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Burg und Schloss Hornberg

Der Schloßberg (455 m ü.d.M.) ist ein flacher Bergvorsprung im Westen der Stadt Hornberg, die 100 Meter tiefer (Rathaus 350 m ü.d.M.) im Gutachtal liegt Das Schloßgelände selbst ist etwa 150 Meter lang und erstreckt sich von Südosten nach Nordwesten Zum besseren Verständnis der folgenden Ausführungen ist es ratsam, sich am Plan des Schloßbergs aus der Zeit um 1800 und am Kupferstich von M. Merian (erschienen 1643) zu orientieren Der Hornberger Schloßberg in einem Plan aus der Zeit um 1800 Dem Besucher wird ein Rundgang vorgeschlagen, der ihn zunächst zum Rondell und damit zum Platz der ältesten Burganlage führt Die dort aufgeführten Mauern stammen zwar aus dem 19. Jahrhundert, die Steine jedoch sind sicherlich schon früher verwendet worden und erlauben Rückschlüsse auf die Bauweise Vorbei am Pulverturm (Jahreszahl 1621 über dem Türsturz) kommt man zum eigentlichen Wahrzeichen, dem mittelalterlichen Bergfried Hinter den Wehranlagen - mit Blickrichtung Gutach - liegt das um 1900 erbaute Schloßhotel Der Bergvorsprung über der heutigen Stadt Hornberg bot sich für den Bau einer Burg aus verschiedenen Gründen geradezu an Drei felsige Steilhänge begrenzen den Bereich des ersten Baus Von hier aus lassen sich das Gutachtal und die Mündungsgebiete von Reichenbach, Schwanenbach und Offenbach trefflich überschauen und die Bewegungen auf Straßen und Wegen kontrollieren Es ist noch nicht geklärt, wann die erste Burganlage auf dem Hornberger Schloßberg erbaut wurde; spätestens muß es nach der Teilung des Herrschaftsgebietes der Herren von Hornberg um 1200 gewesen sein Ihre erste Burg stand auf dem Schloßfelsen in Alt-Hornberg. Hitzfeld vermutet, daß schon vor der Teilung der älteste Bau auf dem späteren Schloßberg errichtet wurde Man kann dieser Annahme folgen, weil die mörtellose Mauerung dafür spricht und vor allem weil sicher schon in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts der Raum um Hornberg und Gutach wirtschaftlich für die Herren auf Alt-Hornberg von großer Bedeutung war Die strategisch günstige Lage des Schloßbergs wurde erst mit der Zunahme des Handelsverkehrs und den damit verbundenen Auseinandersetzungen wichtig, also im 13. und 14. Jahrhundert  In diesem zeitlichen Rahmen muß man auch den Bau von drei Türmen sehen, die von den Herren von Hornberg errichtet wurden den Bergfried oder Wartturm auf dem Schloßberg, den Turm im Tiefenbach und schließlich den Turm in Gutach Diese wehrhaften Anlagen hätten in der Zeit des ungeteilten Herrschaftsgebietes, als besiedelt und gerodet wurde, keinen Sinn gehabt Sie waren erst nötig geworden, als der Handelsverkehr zunahm, das Reisen unsicher war und Kontrolle und Geleitschutz dem Landesherren etwas einbrachten Zumindest die Zeit der Erbauung des Bergfrieds und des Turms in Gutach sprechen für diese Überlegung Vom ältesten Bau beim heutigen Rondell sind nur noch große, behauene Granitblöcke vorhanden, die ohne Bindemittel zusammengefügt waren Man kann annehmen, daß der Unterbau auf der Merian’schen Darstellung von der ältesten Burg stammt Den Bau der ältesten Burg verlegt Hitzfeld zu Recht in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts; dafür sprechen die Bauweise und die Tatsache, daß es sich offensichtlich nicht um einen Wehrbau, sondern um einen herrschaftlichen Wohnbau und Wirtschaftshof für die Lehensgüter im unteren Reichenbach-, Schwanenbach- und Gutachtal handelte Die weiteren Vermutungen über das Aussehen der ersten Burg aufgrund des Merian-Bildes oder der Hinweis Jäckles, noch im 19. Jahrhundert seien in der Nähe des heutigen Rondells Reste eines Turmes sichtbar gewesen, sind zu unsicher und entsprechen nicht dem heutigen Kenntnisstand  Leider wurden die Reste der 1. Burg gegen Ende des 19. Jahrhunderts beseitigt Das auf dem Merianstich anstelle des hochmittelalterlichen Burgbaus zu sehende Gebäude stammt sicher aus der Zeit der Württemberger 1443 verkaufte nämlich Konrad aus der Nebenlinie der Herren von Hornberg seine Besitz- und Herrschaftsrechte an die Grafen von Württemberg Schon Jahrzehnte zuvor hatte der Ausverkauf des Hornberger Besitzes begonnen, und nach 1443 zog alsbald ein württembergischer Untervogt auf, der im alten Gebäude wohnte und für den wohl bald der auf dem Merianbild gezeigte Bau errichtet wurde Später diente dieses Gebäude