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Die Burg Hausach von Karlleopold Hitzfeld, Die Ortenau 1967, S. 112 ff.


Bei der Gunst von Hausachs örtlicher Lage vor der Talgabelung Kinzigtal - Gutachral scheint es uns heutigen Menschen schwer verständlich, daß die Stadt Hausach bis jetzt nicht zu größerer Bedeutung gelangt ist. Es ist letztlich immer noch die Auswirkung der zeitlich späteren Besiedlung als die der Räume Schiltach und Wolfach, dies wegen der damals abgelegenen Stelle an der Grenze des Westergaus (Baar, später Grafschaft Sulz).

Die Hausacher Burg nach der Freilegung. Anblick von Nord-Westen
Die Hausacher Burg nach der Freilegung. Anblick von Nord-Westen

Die Hausacher Gegend ist erst im 11. Jahrhundert bevölkert worden, gehörte zuvor zum Waldgebiet des Gaues, wurde offenbar im Zuge einer Gebietsteilung der Herren von Wolfach an einen jüngeren Bruder des Wolfachers gegeben als für sich bestehende, selbständige Herrschaft Husen. Vielleicht war der erste Herr dieses neuen Herrschaftsgebietes jener Freiherr Heinrich von Husen, der 1086 erwähnt wird. Hauptort der neuen, freilich sehr kleinen Herrschaft Husen war Huserbach (heute Hauserbach).

*) Zugleich verbesserte Bearbeitung des gleichen Artikels im Burgenbuch "Ortenau 1934".

Eine Bedeutung hatte die neue Herrschaft zunächst nur dadurch, daß die alte Kinzigtal-Handelsstraße hier durchzog, welche Rottweil über Schiltach-Wolfach mit Straßburg und dem Rheintal verband. Das Geleitsrecht und die daraus fließenden Gebühren mußten dem neuen Grundherrn einen merklichen Teil seines Einkommens erbringen. Um dieses Amt gebührend ausüben zu können, brauchte der Grundherr einen geeigneten Wohnsitz in der Nähe dieser Handelsstraße. Dafür bot sich ihm die gegen Huserbach zu sanft ins Tal auslaufende Bergrippe des Farrenkopfmassivs an.

Das neue Berghaus erstand wohl gegen Ende des 11. Jahrhunderts im Fachwerkbau auf gemauertem Unterbau und zeigte für jene Zeit deutlich genug an, daß dies nur als vorläufiger Bau gedacht war. Die erstmalige, aber reichlich späte Nachricht darüber stammt von 1296. Allein zu einem adeligen Steinbau sollte es erst nach Jahrhunderten kommen. Das Haus wurde Burg Husen genannt.

Der bisher immer wieder für unser Hausach in Anspruch genommene Minnesänger Friedrich von Husen, ein Mitstreiter des Kaisers Barbarossa auf seinem Kreuzzug, gehörte nachgewiesenermaßen einem gleichnamigen, rheinischen Geschlecht aus der Gegend von Worms an. Da in der Chronik des Straßburgers Ellenhard 1246 eine Burg Husen genannt wird, hat man unbedenklich unser Hausach dafür angesehen und als erste Erwähnung unserer Burg vermerkt. Allein es gab eben noch eine Burg Husen (heute Ober-Hausen bei Herbolzheim), und diese ist bei Ellenhard wahrscheinlich gemeint.

Es ist blutwenig, was wir aus dem ersten Zeitabschnitt der Burg und der Burgherren unseres Hausach wissen. Die Familien mußten ihren Hauptlebensunterhalt im Dienste größerer Herren suchen. Zeitweilig schenkten ihnen die Bergwerke in ihrer Herrschaft ganz schöne, zusätzliche Einkünfte.

Inzwischen war auch die Bedeutung der Burg um 1100 unversehens um einiges gewachsen, nachdem die neue Linienführung der Kinzigtäler Handelsstraße bei Hausach durchs Gutachtal gezogen worden war (dann durch das Schwanenbachtal, Krummenschiltach, St. Georgen nach Villingen, wo die Linien von der Schweiz, vom Bodensee und vom Donautal zusammentrafen).

