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Einzelbildnachweise Nikolauskirche Gamshurst - Achern

Die Geschichte seiner Kirche ist in zwiefachem Sinn bemerkenswert; mit dem Schicksal des Bauwerkes und der errichteten Pfarrei ist das Geschick der Bewohner Gamghursts so eng verbunden, daß eigentlich alles, was wir aus früheren Jahrhunderten von ihnen wissen, sich aus den Pfarrurkunden entnehmen läßt Was in den letzten Jahrzehnten von der Geschichte der Gamshurster Kirche berichtet wurde, ist in den Aufsätzen des heimatkundigen Pfarrers Reinfried im Acher- und Bühler Boten 1893 und 1894 enthalten Ihm standen allerdings die erst in den letzten Jahren dem Generallandelarchiv zugegangenen Akten nicht zur Verfügung; aber seine auf die älteren Urkunden und die Tradition gestützten Berichte sind wertvolle Hinweise Die erste Nachricht aus der Geschichte der Pfarrei Gamshurst ist die Gründungsurkunde vom Montag nach St. Jakobstag (27. Juli) 1355 Darin wird die Nikolauskapelle zu Gamshurst erwähnt, für die vom Abt von Schuttern eine ständige Priesterstelle geschaffen wurde Seit wann die Kapelle existierte, wie oft und durch wen Gottesdienst darin abgehalten wurde, ist nirgends gesagt Gamshurst gehörte zur Pfarrkirche Sasbach, deren Patron der Abt des Klosters Schuttern war. Zur Hebung der materiellen Lage dieses Klosters waren ihm verschiedene Pfarreien inkorporiert worden, u. a. Sasbach im Jahre 1325 Die Gründungsurlrunde, von der leider nur noch eine Abschrift erhalten ist, gibt Aufschluß über den Anlaß der Gründung Bei der Kapelle wurde zugleich ein Gottesacker angelegt, der mit einer Mauer umgeben wurde; die Kapelle hatte ein Glöcklein und einen Altar mit dem Bildnis des hl. Nikolaus Auf die Wahl des Kirchenpatrons hatte Straßburg Einfluß; der hl. cNikolaus-, neben Michael und den Apostelfürsten, einer der frühesten Patrone, erscheint in der Ottenau achtmal, und seine als Patron der Fischer volkstümliche Gestalt erhält unter Bezugnahme auf bestimmte Bedürfnisse der Gemeinde den Vorzug in Orten, die an Flüssen gelegen sind Wie lange dieses Benefizium bestanden hat, ist nicht festzustellen  Im Sasbacher Pfarrarchiv liegt eine Urkunde vom 10. Juli 1411 vor, in der das bischöfliche Gericht Straßburg einen Rechtsstreit zwischen Johann Kötzmann, vicarius perpetuus zu Gamshurst, namens der dortigen Pfarrei, und Berichtold Schmied, dem älteren, über ein Viertel Gültkorn von Gütern in der Gamshurster Gemarkung schlichtet Das nächstfolgende vorhandene Aktenstück ist der Brief des Herrn Wolf v. Windeck (von etwa 1520 - 1540 Amtmann in der Ortenau mit dem Sitz in Oberkirch) aus dem Jahre 1529 in dem er den Abt bittet, den Gamshurstern einen Pfarrer zu geben Eine Antwort darauf fand sich nirgends, wohl aber eine Instruktion des vom Abt verordneten Anwalts und Vertreters bei dem 'guetlichen Tag zu Offenburg' Aus der Instruktion geht hervor, daß die Gamshurster vor 'etlichen' Jahren - vermutlich wohl um 1450 - selbst einen Pfarrer angenommen und ihm eine Kompetenz geschaffen, sie ihm aber nachher versagt haben aus pekuniären Gründen, worauf der Pfarrer wieder nach Sasbach gezogen sei Mit der langen Liste der Pfarrgüter vom Jahre 1355 verglichen, hört sich diese Feststellung nicht ganz glaublich an Sie ist auf jeden Fall parteiisch; denn die vielen, durch sumpfiges Gelände und Überschwemmungen hervorgerufenen wirtschaftlichen Notzeiten des Dorfes, von denen vom 17. Jahrhundert an immer wieder berichtet wird, bestanden damals schon, vielleicht gerade im 15. Jahrhundert sehr stark, und gestatteten der Gemeinde nicht den Unterhalt eines Pfarrers Aber auch die Pfarrgemeinde mag gehört werden: 1535 schrieben die Gamshurster einen Brief an den Bischof Wilhelm von Straßburg, in dem sie sich beklagen, daß der Abt von Schuttern sich die Gefälle, dazu von jedem Haus ein Rauchhuhn geben ließ und doch die Pfarrei ohne Priester 'edt stan' (= öde stehen) ließ 1685 wurde laut Bericht des Pfarramts in Bühl wieder Gottesdienst in der Kirche zu Gamshurst gehalten Am 7. September 1685 machte die Gemeinde beim Oberamt geltend, daß der Abt nun kein Recht mehr auf Zehntnutzung habe, da die von ihm eingesetzte Kaplanei schon längst nicht mehr existierte Es ist aber sehr wahrscheinlich, ja mit Sicherheit anzunehmen, daß das Fundament und wohl auch ein Teil der Mauern des Turms aus älterer Zeit herrührt, also zwischen 1355, genauer 1411, und 1530 Und wahrscheinlich hat die Wiederherstellung, einerseits dem konservativen Sinn des katholischen Volkes, andererseits dem vorhandenen Mauerwerk entsprechend, die vorherige Gestalt des Gewölbes beibehalten Der Turm, den der Abt von Schuttern, der Not gehorchend und nicht dem eigenen Triebe, erbaut hatte, ist gewiß nichts als ein Provisorium gewesen; denn im Jahre 1776 beschließt die Gemeinde einen Neubau des Turms und sieht am 9. März 1776 den Plan des Joh. Heinrich Bader Zimmermeister, mit zwei Entwürfen, dem Spitzturm und dem Kuppelturm, ein Für die erste, einfachere Form beträgt der Voranschlag für die Zimmerarbeit 248 fl., für den zweiten 296 fl. Die erste Form wurde gewählt, der Maurermeister Antoni Forster wurde beauftragt, das Dach des Turms zu decken Den Vertrag unterzeichnete Hans Bechtel als Bürgermeister und Nikolaus Koch als Gerichtszwölfer (= Gemeinderat) Im Jahre 1728 wurde das Langhaus erneuert. Zeuge dieser Erneuerung ist die Inschrift über der von schlichter Einfassung umgebenen Kirchentür I.S.-G. Hab 1728 und ein Hinweis in einer späteren Urkunde Eine Eigentümlichkeit fiel an der Kirche auf. Sie lag 1,20m tiefer als die Straße, der Sockel des Turms war auffallend nieder, und nach der Aussage des Gamshurster Zimmermeisters Allgeyer, dessen Großvater an früheren Kirchenreparaturen beteiligt gewesen ist, soll der Turm im Jahre 1824 1.0 m höher gewesen sein als heute Das kommt daher, daß die sehr tief liegende, seit Jahrhunderten als sumpfig und darum als ungangbar bekannte Dorfstraße nach und nach aufgefüllt wurde Zudem war bis 1832 der Friedhof um die Kirche angelegt Auf dem dreieckigen Platze neben der Kirche steht heute im Schatten hoher Kastanien ein schönes Barockkreuz des Steinhauers Hans Bechtel, dessen Namen noch zwei andere Kreuze aus der Gamshurster Gemarkung tragen

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