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Die Auflösung des Offenburger Kapuzinerklosters - Otto Kähni - die Ortenau 1940 - 193 / 94


Zu den badischen Klöstern, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Zuge der Säkularisierung aufgehoben wurden, gehörte auch das Offenburger Kapuzinerkloster. Das Gebäude, dessen Kreuzgang nach der Restaurierung im vorletzten Sommer wieder ein malerisches und anheimelndes Bild bietet, ist das einzige Haus, das die Zerstörung der Stadt dur die Franzosen (9. Sept. 1689) überdauert hat.

Obwohl das Direktorium des Kinzigkreises gemäß dem Erlass; des Innenministeriums schon lange die Auflösung des Klosters verfügt hatte, bemühte sich die Bürgerschaft wiederholt um dessen Erhaltung. Aber es half nichts. Die Regierung vertröstete sie auf die Verlegung des Ottersweierer Frauen-Instituts nach Offenburg. Dieses siedelte auch nach Offenburg über, aber in das Franziskanerkloster. Und das Gymnasium, welches in diesem geräumigen Bau untergebracht war, mußte in das kleine Kapuzinerkloster umziehen.

Die letzten Klosterinsassen waren der Guardian P. Marquard, Pater Maurus, 2 Laienbrüder und 3 Knechte. Da sie vorläufig in keinem anderen Kloster unterkommen konnten, sollte sie die Stadt wenigstens vorübergehend im St.-Andreas-Hospital beherbergen. Aber hier waren sie auch nicht willkommen. Der Rat sträubte sich; denn der Spitalfonds war durch die lange Kriegszeit sehr geschwächt. Schließlich entschlossen sich der Rat und das Oberpflegamt in einer Sitzung am 14. Juli 1820, die beiden Patres und den 78jährigen Bruder im Hospital aufzunehmen, und wiesen dem Guardian zwei Zimmer und dem anderen Pater und dem Bruder je ein Zimmer an. Die nötigen Möbel, Bett- und Leibwäsche, die jeder Pfründner selbst stellen mußte, sollten ihnen aus den Klostereffekten überlassen werden. Die Ordenstracht mußten sie ablegen; dafür erhielten fie zufammen eine Kleidervergütung von 75 fl. Verköstigt wurden sie am Oberpfründnertisch; ferner bekamen die beiden Patres zu jeder Mahlzeit je eine "Bouteille" und der Bruder einen Shoppen Wein. Kosten für ärztliche Behandlung und Heilmittel sollten auf die Rechnung des Armenhauses gesetzt werden. Der jüngere Bruder wurde vom Oberkircher Kapuzinerkloster übernommen; bei seiner Abreise erhielt er 5 fl. 30 kr. Reisegeld. Die drei Hausknechte wurden entlassen und mit einem Jahreslohn abgefunden (zufammen 130 fl.).

Am 14. Auguft konnte der Oberamtsrevisor dem Kinzigkreisdirektorium die Räumung des Gebäudes melden. Dem Bericht fügte er hinzu, daß die Klosterinsassen "sich in gereizter Stimmung gegen die Procedur der Kommission befunden und auch nicht eine Hand der wiederholt erteilten Aufforderung zur Aushülfe geboten" hätten. U. a. weigerte sich der Guardian, ein Messgewand herauszugeben, das der Fürstbischof von Basel den Kapuzinern geschenkt habe.

Die beiden Patres und der alte Bruder waren im St.-Andreas-Hospital gut aufgehoben. Aber die Hospital-Schaffnei ließ deutlich merken, daß die "3 Kapuziner-Individuen dem Spital sehr zur Last seyen". Am 6. Februar 1821 versetzte sie die Kath. Kirchensektion des Innenministeriums in das Kapuzinerkloster Oberkirch. Der Guardian wehrte sich ohne Erfolg. Die Reisekosten mußte das St.-Andreas-Hospifal vorschießen, da "dessen öconomischer Vorteil hierdurch befördert" wurde.

Die Liquidierung des Klostervermögens war Ende März 1821 abgeschlossen. Wertvollere Möbelstücke scheinen nicht vorhanden gewesen zu sein. Denn die Einrichtung der Zellen wird als "kümmerlich" bezeichnet. Außer den Möbeln, Paramenten und Büdhern waren Lebensmittelvorräte vorhanden:

Früchte, Weizen, Öl, Schmalz, Mehl, ein Mastschwein, gegen 200 Ohm Weißwein, ferner 19 Pfund Wachs und Brennholz. Sie wurden kurz nach der Räumung versteigert. Der Wein brachte einen Erlös von 1.710 fl., die Fässer 477 fl., die Möbel 1.071 fl. Die Bücher, Paramente und Geräte wurden dem Gymnasiumsfonds zum Preis von 728 fl. überlassen. Der Gesamtwert der Fahrnisse belief sich auf 4.103 fl. Den Klostergarten pachtete der Chirurgus und Badischhofwirt Sohler auf dem Steigerungswege zum "unerwartet hohen" Jahrespreis von 116 fl. Das Klostergebäude befand sich in einem schlechten Zustand. Eine gründliche Renovierung war notwendig.

Bis zum "Einzug der Professoren" wurde das Haus von einem Polizeidiener überwacht, der darin Wohnung nahm. Im April 1822 zog das Gymnasium in sein neues Heim ein.



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