Die alte Handelsstraße durch das obere Kinzigtal blieb mit geringerer Benützung weiterhin bestehen, so daß die Burg nunmehr den Verkehr in beiden Richtungen überwachte und auch aus den Zollstätten Einnahmen zog (Durchfahr- und Floßzölle).

Burg und Herrschaft Husen fielen im 12. Jahrhundert an die Zähringer Herzöge, nach deren Aussterben 1218 an das gräfliche Haus Urach, 1237 an die Grafen von Freiburg. Diese gründeten wohl die Stadt Husen (seit etwa 1600 Hausach genannt). Ihr Stadtrecht ist dem Freiburger Recht entlehnt, und Freiburg blieb Oberhof.

Der letzte regierende Herr dieser Familie zu Ende des 13. Jahrhunderts hatte nur zwei Töchter. Von diesen heiratete die jüngere, Verena, den Grafen Heinrich II. von Fürstenberg-Wolfach, der im nahen Wolfach residierte. Sie brachte ihm 1303 die Herrschaft Husen als Heiratsgur zu. So wurde die Burg Husen fürstenbergisch und blieb es im wesentlichen bis zu ihrer Zerstörung.

In jenen frühen Jahrhunderten waren die Burgen nicht bloß Wohn- und Amtssitz der Herrschaft, sondern sie hatten zugleich die Aufgabe, Wehranlage für die ganze abhängige Landschaft zu sein. Das Vieh, wertvolle sonstige Habe und sich selbst durften die Untertanen dort in Sicherheit bringen. Dafür verteidigten sie auch bei einem Angriff die Wehranlagen der Burg. Sie mußten auch neue Hauptbauten in der Fron erstellen helfen. Zu ihrer Ernährung mußte ein Vorrat von den Zehntabgaben, die hier fast ganz an die Herrschaft abzuliefern waren, aufbewahrt werden.

Seit die Burg ans Haus Fürstenberg gekommen war, wohnte der regierende Herr meist nicht auf Schloß Hausach, sondern im Schloß Wolfach. Wohl lag Hausach als beherrschender Punkt in der Herrschaft, aber das Schloß Wolfach lag bequemer in der Ebene und war umfangreicher, bot also auch einer zahlreichen Familie und sogar noch den Beamten Platz. Wir kennen die Hausacher Burganlage dieser Zeit nicht. Kein Bild und kein Bericht über die Größe oder ihr Aussehen ist uns überliefert. Doch müssen wir uns den Bau ziemlich bescheiden vorstellen. Zuweilen wohnten jüngere Glieder des regierenden Hauses darin, meist aber Verwalter, die die Amtsbezeichnung Vogt führten und die Kinzigtäler Besitzungen der Fürstenberger ganz oder zum Teil verwalten mußten und daher weitgehende Vollmachten hatten.

Ein neues Schloß entsteht

Das ging so bis ins 15. Jahrhundert. Dieses war für das Kinzigtal eine Zeit des Wohlstandes. In dieser glücklichen Zeit kam mit dem Grafen Heinrich VI. ein Mann zur Regierung, der seine Jugendzeit auf Schloß Husen verbracht und seitdem eine besondere Vorliebe für Hausach hatte. Er faßte alsbald den Plan, in Hausach eine neue, stattlichere Burg zu bauen, nunmehr als wehrhaftes adeliges Steinhaus. 1453 wurde der alte Bau niedergelegt und eine umfangreiche Neuanlage geschaffen. Der Hauptbau war ein mächtiger Pallas (= Hauptwohnhaus), von dem uns jetzt noch die gewaltige, etwa 3 Meter dicke Außenmauer überrascht und beeindruckt. Wir verdanken die wichtigsten Mitteilungen den Annalen (Jahrbüchern) des Herrschafts- und Stadtschreibers Michel Spiser.

