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Der Kirchenneubau zu Kappel a. Rh. unter Vitus Burg


Joseph Sauer - Die kirchliche Kunst derersten Hälfte des 19ten Jahrhunderts in Baden - Freiburg 1933, S. 215 ff.

Kappel a. Rh. (173) Hier hat der Ortspfarrer, der Bischöfl. Commissarius Dr. Vitus Burg mit großer Umsicht, Zielklarheit und Tatkraft in kurzer Zeit einen Kirchenneubau an Stelle des zu klein gewordenen Gotteshauses über alle Schwierigkeiten hinweg durchzuführen verstanden. Die Baupflicht war geteilt, zwischen der Herrschaft für Turm und Chor, und der Gemeinde für Langhaus und Altäre. Am 1. Mai 1826 berichtete Burg an das Generalvikariat über den von Bauinspektor Voß in Offenburg ausgearbeiteten und von der Großh. Baudirektion (Weinbrenner) in Karlsruhe verdesserten Riß, wonach die alte Kirche Von 1737 als Chor stehen bleiben solle; dadurch würde der Neuban geräumig genug und böte keinen Anlaß zu Beanstandungen wie bei so vielen Kirchen.

Für die Altäre hat Burg Bilder von Ellenrieder in Aussicht genommen, "falle sie zu einem dem Vermögen der Gemeinde angemessenen Preis zu bekommen sind, und zwar sollte auf den Hochaltar ein Motiv aus dem Neuen Testament, auf den rechten Seitenaltar die Darstellung der Gottesmutter, auf den linken die der Kirchenpatrone, Justina und Cyprian, kommen". Das Generalvikariat sprach (11. Mai 1826) seine volle Befriedigung aus über den so schönen Plan und sdie mühevolle Sorge Burgs um diesen Kirchenbau, dessen "Schönheit noch ungemein gesteigert würde, wenn der Betrag zu stande käme, daß die drei Altarblätter durch die berühmte große Künstlerin Ellenrieder gemacht würden. Sie würden dauernd eine schöne Zierde auch für die späte Nachkommenschaft sein".

Noch im Sommer dieses Jahres wurden die Bauarbeiten in Angriff genommen und schon im Frühsommer 1828 ging er der Vollendung entgegen. "Unter den vielen Kirchen, welche seit dem letzten Decennium in Baden aufgeführt wurden möchte diese", meint Burg am 26. Mai 1827, "dem mindesten Tadels ausgesetzt werden können... Sie ist um ein Drittel zu groß für die Gemeinde". Altäre und Kanzel lieferte nach eigenen Entwürfen in Stuckmarmor Jod. Wilhelm um 2.830 fl. (1827). Der Hochaltar war "in griechischer Architektur mit 4 Säulen" aufgebaut. Auf der Mensa neben dem Tabernakel waren zwei betende Cherubim angebracht. Die Farben des Stuckmarmor waren teils schwarz, teils grau, teils rot und eine zurückhaltende Vergoldung an einigen Stellen. Als Altarblatt wurde eine alte Darstellung der Kreuzabnahme, signiert "von Schlichten 1727", die Burg in Heidelberg erworben hatte, verwendet.

