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Einzelbildnachweise Kolonie Nordrach

Bis 1965 gab es in dem kleinen Schwarzwalddorf Nordrach gleich vier Tuberkuloseheilstätten, die letzte bestand bis 1975 Die klare Luft und die nebelfreie Lage zogen viele Tuberkulose-Kranke an Daher wurde der Ort auch 'badisches Davos' genannt Das schweizerische Davos war in der damaligen Zeit eine Hochburg der Tuberkulose Behandlung Bevor TB mit Antibiotika behandelt werden konnte, boten Frischluftkuren die größte Heilungschance für die Kranken Jede der Heilstätten in Nordrach wendete sich an eine bestimmte Bevölkerungsgruppe Die jeweilige Entstehungsgeschichte unterstreicht die unterschiedliche Bestimmung und Ausrichtung der Häuser Der Sozialist und Arzt Otto Walther hatte im Studium in Leipzig seine erste Frau Hope Adams kennen gelernt, die als erste Frau im deutschen Kaiserreich ein medizinisches Staatsexamen ablegte In Frankfurt a. M. hatten die beiden erst eine Gemeinschaftspraxis Sie waren mit Friedrich Engels, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht befreundet Als Ende 1886 das Bismarck’sche Sozialistengesetz alle SozialistInnen aus Frankfurt a. M. ausweisen ließ, kam das Ehepaar dem zuvor Sie siedelten in den Schwarzwald, denn Hope Adams war zudem an TB erkrankt und erhoffte sich dort eine Linderung ihrer Krankheitssymptome Nach Konflikten mit den großherzoglich-badischen Behörden in Offenburg, die Otto Walther wegen dessen sozialistischer Tätigkeit für kurze Zeit verhafteten, begann das Ehepaar ein geeignetes Gelände für eine TB-Heilstätte zu suchen In Nordrach wurden sie fündig und kauften zahlreiche Gebäude, um dann 1890 ihre Heilstätte zu eröffnen Ihre Therapie basierte auf dem Prinzip, den Kranken gute Unterkünfte, gutes Essen und viel körperliche Bewegung an frischer Luft angedeihen zu lassen Walther war strikter Gegner der damals üblichen Liegekuren Die Kranken würden verweichlichen, so seine Theorie Statt herumzuliegen sollten die Kranken wandern gehen Die verstreut liegenden Häuser, die den meist armen PatientInnen als Einzelunterkunft dienten, erhielten wegen ihrer recht luxuriösen Ausstattung von den Einheimischen den Beinamen 'das Walthersche Paradies' Die Gebäude hatten elektrisches Licht und viele sogar schon Duschen Neben mittellosen Menschen kamen Persönlichkeiten aus ganz Europa in die Volksheilstätte, darunter August Bebel und Klara Zetkin, die an TB erkrankt waren Bis 1893 leitete das Ehepaar die Heilstätte gemeinsam Dann ließ sich Hope Adams von ihrem Mann scheiden und zog nach München. Otte Walther führte die Volksheilstätte zunächst weiter, bis er sie 1908 an die Landesversicherungsanstalt (LVA) Baden verkaufte

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