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400 Jahre Kur in Bad Peterstal-Griesbach - Bernhard Huber - die Ortenau 1986, 467 ff.


In den Jahren 1984 und 1985 wurde in Bad Peterstal-Griesbach das 460jährige Kurjubiläum gefeiert. 1584 wurden die beiden Bäder erstmals von dem Arzt Theodor von Berpzabern, der sich Tabernaemontanus nannte, in seinem Werk "New Wasserschatz" beschrieben. "Das ist von Allen heylsamen Metallischen Minerischen Bädern und Wassern, Sonderlich aber von den newen erfundenen Sawerbrunnen zu Langenschwalbach ... und im Schwartzwald in dem löblichen Stifft Strassburg im S. Petersthal und der Greißbach ..."

Wann die Quellen entdeckt wurden, seit wann Badegäste kamen, um ihre heilsame Kraft zu erfahren, ist unbekannt. Doch wurde 1607 in der Peterskapelle in Peterstal auf einem Pergamenttäfelchen ein Gebet gefunden, das vermutlich in den Anfang des 14. Jahrhunderts zurückreicht. Darin dankt der Beter Gott für den besonderen Segen der Quellen. Mithin ist anzunehmen, daß sie schon im späten Mittelalter bekannt waren. Ihre Entwicklung wurde vor allem durch die Landesherren des Renchtals gefördert, die Bischöfe von Straßburg (bis 1803), und der Aufstieg hielt an, als das Renchtal als Pfandschaft den Herzögen von Württemberg gehörte (1604 - 1634 und 1649 - 1664).

Der Straßburger Bischof, der sich große Verdienste um die Renchtalbäder erworben hat, war Johann von Manderscheid (1569 - 1592). Er schickte 1579 Tabernaemontanus in die Bäder, um sie zu besichtigen und zu probieren. Dabei veranlaßte er in Peterstal einen Bauern namens Benedikt Schmitt, die Gebäulichkeiten um den Petersbrunnen wohnlicher auszugestalten. Beide Brunnen, den oberen in Griesbach und den unteren In Peterstal nahm er in seine persönliche Fürsorge. Der ehemals obere Brunnen findet sich heute im Mütterkurheim in Bad Griesbach, der untere im Fachkrankenhaus Bad Peterstal.

Unter württembergischer Herrschaft

Herzog Friedrich I. (1593 - 1608), der das Renchtal als Pfand für Württemberg erworben hatte, kümmerte sich nicht nur um den Aufbau und die Verwaltung des Amtes Oberkirch, sondern auch u. a. um das Badewesen. Um 1607 veröffentlichte der Physikus der württembergischen Pfandherrschaft und Badeinspektor Dr. Graseck eine eingehende Beschreibung der Sauerbrunnen von Peterstal und Griesbach. 1608 berichtet er, daß in den vergangenen 40 Jahren Tausende von Kranken die Heilquellen besucht haben und geheilt worden sind. Dr. Graseck schreibt bereits von einem Sanct Petersthal und bringt ebenfalls wie Tabernaemontanus die Namensgebung der Petersquelle in Zusammenhang mit einer Kapelle "Sanct Peter, die 3 Ackerlängen" von der Quelle entfernt ist.

huber 01[Bad Peterstal mit Peterskapelle 1607
1605, 1617 und 1639 wurden eigene Badeordnungen für die Bäder Peterstal und Griesbach erlassen. Dabei war alles bis auf das Detail festgelegt. Verhaltensrichtlinien waren darin für Badegäste, das Badepersonal und auch für die Badwirte aufgestellt. Auch der Einkauf von Nahrungsmitteln und Getränken war durch strenge Anweisungen geregelt. Den Gastgebern wurde nahegelegt, mindestens 2 klare und schöne unverfälschte Tischweine bereitzuhalten. In der Badeordnung von 1618 wurde zusätzlich darauf hingewiesen, daß der Wirt nur "fürnemlich gesunde und saubere Brunnenknecht oder Wasserschöpfer einstellen soll". Die Badeanstalten wurden außerdem unter des Fürsten besonderen Frieden und Schutz gestellt. Burgfrieden sollte herrschen im ganzen Raume von der Quelle zu Griesbach bis zur Kirche in Petersthal. "Wer diesen beständigen Burgfrieden stört, welchen Standes er auch sei, soll einer gerechten Strafe zugeführt werden".

