrund.

Wie viele Generationen von Viehhirten mögen mit ihren Herden schon unter "Sägers Buche" Schutz vor der Sonnenglut gesucht haben? - Foto: Gerhard Finkbeiner
Wie viele Generationen von Viehhirten mögen mit ihren Herden schon unter "Sägers Buche" Schutz vor der Sonnenglut gesucht haben? - Foto: Gerhard Finkbeiner

Obwohl die Buche am hangseitigen Stammfuß Rindennekrose und - als Abwehrreaktion gegen Baumpilze - Schleimfluss aufweist, macht die Rotbuche einen gesunden Gesamteindruck. Ein Aststumpf, die Folge eines Sturms, sollte allerdings baumärztlich behandelt werden, um das Eindringen von Pilzen zu verhindern.

Im Ortenaukreis dürfte Sägers "Große Buch" wohl einzigartig sein. Aber noch immer ist die alte, mächtige Buche mit ihren stattlichen 1,75 Meter Durchmesser und einem Kronenumfang von circa 24 Meter nicht als Naturdenkmal erkannt und damit vor der Motorsäge geschützt.

Blickt man hinauf in die gewaltige Astgabel, fühlt man unwillkürlich den Wunsch in sich, dass die Altbuche noch viele Jahrzehnte lang ihre nahezu hundert Quadratmeter große Schirmfläche immer wieder von neuem ergrünen lassen möge. Denn eine Buche dieses Alters ist für uns Menschen ein Stück unverzichtbare "Grüne Lunge"; sie nimmt täglich sechs Kilogramm Kohlendioxyd aus der Luft auf und spendet uns fünf Kilogramm lebenswichtigen Sauerstoff. Sie reinigt rund zwanzig Kubikmeter Luft - zum Wohle von uns Menschen.

Dank ihres reichen Laubfalls - rund ein Kilogramm Laub pro Quadratmeter - und ihrer intensiven Durchwurzelung des Bodens gilt die Buche allgemein als eine boden- und bestandpflegliche Baumart, Daher wird die Buche auch liebevoll "Mutter des Waldes" genannt.

Möge Sägers "Große Buch" auch in Zukunft allen Stürmen und klimatischen Veränderungen Widerstand leisten, CO2-Emissionen und UV-Strahlungen schadlos überstehen und in Trockenperioden geduldig ausharren, bis der Südwest-Wind neuen Regen bringt. Und nicht zuletzt möge die "Große Buch" die Tierwelt des Waldes weiterhin alle fünf Jahre mit einer reichen Bucheckernernie erfreuen.

Anmerkung

Für die Mithilfe bei der Vermessung und Einschätzung der Rotbuche möchte ich Hernn Forstamtmann Dietmar Träger vom Forstbezirk Lahr sehr herzlich danken.

Die Rotbuche steht leider nicht mehr. Sie dürfte dem mehrmaligen Besitzerwechsel zu Beginn dieses Jahrhunderts und entsprechenden, gestalterischen Plänen zum Opfer gefallen sein.


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Eiche - historische Stube - Schuttertal


Historisches Gasthaus Eiche - ehemals Ratsstube Schuttertal

Besondere bauliche Eigenheiten sind an dem stattlichen Bauwerk von 1836 nicht auszumachen. Allerdings wäre die Frage: ein großes Gasthaus mitten in der "Diaspora" - wie kommt das zustande?

Üblicherweise werden Gasthöfe kleiner Gemeinden ja in der Ortsmitte oder an besonders beschaulichen Orten  errichtet - nicht so die Eiche, die vormalige Ratsstube, wie wir später erfahren.

Die Eiche steht traufseitig zur Bundesstraße und über beiden Giebelseiten (Ost/West) ein Krüppelwalmdach. Auf sieben symmetrischen Achsen liegt der erhöhte Eingang (hoher Sockelbau) auf der Mittelachse und wird über die beidseitig aufsteigende ebenfalls symmetrische Treppe erreicht. Grundsätzlich hat der Erbauer offensichtlich viel Wert auf Symmetrie gelegt, was der Eiche eine statisch stabile Ausstrahlung vermittelt.

Zum Tal hin gelegen ist eine kleine Parkanlage und zum Westen grenzen traditionelle Höfe, wie diese im Schuttertal oft zu sehen sind.

In dieser Region wirkt der mächtige Bau befremdlich und man darf auf eine historische Begründung hoffen. Dass demtatsächlich so ist, erfahren wir aus einem Bericht des Historikers Gerhard Finkbeiners, welchen er 1991 für das "Geroldsecker Land" geschrieben hat:

Finkbeiner, Gerhard : Die "Eiche" in Schuttertal - Ein Gasthaus mit Geschichte und Tradition (Geroldsecker Land, Heft 33 - 1991) Seite 175-181

Seit wann das Gasthaus zur "Eiche" in Schuttertal-Untertal besteht, wissen wir nicht. Ungewöhnlich ist auch der Standort dieses alten Wirtshauses.

Abgelegen, weit außerhalb der Dorfmitte, steht die "Eiche" nahe der Gemarkung Wittelbach, unweit der Grenze zum einst feindlichen Ausland. Denn die Ortsherrschaft über Wittelbach hatten nicht die Geroldsecker, sondern seit Beginn des 14. Jahrhunderts das Kloster Ettenheimmünster inne. Wittelbach, völlig umschlossen von geroldseckischem Territorium, war den Grafen ein ständiger Dorn im Auge. Diese unschöne Lücke in ihrem Herrschaftsbereich versuchten die Geroldsecker immer wieder durch schädigende Übergriffe aller Art und versteckte Rechtsbrüche zu schließen. Die Vogtei Wittelbach zu schmälern, wo immer möglich, das war jahrhundertelang das erklärte Ziel der Herren von Hohengeroldseck.