Die Bausteine stammen aus der Landschaft von Steinbrüchen in den umgebenden Bergen und aus der Kinzig. Es sind Gneise, Granite und Sandsteine. Sie sind unregelmäßig groß, nur ein wenig zugehauen und mit Mörtel verkittet. Einzig eine Mauerkante beim Eingang ist aus großen, schlicht behauenen Sandsteinquadern noch widerstandsfähiger gemacht. Bauart und Zusammensetzung sind bei allen noch vorhandenen Bauteilen gleich. Indessen künden sie doch von einer älteren oder sagen wir besser von einer billigeren Bauweise. Nur der oberste Rand und die Zinnen des Turmes sind heute, etwas profiliert vorkragend, aus Backsteinen gefügt. Ob das ehemalige Wächtergeschoß und sein oberer baulicher Abschluß auch aus Backsteinen und in dieser Form gebaut waren, ist nach dem Bild von 1688 wahrscheinlich.

Die jetzt noch stehende Außenwand des Hauptwohnhauses enthält aus Sicherheitsgründen nur wenige Lichtöffnungen, die sich meist nach außen verengern und es ermöglichen sollen, in guter Deckung das Vorfeld der Mauern, aber auch das gegenüberliegende Talgelände zu beobachten.

Grundriß der Burg Hausach
Grundriß der Burg Hausach. A. der Bergfried-Wartturm: B. die Außenmauer des Pallas (= Wohnhaus); es fehlt bier die Südmauer wor dem Rain zur nächsthöheren Terrasse, deren Tundamente noch gut erhalten sind; C. Außenmauer um den oberen Burgbereich; Z. der untere Burgbereich mit dem halboffenen Batterieturm auf einer tieferen Terrasse. Rechts vom Buchstaben G des Wortes "Graben" ist noch ein bedeutsamer Mauerrest, vielleicht von einem Torwärterhäuschen.

Am interessantesten ist das Fenster nach Norden. Von der tiefen Trensternische aus hat es schräg durch das Mauerwerk sowohl nach links außen wie auch nach rechts außen kleine Sehschlitze für einen Beobachter, was überhaupt den Zweck der Öffnungen in dieser Mauer hinreichend verdeutlicht.

Nachdem dieser große Hauptbau fertig war, wurden der Reihe nach die notwendigen Nebenanlagen wie der Vorhof (1466), das Schießhaus und der Schutzrain (1467) hinzugefügt und mit einer Umfassungsmauer geschützt. Die Größe der umringten Fläche betrug etwa 40:30 Meter. Zur größeren Sicherheit wurde der Burgbereich von dem überragenden Berg durch einen heute noch gut erkennbaren, künstlichen Halsgraben abgesetzt. Zwischen dem Bergfried und der Außenmauer beim Halsgraben waren anscheinend zwei kleine, durch Mauern vom inneren Burgbereich geschiedene Vorhöfe, wohl der Vorhof von 1466.

Auf der Gegenseite des Halsgrabens war hier der genannte Schutzrain, wie ein kaum anders zu deutender Mauerzug auf der Bergseite zu bestätigen scheint. Er zieht sich dem Halsgraben entlang etwa 5 m weit und hat eine rechtwinklig dazu bergwärts stehende Quermauer, wo vermutlich der Raum für den Torwart gewesen ist, denn hier zweigt vom Halsgraben das letzte Zugangsstück zum Burgeingang ab. Der Halsgraben war von beiden Seiten her zugänglich für Reit- und Saum(Last)tiere, vielleicht auch für schmale Wagen. Diese Zufahrten konnten vom Bergfried aus bequem überwacht werden.

Die Hauptschwierigkeit bot, wie bei jedem Bergschloß, die Wasserversorgung. Um diese Not zu beheben, ließ der Graf gleich zu Beginn des großen Bauwesens (1453) eine Deichelleitung von einer Quelle im Dietersbach zur Burg führen.