Zu Beginn der Badfahrten (Beginn der Kursaison) kam der Amtmann von Oberkirch in die Bäder und verlas dem Badpersonal, den Badwirten und den anwesenden Kurgästen die Badeordnungen im Wortlaut. Die Badewirte waren gehalten, die Badgäste zweimal wöchentlich dem Amte Oberkirch zu melden. In den Badeordnungen waren u.a. auch Taxordnungen für die Räumlichkeiten ("Taxa der Losamenter") sowie für das Essen und die Getränke erlassen. Die Wohneinheit in den Bädern Petersthal und Griesbach bestand damals meistens aus einer Kammer und einer Stube, Sie waren mit Tiernamen bezeichnet und kosteten pro Woche für 1 Person 2 Gulden, für mehrere Personen 3 Gulden. Mansarden für den "Gemeinen Pöbel" kosteten dagegen nur 1 - 2 Batzen pro Woche. (1 Batzen = 4 Kreuzer = 1/15 Gulden). Das Mittagessen für eine Mannsperson belief sich auf 6 Batzen, das Mittagessen für ein Frauenzimmer kostete dagegen nur 5 Batzen. Mit 10 - 12 Kronentalern kam man zur damaligen Zeit für eine Kur in unseren Bädern aus.

Interessant ist auch, daß in der Badeordnung von 1605 das Disputieren über Religionssachen den Kurgästen untersagt war. Dies mag zunächst sonderlich anmuten. Es wird jedoch verständlich, wenn man sich an die religiös aufgewühlte Zeit vor dem 30jährigen Krieg (1618 - 1648) erinnert.

Auch während des 30jährigen Krieges ist das Badeleben nie ganz erloschen. 1644 erschien in der Topographia Alsatiae von Matthäus Merian ein Kupferstich des Bades Petersthal und des Bades Griesbach. Merian berichtet ausführlich über die guten Heilwirkungen von zwei trefflichen guten Sauerbrunnen. Der obere ist in Griesbach gelegen, der untere (Petersquelle) in St.-Petersthal, wo sich auch eine kleine Kirche und hin und wieder etliche Häuser befinden. Er schreibt weiter "Es hat gesunde Leut herumb, so sehr alt werden, daß sie 105 und 110 Jahr erreichen, so man dem Wasser, das sie trinken, zuschreibet".

Bad Peterstal und Bad Griesbach im 17. Jahrhundert

Die Kuren und das Badeleben

In der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts hat man ebenso wie schon zu Tabernaemontanus Zeiten Bade- und Trinkkuren durchgeführt. Während der Kur hat man in aller Frühe (ca. 5 Uhr) ein Bad genommen und je nach Konstitution am frühen Nachmittag (ca. 15 Uhr) noch einmal gebadet. Im Abstand hiervon wurden zusätzlich Trinkkuren durchgeführt. Dabei hat man abends (ca. 17 - 18 Uhr) allerdings nur ein Drittel bis die Hälfte der am Morgen getrunkenen Menge an Sauerwasser zu sich genommen. Die Dauer der Bäder belief sich auf 1 - 2 Stunden täglich. Während des Bades sollte nichts zu sich genommen werden, und im Anschluß an ein Bad war eine Liegezeit im Bett einzuhalten. Sowohl während der Liegezeit als auch im Bade selbst hatte man jedoch dem Schlaf zu widerstehen. Auch die Trinkkuren waren in der Quantität reichlich bemessen, allerdings war auch hierfür nicht eine starre Vorschrift, sondern die Konstitution des einzelnen entscheidend. Während schwächliche Personen mit 1 - 2 Glas Sauerwasser täglich auskamen, hatten andere mit "starker Leibeskonstitution" bis zu 3 Litern und mehr Brunnen am Tage getrunken. Während des Essens oder kurz danach sollte kein Sauerwasser getrunken werden.

Schon Tabernaemontanus hat sehr ausführlich auf die externe Wirkung des braunen Schlammes hingewiesen, der sich in den Leitungen und Röhren absetzt, durch welche das Sauerwasser fließt. Bei Gliederschmerzen sollte zunächst das kranke Glied mit erwärmtemn Sauerwasser eingerieben und danach mit dem Schlamm bestrichen werden.
Merian Sauerbrunnen Petersthal[Bad Peterstal - Kupferstich aus Matthäus Merian, Topographia Alsatiae 1644
Diese Prozedur sollte ein- bis zweimal täglich durchgeführt werden und zwar morgens in der Frühe und abends. Dabei wurde der Schlamm solange belassen, bis er eintrocknete und von selbst abfiel. Während einer solchen Schlammkur, die auch zeitweilig entfernt von der Quelle ausgeführt wurde, sollte man keine Trinkkuren durchführen. Ein Arzt war erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den Bädern Griesbach und Peterstal wohnhaft. Der einzelne Badegast konnte daher früher seine Kur im wesentlichen nach Gutdünken und nach eigener Verträglichkeit ausrichten. In diesem Zusammenhang hat sicher auch häufig das "viel hilft viel" gegolten.