Ungeklärt bleibt es jedoch, wann und wie es den Geroldseckern gelang, den Michelbronn und das Kambach-Tal aus der Vogtei Wittelbach auszugrenzen und der Vogtei Schuttertal einzugliedern. Denn die natürliche Siedlungsgrenze zwischen Schuttertal und Wittelbach war nachweisbar bis weit ins 13. Jahrhundert hinein der das Kambach-Tal durchfließende Bach, das Kambächle.

Vermutlich war dieser Gebietszuwachs und die dadurch hinzugewonnene Einwohnerzahl Grund dafür, nun in Schuttertal-Untertal ein herrschaftliches Gasthaus zu bauen. Die geroldseckischen Untertanen sollten keinesfalls ihren Durst beim Wirt in dem nah gelegenen Wittelbach stillen. Das Umgeld, die Weinsteuer, durfte doch nicht dem Abt von Ettenheimmünster zugute kommen.

Also gründete die Herrschaft am Eingang zum Kambach-Tal und am Kirchweg der Michelbronner ein neues Wirtshaus. Ausreichend Grund und Boden für eine Trinkstube war vorhanden, gehörte doch das im vorderen Kambach gelegene Winterhaldenlehen, der heutige Kraftlihof, zum Familienbesitz der Geroldsecker.

Symbol und Schild des Gasthauses beim Kraftlihof war - vielleicht von Anfang an -eine Eiche. Diese Eiche wuchs im Laufe der Jahrhunderte zu einer im Umfang und Größe mächtigen, markanten Baumgestalt heran und wurde im 18. Jahrhundert von den Talbewohnern nur als die "breit Eich" bezeichnet.
Vogt und Gericht tagten in der "Eiche"

Im 17. und 18. Jahrhundert war die "Eiche" das führende Gasthaus im Stab Schuttertal. Die Eichenwirte Jakob Kirnberger (+1710), Johann Georg Volk (1688-1713), Johann Jakob Fix (1714-1748), Franz Volk (1723-1791) und Christian Volk (1764-1800) waren gleichzeitig immer auch Bäcker, was der Gastronomie sehr förderlich gewesen sein dürfte. Häufig tagte der SchuttertälerVogt mit Gericht und Ausschuß in der "Eiche". So bezahlte der Stab Schuttertal laut Stabsrechnung von 1723

"dem Jacob Fix, Aichwirth, so der Ausschuß wegen Staabssachen bei ihm verzehrt 6 Gulden, 1 Pfennig" - und 1726

"Jacob Fix, aichenwürth, Zehrkosten, so in unterschiedlichen Malen durch Vogt und Gericht verzehrt worden, als sie wegen Staabssachen beisammen gewesen, 3 Gulden und 4 Batzen". - Für 1730 wurden

"Jacob Fix, dem Eichenwirth, 14 Gulden, 4 Batzen und 10 Pfennig für Zehrung, so durch Vogt, Gericht und Ausschuß aufgegangen",

bezahlt.

In den ersten Rechnungsbüchern des Stabs Schuttertal wird Jakob Fix auch "Stubenwirth" genannt. 1716 heißt es in den Belegen:

"Ist Jacob Fixen, dem Stubenwirth, dahier bezahlt, was die Schützen und der Tambour 1716 in Festo Corporis Christi verzehrt, 3 Gulden, 2 Batzen und 8 Pfennig".

Die "Gemeine Stube" oder "Gemeindestube", kurz auch "Stube" genannt, war damals ein Gasthaus, in dem der Vogt die anfallenden Amtsgeschäfte erledigte, das Ortsgericht tagte und die Versammlungen der Dorfbewohner stattfanden.

Der Wappenstein über dem Portal des Pfarrhauses in Schweighausen. Das Pfarrhaus Schweighausen wurde in den Jahren 1753 bis 1755 unter Abt Augustin Dornblueth erbaut. An die Fertigstellung des barocken Pfarrhofgebäudes erinnert eine Wappentafel über dem Türsturz der Eingangstür. Die in Sandstein gehauene Wappentafel mit Rollwerkumrahmung, wohl einer Vorlage aus der Renaissance-Zeit nachgestaltet, zeigt links das Wappen des Klosters Ettenheimmünster, die sitzende Maria mit Kind, und rechts das Rosenwappen des Abts Augustin Dornblueth (1740-1775).

Graf Carl Caspar von der Leyen zu Besuch in der "Eiche"

Reichsgraf Carl Caspar v.d. Leyen (1655 1739)Hoher Besuch weilte im Jahre 1738 in der "Eiche". Der Landesherr, Graf Carl Caspar von der Leyen (1655-1739), besuchte sein rechtsrheinisches Territorium, die Grafschaft Hohengeroldseck.

"Was in verschiedenen Malen in hoher Anwesenheit Herrn Grafen von der Leyen Hochgräfl. Excelltismus durch Gericht und Ausschuß verzehrt worden", belief sich auf 25 Gulden, 8 Batzen, 4 Pfennig und war dem Eichenwirt vom Stabsrechner zu vergüten.

Wie der Besuch des Landesherrn der Herrschaft Hohengeroldseck in der "Eiche" vermuten läßt, muß das Gasthaus nicht nur ein gut geführtes, gastliches Haus gewesen sein, sondern auch über größere, etwas repräsentativere Räumlichkeiten verfügt haben. Denn am 28. Dezember 1773 versammelten sich beim Eichenwirt Franz Volk, der von 1769 bis 1788 auch herrschaftlicher Vogt im Stab Schuttertal war, alle Waldallmendgenossen des Stabs, um durch ein Losverfahren den Allmendwald im Regelsbach unter die Bürgerschaft aufzuteilen.

Gasthaus "Zum Hirschen", die alte "Eiche" mit dem an der Schutter gelegenen wasserradbetriebenen Sägewerk um 1910 - Aufn. Gerhard Finkbeiner
Aus der Schildgerechtigkeit "Zur Eiche" wurde "Zum Hirschen"

Seit 1773 wird der Wirt der "Eiche" in den Stabsrechnungsbüchern auch als "Hirschwirt" bezeichnet. War die "breite Eich" gefällt und das Gasthaus so seines weithin sichtbaren Wirtshausschildes beraubt worden? Oder hatte die Umbenennung einen ereignishaften, werbewirksamen Erlebnishintergrund?