Eine große Burg brauchte einen weit ins Land schauenden, steinernen Wächter, einen hohen Turm. Dem Burgenbau des 15. Jahrhunderts entsprach es durchaus, einen Rundbau zu erstellen, der aber sonst in der gleichen altertümlichen Bauart wie die übrigen Werke aufgeführt und nach Spiser 1477 vollendet wurde. Mit seinen 3 m dicken Mauern ist er ein Werk, das wie für die Ewigkeit errichtet erscheint. Seine jetzige Höhe beträgt noch 14 m. In seiner ursprünglichen Gestalt war er aber noch um die Wächterstube höher, wo die Mauern, um genügend Raum zu bekommen, naturgemäß weit dünner sein mußten. Mit einem rundzeltförmigen Helm wurde der Turm abgeschlossen. Sein kreisrunder Grundriß hat einen Durchmesser von 9 m, von denen nach Abzug der Mauerdicke innen noch ein lichter Raum von nur 3 m übrigbleibt.

Die ehemalige Eingangstür liegt in 6,50 m Höhe über dem Erdboden. Sie ist 2 m hoch und hat einen einfachen Spitzbogen, dessen äußere Einfassung mit unregelmäßig großen, einfach zugehauenen Buckelquadern aus Sandstein verkleidet und gefestigt ist. Unter der Tür ist von den zwei Konsolen eine noch vollständig vorhanden. Darauf war ein hölzerner Podest, zu dem entweder eine Holztreppe oder eine Leiter hinaufführte. Dies zeigt, daß der Turm auch als letzte Zuflucht der Verteidiger bei einer Belagerung gedacht war.

Im unteren Turmgeschoß befand sich das Burggefängnis, das vielgenannte und vielbenützte Verlies. Zahlreiche Urfehdebriefe (= Urkunden, die eidlich den Verzicht auf Vergeltungsmaßnahmen erklären) von hier Inhaftierten sind noch erhalten. Der Innenraum im mittleren Teil des Turmes eignete sich nur zu einem Treppenaufgang, der zum obersten Geschoß, zu der nicht mehr vorhandenen Wächterstube, emporführte.

Dieser Bergfried erhob sich auf einer felsigen Bodenerhöhung im südlichen Teil der Burganlage, etwa 5m von der Umfassungsmauer entfernt, und deckte als Hauptbollwerk den Eingang zur Burg und die ganze Angriffsseite, die gefährdetsten Stellen der Festung. Östlich neben dem Hauptwohnbau sicherte diesen Teil des Berings ein wohl nach innen offener, halbrunder Flankierungsturm.

Angeschlossen an die obere Burg, jedoch eine steilabgesetzte Terrasse tiefer, war gleichzeitig (1465) der untere Zwingerhof mit einer nur etwa 1 m dicken Umfassungsmauer entstanden. In diese war nach Art der Streichwehre ein ebenfalls nach innen offener, mächtiger Batterieturm eingefügt worden. Er hatte drei Schießscharten, sog. Maulscharten, mit bis zu dreiviertel Meter sich nach innen erweiternden Kammern. Nach Ausweis des Bildes von 1655 ragte dieses Wehrtürmchen wie ein Kommandoturm hoch über den ganzen Zwingerhof. Von hier aus kündigte später ein Alarmgeschütz jeweils eine nahende Gefahr an, was zugleich für die Besatzung das Zeichen zum Sammeln und zum Einnehmen der Verteidigungsstellung war. Die ganze Anlage ist ein einmaliges Zeugnis der neuesten Technik damaliger Festungsbaukunst.

Klar und einsichtig wie eine lebendige Landkarte lag die umgebende Landschaft bis in weite Fernen (vor allem in den Richtungen des Kinzigtals) vor den Augen eines Beobachters von der Höhe unserer Burg, die sich daher für die Bewachung dieses so wichtigen Übergangsgebietes zu den Schwarzwaldpässen vorzüglich eignete. Fügen wir noch hinzu, daß die Burgfelsen auf allen Seiten steil in die Tiefe stürzen, mit Ausnahme auf der Zugangsseite beim Halsgraben, wo durch den Turm ein zusätzlicher Schutz geschaffen war. So rundet sich das Bild einer für lange Zeit fast uneinnehmbaren Feste.

