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Geschichte der Kirche St. Landelin in Ettenheimmünster


Kewitz, Hubert, Geschichte der Kirche St. Landelin in Ettenheimmünster - Ettenheimmünster 1987, Seite 7 - 28.

Mittleres Deckenfresko: Landelin wird enthauptet (Anton Morath).
Mittleres Deckenfresko: Landelin wird enthauptet (Anton Morath).

1. Der "Brunnen des heiligen Landelins"

Die starken, aus dem Boden der Au hervorbrechenden Quellen sind wohl seit je bemerkt und verehrt worden. Ein vorchristlicher Quellenkult könnte vom Kloster umgetauft und in die Landelin-Legende eingebunden worden sein: die Quellen entspringen am Platz, wo des Heiligen Hütte stand und wo er getötet wurde; sie empfangen ihre fortwirkende Heilkraft aus seinem Martyrium.

Beim toten Leib seien "gleich so balden fünff schöne Christalline Quellen entsprungen / als eine zu dem Haupt / welche die stärckeste / und ein völlig Rohr alleinig treibt / zu jeder Hand Eine / und zu den Füssen Zwo" (Geiger 27). "Altere scribenten thun theils nur von vier, andere nur von zwey brunnen meldung, und mag dieses die ursach seyn, weilen selbe vor alters nur in zwey, und endlich gar nur in einem eichenen kästen zusamen geschlossen waren" (Bulffer 81).

Schon aus dem 13. Jahrhundert, zu Beginn des zweiten Buches der ältesten Landelin-Vita, wird erzählt, daß von den ursprünglich vier Quellen nur noch zwei zu sehen seien. Die anderen wurden, "so hat man uns glaubhaft berichtet, durch eine unterirdische Vorrichtung mit den übrigen vereinigt, damit sie groß und reichfließend würden" (1).

1183 inkorporierte der Straßburger Bischof der Abtei die Kirche von Schweighausen, wegen "der Gastfreundschaft gegenüber den Pilgern": damit könnte eine frühe Wallfahrt zu den Quellen gemeint sein, die man beim Besuch des Münchweirer Grabes mit einbezog. Dann besingt ein in einer Handschrift des 15. Jahrhunderts überlieferter Hymnus zum hl. Landelin die heilkräftigen, aus der Erde kommenden Quellen, die "terrae fontes" (2).

Wie es lange Zeit hier aussah, schildert Maurus Geiger 1682: "Als dato die (jetzige) Quell zum Haupt / worvon man pflegt zu trincken / nur mit einem eichenen Kasten gefaßt war / darauß man daß Wasser heraus schöpffete / in deme auch die Leut sich zwachten (wuschen) / ja zu Zeiten gar badeten / als kondte man keinen frischen sauberen Trunck haben" (28). Das älteste Wallfahrtsbild, der kolorierte Holzschnitt aus der Zeit um 1500 (Uttenweiler 170), zeigt uns einen älteren Zustand, nämlich zwei eichene Holzkastenfassungen und den Gebrauch der beiden Quellen zum Trinken und Baden. Auch 1614 sollen nach Geiger (83) noch "zween Kästen" existiert haben.

Im September 1669 besuchte Franz Egon von Fürstenberg, Bischof von Straßburg, das Kloster und las in St. Landelin die Messe. Er versprach, "den baufälligen Brunnen des heil. Landelins auf seine Kosten wieder herzustellen" (Stöber 114) und ihn "mit einer kleinen Kapelle zu überwölben" (3). 1672 umgibt Meister Clauß von Münchweier die Quelle mit Quadern, faßt sie in Röhren und überwölbt den Brunnen mit einer Kuppel (Hacker 27). Abt Maurus erinnert sich 1682 an diese Arbeiten: "Herr Franciscus (Hertenstein) (hat) die alte Einfassung oder Brunnen gäntzlich hinweg heben / und alle Quellen mit Quaderstein fassen lassen / da dann / wie ich auch Selbsten gesehen / befunden worden / als man zu den Quellen gegraben / daß bey den Füssen zwo unterschiedene Quellen / etwann ein Schuh voneinander springen. Die Haupt-Quellen aber ist also gefaßt / daß obwohlen der Brunnen in einer ebenen Matten ligt / selbige doch so hoch getrieben worden / daß nunmehro diese Quell durch ein mössines (messingnes) Rohr schön heraus springt / und umbweilen sie mit einer steinernen Kuppen bedeckte / als bleibt sie immer sauber und rein / darvon das Wasser durch Canäl in das Badhaus geführt wird" (Geiger 28).

Daß man aber seit je (und bis heute) die starken Quellen schwer in den Griff bekam, zeigt die Eintragung, die Abt Hertenstein etwas später, am 25. Mai 1675, in sein Tagebuch machte: "Heut habe S. Landelins Brunnen laßen aufbrechen, und mit leth (Ton) und anderen Sachen beßer vermachen laßen, weilen er dafornen /: wo das röhr ist :/ nit recht vermacht gewesen" (Bulffer 81).

Abt Maurus Geiger hat 1688 die vorhandene, vermutlich freistehende Anlage in seinen Neubau der Wallfahrtskirche integriert. Was er an Bausubstanz übernommen hat, wissen wir nicht. Seitdem liegt jedenfalls die Brunnenhalle, im Grundriß von 1698 "Kapelle, Ort der Enthauptung" genannt, vor der Westfassade. Drei Treppen führen seit damals hinunter in den versenkten Raum (4). In der Rückwand, in die Kirchenwand eingetieft, stand ein kleiner Altar; die Halle war gewölbt, oben darüber war ein offener Altan, vermutlich als Predigtkanzel gedacht. Die Überwölbung des Altans mit einer hölzernen Kuppel, wie wir sie dann auf dem Kupferstich Mayers von 1759 (Uttenweiler 211) sehen, hat erst Abt Eck zur Zeit seines großen Klosterbaus hinzufügen lassen. Sein Kontrakt mit Peter Thumb 1718 verzeichnet in Punkt drei als Aufgabe des Baumeisters: "die einfaßung und überbawung Sant Landelins Brunen, worauff eine Condignation (Aufbau) von Ungefehr Neun schuhe Höh sambt einer Cuppel zu machen" (Hacker 110). Für diesen Brunnenaufbau existierte außer einer Zeichnung auch ein Modell.

Ausgeführt wurde wohl nur die Kuppel, über die im Juli 1719 ein Kontrakt mit Thumbs Zimmermann Heinrich Kohler abgeschlossen wird (Hacker 17, 28). Prior P. Will bestätigt, daß 1719 "die Cuppen über den brunnen undterhalb an der St. Landelinß Kirch" (Will 82) aufgerichtet wurde. Sie war mit Schindeln gedeckt, und außer einem Kreuz war über ihr (als Wetterfahne?) ein Bildnis des hl. Landelin aufgesteckt. 1733 hat Meister Joseph Vogel von Freiburg die Kapelle über dem Brunnen stukkiert.

Bei seinem Umbau hat Salzmann die Kuppel wieder entfernt, den offenen Altan wiederhergestellt, für die Quellen einen neuen Brunnenstein und neue Platten geliefert. Der offene Altan hatte aber seine Nachteile: der flache Boden war schwer abzudichten (5). Daher dachte sich das 19. Jahrhundert außer dem mißglückten Turm auch ein unschönes Ziegeldach (Uttenweiler 292) über der Brunnenhalle aus, ein Stein des Anstoßes für Freunde des Barocks, das aber erst 1930 beseitigt wurde. Das erneut ebene Dach erhielt 1931 unter Pfarrer Fridolin Götz die heutige, von Steinhauer Burkart (Ettenheim) geschaffene Steinbalustrade (PfA). Der Bildhauer Valentin aus Offenburg ergänzte 1930/31 die Landelinsstatue, die anschließend von ihrem Exil in der Giebelnische wieder über die Altantür kam, die zerschlagenen Putten und das Altanportal. 1932 wurden die Quellen gefaßt, der Stein in die Mitte gerückt, mit vier Röhren versehen und ein neuer Plattenboden gelegt.