Wie die Familienüberlieferung auf dem der "Eiche" benachbarten Kraftlihof zu erzählen weiß, soll einst bei einer herrschaftlichen Jagd ein von einer Hundemeute verfolgter Hirsch in seiner Todesangst über das strohgedeckte Dach des Hofes hinweggesprungen sein. Als Beweis dafür, daß die Erzählung der Vorfahren kein Jägerlatein ist, weist der Kraftlihofbauer stolz auf eine an der Wand der Bauernstube hängende alte Hirschtrophäe hin, die tatsächlich von dem sagenhaften Hirsch stammen könnte.

Gewiß war dieser Hirschsprung für die Talbewohner ein aufsehenerregendes Ereignis! Da die jahrhundertealte Eiche gefällt, ihre Symbolkraft für das Gasthaus erloschen war, bot sich dem Volksmund geradezu die Neubenennung des Gasthauses an. Die "Eiche" war eben nun das Gasthaus "Zum Hirschen" - und blieb dies bis zum Jahre 1931.

1836 - Neubau des "Hirschen"

Auf Hirschwirt Christian Volk folgten zu Beginn des 19. Jahrhunderts Johann Michael Moser und Franz Xaver Beck. Das Wirtsehepaar Franz Xaver Beck (1791-1843) und Magdalena geb. Beil (1792-1852) riß 1836 den alten "Hirschen" ab und erstellte den jetzigen Landgasthof. Die Inschrift X(aver) B(eck) M(agdalena) B(eil) und die Jahreszahl 1836 im Türsturz des Haupteingangs erinnern den Besucher noch heute an die unternehmungsfreudigen Wirtsleute.

Das neue, große, aus Stein erbaute Gasthaus "Zum Hirschen", die sogenannte "Eiche", besaß nun

"zwei große Wirtsstuben, fünf meist heizbare Zimmer, drei Kammern, ein Speise- und Tanzlokal, Backküche, zwei Balkenkeller und einen Gaststall; etwas abseits vom Gasthof eine Scheuer mit Stallung, ein besonders stehendes Waschhaus und Schweineställe".

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite an der Schutter betrieb der Hirschwirt im Nebenberuf noch "eine Sägemühle mit guter Wasserkraft".

Alte Muehle bei der Eiche 1910 (Aufnahme Gerhard Finkbeiner)Nach Jahren schrecklicher Kriegsnöte nutzte Franz Xaver Beck die ersten Anzeichen beginnender wirtschaftlicher Aufwärtsentwicklung zum Neubau des "alten Hirschen". Zweifellos eine mutige Investitionsentscheidung mit weitsichtiger Konzeption. Denn mit Ausnahme des "Adlers" gab es in jenen Jahren im Stab Schuttertal keine Wirtschaft; die Schildgerechtigkeit des alten "Storchen" bei der Antoniuskirche im Dorf ruhte seit Jahren. Es fehlte in Schuttertal an einem Tanzlokal und an größeren Räumlichkeiten für dörfliche Feste und familiäre Anlässe wie Hochzeiten und Leichenschmaus. Unmittelbar an der Talstraße gelegen, rechnete der Hirschwirt nebenbei auch mit durchreisenden Gästen und den neureichen Fabrikantenfamilien aus Lahr, die sonntags mit der Pferdekutsche ins Schuttertal fuhren, um sich in ländlich-bäuerlicher Idylle zu erholen.

Nicht vorauszusehen waren für den investitionsfreudigen Hirschwirt die Notzeit nach 1840. Die Jahre von 1840 bis 1860 überfielen die Menschen, Besitzlose wie Besitzende gleich einer Naturkatastrophe. Mißernten, Geldmangel, Hunger, Elend erfaßte breite Bevölkerungsschichten. Verkäufe und Versteigerungen vonTaglöhner-gütern und Hofgütern waren an der Tagesordnung. Für viele Talbewohner blieb als letzte Rettung die Auswanderung nach Nordamerika.

Alles litt Not und entsprechend leer blieben die Wirtschaften. Für den Hirschwirt kam verschlechternd hinzu, daß der "Storchen" in der Dorfmitte 1841 ebenfalls abgerissen, neu aufgebaut und sich nun mit dem neuen Schild Gasthaus "Zur Krone" der Kundschaft im Dorf empfahl. Neuer Eigentümer und Wirt auf der "Krone" war August Bickel, ein fleißiger Dorfschullehrer, Kirchenmusiker, Jäger und Ratschreiber, der dem "Hirschen" im Untertal nicht wenig Konkurrenz machte. Die Klagen der Hirschwirtin, Hirschwirt Beck war inzwischen verstorben, ließen nicht lange auf sich warten, stand der Gastwirt Bickel doch in Verdacht, nicht nur die Schule zu vernachlässigen, sondern durch "die Ratschreiberdienste die Leute in sein Haus zu ziehen".

Des Hirschwirts Witwe war mit ihrem Einspruch erfolgreich; dem Lehrer Bickel wurde das Wirten vom Schulrat verboten. An der wirtschaftlichen Situation der Hirschwirtin änderte dies jedoch wenig. 1848 wurde das Gasthaus "Zum Hirschen" versteigert.

