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Ehemaliger Königshof - Landvogtei Offenburg


Der frühere Königshof wurde zwischen 1714-17 unter dem Baumeister Dominik Elmenreich und nach den Plänen Michael Ludwig Rohrers aus Baden-Baden entworfen. In der Zeit zwischen 1756-58 wurde die Fassade durch Franz Ignaz Krohmer gestaltet. Bis ins Jahr 1806 diente der Königshof alsVerwaltungsgebäude der Landvogtei Ortenau. Heute ist hier das Polizeirevier Offenburg untergebracht.

1. Bauphase: (1714 - 1717)
Erbauung des Königshofs nach den Plänen von Michael Ludwig Rohrer. Betroffene Gebäudeteile:
• Erdgeschoss
• Obergeschoss(e)
• Dachgeschoss(e)

2. Bauphase: (1756 - 1758)
In dieser Zeit wurde die Fassade von Heinrich Ignaz Krohmer gestaltet. Betroffene Gebäudeteile:
• Ausstattung

3. Bauphase: (1806) Bis 1806 dient der Königshof als Verwaltungsgebäude der vorderösterreichischen Landvogtei Ortenau. Betroffene Gebäudeteile:
• Erdgeschoss
• Obergeschoss(e)
• Dachgeschoss(e)

Es handelt sich um einen zweigeschossigen Mansardwalmdachbau, dessen Fassade in 11 Fensterachsen vertikal unterteilt ist. An den Seiten befinden sich die ein Fenster breiten Eckrisalite mit kleinen Dreiecksgiebeln. Das drei Fensterachsen breite Mittelrisalit ist dagegen durch ein weiteres Geschoss und einen Dreiecksgiebel hervorgehoben.

Im Erdgeschoss befindet sich ein korbbogiges Eingangsportal, darüber ein auf Konsolen ruhender Balkon mit schmiedeeisernen Gittern. Die Balkontür wird durch Pilaster flankiert und von einem gesprengten und verkröpften Giebel mit dem Wappen Baden-Badens bekrönt.

Die Fassade wird durch Eckpilaster an den Risaliten und ein reich geschmücktes Gesims gegliedert. Zusätzliches Zahnschnitt-Fries ziert außerdem die Dach- und Giebelgesimse. Die rechteckigen Fenster umgeben feingliedrige Fensterfaschen, die nach unten schmuckvoll enden und Keilsteine (mit Maskaron/ dreiteilig eingekerbt) tragen. Gerade und leicht gewölbte bzw. spitz zulaufende Fensterverdachungen beleben zudem die Fassade. Die Dachhäuschen der unteren Mansarde haben spitze Giebel und Fensterpfosten mit Voluten.

Hermann Sprauer - die Ortenau 1984 - 243 ff -  Das Bezirksamtsgebäude in Offenburg

Baubeschreibung:

Königshof Grundriss - M. Wingenrotih, Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg. Tübingen 1908, S. 510-513;
Grundriss von Wingenroth - Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg. Tübingen 1908, 511/512