In die Hinterwand ließ Götz damals den 1559 datierten Bogen mit dem Wappen und der Inschrift des Abtes Joh. Vollmar sowie den Grabstein von Abt Laurentius Gutjahr (1582-1592), ein Kruzifix mit Maria, Johannes und einer das Kreuz umfassenden Maria Magdalena, einfügen.

2. Die Vorgängerkirche unterhalb des Brunnens

"Zu was vor einer zeit eine Kirche auf dem marterplatz des H. Landelini seye erbauet worden, ist ungewiß" (Bulffer 79). Nach der unsicheren, späten Klostertradition soll, "ob man gleich nichts gewisses davon melden kann", eine "kleine Kapelle ... wahrscheinlich im neunten Jahrhunderte bei den wundersamen Brunn-Quellen des heil. Landelins erbauet worden" sein (Stöber 52 u. 87). Daß die Wallfahrt sich erst im ausgehenden Mittelalter von Münchweier nach Ettenheimmünster zu verlagern beginnt und daß auch das Grab in Münchweier kaum vor 1100 verehrt worden ist, spricht gegen einen so frühen Bau an dieser Stelle.

Belegt ist eine Landelinskirche zu "Luttenbach" 1501, als am 22. Mai der Kardinallegat Raymund ihr einen Ablaß von 100 Tagen gewährt: für den Besuch an Ostern, Maria Aufnahme, Landelin, Martin und am Kirchweihfest sowie für eine Spende "zur Erneuerung, dem Bau und der Unterhaltung" der Kirche (6). Abt Lorenz Effinger (1500-1544) hat den Ablaß beantragt, ein großer Landelin-Verehrer, der auch die berühmte Büste von 1506 in Auftrag gegeben und sich auch hier gleich nach seinem Amtsantritt der erneuerungsbedürftigen Kirche des Heiligen angenommen hat.

Vom Aussehen dieser Kapelle wissen wir nichts, es sei denn, sie ist die Kirche auf dem Landelin-Holzschnitt von 1617 (Uttenweiler 183). Gestanden hat sie unterhalb des Brunnens, etwa auf dem heutigen Kirchplatz. Nach einem Zinsregister von 1533 kamen ihr jährlich von Guttätern vermachte Zinsen in Geld, Frucht und Wein zugute und zwar aus Wallburg, Altdorf, Tutschfelden, Broggingen, Münstertal, Weiler, Ettenheim und Schmieheim (Bulffer 80). Auch bezog sie in der ersten Zeit Zinsen aus dem Elsaß (Rufach, Pfaffenheim und Gundelheim). Wie die Zimmerische Chronik erzählt, hing in dieser ältesten Kirche als Votivgabe noch bis zur Zerstörung "in der beurischen aufruor" 1525 ein Wandbehang mit den Wappen einiger durch die Anrufung Landelins wunderbar aus böhmischer Gefangenschaft befreiter Ritter, darunter ein Geroldseck (Uttenweiler 163).

Nach der Erfahrung schlimmer Unwetterkatastrophen (bes. Juni 1625) wurde unter Abt Kaspar Geiger (1623-1634) im November 1627 die "Erzbruderschaft des heil. Rosenkranzes" in der St. Landelin-Kirche eingesetzt. Der Muttergottesaltar war der Altar der Bruderschaft. An allen gefeierten Marienfesten, am Rosenkranzfest im Oktober und an jedem ersten Monatssonntag war eine festliche Prozession mit Predigt und Amt. Für diese Bruderschaft hat Abt Kaspar in diesen Jahren die "Kirche zu St: Landelin, die wegen Aelte allgemach baufällig und zu klein war, wieder erneuern, bevestigen, vergrösern, und verschöneren" lassen. "Er hat auch auf (fünfzehn) grosen Tafeln alle Geheimnisse des heil. Rosenkranzes abmahlen, und dieselben in dieser Kirche in dem Langhause aufhengen lassen" (Stöber 107 f.). Bis zum Umbau 1764 haben die Tafeln noch in St. Landelin gehangen.

Abt Kaspar hatte diese Kirche, "so unten an dem brunnen gestanden, ... mit quader-Steinen, so zierlich ausgehauen gewest, gebauet", aber sie war bald "zu klein die menge der ankommendten wahlfarter zu faßen" (Will 9). "So vil ich von denen senioribus (älteren Mitbrüdern) vernohmen, die das Kirchlein noch gesehen, so wäre es nur eine kleine capell, so unter dem brunnen gestanden", schreibt Bulffer (79) 1781.

Weihbischof Gabriel Hug von Straßburg weihte 1655 in Ettenheim außer Glocken für Ettenheim, Altdorf und Wallburg auch eine Glocke für St. Landelin (zu Ehren der Gottesmutter) (7). Damals mußte nach dem Brand der Klosterkirche (1650) der klösterliche und pfarreiliche Gottesdienst bis 1671 in St. Landelin gehalten werden. Auch wird die Kirche 1666 in einer Visitation lobend erwähnt: "Nicht weit vom Kloster Ettenheimmünster, in einer Wiese gelegen, befindet sich eine bemerkenswerte, dem hl. Landelin geweihte Kirche. Im Chor, unter dem Hochaltar, zeigt man einen Stein, der die Figur des hl. Märtyrers mit abgeschlagenem Haupt darstellt" (Uttenweiler 189 f.).

Als 1688 die neue große Wallfahrtskirche oberhalb des Brunnens gebaut wurde, standen beide Gotteshäuser noch über zwanzig Jahre lang nebeneinander, in der Mitte der Gnadenbrunnen. Erst 1711 ist die ältere Kirche aus Geheiß von Abt Eck, da sie "unbrauchbar worden" und "allgemach baufällig", "niedergeworffen worden" (Will 9).

3. Der Neubau der Wallfahrtskirche (1687 - 1689 und 1698 / 99) unter Abt Maurus Geiger

Ende 1686 wurde Maurus Geiger Abt von Ettenheimmünster. Er fühlte sich dem hl. Landelin besonders verpflichtet: er habe "nechst Gott / Ihme mein Leben zu dancken" (Geiger 6). 1660, in seiner Studienzeit im Kloster, war er von der "dyssenteria oder Rothen Ruhr also ausgemerglet / daß nichts mehr an mir als Haut und Bein / ... deßwegen man mir wenig leben mehr zusagte" (Geiger 56). Auf die Fürbitte des Heiligen wurde er gesund.

Wallfahrtszettel Kupferstich Peter Mayer (1759)
Wallfahrtszettel Kupferstich Peter Mayer (1759)

Schon in der zweiten Mönchsversammlung seiner Abtszeit, am 14. Juli 1687, beschloß das Kapitel, in diesem Jahr die Vorbereitungen zum Bau einer neuen Kirche bei St. Landelin, der "nicht nur angemessen, sondern auch notwendig" sei, zu treffen (8). Im selben Jahr wurde ein Kontrakt über den Neubau mit Johannes Regutz (Regozzi), "Werkhmeister Maurer Handwerkhs", aus einer Graubündner Baumeisterfamilie, abgeschlossen. Das aufgehende Mauerwerk war drei Schuh stark zu machen, der Giebel stärker. Die beiden Westportale werden von Meister Clauß, dem Steinhauer, gesetzt. Gegen die Teilnahme am täglichen Konventstisch liefert Regutz für diese Portale die in Stein gehauenen Wappen des Klosters und des Abtes (Hacker 27).