Häufiger Wechsel der Besitzer

Neuer Eigentümer des "Hirschen" wurde der Lahrer Handelsmann und gewesene Bürgermeister Johann Friedrich Graumann. Graumann war durch die Heirat mit Anna Maria Sohn zu großer Wohlhabenheit gelangt. Anna Maria Sohn war die Tochter der Eheleute Andreas Sohn und Maria Magdalena geb. Stulz aus Heiligenzell, Erben des reichen Schneiders Johann Georg Stulz aus Kippenheim. 1860 verkaufte Sohn Hermann Graumann, "der tolle Reiter" vgl. Geroldsecker Land Heft 3 S. 159ff. von Emil Ell, das Gasthaus "Zum Hirschen" mit Realwirtschaftsgerechtigkeit, Nebengebäuden und der Schneidmühle für 6500 Gulden an den Zimmermannjoseph Himmelsbach (1796-1875) von s' Zimmerjörge im Kambach, der zu jener Zeit auch Eigentümer der benachbarten Rainmühle war. 1874 übergaben Joseph Himmelsbach und seine Ehefrau Maria Anna geb. Tränkle (1800-1877) den "Hirschen" der Tochter Magdalena (1842-1891), die sich 1875 mit Bernhard Himmelsbach vom Schmetterhof (1840-1905) verheiratete. Fortgesetzt wurde die Familientradition der Himmelsbach auf dem "Hirschen" dann von 1906 bis 1919 von Sohn Josef Himmelsbach. Als 1919 Josef Himmelsbach (1883-1924) und seine Ehefrau Sophie geb. Hagen (1888-1992) nach Kronau bei Bruchsal verzogen, um dort das Gasthaus "Zur Sonne" zu übernehmen, verkauften sie den "Hirschen" an die Eheleute Fritz Schützler, Feldwebel, und Ida Luise geb. Brandt von Niederweiler. Noch in demselben Jahr erwarb dann der Bäckermeister und Gastwirt Josef Eble (1864-1930) von der oberen Mühle im Laulisgraben, der mit Philippine Anna Breig (1867-1927) von der "Krone" in Wittelbach verheiratet war, das Gasthaus im Untertal.

1929 übernahm schließlich Tochter Emma Eble (1903-1941) mit ihrem Gatten Karl Obert (1900-1978) vom Nockenhof in Welchensteinach die Gaststätte "Zum Hirschen". Karl Obert, der 1945 in zweiter Ehe Maria Theresia Himmelsbach vom Kraftlihof heiratete, benannte den "Hirschen" 1931 offiziell in Gasthaus zur "Eiche" um. Die im Volksmund populärere Wirtshausbezeichnung hatte sich nun endgültig durchgesetzt; gleichzeitig sollte das neue Schild auch einen gastronomischen Neuanfang symbolisieren.

Seit dem 1. Juli 1987 bemühen sich nun Tochter Ulrike mit Gatte, Küchenmeister Leonhard Ruf, die gute Tradition des gastlichen Hauses zur "Eiche" fortzusetzen. Schön wäre es, wenn vor dem Gasthaus zur "Eiche" wieder ein Eichenbaum gepflanzt würde, und diese dann wieder zu einer mächtigen Baumgestalt heranwüchse, ähnlich jenem markanten Wirtshausbaum, den der Volksmund einst die "breit Eich" genannt hatte.


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Engelhof Schuttertal


engelhof 10 Ein mächtig ausladender Hof ist der Engelhof im Durenbach in Schuttertal-Dörlinbach fürwahr. Der älteste Hof im Schuttertal besteht aus dem Kniestockhaus mit Mansarddach zur Wegseite mit langgezogenem Krüppelwalm und querseitig angebauter Ökonomie.

Darüber hinaus finden sich weitere Ökonomiegebäude, darunter eine Stallung. Der Hof steht frontseitig auf massiven durchlaufenden Eichenbalken und entspricht damit dem Typus des "Schuttertäler Heidenhauses".

Am Frontgiebel sieht man eine vorkragende Balustrade und zur  Südseite finden unregelmässige Schleppgaupen.

Aus frühen Zeiten:

Dass man schon früher gerne zum Engelhof in den Durenbach zurückgekehrt ist, kann einem Bericht in der Zeitschrift - die Ortenau - entnommen werden. Hiernach lief Anton Singler aus Spanien zum Engelhof zu Fuß zurück:

Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden - 70. Jahresband.1990 - Seite: 252

Personen, welche in badischen Diensten die Feldzüge von 1792—1815 mitmachten und die als Zeichen der Anerkennung die von Großherzog Leopold gestiftete "Felddienst-Auszeichnung" erhielten.

Das Werk enthält leider nicht die Namen derer, die in jenen Kämpfen gefallen sind - zumeist im Dienste Napoleons.

Kriegsveteranen 1792-1815 aus dem oberen Schuttertal:

Schuttertal: Franz Anton Beil, Bernhard Gerstner, Karl Reif (Kaufmann)
Schweighausen: Roman Eble, Josef Kury, Josef Singler, Andreas Zähnle (Schneider), Franz Anton Zehnle

Dörlinbach: Martin Nadel, Martin Sichler, Bernhardt Singler, Kaspar Striegel, Anton Singler

Auf dem Engelhof im Durenbach ist von Anton Singler noch eine Entlassungsurkunde aus dem "Großherzoglich Badensches Infanterie-Regiment" erhalten geblieben. Laut dieser am 22. November 1814 ausgestellten Urkunde war Anton Singler "28 Jahre alt, 5 Schuh 4 Zoll 3 Strich rheinländisches Maas gros..." hat beim Infanterie-Regiment von Heuenstein Nr. 4 und bei der "8. Füißelier-Compagnie seit dem 1. Oktober 1806 als Soldat gedient ..."

Anton Singler, nachmaliger Engelhofbauer, soll nach der Überlieferung in der Familie in Spanien in Kriegseinsatz gewesen sein. Von dort kehrte er zu Fuß nach Dörlinbach zurück.

Heute Reiterhof

Einem Bericht der Lahrer Zeitung von 21.08.2014 - Alena Ehrlich- zufolge finanziert sich der Engelhof heute über Wanderreitangebote

Dörlinbach. Ihre Liebe zur Natur und zum Pferd hat Susanne Himmelsbach zum Beruf gemacht. Seit mittlerweile zehn Jahren bietet sie auf dem Engelhof Reitstunden, Wanderritte und vieles mehr für große und kleine Pferdenarren an.