Das Domänen-Ärar, das für diese opulentere Form des Hochaltares die Kosten nicht übernehmen wollte, gewährte wenigstens einen Beitrag von 350 fl. (17. Febr. 1828). Die Seitenaltäre entsprechen in Architektur und Ton dem Hauptaltar; auf den rechten kam jetzt ein Bild der zwei Patrone von Maler Kranek, "der sich hauptsächlich als Porträtmaler betätigt", und an dessen Entwurf Burg manches auszusetzen gehabt hatte; auf den linken die Darstellung der Gottesmutter, von dem Maler Mattenheimer aus Bamberg(173a). Burg hatte, wie er dem Generalvikariat mitteilte (26. Mai 1827), "geglaubt, die Frl. Ellenrieder würde sich wenigstens aus Erkenntlichkeit für mich, weil ich ihr die Verfertigung der Altarblätter in Ichenheim und Ortenberg mit vieler Bemühung verschaffte, entschließen, von ihrer Kunst ein Denkmal in die hiesige Kirche zu verfertigen. Sie habe auf Anfrage als Preis 800 - 1.000 fl. genannt"; als ihr aber die Gemeinde einen Kontrakt zu 800 fl. schicken wollte, habe sie entrüstet erklärt, ihr Vater lasse nur einen Vertrag zu 1.000 fl. zu. Und als die Gemeinde sich schließlich auch dazu bereit erklärte, habe sie geantwortet sie habe mittlerweilen andere Akkorde übernommen und könne sich auf diesen nicht mehr einlassen. Sie wolle aber die Aus führung einer Freundin überlassen. Dazu aber wollte sich die Gemeinde und Burg nicht verstehen.

Der letztere bedauerte, daß "er in seinem Vertrauen auf Ellenrieder getäuscht worden sei". Zur Vervollständigung der Innenausstattung suchte der Pfarrer und Kommissarius noch um Genehmigung zur Errichtung eines ganz niederen Kreuzaltares nach "für die dort eingeführte deutsche Listurgie, an der das Volk sich besser erbauen könnte, wenn es ihr folgen könnte. Es soll darauf nur ein kleiner Tabernakel, ein kleines Crucifix und ein kleines, im Besitze Burgs befindliches Bild aus der Schule von Albrecht Dürer kommen, so daß der Hochaltar nicht verdeckt würde". "Wie ich überhaupt den schönen und mit vieler Mühe und Sorgfalt von mir veranstalteten Kirchenbau als ein Denkmal meines Hierseins ansehen muß".

Das Generalvikariat erteilte, 31. Mai 1827, die Genehmigung auch für den Kreuzaltar, bemerkte aber bezüglich der Seitenaltarbilder: "Der Maler Kranek hat uns bisher keine Skizzen eines Altarbildes vorgelegt. Derselbe scheint uns aber nach den Bildnissen, die wir von ihm kennen, zu einer solchen Arbeit wenig geeignet. Wir glauben zuversichtlich, die Malerin Ellenrieder werde sich wohl noch ein Altarblatt un 1.000 fl. zu etwa in drei Jahren zu fertigen verstehen, wofern Sie sie aufmuntern werden. Ein solches Bild ist dann für die schöne Pfarrkirche eine bleibende Zierde".

173.) Erzb. Archiv Kappel a. Rh.: Kirchenbausachen - G. L. A. Bezirkssamt Ettenheim Verwaltungssachen. Kappel a. Rh.: Kirchensachen. Fasz. 206 (Zugang 1908 Nr. 105).
173a.) Vermuttlich handelt es sich um Carl Mattenheimer, den Bruder des Münchener Galerie-Inspektors und Konservators Theodor M..., beides Söhne des angesehenen Bamberger Hofmalers Andreas Theodor M. († 1810). Carl Mattenheimer geb. 1791, erhielt seine erste Ausbildung beim Vater, besuchte 1811 die Akademie zu Wien und war mehrere Jahre Schüler P. von Langers in München; kam 1820 als Galerie-Inspektor nach Zweibrücken und nachher als Galerie-Ispektor nach Bamberg. Er starb 1852. Vgl. Nagler, Künstlerlexikon VIII, 447. Aus dem vorhandenen Aktenmaterial ist nicht zu ersehen, wie dieser Auftrag an ihn zustande kam. Die Berufung auf ein kurz zuvor entstandenes Altarbild in der Kirche zu Bleichheim macht die Frage noch verwickelter; denn dort wurde im gleichen Jahre 1827 ein Akkord für drei Altarbilder mit dem Freiburger Maler Wengler geschlossen. Vgl. oben S. 58.


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