Die Tatkraft des neuen Abtes richtete sich nicht nur auf den Neubau, sondern auf die ganze Umgebung der Quellen. Landelins Brunnen und Landelins Kapelle hatten lange Zeit fast frei in der Au gestanden: "bey S. Landelin finde ich (in der Erneuerung von 1553) nit mehr dann einen baurenhoff in der au samt einer plaulin (Stampfmühle) und mühlin samt einem taglöhner bey der kirch, und einem baurenhoff in dem lutenbach" (Bulffer 82). "Das bad belangend, wäre bis auf das Jahr 1686 kein eigenes gebäu oder gelegenheit darzu vorhanden, sondern der aumüller ... hatte nur eine schlechte gelegenheit in seinem haus darzu, wo die bäder mit grosser müeh musten gemacht werden. Die presthaften badeten sich nur bey denen brunnen" (Bulffer 81) (9).

Maurus Geiger baute, noch als P. Großkeller seines Vorgängers Hertenstein, in dessen letzten Jahren ein Wirtshaus und ein neues Badehaus in der Nähe der Kirche (10); zur selben Zeit wurden auch "einigen hiesigen Einwohnern bei der Kirche des Heiligen" sechs Bauplätze angewiesen (Stöber 114) (11). Den "neuen Häusern zu S. Landelin" und dem neuen Kirchbau war die Unditz im Wege: "die undiz ... muß (früher) glaublich den geraden weeg durch die matten, und wo das iezige badhaus stehet, durchgeloffen seyn" (Bulffer 78). Deshalb gab Abt Maurus am 7. April 1688 die Anweisung, den Bach umzuleiten und "hinter der Kirch am Berg durch hinleiten (zu) lassen" (Bulffer 78).

Der Neubau ging inzwischen zügig voran. Der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688-1697) warf seinen Schatten über das Vorhaben, und der Abt wollte den Bau unters Dach bringen. Am 30. Mai 1688 legte er zusammen mit den Äbten von St. Blasien und Gengenbach den ersten Stein zum Hochaltar, und "wegen zu befürchtendem Kriege wurde der Bau dieser Kirche dermasen beschleuniget, daß das Dachwerk derselben am 16 ten Weinmonat (Oktober) dieses Jahres schon ist aufgeschlagen worden" (Stöber 121). Am 4. Februar 1689 wurde mit Regutz abgerechnet; bis auf die Wappen hatte er den Vertrag erfüllt.

Damit war der erste Bauabschnitt beendet; der Krieg erreichte unsere Landschaft und machte jede Weiterarbeit unmöglich (12).

Erst nach dem Rijswijker Frieden konnte man im Frühjahr 1698 darangehen, St. Landelin auszubauen, welches Geschäft wiederum Werkmeister Regutz besorgte. Zwei Küstereien (Sakristeien) wurden in die Kirche eingebaut, mit gewölbten Decken, mit Stiegen und Türen und einem Steinplattenbelag oben und unten. Die Gesimse am Dach entstanden, die Außenmauern wurden bestochen; der vordere Giebel, was Werkstein an ihm war, wurde mit Nischen, Voluten und Obelisken wohl jetzt erst vorgeblendet. Regutz hatte die Steine zu brechen und die Gerüste zu stellen, das Kloster schaffte die Materialien auf den Platz.

Der Steinhauermeister Jakob Ritz aus Münchweier lieferte drei Altäre mit Stufen, die Portal- und Chorstufen sowie den Bodenbelag. Wichtige Arbeit leistete der Stukkateur Joseph Christophorus, der den Innenraum verputzte, lisenenartige Pfeiler zwischen den Fenstern und die Verzierungen über den Fenstern lieferte. Ende 1699 wurden alle Arbeiten abgerechnet (Hacker 27 f.).

"Diese Kirche ... hat Abt Maurus recht groß, und eben so prächtig aufbauen lassen. Auf beeden Seiten am Endt des Chores ... stunden zwoo geräumige Sakristeyen, auf welchen Chöre mit Gegitteren waren, von welchen an den beeden nebens Mauren bis an die hindere Wände der Kirche Altanen mit ausgeschnitzten Säulen auf grosen in die Mauer eingemauerten ausgehauenen Steinen ruheten. An der einten dieser Altanen auf der linken Seite war die Kanzel angebracht, welche Abt Landelin (Fluem 1776/77) in die neüerbaute Pfarrkirche zu Schweighausen schenkte, und welche noch allda steht. An dem unteren Theile der Sakristeyen stunden auf der linken Seite der Altar des heil. Landelins und auf der rechten Seite der Altar der Mutter Gottes. Die Kirche war mit für jene Zeiten sehr schöner Stokador Arbeit ausgezieret ..." (Stöber 122).

Der erhaltene Grundriß (1698) der Kirche verdeutlicht Stöbers Beschreibung. Die beiden Sakristeieinbauten (H) waren oben begehbar; hölzerne Galerien liefen von diesen Emporen zum Musikchor (N). Durch die Einbauten entstand ein etwas verengter, erhöhter Zwischenraum, der Untere Chor (E), an den sich noch einmal erhöht der Obere Chor (F) mit dem Hochaltar anschloß. Die beiden Seitenaltäre standen vor den Stirnseiten der Einbauten (13). Die Fenster saßen so hoch, daß die Einbauten unter ihnen Platz hatten; das Innere der Saalkirche mit ihren sechs Eingängen erhielt also eine schöne, von oben einfallende Beleuchtung.

Nicht viel später, unter Abt Paulus Vogler (1704 -1710), dessen Wappen zwei von ihnen tragen, kamen die erhaltenen sechs älteren Beichtstühle hinzu. Sie zeigen ein für ihre Zeit "strenges und frühes, fast noch renaissanceistisch anmutendes Barock", bei dem ein "italienischer Einfluß" deutlich wird (Hacker 66 f.). Ganz ähnlich werden wir uns den von den Klosterschriftstellern gelobten Stuck und die Ausmalung vorzustellen haben.

Der Stich von Mayer 1759 bietet das schönste Abbild der Wallfahrtskirche, wenn auch hier schon die Kuppel über dem Brunnen den strengen Westgiebel ergänzt. Der Regutz-Bau hat die gefälligen, reduzierten Maße einer Nebenkirche oder Großkapelle. Die Graubündner Bauschule in ihrer Nachbarschaft zu italienischer Baugesinnung, die aus dem Nachklang südlicher Spätrenaissance lebt, ist unverkennbar. Der Kirchenkörper genügt sich selbst, lebt "aus dem Verhältnis seiner Hauptabmessungen" (Hacker 77). Der Dachreiter, "diese spätere Zutat Ecks mit der zierlichen welschen Haube", "gibt der Endung des Firstes Halt", gewährleistet „die Vollkommenheit und Weichheit der Gesamterscheinung" (Hacker 79).

Der Dachreiter kam 1719 durch Meister Heinrich Kohler auf die Kirche; Abt Eck ließ auch zwei kleine Glocken dafür gießen. 1720 schaffte er wie für die Klosterkirche so auch für St. Landelin einen "kostbahr und kunstreich außgearbeitheten Crystallenen leichter" (Will 84) an. Der neue Landelinsaltar trug in goldenen Lettern eine Weiheinschrift sowie eine Antiphon auf den Heiligen; eine andere Antiphon zierte den neuen Marienaltar (Uttenweiler 190).

1730 erstand Eck vom Kloster Gengenbach einen neuen Hochalter von Gipsmarmor, der dort 1722/23 als "Newer Großer Choraltar" von Joseph und Bartholomäus Meyer, Stukkadoren aus dem Bregenzer Wald, geschaffen worden war (14). 1741 ließ ihn Abt Dornblüet (1740 -1774) noch neuausstatten, "mit Figuren als auch vergoldeter, getriebener Arbeit" (15); bei der Erneuerung von St. Landelin 1764/65 ist er dann aber zerstört worden. Die beiden Seitenaltäre der Erstausstattung wurden unter Dornblüet durch zwei neue ersetzt, die dann Abt Fluem 1777 der neuen Kirche in Schweighausen schenkte. Sie sind dort erhalten; die Figur vom Landelinsaltar wurde auf den hl. Romanus umgewidmet. Es ging ihr so wie dem großen Altarbild mit der Verklärung Landelins (von H. Brommer Benedikt Gambs zugeschrieben), das vom zerstörten Hochaltar nach Schweighausen kam und auf Romanus umgemalt worden ist (Uttenweiler 202-207).