Während der Sommerferien ist auf dem Engelhof jede Menge los. Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren fetten fleißig Trensen und Sattel, putzen die Pferde, flechten deren Mähnen und machen sie bereit für den Ausritt. "Das ist nur ein kleiner Teil des Ferienprogramms", erklärt die Wanderreitführerin Susanne Himmelsbach.

In der ersten Ferienwoche konnten Kinder eine ganze Woche lang im Heu übernachten, sich tagsüber um die Pferde kümmern und reiten. Beim Jugendwanderreitcamp in der zweiten Ferienwoche war schon mehr Erfahrung gefragt: In Touren von bis zu fünf Stunden täglich haben Jugendliche zwischen zehn und 16 Jahren die Umgebung erkundet. Auch für die ganz kleinen Pferdefans ab zwei Jahren gibt es geführte Spazierritte.

Der Engelhof, der mitten in der Natur im Durenbach zwischen Schuttertal und Dörlinbach liegt, sei einer der ältesten Höfe im Schuttertal, berichtet Himmelsbach. 1680 sei er, damals noch unter dem Namen Heidenhof, erbaut worden. Der Hof ist seit vielen Generationen im Familienbesitz ihres Mannes.

"Man lernt in diesem Beruf ganz verschiedene Menschen aus den unterschiedlichsten Gebieten kennen – aber man hat das gleiche Hobby und immer viel Gesprächsstoff", freut sich die Wanderreitführerin. Auch mit den Pferden würde im Laufe eines Ritts eine große Verbundenheit entstehen. "Es ist toll zu sehen, was diese Tiere können", findet Himmelsbach. Beeindruckt sei sie immer wieder von dem guten Erinnerungsvermögen der Tiere. "Selbst wenn man nach zwei Jahren mal wieder an eine Stelle kommt kennen die Pferde noch den richtigen Weg."

Mit fünf Jahren hat Himmelsbach mit dem Reiten angefangen – die Leidenschaft dafür ist bis heute geblieben. Mit 15 kam sie aus der Nähe von Lörrach nach Lahr, mit 21 Jahren erfüllte sie sich den Traum vom eigenen Pferd. 1998 heiratete Himmelsbach und kam zu ihrem Mann auf den Engelhof. Bald kamen weitere Pferde hinzu und die heute 40-Jährige entschied sich dafür, das Hobby zum Beruf zu machen.

"Angefangen hat alles mit vier Pferden und Reitstunden. Mittlerweile haben wir elf Pferde auf dem Hof", sagt Himmelsbach stolz. Neben dem 1,15 Meter kleinen Shetland-Pony "Aladin" und der 1,63 Meter großen spanischen Mixstute "Maika" hat Himmelsbach auch einige Haflinger und ein Schottisches Hochlandpony in der Herde. "Es ist wichtig, gute Pferde zu haben", betont sie. Vor allem Trittsicherheit und Gutmütigkeit seien wichtige Eigenschaften für ein Wanderreitpferd.

Wie man das passende Pferd für einen Reiter findet? "Das hängt von der Reiterfahrung ab und davon, wie der Einzelne mit dem Pferd umgeht", so Himmelsbach. Damit sich Pferd und Reiter kennenlernen, müssen die Reiter das Pferd selbst putzen und satteln. Das ganze Jahr über bietet Himmelsbach neben Reitstunden verschiedene Touren an – vom zweistündigen Ritt für Anfänger bis zum mehrtägigen Wanderritt mit Übernachtungen für erfahrene Reiter.

Die Ausbildung zur Wanderreitführerin hat Himmelsbach im Jahr 2004 abgeschlossen. Nach dem Reiterpass und der Prüfung zur Rittführerin musste sie für das letzte Seminar an die Ostsee reisen. "Bei uns in der Gegend gab es keine Ausbildugsmöglichkeit zum Wanderreitführer", erinnert sie sich. Ihr ist es wichtig, das Wanderreiten im Schwarzwald voranzubringen. Daher ist der Hof Mitglied bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN, dem Pferdesportverband Baden-Württemberg und dem Wanderreiten Naturpark Mitte/Nord. "Mit der Zeit wurde ein wirklich tolles Netzwerk aufgebaut", findet Himmelsbach.

Doch nicht nur für Kinder und Jugendliche hat das Wanderreiten an Attraktivität gewonnen – Erwachsene nutzen dieses Hobby, um vom hektischen Alltag abzuschalten und die Natur auf dem Rücken der Pferde zu genießen. "Erwachsene suchen eher den Ausgleich, reiten auch gerne mal im Schritt und unterhalten sich währenddessen", hat Himmelsbach beobachtet. "Jugendliche suchen dagegen nach Action und freuen sich immer sehr, wenn galoppiert werden kann." Auch die Jugendlichen müssen Verantwortung für ihr Pferd übernehmen. Dabei habe Himmelsbach nie schlechte Erfahrungen gemacht: "Ich würde nicht sagen, dass Jugendliche nur ihre Handys im Kopf haben. Sie möchten wirklich in der Natur reiten und halten sich an die Regeln, die man ihnen stellt."

Stolz macht die Wanderreittführerin, dass auch ihre drei Kinder gerne auf dem Hof mithelfen. Während der Sohn am liebsten mit seinem Vater im Wald arbeitet, sind die beiden Mädels begeistert bei den Pferden mit dabei. "Als Mama ist es schon schön, wenn die Kinder das gleiche Hobby haben", freut sich Himmelsbach.


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Offenburgerhof Schuttertal

Mehrdachhof in Schweighausen: Offenburgerhof (1814)

Finkbeiner, Gerhard : Die bau- und kulturgeschichtliche Entwicklung der Bauernhausarchitektur im Schuttertal - Geroldsecker Land, Heft 29 / 1987) Seite 159 ff. [Auszug]

Wie recht Gerhard Finkbeiner mit seiner Aussage gehabt hatte, konnte ich heute - 33 Jahre später - noch feststellen.