Trotz der oft langen Badezeiten und der reichlich bemessenen Trinkkuren hat man die Quantität der Maßnahmen im Laufe der Kur gesteigert und ist dann zu Ende eines mindestens 3wöchigen Aufenthaltes wieder an den Anfang der Badezeit und der Menge des anfänglich getrunkenen Sauerwassers zurückgegangen. Man hat sich also im Laufe der Kurmaßnahmen "ein- und ausgeschlichen", eine Maßnahme, die auch heute noch beachtenswert ist. Außerdem waren auch die Badgäste gehalten, nach Eintreffen in die Bäder (vor Beginn der Trink- und Badekuren) 1 - 2 Ruhetage einzuhalten.

Bad Griesbach - Kupferstich aus Matthäus Merian, Topographia Alsatiae 1644
Nach dem 30jährigen Krieg sind bei uns wie auch anderen Orts die Trinkkuren gegenüber den Badekuren in den Vordergrund getreten. Dazu hat sicher ein tiefgreifender soziologischer Wandel des Badepublikums beigetragen. Die Bäder waren jetzt mehr zu Stätten der Geselligkeit geworden. Während des Kurtrinkens wollte man auf freien Plätzen, unter gedeckten Bogengängen und in schattigen Alleen lustwandeln. Eine elegante Welt wollte gesehen werden und wollte sich auch selbst zeigen.

Mit der Errichtung von Prachtbauten in den Bädern mit entsprechender "Brunnenpromenade" und mit der Betonung der Geselligkeit ist es in der Mitte des 17. Jahrhunderts zunehmend zu Ausschweifungen auch in unseren Bädern gekommen.

Über das Badeleben in Bad Griesbach zur Zeit des 30jährigen Krieges berichtet in seinem V. Buch des "Simplizissimus" eingehend Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen der, aus Gelnhausen stammend, im Renchtal seine Heimat gefunden hatte. Häufig kam er nach Griesbach und war von den Quellen und dem dortigen Badeleben sehr beeindruckt. So hat er auch in seinem Hauptwerk, dem "Abenteuerlichen Simplicissimus", seine Titelfigur zusamnen mit seinem Freund, dem Herzbruder, in das obere Bad, dem Bad Griesbach, geschickt. Von dort wurde auch häufig das untere Bad, das Bad Peterstal, besucht.

Grimmelshausen schreibt in seinem Hauptwerk sehr ausführlich über das Treiben und die Eleganz vor allem im Bad Griesbach. Als Simplicissimus mit seinem Paten und einstigen Pflegevater zum Mummelsee wanderte, kam er dort ins Gespräch mit dem Seefürsten. Dieser geleitete ihn in die Tiefe des Sees zum Zentrum der Erde. Als der Besuch beendet war, fragte der König ihn nach einem besonderen Wunsche. Simplicissimus hatte nur den einen, nämlich auf seinem Hofe in Griesbach einen Sauerbrunnen zu bekommen. Dies wurde ihm vom König im centrum terrae bewilligt.

Aus dieser literarischen Begebenheit erkennt man die Hochschätzung des Griesbacher Sauerbrunnens und der Bäder in der damaligen Zeit. Grimmelshausen hat somit in seinem V. Buch des "Abenteuerlichen Simplicissimus" unseren Badeort in die Weltliteratur aufgenommen.

Als Zeitgenosse von Grimmelshausen hat der bekannte Satiriker Johann Michael Moscherosch aus Willstätt (1601 - 1669), der auch unter dem Namen Philander von Sittewald bekannt ist, in einem seiner Werke mit spitzer Feder die Ausgelassenheiten der Badegäste in dem Bad Peterstal und dem Bad Griesbach nach dem jährigen Kriege gegeißelt. Ein Abschnitt aus seiner "Wunderlichen und wahrhaftigen Geschichte" des Philander von Sittewald zeigt das Treiben und die Eleganz in unseren Bädern in jener Zeit:

"Darauff - gienge (ich) strack zu auff die linke hand, in den anderen breiten hübschten gebahnten Weg. Behüte Gott, was eine menge Volcks fande ich daselbsten: da Cavalliers, da Kutschen, da schöne Damen, deren Auge fünckelten als ob sie voll feuriger Sternen wären, da Spielleute, da, weiß nit was vor treffliche Leutte, Herren und Frauen. - Ein theil sang, der ander sprang; einer pfeiffte, der ander danzte: der eine kützelte, der ander lachte, einer tranck, der ander aß: einer küßte, der ander herzte, einer speyte, der ander k...: Kurz zu melden, so war mir eben als ob ich zu hoff wäre. -