4. Der Umbau 1764 / 65 durch Salzmann

Die überhastete Arbeit 1688 war der Landelinskirche nicht bekommen; vielleicht hatte man auch zehn Jahre später etwas bei den Einbauten versehen. Jedenfalls gab es Klagen. Bulffer schreibt, daß "dise Kirch mit schlechten mauren versehen wäre, und den täglichen einsturz betrohete" (Bulffer 79). Stöber notiert: "Da die beeden Mauren Wände der Kirche zu St. Landelin immer mehr von dem Dache herab sich hinein liesen, und neigeten, so zwar, daß man den Einsturz derselben befürchtete, und sie schon einige Jahre her durch innerlich aufgeführtes Holz-Gebäude vor dem Einstürze bewahret worden, hat Abt Augustin im Jahre 1764 diese sich neigenden Nebens-Mauren ausbrechen, und statt derselben die zween prächtigen Vorschütze (Querschiffgiebel) von Grunde aus erbauen lassen" (Stöber 141 f.). Bulffer erinnert sich beeindruckt an eine technische Einzelheit: "wobey das merkwürdigste wäre, das mann unter dem alten tach, so unterstüpperet (gestützt) wäre, die neue mauren hingesetzt."

Das am 14. August 1763 in der Zelle des P. Priors versammelte Kapitel stimmte Abt Dornblüets Vorschlag zu, die Landelinskirche "neu zu erbauen oder besser: größtenteils zu erneuern", und billigte den Kontrakt mit Herrn Salzmann, Architekten des Fürsten von Fürstenberg, vom selben Tage (16). Die Wahl konnte nicht besser getroffen werden : der schon damals berühmte Salzmann war allen Schwierigkeiten der Veränderung des Altbaus hervorragend gewachsen.

Älterer Beichtstuhl mit Wappen Abt Vogler.
Älterer Beichtstuhl mit Wappen Abt Vogler.

Wie stets war der Architekt auch der Unternehmer: Salzmann hatte nach schon vorgelegtem Riß und Überschlag die Maurer- und Zimmerarbeiten (außer den Steinhauerarbeiten) auszuführen, er stellte Gerüste und Geschirr (das Kloster die Werkstoffe). Das Kloster zahlt ihm dafür gleich 2.984 Gulden Rheinisch. Vom Kloster gesondert zu bezahlen war, was an Fundamenten tiefer als sieben Schuh oder an Pfählen notwendig wurde. "Hinten an den Chor (war) die Sakristey mit einem Zimmer ober der Sakristey für die Religiösen, welche bei der Wallfahrt dienen mußten, zur Kommlichkeit (Bequemlichkeit) aufzuführen" (Stöber 142 f.). Meister Ulrich Schrotz von Münchweier macht die Steinhauerarbeiten für die neuen Querschiffgiebel. Der Steinhauer Antoni Mohr erneuert die Werksteinarchitektur des Westgiebels, z. B. die Obelisken; für die neuen Portale liefert er die Steine zu Gewänden und Säulen, Gesimsen und Friesen und die Stufen (Hacker 28 f.; StAF).

Der neue Westgiebel, bei dessen nachschaffender Veränderung (Zapfen statt Kreuz auf der Spitze, neue Voluten und Obelisken in den leicht geänderten Geschossen, eine die Fläche gliedernde und streckende Mittellisene) Salzmann wohl weniger freie Hand hatte, steht zurück hinter den sicher komponierten Querschiffgiebeln. Hacker weist hin auf die "von Salzmann selbständig geformten Gliederungen der Einzelteile, die von denen der Altkirche grundlegend abweichen" (Hacker 77), auf die abgerundeten Flachpfeiler an den Ecken, deren "zarte Flächigkeit einen sehr glücklichen Anschluß, eine gute Verbindung des Quer- und Längsschiffs" vermitteln (Hacker 88). - Die Pilasterkapitäle dieser Querschiffrandpfeiler kehren wieder in Akanthuswerk der Stuckkapitäle des Freiburger Meisters Franz Anton Vogel im Innern.

Bei in Länge und Breite fast unverändertem Grundriß verschwanden mit den alten Seitenmauern die Einbauten. Dornblüet und Salzmann ersetzten sie durch eine flache Querschiffanlage (die aber vorwiegend nach außen in Erscheinung tritt). Das neue Querschiff, die eingreifendste Neuerung Salzmanns, hat vier große Eingänge, die von den zweigeteilten Giebeln hervorgehoben werden. Hacker stellt sich vor, daß sie (wie vermutlich auch die entsprechenden vier Portale im ersten Bau) als Durchlässe für quer durch die Kirche ziehende Prozessionen gedacht waren (17).

Südlicher Querschiffgiebel
Südlicher Querschiffgiebel

Wir wissen, welch große Rolle Prozessionen in der Klosterzeit (nicht nur bei der Wallfahrt) gespielt haben. Nach der Aussage der Verkündbücher (PfA) gab es "in allhiesiger Herrschaft" zwanzig gebotene Feiertage, von denen die meisten schon damals in St. Landelin begangen wurden. Immer gehörte zum Ablauf eine feierliche, in St. Landelin stattfindende Prozession mit dem Allerheiligsten, zum Landelinsfest sogar zwei. Zusätzlich kamen zur Wallfahrtskirche Prozessionen und Bittgänge am Markustag und in der ersten Maiwoche, auch auswärtige von Schweighausen, Dörlinbach, Wittelbach, Münchweier und Wallburg, bis 1779 auch von Ringsheim.

Durch das neue Querschiff wurde die Stellung der Fenster verändert: die drei westlichen Fensterachsen wurden enger gestellt, die drei im Querschiffbereich und im westlichen Chor auseinander gerückt. Fünf Fenster liegen auf jeder Seite des Schiffs, drei auf jeder des Chors; mit den zweien auf der Westgiebelseite kommt Licht aus achtzehn Fenstern in den Raum.

Westportal mit dem Klosterwappen.
Westportal mit dem Klosterwappen.

Die hohe Lage der Fenster bewirkt auch heute noch, wie es schon im Bau von Maurus Geiger gewesen sein muß, den besonderen Eindruck des vom hohen Licht erfüllten breiten, hellen Saals. Eine unverwechselbare Stimmung macht diesen Innenraum zum schönsten im Umkreis, unvergeßlich, wenn die Festlichkeit der heiteren Ausstattung sich erhöht in der Musik der sommerlichen Konzerte und die barocke Raumidee des "himmlischen Jerusalems" einleuchtend wird.

Der Umbau von St. Landelin ermöglichte die erste große künstlerische Verwirklichung des seit 1759 fest ans Kloster gebundenen Bildhauerbruders Egidi Butsch (18), der nach Stöbers Zeugnis alle "aus dem Stein geschlagene Bildhauerarbeit" am Außenbau, "ebenso wie die steinerne Statue des Heiligen über dem Brunnen" und im Innern die "Altäre und Gitter" geschaffen hat (19). Innen kommt noch die Kanzel von P. Schwab hinzu; mit dem Gitter ist das schön geschwungene der Empore gemeint, ein Meisterwerk durchbrochener, klingender Leichtigkeit, heute vortrefflich mit seinem Orgelprospekt zusammenstimmend, der ja erst vierzig Jahre später aus der Klosterkirche herüberkam.

Die heutigen, stattlichen Altäre, von Stöber ausdrücklich als Butschens Werk genannt, dürften um 1777, als die älteren Seitenaltäre nach Schweighausen weggegeben wurden, bald nach dem Amtsantritt von Abt Fluem (1774), von seiner Werkstatt gearbeitet worden sein. Nach einer Bemerkung Bulffers (79) standen sie 1781. Von der Ausstattung des alten Gengenbacher Altars wurden die Figuren der hll. Petrus und Paulus (von Bildhauerbruder Paulus Schramm) mit auf den neuen Hochaltar hinübergenommen (20).