Bei meiner Fototour am Offenburgerhof war ich zunächst über den architektonischen Widerspruch zwischen Schwarzwaldhaus (meine Erachtens ein "Heidenhaus" mit durchgenhenden Ständern Fundament - Dach) und spätbarockem Nachbau des Haupthauses feststellen.

Ein Hofmitarbeiter, der sich als Maurer zu erkennen gab, teilte mit, dass die "Knecht und Mägd im Holzhuus g'schlofe hänn".

Den Nachbau des Haupthauses erklärte er mir als Wiederaufbau auf altem Fundament nach einem Brand, der "so wit i weis" 100 Jahre zurückliegt.

Beeindruckend die Holzkonstruktion auf massiven Eichenständern, welche sich im Augenblick in einer Renovierungsphase befindet. 

Finkbeiner, Gerhard : Die bau- und kulturgeschichtliche Entwicklung der Bauernhausarchitektur im Schuttertal (Geroldsecker Land, Heft 29 - 1987) Seite 159-175 [Auszug]

Das architektonische Erbe ist ein wesentlicher Teil unserer kulturellen Identität. Bauwerke wie die Schwarzwaldhöfe, die Schuttertäler Bauernhäuser, sind sichtbare Zeugnisse der Kultur der bäuerlichen Talbewohner. Die alten Höfe sind Bestandteil unserer Kulturlandschaft und als Denkmale der landwirtschaftlichen Nutzung und Besiedelung erhaltungs- und schutzwürdig.

Hermann Schilli über das Heidenhaus arrowRight16

Häufig von Begleitbauten wie dem Leibgeding, dem Buchhus, vielleicht noch von einem Kornspeicher, einem alten Mühlengebäude oder einer Hofkapelle umgeben, stehen die Schuttertäler Bauernhäuser immer inmitten ihrer eigenen Feldflur im Talgrund, entlang den Talhängen, in den Seitentälern und vereinzelt auf den das Schuttertal begrenzenden Höhen.

Aus der Frühgeschichte der Bauernhausformen in Schuttertal ist uns leider nichts an ländlicher Architektur erhalten geblieben; schriftliches und bildliches Quellenmaterial ist nur spärlich überliefert. Die ältesten und in der ursprünglichen Konstruktion weitgehend unverändert gebliebenen Bauernhäuser stammen mit einer Ausnahme alle aus dem 17. Jahrhundert. Zu diesen frühen, mit genauem Baujahr belegten Bauernhöfen zählen:

der Engelhof (1576), Dörlinbach-Durenbach
der Rothweilerhof (1629), Dörlinbach-Durenbach
der Kraftlihof (1629), Schuttertal-Untertal
der Thesenhof (1683), Seelbach-Steinbach

Geht man von der Überlegung aus, daß sich in so kulturwidrigen Kriegszeiten, wie es der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) und die Jahre danach waren, keine neue Architektur entwickeln konnte, sondern Bauleute auf Bestehendes und Bewährtes zurückgriffen, so haben die auf uns überkommenen Höfe aus dem 16. und 17. Jahrhundert rückschließend Beweiskraft für die im 16. und vielleicht auch schon im 15. Jahrhundert im Schuttertal heimischen Hausformen und Bauweisen.
Kriege und Kriegsnöte verhinderten bauliche Entwicklung

Nach dem Dreißigjährigen Krieg dürfte ein großer Teil der Höfe verlassen, manche Behausungen zerstört gewesen sein. Viele Talbewohner waren umgekommen, die Überlebenden verarmt. Die menschliche und materielle Not war groß. So bittet 1688 Kraft Adolf Otto, Graf von und zu Cronberg und Hohengeroldseck, in einem Brief den Befehlshaber der französischen Truppen in der Grafschaft die "... auf 300 zusammengeschmolzenen armen Einwohner der Herrschaft nicht als Feinde zu behandeln und ihnen nicht, wie bereits geschehen, über ihre Kräfte hinaus so große Kriegslieferungen aufzubürden".

Um die schlimmsten Verwüstungen des schrecklichen Krieges zu beseitigen und um mit den notwendigen Aufbauarbeiten beginnen zu können, erließ der Graf von Cronberg bereits 1668 eine Zunftordnung für die Zimmerleute, Schreiner und Maurer der Herrschaft. Die Bauzunft dürfte jahrzehntelang mit Reparaturarbeiten und der Schaffung einfachster Wohnverhältnisse ausgelastet gewesen sein; Bauernhäuser wurden nur vereinzelt neu erstellt.

Auch noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts ist im Schuttertal keine große Bautätigkeit festzustellen. Offensichtlich wirkten sich der spanische Erbfolgekrieg (1701-1714), der polnische Erbfolgekrieg (1733-1738) und der österreichische Erbfolgekrieg (1741-1748), die alle zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen dem Reich und Frankreich führten, auch mittel- und unmittelbar auf die wirtschaftliche Situation der bäuerlichen Bevölkerung im Schuttertal aus. Wie es im Schuttertal zu Beginn des 18. Jahrhunderts ausgesehen hat, führt uns ein "Zustandsbericht der Vögte der Herrschaft Hohengeroldseck aus dem Jahre 1730" vor Augen:

"Die Herrschaft Hohengeroldseck besteht in lauter rauhen Gebirgen und Tälern, deren Wege und Landstraßen wegen vielen Wasser-Ausflüssen und öftermaligen Ergießungen sehr schlecht und bei Winterszeiten auch öftermalen wegen tiefem Schnee und Eisschwellungen unbrauchbar sind. Die Fruchtbarkeit dieser Landschaft ist sehr schlecht und gering, sodaß die wenigsten Untertanen so viel Frucht erbauen können, als sie zur kümmerlichen jährlichen Auskunft brauchen. Der größte Teil der Untertanen vermag die Hälfte ihres jährlichen Gebrauchs zu erbauen, zumal auch der Fruchtbau meistenteils in wilden Feldern, sogenannten Reutfeldern, geschehet. Die Reutfelder werden nicht mit dem Pflug, sondern müssen jedes Mal in Handarbeit mit der Hau zum Fruchtbau zubereitet werden. Weiterhin suchen die Untertanen in dieser Landschaft durch ziemliche Viehzucht, Butter-, Kohlen- und Holzhandel ihre Nahrung beizubringen."