Weiterhin schrieb Philander von Sittewald über die geschäftliche Betriebsamkeit in unserem Band u. a.: hie war es alles anzusehen wie Krämerladen; da Jubelirer, dort Zuckerbäcker: da Goldschmide, dort Seydensticker: da Goldschlager, dort Corallenkrämer: da Berlensticker, dort Haarkräuser: da Bartscheerer, dort Haarpülverer: da Handschuhmacher, dort Spitzenkrämer, dort Tabackkrämer, dort Kartenmnaler, und viel andere mehr der Welt Wollust und Beppigkeit (Fröhlichkeit wollte ich sagen) zugethane Handwerker und Künstler. Bastetenbecker, Wirtshäuser, Bierhäuser, Spielhäuser.

Damals war u.a. auch das à la mode-Wesen, also das Nachäffen des Französischen in Wort und Mode in Bad Peterstal sehr modern. Der Chronist schreibt, daß in der damaligen Zeit hier mehr französische Worte als deutsche zu hören waren. Nicht umsonst wurde das Bad Peterstal im 17. Jahrhundert und auch weit hinein in das 18. Jahrhundert als das "Welsche Bad" bezeichnet. Man erzählte sich damals auch von einer bekannten Stadt, damit war Straßburg gemeint, daß sich angesehene Bürgersfrauen jährlich einen Badbesuch im "Welschen Bad" in Verbindung mit einem angemessenen Badsümmchen haben in den Ehekontrakt aufnehmen lassen.

Der Transport von Sauerwasser. Die Sauerwasserkärcher

Bereits Dr. Graseck hat zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf den Versand von Sauerwasser hingewiesen. Dabei hat man das Sauerwasser sehr sorgfältig in Krüge oder kleine Fässer an der Quelle abgefüllt und bis hinüber nach Straßburg getragen oder mit Ochsen- und Pferdefuhrwerken transportiert. Dabei hat man sich allerhand einfallen lassen, um die Spiritualität des Wassers nicht zu gefährden. So war es Sitte, das Sauerwasser abends oder in den frühen Morgenstunden abzufüllen und möglichst vor Sonneneinwirkung zu schützen. Aus diesem Grund haben die "Kärcher" ihre Sauerwasserkrüge mit Planen oder Rasen bedeckt, die sie auch während des Transportes immer wieder mit kühlem Wasser angefeuchtet haben.

Die Sauerwasserträger haben sich öfters geeinigt, in Zweierstafetten das Wasser nach Straßburg zu bringen. Der erste Träger hatte dabei das Wasser an der Quelle abzufüllen und mußte dann anschließend seine Fracht nach Oberkirch tragen. Dort hat der zweite Träger die Sauerwasserkrüge abgenommen und sie nach Straßburg gebracht, um dort in den frühen Morgenstunden, möglichst vor Tagesanbruch, die begehrte Fracht abzugeben. Die Krüge wurden nicht nur sorgfältig transportiert, sondern sie wurden insbesondere an der Quelle auch sorgfältig verschlossen. Dabei hat man den Korken mit einer Schweinsblase überzogen und das Ganze mit Harz verpicht. Bei der Lagerung der gefüllten Sauerwasserkrüge war man gut beraten, diese in einem kühlen Keller aufzubewahren. Im Jahre 1836 wurden allein vom Bad Peterstal 346.000 Flaschen und Krüge mit Sauerwasser wegtransportiert. 1819 hat bereits ein Herr Speck einen Füllkorb empfohlen, bei dem man zusammen 50 Krüge durch Einsenkung unter den Wasserspiegel der Quelle füllen konnte.

Aus dem Sauerwassertransport, der schon seit 400 Jahren betrieben wird, hat sich, vor allem im 20. Jahrhundert, eine sehr ausgeprägte Mineralwasserfabrikation entwickelt. In der Gemeinde Bad Peterstal-Griesbach befinden sich derzeit 4 modernst eingerichtete Mineralwasserbetriebe, die alle über eigene Mineralquellen verfügen.

Unsere Bäder im 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert wurden die Badwirte von Peterstal und Griesbach durch die äußeren Umstände in zunehmendem Maße verschuldet. Das Bad in Peterstal kam deswegen von 1696 - 1750 in den Besitz des Klosters Allerheiligen, und das Bad Griesbach war von 1712 - 1763 in den Besitz des Benediktinerklosters Schuttern. Schon früher hatten gute Beziehungen zwischen dem Bad Griesbach und dem Kloster Schuttern bestanden. Bei einer bischöflichen Visitation der Bäder im Jahre 1713 wurde kein einziger Badegast angetroffen, was den starken Niedergang des gesamten Badebetriebes deutlich zeigt. Ab 1756 ging es dann langsam wieder aufwärts. Jetzt erschien eine Brunnenschrift von Dr. Behr aus Straßburg mit dem Titel: "Das Welsche Bad oder der Gesundbronnen zu St. Peters-Thal, im Bißthum Straßburg gelegen".