Graf Heinrich VI. hat sich in dieser seiner Lieblingsschöpfung öfters aufgehalten. Später wohnten oft jüngere Sprossen des Hauses Fürstenberg dort. Im Jahr 1504 und später beherbergte Graf Wolfgang seinen Gönner Kaiser Maximilian I. in diesem schmucken Bau. Doch bot das weitläufige Haus noch Raum genug für die Burgvögte und zuweilen für die fürstenbergischen Oberbeamten der Herrschaft Kinzigtal. Der niedere Adel zog gern in solcher Eigenschaft in diese achtungheischende Burg, wie Claus Marschalk, Hans von Schowenburg, genannt Heffinger, Conrad von Brantloh, Wilhelm Hummel von Staufenberg, Michel Spiser, Hans und Conrad von Felsenberg, Hans von Reckenbach, Martin von Blumeneck, Gallus Fürstenberger und als letzter Christoph Stächelin von Stockburg.

Hundert Jahre wurde an der Burg nichts mehr gemacht. Dann aber zeigten sich Verfallserscheinungen, am augenfälligsten am Turmhelm, der dem Wetter am meisten ausgesetzt war. Dieser mußte daher 1574 erneuert werden und ebenso das Dachwerk auf dem ganzen übrigen Schloß. Die Mauern jedoch hatten alle Stürme des Jahrhunderts glücklich überdauert. Seither wurde die Burg laufend in gutem Stand gehalten und verbessert.

Die Kriegskunst verlangt Anschlußwerke

Unter dem Schloß war zwar die engste Stelle im Tal, aber zur militärischen Sperrung reichte die Burg bei weitem nicht aus. Deshalb begann der Schwäbische Kreis 1622 am Fuße der Burg in der Talaue mit dem Bau von sperrenden Erdswerken, aus denen bis 1627 zwei wichtige Verteidigungswerke erwuchsen, das kleinere links, die stärkere Sternschanze rechts der Kinzig. Letztere ist im Erdprofil jetzt noch vorhanden. Ein weiteres Schanzwerk entstand weiter oben bei der Burg vor dem unteren Zwinger. Ein Graben stellte die Verbindung mit den Talschanzen her. Weiter zurückliegend sicherte ein letztes Erdwerk "unter den Eichen" die Rückzusslinie ins Gutachtal.

Die Burg im Dreißigjährigen Krieg

In dieser Verfassung ging das Schloß in den Dreißigjährigen Krieg hinein. Eine Burg von solcher Lage war natürlich für jeden Kriegführenden begehrenswert. Die eigentlichen Kriegshandlungen zogen erst 1632 in diese Landschaft. Da nahte auch bald das Verhängnis. Der schwedische General Horn, mit dem sich bei Offenburg die Württemberger unter ihrem Herzog Julius vereinigt hatten, zog durch das Kinzigtal heran. 

Hausach und das Schloß nach dem Mentzingerplan von 1655. Die Sternschanze rechts der Kinzig ist noch erhalten
Hausach und das Schloß nach dem Mentzingerplan von 1655. Die Sternschanze rechts der Kinzig ist noch erhalten.

Burg und Stadt Hausach nach einem Gemälde von 1688
Burg und Stadt Hausach nach einem Gemälde von 1688

Die Hausacher haben aber nicht schon beim Herannahen der furchtbaren Armada die Waffen weggelegt und die Tore geöffnet, wie fast alle kleineren Städte, sondern einen ehrenvollen Widerstand wenigstens versucht. Allein am 7. September 1632 mußten Schloß und Stadt übergeben werden. Die Schweden überließen Burg und Herrschaft Husen den Württembergern, die von hier aus ihr Land noch weiter gegen den Rhein zu zu erweitern gedachten. Allein die fremden Truppen konnten nicht dableiben, da sie noch andere kriegerische Aufgaben lösen wollten. Sie mußten also aus der neuen Erwerbung weichen. Bei dieser Gelegenheit wurde das Schloß in Brand gesteckt. Doch konnte man den Brand wieder löschen.