Eine geringe Neubauaktivität ist im Schuttertal in den Friedensjahren nach dem spanischen Erbfolgekrieg festzustellen. Die Erstellung zahlreicher Höfe erfolgte jedoch erst nach Beendigung der Erbfolgekriege, nach 1748.

Mehrdachhöfe - Trennung von Wohn- und Wirtschaftsgebäude

Die vom Wohnhaus getrennte Stall-Scheune des Offenburgerhofs von 1814 in Schweighausen-UntersteigWie alle Schwarzwaldhäuser ist auch das Schuttertäler Bauernhaus ein Eindachhaus. Wohn- und Wirtschaftsgebäude sind unter einem Dach zweckmäßig vereinigt. Jedoch so sehr Mensch und Tier unter einem großen schützenden Dach sich geborgen fühlen mögen, so sehr war die bäuerliche Existenz bei Brand gefährdet. Fingen die strohgedeckten Holzbauten einmal Feuer, verlor die Bauernfamilie meistens Hab und Gut. Diese schlimme Erfahrung mag für einzelne brandgeschädigte Bauernfamilien Anlaß gewesen sein, ihre Höfe nicht mehr als Wohnstallscheu-nenhäuser aufzubauen, sondern das Wohnhaus und die Ökonomie in getrennt stehenden Gebäuden unterzubringen. Solche Mehrdachhöfe haben wir in Schweighausen: Offenburgerhof (1814), in Seelbach-Litschental: Christbauernhof (1811), in Schönberg: Kopf-Michel-Hof (1830), Hockenharderhof (1839) und in Reichenbach-Weiler: Kopf-Steffis-Hof (1831). Die Wohnhäuser dieser Hofgüter sind entweder Massiv- oder Fachwerkbauten in ein- oder zweigeschossiger Bauweise. Unter den massiven Häusern fällt vor allem die stattliche Wohnhaus-Architektur des Offen-burgerhofs durch Regelmäßigkeit und Ausgewogenheit der Fassade auf. An die Riedhäuser fühlt sich der Beschauer bei den eingeschossigen Riegelhäusern vom Kopf-Michel-Hof und Hockenharderhof erinnert. Auch das im Erdgeschoß massive und im Obergeschoß ausgeriegelte Wohnhaus des Christbauernhofs und des Kopf-Steffis-Hofs sinr" keine ortsüblichen Hausformen; mit ihrem hohen Kellergeschoß und dem Halbwalmdach wird nur den im Tal vorherrschenden ökonomischen und klimatischen Bedingungen Rechnung getragen.

Auffallend ist bei diesen Mehrdachhöfen das in feuersicherer Distanz vom Wohnhaus stehende Ökonomiegebäude. Während beim Hockenharderhof das Stall-Scheunen-Gebäude teils als Riegelfachwerkbau errichtet wurde, ist dieses Wirtschaftsgebäude beim Offenburgerhof, Christbauernhof und Kopf-Michel-Hof ein Ständer-Bohlen-Bau in der äußeren Form des Kinzigtalhauses. Obwohl rein funktional als Ökonomie geplant, waren in diesen Gebäuden jeweils im Erd- oder Obergeschoß neben Speicher- auch Schlafkammern für die Knechte und Mägde vorgesehen.

Durch diese Art der Unterbringung wollte man allerdings keine soziale Wertung des Hofgesindes zum Ausdruck bringen. Ganz im Gegenteil! Nachdem die Bauernfamilie nun abseits ihres produktiven Vermögens wohnte und schlief, waren die Tiere des Nachts dem Oberknecht und Obermagd anvertraut, was aus der Sicht jener Zeit als nicht zu unterschätzender Vertrauensbeweis zu werten ist.


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Sigmundenhof Schuttertal


Sigmundenhof im Durenbach in Schuttertal Was kam da bei meinem Besuch des Sigmundenhofs auf einmal für ein Untier auf mich zugelaufen? Muskulös in schwarzem Kruzhaarfell wanderte dieser lustige Kerl - oder war es eine Hundedame?- auf mich schwanzwedelnd zu und legte sich auffordernd vor meine Füße.

So hatte ich mir einen "Hofhund" im weit abgelegenen Schwarzwaldtal eigentlich nicht unbedingt vorgestellt. Immerhin, nach kurzer Zeit war jede Schranke gefallen und wir haben uns "ausgetauscht".

Wenig später begrüßte mich auch noch "die Tochter des Hauses" zusammen mit ihren Kindern und, wie man so schön sagt "das Eis war geschmolzen".

Dass die Hofbesitzer stolz auf ihr Anwenwesen sind und dieses auch gerne präsentieren, wurde spätestens dann klar, wie ich den "kleinen Sigmundenhof" - eine modellhaften Nachbau des Anwesens auf der Straßenseite erkannte.

Der Hof zeigt sich in einem aufgeräumten, gepflegten Zustand und scheint baulich auf's Feinste hergerichtet.

Das war sicher nicht immer so. Auch hier gab es große Not und auch die Sigmundenbauern verloren in der Mitte des 19ten Jahrhunderts große Teile ihrer Waldungen, wie  Gerhard Fingbeiner weiter unten dokumentiert. In der Mitte des 19ten Jahrhunderts herrschte i vormals reichen Schuttertal, bedingt durch Mißernten und Überschwemmungen große Not. Die Hofbesitzer sahen keine andere Möglichkeit als die Veräusserung ihrer großen Waldbesitze, was allerdings nur zeitlichen Aufschub erbrachte. Erwähnung findet bei dieser Entwicklung auch der hier abgebildete Sigmundenhof.