Durch die Verrohung des Badebetriebes nach dem 30jährigen Kriege und infolge der Kriege Ludwigs XIV. kam es in Bad Peterstal zu einem zunehmenden Verfall des Badebetriebes. Nichtsdestoweniger wurde noch 1686 (also 3 Jahre vor der Zerstörung des Renchtales) eine Postverbindung zwischen dem Bad Peterstal und Straßburg eingerichtet. Diese Post verkehrte 3mal wöchentlich, und alle waren gehalten, lediglich diese Postverbindung zu wählen.

1762 zeugte dann für einen erneuten Aufstieg der Bäder eine Dissertationsarbeit über die Petersquelle durch Johannes Boeckler aus Straßburg. Diese Arbeit ("Dissertatio inauguralis de acidulis petrinis") wurde als Dissertation an der Medizinischen Fakultät der Universität Straßburg angenommen. Boeckler beschreibt hierin auch bereits die Schwefelquelle unterhalb des Bades Peterstal (späteres Bad Freyersbach). Leider wurden in der Folgezeit der kurz dauernde Friede und die aufkommende Erholung der Bäder erneut zerstört durch die Französische Revolution (1789) und die folgenden Koalitionskriege, die auch unser Gebiet berührten.

Die Bäder im 19. Jahrhundert

1803 endete durch den Reichsdeputationshauptschluß zu Regensburg die 500jährige bischöflich-straßburgische Zeit im Renchtal. Das ehemalige straßburgische Gebiet des Renchtales, des Sasbach- und des Achertales sowie das Gebiet von Ettenheim kamen zur vereinigten Markgrafschaft Baden-Durlach, dem späteren Großherzogtum Baden. Ebenso wie früher die Bischöfe von Straßburg haben sich auch die Großherzöge von Baden verdienstvoll um die Renchtalbäder angenommen. 1810 wurde auf Veranlassung des großherzogl. Hauses durch Hofrat Dr. Boeckmann eine neue wissenschaftliche Beschreibung der Bäder von Peterstal und Griesbach veröffentlicht. 1829 erfolgte im Bade Peterstal die erstmalige Einstellung eines besoldeten Badearztes. Dabei erließ 1838 die Großherzogl. Sanitätskommission (beim Innenministerium) folgende Instruktion: Der Badearzt hatte vom 1. Juni bis letzten August (also während der damaligen Kursaison) je 1 Tag das Bad Peterstal, das Bad Griesbach und das Bad Freyersbach zu besuchen.

Über die Bäder Peterstal, Griesbach und Freyersbach erschienen bis in die 2. Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zahlreiche Untersuchungen und Schriften, u.a. von Kölreuter und vor allem von Prof. A. Werber, dem ehemaligen Direktor der Medizinischen Poliklinik in Freiburg. Auf ihn geht auch die Einführung der Moorbadekur um die Mitte des 19. Jahrhunderts bei uns zurück. Er hat dabei insbesondere auf die Moorvorkommen im Kniebisgebiet hingewiesen und die Moorbäder bereits bei vielen rheumatischen Erkrankungen empfohlen.

Ein großer Förderer der Bäder von Peterstal und Griesbach war der Medizinalrat Albert Haberer (1828 - 1893), der von 1860 an als Badearzt tätig war. Er verfaßte eine Schrift "Die Renchbäder Petersthal und Griesbach und ihre Curmittel". An ihn erinnert der Habererturm auf dem Kreuzkopf bei Griesbach.

Die landschaftliche Schönheit des hinteren Renchtals, die Heilkraft der Quellen, die ausgezeichnete ärztliche Betreuung, aber auch die vorzügliche Gastronomie ließ die Zahl der Erholungssuchenden im Laufe des 19. Jahrhunderts immer mehr anwachsen. Auch die großherzogliche Familie kam häufig zu Gast. Am 22. August 1818 hat der kranke Großherzog Karl im Kurhaus im Bad Griesbach die erste badische Verfassung unterschrieben. Als 1834 auf dem Gebiet von Peterstai anläßlich einer Renchregulierung eine neue Quelle gefunden wurde, nannte man sie zu Ehren der damals zur Kur hier weilenden Großherzogin Sophie, der Gemahlin Großherzog Leopolds, Sophienquelle. Über der Quelle wurde ein Brunnentempel errichtet, der heute als Wahrzeichen des Bades Peterstal-Griesbach gilt.