Das Bezirksamtsgebäude in Offenburg liegt in unmittelbarer Nähe des Rathauses am südlichen Teil der Hauptstraße innerhalb eines schönen Ensembles. Durch den wirkungsvollen Eindruck seines Äußeren nimmt es auch heute noch eine repräsentative Stellung innerhalb des Offenburger Stadtbildes ein. Die über elf Fenster sich ausdehnende, breit hingelagerte Fassade wird durch den drei Fenster umspannenden Mittelrisalit und zwei einachsige Eckrisalite bewegt. Der prachtvolle Mittelrisalit tritt als Sammelpunkt der Fassadenbewegung stärker hervor wie die mehr als Ausklang wirkenden Seitenrisalite. Gleichzeitig erhebt er sich mit seinem aufgesetzten Giebelbau über die zweistöckig durchgeführte Fassade. Flache Pilaster, weiche auf vorhangförmig in die Höhe gezogenen Sockeln ruhen, flankieren die durch Dreieckgiebel gekrönten Risalite. Die Blattkapitelle dieser Pilaster und die auf ihnen liegenden, ebenfalls in einem Vorhangbogen ausgebildeten Deckplatten vermitteln den Übergang zu dem von ihnen nur scheinbar getragenen Hauptgesims. Dieses ist mit Triglyphen und doppeltem Zahnschnitt geschmückt und zieht sich über den ganzen Bau hin, so dessen Breitenausdehnung betonend; in seiner Mächtigkeit wirkt es als Abschluß gegen das Mansardendach. Sämtliche Fenster, wobei die des Hauptgeschosses sich durch größere Höhe von denen des Erdgeschosses auszeichnen, haben geraden Sturz und sind mit einem profilierten, ausladenden Rahmenwerk umgeben. Letzteres endigt unten in zwei konsolenartigen Platten aus, an welche sich im ersten Stock Tröpfchen, im zweiten Blattwerk und Tröpfchen, ebenfalls konsolenartig verwendet, anschließen. Oben ist dieses Rahmenwerk einmal abgetreppt. Die Form dieser Abtreppung erscheint in vier verschiedenen Ausführungen. Es besteht hierin nicht nur ein Unterschied zwischen dem ersten und zweiten Stock, sondern auch innerhalb der einzelnen Geschosse ist die Form dieser Treppe verändert, je nachdem es sich um Fenster der Risalite oder der Zwischenteile handelt. Die durch diesen getreppten Teil der Umrahmung geschobenen Keilsteine weisen im ersten Stock drei Schnitte, im zweiten Masken und Blattwerk als Schmuck auf.

Darüber legt sich im Erdgeschoß eine gerade, gesimsartige Abdeckplatte, im Hauptgeschoß in den Risalitteilen ein flachrunder, in den Zwischenteilen ein im Vorhangbogen gehaltener Giebel. In der Mittelachse des Gebäudes liegt das von verkröpften Pilastern flankierte Portal. Es schließt im Korbbogen. Sein maskengeschmückter Keilstein ist zugleich die mittlere der drei Konsolen, welche die darüber befindliche, elegant umrissene Balkonplatte stützen. Die beiden äußeren Konsolen zeigen Hirschköpfe, welche aus Netzen hervorschauen. Mit den reichen Bewegungen seiner zierlichen Ranken ist das schmiedeeiserne Balkongitter ein selten schönes Dekorationsstück des Rokoko. Die Balkontür besitzt einen leicht nach oben gebogenen Sturz und ist in ihren Formen mehr dem Portal als den Fenstern angeglichen. Sie wird flankiert von reichen Voluten, welche ein verkröpftes Gebälk tragen, über dem sich ein stark gebrochener Halbkreisgiebel in die Höhe wölbt. Aus diesem Giebelfeld wächst in prächtiger Rocaillekartusche das markgräfliche Wappen heraus. Die drei Fenster des im mittleren Risalitteil aufgesetzten dritten Geschosses sind von einem einfachen, ebenfalls oben ausladenden Rahmenwerk umgeben. Das Geschoß selbst ist durch vier einfache Pilaster gegliedert. Das leicht zurücktretende Mansardendach wiederholt die horizontale Linienführung des Gesimses und schließt den Bau nach oben ab. Die Mansardenfenster, welche mit den darunterliegenden Fensterachsen der Zwischenteile in Einklang stehen, sind von Voluten umgeben und Giebeln gekrönt, welche in einem kräftig in die Höhe gezogenen Vorhangbogen nach oben ausklingen.

Betreten wir durch das 1758 geschnitzte Portaltor das Innere, so empfängt uns ein respektabler Vorraum, der die Breite des Mittelrisalits einnimmt. Zu seinen beiden Seiten befinden sich nach der Straße hin je zwei zweifenstrige Zimmer und auf der Hofseite mehrere gewölbte Räume. Links neben dem Tordurchgang nach dem Hof befindet sich die Treppe zum oberen Geschoß. Der Grundriß des zweiten Stockes entspricht dem des Erdgeschosses. Den finanziellen Schwierigkeiten, welche die Fertigstellung der Fassade über Jahrzehnte verschleppten, ist die Schmucklosigkeit des Inneren zuzuschreiben, abgesehen von einigen profilierten Türumrahmungen. Auch die Rückseite, an deren nördlichen Teil sich ein Gebäudeflügel in stumpfem Winkel anschließt, ist in einfachen schmucklosen Formen durchgeführt.