Nach dem Kontrakt hatten "dem Bildhauer" Butsch am Außenbau die Steinhauer Schrotz und Mohr die Steine vorzurichten und die Gerüste aufzustellen. Der Aufriß der kraftvollen Querschiffgiebel und der Seitenportale verrät Salzmanns Hand. Neu sind aber auch die Westportale (mit dem Klosterwappen, der sitzenden Maria, links und dem Rosenwappen Abt Dornblüets rechts) und die Altantür. Man wird, besonders bei der Altantür, ebenfalls an den Architekten zu denken haben; bei den Westportalen fällt eine stärkere Verwandtschaft mit den reichen architektonischen Aufbauten von Butschens Altären und seinen für die Klosterkirche geschaffenen Beichtstühlen auf. Die Quellen schweigen leider über die Abgrenzung der Anteile beider am Umbau von St. Landelin beteiligten Künstler.

Auf Moraths Hochaltargemälde der Verklärung Landelins gewahrt man die Kirche, wie sie sich gleich nach dem Umbau darstellte: der Brunnenaltan ist nicht mehr überdacht, über dem neuen Altanportal steht schon die Landelinsfigur von Butsch.

"(Abt Augustin) hat auch innerlich diese Kirche mit niedlicher Stokador Arbeit von Vogel einem berühmten Meister von Freyburg ausschmücken, und in derselben durch den berühmten Mahler Morat von St: Blasien das Leben und Marter Tod des heil. Landelins in fresco wie auch das Altar Blatt des hohen Altars, und die Bildniß des heil Landelins in dem Brunnen (vor 1891 verlorengegangen) mahlen lassen" (Stöber 143).

Die Deckenbilder Anton Moraths, die bei der letzten Restauration 1962 leider allzusehr übermalt wurden, erzählen die Geschichte Landelins. Drei Deckenfelder enthalten große gemalte Spiegel, der "mittlere quer, die anderen beiden längs im Schiff". Kleinere Spiegel mit einfarbigen Bildern "liegen zwischen den Stichkappen und machen so die Bewegungen des langen Schiffes mit" (Hacker 96).

Das erste Hauptbild (bei der Orgelempore) zeigt Landelin vor seiner Hütte mit den Tieren; der Jäger von der Gisenburg bedroht ihn. Das zweite große Hauptbild in der Mitte: Landelin wird enthauptet.

Blick in den Chorraum von St. Landelin.
Blick in den Chorraum von St. Landelin.

Das dritte Hauptbild im Chor schildert die Auffindung des Leichnams und die Heilung der blinden Tochter; der Jäger entflieht; vorzüglich das Oval der in einem strenggefügten, rituellen Trauertanz erstarrten Hände und Leiber.

Die zehn Nebenbilder im Langhaus sind von hinten, vom Eingang her, nach vorn hin zu betrachten; rechts beginnend, nach links wechselnd, und so fort: 1. Landelin legt die Zeichen fürstlicher Herkunft ab und verläßt im Pilgergewand seine Heimat Irland. - 2. Landelin fährt übers Meer. - 3. Landelin in Altdorf bei der Familie Edulfs. Der dortige Landelinsbrunnen. - 4. Landelin trennt sich von Edulfs Familie. - 5. Landelin hat am Lautenbach eine Hütte gebaut. Der Jäger wird zur Jagd ausgeschickt. - 6. Landelin und die Tiere. Der Jäger meldet seinem heidnischen Herrn Landelins Erscheinen. - 7. Landelin sieht eine Vision am Himmel: ein Schwert (das Martyrium), einen Zweig und eine Krone (den himmlischen Lohn). - 8. Landelin in Betrachtung, mit Totenkopf und aufgeschlagenem Buch. - 9. Der Jäger beschuldigt Landelin. - 10. Landelin vor seiner Hütte. Der Jäger kommt im Hintergrund, zieht das Schwert.

Die vier Nebenbilder im Chor sind vom Altar aus, zum Schiff hinschauend und wieder mit rechts beginnend, anzusehen: 1. Edulf und seine Töchter tragen den Leichnam fort. Eine Tochter trägt den abgeschlagenen Kopf voran. - 2. Das Ochsengespann bringt den Leichnam nicht mehr fort: Landelin soll in Münchweier begraben werden. - 3. Beisetzung Landelins. - 4. Der ins Grab gesteckte Pilgerstab des Heiligen beginnt zu grünen.

Morath hatte auch die Göttlichen Tugenden im großen Bild hinter der Orgel und den beiden kleinen über Mittel- und Chorbogen darzustellen. Das Emporenbild (durch die große Orgel aus der anderen Kirche verdeckt und schlecht erhalten) bildet in einem allegorischen Miteinander die Musik im Lob des Glaubens ab, der Glaube als weibliche Figur (Fides) mit ihren Attributen: dem Kreuz in der linken, dem Kelch mit der strahlenden Hostie in der rechten Hand, der Flamme über dem Scheitel, dem Kirchenmodell links oben. In der Höhe erscheint neben dem Posaunenengel das Dreieck mit dem Gottesnamen Jahwe. Der Hohepriester des Alten Bundes, das Rauchfaß in der Hand, trägt die Hornmitra mit Stirnplatte und die Brusttasche mit den zwölf Edelsteinen; er hat andere Priester neben sich, die gebogene Hörner blasen und rechts unten auch König David mit der Harfe.

Landelin fährt üben Meer.
Landelin fährt üben Meer.


Landelin in Altdorf bei Edulfs Familie.
Landelin in Altdorf bei Edulfs Familie.


Der Jäger bedroht Landelin.
Der Jäger bedroht Landelin.


Landelins Pilgerstab beginnt zu grünen.
Landelins Pilgerstab beginnt zu grünen.

Links spielen Engel auf der Geige und einem größeren Streichinstrument. - Auf dem kleinen Bild der Hoffnung tragen zwei Putten einen großen Anker, auf dem der Liebe zwei andere brennende Herzen.

"Im Jahre 1765 am 1 ten May wurde Morgens um 5 Uhr die erste heil. Messe in dieser erneuerten Kirche des heil. Landelins gehalten. Auf das Fest dieses Heiligen war sie ganz fertig, und an demselben der Gottesdienst wieder feyerlich das erstemal darinn gehalten" (Stöber 143).

5. St. Landelin wird Pfarrkirche (1804)

Schon in früher Zeit hat es innerhalb der Ringmauern des alten Klosters eine besondere, dem hl. Petrus geweihte Pfarrkirche gegeben; in der Nähe lag auch der (erst 1666 in die Nähe von St. Landelin verlegte) Friedhof der Gemeinde. 1132 wurde im Turm dieser Pfarrkirche eine Kapelle zu Ehren des hl. Cyriacus geweiht. Auch im päpstlichen Privileg von 1226 wird die Kirche erwähnt. 1525 wurde sie von den aufständischen Bauern verbrannt, und seither war die Klosterkirche auch Münstertäler Pfarrkirche gewesen.

Nach der Aufhebung des Klosters wurde am 8. Februar 1804 durch Beschluß des Karlsruher Geheimen Ratskollegiums St. Landelin zur Pfarrkirche erhoben. Am 16. Dezember 1803 war der Physikus Dr. Adam Schmith, der letzte Klosterarzt (mit der Schwester Rosalie von Abt Häusler verheiratet) gestorben. Man erreichte in Karlsruhe, daß das bei der neuen Pfarrkirche gelegene, von Abt Fluem erbaute Physikatshaus als Pfarrhaus übernommen wurde und der Pfarrer aus dem Kloster hierherziehen konnte. Es war Bernhard Stöber, unser Chronist, der Sohn des älteren, der Bruder des jüngeren Malers Stöber, der Neffe von Abt Fluem. Alt, kränklich und verbittert über die neue Lage der Dinge bat er schon im März 1804 um Entlassung aus dem Pfarrdienst. Anfang Mai wurde sein Neffe P. Peter Kleinhans († 1818) (21) sein Nachfolger.