Als Gäste waren 1871 Zar Alexander II. von Rußland sowie die großherzogliche Familie zur Kur im Bad Peterstal. Er war durch seinen Onkel Zar Alexander I. mit dem großherzoglichen Hause verwandt. Zar Alexander II. hat während seines Kuraufenthaltes im Bade Peterstal auch täglich eines der neu eingerichteten Dampfbäder im Bad Griesbach genommen. Auch Kaiser Wilhelm I. kam 1876 zusammen mit der großherzoglichen Familie in das Bad Peterstal. Der damalige Großherzog Friedrich I. war seit 1856 mit Luise von Preußen, der Tochter von Kaiser Wilhelm I., verheiratet.

1817 verkaufte der damalige Besitzer des Bades Griesbach Anton Monsch die Quellen und einen Teil des Badgebäudes an den Karlsruher Friedrich Dolmätsch. Dieser erwarb das sogenannte obere Gebäude (bis zur Kapelle); die Quellen lagen in ihm. Dem Besitzer des unteren Gebäudes Anton Monsch wurde für seine Badegäste der ungehinderte Mitgenuß der Quellen zu Kuren eingeräumt. Im Jahre darauf erbaute Dolmätsch in seinem Badgebäude einen großen mit Säulen gezierten Speisesaal. Sein Haus verfügte etwa über 100 Zimmer. Im unteren Haus waren es etwa 80 Zimmer. Nach dem Tode der Eheleute Dolmätsch erwarb der Sohn des unteren Badbesitzers Josef Monsch wiederum das gesamte Anwesen. So waren das obere und das untere Bad wiederum in einer Hand. Als Anton Monsch bald danach starb, führte seine Witwe Monsch-Jockers das Kurhaus weiter. Sie ließ 1864 die Badkapelle abbrechen und neu erbauen. 1867 wurden im Bad Griesbach ein Neubau errichtet; außerdem hatte man beim Umbau Dampfbäder installiert.

Bad Griesbach um 1870
Auch im Bad Peterstal wurden große Umbauten und Neubauten durchgeführt. 1864 wurde neben dem Badgebäude ein neues Gebäude mit Kursaal und einem Speisesaal errichtet. Der damalige Badbesitzer Franz Xaver Müller und auch sein Vorgänger Franz Xaver Kimmig haben das Bad Peterstal sorgfältig betrieben und in der kurzen Kursaison alles aufgeboten, um dem Kurgast den Aufenthalt möglichst angenehm zu machen. Auch an Unterhaltung hat es nicht gefehlt. Neben Rasentennis und einer Kegelbahn konnte man sehr ansprechene Aufenthalts- und Spielzimmer benutzen. Daneben spielte die Kurmusik bis dreimal täglich.

Im gleichen Jahr (1876) wurde auf dem Anwesen des Josef Schmiederer (Hintere Mühle) eine neue Mineralquelle gefaßt. Er ließ damals eine Badeanstalt hauptsächlich zur Benutzung durch die Dorfbewohner errichten. Aus dieser Institution entwickelte sich in der Folgezeit ein Kurmittelhaus, das heutige Stahlbad.

Im Ortsteil Griesbach entstand 1880 aus einem Dorfgasthaus das Hotel Adlerbad, das auch heute noch über eine eigene Kurmittelabteilung verfügt.

1895 stieß man auf dem Gelände der Schildwirtschaft "Zum Schlüssel" in Peterstal auf eine weitere Mineralquelle. Von 1899 - 1902 wurde dann an Stelle der ehemaligen bescheidenen Wirtschaft ein modernes Kurhaus, das Kurhotel Schlüsselbad erbaut, seit 1982 die heutige Kurklinik Schlüsselbad.

Bad Freyersbach

Neben den Bädern Peterstal und Griesbach entstand unterhalb Peterstal um 1822 das Bad Freyersbach durch Johann Börsig. Es nahm in der Folgezeit eine günstige Entwicklung. Viele Kranke, darunter auch bekannte Persönlichkeiten, suchten hier Erholung und Heilung von ihren Leiden. Zu den Gästen gehörte auch der erfolgreiche Verfasser von historischen Romanen Karl Spindler (1796 - 1855). Der gebürtige Breslauer, der sich auch als Schauspieler betätigte, starb in Freyersbach, Sein Grab auf dem Friedhof in Peterstal steht unter der Obhut der Gemeinde. Am 29. Juni 1883, am Peter- und Paulstag, konnte der zusätzlich errichtete Neubau des Bades Freyersbach durch den damaligen Badbesitzer Josef Mayer eingeweiht werden. Er hatte zuvor, am 2. Juni 1883 um 12 Uhr, eine von allen Talbewohnern mit Aufsehen begleitete Audienz bei Großherzog Friedrich I. Dieser willigte erfreut ein in das Ersuchen des Badbesitzers Mayer, die größte der 3 beim Neubau entdeckten Quellen "Friedrichsquelle" nennen zu dürfen.