Nicht uninteressant ist eine Mitteilung von Wingenroth, wonach das Verputzte der Fassade rot angestrichen war, die Hausteine in natürlicher Farbe gelassen wurden und Kapitelle usw. vergoldet waren.

Baugeschichte:

Die Baugeschichte des Bezirksamtes führt uns zurück in die Tage des Wiederaufbaus der Stadt Offenburg nach dem unheilvollen Stadtbrand 1689 und den folgenden kriegerischen Wirren. Auch das Haus Österreich als Lehensherr der Landvogtei Ortenau war zunächst nicht in der Lage, sein Amtsgebäude wieder aufzubauen. Der abgebrannte Amtshof, dessen Bild auf Merians Kupferstich der Stadt Offenburg vom Jahre 1643 ersichtlich ist, muß eines der stattlichsten Gebäude des mittelalterlichen Offenburg gewesen sein. Die Überlieferung meldet, daß er an der gleichen Stelle stand wie das 1101 erwähnte Schloß Offinburc. Dies soll der Grund sein, weshalb der Amtshof auch die Bezeichnung Königshof führte (letztmals 1806). Erst 1699 verfertigte der Baumeister der Landvogtei einen Plan zu einem neuen Amtshaus. Der Amtmann von Waldkirch, ein eifriger Fürsprecher des Bauplans, meinte allerdings, daß "der Herr Baumeister sein Proiect über solchen Bau gar zu hoch gespannet".

Die zuständige vorderösterreichische Regierung in Freiburg sah sich gezwungen, den Neubau bis auf weitere Verordnung zurückzustellen. Der inzwischen ausgebrochene Spanische Erbfolgekrieg brachte für die Ortenau einen Herrschaftswechsel; sie kam unter badische Herrschaft. Noch während des Krieges, 1712, stellte der damalige Amtmann Wilh. Wenger an die Markgräfin Franziska Sibylla Augusta (ihr Mann, der Türkenlouis, war 1707 gestorben) den Antrag um Bauung eines herrschaftlichen Kellers auf dem Amtshof, "wobei aber die fundamente dergestalt gelegt werden müssen, daß mit der Zeit nach Sr. hochfürstl. dchlt. gnädigsten Fürstin und Frau Intention ein Gebäu darauf gesetzt werden kann", und "er habe vor nöthig und gut angesehen, daß etwa der hochfürstl. Baumeister zu Rastatt heraufgeschickt und durch ihn ein Grundriß und Überschlag gemacht werden könne". Dieser "‚hochfürstliche Baumeister" war der aus Böhmen stammende Michael Ludwig Rohrer, welcher eben erst das Lustschioß Favorite für die Markgräfin erbaut hatte. Am 29. Mai 1714 konnte Amtmann Bree an die hochfürstliche Hofkammer berichten, ‚daß der anbefohlen Bau des Amtshofs zu Anfang gebracht und nach Ankunft des Baumeisters Hr. Rohrer mit dem hiesigen Maurermeister Dominik Ellmerich der Accord der Maurer und Steinhauerarbeit getroffen worden". Erhebliche Schwierigkeiten machte der Ankauf eines angrenzenden Grundstückes, welches Rohrer als "nothwendig zum Embellissement und Commodität des herrschaftl. Baues" erachtete. 100 Fenstersteine von der Staufenburg wurden für brauchbar befunden und nach Offenburg gebracht.

Das Bezirksamtsgebäude in Offenburg: Königshof, Bezirksamt, Altes Landratsamt, Sitz der Polizei. 1974
Das Bezirksamtsgebäude in Offenburg: Königshof, Bezirksamt, Altes Landratsamt, Sitz der Polizei. 1974.