Die Versetzung der Pfarrkirche geschah auch deshalb, weil die gerade im Kloster eingerichtete Zichorienfabrik des Lahrer Handelsmanns Wunderlich nicht gestört werden sollte. Die Gemeinde zog aber auch St. Landelin, das günstiger lag und "niedlicher verziert" war, vor und ließ sich den eiligen, zugreifenden Umzug insgesamt 500 Gulden kosten, "weil man im Verzögerungsfall fürchten mußte alles zu verlieren".

Beichtstuhl aus der alten Klosterkirche (Bruder Egidi Butsch).
Beichtstuhl aus der alten Klosterkirche (Bruder Egidi Butsch).

Im Mai 1804 wurde die Orgel geholt, auch die Paramente und "übrigen Kirchengerätschaften, Taufstein etc. sogar das prächtige eiserne Chorgitter und messingene Leuchter". Anfang Juni ließ Kleinhans nach Rücksprache mit den Ortsvorgesetzten drei von den Klosterglocken "ganz in der Stille vom Thurm abnehmen und einstweilen, da wir noch keinen Glockenturm dahier haben, in die Landelinskirche in Verwahrung bringen, alles nach dem Grundsatze: Wer lange fragt geht irre" (22).

Die neue Pfarrkirche erhielt 1804 aus der Klosterkirche: die Silbermann-Orgel, das eiserne Chorgitter, einiges Chorgestühl, vier Beichtstühle, alle Bänke, drei Glocken, alle Paramente und liturgischen Gefäße (außer wertvollen Einzelstücken), das Reliquiar der Prinzessin von Baden, die Kreuzpartikel, den Taufstein und endgültig die Landelinsbüste.

Das Chorgitter, "das große eiserne Geländer mit Laubwerk" (PfA) vom Unteren Chor der Klosterkirche (dort offenbar anders zusammengesetzt), hatte Abt Dornblüet anfertigen lassen; der Meister der exzellenten Schmiedearbeit ist nicht bekannt. Das Chorgestühl und die vier prächtigen Beichtstühle (jetzt alle im Chor) sind Werke von Butsch (die in den Ecken vielleicht von seinem Nachfolger Petrus Hauger); auf einem findet sich sein Selbstporträt, der "Schwarze Putto". Bei der Restauration 1962 wurden sie abgelaugt und ihnen ihre ursprüngliche Tönung wiedergegeben. Als beliebte Symbole der Buße trägt einer das Bild des Petrus mit dem Hahn der Verleugnung, der andere gegenüber die büßende Maria Magdalena in der Wüste (in einer Mauerruine), kniend vor einem kleinen Kruzifix, mit an die Fußwaschung des Herrn erinnerndem, aufgelöstem Haar. Die Bänke der Klosterkirche ersetzten jetzt die älteren von St. Landelin, die 1807 als Geschenk des Großherzogs in die neuerbaute evangelische Kirche von Tutschfelden kamen (teilweise erhalten). (23) Die große Glocke der Klosterkirche (1767 von Edel in Straßburg gegossen) blieb vorerst im Turm und diente zusammen mit der Turmuhr zweckentfremdet dem Fabrikbetrieb. 1813 gelangte sie nach Grafenhausen. Von den drei Glocken, die nach St. Landelin kamen (eine große von 1727 und zwei kleinere), dort aber gar nicht aufgehängt werden konnten, war 1856, als drei neue Glocken angeschafft wurden, eine noch brauchbar. Im Ersten Weltkrieg 1917 und wieder im Zweiten Weltkrieg wurden die Glocken geopfert; seit 1954 gibt es ein neues Geläut. Die meisten Paramente und Gefäße hat St. Landelin (noch 1849 wurden 15 Meßgewänder, 14 Stolen u. a. an das Kapitel Lahr abgegeben) aus dem Klosterfundus erhalten. Schon im Februar 1804 waren aber an das Depot der Kirchenkommission in Bruchsal abgeliefert worden: die große Monstranz, die Eck 1721 in Schaffhausen bestellt hatte, ein großer Kelch, mehrere Kännchen und drei Ornate; der Verbleib ist unbekannt. Die Sakristei der Kirche verwahrt heute noch aus Klosterbesitz außer kostbaren Gewändern u. a. eine Monstranz (1739 von Eck in Wien gekauft) und drei Kelche.

Der Prinzessin Elisabeth von Baden-Baden (1726-89), bis 1785 in Riegel residierend, hatte Papst Clemens XIII. ein Reliquiar-Gehäuse mit dem "Haupt der hl. Jungfrau Christina" und anderen Reliquien geschenkt. Die Prinzessin, wie das Kloster Teilherrin von Riegel, vermachte das Heiligtum dem Abt Fluem, der es im Klosterkirchenchor auf einem Altar hinter dem Hochaltar verwahrte. Lichtmeß 1804 gelangte es zusammen mit einer Kreuzpartikel nach St. Landelin, wo es seitdem im Chor auf der Evangelienseite hängt. Der Taufstein aus der Taufkapelle der Klosterkirche trägt das Wappen von Abt Maurus Geiger, dessen Wappenvogel Strauß auch am schmiedeeisernen Osterkerzenleuchter zu finden ist.

Detail vom Chorgitter.
Detail vom Chorgitter.


Bauaufnahme Bezirksbauinspektion Offenburg (um 1990).
Bauaufnahme Bezirksbauinspektion Offenburg (um 1990).

Die Landelinsbüste, gerade mit Not der Unvernunft der Säkularisierer entgangen, ursprünglich in der Klosterkirche aufbewahrt, ist bis heute der größte Schatz der neuen Pfarrkirche. Das spätgotische Brustbild des Titelheiligen mit der Schädelreliquie stand seit je im Zentrum der Verehrung. Zu Klosterzeiten wurde es (getrennt davon der Kiefer des Märtyrers) jährlich am Vorabend des 21. Septembers in Prozession von der Klosterkirche nach St. Landelin getragen und blieb dort auf dem Hochaltar bei brennenden Kerzen ausgesetzt bis nach der Vesper am Feiertag. Die Prozession ging dann wieder zurück in die Klosterkirche, wo die Hirnschale "dem Volke zu küssen gegeben wurde" (Stöber 79). Diese Prozession mit dem Haupt nach St. Landelin geschah aber auch, nach Bedarf und mit besonderer Erlaubnis, um Gefahren des Wetters und der Seuchen abzuwenden.

landelinrelique
Foto: Bild- und Fotostelle der Erzdiözese Freiburg - Christoph Hoppe

Der badische Staat hatte mit der Säkularisation die Baupflicht für St. Landelin übernommen, versuchte aber, die Gemeinde für die Erhaltung des Langhauses pflichtig zu machen. Es gab in den nächsten Jahrzehnten Streit deswegen, und erst das Hofkammergericht entschied 1846 im Sinne der Baupflicht des Domänenärars. (24)

Auch machte der fehlende Turm Sorgen. Vor 1826 mußte der alte, baufällige Dachreiter abgenommen werden. Die Gemeinde bat um einen neuen Dachreiter oder Turm, hat dann aber an der Ostseite einen Notturm aus einer sechs Schuh hohen Basis, zwei Stockwerken mit hölzernen Wänden und einem Ziegeldach gebaut, um dort eher notdürftig die drei Glocken aufhängen zu können. 1827 kam auch die Klosteruhr nach St. Landelin; sie mußte vorerst in der Sakristei bleiben (EAF/StAF). 1858 erwarb sie die Kirche in Schuttern, und 1905 wurde sie von der Firma Benedikt Schneider in Schonach übernommen (nicht erhalten), als diese eine neue Uhr für Schuttern lieferte (StAF).