Die "besserwissenden Pfaffen aus der Stadt" hatten in diesem Spielnichts anderes zu tun, als den Bauern im Schuttertal Müßigkeit und Unvermögen vorzuwerfen und gaben ihnen die Schuld an ihrem Elend, wie aus der nachfolgenden Arbeit von Gerhard Finkbeiner zu lesen ist:

...Aus Bauernwald wird "Stiftswald (Gerhard Finkbeiner)

Der heute sog. "Stiftswald" auf Gemarkung Dörlinbach, Schuttertal, Wittelbach, Seelbach, Schönberg, Prinzbach und Reichenbach war ursprünglich reiner Bauernwald und gehörte zum Hofgut Mayer im Prinschbach (Gem. Dörlinbach); zum Sigmundenhof, Neuhäuserhof, Gießlerhof, Erdrichenhof, Sägerhof, Schäferhof, Marxen-hof und Beilenhof (Gem. Schuttertal); zum Wolfersbächlerhof (Gem. Wittelbach); zum Hinterbauernhof (Gem. Seelbach); zum Walzenhof und Beilenhof im Harmersbächle, zum Geroldsecker Meierhof, zum Hofgut des Josef Gutmann und des Anton Weber (Gem. Schönberg); zum Schüle'schen Hof. Gmeinerhof (Gemarkung Prinzbach) und zum Hanerthof im Gereut (Gemarkung Reichenbach).

Die Ablösung der Feudallasten und die vielen Jahre der Mißernten waren jedoch nicht allein für die wirtschaftliche Notlage der Bauern ausschlaggebend. Im Einzelfall haben auch Trunksucht des Bauern, Mißwirtschaft und vor allem die wenig zielstrebige Bewirtschaftung der Waldungen zur Verschuldung der Hofgüter geführt. Umfangreiche Akten über die in den Jahren 1850/51 an die Stiftschaffnei Lahr erfolgten Verkäufe von Reutfeld, Wald- und Ackerland, das zu den geschlossenen Hofgütern des Anton Meßner vom Sigmundenhof im Durenbach, des Peter Meßner vom Neuhäuserhof und des Georg Spothelfer vom Sägerhof gehörte, geben einen aufschlußreichen Einblick in den damaligen Zustand der Land- und Forstwirtschaft im Schuttertal.

"Notorisch ist", so die Stiftschaffnei Lahr am 10. März 1856 an das Großherzogliche Bezirksforstamt Lahr, "daß die Gemeinde Schuttertal bis zum Erscheinen des Forstgesetzes im Jahre 1834 über die Beförsterung der Privatwaldungen sich eines beneidenswerten Wohlstandes erfreute und nur in der an Dévastation grenzenden Bewirtschaftung ihrer Waldungen der Ruin der Hälfte der Bewohner ihren Ursprung hat. Bekannt ist ferner, daß viele Hofgutsbesitzer zur Veräußerung ihrer Liegenschaften aus dem Grunde getrieben wurden, weil sie ihre Felder nicht ordnungsgemäß bestellten, dieselben daher auch nicht den bestmöglichen Ertrag und die Waldungen kein schlagbares Holz mehr lieferten.

Weiterhin legen die Ortseinwohner im Schuttertal auf das übliche Beweiden der Waldungen, auf das Holen von Laubstreu und von Waldgras in futterklammen Zeiten, auf die Schweinemast zur Eckerichszeit und auf das Abholzbrennfeuren der Bergfelder zur Düngung so großes Gewicht, was sich jedoch mit den Grundsätzen einer geordneten Waldbewirtschaftung nicht verträgt... Die Wirtschaft der Reutfeider, so in Schuttertal noch durchgängig betrieben wird, ist ein veraltetes Institut und taugt nicht mehr. Sie ist ein Zwitterding zwischen Land- und Forstwirtschaft. Gründe, welche vermöge ihrer Lage und ihres Bodens als Land zu bebauen sind, bestellt man mit Holz; wo der Pflug seine Furchen ziehen kann, wirft der Boden einen weit höheren Ertrag ab und wird die Arbeit und die Kosten reichlich lohnen, die man seiner Pflege zum Opfer bringt. Mehr Mühe und Anstrengungen wird allerdings diese Bauart fordern, aber der Bauer, der dies scheut, wird sein Fortkommen nirgends finden... Mit äußerst wenigen Ausnahmen würde man in den Schuttertäler Bauernwaldungen kaum Bauholz zu einem Ziegenstall finden, nicht aber zu einem ordentlichen Bauernhaus oder Ökonomiegebäude. Mit einem betrübenden Blick überschaut jeder Freund der Natur diese Waldwirtschaft auf Schuttertals Bergen. Die schönsten Anhöhen sieht man spärlich mit schlanken Reisern bestellt, unter welchen hin und wieder eine stolze Tanne ihr Haupt zum Himmel reckt, mitleidig herunterschauend auf die zu ihrem Fuße wimmernden Zwerggestalten und Zeugen des Reichtums, der in dem Boden, dem sie entsprossen, begraben liegt. Aus den ausgemergelten Bauernwaldungen schaut der personifizierte Tod! Eine Reform der Land- und Forstwirtschaft in Schuttertal tut not!"

Förster Käser von Dinglingen, Vorstand des landwirtschaftlichen Bezirksvereins Lahr, kommt in seinem Gutachten vom 8. Februar 1857 für das Forstamt Lahr zu der Erkenntnis, "daß es besser wäre, die Lostrennung der Waldungen von den geschlossenen Hofgütern zu vermeiden, statt einen Zustand der Güter herbeizuführen, welcher auf ewige Zeiten hinaus die jeweiligen Besitzer niemals über den Stand der Taglöhner emporkommen läßt."

Die Prognose des Bezirksförsters Käser sollte sich allzu rasch bewahrheiten. Keines der Hofgüter, das in jener geldarmen Zeit land- und forstwirtschaftliche Flächen verkaufte, ist heute ein Vollerwerbsbetrieb. Zwar sind diese Höfe immer noch geschlossene Hofgüter, sie werden jedoch von ihren heutigen Eigentümern nur noch als Zu- und Nebenerwerbsbetrieb bewirtschaftet.


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