Trotz der guten Entwicklung des Kurhauses Bad Freyersbach reichten die Einnahmen nicht aus, um den großen Investitionen gerecht zu werden und den aufwendigen Hotelbetrieb zu unterhalten.

Kurhaus Bad Freyersbach vor dem Abbruch
Hinzu kamen zu Beginn des jetzigen Jahrhunderts neue Bauauflagen hinsichtlich der Hygiene und der Abwasserbeseitigung, so daß das schmucke Mayer’sche Hotel 1911 zwangsversteigert wurde. Die Gemeinde Peterstal erwarb es zum Preis von 260.500 Mark. 1917 kaufte der Badische Lehrerverein Bad Freyersbach. Seine geringen Eigenmittel wurden ergänzt durch Ausgabe von Anteilscheinen von je 50 Mark. Viele der Lehrer halfen damals mit, durch Anteilscheine das Kurhaus Bad Freyersbach zu erhalten und sogar auszubauen. Auch nach dem 2. Weltkrieg liefen die Kurmaßnahmen im Bad Freyersbach, wie allgemein gut an. Es kam jedoch in der Folgezeit zu äußeren und inneren Problemen, die schließlich zu einem Verkauf des Kurhauses führten. Im Herbst 1982 wurden die Gebäude abgebrochen.

Entwicklung der Bäder Peterstal und Griesbach seit 1900

1919 wurde das Bad Peterstal nach dem Tode des letzten Badbesitzers (Hollederer 1917) vom Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in Freiburg übernommen.

Im Jahre darauf (1920) kam das bisherige Kurhaus Bad Griesbach an den Badischen Landesverband "Christlicher Müttervereine e.V. Freiburg" und wird seither als Mütterkurhaus St. Anna geführt. Infolge der allgemeinen Ausweitung des Kurbetriebes und im Hinblick auf die lange Tradition erhielt der Ort Peterstal am 31. Juli 1920 das Prädikat - Bad - verliehen. Bis zu diesem Zeitpunkt war mit Bad Peterstal nur die früheren Gebäulichkeiten auf dem Platze des jetzigen Fachkrankenhauses gemeint. Das gleiche Prädikat wurde für den Ort Griesbach am 1. Januar 1932 zugesprochen. Als das Bad Griesbach hatte man ebenso beinahe 4 Jahrhunderte zuvor die Bauten um die Quellen des heutigen Mütterkurheimes bezeichnet.

Während vor dem 1. Weltkrieg und zwischen den Weltkriegen das Kurleben sich vor allem in den Badhotels Peterstal, Griesbach und Freyersbach sowie in vereinzelt vorhandenen Kurhotels und Gasthäusern abspielte, hat sich nach dem 2. Weltkrieg die Kur in Bad Peterstal-Griesbach stark ausgeweitet. Jetzt konnten auch in zunehmendem Maß Privatvermieter und kleinere Pensionen den Gästen ihre Zimmer anbieten. Nach Wiederaufnahme des Kurbetriebes nach dem 2. Weltkrieg im Jahre 1949 wurde durch den damaligen Präsidenten des Kneipp-Ärztebundes, Dr. J. Kaiser, in Bad Peterstal zusätzlich die Kneippkur eingeführt.

Im Jahre darauf konnte man im Ortsteil Bad Peterstal unter Bürgermeister Anton Noll eine Kurverwaltung einrichten. Geschäftsführer wurde E. Krämer, der bis Ende 1967 die Kurverwaltung mit großer Umsicht und großem persönlichem Einsatz geleitet hat. Nachfolger wurde sein langjähriger Mitarbeiter, Herr Musiklehrer Franz Huber.

Im Jahr 1954 wurde auch im Ortsteil Bad Griesbach eine Kurverwaltung unter Bürgermeister Ludwig Zimmermann eröffnet. Kurverwalter waren bis 1969 Emil Maier und hieran anschließend bis zum Zusammenschluß der beiden Badgemeinden im Jahre 1973 Josef Hoferer.