6. Baurat Fischers Turmanbau (1855 - 57)

1849 beschloß der Staat endlich den Neubau eines Turmes. (25) Die erste Planung lag in der Hand des Offenburger Bauinspektors Bartholomäus Weber. Weber hätte gern den Turm an die Westseite gestellt und dafür die Brunnenkapelle, das eigentliche Herzstück der Kirche, beseitigt, erkannte aber die Probleme im heiklen Baugrund und der Verehrung des Volkes und machte dann drei, die Lage der Sakristei in verschiedener Weise lösende Vorschläge für eine Stellung am Chorende. Hierüber erstellte der einflußreiche Karlsruher Baurat und Weinbrennerschüler Friedrich Fischer 1851 ein Gutachten, in dem er einen Anbau über der Sakristei an der Schmalseite des Chores empfahl. Unten sollte die (neue) Sakristei sein, darüber die Paramentenkammer, darüber der Läuteboden. Eine Skizze legte er bei. Genaue Pläne, die die Bezirksinspektion aus seiner Skizze erarbeitete, wurden 1853 von Fischer abgelehnt. Bei Webers "Mangel an Theilnahme für diese für einen Baukünstler sehr interessante Aufgabe" blieb Fischer nur die Wahl, im nächsten Jahr eigene Pläne vorzulegen.(26)

Die Maße für seinen neuen Turm entnahm Fischer den Maßen der vorhandenen Kirche: Der untere Stock so hoch wie das Kirchenschiff; der mittlere, ins Achteck gehende so hoch wie die Giebelspitzen am Dach; der dritte so hoch wie der mittlere; Helm, Laterne und Pyramide so hoch wie Schiff und Dach zusammen. Die Formen von Helm, Laterne, Gesimsen und Lisenen glich er, puristisch vereinfacht, dem Stil der Kirche an(27); nur seien "die diesem Style eigenen Übertreibungen und Überladungen zu vermeiden".

Im Januar 1855 wurde die Bauvorlage genehmigt. Der Anschlag der Gesamtkosten lautete auf 12.774 Gulden 46 Kreuzer. Der Notturm wurde vor Baubeginn abgerissen, der Glockenstuhl wieder verwandt. Das Turmfundament wurde 11 1/2 Fuß (3,45 Meter) tief geführt; man stellte dabei fest, daß das Fundament der älteren Chormauern nur fünf Fuß (1,50 Meter) unter die Erde reichte. Im Oktober 1856 war der Turm unter Dach, im Frühjahr 1857 war er fertig.

Über Fischers Turm bleibt Hackers Urteil gültig: "So sorgfältig und handwerklich einwandfrei auch die Ausführung dieses Turmanbaues ist, man hätte den Turm der Kirche nicht anfügen sollen" (Hacker 77). Trotz der lustlos übernommenen barocken Einzelformen hat Fischer "im Geist der Romantik einen gotisch empfundenen", "schlanken und steifen", neugotischen Turm gebaut, dessen Anbau "im Grundcharakter gegen die Eigenart des Kirchenkörpers" verstößt. "Durch diesen Turmanbau ging die Eigenart der Kirche, die sie von Anfang hatte und die ihr auch durch den Umbau Salzmanns nicht zerstört worden war, verloren." Der Anbau, inzwischen auch schon 130 Jahre alt und in der jüngsten Restauration entsprechend liebevoll behandelt, ist ein Produkt seiner Zeit, die sich solche einschneidenden, "verbessernden" Eingriffe gerade auch bei der ihr wesensfremden barocken Bausubstanz allezeit ohne weiteres zugetraut hat.

Erst einige Jahre vor 1893 kam noch ein wertvolles Stück der heutigen Ausstattung in die Kirche: Pfarrer Gehri kaufte von Pfarrer Riegel von Munzingen die von Simon Göser gemalten vierzehn Kreuzwegstationen aus der dortigen Kirche.

Anmerkungen (s. u.)
 
Quellen und Literatur:

Bulffer P. Gervasius Bulffer, Archivum Manuale. Band III. 1781. Handschr. PfA Ettenheimmünster.
EAF Erzbischöfliches Archiv Freiburg: Finanzkammer 5799.
Geiger P. Maurus Geiger, Leben und Miracul des Heiligen Märtyrers und Lands = Patronen Landelini. (Druck) 1682.
GLA Generallandesarchiv Karlsruhe: Abt. 65/201 f., 87/5.
Hacker Adolf Hacker, Ettenheimmünster. Seine Baugeschichte. Ein Beitrag zur Geschichte des Barocks am Oberrhein. Würzburg: Konrad Triltsch 1938. (Ingenieurdissertation). - Hacker hat das Material im GLA vollständig und genau verarbeitet und ist nur in Einzelheiten durch das ihm unzugängliche PfA zu berichtigen und zu ergänzen.
PfA Katholisches Pfarrarchiv Ettenheimmünster: Inventar D 9, Registratur 9 und 13.
StAF Staatsarchiv Freiburg: Forst- und Domänendirektion 583, 693 f. und 842.
Stöber Kurze Historische Beschreibung der Pfarrey Münsterthal bei St. Landelin (...) verfasset von P: Bernard Stöber (...). 1804. Handschr. PfA Ettenheimmünster.
Uttenweiler Bernhard Uttenweiler, Landelinus-Ikonographie. - In: J. Rest, M. Barth, B. Uttenweiler: Aufsätze zur Geschichte der südlichen Ortenau und zum Kult des hl. Landelin von Ettenheimmünster. Ettenheim 1986. S. 159-303.
Will P. Carolus Will, Neu Auffgerichtes Jahr=Buch Wahrhaffter Zufällen (...) 1728. Handschr. aus Klosterbesitz. Badische Landesbibliothek Karlsruhe.

Im Zusammenhang mit der Landelinskirche genannte Äbte:

Laurentius H. Effinger, aus Villingen, Abt 4. 7. 1500, gest. 21.6.1544.
Christophorus II. Heubler, aus Engen, Prior im Kloster Schuttern, gewählt 12.6.1608, gest. 31.10.1623.
Kaspar Geiger, aus Engen, Profeß 1615, Abt 12. 11. 1623, 1633 von den Schweden festgenommen, gest. 23.8.1634 Ettenheim.
Franciscus Hertemtein, geb. 7.12.1611 Rorschach/Schweiz, Subprior in St. Gallen, Abt von Ettenheimmünster seit 8.7.1653, gest. 1.11.1686.
Maurus Geiger, geb. 1.1.1642 Rorschach, Abt 15.11.1686, gest. 3.7.1704.
Paulus Vogler, aus Engen, Abt 11.8.1704, gest. 21.2.1710.
Johann Baptist Eck, geb. 4.5.1679 Freiburg, Profeß 1697, Abt 3.3.1710, gest. 24.4.1740 Wien.
Augustin Dornblüet (Dornblueth), geb. 18.7.1705 Gengenbach, Profeß 1726, Abt 17.5.1740, resigniert 15.11.1774, gest. 26.10.1775.
Landelin Fluem, geb. 6.10.1724 Schuttern, Profeß 1743, Abt 16.11.1774, gest. 2.6.1793.