Schon am 25. Juli 1715 berichtete der Amtmann wegen der Zimmerarbeit. Er schrieb, "daß der hiesige Zimmermann, um deßwillen, daß es ein französisches Dach, also eine ihm etwas unbekannte Arbeit sei, sich nicht gern auf einen Accord einlassen will". Der Amtmann schlug daher der Hofkammer vor, "daß der sämmtl. Holzbau im Taglohn befördert werde, indem nach Ueberschlag dem Meister des Tags 40 kr. und einem Gesellen 32 kr. zu bezahlen wären, und zu mehrerer Beschleunigung 11 Gesellen sarmmt dem Meister arbeiten würden, so hätte man Hoffnung, den Bau in 40 Tagen zu perfektionieren und würde des täglichen Lohnes etwa 50 fl., ja vielleicht 100 fl. ersparen; doch müßte man von Seiten der Hofkammer den herrschaftl. Zimmermeister Josef Bildstein dazu geben und durch dessen Antrieb die Gesellen zur Arbeit anhalten lassen". Die Einwilligung hierzu geschah sechs Tage später. Am 26. November 1715 berichtete Rohrer, daß das Hauptgebäude aufgeschlagen, so daß es "innerhalb 14 Tagen eingelattet und bedeckt sein kann"; die Nebengebäude sind noch nicht so weit, es wird noch an ihren Fundamenten gearbeitet. "Das große Portal mitten im Bau ist noch nicht angefangen; da das Gebäude einen so schönen Prospekt bekommt, wird um Verordnung gebeten, ob nicht dieses Portal etwas schöner als das projektierte hergestellt werden solle, damit die Steine dazu gebrochen und gehauen werden können."

Die nächste Nachricht datiert erst vom 2. März 1717. Amtmann Brée machte der Hofkammer folgende Meldung: "Die raue Mauerarbeit am Amthofbau ist fast alle fertig, und Maurermeister Dominik Elmerich dringt auf Bezahlung und Abmessung und Liquidierung, welch letztere der hochfürstl. Baumeister Rohrer zu Stande bringen soll". Diese Abmessung, der ein unparteiischer Meister beiwohnte, fand alsbald statt. Dann fehlen die Nachrichten bis 1751. In diesem Jahre fand eine kleine Reparatur im Dachwerk statt. 1756 im Juni erfolgte ein Vorschlag an die Hofkammer, 2 500 fl. von vorhandenen Geldern "‚zur Herstellung und vollständigen Ausbau des fürstlichen Amthauses zu verwilligen". Die Hofkammer bestimmte, daß diese Summe "zum Portal des Amthauses und aus einem Rest das sonst höchstnöthige verwendet werden möge, und beantragt, den fürstl. Architekten Krohmer zu beordern, um den Augenschein zu nehmen und Überschlag zu machen. Riß und Bauprojekt sowie Ueberschlag wurde vorgelegt und genehmigt, nur wurden zwei projektierte Figuren, "welche nicht gar wohl herauskommen", ausgelassen". Da diese 2 500 fl. nicht ausreichten, wurden im Frühjahr 1758 noch weitere 750 fl. gefordert, welche alsbald bewilligt wurden.

Als Ergebnis dieser Aktenzitate steht fest, daß der Bau in der Hauptsache in den Jahren 1714 bis 1717 nach den Plänen Michael Ludwig Rohrers erstellt wurde. Das fehlende Mittelstück, aus Portal, der Tür darüber mit Balkon, dem Wappen und dem mittleren Fenster im Giebelbau bestehend, wurde erst in den Jahren 1756 bis 1758 hergestellt. Es ist das Werk des angeblich im nahen Bohlsbach gebürtigen, späteren markgräflichen Hofbaudirektors Franz Ignaz Krohmer, der seine Ausbildung durch den großen Würzburger Baukünstler Balthasar Neumann erhalten hatte.

Heute beherbergt das Gebäude Polizeidienststellen. Ende 1983 wurde mit einer umfassenden Renovierung begonnen, bei welcher das stilgerechte Schieferdach durch ein rotes Ziegeldach ersetzt wurde.

Literatur:

M. Wingenrotih, Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg. Tübingen 1908, S. 510-513;
K. Walter, Die Erbauung des Bezirksamtsgebäudes zu Offenburg, früher Königshof genannt. Offenburg, [1883];
M. Friedmann, Historischer Rundgang durch die Offenburger Innenstadt. Offenburg 1979, S. 149;
Landkreis Offenburg: Liste der Denkmalsobjekte, Stand 1961/62, S. 159 ff.;
GLA Karlsruhe. Bausachen 1553. 1697— 1699. Landvogtei Ortenau. Konv. 50.


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