Die Kur von Bad Peterstal-Griesbach heute

Neben den jetzt vorhandenen 400jährigen ortsgebundenen Heilmitteln, den kohlensäurehaltigen Mineralbädern, neben den Moorbädern und Möglichkeiten der Kneippkur 1949 wurden in den folgenden Jahren vielfältige Therapiemaßnahmen einer Aktivbehandlung in den Kurplan aufgenommen. Hierbei konnten neben der Terrainkur vor allem hydrogymnastische Therapien in Bewegungsbädern sowie gymnastische Behandlungen angeboten werden. Daneben steht zwischenzeitlich den Kurgästen außerdem das gesamte Behandlungsspektrum der physikalischen Therapie zur Verfügung.

Mütterkurheim St. Anna (ehemaliges Bad Griesbach)
Parallel zur Ausweitung der therapeutischen Maßnahmen wurden die ansässigen gastronomischen Betriebe durch große Eigeninitiativen ausgebaut und den heutigen Verhältnissen angepaßt. Auch weitere neue anspruchsvolle Hotels sind entstanden. Sie alle bieten dem Kurgast ein behagliches Zuhause an, und falls dies erforderlich ist, auch eine notwendige Diät als wesentlicher Bestandteil des Gesamtkurkonzeptes.

Im Rahmen der Gemeindereform von Baden-Württemberg haben sich die Kurorte Bad Peterstal und Bad Griesbach, Orte mit gleicher Geschichte, 1973 zu einer Gesamtgemeinde Bad Peterstal-Griesbach zusammengeschlossen. Die Initiatoren hierfür waren der damalige Bürgermeister und Kurdirektor von Bad Peterstal Alois Noll und der letzte Bürgermeister von Bad Griesbach Emil Braun.

Seit 400 Jahren haben die Bäder Peterstal und Griesbach zur Heilung und zur Besserung der Leistungsfähigkeit zahlloser Kranker und Erholungsuchender beigetragen. Gerade die ortsgebundenen Heilmittel, die sogenannten kohlensäurehaltigen Mineralbäder, haben während der letzten Jahre in vielen europäischen Ländern eine wissenschaftliche Renaissance erlebt. Während man früher rein erfahrungsgemäß Heilwirkungen der Quellen erkannte, hat man jetzt durch vielfältige Forschungen Einzelfakten entdeckt, die letztlich die therapeutische Wirkung dieser Queilwässer ausmachen. Das im Wasser unserer Quellen physikalisch gelöste Kohlendioxyd (CO(2)) wird in meßbarem Umfang während des Badevorganges durch die intakte Haut aufgenommen. Nach der Resorption werden ganz bestimmte und in weiten Umfange bekannte Herz-Kreislauf-Wirkungen ausgelöst, die letztlich den Therapieeffekt des sogenannten Kohlensäurebades ausmachen. Bei vielen Herz-Kreisiauf-Krankheiten und vor allen bei Störungen der Blutdruckregulation sowie bei bestimmten rheumatischen Erkrankungen können Kohlensäurebäder im Rahmen von Kurmaßnahmen auch heute mit großer Wirkung eingesetzt werden.

Das Heilbad Bad Peterstal-Griesbach ist aufgrund seiner günstigen klimatischen Verhältnisse, seiner breitgefächerten therapeutischen Möglichkeiten und den vorhandenen modernen Einrichtungen in der Lage, den medizinischen Anforderungen, die heute zurecht an ein modernes Heilbad gestellt werden, voll gerecht zu werden. Dies alles spiegelt auch die günstige Entwicklung unseres Heilbades, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, wider. Die stattliche Zahl von über 300 Beherbergungsbetrieben stellen in Bad Peterstal-Griesbach ca. 2.600 Fremdenbetten zur Verfügung. Dabei haben zuletzt jährlich bei annähernd 400.000 Übernachtungen etwa 30.000 Gäste unser Heilbad besucht.

Anmerkungen

Die Arbeit ist eine gekürzte Fassung der Rede, die der Verfasser am 27. 4. 1983 beim Festakt aus Anlaß des 400jährigen Kurjubiläums im Kurhaus Bad Peterstal hielt. Das Bildmaterial wurde vom Verfasser zur Verfügung gestellt.

Literatur

J. Börsig, Geschichte des Oppenauer Tales. Oppenau 1951.,
M. Eimer, Zu Knicbis auf dem Walde. Der Kniebis und die Kniebisbäder heute. Neuausgabe von A. Hiss. Baiersbronn 1954.
L. Heizmann, Die Renchtal-Heilquellen. Oberkirch 1927. A. Lederle, Bad Griesbach und seine Besitzer im 17, und 18. Jahrhundert, in: Ortenau 30/1950, 5. 142-154., J. Zentner, Das Renchtal und seine Bäder Griesbach, Petersthal, Antogast, Freiersbach und Sulzbach. Carlsruhe 1839.

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