Baumeister, Künstler und Bauhandwerker:

Br. Aegidius (Egidi) (vorher: Callistus) Butsch, Bildhauer, geb. 20.10.1725 Fridingen a. d. Donau, Laienbruder in Ettenheimmünster (Profeß 1759), gest. 13.3.1785.
Christophorus, Joseph, Stukkateur, vermutlich aus der in Roveredo / Graubünden belegten Sippe de Christophoris oder Cristoforis.
Meister Clauß von Münchweier. Nicht im Ortssippenbuch M. 1961/77.
Fischer, Friedrich, Architekt, geb. 3.9.1803 Karlsruhe, seit 1817 Schüler Weinbrenners, seit 1835 Bauinspektor, seit 1864 Baudirektor in Karlsruhe, zahlreiche Kirchen und Nutzbauten, gest. 14.11.1867.
Göser, Simon, frühklassizist. Maler in Freiburg, geb. 26.10.1735 Gospoldshofen / Bad Wurzach, seit 1770 in Freiburg eingebürgert, zahlreiche Werke im Breisgau (St. Peter), gest. 31.3.1816.
Mohr, Antoni, Steinhauer, aus Vorarlberger Familie, heiratet 1767 in Ettenheimmünster, hier gest. 28.8.1771.
Morath, Anton, Maler, geb. 3.1.1718 bei St. Blasien, Arbeiten im Dienst oder durch Vermittlung des Klosters St. Blasien, gest. 5.9.1783.
Regutz (Ragutz), Johann, aus einer in Obernai / Unterelsaß hängengebliebenen Maurerfamilie Regutz (Regitz, Ragutz, Ragotzi, Ragoutzi). Die graubündnerische Baumeisterfamilie Regozzi, Regucio stammt aus Roveredo, nordöstl. Bellinzona (der Name ist der älteste Familienname Roveredos). 1678 stukkieren Johann und Albert Regozzi die Decke in der Frauenkirche von Rankweil; Johann Ragutz ist 1692 in Ebersmünster tätig; Albert Regitz (Raguzzi) arbeitet nach 1700 in der Abtei Altorf / Unterelsaß und ist in Obernai in den Rechnungen häufig genannt. (Mitt. H. Brommer.)
Ritz, Jakob, Steinhauer, aus der Herrschaft Blumeck, Bürger von Münchweier, heiratet 1688 Katharina Schneider, gest. 27.6.1710. (Ortssippenbuch M. Nr. 1583.)
Salzmann, Franz Joseph, Fürst!. Fürstenbergischer Baudirektor in Donaueschingen, geb. 9.3.1724 Meßkirch, viele Kirchenbauten und -umbauten sowie weltliche Bauten im F. F. Gebiet, 1768-74 Bauleitung in St. Blasien, 1768-72 in Ettenheim, gest. 2.5.1786.
Br. Paulus (vorher: Johann Baptist) Schramm, Bildhauer, geb. Nimschütz / Obere Lausitz 10.3.1700, Laienbruder in Ettenheimmünster (Profeß 1739), gest. 1.3.1755.
Schro(t)z, Ulrich, Steinhauer, in Münchweier verheiratet, gest. 11.3.1784. (Ortssippenbuch M. Nr. 1684.)
Vogel, Franz Anton, Stukkateur und Marmorierer in Freiburg, geb. 5.12.1720 Wessobrunn, 1747 Heirat und Einbürgerung m Freiburg, zahlreiche Arbeiten m der näheren und weiteren Umgebung, gest. 18.6.1777.
Vogel, (Franz) Joseph, stark beschäftigter Stukkateur in Freiburg, geb. 1684, mit Franz Anton nicht verwandt, gest. 29.5.1756.


Bauaufnahme ca. 1900.
Bauaufnahme ca. 1900.

Zeichnung der Kirche des hl. Märtyrers Landelin, von dem Hochw. Herrn Abt Maurus von Ettenheimmünster neu erbaut im Jahre des Herrn 1698. (In: P. C. Will, Album seu Catalogus Abbatum. Handschr. 1728 ff. Eingelegt.)

Plan 1698
Plan 1698

Erklärung der Buchstaben, die in dieser Planzeichnung vorkommen

A Eingänge
B Treppen
C Stufen zu den Altären, zur inneren und äußeren Kirche und zur Kapelle, dem Ort der Enthauptung
D Schiff
E Unterer Chor
F Oberer Chor
G Altäre
H Sakristeien
I Fenster
K Säulensockel des Musikchors
L Altar der besagten Kapelle
M Ort der heiligen Quellen und ihre Lage
N Musikchor


Anmerkungen:
1.) Vita S. Landelini, hrsg. von J. Van der Straeten: Analecta Bollandiana 73 (1955) S. 104.
2.) M. Barth: Freiburger Diözesan-Archiv 75 (1955) S. 232.
3.) Leben des Abtes Franz Hertenstein (...). Quellensammlung d. bad. Landesgesch. 4,1 (1867) S. 185.
4.) Der vertiefte Boden und die Treppenzugänge sind nicht erst 1765, wie Hacker (87) meint, geschaffen worden. Es gab allerdings später immer wieder Änderungen im Niveau und im Plattenbelag.
5.) Klagen deswegen sind öfters, z. B. 1823 und bis in die Gegenwart, belegt (PfA).
6.) GLA 67/597, f. 13f.
7.) P. Arbogast Arnold, Annotatio memorialis Der Jahr Zeitten (...). 1648 (u. Nachträge). Handschr. Privatbesitz.
8.) Acta Capitularia. Kapitelsprotokolle aus den Jahren 1653-1698. PfA Ettenheimmünster.
9.) Stöber weiß davon, daß Abt Christophorus II. Heubler (1608-1623) den Meierhof und die zwei Häuser des Klosters, die unweit der Landelinskirche "von uralten Zeiten her" zur Bewirtung der Wallfahrer bestimmt gewesen seien, wieder herrichten ließ, nachdem sie der lutherische Straßburger Bischof Johann Georg von Brandenburg dem Zweck entzogen hatte (Stöber 100). Eins der Häuser soll dann beim Einfall der Schweden ins Kloster (1633) verbrannt worden sein (Stöber 110).
10.) Über die Kontrakte aus dem Jahr 1684 mit Meister Johannes Tränkle von Münchweier vgl. Hacker 30.
11.) 1686 wurde auch der alte Markus-Jahrmarkt von Münchweier nach St. Landelin verlegt.
12.) P. Bernhard Mugg hat das "Elend dieser Zeit" in den Kapitelsprotokollen geschildert; Übersetzung im "Geroldsecker Land" 29 (1987) S. 55-61.
13.) Bei der Neuverlegung des Plattenbodens wurden im Sommer 1983 Fundamentmauern der Sakristeianbauten angeschnitten.
14.) GLA 61/5734 und 65/229.
15.) Prior C. Will, Album seu Catalogus (...). 1728. Handschr. Hist. Verein Ettenheim, S. 215.
16.) Acta Capitularia (...) 1732-1774. Handschr. PfA Ettenheimmünster.
17.) Hacker meint, "daß der Bauherr später den Sinn der Anlage nicht mehr verstanden zu haben scheint", als er seinem Klosterbildhauer den Auftrag gab, Beichtstühle in die Eingangsnischen zu stellen. Diese Beichtstühle kamen aber erst 1804 aus der Klosterkirche herüber. Am Platz in den Nischen werden sie schon 1835 erwähnt (PfA). Die neueste Restauration hat die beiden verstellten Eingänge wieder freigemacht.
18.) Über ihn: Geroldsecker Land 27 (1985) S. 91-100.
19.) B. Stoeber, Monasterium Ettonis (...). 1802. Handschr. PfA Ettenheimmünster, S. 330.
20.) Hacker hält die neuen Altäre für zu groß und unbescheiden; sie verdürben den Blick auf die wichtige Zone der Stuckkapitäle (Hacker 86). Richtig ist, daß sie um einiges später in die Kirche hineinkamen und nicht aus Salzmanns strengerer Baugesinnung geschaffen wurden.
21.) Grabstein, mit eiserner Urne, auf dem Alten Friedhof.
22.) Tag-Buch der Pfarrey Münsterthal des Pfarrers Kleinhanß zu St. Landelin. 1803 ff. PfA Ettenheimmünster.
23.) Stoeber, Monasterium S. 222.
24.) Das Eigentum an der Kirche ist bis heute zwischen Staat und Kirchengemeinde strittig.
25.) Das Folgende nach Hacker und den Faszikeln 693 f. (Domänendirektion) des StAF.
26.) Baupläne Fischers zum Turm: GLA, Abt. G/Ettenheimmünster 9 - 14. Eine Zeichnung des Turms: StAF, Fasz. 694.
27.) Vgl. die Abb. 31 bei Hacker.


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