als Fruchtkasten, Zeughaus und Gefängnis Wie so viele mittelalterliche Burgen wurde dieser Bau während des Dreißigjährigen Krieges zerstört Von 1640 bis zum 20. Februar 1641 hatten sich hier schwedische und französische Soldaten festgesetzt und - ein Kuriosum auf so engem Raum - in der benachbarten Hauptburg bayrische Truppen Ehe die Schweden und Franzosen abzogen, setzten sie den roten Hahn auf das Dach der Burg, die später auch nicht mehr aufgebaut wurde Merians Blatt über Hornberg kam 1643 heraus, die Bauaufnahme muß indes schon einige Jahre früher vorgenommen worden sein Hitzfeld nimmt für die Entstehung des Bildes gar das Jahr 1600 an Die bei Merian abgebildeten Gebäude auf dem Schloßberg sind mit Ausnahme des Bergfrieds und der Grundmauern der ältesten Hornberger Burganlage (links) aus württembergischer Zeit Letztere wurde 1641 niedergebrannt. Schon aus diesem Grund muß die Bauaufnahme Merians früher gewesen sein Auch über die Entstehungszeit der zweiten Burg mit dem Bergfried ist nichts bekannt  Allerdings bietet gerade der Bergfried als einziges erhaltenes Bauwerk aus der Zeit der Herren von Hornberg aufgrund des baulichen Befundes Hinweise auf die Zeit der Erbauung Darüber hinaus läßt sich aus der Familiengeschichte der Herren von Hornberg mit ziemlicher Sicherheit ablesen, wann ein solch gewaltiger Bau für eine relativ kleine Landesherrschaft überhaupt nur möglich war Hitzfeld hat dies überzeugend dargestellt, so daß hier seine Überlegungen zur Entstehungszeit der Hauptburg folgen sollen Um 1200 fand eine erste Teilung der Herrschaft Hornberg statt, wobei die Herrschaft Triberg und (Neu-)Hornberg entstand  Ursache war sicher nicht nur die größer gewordene Familie, auch die wirtschaftliche Entwicklung im Gutachtal und der Gang der Geschichte im allgemeinen mögen dazu beigetragen haben Städte entstanden, der Handelsverkehr nahm gewaltig zu und auch die Bevölkerungszahl stieg Burkhard von Hornberg erhielt die Herrschaft Triberg, die Brüder Bruno und Werner Hornberg Seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gibt es zwei Hornberger Linien, ausgehend von Friedrich und Bruno, dem Minnesänger Die Hauptlinie Friedrichs blieb beim Wappen mit dem grünen Dreiberg, während Brunos Linie einen schwarzen im Schilde führte Eine regelrechte neue Lehensteilung fand nicht statt, man einigte sich auf bestimmte Einkünfte und Anteile an der Herrschaft, wobei Friedrich als älterem Bruder mehr zufiel als Bruno Eine gewisse Wohlhabenheit der Brüder ist daran abzulesen, daß Friedrich 1312 als Besitzer der Schneeburg auf dem Schönberg bei Freiburg genannt wird und Bruno 1280 als Stifter der Kapelle der Zisterzienserabtei Tennenbach auftritt, die heute als einziger Überrest des Klosters an der Straße von Sexau nach Ottoschwanden steht Jedenfalls scheinen die Hornberger in der Zeit Friedrichs und Brunos in geordneten Verhältnissen gelebt zu haben, und der Bau einer neuen Burg mit oder um den Bergfried liegt nahe Gegen eine spätere Bauzeit spricht der beginnende Niedergang der Hornberger und der Ausverkauf des Herrschaftsgebietes Beides deutet sich unter den Hornbergern der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts an Wernher von Hornberg schenkt am 6. November 1349 Das Stift belehnte ihn wieder mit Burg und Hof und dazu mit Dorf und Herrschaft Ebringen Deutlicher wird der Niedergang bei den Vettern Wernhers, Heinrich und Friedrich Sie gerieten durch die Auseinandersetzungen mit den Straßburgern um den Turm in Gutach in Not, so daß Heinrich 1370 den Die neue Burg aus dem 13. oder frühen 14. Jahrhundert diente der Hauptlinie der Herren von Hornberg als Residenz Aber schon 1423 verkaufte sie Brun Werner von Hornberg mit dem Anteil seines Herrschaftsgebietes an die Grafen von Württemberg, die ihm bis zur völligen Bezahlung des Kaufpreises das Schloß Schiltach als Wohnstätte zuwiesen Der Bergfried, heute neben dem Pulverturm einziges Relikt aus der Hornberger bzw. Württemberger Zeit, verdient hier als Wahrzeichen Hornbergs eine ausführliche Beschreibung Heute ist er noch 17 Meter hoch und in 16 m Höhe durch eine Plattform abgeschlossen Die Grundrißaußenmaße betragen 8,05 m : 8,85 m, die Mauerstärke schwankt um 2 Meter, so daß sich eine lichte Weite von etwa 3,60 m :4,25 m über die ganze Turmhöhe ergibt; dort springt die Mauer um 1,25 m zurück
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