In der Folgezeit sah die Burg so ziemlich alle Arten von Kriegführenden in ihren Mauern. Bald waren es die Schweden, bald die Franzosen oder die weimarischen Truppen oder aber die Kaiserlichen und die Bayern. Letztere hatten in Schloß Hornberg eine uneinnehmbare Stellung inne, von der aus sie den gegnerischen Verbänden Abbruch taten. Eine ähnlich starke Stellung hatte die Burg Schiltach.

Zerstörung der Burg

Da kam das Jahr 1643. Die schwedisch-weimarischen Regimenter hatten das Land Württemberg durchzogen und verwüstet, dessen Herzog ins neutrale Straßburg geflüchtet war. Über Rottenburg rückten sie nun ins Kinzigtal vor. Dornstetten, Dornhan und Winzeln werden verbrannt. Hausach wird, wie auch die anderen Kinzigstädte, erneut geplündert. In der Burg Hausach richten sie sich zu längerem Bleiben ein, Um einen haltbaren Ausgangspunkt gegen die bayrische Garnison in Hornberg zu haben, verstärken sie die Burg Hausach und richten sie für ihre Zwecke her. Bis damals ist sie also immer noch bewohnbar gewesen.

Allein das Kriegsglück wechselte in jenen Jahren des ausgehenden Dreißigjährigen Krieges zu schnell. Und so mußten die Weimarer bereits im Herbst 1643 das schöne Bergnest wieder verlassen. Doch sollte es dem Gegner nicht als brauchbarer Stützpunkt in die Hände geraten. Deshalb vernichteren sie die Befestigungsanlagen, die sie selbst begonnen hatten, und steckten die Burg in Brand, wodurch sie im Innern völlig verwüstet wurde. Das Mauerwerk widerstand aber zum großen Teil der Zerstörung, wie die Bilder von 1655 und 1688 im Schloß Heiligenberg zeigen. Nie mehr wurde der Versuch gemacht, die Burg wieder bewohnbar zu machen, die Zeit der Burgenherrlichkeit war vorüber.

Allmählich verfiel auch die Ruine. Manchmal wurden die herabfallenden Steine den Hausachern gefährlich, so daß Unfälle vorkamen. Nur widerstrebend gab die Herrschaft Steine an die Hausacher zum Hausbau ab, denn auch als Ruine hatte sie noch einen Verteidigungswert, wie sich immer wieder offenbarte. Um 1700 wurde der ganze Schwarzwald durch eine fortlaufende Linienverschanzung mit vielen Stützpunkten zum Sperrgebiet hergerichtet. Wichtige Durchmarschtäler wie das Kinzigtal sollten noch zusätzlich durch Gräben und kräftigere Schanzwerke mit Unterkünften verteidigt werden. Im Zuge dieser Maßnahmen fiel gerade dem Raum von Hausach eine erhöhte Bedeutung zu. 

Die Ruine um 1880, Der Bergfried hatte damals das Kegeldach. Steindruk von Fassoli
Die Ruine um 1880, Der Bergfried hatte damals das Kegeldach. Steindruk von Fassoli.

Der Schloßberg Hausach nach der Freilegung 1966; Anblick von Norden
Der Schloßberg Hausach nach der Freilegung 1966; Anblick von Norden.

Die alten Sternwerke im Tal wurden modernisiert, die Burgruine in den Sperrgürtel einbezogen und weitere Erdwerke in ihrer Nähe angelegt. 1735 war das Befestigungswesen in der Hausacher Gegend beendet und wurde in Zukunft immer wieder sorgfältig instand gehalten. In Zeiten drohender Kriegsgefahr wurde es von Truppen besetzt und die Festen Im Tal unterhalb der Burgruine mit schweren Waffen versehen, z.B. 1796 mit vier Geschützen, zu deren Bedeckung reichlich Linien-Infanterie eingesetzt wurde. 1815 wurde die Hausacher Sperrzone zum letztenmal in Verteidigungszustand gesetzt. Unter der Leitung des Baumeisters Michael Hacker arbeitete der Landsturm an dem verschanzten Schloßberg, an den Talwerken sowie unter den Eichen. Die Werke waren von Linien-Truppen besetzt, die in der Stadt bei den Bürgern einquartiert waren. Reste der Schanzwerke sind noch vorhanden, manches wurde inzwischen eingeebnet.

Seit 1700 war also die Ruine der Hauptstürzpunkt im Hausacher Festungsbereich, in welchem jetzt dem alten Bergfried eine besondere Bedeutung zukam. Man hat ihn wieder bewohnbar gemacht und dabei ihm eine bescheidene, stumpfwinkelige Kegelhaube aufgesetzt. So blieb nun der Zustand der alten Burgbauten bis ins 19. Jahrhundert.

Die Zeit der Romantik weckte in den Menschen das besondere Wohlgefallen an den eigenartgen und bedeutsamen Zeugen unserer Vergangenheit. Man wollte sie für die Zukunft erhalten, sicherte daher an der Hausacher Burgruine die ungeschützten Mauern durch bewahrende bauliche Maßnahmen und stellte sie unter den öffentlichen Denkmalschutz, was auch ein unvergeßliches Anliegen unserer Gegenwart geworden ist.

Nach 1890 fand man indes, daß der schlichte Turmhelm doch etwas zu nüchtern sei. Das Bild von 1655 bestärkte die Leute in der Meinung, daß eine Zinnenbekrönung der originale Turmabschluß wäre, was auch dem damaligen Zeitgeschmack entgegenkam. Man hob daher den Helm ab und setzte eine feste Decke mit Zinnenbekrönung ein. Gleichzeitig brach man zu ebener Erde einen bequemen Eingang durch die Mauer und machte ihn als Aussichtsturm zugänglich, In dieser Gestalt schaut nun der alte Zeuge einer wechselvollen Vergangenheit in die herrliche Schönheit der gegenwärtigen Landschaft.

Im Laufe der Jahre ist der ursprünglich wuchsfreie Burgbereich mit Gras, Kraut, Büschen und Bäumen zugewachsen, hinter denen das Burggemäuer fast unsichtbar wie ein Dornröschenschloß steckte. Es war daher eine hoch dankenswerte bürgerschaftliche Leistung, daß 1965 / 66 das verhüllende Baum- und Strauchwerk von Mitgliedern des Historischen Vereins und anderer Vereine niedergelegt und die alte Ruine sozusagen aus ihrem Versteck herausgeholt wurde. Diese Tat brachte gleichsam eine Neuentdeckung des Schlosses. In ungewohnt prächtigem Anblick zeigt es sich schon von weitem in seiner ganzen stattlichen Anlage dem überraschten Freund der Landschaft, aus welcher Richtung man sich auch der Stadt nähern mag. Im Burgraum selbst kann man jetzt wieder den einstigen Ausblick nachgenießen, sich aber auch eine leichtere Vorstellung von den Verhältnissen auf dem Burghügel machen.

Quellen: E. Bischoff, Sammlung der einschlägigen Belege aus den Akten des Fürstlich-Fürstenbergischen Archivs in Donaueschingen, des Bad. Generallandesarchivs in Karlsruhe und des Stadearchivs Hausach; Akten aus dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart und aus dem Staatsarchiv Ludwigsburg; R. Streit, Hausach 1890; Bößer, Zur Geschichte der Schwarzwaldlinien, Ztschr. zur Bef. der Geschichtskunde in Freiburg, Bd. 20; Beobachtungen und Untersuchungen am derzeitigen Zustand der Ruine und deren Umgebung; Die Ortenau 1934; Kunstdenkmäler, Bd. VII.

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